Ausgabe 
24.6.1903 Erstes Blatt
 
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deS Charakters als Major und mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 1. Großh. Hess. Jns.--(Leibgarde-) Regts. Nr. 115 der Abschied mit Pension bewilligt. Bopp, Oberlt. der Res. des 2. Großh. Hess. Draa.-Regts. (Leib-Drag.-Regts.) Nr. 24, zum Rittmeister, die Lts. der Res. Wolff (Willi) des 1. Großh. Hess. Inf. (Leibgarde-) Regts. Nr. 115 (Elberfeld), Schröder, des Jns.-Leib-Rgts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117 (Göttingen), Scheel desselben Regts. (Erbach), Disch des Großh. Hess. Train- Bats. Nr. 18 (Mainz), Olbricht des Gren.-Regts. König Friedrich III. (2. Sch les.) Nr. 11 (Gießen), Jordan des 2. Els. Pion.-Bats. Nr. 19 (Worms), P l a t h o, Lt. der Landw. Inf. 1. Aufgeb. (Mainz), zu Oberlts. befördert. Dr. Richter, Unterarzt der Res. (Gießen), zum Assist.-Arzt ernannt. Dr. B e y e r l e, Dr. Schwan, Stabsärzten der Landw. 1. Aufgeb. (I Darmstadt), Dr. Langsdorf, Ober­arzt der Landw. 2. Aufgeb. (I Darmstadt) der Abschied be­willigt.

Äirche und Schule.

Professor August Engelien f. Einer der be­währtesten Männer auf dem Gebiete des Bolksschulwesens, der Rektor August Engelien, ist in Berlin, 71 Jahre alt, nach längeren Leiden gestorben. Am 1. April d. I. hatte er sein fünfzigjähriges Lehrerjubiläum gefeiert und war dann in den Iiuhestand getreten. Anläßlich seines Jubi­läums wurde er zum Professor ernannt es war dies der erste Fall, daß ein Rektor oder Lehrer der Gemeinüe- schule derartig ausgezeichnet wurde.

Aus Kluöl und Kund.

Gießen, 24. Juni 1903.

Reichstagswähler!

Erfüllt Eure Pflicht am Stichwahltage, Donnerstag den 25. Juni l Die Wahrscheinlichkeit des Sieges wächst, sobald alle bürgerlichen Wähler in Stadt und Land ihre Stimmen abgeben.

Bleibe also Niemand zu Hause, der eine Stimme abzugeben hat! Das Wahlrecht legt Jedem auch die Wahlpflicht auf.

Der Kandidat der vereinigten bürgerlichen Parteien des Wahlkreises GießenGrüubergNidda ist

Herr Kommerzienrat

Louis Heyligenstaedt

in Gießen.

Die Herren Vertrauensmänner der politischen Parteien in den übrigen oberhessischen Wahlkreisen werden gebeten, die Wahlresultate am Abend des morgenden Wahltages umgehend telegraphisch der Redaktion des Gieß. Auz." bekannt zu geben.

** Zur Stichwahl. Zu der am Donnerstag den 25. Juni statt findenden Stichwahl sei auf verschiedene An­lagen folgendes bemerkt: Jeder Wähler hat die Be­rechtigung und moralische Verpflichtung, zu wählen, auch wenn er in der Hauptwahl nicht gewählt hat. Die Wahllokale, Wahlvorsteher bleiben dieselben wie in der Haupt­wahl, selbstverständlich auch die Einteilung der Wahlbezirke. Ber der Hauptwahl hat es sich herausgestellt, daß eine An­zahl Wähler den Versuch machte, die blauen Kuwerts zu­zukleben; da die Kuwerts nicht mit Klebstoff versehen sind, so ergaben sich daraus Unbequemlichkeiten für die Wahl­vorsteher. Bei der Stichwahl kommen jedenfalls dieselben Kuwerts nochmals zur Verwendung, wir brauchen daher kaum darauf hinzuwcisen, daß sich der Versuch des Zuklebens am Donnerstag noch weniger empfehlen dürfte, sei es auch nur aus sanitären Gründen.

