Einen größeren Raum beansprucht der Zeuge Gross, der setne Aussage mit großer Bestimmtheit und mit wissenschaftlicher Färbung macht. Er ist zweiter Vorsitzender des Vereins „Psyche und hat mehreren Sitzungen mit der Rothe beigewohnt. In einer Sitzung am 9. September waren etwa 80 Personen anwesend. Es wurde ein Kollektiventree an Ientsch gezahlt. Er habe die Produktionen der Frau Rothe niemals für Schwindel gehalten und bestreite entschieden, das es sich um Taschenspielertricks bandelte. Er könne bezeugen, daß es sich um einen echten Trancezustand nach der spiritistischen Theorie handelte. Ta- für sprachen die drei Merkmale: Anästhesie des ganzen Körvers, Katalepsie und Verdrehen der Augen nach oben. Nach spiritistischer Theorie sei der Trancezusrand der Hypnose gleich zu achten mit dem Unterschied, daß die Hypnose von einem lebenden Menschen, der Trancezustaiid von einet körperlosen Seele, einer Intelligenz, becvorgerusen wird. Die Apporte habe Frau Rothe zweifellos im Trance aus- ^tt. Er habe ihre Hände genau beobachtet und könne imt sagen, daß sie die Apporte nicht aus dem Kleid oder unter oem Tisch hervorl)«olte. Aus reiner Hand habe sie beispielsweise ein Glas ei wachsen lassen. — Lräs.: Hoben Sie eine theoretische Erklärung dafür, wo das Glasei herstammen mochte? — Zeuge: Nein. — Präs.: Wissen Sie insbesondere, ob das Glasei vorher existent gewesen ist? — Zeuge: Existent war es zweifellos schon vorher, es fragt sich nur, wo eS hergekommen ist. Es war ein Atom, welches vorher unsichtbar war und in ihrer Hand sichtbar wurde. — Staatsanwalt: Sie sind Heilmag- netiseur. Was sind Sie von Hause aus? — Zeuge: Ich habe Medizin studiert. — Rechtsanwalt Dr. Schwiildt: Hcu der Zeuge eine Erklärung dafür, warum die Angeklagte wohl in der langen Zeit ihrer Gefängnishaft und während des Aufenthaltes in der Chäritü nicht Apporte gebracht Hut? — Zeuge: Das Zustandekommen spiritistischer Phäuomßuie hängt von dem physischen Befinden des Mediums und dem psychischen Zustande der Umgebung ab. Die Umgebung muß sich möglichst passiv verhalten, es wird nicht verlangt, daß sie antitritisch fern soll, aber sie soll sich passiv verhalten und nicht etwa ihre Gedanken darauf konzentrieren, daß die spiritistischen Experimente nicht gelingen möchten. Tas wirkt psychisch deprimierend und alterierend auf das Medium ein. Es ist natürlich ausgeschlossen, daß ein Medium, welches aus der Untersuchungshaft kommt, nun etwa im Gerichtssaale eine Sitzung mit Erfolg ab hält; aber idj bin fest überzeugt, daß, wenn Frau Rothe wieder in die Region sympathisierender Personen tommt, sie die Phänomene wieder erreichen. — Rechtsanwalt Dr. Schwindt: Haben Sie eine Erklärung dafür, daß die Diumen taufrisch loaren und Wurzeln hatten? Sind dos irdische Blumen gewesen? — Zeuge: Sie kamen von einer irdischen