Nr* 302 Zweites Blatt.
153. Jahrgang
Donnerstag 24. Dezember 1003
Erschetni täglich mit Ausnahme de- Sonntags.
Dt „Gtetzener Kamiltendiätter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der -hessische Landwirt" erscheint monatlich emmaL
Gietzener Anzeiger
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Zie ycutige Hiummer umfaßt IG Seiten.
KcKaunllmrHuug.
Die am 20. August lf. Js. angeordnete Sperre deS Schiffenbergerivegs, zwischen Licher und Bergstraße, wird hiermit aufgehoben.
Gießen, den 24. Dezember 1903.
Großherzoglicye^ pottzeiamt Gießen.
________________I. B: Roth.___________
Damische Tagesschau.
Aus der Marine.
Man schreibt uns aus Berlin:
Ein neuer Vorstoß gegen den Marinestaatssekretär b. Tirvitz wird in der „Bert. Morgenpost" von einer anscheinend den Mavine-Jngenieurkreisen nahestehenden Seite unternommen. Er ist insofern bemerkenswert, als aus ihm hervorgeht, daß in der Anerkennung der Verwaltung des gegenwärtigen Staatssekretärs die Angehörigen der verschiedenen Cpezialgattungen des Marinewesens nicht einmütig sind. Alan macht Herrn v. Tirpitz zum Vorwurf, daß er in allen Zweigen seiner Verwaltung das im Seeosfizierkorps sich darstellende militärische Element bevorzuge vor dem technischen und der Beamtenschaft. Besonders wird bemängelt, daß der wichtigste technische Posten in der Marine, der des Chefkonstrukteurs, einem der technischen Vorbildung ermangelnden höheren Seeoffizier übertragen wurde. Auf den ersten Blick erscheint Dieser Einwand nicht unberechtigt, und es müssen wohl besondere Gründe den Staatssekretär veranlaßt haben, von der Berufung eines Schiffbauingenieurs Abstand zu nehmen. Es ist wünschenswert, daß bei der Beratung des Marineetats in der Budgetkommission diese Angelegenheit zur Sprache gebracht wird. Unberechtigt ist dagegen der Vorwurf, daß die Leitung der Etatsabteilung des Reichs mar ine am ts in den Händen eines Kapitäns und nicht in denen eines im Etat-und Rechnungswesen erfahrenen Regierungsrats liege. Im Reichstag gibt es mit dem Budgetwesen wohl vertraute Männer, und diese fanden gegen die Amtsführung des Leiters der Etats- abteilung, Kapitäns z. S. Capelle, bisher nichts zu erinnern. Was im übrigen die Stellung des Herrn v. Tirpitz zum Marineingenieurkorps betrifft, so nruß darauf hingewiesen werden, daß unter seiner Verwaltung die Neuorganisation des Jngenieurkorps erfolgt ist, durch die die Befürderungs Verhältnisse grade dieser technischen Ossiziere verbessert werden. Dce völlige Trennung der Ingenieur- von der Maschinistenlaufbahn bewirkt unzweifelhaft auch die Hebung der Ingenieure in gesellschaftlicher Hinsicht, die so lebhaft und mit Recht gewünscht wurde, da an die Bildung des Marineingenieurs jetzt nicht geringere Anforderungen gestellt werden als an die des Seeoffiziers. Im allgemeinen also läßt sich wohl sagen, daß Staatssekretär v. Tirpitz das Jngenieurkorps nicht stiefmütterlich behandelt hat. tB ist deshalb Uebertreibung, wenn von einer „Kluft" zwischen Secossizier- und Jngenieurkorps gesprochen wird, wie das in dem Artikel der „Morgenpost geschieht. Im einzelnen mögen die Ingenieure begründete Wünsche haben aus Gleichstellung mit den Seeoffizieren — auch diese Wünsche werden mit der Zett berücksichtigt werden. Tie beteiligten Kreise dürfen nicht außer Acht lassen, daß das Jngenieurkorps eine jüngere Institution ist, als das Seeosfizierkorps, also in die „Uniform" des letzteren erst allmählich hineinwachsen kann. Derjenige Staatssekretär, der es darauf anlegen würde, den Ingenieuren eine inferiore Stellung im Marineverband zuzuweisen, würde keinen Berus zum Ver- waltungschej haben. Es fehlt gerade noch, daß auch in der Marine Unterschiede gemacht werden, wie sie in der Armee zwischen Garde und Linie, zwischen Kavallerie und Train gang und gäbe sind trotz aller Versicherungen der Heeresverwaltung, daß das gesamte Ossczierkorps eine Familie sei. Jeder Versuch, solche Tendenzen in der Marine zu verbreiten, verdient Zurückweisung.