** Im Garten des neuen Saalbanes fand gestern abend ein Konzert des Trompeterkorps des Husaren­regiments Nr. 13 statt. Die kühle Witterung war schuld daran, daß die Besucher nicht so zahlreich erschienen, wie es sonst wohl der Fall gewesen wäre. Die aber gekommen waren, hielten zum größten Teil aus bis zuletzt, trotzdem man in der späten Abendstunde allerdings etwas fröstelte. Die Darbietungen waren aber sehr ansprechend. Besonders die Wagnermusit wurde sehr gut wiedergegeben. Das Piston- Solo des Stabstrompeters Otto Heinrich selbst, der das Konzert kettete, sand viel Anklang. Fröhliche Sttmmung herrschte zuletzt, als ein alter, weißbärtiger Herr sich vom Kapellmeister für einige Stücke den Tattstock reichen ließ und unter denr größten Beifall der Zuhörer einige flotte Weisen äußerst enthusiastisch dirigierte. Viele Extraspiele wurden auf allgemeinen Wuusck eingeschoben.

** Feriensonderzüge. Äon der Eisenbahndttektion Frankfurt wird uns geschrieben: Zur Erleichterung des Besuches der deutschen Nordseebäder, solvie des Be­suches von Kiel. und Glücksburg wird am 6. Juli abends 9 Uhr 18 Min. von Frarrkfurt a. M. Hcuiptbahnhof ein Sonde rzug nach Hamburg über GießenEassel Hannover abgelassen, welcher am folgenden Tage vor­mittags 9 Uhr in Hannover Hauptbahnhof eintrifft. Zu diesem Sonderzuge gelangen in Frankfurt a. M. Haupt­bahnhof und Gießen ermäßigte Rückfahrkarten nach Hamburg mit 45tägiger Gülttgkcitsdaucr zur Ausgabe. In Hamburg stehen ermäßigte Rückfahrkarten nach Helgoländ, dtorderney, Westerland, Wyk a. Föhr, Borkum re., ferner nach Kiel, Cuxhaven und Glücksburg zur Verfügung. Das ''Nähere ist im amtlichen Reisebureau zu Frankfurt a. M. (Hauptbahnhof), sowie im Verkehrsbureau in Frankfurt, tzedderichstraße 96, zu erfahren.

** Der Eisen bahn verein Gießen unternahm am 14. und 2L d. Mts. ferne seit einigen Jahren so beliebt gewordenen Sommerausflüge. In je zwei von der Königl. Eifenbahndirektion Frankfurt a. M zur Verfügung Lc- stellten Soiiderzügen fuhren die Verettlsmttglittrer unb deren Familienangehörige nach Dillenburg, dem dies­mal gewählten Reiseziel und marschierten unter Vorantritt der Kapelle des hiesigen Infanterie-Regiments zu dem herrlich am Walde gelegenen Kurhaus, welches die Stadt­verwaltung bercttwllligp zur Benutzung freigegeben hatte. Die vorzügliche Bewirtung durch die Pächterin des Kur­hauses, welche in ihrer schweren Aufgabe, einen Ansturm von jedesmal ungefähr 1800 Menschen ohne Stockung zu bewäl­tigen, durch die Oranienbrauerei wirksam unterstützt wurde, ließ alsbald eine recht vergnügte Stimmung platzgreisen. Kinderspiele, geleitet von sachkundiger: Mitgliedern des hiesigen Turnvereins, boten den lieben Kleinen Gelegenheit, ihre jugendlichen Kräfte miteinander zu messen; die Sieger wurden durch praktische und geschmackvolle Preise ausge­zeichnet. Auch das unvermeidliche Tänzchen, an welchem die Jugend sich vergnügt., fehlte nicht. In licbciiswür- äiger Weise hatte die Stadtverwaltur^ du: BeftchttMrig

