Ausgabe 
24.4.1903 Drittes Blatt
 
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Freitag, 24 Zlpril 1903

153, Jahrg.

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Ti .Gietzc Jamtlleiblätter werden dem Anzeiger vierma roödyenllid) beige legt. Der Sc|||d)< taibetrf* erlcheml nwnaihd) etnmaL

Gießener Anzeiger

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Äotanontttrud und Verla, ba FrI b' *V6*

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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Elchen.

ohne Weiteres. Eine ganze Reihe von Betracht, so schafft doch die Thatsache, daß

ein TheU deS Lohnes in

besierungen wirklich wollen, müssen Sie auch eine Erhöhung der

räae beantragen. Denn aber gar gesagt wird, daß die Arbeiter 'tagt. (Außerbem vorher: Interpellation deS Een 1 Million mehr bekommen, dafür aber 4 Millionen mehr bezahlen t r u m s , Herr, den Fall Hüssener in Essen und Nach

Beiträge beantragen. Denn aber gar gesagt wird, daß die Arbeiter

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nur

müssen, so ist das dock gana und gar unrichtig.

der Verwaltungsloiren fließt Alles den Arbeitern zu. Es ist also total unmögltck, daß durch diese Novelle den Acocucrn mehr ge­nommen wirdals sie selb st geben. Dcnndic strbeilermehr babenwollen, so müsien sie frciw.llia die Beiträge erhöhen. Ich muß daher also

Naturalien bezahlt wird, schon eine von den Zuständen im ge­werblichen ArbeirSverhälmiß ganz verschiedene Sachlage. Die ländlichen Arbeiter sind im Allgemeinen viel besser gestellt, als die industriellen. Auch ist die Beschäftigung auf dem Lande so gesund, daß die vielen Krankheiten der Fabrikstädle den Land­arbeitern ohnehin fern bleiben. Herr Stadthagen meint, wir sollen auch für die Kleinbauern sorgen? Ja, sorgen Sie denn für die Kleinbauern? Davon steht ja in ihren Anträgen gar nichts drin! Wir wollen gern für die Kleinbauern sorgen, ebenso wie für die Handwerker. Bon Anträgen sehen wir ab, weil wir daS Zustandekommen des Gesetzes wünschen. Wir bedauern nur, daß nicht auch die Frage des Berhältnisscs der Aerzte zu den Kranken­kassen aufgcrollt ist. Die Aerzlefrage ist eine brennende. Die Lage der Aerzte wird durch diese Novelle noch verschlechtert. Wir gehen sicher einem Krieg der Aerzte gegen die Krankenkasien ent­gegen. Auch die Lage der Kasienangestellten bedarf einer gründ­lichen Prüfung, da diese sich mit Recht über den Terrorismus der sozialdemokratischen Kassenvorstände beschweren. Zum Schluß möchte ich noch die Herren von der Sozialdemokratie bitten, doch ihre Anträge zurückzuziehen oder sie wenigstens mit einer allgemeinen Begründung abzuthun. Wir haben heute so schönes FrühlingS- wetter bekommen, da drängt es einen, hinauszugehen in GoneS freie Natur. Seien Sie also verständig! (Heiterkeit.)

Abg. Trimbor« (Crr.j: Auf die Abanderungsanträge werden wir im Einzelnen nicht eingeben, um das Zustandekommen der Novelle nicht zu gefährden. Ick wundere mick darüber, daß die Herren Sozialdemokraten sick hier nicht so benehmen, wie neulich bei der Sickerung des Reichstagöwahlrechts, wo der Abg. Blos in einer fahr verständigen Rede erklärte, feine Freunde Härten zwar noch eine ganze Reche von Wünschen, wollten aber von der Stellung von Abänderungsanlrägen absehen, um die sofortige Berabschiedung der Vorlage zu ermöglichen. Darum find ©ie so schnell au5 dieser verständigen Rolle herausgefallen? Ober war das nur ein lucidum

Mit Ausnahme t r a g s e t a t.l

Es ist also Schluß 6?i Uhr.

Parlamentarische Verhandlungen.

Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet.

Deutscher Reichstag.

2 9 4. Sitzung vom 28. April.

