Ausgabe 
24.11.1903 Erstes Blatt
 
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Telephonischer Kursberichte

Frankfurt a. fll«. 24. November 1903.

3l/g% Reicheanleihe . . 102.15 3 n/0 do. ... 91.06 3V,% Koneolß .... 101.70 30/q do......90.95

31/2°/o Hessen .... 100.55 31/i % Oberhessen . . . 100.00 4% Oesterr. Goldrente . . 102.85 41/5-6 Oesterr. Silberrente 101.00 4-6 Ungar. Goldrente . . 100L0 4°/q Italien. Rente , . . 103.70 41/2-6 Portugieser . . . 64.20 8°/u Portugiesen.....32.10

1-6 0. Türken .... 37L0 Türkenlose...... 145 60

4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.55 4V--6 äussere Argentiner 42.60

3% Mexikaner .... 26.3t W/e Chinesen .... 91.45 Electric. Sohnckert ... 112.50 Nordd. Lloyd . . . . 104.75

Kreditaktien ..... 211.90 Diskonto-Kommandit. . , 197 Z0 Darmstädter Bank , . . 147.60 Dresdener Bank ...... 159.30 Berliner Handelsges. . . 165.00 Oesterr. Staatabahn . . . 143.25 Lombarden ..... 17,40 Gotthardbahn ,1 . . . . 190.50 Laurahütte...... 237.50

Bochum ....... 188HO Harpener ...... 204L5

Tendenz: ruhig, tz

Wer sein Geld praktisch für Weihnachtsgeschenke ausgeben will, der taufe sich in einer Apotheke, einem Droguerv ober Parfümerie-Geschäft ein Dutzend Myrrholin-Seise für M. 6. und lasse sich für die beigegebenen Gutscheine das erste Album des Myrrholin-Welt-PanoramaEuropa" in 400 Bildern kommen. Hierdurch hat man neben dem einen Geschenk, der kostbaren von Autoritäten der Wissenschaft für die Gesundheits- und Schönheits­pflege der Haut anerkannten Myrrholin-Seise, auch noch ein zwei­tes Geschenk das prächtige dauerhaft gebundene Myrrholin-Album, das für sich allein einen Wert von 9)1. 4. hat und Jedem der es besitzt große Freude bereitet. Das Album liegt in der Expedition des Blattes zur Einsicht aus.

stand cm werden. Der Tagespreise kann im übrigen in dieser Beziehung keine Ausnahmestellung eingeräumt wer­den. Bei dem Angeklagten Biermann ist erwogen worden, daß seine Zeitung lediglich die Tendenz hatte, in der Oefsent- lichkeit Skandal zu machen. Es kam ihm lediglich darauf an, die Ehre anderer in den Schmutz zu ziehen, und zwar betrieb er das gewerbsmäßig. Cs ist deshalb, wie geschehen, erkannt worden.

Vermischtes.

* Berlin, 23. Nov. Auf einem Neubau in Pankow wurden heute früh der Maurer Barisch und dessen (be­liebte mit Schußwunden im Kopse tobt aufgefunden.

Halle a. S., 23. Nov. Gestern ertränkte sich der Hauptpastor Fung in ^Trotha unmittelbar vor dem Gottesdienst. Die Tat ist in einem plötzlichen Anfall von Irrsinn geschehen.

* Saargemünd, 23. Nov. Ein gewisser Mailfers aus Wurfweiler wurde unter dem Verdacht verhaftet, den gemeldeten Raubmord auf der Landstraße begangen zu haben. Man sand bei ihm Patronenhülsen und eine Geld­summe von 300 Mk. vor, über die er sich nicht ausweisen konnte.

