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Mr. 197
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Zweites Blatt. 183 Jahrgang
Montag Ä4. August 1903
Giehener Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
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Berautworttich für den poltt und allgein. Teil: P. ötttto: Mr „Stadl und Land^ und „GerichtösaalE: August Götz; für den An- zeigentetl: HanS Beck.
Are Heutige Wummer umfaßt 8 Seite».
Bekanntmachung.
Gotthard Krug zu Gießen hat die Konzession als Lienstmann mit der Rr. 13 erhalten.
Gießen, den 22. August 1903.
Groß herzogliches Pollzemmt Gießen.
I. V.: Roth.
Politische Wochenschau.
Gießen, 24. August.
Nachdem der Kaiser von seiner Nordlandsfahrt zurück- gekehrt ist, hat er fogleich mancherlei Verfügungen auf dem Verwaltungsgebiete getroffen. Zunächst hat Preußen einen neuen Kriegsminister bekommen. Dieser Wechsel hat gar keine Ueberraschung hervorgerufen; daß General von Einem Minister werden würde, war seit längerer Zeit so gut wie gewiß. Dem schwer heimgesuchten Schlesien wurde der langentbehrte OLerpräsiLent gegeben, und Graf Zed litz-Trützsch ler, der bisherige oberste Leiter der« Verwaltung unserer preußischen Nachbar Provinz, hat in der deutschen Presse günstige Zeugnisse erhalten. Hessen- Nassau erhielt in Herrn von Wind h eim ein neues Oberhaupt, dem man schon vor etwa 15 Jahren als Landrat in dem ostpreußischen Städtchen Ragnit eine glänzende Karriere voraussagte und der als Polizeipräsident von Berlin ungewöhnliche Tüchtigkeit als Verwaltungschef eines rast übergroßen Ressorts sowie große Liebenswürdigkeit der Formen gegenüber seinen Untergebenen und weites Entgegenkommen gegenüber dem Publikum gezeigt hat, sodaß „ganz Berlin" rhn vor einiger Zeit sehr ungern nach Frankfurt a. O. scheiden sah. Herr v. Windheim ist ein Bonner Studienfreund des Kaisers und ihm steht noch zweifellos eine große Zukunft bevor. Seinen Berliner Posten mußte er jüngst; einer Krankheit wegen verlassen, die jetzt völlig behoben zu sein scheint.
Lun ist, wie in letzter Stunde gemeldet wurde, ein hoher Beamter des Reiches von seinem Posten zurück- getreten^ Frhr. v. T h i e l m a n u, der ReichFschatzfekretär. Herr v. Thielmann hat seinen Abschied gefordert und erhalten, weil er sich nicht imstande fühlt, die Mittel aufzubringen, welche die Reichsverwaltung erfordert. Für die Erhöhung von Steuern oder für die Einführung ganz neuer Steuern haben wir in Deutschland ein sehr schönes Wort, das wir der sprachschöpferischen Begabung des Fürsten Bismarck verdanken. Mr nennen so etwas eine Finanz- re form. Frhr. v. Thielmann fühlt sich nichs: imstande, die notwendige Reichsfinanzreform durchzusühren. Man ist in Deutschland gewohnt, sehr gelassen zu bleiben, wenn ein Minister oder Staatssekretär kommt oder geht. Sehen wir von einem Wechsel in der Person des Reichskanzlers afy so erinnern wir uns aus den letzten dreißig Jahren nur zweier Männer, bei deren Rücktritt eine Bewegung durch das Volk ging, weil man empfand, diese Männer würden nicht ersetzt werden, und ihr Rücktritt bezeichne einen Wendepunkt in der vaterländischen Geschichte. Der eine dieser beiden Männer war Delbrück, der andere Falk. Hin und wieder ist ein Minister äbgegangen, ohne auch nur ein Zeitungsblatt mitnehmen. zu können, das dieses Ereignis an leitender Stelle besprochen hätte. Ueb- rigens kann es in Zukunft sehr leicht dahin kourmen, daß