Existenz» ober woher tarnen sie? Ta kommt die Theorie von der Dema teriolisation und Rematerialisatioii in Frage. Ich weiß bestimmt, daß Frau Rothe die Hände auf dem Tisch hatte, und als sie sie öffnete, fiel ein Strauß von Blumen mii Wurzeln ihr aus den Händen. Ich habe die Blumen gepreßt. Dieses Experiment der Frau Rothe fand in einem öffentlichen 9u|iaurant nach einer Sitzung statt. Tas Lokal wai beleuchtet, und Frau Rothe konnte absolut feine Vorbereitungen getroffen haben. — Rechtsanwalt Tr. Schwindt: Siiid Sie der Ansicht, daß die Blumen, die sich im Unterrod gefunden haben, sich bei ihr materialisiert haben können, die bis dahin bcmateriaUfiert waren? — Zeuge: Nein. Aus die Theorie, daß durch einen Nervenchock eine Materiali - fation en gros stattfinden kann, lasse ich mich nicht ein. Etwas verwunderlich war es ja, daß das Medium täglich Sitzungen abhalten konnte, während ersahrungs gemäß die Meoien nach solchen Sitzungen sehr geschwächt find und Tage der Ruhe bedürfen. — Rechtsanloalt Dr. Thiele: Ist es denkbar, daß das Medium mit ihren Augen Geisler sieyt und sprechen hört, die andere Leute nicht sehen, sodaß sie die Worte der Geister nur vermittelt? — Der Zeuge setzt des Längeren auseinander, daß es visionäre und invisible Gristererscheinungen gibt. — Rechtsanwalt Dr. Thiele: Ist es nun auffallend, daß bei solchen visionären Geistcrcrscyeinungen das Medium die Mitteilungen der Geister in seiner eigenen Stimme und [einem Dialekt vermit teil? — Der Zeuge er Hau dies gar nicht für ausfallend und legt dar, dap es möglich ist, foluje invI.bw'n Gei^ererschemungen zu photographieren. Bon solchen photographischen Platten finden sich viele in der englischen Literatur. — Recytsanwait Dr. Thiele: Fühli sich denn der Zeuge dadurch geschädigt, daß er drei Marl Eintrittsgeld gezahlt hat? — Zeuae: Keineswegs!
Eine Zeugin Frau Schmidt bekundet unter anderem, daß ihr bei mancher Sitzung manches aufgefallen sei, was sie etwas mißtrauisch gemacht habe. So habe ein Geist angekündigt, daß viele Blumen kommen würden, und Frau 9U)ihe habe ihr gesagt, daß es hinter ihrem Stuhle rascheln mürbe. Frau Rothe habe habet mit ihrem rechten Arm den rechten Arm der Zeugin gefaßt, ihr linker Arm war frei. Als die Zeugin rascheln yörte, habe sie mit dem freien linken Arm hinter den Stuhl kommen wollen, sobald sie aber die kleinste Bewegung machte, habe sic Frau Rothe daran gehindert und zu ihr gesagt: „Tie Geister ziehen Ihnen den Arm weg, ich will Sie magnetisieren! Bei einem Blumenregen, den Frau Stolze im Wege des Apports hervorrief, hat die Zeugin hinter ihren Stuhl gesehen und wahrgeiwnimen, daß hinter ihrem Stuhl noch mehr Blumen lagen. Ientsch rief darauf: „Sitzen bleiben!" Die Zeugin faßte hinter den Stuhl und zog einige Blumen hervor; woher diese gekommen, weiß sie nicht.