* Ein ehemaliger Leidensgefährte des Kaisers. Unter dieser Spitzmarke wird aus Liegnitz ge­schrieben: Vor 17 Jahren litt der hiesige Pastor prim. Pohl an dem gleichen Kehlkopsleiden wie der Kaiser. Pastor Pohl äußert sich über den Verlauf seiner Krankheit: Im Jahre 1886 war ich an demselben Leiden erkrankt. Infolge von Ueberanstrengung in meinem Amte stellte sich schon um die Osterzeit eine immer mehr zunehmende Heiserkeit ein, die keinem der angewendeten gebräuchlichen Mittel weichen wollte. Im Monat Mai konsultierte ich den verstorbenen Professor Dr. Sommerbrod in Breslau, einen mir nahestehenden Studiengenossen, der mir sosort eröffnete, daß ich auf dem linken Stimmbande (oder wie es jetzt heißt: Stimmlippe) einen Polypen habe, den er aber nicht entfernen könne, weil er nach seiner Ansicht noch nicht operationsfähig sei, vielleicht wurde sich die Operation im Herbste vollziehen lasten. Nur mit großer Mühe war ich noch imstande, einigermaßen deut­lich zu sprechen, bis der Professor mir überhaupt jegliches Sprechen untersagte, was freilich leichter befohlen als befolgt werden konnte, da ich trotzdem meines Amtes wallen mußte. Endlich um die Mitte des Monats September begab ich mich wieder nach Breslau. Die Operation, die kaum eine Minute dauerte, wurde glücklich vollzogen, und ich wurde des Störenfriedes, eines bohnenförmigen Polypen, ledig. Nachdem ich noch eine vierzehntägige, aber strenge Ent­haltung von jeglichem Sprechen hatte über mich ergehen lassen müssen, besserte sich mein Zustand sichtlich, und ich ge­langte wieder in den Vollbesitz meiner Stimme. Meine Stimme ist wieder hell und klar, nur eins habe ich nicht völlig wiedererlangt, nämlich die früher besessene gute Sing­stimme, aber es geht auch ohne sie."

* Die Prin ze s sin Friedrich, Ernst von Schoenburg-Waldenburg ist, wie der Dresdener Korrespondent desB. B.-C." ausabsolut zuverlässiger Quelle" erfährt^ seit 14 Tagen mit ihrem Kutscher verschwunden. Andauernde Nachforschungen haben noch keine Anhaltspunkte über ihren gegenwärtigen Aufenthalt ergeben. Die im 28. Lebenswahre stehende Prinzessin Alicia, die jüngste Tochter des Prinzen Carlos von Bourbon, ist seit 1897 mit dem Prinzen Friedrich Ernst von Schönburg- Waldenburg vermählt. Dieser Ehe ist im Vorjahre ein Sohn entsprossen. Wie erinnerlich, hat vor Jahren eine andere Tochter des Prinzen Carlos, die Prinzessin Elvira, durch ihre Flucht mit dem Maler Folchs ebenfalls sensationelles Aufsehen erregt.

* alt's Maul und sing die Wacht am Rhei n." In einer bei dem preußischen Finanzminister v. Rheinb ab en stattgehabten Abendgesellschaft hatte der Humorist Otto Reutter außer anderen Couplets auch ein damals von ihm neu verfaßtes Lied gesungen, in welchem die Freigebigkeit des Finanzministers gegenüber dem Militärfiskus und seine Sparsamkeit bei den übrigen Posten des preußischen Etats satirisch behandelt wird; unter anderem tritt auch! ein armer D 0 rfs ch u lm eister auf, der in beweglichen Worten den Finanzminister um Gehalts­zulage bittet. Der Minister bescheidet jedoch den Petenten abschlägig und bemerkt dabei:Halt's Maul und sing die Wacht am Rhein." Die Teilnehmer der Abendgesellschaft, unter ihnen der glossierte Gastgeber, amüsierten sich dar­über köstlich. Nicht so die Polizei, welche Otto Reutter den öffentlichen Vortrag dieses Couplets verbot. Aus Be­schwerde bei den zuständigen höheren Instanzen ist dieses Verbot jetzt rückgängig gemacht und der öffentliche Vortrag dieses Liedes gestattet worden.

Kunst und Wissenschaft.

Paris, 23. Nov. Die Akademie der Wissenschaften ver­öffentlicht eine Mitteilung des Dr. Biraud, wonach es gelungen ist, durch X-Strahlen eine gennsse Form des Krebses zu heilen. Die angesteüten Versuche haben ein günstiges Resultat ergeben.

Buenos Aires, 23. Nov. Die argentinische Korvette Uruguay" brachte die Mitglieder der Nordenskjöld'schen Erpedition zurück. Die .Antarctic" ist im Februar durch Eispressungen zertrümmert worden. Es steht aber fest, daß die Eh arcot-Erpe ditio n nicht unterbrochen wird. Eharcot drückte darüber seine Freude aus, daß Nordenskjöld und seine Be­gleiter gefunden sind. Die Erpedition wird sich nun selbst wissen­schaftlichen Forschungen widmen und sobald als möglich nach Grcchamshorn abgehen.

