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(D. Z.)
Prüflinge emgefunden hatten.
unb sprechen:
Trum Jesu, schöne Weihnuchtssonne, Eestrahle mich mit deiner Gunst: Tem 2id)t sei meine Wett^mchtssonne, Und lehre mich die Wechiiachtskunst, Wie ich im Lichte wandeln soll, Und sei des Weih^iachtsglanzes voll.
R. B. Darmstadt, 23. Dez». Im Ernst-Ludwigha.us aus der K ü n st l e r ko lv n ie ist neben der^Uusstettung der drei Musterzrmmer-Einrichtungen des Pros. Olbrich von morgen ab ein neues hochinteressantes Wert biäjclben Künsilers der allgemeinen Besichtigung überlassen, ein großer, kostbarer Wandteppich aus Seidenstickerei, der den Musiksalon im Grosch Neuen Palais zieren soll. Ter Großherzog Halle dem Künstler die Ausgabe gestellt, eine stille Symphonie durch das Ornament zu bilden und zwar unter Zugrundelegung der ersten acht Zeilen des „Prologs im Himmel" aus Goethes „Faust": Tie Sonne tönt nach alter Weise, In Brudersphären Wettgesang rc. Tiese Idee hat Pros. Olbrich in ganz genialer Weise veranschuw- licht. Es tont hier in der Tat alles wie eine gewattige Symphonie, der Ton wird durch die Farben ausgedrüctt, deren Zartheit und Zusammenwirkung bewundernswert sind, der Rhythmus durch die Zeichnung und den Reichtum der Ornamentik, die bis in die kleinsten Details sinnvoll durchgesührt ist. AlS Hauptmotiv hat der Künstler die vier Elemente: Feuer, Wasser, Erde, Lust verwendet, in der Mitte erblickt man drer ideale Frauengestalten, deren Augen sich offnen, Sopran, Mezzosopran nno Alt, und oberhalb derjelben symbolisieren sich die Tageszeiten. Zu beiden Seiten sind in summender, klingender Gloclen-Ornamenlik die Lieblings- orle und -Gedankenkreise des Großherzogs in zarten Farben angedeutet und das Ganze ist so innig durchdacht, baß inan
würfe misck)en, die wir uns selbst machen müssen, daS nie der beugen de und beschämende Gefühl, daß wir aus Sclmiäc!)e des Willens oder aus mangelndem Pflichtbewußtsein untreu gegen unseren Gott und gegen uns selbst, und unserer Lebensaufgabe innerlich und vielleicht auch äußerlich nicht gerecht aeworden sind, dann Ijat bte Meihnachkssreude einen schweren Stand. Und doch ift sie gerade dafür voc allem da, bringt sie gerade die rechte Salbe für solche Wunden. D. h. die rechte und echte chrisllicl-e WcttinachtSfreude! Ter freundliche Hausgeist, den wir gemeiniglich meinen, wenn wir von Weil/nachtssreude reden, der jefct zur Adventszeit und am heiligen Abend bei uns einkehrt, kann mit seinem leichten Geschütz von Gaben und Bräuchen, und mit seiner glänzenden Rüstung von leuchtenden Lichter bäumen und strahlenden Äinder- augen und Ningenden Liedern, wohl des üblichen Griesgrams in Haus und Herz Herr werden und die Sorgenfalten für ein paar Stunden glätten. Aber die Kraft, uns einen dauernden inneren Aufschwung zu geben, hat er doch nur, wenn er vor allem die frohe Botschaft mit sich bringt, und wenn wir sie mit empfänglichem Herzen annehmen: „Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren ist; denn euch ist heute der Heiland geboren". Tas ist's, was uns not tut: einer der Macht hat, die Gebrechen in Gemüt und Willen, die Schäden im Gewissen zu heilen, ein Ausleuchien der Liebe Gottes, das stark genug ist, uns innerlich zu überwinden, uns aus unserem ttotzigen Eigenwillen