Zeugin Frau Marie Müller hat mehreren Sitzungen beigewohnt. Nach Einleitung durch Gebet verfiel die An- getiagte in den Traumzustano, and dann fötalen die Rapporte. Das Medium habe ihren Händen, die bis dahin leer waren, plötzlich allerlei kleine Gegenstände und Nippsachen entnommen, ohne daß cs zu ergründen gewesen sei, woher sie diese entnommen habe. In der Sitzung am 16. Dezember sei die Roche vorher untersucht worden, ob sie irgend etwas an ihrem Körper versteckt hatte. Man habe nichts gefunden. Nachdem der Trancezuftand ein* getreten war, habe die Rothe mit Hilfe ihres Schutzgeistes, des „kleinen Fricdchen", welches sie bisweilen mit dem Kosenamen „Medibumsel" belegte, die Aeußerungen Der Geister wiedergegeben. In der Regel seien es in salbungs- voklem Tone gesprochene religiöse Aeußerungen gewesen. Beim Apport seien dann allerlei Nippsachen, Ringer hüte, Verlognes im kleinsten Maßstabc usw. zum Bor-' schein gekommen. Tic Rothe habe erklärt, das seien Muster, die aus d e m I e n s e i t s kämen. — Präs.: Haben Sie das geglaubt? — Zeugin: Ja. — Präs.: Sie meinen also, daß im Jenseits auch Muster gemacht werden. — Zeugin: Ich habe mich später überzeugt, daß man diese Sachen auch in Berlin für l>0 Pfennig kaufen kann. — Rechtsanwalt Dr. Thiele: Halten Sie es für mö^ich, daß die Angeklagte alle diese Gegenstände wie in einer Tüte
unter ihren Kleidern verborgen hielt und sie dann einzeln durch den Kleiderschlitz heroorholte. — Zeugin: Nein, das halte ich nicht für möglich. — Rechtsanwalt Tr. Schwindt: Waren die Blumen noch frisch? — Zeugin: Jawohl, eine Tulpe habe ich sogar eingepslanzt.
Die folgende Zeugin, die 69jährige Frau Dellmer, hat eine Sitzung im Klubhause zu Schö n e b d r g veranstaltet Es seien gegen 30 Personen anwesend gewesen, welche je 3 Mark bezahlt haben. Die Zeugin hat an Ientsch 60 Mark Reisevorschuß geschickt und ihm nach der Sitzung noch 40 Mark gezahlt. Ties sei aus eigenem Antriebe geschehen, gefordert habe Ientsch nichts. — Zeugin Frau Marten Hal mehreren Sitzungen beigewohnt Frau Rothe habe die Blumen einfach aus der Luft geholt. Die Zeugin kann nicht glauben, daß die Blumen in den Kleidern verborgen waren, denn sie habe nie einen verdächtigen Griff gesehen. In den Aernieln könne die Angeklagte Die Blumen auch nicht verborgen gehalten haben, denn sie habe ganz eng anschließende Aermel getragen. Tie Blumen seien auch nicht gedrückt gewesen, sondern hätten so ausgesehen, als seien sie soeben ge- gepslückt worden. Wenn die Geister durch die Angeklagte ceDcten, so sei stets ein tiefer Sinn Darin gewesen, und Diese ReDen hätten einen weit höheren Bildungsgrad verraten als Der Angeklagten eigen sei. — Präs.: Wenn Die Angeklagte nun alle D.efc Rcoen auswendig gelernt hat? — Zeugin: Ja, Das fann ich freilich nicht wissen.
Zeuge Kaufmann Tomitzsch giebt an, Daß er überzeugter Spiritist sei. Er habe sich im Auftrage einer Spiritistengesellschaft mit Ientsch in Verbindung gesetzt, um ihn zu veranlassen, mit Dem MeDium nach Berlin zu kommen, um hier einige Vorstellungen zu geben. Ientsch habe zugesagt und nur Reisespesen und freien Unterhalt gefordert. Tie erste Sitzung habe in des Zeugen Wohnung stattgefunden. Um Das Mcoium möglichst genau beobachten zu können, habe er in Dem Sitzungsjaale Oberlicht anbringen lassen. Unter Der Lainpc Hobe Das Medium gesessen, und alle Anwesenden hätten den Eindruck gehabt, daß sie Die Blumen direkt aus der Luft herausholte. Bei einer späteren Sitzung sei die Rothe kurz vor der Sitzung auf das genaueste untersucht worden. Seine Ehefrau habe Das Paar von Der Bahn abgeholt, sie seien zusammen direkt nach der Wohnung gefahren, sodaß jede Gelegenheit ausgeschlossen war, noch vorher Blumen zu besorgen.