< Uhr. Tod Hau» ist mäßig befett Am BundeSrathStifch: Kraetle u. A. Die Novelle zum ReichSbeamten-Gefetz (Gleich stellung der Postbeamten in Ehina mit den anderen Beamten in Den Kolonien) wird in dritter Berathung definitiv äuge, nooimtn. _

Es folgt die zweite Berathung der Novelle zum Kranken k a s i^n Tbg. Hofmann-Dillenburg (natL) berichtet kurz

über die Verhandlungen der Kommisiion und verweist aus den ausführlichen schriftlichen Bericht

Die Berathung beginnt mit den zu 8 1 des bestehenden KrankenkasiengesetzeS, der den Umfang der versicherur.gspflicht fest setzt, gestellten Anträgen.

Abg. Raab (Anfts.) befürwortet einen Antrag, die HandlungS «hülfen, die jetzt nur zum Theil dem Krankcntosengesetz unter­liegen, sömmtlich tn daS Gesetz aufzunehmen.

Abg. Stadthagen (Soz.) befürwortet einen sozialdemokrati­schen Antrag, auch die Land- und Forstcuckett«, die HauSindu- ftrieHen und die kleinen Gewerbetreibenden in das Gesetz auszu- nehmen. Die Novelle zum Gesetz genügt nicht, ich begreife Über­haupt nicht, wie man der Regierung dafür dankbar sein tonn, bie Novelle leistet doch so gut wie gar nichts, dagegen enthält sie eine ungeheure Entrechtung und Belastung der Arbeiter. Das Wenigste, was man thun tonn, ist, auch Die Land- und Forst- arbeit« und die Hauöindustriellen in das Gesetz aufzunehmen. Undurchführbar ist dieser unser Antrag mcht, er wird durchführbar in demselben Augenblick, wo er angenommen wird. Ebenso muß d« Antrag Raab angenommen werden. Seit Jahren schon ver­sichert man den Handlungsgehilfen fein Wohlwollen, aber mit dem Wohlwollen allein hilft man nicht; wenn auch Gesundbeten immer mehr um sich greift, daß eS hilft, hat man noch nicht nachgcwiesen. Redn« befürwortet fern« auch die Einbeziehung deS Gesindes in daS Gesetz und ««.örtert in aller Ausführlichkeit die NschwciiDigkeit der Versicherung für die Berufsstände, die noch nicht dem Gesetz unterliegen und geht weitschweifig auf die RcichstagSverhandlungen bet letzten 26 Jahre ein. Noch vor 20 Jahren hätten bie Kon­servativen fuh für die Berftchcrung der ländlichen Arbeiter ausge- ip rochen.

Geheimrath Dr. Encken Addenhausen erwidert, daß eine En guete über die Einbeziehung d« Landarbeit« im Werke sei, die Resultate würden dem Reichstag s. Z. mitgethcilt werden. Zur Zeit sei sie noch nicht abgeschlosten. Im Uebrigcn betont «, daß b« Zweck dieser Novelle nicht der sei, den PersonenkreiS der ««sicherten zu erweitern, sondern die Leistungen der Versicherung zu erhöhen. Das Versprechen, auch die Seeleute in den Kreis der »«sicherten einzubeziehen, werde fpäter durch eine Novelle zur See- mannDorbnung cingelöft werden.

Abg. Rocsicke Dessau (freif. Vgg.): Meine Freunde sind der Meinung, daß der vorliegende Entwurf einzelne Verbesierungen enthält, wenngleich er lange nicht AlleS bringt, waS zu verlangen man berechtigt ist. Uns« Bestreben muß nun vor Allem darauf gerichtet sein, den PersonenkreiS d« Versicherten zu «weitttn, wie der Abg. Stadthagen mit Recht auSgeführt hat. Im Prinzip fftm- men wir seinem Verlangen durchaus bei. Doch ist eS bei dem gegenwärtigen Stand der Sache unmöglich, diese Verbesierungen schon in diesen Entwurf h,neinzubringen. Wir wurden dadurch nur daS ganze Gesetz zu Fall bringen. Wir müssen daher mit diesem weiteren Sckritt bi» zur nächsten Novelle warten und uns -zunächst mit dem heute Erreichbaren begnügen. Dagegen liegt kin Grund tor, dem Antrag des Abg. Raab nicht zu entsprechen und nicht auch bie übrigen Handlungsgehilfen in die Krankenver­sicherung einzubeziehen, nachdem ein Thcil derselben doch bereits drin ist. Meine Freunde werden bah« für diesen Antrag feinmun. Dagegen wollen wir in Bezug auf die land- und forftwirthschafUichen Arbeiter und das Gesinde uns vorläufig bescheiden, da noch den Erklärungen der Regierungsvertreter in der Kommission die Ein­beziehung derselben durch die nächste Novelle tn sicherer Aussicht sicht und mich von Seiten der Vertreter der Landwirthschäft in der Kommission ein Widerspruch dagegen nicht erhoben ist. Alle sozial- demokratischen Anträge durchzubcrathen, ist leider jetzt unmöglich. Ich hoffe daher, daß die sozialdemokratische Fraktion sich m der Diskussion Beschränkung auferlegen und darin sich auch als Meister zeigen wird, wie sie Meister ist in der Abfassung und Einbringung von Anträgen. Die sozialdemokratische Fraktion Hal, um das Ge­setz nicht zu gefährden, sogar von einer Kommissionsberathung über­haupt Abstand nehmen wollen. Hoftentlich nimmt sie auch jetzt von der Durchberathung ihrer Anträge Abstand, um den Entwurf Ge­setz werden zu Iafi«.n. .

