153. Iahrg
Samstag, 25. Älpril 1903
•riArhr» fflgfiA mit Vusinahm« btf GmnckagG.
richtig I linfl.) Aber da» kann doch nicht in der Absicht der Inter-
ihre Nebenmenschen über den Haufen zu stoßen. Im Interesse der
Armee, der Mar,ne und deS Vaterlandes müssen mir dafür form daß solche Tummejungensrreiche unmöglich toetben. (SeiraH.)
Damals hatten sich die Zusammenstöße zwischen Militarismus und
ich
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tk öitlt»; tüt den Bnjnontirtl. H BeC
Abg. Bebel (S03.): Mit Worten allein ist eS nicht gethan. die Wünsche der Interpellanten müsien auch in die That umgesetzt werden. Solche Fälle werden vorlommen. so lange bas System be- — ‘ - "" Dadurch unterscheiden wir
dem Hause eingehende Darlegungen zu machen.
Was die zweite Frage betrifft, so sind die Bestimmungen über den Wafscugebrauck dcS Militärs ganz präzise, und ebenso die Best, mmungen und Vorschriften über d,e Behandlung ©ctrunlcner. Tie Vorschrift über die Verweisung von Waffen lautet: .Jeder Vorgesetzte ist berechtigt, die Waffe zu gebrauchen, um einen thctt- lichen Angriff eine» Untergebenen abzulvehren oder um seinen De-
Ter Fähnrich Hüsiener hat also direft das Gegeniheil von dieser Vorschrift gethar. Eine solche ungeheuerliche That, wie er l'te Gegangen har, ist gewiß sehr bedauerlich, aber ich muß.im Namen der Marine und des HeereS entschieden dagegen proteitiren, daß ein solcher Fall gencraliswt wird. Unter der großen Zahl von jungen Männeri,, die fdi dem Heere oder der Marine widmen wollen. g,cvl es eben auch solche lieuie, man muß pflichtgemäß versuchen iu zu erziehen, man tonn nicht mit Sicherheit vorher beurtbcilen, rcie sie sich ennrideln. Es werden eben die Menschen in verschiede-
Der Fatznrrch Husjener ist aber bodj schon
H„ daß wir das System verurtheilen, dem diese Erscheinungen entspringen, währendSic nur über die Symptome
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'limmte allgemeine Regeln für die Bebandlung betrunlener S baten lancn sich nicht geben; aber em unmittelbares Handanleg. des Vorgesetzten zur Entfernung des Trunkenen muß vermied, werden, auch dazu sollte der Vorgesetzte die H'lfe von Äamerabep des Betrunkenen oder anderer Personen in Anspruch nehmend
rankbar. Er hat zwar gesagt: Tie Person deS Missethälers imer- efjirt unS wenig. Trotzdem bat er den Fall bis ins Einzelne ver- feigr utid gerade baburcr den Beweis erbracht, daß es sich nicht um
' 3 5 e nä andclt, sondern um die Thal eines un-
Luecke, der einen Menschen erstach und dafür noch befördert wurde! In der Erlaubniß des WafsentragenS ist die Lrlaubniß deS Miß- brauchs schon von selbst gegeben. Und keineswegs nur bei jüngeren Leuten! Ich erinnere mich noch ganz gut der Fälle auS der
.:, a.s 00 ein Leekadctt noch ein ganz j risst aoer keineswegs zu. Avance- i nein Lebensalter reis.
1 i 2 incs. Ich bedauere. Laß Herr Lenz- .anzen g.eot es in der r»rmee noch
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gcgeiyutrctcn, die im Publikum verbreitet find.
fassung. daß den betreffenden Chargen ein unrichtiges Verfahren 1..--------... - - - , -
anerzoaen wird, muß ich auf das Allerem,'chiedenste proteitiren, uh sAndauernder Lärm und erreg« Zurufe tiNls.)
olaubc für Niemanden ist eS unangenehmer, wenn solche Fälle mann hat den Fall im E n-einen behände-t. Ich bin i^m dafür passiren, als für den Vorgesetzten selbst; aber ich glaube, man kann cc- »..-unr
einen solch ganz erzeptionellen Fall, über den ja noch nicht einmal volle Klarheit herrscht, nicht generalijiren. ES wird das Verbot des Doifentragens auf Urlaub gefordert. Soll da der Earniion- die rrucc: eines i Urlaub auch emgeschlosicn sein, oder soll cm Unterschied gemacht zur... in -fa — n j
1genleidenden y aus £antbadeit gen entgtüd* nut, war mir abtelmiflen, qualooLiat , und «erdauM-«' rrdevMMhcit. «
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Pnrlamriitarifchk VcrljanDliinflcn.
Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet.
Deutscher Reichstag.
265. Sitzung vom 24. April.
1 Uhr. Tas HauS ist g u t besetzt.
Am Bundes rathSlisch: von Tirpitz, Frhr. von Th i eich a n n u. Ü.
Auf der Tagesordnung steht zuerst die Interpellation der Avgg. Gröber und Stötzel ((Sn.j, die an den Reichskanzler die Anftage richten
1. was dem Reichskanzler über die Tödtung deS Fuß- Artilleristen Hartmann vom Westfalischen Fuß-Arnllerie-Regi- ment Nr. 7 in Köln durch den Kadetten zur S«e Hussener ,n Essen bekannt ist; L. ob der Reichskanzler bereit ist. dahin zu wirken, daß durch Abänderung der bestehenden Vorschriften über das Waffentragen beurlaubter Kadetten und Mannschaften der Begehung solcher und ähnlicher verbrechen mehr als bisher vor- gevcugt wird.
Auf die Frage des Präsidenten Grasen Ballestrem, ob und wann der ReichSlanzler die Interpellation beantworten wolle, erwidert
Staatssekretär von Tirpitz: Ich bin bereit, die Jiilerpellation sofort zu beantworten.
Zur Begründung der Interpellation erhält daS Wort
Abg. Sloeyel (Centt.): Der Fall Hüssener hat in Essen ein so großes Aussehen erregt, daß er unbebingt hier im Reichstage besprochen werden muß. Redner schildert hierauf den Vorgang, wie er auS der Darstellung durch die Presse bekannt geworden ist. Hartmann hat sich dem Seekadetten nicht widersetzt, sich aber auf der Straße von diesem loSgerisien, und nun versetzte ihm Hartmann einen Stich, der die Lunge durchbohrte. Auf der Wache behauptete Hussener, er habe den Hartmann zu seiner eigenen Sicherheit arte» tirl, weil dieser betrunken gewesen sei. Der Begleiter deS Hartmann stellt daS in Abrede. Jedenfalls ist dieser Grund in keiner Weise stichhaltig. AIS die Sache bekannt wurde, entstand eine
fertigt W Hs TL tetaüsar»® lauft*.
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pedanten gelegen haben.
Die Marrneverwalnmg bedauert aufS Tiefste daS unglückliche Borkommniß. und ich kann nur sagen, daß in der Beuriheilung. welche dieser Fall in der Marine selbst gefunden hat, vorausgesetzt, daß die biS letzt bekannt gewordenen Thcusachen richtig sind, die slarkste Sicherung gegen die Wiederholung eine» solchen Falle» liegt, soweit überhaupt ein solcher Schutz absolut gegeben werden kann. (Rufe b. d. Soz.: DaS ist Alle»Vf
Auf Antrag de» Abg. Schädler sCtr.f tritt da» Hau» in die Besprechung der Interpellation.