des Wilh elmsturmes mit den darin unter geb rächten histo­rischen Sammlungen sowie der Schloßgewölbe gegen be­deutend ermäßigtes Eintrittsgell') ^eflotiet; von dieser Ver­günstigung wurde ausgiebiger Gebrauch gemack)t. Zu früh rückte jedesmal die Stunoe des Abschiedes heran; mit Musik und Gesang ging es abends durch den prachtvollen Hoch­wald über &ie Adolfsyöhe zum Bahnhof zurück, woselbst die Sonderzüge zur Aufnahme der Mitglieder bereit standen, um sie der Heimat wieder zuzuführen. Lange noch werden die Teilnehmer dieser vergl ugren Stunden gedenken und darüber nacgjinnen: wohin wird der Eisenbahuverern wohl im nächsten ^ahre den -sommerausfiug unternehmen'?

** Der Gardeverein Gießen unternahm am verflossenen ©viuitag einen Aussig naaj der ,ogen. dicken Eiche, einem yerrli^en P.ätzchen mitten im Hochpmid, in der Nähe von Bubenrod. Trotzdem das Wetter kein sehr freund­liches Gesicht zeigte, erfolgte nachm. 1.45 Uhr die Abfahrt nach Lieber unter ganz guter Berenigung. Der alsdann eingefchlageue Weg dura) ^lubec uno Hof Haina mar, wenn es auch nachts vorher in Strömen geregnet hatte, ganz trocken, und es schloffen sich unter Vorantritt der hiejigen Feuerwehrkapelle, den Vereinsangehörigen, eine große Zahl geladener und ungeladener Gäste an, welch letztere, durch die fröhlichen Marschweifen der Musik herbeigelockt, tapfer mit marschierten. Oben angekommen, entspann sich bald ein reges Treiben bei Musik und Tanz. Der zweite Vorsitzende des Vereins, Herr Kteulhenn, hielt eine kernige Ansprache, bei der er die dicke Eiche ein Symbol der Stärke, Kraft und Zusammengehörigkeit nannte und als Vorbild pries. Ein von ihm für den Tag besonders verfaßtes Lied flocht er dabei geschickt in seine Rede ein, welche in ein Hoch auf Kaiser, Fürst und Vaterland äusklang. Allen Teilnehmern wird der so hübsch verlaufene Tag lange im Gedächtnis bleiben.

r. Wiese ck, 24. Juni. Das 41. Stiftungsfest des Turnvereins ist, abgesehen von ungünstiger Witterung, sehr gelungen verlaufen. Programmgemäß zog Samstag abend der Verein unter Vorantritt seiner jugend­lichen Spielleute und der bewährten hiesigen Kapelle, ge­folgt von Jung und Alt der Einwohnerschaft, nach dem von der Firma Richard Fertsch prachtovll elektrisch be­leuchteten Festplatz, wo leider die turnerischen Aufführ­ungen ausfallen mußten, denn man konnte fürchten, die von allen Seiten kommenden Gewitter mit strömendem Regen würden den Festplatz in einen See verwandeln. Bei etwas besserer Witterung begann Sonntag morgens 8y2 Uhr unter ^hlreicher Beteiligung des Turnvereins Alten- Buseck das Wett turnen, wobei August Lotz-Wieseck den 1. Preis errang. Mittags gegen 2 Uhr bewegte sich ein imposanter Festzug nach dem Festplatz, wo nach Absingen des FestliedesTurner auf zum Streite" der erste Sprecher Louis Daupert eine mit großem Beifall aufgenommene Festrede hielt, in welcher er besonders die Entstehung der Turnerei beleuchtete, sowie auf die dem Verein aufgedrungene isolierte Stellung hinwies und, der edlen Sache eingedenk, zu festem Zusammenhalten auf­forderte. Bald herrschte unter Musik, Gesang, Schauturnen und Spielen aller Art eine festliche Sttmmung. Besondere Erwähnung verdienen die von Lumwart Schomber ge­leiteten Stabübungen, Fackelreigen, sowie der prachtvoll arrangierte, mit großem Beifall aufgeführte Schnittertanz. Beginnend mit Frühkonzert, brachte uns der zweite Festtag Volksbelustigung aller Art, sowie ein von Herrn Bourgeois Gießen aogebranntes großartiges Feuerwerk.