Frau Kaßler, die folgende Zeugin, hält es kaum für möglich, daß Ientsch in unbewachten Augenblicken vor der Sitzung im Saale Vorbereitungen getroffen habe. Es fei dies auch um Deswillen unglaubhaft, weil Das Paar kein Gepäck milgcbracht hatte. Unter Den Nippsachen, welche von der Rcolhe als angebliches Geschenk von Den Geistern verteilt wurden, spielte besonders eine kleine Porzellanfigur, Christus vorstellend, eine Atolle. Aus Befragen des Rechtsanwalts Dr. Thiele bestätigt Die Zeugin, Daß auch das Sitzungszimmer vor Der Sitzung unter,ucht worDen sei. Sie Halle es für unmöglich, daß Ientsch die Christus- figur vorher irgendwohin gestellt haben könnte. — Verteidiger: Welchen Eindruck hatce die Zeugin von den Trancereden? — Zeugin: Ich habe Die Ueberzeugung, daß die Angeklagte diese Reden nicht aus sich selbst heroorbringen konnte. Diese haben keineswegs einen eingelernten Eindruck gemacht. Oft habe Die Angeklagte auch in sehr schönen, harmonisch Hingenoen Versen gesprochen.
Rentier Keßler ist Der festen Ueberzeugung, Daß es sich um echte Trance gehandelt habe und Betrug ausgeschlossen sei. Sehr charakteristisch fei es z. B. gewesen, oaß Die Angeklagte in einer Sitzung einen Herrn Möckel dadurch in großes Staunen versetzte, daß D?r diesem bekannt gewesene Prof. Cyriax, Der wissenschaftliche Vertreter des Spiritismus, als Geist durch ihren Mund zu ihm sprach. Gap- in Der Art Des alten Cyriax weckte Der Geist alte Erinnerungen. Professor Cyriax hatte Die Angewohnheit, sich beim Erzählen häufig an den Bart zu fassen und auch Diese Eigenart brachte Die Angeklagte zum Ausdruck, indem sie sich beim Reden mehrfach ans Kinn faßte. Seines Wissens habe Die Roche Den Prof. Cyriax vorher nie aesehen und auch nichts davon gewußt, daß Möckel mit ihm bekannt war. Letzterer sei ganz baff gewesen. — Tie Angeklagte versichert, daß sie Den Professor Cyriax nie gesehen habe.
Bäckermeister Wilhelm Große hat an einer Sitzung teilgenommen, für Die er für sich und feine Frau lu Mk. bezahlt hat. Er hat auch bei sich selbst eine Sitzung abgehalten, zu Der er Die Rothe und Den Ientsch aus Chemnitz hat tommen lassen. Die Roche hat hierfür 140 Mk. erhalten. In Der ersten Sitzung haben Der Reformator Zwingli unD das kleine „FrieDchen" gesprochen, in Der zweiten Sitzung habe ein alter Schweizer LanDsknecht eine ReDe über Recht und Unrecht in der Welt gehalten. Während des Abend- krotes verfiel Frau Rothe nochmals in Trance, und das „Heine FrieDchen" meldete den Geist eines „alten Stein- Hopsers" an. Dieser sprach fein Bedauern Darüber aus, Daß er nicht auch einmal an solchem Tisch sitzen könne." Das sei chm zum ersten Male verDächtig vorgekommen; er habe Jentfch in Den Laden genommen und ihm gesagt: Herr Ientsch, Sie sind doch nicht etwa Betrüger? Ientsch habe sich dabei verfärbt und nur gesagt: Sie werden doch so etwas nicht denken. Man habe ihn Dann aber später nicht mehr zu einer Sitzung zugelaufen, und auch das sei ihm verdächtig vorgckommen. Der Zeuge erklärt sich dadurch für geschädigt, Daß er Die Kosten für das AbenDbrot geleistet habe. „Man ißt doch bei solcher Gelegenheit besser als sonst!" Der Zeuge hat sich nach jenem Vorfall vom Spiritismus abgewendet, während seine grau und seine fünfzehnjährige Tächter iwch Dem Spiritismus zu- geneigt find. „Ob fie sich selbist betrügen, weiß ich nicht!" Rechtsanwalt Tr. Schwindt: Die Angettagte behauptet, daß Ihr Kind auch ein Medium sei. — Zeuge: Das Kind ist ein „^schreib"^Medium. Es ist ja wunderbar: das Mädchen schreibt songt schlecht, aber wenn fie am „Tisch" fitzt, schreibt sie sehr schnell und gut. Die Apporlen halte ich jetzt für Schwindel!