und aus unserem Sorgengeist herauszu- briugen und uns ermutigt, uns im Tun und im Le io en vertrauensvoll der Führung Gottes und seines Willens hinzugeben. Und darum kann Weihnachten allem Volk, auch den Traurigen, auch den mit Gott und sich seltzit in Zwiespalt Legenden, Freude verkündigen, weil Jesüs der Mann ist, in dem Gott solch Rettungswerk beschlossen a (ein, daß er den Hoffärtigen, den ans ihre ib Kraft so stolzen Menschen, denen, die sich fertig' dünken, für die es keine anälenden Fragen und keine Selbstanklagen mehr gibt, nichts zu sagen hat. Wir wollen diesen kalten Hal-bgötlern des Reichtums und der sogenannten Bildung ihre eisige Herrlichkeit lassen, und wollen ganz ehrlich und ganz bescheiden zur Krippe gehen
♦* Personalien. S. K. H. der Großherzig haben den Koinmerzieiirat Ferdinand Jakobi, den Kommerzienrat Louis Röder, den Kaufmann Konrad E g e n o l s und den Kaujmanu Ludwig Frölich in Tarmsladt zu Handelsrichtern; den Kaufmann Ludwia Trier unb den Kauf mann Rudolf L. Wittich in Tarmstadt zu Ergänzungsrichtern bei der Kammer für Handelssachen mit dem Sitz in Tarrn- stabt; den Kommerzienrat Hermann Wecker unb die Fabrikanten Otto Mohr und Eduard Sievers in Offenbach zu Handelsrichtern, die Fabrikanten F-rik Aß mann, Fer- Dinand Böhm, Philipp Heim und Robert Weintraub in Offenbach zu Ergänzungsrichtern bei der Kammer für Handelssachen mit dem Sitz in Offenbach; den Kommerziell- rat Sigmund Heichelheim und die Fabrikanten Gustav Mueller und Heinrich Schirmer in Gießen zu Er- gänzungsrichtecn bei der Kammer für Handelssachen mit dem Sitz in Gießen; den Geheimen Kommerzienrat Dr. Ludwig Strecker, den Kommerzienrat Paul Melchers, den Kommerzienrat Wilhelm Preetorius, den Kommerzienrat Karl Andreas Probst, die Fabrikanten Hermann Heß und Karl Geora M i ch e l in Mainz ux Handelsrichtern, jden Bankier Tr. Franz Bamberger, den Rentner Karl Tiegel, den Tiretdor Tr. Otto Jung, den Kaufmann August Feine, den Kaufmann Joses Reinach und den Kaufmann Heinrich S ch io a r z in Mainz zu Ergänzungs- richtern bei der Kammer für Handels jachen mit dem Sitz in Adainz; den Geheimen Kommerzienrat Wilhelm Joses Va lckenberg, den Bankdirekcor August Schöneck, den Fabrikanten Wilhelm Kölsch und den Kaufmann Johann Karl Stockhausen in Worms zu Handelsrichtern; den Fabrikanten Fritz Dörr und den Kausniann H. R. Hü 11e n- bach in WormS zu Ergänzungsrichtern bei der Kammer für Handelssachen mit dem Sitz in Worms — sämtlich mit Wirkung vom 1. Januar 1904 bis 31. Tezember 19u6 ernannt — S K. H. der Großherzog haben den Notar mit
Kindergemüt angepaßte Werk hat bis jetzt überall einen durchschlagenden Erfolg erzielt. Am Stadttheater in Erfurt ging es in vergangener Saison nicht tocniger als 13mal ui Szene. Auch die Stadttheater zu Hanau, Zwickau, Guben usw. haben es bereits zur Ausführung gebracht, und an einer Anzahl größerer Bühnen ist es von neuem zur Anführung angenommen worden. — Sonntag, den 27. Tez., geht nachmittags als Fremdenvorstellung „Pension Schöllet, abends die Schwanknovität „Der Hoch- toutift" zum erstenmale in Szene. Das lustige Werk von Krantz (Autor von ,Logenbrüder' u. a. Stücken) und Neal geht augenblicklich über die meisten deutschen Bühnen und erweist sich als Schlager der Saison aus dem Gebiete des Schwankes.