Abg. Lenzmana sfreis. 8JpJ: Der Fall fordert zu einem Ver- gleich mit dem Fall Brüsewitz heraus. Brüsewitz hat die ihm zu- dlktirte Strafe auf sich genommen und einen Tod gefunden, der einer Sühne gleichkomrnt. Der Fähnrich zur See Hussener aber, der angeblich seine Offtzierßehre retten mußte, hat bei seiner Vernehmung Unwahrheiten gesagt, um sich aus der Schlinge zu ziehen. Da» ist fern Muth, sondern daS GcgentheU von Muth. sSehr wahrl links.f Er hätte viel ehrenhafter gehandelt, wenn er den betrunkenen Kameraden, der doch auch de» Kaiser» Rock trug, nach Hause begleitet hätte. Daß Hussener den Hartmann und dessen Familie nicht kannte, wird er Niemandem weih machen, denn der Vater deS Hartmann ist der Inhaber deS ersten Hotels in Essen, in dem die Offiziere verkehren. Ich selbst kenne den Verstorbenen al» ruhigen Menschen, der keinen Anlaß gegeben, ihn so zu be- handeln, als wenn er nicht em Mensch, sondern ein Thier wäre, da» zur Strecke gebracht werden soll. Wenn daS richtig ist, waS der Freund von Hartmann sagte, so hat Hüssener weder Widerstand geleistet, noch den Gehorsam verweigert. Auch fragt eS sich, ob Hüssener überhaupt befugt war, die Verhaftung vorzunehmen. Wohin soll eS denn führen, wenn jeder Soldat über den Haufen gestochen werden kann, wenn der Vorgesetzte glaubt, daß er ihm den Gehorsam verweigert? Nun sucht sich Hüssener damit auSzureden, daß seine Offtzierßehre ihn genöthigt hätte, so roh und bru-al vorzugehen und zum Meuchelmörder zu werden. Welche Begriffe 1 von Ehre hat denn dieser Mensch, btr überhaupt noch gar nicht Offizier, sondern einfacher Unterofftzier ist? Wir haben keinen Grund, uns mehr ak nöthtg mit dieser Person zu befassen, aber psychologisch ist eS interessant, festzustellen, bah für ihn allein maß- gebend war der Instinkt einer brutalen Uebcrhebung eines albernen Sekundaners. Wie roh und brutal dieser Mensch ist, geht daraus 1 hervor, daß er nach der That. al» wenn nichts geschehen wäre, auf der Wache dem Wachthabenden eine Cigarette anbot und sich selbst in aller Gemüthsruhe eine Cigarette ansteckte. Daß er ein ganz alberner, kaum für Sekunda reifer Mensch ist, lehrt der Brief, den er an die Eltern des Getödteten geschrieben hat. Der Knabe besteht aus einem Konglomerat von Plumpheit, Geftihls- । rohheit und protziger lieberbebu 11g. TaS sind seine Eigenschaften: vielleicht endet er noch mal al» Straßenkehrer in Amerika. Ich würde ihn nicht bedauern. ES ist erklärlich, daß solch ein Mensch nur m Folge einer sehr hohen Protektion der Armee eingereiht werden konnte. Auf den zweiten Thett der Interpellation hat der Minister so gut wie gar nicht» geantwortet. Ich habe gar nichts dagegen, daß den Soldaten ein gereifter Respekt vor der Waffe eingeflößt wird, daß sie sich bewachten sollen al» die berufenen Waffenträger, aber man darf niemals Dcrgeften, daß die Armee dazu da ist, da» Volk noch innen und außen zu schützen, und daß die Waffe kein Schmuck ist. Im Urlaub ist da« Waffentragen überflüssig, außer- 1 halb deS Dienstes sollte den Offizieren überhaupt da» Wa,en- tragen verboten werden. Zum Mindesten aber sollte unreifen Leuten, die die Waffe noch als Spielzeug betrachten, die Waffe Senommen werden, sobald sie sich gegen Die Mitbürger ober die ^gehörigen der Armee richten kann. Gegen daS Verhalten dcS Hüssener muß die Regierung scharf Stellung nehmen, sie darf solche That nicht entschuldigen, oder aber sie beschwört die Gefahr
selbst zur Verhaftung des Betrunkenen schreiten, eS wird das aber nur bei Aufläufen, Schlägereien und ähnlichen Evessen in Frage kommen, und auch dann wird der Vorgesetzte gut thun, die Wache Herl,ei zurufen. Jedenfalls sollte er auf jede nur mögliche Weise eine Anregung zur Insubordination zu vermeiden tuchen. Bestimmte allgemeine Regeln für die Behandlung betrunkener Sol- ---------•‘•Abatefl Handanlegen