ein Wechsel in der Person des Reichskanzlers mit demselben * Gewässern entsandt hat, so sind doch wieder einmal seine Gleichmut aufgenommen wird, wie heute ein Wechsel in der weit verzweigten Interessen sehr wesentlich an den Balkan- Person des Eiseirbahnministers.^ Man wird sich an das kämpfen beteiligt, und die ganze englische Presse hat sich Wort des indischen Dichters gewöhnen: „Vorüber geh'n die auch in den letzten Tagen vorwiegend mit diesen Dingen Schmerzen und die Wonnen; geh an der Zeit vorüber, es beschäftigt. Diese maeedonischen Wirren sind durch ist nichts." Herr v. Thielmann hat sich in verschiedenen die Entsendung eines russischen Geschwaders offenbar nur Stellungen bewährt, ehe er Staatsminister wurde, lieber verschlimmert worden. Mord und Brand wüten jetzt fchlim- seine Verwaltung des Reichsschatzamts haben wir sehr wenig mer als je seit Beginn des Aufstandes und zwar gwrcher- zu sagen. Als den sterbenden Epaminondas jemand beklagte, maßen auf feiten der Türken wie der Aufständigen. Bul- daß er keine Kinder hinterlasse, erwiderte er stolz/er hinter- garien, der Schutzpatron der Aufständigen, hat eine Anlasse zwei Tochter, die Schlachten bei Leuktra und bei klageschrift gegen die Türkei an die Mächte erlassen, worin Mantinea. Das Leuktra des Herrn v. Thielmann heißt die Gewalttätigkeiten uno Grausamkeiten der türkischen Süßstoffsteuer und sein Mantinea heißt Schaumweinsteuer. Truppen gegen ganz oder halb Unschuldige rücksichtslos an Frhr. v. Thielmann hat sich in seiner ganzen Amtsführung den Pranger gestellt werden. Aber Rußland, das an den durch eine mrgewöhnliche Gelassenheit ausgezeichnet. Als Wirren von den auswärtigen Mächten am meisten beteiligt er in das Amt trat, handelte es sich gerade um den aigan- ist, hat nach der Ermordung eines Konsuln sich in keiner tischen Flottenplan, und als er befragt wurde, woher er Weise für die Türkei einnehmen lassen. Mrt sehr weit- die Mittel dazu nehmen wolle, erwiderte er, daß sich die reichenden Forderungen ist es an den „kranken Manu" Mittel wohl aus dem natürlichen Anwachsen der Reichs- herangetreten, und dieser hat de- und wehmütig um Vereinnahmen ergeben würden. Damals hätte man aus- zeihung gebeten. Indessen fährt die Türkei mit ihren Mobilsprechen mögen, ein solcher Glaube sei in Israel noch nirgend machungen fort; mau bereitet sich auch, durch Rußlands gefunden; heute muß man bekennen, daß dieser Glaube Verhalten angeregt, im Auslande auf alle Möglichkeiten irrig gewesen ist. Die Reichsschuld wird infolge der außer- vor, und so scheint es fast, als müsse die Bombe bald ordentlichen Ausgaben immer weiter anwachsen, aber man platzen. Aber Rußland, das sich sagen muß, daß es beim wird sich doch bemühen, das Gleichgewicht zwischen den Ausbruch eines Krieges nicht allzu leichtes Spiel hat, wird Einnahmen und denjenigen Ausgaben, die man die ordent- sich doch schließlich hüten — zumal mit Rücksicht auf seine lichen zu nennen pflegt, herzustellen. Aber es ist die höchste Erfolge in der Mandschurei, die es sich doch nicht wieder Zeit, nicht mehr dije Finanzreformen fortzusetzen, die dem in Frage stellen will, — die Sache auf die Spitze zu treiben. Volke immer höhere Lasten auflegen, sondern die refor- Umwälzungen schwerwiegender Art bereiten sich auch mierende Tätigkeit an einer anderen Stelle zu beginnen. in U n ga r n vor. Der alte Kaiser Franz Josef muß es er-
Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht an der Spitze leben, daß die ungarischen Selbständigkeitsschwärmer den ihrer neuesten Nummer folgende offiziöse Mitteilung: Der habsburgischen Doppeladler aus dem Wappen seines Kö- Staatssekretär des Reichsschatzamts Frhr. v. Thielmann ist, nigreichs Ungarn und von den Fahnen der ungarischen wie wir hören, auf sein Ansuchen in den Ruhestand versetzt Armee losreißen wollen. Er hat aus den zahlreichen Unterworden. Zu seinem Na ch folger ist der bayerische Bevoll- redungen, die er in Budapest mit den namhaften Politikern mächtigte zum Bundesrat, Staatsrat Frhr. v. Stengel des Landes gehabt hat, herausgefühlt, daß es nicht zu ernannt worden. Ueber den bisherigen Lebensgang des umgehen sei, den Magyaren eine Reihe von nationalen neuen Reichsschatzsekretärs sind folgende Angaben zu Zugeständnissen zu machen. Und zu einer Forderung hat machen: Hermann Frhr. v. Stengel ist am 19. Juli 1837 sich der greife Fürst nicht verstanden: zur Zulassung der geboren. Seit mehr als 40 Jahren steht er im bayerischen ungarischen Kommandosprache in der Armee. Ob nun aus Staatsdienst, und seit fast 20 Jahren ist er stellvertretender den ungarischen Schwierigkeiten ein fähiges Ministerium Bevollmächtigter zum Bundesrat für Bayern und zugleich aussteigen wird, ftel)t noch dahin.
für das Herzogtum Sachsen-Meiningen. In den 70er Jahren Einen Mißerfolg haben in den letzten Tagen auch dü wurde er als Regierungsrat in das bayerische Fmanzmini- Amerikaner gehabt. Kolumbien hat seine Zustimmung sterium einberuseu und ist seitdem ununterbröch en in diesem zum Uebergang des Panamakanalwerkes an Ame- tätig gewesen^ 1882 zum Ministerialrat befördert; 1884 rita nicht gegeben. Möglicherweise war die Verwerfung wurde er stelwertretender Bundesratsbevollmächtigter und des Vertrages nur eine Finte, um mehr Geld von den Mitglied der Verwaltung des Reichsinvalidenfonds und Janke es herauszuschlagen, und wenn die Vereiniste-i Standes ReichsbMlkkuratoriums. Seit 1895 ist er Ministerial- ten also etwas zulegen, kommt der Vertrag vieu ic'jt doch direktor im bayerischen Finanzministerium und seit 1898 noch zum Abschluß. Sonst muß man mit zwei '..^glich- Staatsrat der Krone Bal)ern. Der König von Württem- feiten rechnen: entweder die Vereinigten (Staaten bauen berg hat dem bisherigen Staatssekretär Frhrn v. Thiel- den teureren Nicaragnakanal, oder das Panamagebiet ermann das Großkreuz des Friedrichs-Ordens verliehen. klärt die Revolution, trennt sich von Kolumbien und macht
Ferner ist der Rücktritt eines Staatsmanns in Eng- das Geschäft mit Amerika allein.
land zu erwähnen, freilich kein Rücktritt aus politischen Wenden wir unseren Blick zum Schluß noch einmal auf Schwierigkeiten, sondern ein Abschied, den ein Höherer unser Eigenes Vaterland zurück, so gewahren wir, gebot. In Hatfield beendete Salisbury sein Leben, daß leider die Arbeiterleiden im Ruhr gebiet noch nicht völlig Angesichts des Todes dieses bedeutetrden Mannes sieht Eng- beseitigt sind und wieder neue Arb ei terbe wegungen land die Erfolge seiner Politik. Zwar steht das britische in Vdannheim und in Sachsen auftreten, sowie daß die Reich eben auch im Zeichen der wirtschaftlichen und sozialen großen Manöver begonnen haben. Sonst viel Hunds- Fragen, doch man weiß noch nicht, wie die Wirtschaftspläne tagsgeswätz Die Aufwartungen der sozialdemokratischen Chamberlains erledigt werden. In den jüngsten Tagen Blätter, besonders des Vorwärts, haben sich wieder trat Englands Außenpolitik wieder augenfälliger hervor, durch viel künstliche Mache ausgezeichnet. Es hat sich in- nnd wenn es auch nicht den Tatsachen entspricht, daß dessen kein Mensch darüber ausgeregt. Mit der Erzählung es ein Geschwader seiner Flotte nach der türftschen des Märchens von der „Kaiserinsel" hat der „Vor-
Keidelverger Jestesklärrge.