** Sektion Oberhessen d. D. u. Oe. Alpenvereins. Am 19. d. 3JL hatte sich eine stattliche Gesellschaft in dem mit Tannengrün, Emblemen und alpinen Bttdern prächtig ge,chmucklen großen Saal des Easö Ebel zusammengesunden, nm das siebenjährige Stiftungsfest der Sektion Oberhessen des D. u. Oe. A.-V. festlich zu begehen. Ein ausgezeichnetes Festtnal, kostbare Tropsen heimatlichen Weines, humorgewürzte Rede unh Gegenrede sorgten von Ansang an für die angeregteste Stimmung. Nach dem von dem ersten Dor- jitzeiiden erftaticicu Geschäftsbericht pro 1903 schloß die Sektion mit einem Mitgliederbestand von 10.5 ab. 12 Hauptversammlungen wurden abgehalten, sieben Vorträge er- reutcn sich zahlreichen Besuches, 12 Sektionstouren in die nähere uno weitere Umgebung Gießens wurden unter reger Beteiligung der Mitgiieoer unternommen, ungerechnet der zahlreichen impvovisierten Spatteeaänge, zu denen sich Ein- zeliie zusarnmenfanoen. Tie Bibliothek, der alpiiie Lesezirkel, Bacher- und Kartensammlung fanden reiche Benutzung und gaben neue Anregung zu alpiner Betätigung. Zu der Generalversammlung des T. u. Oe. A.-V. waren seitens der Seklioii zwei Vertreter entsandt worden. Etwa 50 Mitglieder durcystreisteil un verflossenen Jahr das eigentliche Arbeitsgebiet des Atpenvereins. Tie K.issenverhältnisse der Settion sind andaueriid günstig. Sieben den lausenden Ausgaben war es möglich, ein Scherflem zur Lilioerung des Wasserschadens in Tirol be»zutragen, und ein namhafter Betrag konnte dem Fonds für die geplante Schutzhülle zu- gefuhrt werden. Nalch Erledigung des geschäftlichen Teiles entwickelte sich ein munteres und angeregtes geselliges Treiben. Ein fideles Singspiel, Vorttäge aller Art lösten sich in ununterbrochener riechen folge nacheinander ab und durch die Nienge drängte sich ein martialisch ausschanender Gerichtsdiener, der jedem eine Zustellung zu muajcn halte, deren Verlesung Stürme von Heiterkeit hervorrief. Es war schon früh am liächsten Tag, als der erste sich anschickte, den heiniatlick>en Pennaten zuzustreben.
** Hilfszug. In der verflossenen Nacht fand eine Probeallarmierung des Heer stationierten Hiisszugs durch den aus Frankfurt a. SJL hier eingetroffenen Dtrer- tionsprasidenten T h o m s stall. Angenomnien wuroe: ,Ln Lollar e n t g l e i st e der Schnellzug <o; Hllsszug iilu|1 Sanitäts- und Ausräumungsmaiinschaften werden verlangt." Um 10 Uhr 43 Min. lourbe der Befehl erteilt, um 11 Uhr 17 Min., also nach 32 Minuten, war der Hilsszug, die befohlene Hilsmannsa-aft, die beteiligten Jnspeltions- Vorstände, sowie der Baynarzt Tr. Sck)liepyake zur Abfahrt bereit. Der Präsident, sowie die weiter erschienenen Mitglieder der SüöuigL Eisenbahndirektion Franksurt a. M. sprachen sich anerkeniiend aus über die Pünktlichkeit, mit der alle Dispositionen ausgeführt wurden.
** Vom 1. Januar 1904 ab dürfen die Schulkinder, auch die älteren, in geiverblichen Betrieben 3 um größten Teil gar nicht mehr beschäftigt werden. Z. B. dürfen die Milchkutscher nicht mehr wie seither die Schulbuben mittags ober Sonntags zum Milchaustragen benutzen, das Keget- aufsetzen durch Schuljungen ist zukünftig auch für geschlossene Gesellschaften abends und Sonntags ganz verboten, und auch das Austragen von Zeitungen, Kleidern Waren usw. wozu in der Stadt Gießen etwa 60—60 fremde Kinder verwendet worden, ist zilkunftig nur noch solchen Kindern gestattet, die das zwölfte Lebensjahr zurückgelegt haben; das Austragen hat jedoch eine Stunde nach dem Schlüsse des Nachmittagsunterrichts anzufangen. 9!ach 8 Uhr abends dürfen Kinder überhaupt nicht zu gewerblichen Arbeiten herangezogen werden. Auf den Zuwiderhandlungen stehen sehr hohe Strafen.