Deutsches Deich.
Berlin, 23. Tez. Ter Kaiser hörte heute im Neuen Palais die Vorträge des Kriegsministers, den Chefs des Militärlabinetts und des Eisenbahnministers.
— Ueber ein Scherzwort des Kaisers wird dem Berl. Tagebl." aus Hannover berichtet: Ter Minister v. Hamm er stein hatte im Oktober in einer Ansprache in Hannover einige Morte gegen die welfische Partei gerichtet. Er sagte il <l, es sei „ein Gebot der Pflicht, daß alle diejenigen Leute, welche den preußischen Staatsge- danken hochhalten sollen, Schulter an Schulter zusammenstehen gegen eine Partei, welche noch immer und heute unverhicklter als jemals dem preußischen Staate den Krieg erklärt". Bei der jüngsten Anwesenheit des Kaisers kam in intimem Kreise auch die Rede auf diese Äußerungen des Ministers, die einem alten Hannoveraner zu einer Bemerkung des Bedauerns Anlaß gaben. Daraus soll der Kaiser lächetttd bemerkt haben: er werdendem Minister, wenn dieser wieder das nächste Mal nach Hannover käme, einen silbernen Maulkorb mitgeben. .
— Nach einer Meldung aus Paris ist man dort in Militär sichen Kreisen erstaunt über die Haltting. der eng- li'chen Presse wegen der Aeußerung des deutschen Kais ers über die Schlacht bei Waterloo. Ter Kommandant der Kriegs,chule in Paris, General Brun, äußerte, jede» Schulkind wisse, daß Napoleon bei Waterloo den Engländern unter Wellington ohne Blüch ers Emire,fen eine empfindliche Niederlage hätte beibringen können, wenn er auti bei ber Schwäche 'einet Infanterie ju einer völligen Berniaiiung der englischen Armee nicht imstande war.
— Ter „Reichsanz." veröffentlicht die Berteck)ung des Nroükreuzes des Roten Adlerordens mit Crcyen- iaub und der königlichen Krone an den Leibarzt Prosejjor Leu hold und des »loten Adlerordens 2. Kl. an den Eiten Leibarzt, Tr. Wilberg, des Kvonenoroens 2. Kl.
an den Geh. Medizinalrat Prof. Orth und des Kreuzes der Komture des Hohenzollernschen Hausordens an den praktischen Arzt Tr. Spieß in Frankfurt a. M. Tiefe Auszeichnungen hängen vermiitlich mit der Behandlung des Kaisers bei seiner letzten Erkrankung zusammen.
— Tie Für st in zu Hohenlohe -La n gen bürg, Gemahlin des kaiserlichen Statthalters von C^aß-Lothrin- gen, deren schwere Erkrankung vor einigen Tagen gemeldet wurde, ist, wie aus Straßburg berichtet wird, heute gestorben. Tie Fürstin, die ein Alter von 67 Jahren erreicht hat, war eine geborene Prinzessin von Baden und seit 18o2 mit dem Fürsten Hermann zu Hohenlohe-Langenburg vermählt. Tiefer Ehe sind ein Sohn, der Erbprinz Ernst Wilhelm, Regent in den Herzogtümern Sachsen-Coburg und Gotha, und zwei Töchter entsprossen, von denen die ältere mit dem Erbprinzen Heinrich XXIII. Neuß j. L., die jüngere mit dem Erbprinzen von Lemingen verheiratet ist.