Universitäts-Nachrichten.

Berlin. 23. Nov. Eine Versammlung der Professoren der Berliner Universität beschloß am Sonntag mit 40 gegen 10 Stimmen die Gründung eines Zweigvereins des aka­demischen Schutzvereins, der gewisse Einrichtungen des Verlags- und Sortimentsbuchhandels bekämpft.

Nach einer Meldung aus Innsbruck wurden die Vor­lesungen an der freien italienischen Universität, die heute hätten beginnen sollen, behördlich verboten.

Gerichtssaal.

d. Mainz, 24. Nov. Erste Strafkammer vom 23. November. Der Land- und Gastwirt Otto Krebs aus Heidesheim ist der Weinfälschung angeklagt. Er soll seinen Weinen unreinen Stärkezucker beigesetzt und dre Meine durch Wasserzusatz überstreckt haben. Der Angeklagte bestrettet dies, er will nur Stärkezucker bei seinem Haus­trunk, dem Tresterwein, verwendet haben, bei dem übrigen Mein nur guten Zucker. Seine Weine seien bei der (Ätt- mchme der Proben noch nicht verkaufsfertig gewesen, er Ijwbe sie mit extrakthaltigen verstechen wollen. Er habe stets nur guten Wein verkauft. Aus der Beweisaufnahme ging hervor, daß der Angeklagte bei einem in Heides­heim veranstalteten Wettbewerb, bei dem 22 Proben ein- ,gingen, den besten Wein hatte. Die Gutachten der Sach­verständigen Prof. Dr. Mayerhoser und Dr. Stern-Kreuz­nach gingen dahin, daß ein Teil der Weine des Angeklag­ten mit Stärkezucker vermengt und überstreckt waren. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 300 Mark Geld­strafe und in die Kosten, außerdem wurde die Einziehung von 6137 Liter Rot- und 4763 Liter Weißwein verfügt.

Hanau a. M., 23. Nov. Vor der Strafkammer stand der frühere Kaplan Knipp aus Aachen unter der An­klage, in der Zett von 19011902 als Erzieher in der Knaben-Zwangserziehungs-Anstatt in Samdorf eine Reihe von Stttlichkeitsv erb rechen an Zöglingen der Anstatt be­gangen zu haben. TerFrkf. Ztg." zufolge lautete das Urteil unter Einbeziehung der dem Angeklagten am 4. März d. I. in Dresden wegen gleicher Vergehen zudiktierten zweijährigen Gefängnisstrafe auf 6 Ihre Gefängnis.

Arbeiterbewegung.

Lyon, 23. >iöov. Als aus ständige Tüllarbei- ter heute in drohender Haltung vor der Fabrik eine Kundgebung veranstalteten, feuerte der Fabrikbesitzer vier Revolverschüsse auf sie ab. Die Ausständigen ant­worteten mit Steinwürfen und zertrümmerten die Fensterscheiben. Infolge dieses Verhaltens beschlossen sämtliche TüllmLeiter, in den Ausstand zu treten.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliner Börse vom 24. November 1903.

(Mitgeteill von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Prinat-Diskont 31/, Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurfe.

Deft Kredit . 212.40 212.

Deutsche Bank |. . . 220.50 220.75

Darmstädter Bank . . 146.60 147.12

Bochumer Guß . 189.20 189.37

Harpener Bergbau . . 203.50 204.75

Tendenz: Fest.

Gießen, 24. Nov. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1,200.00 Mk., Hühnereier 1 St. 810 Vfg., 2 Stck. 0000 Pfg^ Gänseeier 0000 Pfg., Enteneier80 Pfg., Käse pr. Stck. 68 Pf^ Käsematte 2 Stck. 56 Pfg., Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg^ Tauben pr.Paar 0,7009,0Mk., Hühner pr. St. 1,301,80 Mll, Hähne pr. Stück 0,701,50 Mk^ Enten pr. Stück 1,702,20 Mk., Gänse pr. Pfd. 5060 Pfg^ Ochsenfleisch pr. Pfund 6878 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6266 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfturd 6676 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7076 Pfg^ Hammelfleisch pr. Pfund 6574 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,005,50 Alk., Weißkraut per Stück 57 Pfg., per Zentner 1.301.60 Mk., Zwiebeln pr. Zentner 4,505,00 Alk^ Milch per Liter 18 Pfg., Äepfel per Zentner 16 bis 02 Alk., in Korben 0000 Pfg. Nüsse 100 St. 40 Pfg.

Krirskasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

K. H. L. 36. Das eingebrachte Gut haftet den Gläu­bigern der Frau für deren Verbindlichkeiten.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

In der Stadtkirche.

Mittwoch den 25. November, vormittags 9V3 Uhr: Zur Feier des Geburtstags Sr. Kgl. Hoheit des GroßherzogS:

Vereinigter Militär- und Zivilgottesdienst.

________________________________ Pfarrer Euler.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

London, 24. Nov. Eine furchtbare Feuers­brunst wütete gestern abend in dem Stadtteil Eattel-Lane. Um Mitternacht waren 300 Feuerwehrleute zur Bekämpfung des Feuers ausgerückt. 12 Häuser wurden gänzlich zerstört. Das Stadtviertel ist hauptsächlich von Papierhändlern bewohnt.

L. London, 23. Nov. Wie aus Pretoria gemeldet wird, ist am Donnerstag in Klerksdorp die Gemahlin des ehemaligen Bnrengenerals Cronje gestorben. Die Verstorbene fiel bei Paardeberg mit ihrem Manne in hie Hände Lord Roberts und hat bis zur Beendigung des Krie­ges an der Seite ihres Mannes auf St. Helena in eng­lischer Gefangenschaft geschmachtet.

Mailand, 24. Nov. In der berühmten Kathedrale in Monza wurde ein Einbruch verübt. Schmuck- und Kunst-Gegenstände von großem Werte wurden entwendet.

Wien, 24. Nov. In dem Judenprozeß von Kischinew verlangte vor dem Zeugenverhör der Berliner Antisemit Schmakow, die Juden müßten den Eid in der Synagoge bei schwarzen Kerzen und mit dem Gebetsmantel ablegen, sonst fei ihnen nicht zu trauen, welcher Antrag aber abgelehnt wurde. Der Bürgermeister von Kifchinew be­stritt, daß die Polizei sich geweigert habe, während der Ausschreitungen zu intervenieren. Ebenso beharrten die Offiziere, welche zum Einschreiten bei den Straßen-Krawallen berufen wurden, dabei, daß ein Anlaß, einzuschreiten, nicht vorhanden war.

L. Newyork, 24. Nov. Professor Gottheit von der Columbiauniversttät, ein Freund Professor Marmorets, wurde von letzterem benachrichtigt, er habe den Prinzen Heinrich Pleß von Tuberkulose geheilt, nach­dem die Hofärzte den Kranken bereits aufgegeben hatten.

L. New York, 23. Nov. Ein gegen den Bauunter­nehmer Ferguson in der Nähe von Washington von zwei kroatischen Lttbettern verübtes Akten tat erinnert in seiner planmäßigen Ausführung an die Taten der Nihi­listen. Ferguson fuhr in einem leichten Wagen, den er selbst kutschierte, die Landstraße entlang, als plötzlich mitten auf dem Wege gegenüber einem Gebüsch ans der Erde heraus eine Explosion erfolgte und Wagen, Pferde und Insassen in die Lust sprengte. Bei der Untersuchung der Oertlichkeit sanden Geheimpolizisten eine sechs Fuß tieft Höhlung in der Landstraße, von wo aus ein schmaler Kanal in ein seitwärts gelegenes Gebüsch führte. In dem Gebüsch wurde eine elektrische Batterie entdeckt, die mit der Höhlung durch einen LettungSdraht in Verbindung stand. In der Höhlung befanden sich offenbar die Sprengstoffe, die, von der Batterie aus zur Entzündung gebracht, die Explosion bewirkten Die Entzündung muß gerade in dem Augenblick erfolgt sein, als die Pferde mit den Hufen die Höhlung berührten. Einzelne Teile der Pferdekadaver wurden bis aus 500 Pards weggeschleudert.

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