Staatssekretär v. Tirpitz: Ich habe kein Dort der Entfchuldi» gütig vorgebracht, sondern die That auf das Allerentschiedenste verdammt ; ich habe nur den Vorbehalt gemacht, daß, wenn die gerichtlich: Untersuchung neue Thcttsachen ergeben sollte, ich diese noch mittheilen würde. Es ist weiter gesagt, man hätte den Hüssener schon lange vor dieser That wegen seine» Verhalten» entlasten sollen. Nun. man wird doch bei einem jungen Mann immer erst versuchen müssen, ob er nicht noch zu erziehen ist; e» gehört doch schon ein gereifter Entschluß dazu, ihm durch die Entlassung die Karriere vollständig zu unterbinden. Ich habe mich in Betreff de» Hüssener nochmals erkundigt und ein Telegramm erhalten, worin von ihm gesagt wird, daß er leicht erregbar sei, sich gegen Untergebene sehr schroff verhalte, keine ftrenge Selbstzucht zeige und bei seinen Kameraden sehr wenig beliebt fei. Während der Marineschulzeit sei einmal sogar schon ernstlich seine Entlassung erwogen worden (hört, hörtl), man habe sich aber dann doch noch einmal zu einem Versuche mit ihm entschlossen. — Anläßlich eine» Vorfalls, der im Januar im Rheinland passirte, wurden die Seefähnriche eingehend und ernstlich inftruirt, in solchen Fällen Militär nicht anzuhalten, sondern die Fälle zu melden. Von einem anerzogenen System der Ueberhebung kann also gewiß nicht die Rede sein. Die Behörde hat eingesehen, daß Mitzgrifft möglich sind und darum die Fähnriche inftruirt, baß Anhalten überhaupt sein zu lassen. Also der Fähnrich Hüssener hat in dieser Beziehung direkt gegen die Instruktion gehandelt. Er bat weiter gegen die Instrunion bezüglich der Behandlung Betrunkener gehandelt. E» kommen hier zwei KabinetSordreS in Bettacht, die regelmäßig in gewissen Zeitabschnitten verlesen werden. ES heißt da: -^ußer Dienst bleibt zwar die Trunkenheit immer eine grobe Unsittltch- keit, die Vorgesetzten werden sich aber durch klugeS Benehmen außerhalb der unmittelbaren Berührung mit dem ®etnmlenen halten und Insubordinationen sowie wörtliche und thätliche Widersetzlichkeiten in den meisten Fällen vermeiden können. Zwar kann
mentSverhältnisse bei der Marine sind eben ganz andere, al» die beim Landheer. Die jungen Leute erlangen dort den Grad eine» Fähnrich» zur See erst zu einer Zeit, wo ihre Kameraden von der Landarmee längst Leutnant» sind ES ist bemängelt worden, daß btt jungen Leute, wenn sie an Land gehen, den Heinen Degen zur Sette tragen. TaS sei doch nur Putz und Tand. Nun ich denke: solch ein Seekadett, der ja nicht Alveierlci Tuch trägt, sondern einen einfachen blauen Rock ebne alle Zuthaten (Zurufe link»: Enlsetzlichl Hört! Hörtl und Heiterkeit) — der in diesem einfachen buttern Rack blanken Knöpfen zumacht, man nur ein einfache» Iackct sieht und (Hui Hui Ohi Ohl und Heiterkeit linl») an» Land gebt — ja, die Folge davon ist, daß, zumal wenn et seinen blauen Rock mit den blanken Knöpfen zumacht, man nur ein einfache» Jacket sieht und der Träger gar nicht für einen Militär gehalten wird . . . (Rufe bei den Lvz.: Hört, hörtl Fürchterlich! EntsetzlichI Lachen.) — Können Sie mich denn nicht aussprechen lassen? Ist Ihnen bie Wahrheit so unangenehm? (Lachen link».) ES ist doch wahr! Der kleine Degen ist doch daS einzige Abzeichen deS Militär» l In diesem Fall haben Sie doch leine Veranlassung, von Putz und Tand zu sprechen. (Zurufe links: O dochl Was denn?) Und ist eS den jungen Leuten, die so sehr gegen ihre Kameraden von der Landarmee benachtheiligt sind, zu verdenken, wenn sie stteng daraus achten, daß ihnen dienst- g.maß alle Ehren zu Thcil werden, bie ihnen al» Vorgesetzten gebühren?