— Ter Staatssekretär des Reichsschatzamtes hat verfügt, daß den Poft- und T e l e g r a p h e n a s s i st e n t e n bei Vorwurfs freier Führung fünf Jahre nach ihrer etatsmäßigen Anstellung der Titel O b e r p o st a s s i st e n t oder O b e r t e l e g r a p y e n a s s ist e n t verliehen wird. Tie Beamten der mittleren Laufbahn ersten nach dem Br sieben der Sekretärprüfung den Titel P o ft s e f r e t ä r oder Telegraphensekretär. Bei vorwurfsfreier Führung werden Die je Titel auch Oberpost- oder Obertelegraphenassistenten verliehen, die die Sekretärprüfung nicht ab^ gelegt haben. Tre Kanzlisten erhalten nach 30 Jahren Dienstzeit den Titel K a n z l e i s e k r e t ä r. Den Postunterbeamten wird nach dieser Verfügung das Diensteinkommen bei Erkrankungen fortgewährt.
—-Den Abendblättern zufolge überwies die Witwe des Geh. Kommerzienrats v. H a n s e m a n n in Erfüllung eines Wunsches ihres Gemal)ls dem deutschen Oftmarkenverein LOO 000 Mark, dem deutschen Frauenverein für die Ost- mar ken 50 000 Mark.
Dresden, 23. Dez. Die Ehe des Prinzen von Schönbur g-Wa Idenburg uno der Prinzessin A li e i a geb. Bourbon ist heute geschieden worden. (Die Vorgeschichte dieser Scheidung hatte die Oeffentlichkeit lebhaft beschäftigt, da es zuerst hieß, die Prinzessin, eine Tochter von Ton Carlos, sei mit ihrem Kutscher verschwunden, was jedoch dementiert wurde.)
Stuttgart, 23. Tez. Tas Regierungsblatt veröffentlicht neue Prüsungsvorschriften für den höheren Tienst in den Departements der I u st i z, des I n n e r n und der Finanzen, durch die für die bisherigen Referendare 1. Klasse vom I. Januar 1906 ab die Titel Gerichts-, Regier- ungs- und Fiiianzassessor eingefichrt werden. ^>ie der „Staatsanzeiger" mitteilt, wird auch bei den smlten eine Neuregelung des Titelwesens erfolgen.
Ktrche uno schule.
Hamburg, 3. Tez. Eine kirchliche Angelegenheit, die hier im letzten Sommer sehr viel Staub ausgewirbelt hat, ist nunmehr nach verschiedenen Richtungen hin erledigt. In einer der beliebiesten der hiesigen Gemeinden, Der St. Johannis Gemeiitde, war ein Pastorat erledigt und Die Orthodoxen wollten dem Vorstand der hiesigen inneren Mission, Pastor Mahling, ein geborener Frankfurter, diese Stelle verschassert. Aber dem stand als Hindernis entgegen, daß, wie wir seinerzeit bereits mitteilten, nach dec Ansicht der meisten hamburgischen Geistlichen Pastor ülcahling nach der Kirchenversa.sung nicht wählbar war, denn diese erklärt als wählbar nur „hiesige Geistliche" und solche, welche auswärts bereits ein Pfarramt bekleidet haben. Mahling ist aber nach dieser Aussassung als „hiesiger Geistlicher" nicht anzusehen, weil er sich lediglich in einer Privat- ftelluuA nicht aber in einem verfassungsmäßigen Amt der dwmburgischen Kirche befindet, und auch auswärts hat er bisher ein solches Amt noch nicht bekleidet. Trotzdem wählte ihn der Kirck-envorstand. Als aber der Kirchenrat die Wahl zu bestätigen beab.ichtigte, mad)<ten die Liberalen Mitglieder den Kirchenrat durch ih^en Austritt beschlußunfähig. Unter wlchen Umständen sand Paswr Mahling den einzig richtigen Auswege indem er erklärte, auf die Wahl zu verzichten. Tann wurde eine neue Wahl vovgenommeri und es ist jetzt Pastor Aug. Cordes aus Frankfurt a. M. zum Geistlichen an der St. Johannis-Gerneinde gewählt worden. In der Kirchensynode hat dieser Vorgang aber den Anlaß gegeben, daß die Worte „hiesige Geistliche" durch „Geistliche, welche in einem versa;sungsmäßtgeii Amte der hamburgischen Kirche stehen oder gestanden haben" ersetzt worden sind. Tieser Antrag gab zu einer lebhaften Distußion Anlaß, in welcher die orthodoxe Minderheit der Synode sich energisch gegen den Antrag erklärte. Doch wurde der Antrag angenomlnen und weiter beschlossen, eine Kommission nieoerzusetzen, um zu prüfen, ob noch weitere Aenderungen hinsichtlich der Zulassung zu kirchlichen Aemtern in Hamburg zu empfehlen seien.
