Ausgabe 
24.9.1903 Drittes Blatt
 
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MSN Ls mit einem Kellner des Lokals einen Streit gehabt, worauf der Wirt von dem Offizierkorps veranlaßt wurde, den Angestellter: zu entlassen. Als nun die Fünfunddreißi­ger aus dem Manöver zurückkehrten, sahen einige Offiziere den Kellner wiederum im Restaurant und stellten den Wirt deswegen zur Rede. ' Er entschuldigte sich damit, daß er keine andere Aushilfe habe ftnden können; doch ließen dies die Offiziere nicht gelten, sondern veranlaßten nun die schleunige Abberufung der Regimentskapelle.

* EineT abakernte" eigener Art heimst der fran­zösische Fiskus täglich an seinen Grenzstationen ein. Mit einer beispiellosen Strenge werden seit einiger Zeit die Reisenden untersucht, ob sie nicht etwa heimlicherweise Zigarren und Dab-ak mit fich führen, und man kann nicht genug den Ausländern, welche Frankreich besuchen, anraten, Lei der Mitnahme dieser nützlichen Dinge sehr vorsichtig zu sein. Und der französische Fiskus schnrunzelt ob dieses Eifers seiner Beamten. Ein einziger Tag brachte an der belgisch-französischen Grenzstation Feignies folgende hübsche Summe ein: H-err B aus Laon trug in einer verborgenen Tasche seines Anzuges Zigarren und Zigaretten. Ein ihn begleitender fünfzehnjähriger Knabe führte in einer Hcmd- tafche 350 Gramm prächtige Havannas mit: Buße 260 Frank. Professor G. aus Rouen hatte in seinen Kleidern 450 Gramm losen Tabak und 150 Gramm Zigarren: Buße 60 Frank. Bcuikbeamter R. aus Brüssel gab die in seiner Handtasche gefundenen Zigarren als dem eigenen Ge­brauche dienend an. Er vergaß aber rein zufällig anzu­geben, daß auch in seinem großen Koffer viele Zigarren steckten: Buße 60 Frank. Herr D., Bücherrevisor in Brüssel, zahlte für 500 Gramm Zigarren 75 Frank Buße, Fuhr- werksbejitzer V. aus Frameries 40 Frank für 240 Gramm, Rentier H. aus Brüssel 80 Frank für 500 Gramm Zigarren. Schließlich erlegte Kaufmann R. aus Nantes, der 500 Gramm seiner Zigarrensorten durchzuschmuggeln gedachte, 100 Frank. Mehr als 600 Frank aus diese bequeme Weise an einem Tage und auf einer einzigen Grenzstation zu ernten, ist wirklich ein hübsches Geschäft.

DerZnnsbrucker Arzt Dr. Schumacher, der als Reserveoffizier den wegen Duellverweigerung degradierten Senior der Innsbrucker VerbindungAustria", den Juristen Weber, vor dem Militärehrengerichte vertrat, wurde jetzt ebenfalls zum Gemeinen d egr ad tert. Dr. Schuumcher, ein Bruder des Malers Philipp Schumacher, ist alter Herr der Innsbrucker VerbindungAustria" und der Wiener VerbindungNoriea". Die Degradierung er­folgte, weil er bei der von ihm übernommenen Ver­tretung die Hcuck) lungswei.se Webers prinzipiell vom recht­lichen Standpunkt zu rechtfertigen versuchte. Dr. Schu­macher erschien vor dem Militärgericht lediglich in der Rolle eines Sachführers. Seine gegen das Duell ge­richteten Aeußerungen sollen rein prinzipieller Natur ge­wesen sein. Schumacher war keineswegs persönlich in eine Ehrenasfaire verwickelt.

*Der verkaufte Schnurrbart. Wegen Körper­verletzung, begangen dadurch, daß er dem Barbier Axel Wilde den Daumen der rechten Hand durchbiß, stand der Brunnenbauer Schmidt vor dem Schöffengericht.Ick be- andrage Vertagung des Termins", sagte der Angeklagte, ,cha ick noch eenige Zeijen zu laden veabsichtije". Vors.: Was soller: diese bekunden?" Angell.:Det der Zeije Wilde eene janze rüdige Bolle is. Een ausgekochter Possen­reißer, der seinen biblischen Nächsten det Leben verbittert und Jott und der Welt verhohnepiepelt." Vors.:Sie