Jnbeften, wozu ich mich zum Wort gemeldet hatte, war, rnn Namens meiner politischen Freunde zu erklären, daß e» sich nur um einen Einzelfall handelt, der keineswegs baß Typische darstellt. Herr Bebel sprach bavon: auf jeder Kirchweih passiren solche Fälle. Aber bie Menschen, bie bart getöbtet werden, fallen nicht dem Säbel deS Soldaten zum Opfer, sondern dem Messer de» Bauernburschen. In Deutschland hat verfassungsmäßig jeder Mensch da» Recht, Waffen zu tragen. Wollen Sic c» gerade dem Soldaten verwehren? (LH! Oh! link».) Ich kann mir einen Soldaten ohne Waffen auf die Tauer gar nicht vorstellen l (Heiterkeit ltnkS.) Nicht mit Unrecht haben wir immer darüber gcipouet, wenn wir bie Solbaten und Offiziere in England sehen, schief auf dem Scheitel baß rothe Käppi, und bie Reitpeitsche ober ba» Stöckchen in bet Vanb, weil wir baß nicht für soldatisch halten. (Abg. fiebebour ruft: Welch kleinliche Auffassung!) Sie mögen ba» al» kleinlich ansehen, aber ich glaube, ich habe auch baß Recht, meine Auffassung zu theilen. (Heiterkett.) Jebenfall» glaube ich nicht, daß man au» biesem Einzelfall heran» berartige allgemeine Forde- rungen stellen kann. Ich gebe zu, die Frage ist der ernstesten Erwägung Werth, aber ich verwahre mich dagegen, daß biefer Fall als das Symptom eines Systems aufgefaßt werben soll, daß sobald wie möglich zu beseitigen unsere Aufgabe wäre. (Beifall rechts und bei den Nat.-Lib.)
Abg. Gröber (Ttt.): Der jetzige Fall ist ebenso fürchterlich, wie der Fall Brüsewitz, wenn er auch nicht ber gleiche ist, aber hn Grunde handelt eß sich um dieselbe Sache. Wie ist e» möglich, daß der junge Mann sich zu einem so schauerlichen Verbrechen hat hinreißen lassen, dem ein blühende» Menschenleben zum Opfer gefallen ist? War Hüssener wirklich als aggressive Natur bereit» bekannt, weshalb ist er bann nicht von seinen Vorgesetzten überwacht worden, wie baß ihre Pflicht war? Weshalb haben sie ihn nach den Grundsätzen für die Ausbildung der Seekadetten nicht schon früher auS der Marine entfernt? ES soll über da» verhalten der Seekadetten im Urlaub eine bestimmte Verabredung getroffen sein. Wenn in den Kriegsartikeln vorgesehen ist, daß jeder Vorgesetzte die Waffe gebrauchen darf, um in Fällen äußerster Noth ober äußerster Gefahr (Zuruf: und!) seinen Befehlen Geltung zu verschaffen, so darf man doch nicht die Bestimmung so außlegen, daß hier Gefahr für die Disziplin gemeint sein kann. Mit einer solchen Auslegung kommt man dazu, jede Ausschreitung zu rechtfertigen. Ich frage daher den Staatssekretär, wie er jene Bestimmung der ftriegß» artüel auSlegt.