n. Hattenrod, 22, Juni. Der hiesige Gesangverein Eintracht" feierte gestern und heute fein 2bjähriges Stiftungsfest. Seit 15 Jahren war hier kein Fest ab­gehalten worden, sodaß denn auch jung und alt am Feste teilnahm; die Sttaßen waren mit Tannenbäumchen, Ehren­pforten und Guirlanden aufs schönste geschmückt und jedes HnuS gegiert mit Kränzen und Fahnen. Um 2 Uhr bewegte sich ein langer Festzug durch das Dorf; es waren außer dem hiesigen Gesang- und Kriegerverein 18 auswärtige Vereine erschienen, und zwar aus den Orten: Reiskirchen, Burkhards­felden, Ettingshausen, Harbach, Saasen, Bersrod, Geilshausen, Beuern, Großen-Buseck, Atten-Buseck, Klein-Linden, Garben­teich, Albach, Steinbach und Birklar. Von 3 bis 5 Uhr währten die Gesangsoorträge der Vereine; es wurde durchweg gut gesungen und es gelangten fast nur Volks- und Vater­landslieder zum Vortrag. Bürgermeister Rock begrüßte die Festgäste, worauf Fräulein Launspach die von den Frauen und Jungfrauen gestiftete Fahnenschleife in den hessischen Farben überreichte. Ihr Hoch galt dem festgebenden Verein. Präsident Neeb schildette in kurzen Worten die Geschichte des Vereins. Die Festrede hielt Lehrer Graulich, der die edle Bedeutung des deutschen Liedes mit schwungvollen Motten zeichnete und mit einem Hoch auf dasselbe schloß. Die Sängertttbüne war mit Fahnen, Kränzen und Tannengrün prächtig geschmückt. Ein Karuffell, Panorama, eine Schieß­bude sorgten für Unterhaltung und Vergnügen.

-k Ettingshausen beiLich, 23. Juni. Die Wasser­leitung ist nunmehr mit einem Kostenaufwand von rund 50 000 Mk. vollendet. Jeder Ottsbürger erhielt den Haus- anschluß kostenlos. Die Quellen liegen in der Ge­markung Queckborn. Die Nachbargemeinde Münster plant ebenfalls den Bau einer Wasserleitung, die zu 30 000 Mk. veranschlagt ist. Die Quellen befinden sich in dem ehemaligen BraunkohlenbergwerkHessenbrückerhammer".

§ Bad-Nauheim, 24. Juni. Der Verein hessischer Geometer 2. Kl, welcher in 1897 gegründet wurde und jetzt über 100 Mitglieder zählt, hielt am 21. Juni im Äjüringer Hof" zu Bad-Nauheim seine diesjährige Haupt­versammlung ab. Sie war sehr gut besucht und nahm einen schönen Verlauf; neben der satzungsmüßigen ^ges- ordnung wurde über die Austellungs- und Gehaltsverhält- nisse der staatlich verwendeten Kollegen, über den Anschluß an die allgemeine Lemntcnsterbekasfe usw. beraten. Defi­nitive Beschlußfassung in letzterer Hinsicht soll durch die demnächst in Darmstadt stattfindende Versammlung er­folgen.