IV.
Heidelberg, 9. August. Teurer Genosse ftoher Stunden!
„O selig, o selig, ein Fucys noch zu fein!" Festtommers oer Heidelberger Studentenschaft mit ihren Ehrengästen unter dem Ehrenvorsitz Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs von Baden!
Auf erhöhtem Podium der Tisch des engeren Ausschusses der Studentenschaft, der heute abend als Gastgeber und Präsidium fungiert. Der große Stadthallensaal und die anschließenden Nebensäle dicht besetzt, ebenso die Tribünen, wo sich eine erlesene Gesellschaft geladener Gäste, meist Damen, eingefunden haben. 9 Uhr. Der Großherzog und der Erb- großherzog erscheinen und nehmen an der Quertafel der Ehrengäste Plat> Im Hauptsaal sieht man nächst dem Ehrentisch die langen Reihen der Westfalen, Saxoborussen, Vandalen und Schwaben; weiter unten die Franken, augenblicklich die stärkste aller Korporationen; die anderen reihen sich an. Ein farbenprächtiges Bild!
Silentium! Ein Klirren von Schlägern; dröhnend fallen sie auf den Tischs nieder. Die Ansprache des Vorsitzenden des Ausschusses. Mächtig donnert das Hoch auf den erlauchten rector magnificentisfimus durch die weiten Hallen.
Ter wichtigste Moment des ganzen Festes war die Rede des Großherzogs. Du wirst sie in den Zeitungen gelesen haben. Es war ein patriotischer Appell an die studierende Jugend, durchweht von einem Hauche jener großen Zeit, da Friedrich von Baden das deutsche Reich begründen half. Laut und vernehmlich, llar und markant waren seine Worte. Erhebend war es, ais der greife Fürst am Schlüsse seiner Rede das Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Noch niemals fühlte ich mich so begeistert und gehoben. Viel Reden wurden gehalten, ich will nur die Damenrede von Geheimrat Schröder, unserem beliebtesten Damenredner, herpor- heben; der sprudelnde Humor des Sprechers entfesselte wahre Lachstürme. Tie Stimmung, die anfangs infolge der Anwesenheit des Großherzogs etwas feierlich war, wurde immer belebter und luftiger. Dem Großherzog gefiel es.
wie es schien, ausgezeichnet, denn er blieb biä gegen Mitternacht, über den offiziellen Teil hinaus, um die Einleitung der Fidulität noch mitzumachen. Dann entfernten sich die Groß herzoglichen Herrschaften, nachdem ihnen der Vorsitzende in begeisterten Worten den Dank der Studentenschaft für ihr Erscheinen ausgesprochen hatte.
„Es sind erhaben ob Raum ob Zeit dile Ritter von der Gemütlichlkeit!" Doch diesmal waren sie es nicht; denn um 1 Uhr etwa wurde der Kommers bereits geschlossen und der Saal langsam geräumt. Es blieb uns also nichts übrig, als in ^anderen Lokalen der Stadt unser Heil zu versuchen. So zerstreute man sich in die verschiedenen mehr oder weniger großen und eleganten Kneipen und Cafös.