haben Zeit gehabt, Ihre Entlastungszeugen zu laden. Wir treten deshalb in die Verhandlung ein; erzählen Sie uns kurz, was Sie zu der unter Anklage gestellten Körper­verletzung veranlaßte." Angekl.:Die Veranlassung war eener von die schlechten Witze, die der Zeije jewerbs- und jewohnheitsmätzig verübt. Ick hatte mich um die fragliche Zeit umständehalber eene neue Stammkneipe je- wählt, nämlich det Restaurang von P. Dort lernte ick den Zeijen an'n Stammtisch kennen. Da er unter die Jäste jenügend bekannt war und deshalb keener mehr uff seine Mätzchen rinfiel, machte er mir als Ankömmling zu't Opferlamm, det bei jede Jelejenhsit faule Witze über sich erjehen lassen mußte. An den kritischen Abend sitzen wir jemütlich an unfern Stammtisch, da fräjt mir Wilde Plötz­lich ob ick ihn nich meinen Schnurrbart verkoofen möchte. Natürlich, sag ick, wenn Se'n jut bezahlen, warum denn nich? Wir einijten uns schließlich uff 20 Mark. Er zahlte mir jejen Quittung drei Mark an un ick sollte andern Tag in sein Schabe-Ataljeh kommen, um mir det Mannes scheenste Zier abnehmen zu lassen. Der Dhaler Anjeld wurde sofort in Mer anjelejt. Andern Morgen komme ick mit eenem jediejenen Oelkopp in dem Barbierladen, um mich jejen Empfangnahme der restlichen 17 Mark den Bart abnehmen zu lassem Wie er mich die eene Oberlippe abjekratzt hat, nimmt er die Serviette weg, wischt mich det Jesichte ab un sagt: Die andere Hälfte lasse ick noch bis nächsten Samstag stehen, die Spitzen müssen noch uff die Seite 'n bisken länger wer'n; so kann ick det Objekt nich brauchen! Wat soll ick Sie sajen? Mein janzet Reden nutzte nischt! Weder er noch sein Jehilfe nahm mir die andere Hälfte ab, ick sollte durchaus. drei Tage in eenen Zustand rumloofen, als ob ick eben erst aus Dall­dorf entsprungen wäre. Eenmal reißt ooch der dickste Jeduldssaden. Wir kamen beede schließlich in't Hand- jemenge und ick drückte ihn de Jurget zu, det er jrien und blau in't Jesichte wurde, während er ma wie een Rasender an de stehenjebliebene Schnurrbarthälfte zerrte. Dabei kam er mit seinem Daumen in meinen Mund, so det ick ihn vor Schmerz, wie'n Nußknacker, mit de Zähne etwas fiehlbar in seine jroße Vorderzehe zwickte. Un- jeachtet dessen mußte ick doch zu eenen anderen Barbier loofen, um den halben Schnurrbart los zu wer'n. Unter- weechs habe ick mir det Taschenbuch vorjehalten, als ob ick Zahnschmerzen hätte. In det andere Barbierjeschäft wollte erst keener Hand an mir lejen, weil die Seefen- schaumjeister jloobten, icr litte an'n stillen Littitih. Erst nachdem ick allen Ernstes meine Zurechnungsfähigkeit be­teuert, wurde ick erlöst." Nach kurzer Beratung erkannte das Gericht auf Freisprechung, da der Angeklagte gereizt worden sei, ja s:ch vielleicht sogar in der Notwehr be­funden habe.

* Da die Verdeutschung des WortesGates" inKnusperchen" nirgendwo Anklang gefunden hat, so hat die Bielefelder Cakes- und Biskuit-Fabrik Stratmann und Meyer jetzt noch einmal einen Preis von 1000 Mk. für die beste Verdeutschung jenes englischen Wortes ausgesetzt.

* Kindermund. Kärtchen:Papa, warum gießt Tu denn Oel in die Türangeln?" Papa:Weil sie io kreischen". Karlchen:Papa, dann mußt Tu das Baby auch mal ölen."

* Der Rebus. Damen (die Hände auf dem Tisch in­einander legend):Das ist ein Rebus, Herr Professor . . . raten Sie mal!" Professor (iraa^ einer Weile):Gänfe- lleiu lz<

Landwirtschaft.