— Wie aus Posen gemeldet wird, verkündete der Erzbischof von Stablewski, dessen Gesundheitszustand sich erheblich gebessert hat, vor versalnmeltem Domkapitel, daß der Papst den Bischof Tr. Likowski in Posen wegen '.einer Verdienste um Kirche und Wissenschaft zum päpstlichen Kron-Ajsistenten und Grafen ernannt habe.
Ausland.
London, 23. Dez. Der Bau eines Kanals quer durch Schottland ist geplant, welcher die Durchfahrt von Schiffen, auch Kriegsfahrzeugen, von der Nordsee nach dem Irischen Meere ermöglichen soll. Tie Kosten, welche im nächsten Jahre vom Parlament gefordert werden sollen, werden auf 8 Millionen Pfund Sterling veranschlagt.
Rom, 23. Tez. Der Papst empfing heute im e-aale des Konsistoriums die Kardinäle und Prälaten. Auf die Ansprache des Dekans der Kardinäle, in der dieser die Wünsche der Kardinäle zum bevorstehenden Jahreswechsel aussprach, erwiderte der Papst mit einer Rede, in der er ausführte, die Krippe von Bethlehem sei die schule, in der feder Christ lerne, ein wahrhaft christliches Leben zu suyren und in der jede Klasse der menfchlichien Gesellichaft das Beispiel der Güte und Geduld finde, die die Quelle der Ein
tracht und des Friedens seien. Der Papst sprach dann von den Schwierigkeiten, die die jetzige Zeit biete und sagte, er sei im Vertrauen auf die Versprechungen, die der Erlöser seiner Kirche gegeben habe, bereit, alles zu tragen, was die Vorsehung bringen werde. ,
Rom, 23. Dez. Wie die „Agenzia Stesani" aus PaiTis meldet, wurde der französische Botschafter am Quirinal, Barröre, infolge einer Verständigung zwischen der ilalteni* scheu und der französischen Regierung beauftragt, dem italienischen Minister des Aeußern Tittoni miizuteilen, daß Minister D e l e a s s s bereit sei, mit Italien ein Schiedsgerichtsübereinkommen abzuschließen, ähnlich demjenigen, welches kürzlich zwischen Frankreich und England abgeschlossen wurde. Die Unteizeichnung des Uebereintom* menS wird unverzüglich in Paris statthaben.
Japans S.ylsch.äge uno Koffnungcn.
Dap die Dinge in Opaften eine g u n |t i g e Wendung genommen haben, wird von unterrichteter Stelle bestätigt. Auf die Haltung der japanischen Regierung dürste nicht ohne Einfluß geblieben sein, daß der Versuch, in England Geld zu leihen, in geradezu hoffnungsloser Weise gescheitert ist. Man wird annehmen dürfen, daß das Londoner Kabinett seinem ojtasiat.scheu Verbündeten, wenn es schon sonst nichts a.s ermutigenden Zuspruch zu bieten hatte, bei den Bemühungen, in der City eine Anleihe unterzubringen, behilflich war. Dabei wird dann aber wohl die Frage aufgetaucht sein, ob England seinerseits als Bürge auftreten würde für Japan, das nach Versicherungj des Times-Korrespondenten in Tokio sich einer jo vorzüglichen finanziellen Lage erfreuen soll. Wie man sieht, urteilt man in London über Japans Finanzkraft wesentlich vorsichtiger. Daß nach dem F-ehlschlag in England, nach der Ablehnung der englischen Regierung, Garantieen zu übernehmen — selbswerständlich würde im andern Fall Japan Kredit in jeder Höhe von der 5)vchfinanz gemährt worden sein — irgend ein anderer Staat noch Aussichten bietet, ist undenkbar. Japan bleibt also kaum etwas anderes übrig, als den von Rußland gemachten Vorschlägen sich zu fügen, und es kann noch von Glück sagen, wenn jetzt nicht aus den Vorschlägen Bedingungen werden! Die russische Politik hat von jeher einen scharfen Blick dafür gehabt, wenn die „schwache Stunde" des Gegners gekommen ist; in diesem Augenblick pflegt sie kurzer Hand die bis dahin