Ein anderer als Zeuge vernommener Handwerksmeister hat mit seiner Ehefrau Den Produktionen Der Angeklagten mit ganz gläubigem Gcrnüt beigewohnt. Schließlich ist ihm Die Sache aber doch verdächtig vorgekommen. Denn einmal hat er bemerkt, daß Frau Rothe sich die Blumen ans ihrem Kleid zu nehmen schien, ein anderes Mal hat ihm Frau Rothe als Slpport einen Myrten- -weig überreicht, und er hat nachher festgestellt, daß der Zweigvvneinem Myrtentopfabgebrochen war. Der auf Dem Fensterbrett eines Nebenzimmers in seiner Wohnung stand.
Auf Den Aberglauben wirst dieser Prozeß grelle Streiflichter Was schon jetzt an Aussagen überzeugter Wundergläubigcn vorgetommen ist, überbietet die bisher dagew.sencn Vctrugsprc-esse gegen Medien. Wie immer der Prozeß ausgeht, wir bezweifeln, daß er irgendwie Der Sacys Des Spiritismus Abbruch tun wird. Es mag noch so viel enthüllt und als handgreifliche Täuschung be
wiesen werden — der Magnet des Wahnes ist stärker, cB alle polizeilichen und gerichtlichen Feststellungen es find
^lniocrlttüts Nachrichten.
Geheimrat Tr. H. Ui euer, Professor der klassischen Philologie in Bonn, tritt, nachdem er schon vor längerer Zeit von der Pflicht der Abhaltung der Vorlesungen entbunden worden war, mit dem kommenden Semester eudgiltig in den Ruhestand. — Ter Professor der Theologie u. Ecke in Königsberg hat einen Ruf nach Bonn erhalten und angenommen. — Man schreibt aus Jena: Amtlich wird bekannt gegeben, daß der a. o. Professor an der medizinischen Fakultät der hiesigen Universität Tr. Felix S k u t s ch die nachgejuchte Entlastung aus seiner Stellung zum 1. April erhalten hat. — Wie weiter aus Jena gemeldet wird, wiirde der langjährige Tlrektor der dortigen Frauenklinik Geh. Rat Prosestor Tr. Schultze bei seinem Eintritt m den Ruhestand zutn Wirklichen Geheimrat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt.
Stuttgart, 24. März. Nach einer Verfügung des Kultusministers weiden weibliche Personen, welche die für das Studium der Medizin oder Phai-mazie geforderte Schulbildung besitzen, als Hörerinnen zu akademischen Vorlesungen un d Ueb ungen zu gelassen unter der Voraussetzung, daß die Lehrer sür den Besuch ihre dauernde Emivilligung geben. In besonderen Fallen ist die Genehmigung des MimstermmS erforderlich.
Rom, 22. März. Heute empfing der Pap st die Vertretung d es Kartellverbandes der katholischen deutschen Studentenverbindungen in Privataudienz. Ter Präsident des Vorortes, Kraft von Norica-Wien, überreichte dein heiligen Vater eine Adresse und hielt eine lateinische Ansprache, welche der Papst in zehn Minuten langer lateinischer Rede beautivortete. Jeder Vertreter erhielt aus der pand des Papstes eine filbeme Medaille. Leo Xi 11. mar über die Huldigiing sehr erfreut und spendete allen Verbinduiigen und den Familienangehörlgen ihrer Mitglieder den apostolischen Segen. Von Berliner Verbindungen waren die Suevia, Borusso-Saxoma und Hanjea vertreten. Roch der Audienz beim heiligen Vater besuchte die Abordnung den Kardinalstaaissekretär Rampolla.
fianiifl und Verkehr. tJiUluwiitfdjaft.