3bg. Gamp (Rp.): Die Novelle ist insofern von minder« Be­deutung, als die Regierung ja bereits erklärt, daß sie dem nächsten Reichstag eine Neuregelung der Materie vorlegcn wird. Die Regierung wollte eben nur nock, ich will nickt sagen, vor den Wahlen, ab« jedenfalls vor Ablauf Diel« Legislaturperiode, diese Verbesierungen durchbringen. Meine Freunde w«dcn dah« ohne Weiterungen für die KornmisiwnS- fassung stimmen. Tas Loblied des Abg. Rocsicke auf bie Sozich- bemofraxic tonn ich nicht mitiingen. Um AbanderungSantrage cck- zusasien, braucht man kein Meist« zu sein. Im Gegemhest: .In der Beschränkung zeigt sich erst der Meist« 1 Das ,ollen Denn diese Anträge.' Meinen bie Sozialdemokraten cs ernst und wollen sie bei Ablehnung derselben gegen das gaiue Gesetz stimmen. xann

entschieden bestreiten. 1. daß cS nach Maßgabe der Prozentsätze, die bi« eingestellt sind, möglich wäre, höhere Leistungen zu ge­währen, und L. daß den Arbeitern durch diese» Gesetz mehr genom­men al» gegeben wird. Alle Sätze sind doch nur MaLimalsatzc, und AlleS fließt den Arbeitern zu. da doch keine einzige MV Geld« ansammeln und thcsaurircn wird.

Die iozialbemokratifchen Anträge w«den a b ge­lehnt. § 6 wird unverändert angenommen.

§ 6a deS bestehenden Gesetzes giebt den Gemeinden da» Recht zu bestimmen, daß für gewiße Krankheiten, darum« geschlechtliche Krankheiten und Trunkfalligkett Krankengeld nicht gewährt wird.

Die Novelle schlägt vor, hi« die geschlechtliche» Krankheiten zu streichen.

Abg. Dr. Esche (nat.-lib.l beantragt, auch da» Dort .Trunk- fälliglctt zu streichen. Denselben Antrag haben auch die Sozialdemokraten gestellt.

Abg. Esche (nat.»lib.) begründet feinen Antrag Auch bte Trunksucht sei eine Krankheit. Nachdem man im Bürgerlichen Ge­setzbuch bie Entmündigung Der Trinker cingcführt habe, müsse man auch Diesen Leuten ohne Rücksicht auf bie Kosten bie Möglichkeit ba Heilung geben. (Beifall.)

Abg Roesicke (freif. '-BggJ tritt gleichfalls für ben Antrag Esche ein. Es sei endlich an Der Zeit, den veralteten Anschauungen zu brechen. Auch Der Vertreter Der bairischen Regierung habe sich ja in Der Kommission auf denselben Standpunkt gestellt. Hoffentlich werde cS ihm gelingen, seine Kollegen im BundeSrath von der Rich­tigkeit seiner Anschauungen zu überzeugen.