sd. Darmstadt, 24. Dez. (Eigener Dra Hitz er ich t.) Der Fouragehändler Johannes Nlüller aus Ober-Viamstadt, der gestern hier von der Strafkammer wegen Ungebühr vor Gericht (er hatte sich in beleidigende Worte über „Juden und Rechtsanwälte* ergangen) eine sofort zu oertzüßende Haftstrafe von drei Tagen erhielt, wurde heute im Provinzialarresthause erhängt aufgefunden.
Darmstadt, 24. Dez. Dem diesjährigen Gerichtsschreiber-Ex amen, das in letzter Woche im hiesigen Iustizpalaste abgehalten wurde, unterzogen sich 35 Aspiranten. Davon traten schon am ersten Prüfungstage zwei Examinanden zurück, während die übrigen 33 bis zmn Schlüsse, Samstag atzend, ausharrten. Dem schriftlichen Examen am SQZontag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag folgte am Samstag die mündliche Prüfung. Dem Gerichtsvollzieher-Examen in vorletzter Woche unterzogen sich 19 Aspiranten, und zwar 18 Militär- und 1 Zivilanwärter, während sich zum P 0 l i zei ko mm i ss a r ia ts - Exa m e n elf
dem Amtssitz in Bechtheim Karl Nikolaus Franz zum Notar mit dem Amtssitz in Oppenheim als Nachfolger des Mkars Tr. Bittl>ardt und den Gerichtsassessor Heinrich Zwilling aus Worms äuhi Notar mit dem Amtssitz in Bechtheim als Nachfolger des Notars Franz ernannt.
** AuS dem heutigen Militärwochenblatt. Befördert zu Leutnants der Reserve die Vizefeldwetzel, bezw. Vizewachtmeister: NoßlL (Rheydt), Selck (Frankftill a. Nt.) des 3. Großh. Hess. Feldartillerie-Regiments 3lr. 25 (Großh. Art.-Korps), Lamberts (Rheydt), Pleßer (Meschede) des 2. Großh. Hess. Feldart.-Regts. 9lr. 61, Andreas (Frankfurt a. M.) des 1. Großh. Hess. Drag -Regts. (Garde-Drag.) Nr. 23, Behrens (II Altona) des 2. Großh. Hess. Drag - Regiments (Leitz-Drag.) 9lr. 24, Reiß, Leuchs (Frankfurt a. M.) des Großh. Hess. Train-Bat. Nr. 18, Scherer (Mainz) des Nass. Plon.-Bats. 3lr, 21.
** Die Sammlung für den Fonds, welcher Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog zur Förderung der Kunst zur Verfügung gestellt werden soll, ist in der Stadt Gießen beendigt und hat annähemd die Summe von 2 2 00 Mk. ergeben. Um auch denjenigen, die von den Boten übersehen oder nicht zu Hause angetroffen worden sind, Gelegenheit zu geben, sich in die Liste einzutragen oder einen Beitrag zu leisten, wird für nächsten Montag, den 28. d. Ntts., auf der Bürgermeisterei — Zimmer Nr. 16 — eine Liste aufgelegt und eine Sammelbüchse aufgestellt sein. Am Montag abend wird die Sammlung endgiltig geschlossen.
Das Promenadenkonzert findet am Sonntag, den dritten Feiertag um 1/212 Uhr in der Südanlage statt mit folgendem Programm: 1. Ouvertüre zur Oper ^Norma^, von Bellini. 2. Maiblümchen! Gavotte von Krauße. 3. In lauschiger Nacht! Walzer von Zickner. 4. Finale aus der Oper ,Aida^, von Verdi. — Unsere Negimentsmusik spielt am zweiten Feiertag nachmittags 4 Uhr, am dritten Feiertag abends 8 Uhr im neuen Saalbau. Am dritten Feiertag findet im Philosophenwald nachmittag Konzert statt.