-1- Bad-Nauheim, 24. Juni. Hier wird eine neue katholische Kirche erbaut bei dem Zander-Institut. Die ebenfalls geplante neue evangelische Kirche kommt an die Parkstraße, wo das alte Kurhaus steht.

k- Fried berg, 23. Juni. Gelegentlich der Ent­hüllung deL Kriegerdenkmals am 19. Juli findet eine Zusammenkunft des ehemaligen Hessischen Garde- Jäger-Bataillons statt, das vor dem Feldzuge hier garn^oniette. Der Appell der Jäger ist vormittags um 11 Uhr in Steinhäusers Biergatten. Am Nachmittag findet der Festakt am Tcnkmalsplatz in der großen Allee statt. 9iach der Enthüllung des Denkmals bewegt sich der Festtug aus

die städtische Seewiese, wo ein großes Volksfest abgehalten wird. In Okarben wird am nächsten Sonntag ein Kriegerdenkmal eingeweiht. Mit dieser Feier ist das Bezirksfest des Kriegervereinsbezirks Vilbel verbunden.

Vermischtes.

* Trier, 23. Ium. Ter Arzt Dr. Hammann in Witt­lich stürzte bei Altrich auf der Fuhrt zu einem Kranken von seinem Rade zu Tode.

* Weimar, 22. Juni. Im hiesigen Hoftheater fand dieser Tage zum Vorteile des Karl Alexander-Denk­malfonds ein stark besuchtes Festkonzert statt, das vom vereinigten C. C. des Verbandes färben- tragenderSänger schäften deut sch erUniversi- täten bei Gelegenheit ihrer ersten Bundes feier ver­anstaltet war. Auf dem Kommers des Verbandes farben­tragender Sängerschaften hielt Ernst v. W i l d e n b r u ch eine Ansprache, aus der folgende Stelle besondere Hervorhebung verdient:Deutsche Studenten, Brüder! Heute seid ihr Jünglinge, einst werdet ihr Männer fein. Wenn die Zeichen der. Zeit nicht trügen, werdet ihr als Männer einen schweren, einen gewaltigen Kampf zu kämpfen haben: Ihr werdet zu kämpfen haben für die Individualität gegen die erdrückende Masse, für den Kulturgedanken, Vaterland und Gesellschaft gegen kulturzerstörende Barbarei des Egoismus. Es wird ein Kampf sein um die heiligsten Güter nicht Deutschlands nur, sondern der Menschheit, und wenn nicht alle Zeichen trügen, wird dieser Kampf um die Seele der Menschheit, wie in früheren Jahrhunderten schon mehrfach, auch jetzt wieder in Deutschland ausgefochten werden. Und ihr, ihr werdet die Kämpfer fein, auf euren Schultern werden die ungeheuren Ausgaben ruhen. Ein Kampf um ideale Güter im höchsten Sinne des Wortes, das wird euer Kampf der­einst sein. Zu solchem Kampfe braucht man geistige, ideale Waffen. Stärkt eure jungen Herzen und Seelen mit großen, mit ewigen, unsterblichen Gedanken. . . Ihr habt euch heute mit zwei Bundesgenossen vereint, die euch Helfer sein und bleiben können euer Leben lang, mit zwei unsterblichen Ge­walten des deutschen Geistes, Begeisterung und deutschem Gesang. Es werden euch, wenn ihr älter werdet, noch andere Kräfte zur Seite treten: wägender Verstand, berechnende Tatkraft. Aber laßt keine Stunde kommen, wo eine andere Kraft in euch Gewalt gewinne über das Grundelement der deutschen Seele, die Begeisterung! Keine Stunde, wo die Begeisterung in euch verstummte, und den Ausdruck nicht mehr fände, von Gott ihr gegeben, den Gesang. Deutschland ohne Begeisterung ist nicht Deutschland mehr! Deutschland ohne deutsches Lied ist ittcht Deutschland mehr! Deutschland, das nicht mehr jung ist, ist nicht Deutschland mehr!" Mit dem Appell:Deutsche Jugend, bleibe jung!" schloß die Ansprache des Dichters.