Als ich gegen 3 Uhr morgens nach Hause wanderte, traf ich eine nicht geringe Anzahl von Bierleichen in mehr ober minder totem Zustande an. Es geht auch die Sage, die Wachtlokale unserer löblichen Polizei sollen noch nie mit akademischen Mirgern so besetzt gewesen sein, wie in jener Nacht. Doch ich will nicht zu viel aus der Schule plaudern; denn beinahe wäre auch ich der heiligen Her- manbab in die Hände gefallen; aber ich entzog mich durch eine geschickte, aber komplizierte Flucht meinen Verfolgern, indem ich um mich her durch Ausdrehen der Laternen eine Finsternis verbreitete und dann in dieser Finsternis in eine dunkle Seitengasse entwich von wo ich dann ganz unbefangen, als ob nichts geschehen sei, die Hauptstraße wieder betrat. An der nächsten Straßenecke traf ich den einen Verfolger, der sich ratlos umschaute; ich fragte ihn kaltlächelnd, ob er jemand suche. Darauf erntete ich nichts als einen vernichtenden Blick. Man ist sehr nachsichtig in Heidelberg!
Samstag früh. Während des zweiten Festaktes in der Stadthalle hatten wir wieder zu fingen. Tas Zeremoniell war dasselbe wie am Jreitag beim ersten Aktus. Die Ehrenpromotionen waren etwas „langstielig"; es mochte wohl keiner im Saale fein, ausschließlich der höchsten Herrschaften, der nicht bei jeder der Prvmotionsreden der fünf Fakultätsdekane mindestens einmal gegähnt hätte ober wenigstens hätte gähnen wollen. Es war eine streng aka- demifche Feierlichkeit mit vielen Förmlichkeiten. Aber bc
beutfam war bieser Akt gleichviel und einzelne Promotionen, waren von hohem Interesse. Es war schon spät, als die Feier beendet war, und ich beeilte mich nach Hause zu kommen.
Nachmittags hatte ichdie Ehre, zu dem vom Großherzog von Baden gegebenen Gartenfest in dem altberühmten Park des Schlosses von Schwetzingen geladen zu fein. Um 4 Uhr fuhren wir mit Extrazug ab. Nebenbei bemerkt, herrschte eine solche unheimliche Hitze, daß es kaum zu ertragen war und mancher seinen Cylinder lieber mit einem leichten Stroh Hut vertauscht hätte. Erleichtert atmeten wir aus, als wir in dien schatten der mächtigen Bäume des alten, ehrwürdigen ^chloßparkes traten. Ein wundervoller Park, diese Schöpfung Karl Theodors! Prachtvolle Anlagen mit wertvollen Statuen, schäumende Wasserkünste; Marmorgötter und -Göttinnen schauten verwundert dem Treiben der glänzenden Versammlung zu, die sich nun|u nter dem Schatten der alten Lllleen um den erlauchten Gastgeber und seine Familie scharte.
Während des Empfanges der Gäste durch die Groß- herzogliche Familie konzertierte im Hintergründe die Kapelle der Karlsruher Leibgrenadiere. Ich machte inzwischen einen kleinen Spaziergang durch den Park; denn uns Studenten ging ja doch der Empfang nichts weiter an.
Ich erinnerte mich der Schilderungen von Wilhelm Jen. en, die er in seinem Roman „Am Ausgang des Reichs" macht. In den Tiefen des Gartens war alles still; nur von ferne her tönten gedämpfte Klänge aus ,,Tannhäuser" Es giebt reizende. Plätzchen hier, und mit der etwas unheimlichen Riesengestalt Pan's kann man sich ebenso befreunden, wie mit den weißen Marmor gestalten von Minerva, Bacchus, Antinous und Alexander. Man glaubt sich in eine andere Welt versetzt. Doch zurück zu den Anderen, zum Schlosse! Zur Rechten und Linken leuchten zwischen dichtbelaubten Lindenalleen weiße Obeliske; überall trifft das Auge auf Statuen, Vasen und Urnen, bis geradeaus weiß schimmernd die Gestaltern zweier riesenhafter Hirsche die vordere Rotunde abschließen. Wunderbar ist auch das große Marmorbecken, in dessen plätschernder Flut ein Delphin den geretteten Urion auf seinem Rücken trägt, während sich