*♦ Aus b e m Bureau des Stadttheaters. Am SamStaa nachtnillag 3y2 Uhr (2. Weihnachtsfeiertag) geht als Kindermärchen „P l a p p e r m ä u l ch e n" von iH ermann Steingvetter in Szene. Tas heitere, dem
bei tieferem Hineinversenken immer neue Schönheiten daran entdeckt. Auch die daneben ausgestellten einzelnen Skizzen und Studien zeugen von der lebhaften Begeisterung des Künstlers für feine Aufgabe. Das neue Prachtstück, das von der kunstbegabten Lehrerin an der Aliceschule Frl. Appel mit Hilfe von 7 SckMlerinnen mit größter Sorgfalt unb eigenartigen, stickereitechnischen E,fetten ausgesuhrt wurde, soll am 1. Januar zur Geburtstagsfeier bcs Graß-> Herzogs im Neuen Palais ausgestellt sein. Dann kommt es kurze Zeit im Frankfurter Kunstverein zur Ausstellung; päter soll es eine Zierde im Haupts aal der deutschen Austeilung in St. Louis bilden.
• r. Mainz, 23. Dez. Infolge der eingetretenen kälteren Witterung ist gestern nachmittag hier ein Teil eines Neubaues eingestürzt. Während der Katastrophe befanden sich mehrere Arbeiter in dem Neubau, die sich jedoch sämtlich in Sicherheit bringen konnten, sodaß es nur einige Hautabschürfungen bei dem einen oder andern absehte. — In einem hiesigen Warenhaus sind in der letzten Zeit bedeutende Dieb- tähle verübt worden. Ter Verdacht richtete sich gegen verschiedene in dem Warenhaus angestellte Arbeiter, bei denen eine polizeiliche Haussuchung stattfand, die das Vorhanden- ein zweier Wagen voll der gestohlenen Waren ergab.
Mainz, 23. Dez. Vollständig aus dem Häuschen geraten war am 18. November der 28 Jahre alte Blumenverkäufer Joh. Schreiber von hier. An diesem Tage hatte ihn die Strafkammer von einer Anklage wegen Diebstahls freigesprochen und aus der Untersuchungshaft entlassen. Natürlich ging er sofort in eine Wirtschaft und nach kurzer Zeit war der Rausch fix und fertig. Nun wurde der Mann aber chon mehr wie ungemütlich. Zuerst wollte er einer jungen Katze das Genick umdrehen. Als die Wirtin dagegen ein» schritt, beschimpfte er sie in gemeiner Weise und schlug von außen mit seinen Fäusten sämtliche Fensterscheiben der Will- chaft, in der gerade Konzert stattfand, ein. Dann schwang er sich aus ein Fensterbrett, ergriff die Biergläser auf dem Tisch unb warf sie in die Stube, so daß die Gäste auf die Straße flüchten mußten. Die Wurst auf dem Buffet, Brot usw. warf er zu den Fenstern hinaus. Als die Polizei ihn verhaftete, leistete er heftigen Widerstand und war nur mit Mühe zu bewegen, sich seine Wunden verbinden zu lassen, die ihm das Einschlagen der Fenster eingebracht hatte. Gestern stand er wegen dieser Geschichten vor dem Schöffengericht, das ihn zu 4l/2 Monaten Gefängnis und 3 Wochen Haft verurteilte. (Dl. Tgtzl.)
Wiesbaden, 23. Dez. Der 57 Jahre alte unverheiratete Privatier August Steinbach aus Frankfurt a. M. ist nach seiner eigenen Darstellung in einer der letzten Nächte in Wiesbaden beinahe da§ Opfer eines räuberischen Ueberfalles geworden. Da er öfters nach Wiesbaden lam, hatte er im Hause der Marktstraße ein möblirtes Zimmer gemietet. Er giebt nun an, er sei plötzlich aus dem Schlafe erwacht, da ihn jemand am Halse würgte und ihm einen harten Gegenstand in den Mund zu schieben suchte. Beim Ringen mit dem Einbrecher sei er aus dem Bett gefallen, auch sei ihm ein Zahn abgebrochen. Auf seine Hilferufe hin habe der Einbrecher von ihm abgelassen und sei wahrscheinlich durch ein Flurfenster über ein Glasdach des Hofes geflohen. Steinbach tzeivahrte in seinem Bette 960 Mk. auf, wovon der Einbrecher vielleicht gewußt habe. Steinbach schildert den 2lngreifer als einen schwächlichen, etwa fünf* imdzwanzigjährigen Mann mit bleichem Gesicht und schwarzem Bärtchen. (Jrkf. Kl. Pr.)