* München, 23. Juni. Heute nachmittag hat ein 30jähriger Buchbindergehilfe aus Leoben in Steiermark seine (beliebte, eine Krämerstochter, aus Eifersucht auf offener Straße, nur wenige Schtttte von einem Schutzmann ent­fernt, durch einen Dolchstich ins Herz getötet. Als­dann brachte er sich selbst eine anscheinend schwere Stich» wunde in die Herzgegend bei. Er wurde festgenommen und zunächst in die chirurgische Klinik verbracht.

* Marseille,23. Juni. Gestern wurden von Tauchern neun Leichen von der ,Liban"-Katastroph e ge­borgen. Eine derselben wurde 250 Meter von der Unfall- stelle entfernt aufgefunden, woraus man schließt, daß noch mehrere Leichen weiter geschwemmt wurden.

Prinzessin Luise. Aus einem Briefe aus Schloß Ronno ist zu entnehmen, daß die Prinzessin Luise von Tos­cana vor ihrer Abreise von Lindau zwei Tage mtt ihrem Vater verbrachte.

* Künstlerpech. Der Bildhauer Antonin Merci6 in Paris hatte auf Best ellun g des Konigs Alexan­der von Serbien hin kürzlich eine Reitersta tue seines Vaters, des Königs Milan, vollendet, und war im Begriff, nach Belgrad abzureisen, um selbst der Er­richtung seines Werkes au der Donau beizurvohnen, als die Mord künde eiintraf. Es fragt sich jetzt, was aus der Statue werden soll. Der Künstler hofft wider alle Wahr­scheinlichkeit, der Zom der Serben werde sich in nicht allzu langer Zeit legen und dann werde seinem Bildwerke auch die verdiente Würdigung zutell werden. Einstwellen' muß der Bildhauer sich damit begnügen, für den rumäni­schen Gesandten in London, Catargi, einen Großonkel des Känigs Alexander, eine Reduktion des Reiterstandbildes aus­zuführen. Von dieser Seite soll ihm auch ein Vorschlag behufs Entschädigung für seine Unkosten gemacht worden sein für den'Fall, daß die serbische Regierung nicht dafür aufkommen wollte.

* Lynchju sttz in Amerika. Zweitausend Bewaff­nete brachen in das Gefängnis von Newcastle im Countt Delaware ein, holten einen Neger heraus, der des Lust­mordes an einer achtzehnjährigen Pastorstochter be­schuldigt war, warfen ihn in ein hohes Holz­feuer und feuerten Kugeln in den Leichnam. Der Neger war geständig.

Kunst und Wiffenschlyl.

Eine Gottschall-Spende. Wie aus Leipzig gemeldet wird, gedenkl man dem greisen dortigen Dichter Rudolf von Goll schall, der sich noch als fast Achtzigjähriger durch kritische Tätigkeit mit der Feder ernähren muß, nachdem er beim Leipziger Bankkrach beinahe sein ganzes Vermögen verlor, an seinem 80. Ge­burtstage (30. Sept. L I.) eine größere Gelchpende zu unterbreiten. Zu diesem Zwecke steht in der Leipziger Presse in nächster Zeit eine Ankündigung bevor, in der weiteste Kreise für dieseRudolf v. Gottschall-Aammlung" interesiiert werden sollen.

Gerichtssaal.

Berlin, 23. Juni. Im Prozesse gegen den Rechts an­walt Liebling und den rumänischen Agenten Eovo wegen Erpressungsversuchs und Betrugs verurteilte der Gerichtshof jeden der Angeklagten zn ein Jahr drei Monaten Gefängnis und 2 Jahren Ehrverlust.

Krieskasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

L. L, 99. Selbstverständlich hat Eugen Richter als Haupt der Freisinnigen gegen die ganze Zolltattfvorlage geftimmi. Jin Mai 1893, also unter der Regierung Wilhelms 1L, ist infolge der Ablehnung der Militärvorlage der Reichstag zum letzten Male auf­gelöst worden.

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