dem Beruf einer Volksvertretung und ebenso dem DolkS- empfl'nden. F-Srmlich kommt die Initiative zu der Interpellation dem Vertreter Essens im Reichstage, dem Abg. Stößel (Btr.) zu. Wenn dessen Fraktionskollege, Abg. Gröber, die Interpellation als erster unterzeichnet hat, fo ist darauf zurückzuführen, daß Gröber Berusszurist ist und in Sachen der Militärgerichtsbarkeit als Autorität gilt. Daß die Tribünen starke Besetzung aufwiesen und besonders das Offizierkorps vertreten war, bedarf kaum der Hervov- Hebung.
Die Beantwortung der Interpellation hatte der Chef des Marineamts, Admiral v. Tirpitz, übernommen. Städel unterzog sich seiner Aufgabe, die Interpellation zu oegründcn, in einer kurzen, jeoe unnötige Schärfe vermeidenden Rede. Der Erregung und Erbitterung der Bevölkerung über den unseligen Vorfall tat er gleichwohl Erwähnung. Kurz faßte sich auch Admiral v. Tirpitz in seiner Antwort. In der Sache selbst brachte er nichts Neues von Belang bei; er betonte aber, daß der Fähnrich bei dem olgenschwecen Gebrauch seiner Watte den bestehenden Be- timmunaen direkt zuwidergehandelt habe. Fest- sestcllt fei ferner, daß der erstochene Hartmann im Zustande )or Trunkenheit sich befunden, und daß der Fähnrich von ihm einen Stoß erhalten habe. Der Staatssekretär lehnte es durchaus ab, die brutale Tat irgenowie zu beschönigen; er ersuchte aber, diesen auch von der Marine tief brklagten Fall doch nicht zu verallgemeinern. Zm übrigen möge man die weiteren Ermittelungen und die gerichtliche Verhandlung abwarten.
Abg. Lenzmann (freif. VolkSp.) nahm indessen keinen Anstand, das Verfahren Hüsseners schon jetzt aufs schärfste zu kennzeichnen. Er stellte ihn noch unter Brüsewitz, meinte, daß die Tat von Dummheit, Rohheit und protziger Ueberhebung zeuge und gab der Erwartung Ausdruck, daß Hüssener aus dem Ofsizlerkorps, dem er Unehre gemacht habe, entfernt werde. Es empfehle sich bei der „symptomatischen" Bedeutung des Essener Falles, den Soldaten das Waffentragen außerhalb des Dienstes oder weiiigstens für die Zeit d.es Urlaubs zu verbieten. Der SraaLs- sekretär hatte die letztere, auch in der Interpellation erwähnte Forderung nur gestreift, jedoch unter lärmenden Zwischenrufen der Liiiken, auf die Konsequenz hingewiesen, den Soldaten überhaupt das Wafsentragen zu verbieten. Nach den Worten des Staatssekretärs ist die Verwaltung der Marine, und natürlich aucb der Armee, nicht geneigt, eine Aenderung der Bestimmungen über das Wafsentragen herteizusühren. Dagegen sollen die bestehenden Bestimmungen den Angehörigen der Flotte und des Heeres erneut, wiederholt und auf das eindringlichste eingeschärft werden. Abg. Bebel (Soz.) verspricht sich davon geringe Wirkung; er wünscht radikales Verbot des Wassenlragens außer Dienst, auch für die Offiziere. Zm übrigen erhob er Anklagen gegen das „System", gegen den „militärischen Größenwahn", der solche Zustände gezeitigt habe. Abg. Dr. Paasche (nl.j bestritt, daß ein „System" vorliege; man dürfe die psychologischen Momente nicht außer Acht lassen, und überdies seien die im dritten Jahre dienenden Ma- rinesähnriche keine „unreifen Jungen". Der Essener Vorgang sei gewiß aufs äußerste zu beklagen, aber es handle sich Gott sei Dotrk um einen Ausnahinefatl. Stürmischer
Widerspruch IlnkS, gegen den Dr. Paasche mit großer Lebhaftigkeit immer von neuem ankämpfte. Wie Abg. Bebel zu pessimistisch so beurteilte der naiionalliberale Redner die Angelegenheit, von seiner Sympathie für die Marine hingerissen, wohl doch etwas zu optimistisch Die Mitte hiett Abg. Gröber inne, der den Fall in längerer, wirkungsvoller Rede nach der militäcgerichtlichen und psychologischen Seite hin zergliederte, und dem Abg. Dr. Bachem (Ztr.) später beipslichtete. Daß Abg. Gröber mit seiner Charakterisierung Hüsseners das Richtige traf, gab Admiral v. Tirpitz selbst zu. Er verlas nämlich ein Telegramm der Marinebchörde, wonach die Entlassung Hüsseners schon früher in Erwägung gezogen worden sei, weil Hüssener leicht erregbar ist und dec Selbstzucht entbehrt. — Vielleicht wäre es am besten gewesen, wenn, wie Abg. Gröber an- deutete, Hüssener beizeiten aus dem Seekadettenkorps entlassen worden wäre, da ihm die moralische Qualifikation zum Offizier offenbar fehlte. Dem Bedauern der Zwnservatwen über die Untat gab Abg. v. Normann Ausdruck. Daß die Konservativen die parlamentarische Erörterung des gerichtlich nocl) nicht zum Austrag gebrachten Falles ungerne sehen, ist bei ihrer grundsätzlichen Auffassung erklärlich.