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verschaffen." (Bewegung links. Rufe^ Wo war denn die Getahr^ Der Artikel ist gegen früher dadurch verschärft worden, daß zwischen den Worten ,äußerster Noth" und „bringender Gefahr früher ein „ober“ stand. Es müssen also jetzt beide Voraussetzungen juneffen, wenn der Vorgesetzte berechtigt ist, von seinen Waffen Gebrauch zu machen. Hussener hat gegen die bestehende Bestimmung direkt verstoßen. Icy werde darauf hmwirken, daß die Bestimmung auf bad eindringlichste in den In>rrukiionen dem Personal eingeschärft und entsprechend häufig wiederholt wird. Ich mochte dann noch auf einen iLctncn Irrtbum in der Interpellation aufmerksam machen. Es handett sich nicht um einen Kadetten zur See, sondern um einen ---------—
Fähnricu, a.so einen Unteroffizier mit Portepee, er befindet im Fall als Symptom eines verwerflichen .
brüten Diensffahr und im 21. Lebensjahr. Ich führe da» nicht (Zurufe bei den Soz.: Ist er au*.) Ich bebaute, daß cm solcher etrea als" Entschuldigung an, im Gegentbcil, es verschärft die An-. ^uSnahmefall (Stürmische Protc'irute der soz.) es irt, Gott Ich sage das nur, um falschen Anschauungen ent»* sei Tank, ein Ausnahmerall (Erneme, in großer Erregung ausgc- ' \ Gegen die Auf- stoßene Protestrufe der Soz.) — roenn men bedenkt, daß jährlich - - - 100 000 Urlauber mit der Waffe an der Seite yerumspaz.eren . . .
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General-Anzeiger, Amtr- und änzeigeblatt für den Kreis Giehen.
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Grauer,
damit? E» kommen ja jeden Augenblick solche Zusammenstöße vor, auf Kirchweihen, auf dem Tanzboden, in dafe» und auf der Straße! ES scheint beinahe, al» ob bie That de» Hüssener nur die Folge einer Verabredung der Seekadeiten war. Denn durch die Presse, nicht durch die sozialbemottatische, ist bie Nachricht gegangen, daß die Scekadetten sich da» Wort Gegeben hätten, jeden, der sie nicht vorschriftsmäßig grüßtt, mit aller Strenge zur An- nen abzulvehren oder um seinen De- aCigC bringen. Unter den jungen Leuten scheint ein wahrer d bringender Gefahr Gehorsam zu Größenwahn zu herrschen. Ter Urlauber sollte die Waffen über»
" ‘ f^upt nsthr tragen, denn bie Waffen sind nur gegen den Feiitd,
aber nicht gegen das Volk gerichtet. Wer also da» bisherige System begünstigt, macht sich selbst zum Mitschuldigen.
Abg. Dr. Paasche (nai.dib.): Ich begrüße bie Interpellation mit Freude, weil sie die Gclegenbeii gegeben hat, bie Gefühle ber (Stnrorung de» deutschen Volkes über bie schreckliche That hier zum |CVllu<tlwll ... o
Ausdruck zu bringen. Ich begrüße sie ferner mit Freude, weil der Vorgesetztt, wenn schonendere Mittel nicht auSretchen, auch fie dem Staatssekretär Gelegenheit gegeben hat, rückhaltlos zu er- ' m --------- *"*-h
klären, daß von dem Berr. '.uden gegen die Bestimmungen bes Gesetzes und gegen die Kitcgoarti.'el verfahren worden ist. Ich be- daure aber, daß ber Vorredner und auch der Vorvorredner diesen --- - - rr:j..n Systems hingestellt haben.
furchtbare Aufregung in ber ganzen Stadt, vor bem Gebäude des Bcziikökommandos standen Hunderte von Leuttn. Hartmann gehörte einer angesehenen Familie an, eS wird ihm von Allen, die ihn kennen, das Zeugniß auSgesttllt, daß er ein sehr ruhiger Mensch war. Am Tage feiner Beerdigung war starker Schneesturm, aber das hielt selbst aüc bejahrte Männer nicht ab, am Leichenbegängniß tijeil- zunehmen. Es hat Leute gegeben, die S bedauert haben, daß Hüssener ihnen enllvischt ist. Ich versuchtt, da» Volk zu beruhigen, aber cß war nicht möglich. Hüssener ist, wie er schon vorher bewiesen hatte, eine aggressive Natur. Die Empörung, die durch dttsen Vorfall ins Volk hineingettagen ist, giebt zu denken Anlaß Vor Allem haben mir un» zu fragen, warum die, die auf Urlaub gehen, die Waffen mittiehmen bürfen. Man darf auch nicht vergessen, daß den betreffenben Chargen ein unrichtiges Verfahren direkt an« erzogen wird. Ich beschränke mich auf diese wenigen Worte und hoffe, daß die Regierung Alle» thun wird, um solche -Fälle für die Ankunft unmöglich zu machen. (Beifall.)