beobachteten Rücksichten abzustreifen. Vor etlichen Wochen noch hätte Japan vielleicht mehr von Rußland erlangen können, als dies heute der Fall ist. Damals war unentschieden, ob China nicht mit Japan sich vereinigen würde. China hat sich zurückgezogen, England hat sich zurückgezogen, und die Absage am Geldmarkt vervollständigt die bitiere Enttäuschung. Dem russischen Statthalter in der Mandschurei, Admiral Alexejew, ist von Petersburg aus das Recht übertragen worden, die Entscheidung aus eigener Machtvolliommenheit zu treffen. Alexejew hat endgittig Wladiwostok zur Residenz gewählt. Das bedeutet nichts anderes, als daß Rußland tonflatiert: Hier sind wir und bleiben wir — wie immer die weiteren diplomatischen Verhandlungen mit Japan sich gestalten. Rußland hat gar kein Interesse daran, diese Verhandlungen zu besckfleunigen. Im Gegenteil, je länger sie sich hinziehen, umsomehr ist Rußland in der Sage, (eine Position in der Mandschurei zu befestigen. Japan wird mit einem mageren Vergleich abgefunden werden. Das ist die „friedliche Regelung der ^Neinungsver- schiedenheiten", die man nach den offiziösen Petersburger Depeschen erhofft. Rußland bemüht sich nicht um eine Kriegsanleihe. Ties verkündet die „Nordd. Allg. Zig.", indem sie, jedenfalls auf Weisung unseres Auswärtigen Amtes, dieses im Einverständnis jnit der russischen Regierung, die Meldung von angibudjen Sondierungen in Berlin als vollständig unbegründet bezeichnet.
Diese beunruhigenden Dleldungen iverden aber ein wenig erschüttert dadurch, daß nach einem Telegramm der „Boss. Ztg." die japanische Regierung 10 japanische Dampfer und 25 britische Kauffahrer als Truppenschiffe pachtete, was die Absicht Japans andeutet, ein Expeditionskorps auszu- rüsten. Der Tientsiner Korrespondent der „Daily Mail" will wissen, daß eine Anzahl japanischer Kriegsschiffe in der Nachbarschaft von Port Arthur erschienen sind. Japanische Berichte erklären sogar den Krieg für gewiß.
In Japans militärischen Zentren ist man unaufhörlich tätig. Tie Vorkehrungen für Truppentransporte sind vollkommen abgeschlossen.
Telegramme aus Korea besagen, daß die Unruhen in M p kpho fortdauern. Unter den Tanghaks in der Provinz Chollado ist ein Ausstand ausgebrochen. Die Tonghaks sind die unzufriedene Partei, deren Treiben die unmittelbare Veranlassung zum chinesisch-japanischen Kriege gab. Man mißt dem Umstand, daß gerade jetzt solche Unruhen ausbrechen, große Bedeutung bet
Nachrichten aus Kirin besagen: Ter Sartcircngeneral meldete eine unentschieden gebliebene Schlacht zwischen 1200 Kore aner n aus Kjeenghung im Norowesten Koreas, die auf chinesisches Gebiet übergegangen waren, und vier chinesischen Bataillonen aus Huntschun.
Aus Stadt und Kund.
Gießen, den 24. Dezember 1903.
** Fröhliche Weihnachten! So rufen wir heute unseren lieben Lesern zu. Wie wir sie uns selbst wünschen nach allen Mühen und Sorgen, nach allen Widrigkeiten und Aergernissen, mit denen uns der tägliche Lauf des Lebens nicht verschont, so gönnen wir sie allen von Herzen, und wünschen sie ganz besonders den gedrückten und bekümmerten Seelen. Möchte sich für jedes Herz, das aus bitteren und schmerzlichen Lebenserfahrungen heraus trüb und schwer dem Weihnachtsfest entgegensieht, wenigstens irgend em freundliches L.cht finden! Es gibt allerdings Kummer und Schmerzen, denen keine von den Freuden gewachjen ist, die wir Menschen uns zu Weihnachten bereiten können, an bic nur eine hoycre Macht heran reicht. Und wenn sich gar in unsere Bitternisse Vor-