Emen anderen als moralischen Erfolg kann die Zentrums-Interpellation natürlich nicht haüeiu Daß ihr dieser m möglichst ausgedehntem Maße bt.schieden sei, ist aber sicherlich der Wunsch aller, die eine Spannung zwischen dem Bürgertum und der bewaffneten Macht vermieden sehen wollen.
yolitildje Äagesschau.
Englands „Revanche".
Triumph und aberma.s Triumph schreien die Londoner Mütter, daß es geglückt ist, die englische Regierung von der Bagdadbahn abzuschrecken. Mit den Glückwünschen mischen sich die bekannten Freundlichkeiten gegen Deutschland. Da ist von „hinterhältigen, gefährlichen Vorschlägen der deutsckjön Gründer" die Rede, da lobt man die Weisheit der Regierung, daß sie den Plan rechtzeitig durchschaut habe, und verkündet als „Entschluß der britischen Nation", nach der venezolanischen Episode nicht wieder mit Deutschland zu liebäugeln. Der lang gehäufte Groll entladet sich in elementarer Weise. Hier war eine herrliche Gelegenheit, die Buren-Sympathien heimzuzahlen. Der überheftige Ton beweist, daß sachliche Gründe so gut wie gar nicht mitgesprochen haben. Tenn ein Niann, wie Balfour, der eine ganze Reche von Vorteilen in der Beteiligung an der Bagdadbahn erblickte, ist doch sicherlich urteilsfähig. Daß der Ministerpräsident innerhalb kurzer Zeit zu einer ganz anderen Auffassung gekommen ist, das stellt der Stärke der englischen Regierung, die nicht gegen den Strom zu schwimmen vermocht hat, kein günstiges Zeugnis aus. Mindestens hätte Balfour den Umfall geschickter motivieren sollen; die Bedenken, die er im Unterhaus, als Resultat „sorgfältiger Ueberlegung", gegen die Mitwirkung der englischen Regierung vorbrachte, sind dürftigster Art. Die englische Regierung gibt sich den Anschein, als sei sie überrascht von dem Abtommen über die Bagdadbahn;- sie spielt den Gekränkten, daß sie von den
Verhandlungen mir Der rnrrqcpcn Regierung moji wnunr- digt, nicht zu Rate gezogen worden ist. Die Unterlassung wird jedenfalls guten Grund gehabt haben! Wer weiß, in welchem verfahrenen Stadium die überaus schwierigen, mit ebensoviel Umsicht wie Eifer geführten Konzessions-Unterhandlungen sich jetzt befänden, wenn die englische Regierung um Unterstützung bemüht worden wäre. Balfour hätte die Ablehnung der amtlichen Beteiligung an dem Unternehmen auf den einfachen und ehrlichen Satz zurücksühren können: „Tie ganze Richtung paßt uns nicht". Es sagt der englischen Regierung nicht zu, daß die deutsche Kontrolle über die Dahn gleichberechtigt der englischen und französischen ist; in unverblümter Weise gibt Balfour zu verstehen — genau nach dem Rezept der „Times" —, daß die deutsche« Teilnehmer die Oberhand gewinnen könnten: Das Abkommen biete England keine genügende Sicherheit für die Durchführung der Grundsätze des gleichen Anteils an ber Kontrolle, dem Bau und der Leitung. Also ein Miß- trauensvotum in acker Form. Nun, gebaut wird sie doch, die Bagdadbahn. AVer man wird sich noch allerlei Schwierigkeiten von der englischen Regierung zu versehen haben. TaS übrige besorgt die englische Presse. „Daily News" sind bereits dabei, Rußland gegen die Bagdadbahn zu alarmieren und es so darzustelien, als ob die englische Regierung Berwicklungen mit Rußland zu vermeiden wünsche. Dem Zarenreich werde durch diese Bahn der Weg nach dem Persischen Golf versperrt. Rußland wird umworben durch den Hinweis einer Verständigung in Asien. Riögen stch England und Rußland nur verständigen! Bei dem Versuch wird die engtische Diplomatie bald erfahren, daß Rußland als Verständigung nur anerkennt, was ihm den Hauptvorteil sichert. Als em Muster solcher Verständigung erscheint gerade gegenwärtig der von Rußland China angebotene, mit Bedingungen reich gespickte Vertrag über die Räumung der Mandschurei, den die chinesisch Regierung sehr begreiflicher Weise ablehnt. Es wird nicht überrasck)en, wenn m Rußland, auf die englische Anrufung, sich wiederum Stimmen erheben gegen die Bagdadbahn. Nur muß der Protest dann auch gleich an die Adresse des verbündeten Frankreich gerichtet werden, das bisher keinen Anstoß an der Möglichkeit von Verwicklungen mit Rußland genommen hat und die wirtschaftliche Bedeutung der Bagdadbahn anders und vorurteilsloser zu würdigen weiß, ats die „größte Handelsnation der Welt".
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