StaalSseketär ». Tirpitz: Auf die erste Frage werde ich mir erlauben, Ihnen diejenigen Meldungen vorzulesen, die nur vorn zuständigen Gericht zugegangen sind.
Arn 14. April, so meldet da» Gericht, hat die GarnisoTwer- foaltung in Eften solgende» Telegramm erhalten: „Ter Kanonier Hartmann ist in vergangener Nacht vom Fähnrich zur See Hüssener durch einen Stich in bie linke Brustsette gelobtet. Letzterer verhaftet Leichenschau unb Cbbultion durch Amtsgericht veranlaßt. Siarmeitaiüm bet Cflfee benad)tit6hgt/- Huf «ne sofortige. °°m „lu)1 .............. .......
Gericht veranlaßte Ruckftage hat da» Garnisonkommcnido in Essen ßcrauf daß auch andere Leute glauben, sie haben ein Recht, weiter geantwortet: „That in Essen am 12. b. M. 910413 auf bet s— 0~ ■ Z~-
Sttaße geschehen in Folge UngchorsamSoerweigerung. (Lachen Unis.) 9nncc bcr gRannc und deS Vaterlandes müssen wir dafür sorgen, Zeugen der That vorhanden. Ermittelungsversahren an Ort unb - ■ - v *
Stelle eingclcitct." Ich habe nun, nachdem mir die Interpellation bekannt wurde, nochm.AS telegraphisch um Bescheid ersucht, wie auf Grund ber jetzigen Untersuchung der Thachestand sich darstellt, unb ich habe heute folgendes Telegramm vom Gericht in Ktel bekommen: wahr! bei den Soz.).
.Fähnrich Hüssener stellte parimann wegen auffaUtgn Trunkenheit Ihnen, m. H., daß tmr
unb befahl ihm, zur Wache zu folgen. Hctttmann folgte ihm 20 ^ese Erscheinungen entspringen, währe.
Schritt ,n Begleitung Lütschers; dann r>h er sich los, wobei Hu,sener crrtflrc(ti rmI), oßne Ursachen derselben erkennen zu können
einen Stoß erhielt. Hartmann floh. Hu,'euer zog den Dolch, ver- ol)fC to0Qen_ Ich glaube nicht, daß biefe ganze Interpellation
folgte ihn, rief Halt, schlug chn zweimal mtt bem Dolch und stieß ihn ftroa§ nüfeen wirb, ©dannt ist ja noch ber Fall de» (Befreiten
bann mtt dem Dolch »n den Rucken. (Pfui-Ruse links.) Hartmann - - • — - - —----«•
war bem Hüssener wahrscheinlich unbekannt, sie haben nicht dieselbe Schule besuwt, ein Siotizbuch mtt Namen solcher, die er melden wollte, ist bei Hüssener nickt gefunden. Hüssener war nüchtern, er _ o_.v D---v— — —
behauptet, in gutem Glauben gehandelt zu haben und besttettet Aonflikiszcit, wo es sich aus,ckliehlich um ältere Leute handelte l Tödtungsabsicht.' In kurzer Frist wird die gerichtliche Vcrhanb- £ama[8 hatten sich bie Zusammenstöße zwischen Militarismus und lung ja Klarheit schaffen; sollte eß dann noch erforderlich fern, so in anfallender Weise vermehrt. Unb wie steht eß denn heute bin ich bereit, auf Grund de» gesammten vorliegenden Attemnaterial» ~ v “-----<x--‘-----r =c“
werden zwischen denen, die auf Garnison,Urlaub ,mb unb den mann . . t .c übrigen Beurlaubten? Es würde sich doch uocrhaupt Darum oanbeln, me.r. at
da» Wafenrragen in ber Armee zu verbieten. (Lebhastes: Sehrjunre:,.. •