Berliner Börse vom 24. März 1908. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Glegeii.) Tas Heraunahen der Ultmio-Liquidation mochte sich bereits heute recht fühlbar, indem größere (ticivmutealqationen aut fast sämtlichen Markten vorge- iiommcn wurden. In Anbetracht dessen lann, obgleich die Kurse gegen gestern niedriger notierten, die Tendenz doch als recht lest bezeichnet werden. Tas Geschält in Ultimo-Effekten bewegte sich in den bescheidensten Grenzen. Kanada logen matt im Anschluß an die Rewhorker und Londoner Notierungen; italienische Bahnen und Henry leicht nachgebcnd, doch immerhin gut behauptet. Für Turkeulose zeigte sich lebhaftes Intereste, lvährend Serien-Turlen vernachlässigt wurden. Montamveite bei kleinen Umsätzen wenig verändert. Auf dem Kassamarkt Dielt die günstige Stimmung auch heute an. In ciiier Reihe wurden heute wieder oberichlestsche Eisenaklien und Cementwcrte beachtet, welche bei lebhaftem Verkehr mehrprozentige Kursavancen zu verzeichnen haben.
Privat-Tislont 3 Prozent.
u.
Ceft. Kredit. .
Teutsche Bank Tarmitadter Bank Bochumer Guß .
Schlußkurse. 217,87 217,50 141,87 193.U0 180,70
Anfangs- 217,00 217,60 141,76 . 192,76
Harpener Bergbau . . 18u,90
Schluß-Tendenz: Ziemlich fest.
Rcichsbank. Am 1. April werden tn Wongrowitz (®e- zirk Bromberq) und »n Kosten und G r ä tz lBezirk Posen) von der Reichsbantstelle Bromberg, bezio. Reichsbank-Hauptstelle Posen abhängige Reichsbonknebenstellen nut Kostenemrlchtuug und beschränktem Giroverkehr eröffnet ivorden.
Die uamhaftcfteu verltner Eig^tetrensaortkanle« be- absichligen sich zu einem Verein zujammenzuschlieven. Zun» Programm dieses Verems gehören vor allem die Betampsung der Be- muhungcn des amerikamichen Tabaktrusts, die deutsche Eigarelten- industric zu (oiutolliereu und die Bekämpfung einer eventuellen Erhöhung der Tabaksteuer.
Märkte.
Pferdemartt. Der gestrige Tag stand schon unter dem Zeichen des henkigen Pferdemarktes. Beim Pferdehändler Alichel in der Alicestraße und ebenso beim Pferdehändler FrenSdori in der Frankiurterstrabe wurde von zahlreichen Kaufliebhabern Musterung unter den Pierdebeständen abgehalten, ivelche heute von bieieit zu zu Markt gebracht werden. Aber auch in anderen Hosraiten, wo aus Veranlassung der Marktkommistion schon gestern Gäule eingestellt waren, wurden diese den Tag über oorgesiihrt und gemustert. Gestern abend herrschte in allen Wirtschauen em überaus reges liebe». Es besteht eben ein Unterschied zwischen einem Rindvieh- »md einem Pferdemartt. Die Pferdehändler, deren Ware rweisel- los zu dem edleren Gelier gehört, losten eher etwas braut gehen, wenn sie zu Alarkte ziehen und dos gab uiiferem gestrigen lieben m den Restaurationen das eigenartige Kolorit. Bei dem günstigen Wetter hosten die Pferdehändler em gutes Geschäft zu machen.
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