tc. Frankfurt a. M., 23. Dez. Die 24 Jahre alte Gelegenheitsarbeiterin Schönbusch überfiel in der vergangenen Nacht die 16jährige Arbeiterin Johanna Haupt und brachte ihr drei Stiche in den Rücken bei, von denen eine die Lunge traf. An dem Aufkommen der Haiipt wird gezweifelt. Sie hatte der Schönbusch ihren „Schatz" abspenstig gemacht.'
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* Brüssel, 23. Dez. Wie aus Quevy berichtet wird, kam es unweit der Eisenbahnlinie zwischen belgischen Schmugglern und französischen Grenztzeamten zu einem Zusammenstoß, wobei von elfteren auf die Grenzbeamten mehrere Revolverschüsse abgegeben wurden; diese erwiderten das Feuer, wobei einer der Schmuggler schwer verletzt wurde.
* Der Kronprinz auf dem Weihnachtsmarkt. Der Kronprinz wurde, als er kürzlich in Potsdam einen Ausgang unternahm, von der mit Weihnachtsschäfchen auf der Straße handelnden 11 jährigen Tochter Klara der Waschfrau Heinrich, die ihn nicht kannte, mit den Worten angesprochen: „Herr Leutnant, foofen Sie mir doch ’n Schäfchen ab for 10 Pf.!" Der Kronprinz blieb stehen und erstand den ganzen Vorrat der Kleinen, den er mit 6 Mk. bezahlte; dann gab er dem Mädchen den Auftrag, die Schäfchen nach dem Kabinettshaus zu bringen. Die kleine Händlerin tat, wie ihr geheißen war und erfuhr dort er|t durch einen Offizier, daß der Kronprinz der Käufer war. Auch einem Händler mit Weihnachtsbämnen hat der Kronprinz auf der Straße eine große Tanne abgefauft für die 2. Kompagnie des 1. Garde-Regiments z. F., deren Chef der Kronprinz ist.
• Weiteres von der Fran Professor Meyer. Von den Eigenarten mancher Bazare und ihrer Veranstalter aus der sog. guten Gesellschaft des Tiergarlenviertels zu Berlin gibt folgende Schilderung einer Dame im „B. T." ein Bild. ES heißt da: „Die Affäre „Professor Dleyer und Frau" bringt mir einen Atzend auf einem der vielen großen Bazare in Erinnerung bei denen die beiden eine gewisse Rolle spielten. Seit zivei Jahren „grassierte" Frau Professor Dleyer. Jede Vorstandsdame des abzuhaltenden Bazars riß sich nach ihrer Dtttwirkung beim Verkauf, ohne sich weiter über das „Woher" der fabelhaften Toiletten und das „Wie" ihrer unverhältnismäßig hohen Einnahmen zu orientieren. Ich selbst bin bei vielen dieser Bazare tätig gewesen und hatte, ivie schon öfter, wieder ein Büffet übernommen. Da die Vorstandsdamen es sich vorbehalten, einige Damen selbst aufzufordern, so widerfuhr mir diese Ueberraschung, an meinem Tische Frau Professor Meyer fugieren zu sehen, und zwar in einer schwarzen, sehr tief dekollettierten Palllettetoillette. Sie uerfaufle Chokoladen und Liköre. Bald ertönte vom Ende des Tisches, ivo sie ihren Stand hatte, ein alles Geräusch übertönendes Lachen. Eine Schar Herren war um sie ver- sammelt. Als ich mich der Gruppe näherte, bemerkte ich, daß die erfinderisch junge Frau aus dem Ausschnitt ihres