Berlin, 23. Sept. DerReichsanz." veröffentlicht Mitteil­ungen über den Stand von Kartoffeln, Klee, Luzerne, Wiesen Mitte September im Reiche. Danach war der Stand der Kartoffeln 2,6 gegen 2,5 im Vormonat und 2,7 im September des Vorjahres, Klee 2,4 gegen 2,6 im Vormonat und 2,3 im Vorjahre, Luzerne 2,6 gegen 2,7 im Vormonat und 2,6 im Vorjahre, Wiesen 2,6 gegen 2,4 im Vormonat und 2,5 im Vorjahre, wobei 2 gut und 3 mittel bedeutet. Unter der Nässe haben Feldfrüchte, namentlich Hafer, Gerste und Weizen sehr gelitten. Auch die Herost­bestellung der Aecker war sehr erschwert. Tie Mäuse haben sich trotz der nassen Witterung stark vermehrt. Kartoffeln haben sich, von Thüringen abgesehen, überall verschlechtert, vielfach wird über einen großen Prozentsatz kranker und fauler Knollen geklagt. Klee wird dagegen, von drei Staaten abgesehen, gleich gut oder besser beurteilt; namentlich der Stand des jungen Rogenklees. Luzerne sei nicht so allgemein gebessert. Immerhin hat sie meift drei Schnitte ergeben, deren letzter besonders in Süddentschland reichliches Herbstiulter verspricht.' Der Stand der Wiesen ist fast allgemein ein ungünstiger, da sich trotz der Nässe auch die Wiesen bei den oft kalten Nächten imb Sonnenmangel nicht mehr recht erholen konnten, dazu srehen vielfach die Wiesen unter Wasser.

Karlsruhe., 23. Sept. Stand der Saaten Mitte September. Die warmen Tage ain Schluffe des vorigen unv zu Beginn dieses Monats ermöglichten, das noch auf dem Felde lagernde, .schon mehrmals beregnete Getreide, msbesondere m dein Hügellande, sowie in dein Gebirge uiiter Dach und Fach zu bringen, währelid der Hafer in der Gegeiid des mittleren und südlichen Schwarzwaldes teilweise noch nicht reif ist und zur Ab- erntung nicht gelangen konnte. Von den K a r t o f f e l n sind bie* frühen Sorten größtenteils emgebraeht mib mit verhältnismäßig wenig Ausnahmen gut ausgefallen. Bei den späten Sorten jedoch, welche in der Regel im Schwerfeld ihren Standort haben und vielfach klein geblieben sind, ist der Prozentsatz der faulen Knollen nicht unbedenklich in der Zunahine begriffen. Bei Klee und Luzerne hat sich der zwecke und dritte Schliitt verhältirismäßig güirstig entwickelt und darf ungeachtet des lückenhaften Standes der beiden Futterkräuter, noch ein mittlerer Ertrag erhofft werden. Die T a b a k e r n t e ist in vollem Gange. Der Ertrag dürfte hinter dem des Vorjahres zurückbleiben. Das Pflücken des Hopfens ist nahezll beendet. Für gute und trockene Ware wurde der Preis von All. 150180 imb mehr für bei: Zentner bezahlt. Hinsichtlich bei Trauben wirb berichtet, daß bie Beeren, welche meist noch hart sinb, vielfach abfallen, ba bie Wirkung bes Spritzens unb Schwefelns durch bie heftigen Nieberschläge vereitelt ivurbe unb Schädlinge und Krankheiten sich einstellten, welche von Tag zu Tag sich ver­breiten. Nach iier üblichen Stufenfolge berechtigt der Stand der Saaten um Mitte September bei Kartoffeln zu 2,05, Klee 2,9, Luzerne 2,6, Wiesen 2,6, Tabak 3,2, Hopsen 2,9, Reben 2,8.

Paris, 23. Sept. Ein Bulletin des Halles veröffentlich: folgende Schätzungen der Getreide-Ernte für 1903: Tie bebaute Fläche beträgt 6 539 176 Hektar, die Produktion 126 256 406 Hektoliter gegen 6 814 986 Hektar und 124 296 601 Hektoliter un Jahre 1902.

Wer sich und den Seinen wohl will, der sorge dafür, daß täglich zum Frühstück unb Vesper ein gesundes, vollkommen unsch übliches und wohl­schmeckendes Getränk auf den Tlsch kommt. Man breche doch endlich mit der falschen Sitte, den Tag gleich mit dem Genuß des nach ärztlichen Urteilen der Gesundheit überaus nachteiligen Bohnenkaffees zu beginnen. Man erhebe Kathreiners Malzkaffee zu seinem ständigen Frühstücks- und Vesper-Ge­tränk. Die Wirkung wird sich dann bald in einem Gefühl von Wohlbefinden, in der Freudigkeit, mit der man nach einem solchen Trünke an j^inTagewerk qeht, bemerkbar machen.

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