Staatssekretär Graf PosadowSky: Die Bestrebungen auf ®e* kämpfung der traurigen Folgen de» übcrmäfjiaen AlkoholacnusieS werden von der Regierung durchaus gebilligt. Ab« eS ist doch ein Unterschied zwischen der Trunkfälligkeit unb den Geschlechtskrank­heiten. Laß wir die GescklcchtSkra>ikhciten mit in das Verzeichnis ausgenommen haben, für deren Heilung die Kassen bie Kosten zu zahle» haben, liegt in ihr« U ebertragbar leit. ES liegt also ein wichtiger hygienischer Grunb vor. Dieser Grunb fallt bei b« Trunk- sälligkeit fort denn bicsc Krankheit wirkt nur in moralischem Sinne Durch bad schlechte Beispiel ansteckenb. Tie große Mehrheit b« verbüiideten Regierungen hat sich gegen ben Antrag Esche aus­gesprochen. Aber auch burch diesen Antrag wirb bie Frage nicht gelöst, denn es würde doch ausgeschlosien sein, daß eine solche Person das Krankengeld in die Hand bekäme; es sind gewohnheitsmäßige Trinker, di- das Geld sofort wieder vertrinken würden. Man könnte dem liebel nur dadurch beikommen, daß man diese Personen in ein Trinkerasyl schickt, aber Deren Unterhaltung ist ganz auß«- ordentlich kostspielig, und» die Kassen resp. die Gemeinden würde» dadurch erheblich belastet werden. Ich zweifle auch daran, ob man bie Leute zwingen tonn, in ein Trinkerasyl zu gehen, benn ein Trinlerasyl ist doch etwas ganz AnbereS, als ein Krankenhaus. Wollte man den Zweck «reichen, den bie Antragsteller beabsichtigen, so mußte man Bestimmungen treffen, baß solche Personen zwangs­weise in eine Trinkeranstalt gebracht werben können. AL« ich glaube, biete Frage ist noch lange nicht geklärt, Weber in ihrem Derth noch in ihren finanziellen Folgen, unb ich mutz Sie bah« dringend bitten, den Antrag abzulehnen.

Abg. Esche (nat.-lib.j: Nach ber Erklärung beS StaatSsckretärO ziehe ich meinen Antrag zurück; ich hoftc aber, baß ber Staats­sekretär Doch mal zu d« Ueberzeugung kommen wird, baß mein Antrag eine Nothwendigkeit ist.

Abg. Beckh (freif. Vp.): In betn sozialdemokratischen Antraa findet sich die gleiche Forderung, ich Werde dafür stimmen. Auf eine Novelle kann ich mich nicht vertrösten lasien, sondern wir müsien hier die Gelegenheit beim Schopfe ergreifen, zumal da die Mehr­heit in der Kommisiion, die gegen den Antrag gestimmt hat, nur eine Zufallsmajorität war. Was ist eigenUich Lrunkfälligkett? (Heft«* leit.) Ist schon Jemand trunkfällig, der einmal ein Räuschchen nach Hause bringt? (Heiterkeit.) Der Begriff ist ein ganz vag«. Und schon aus diesem Grunde muß er aus dem Gesetz entfernt werden. Aus wohlerwogenen sittlichen Gründen bitte ich Sie, diese Worte zu streichen.

Abg. Stadthagen (Soz.) bezeichnet die qu. Bestimmung al» eine ungerechte. Tas Wo«trunlfäüig" ist sehr unbestimmt. Nimmt man das Wort wörtlich, so sind wir Alle trunkfällig. Wir rrinten Alle, wenn wir Durst haben; also wenn d« Trunk fällig ist, dann soll man den Durst löschen. (Heiterkeit. Ruf: Aul Aul) Was soll uns alfo dieser Begriff in diesem Gesetz? Wir wollen doch nicht neben dem Strafgesetz noch neue Strafgesetze hi« machen!

Die Geheimräthe Dr Beckmann und Casper bleiben bei der zunehmenden Unruhe des Hauses unverständlich. Sie scheinen sich auf die Ausführungen des Abg. Stadthagen z» beziehen.

Nach wetteren Bemerkungen des

Abg. Roesickc-Dessau (freif. Vgg.) unb deS Abg. Molkenbuh* (Soz.), benen noch

Berichterstatter Abg. Hofmann »Dillenburg (nat.-ltb.) ein Schlußwort anfügt,

wirb ber vom Abg. Beckh wieder aufgenomene Antrag Esche auf Streichung der Worteburch Trunkfälligkeit" gegen bie Stimmen b« gelammten Linken, ber National-Liberalen unb einiger Cen- trumeaogeordncten abgelehnt.

§ 6a wttd in ber Kommissionsfassung ange­nommen.

Hierauf wirb bic Deitcrb«athung auf Freitag 1 Uhr bei«

intervallum?

Für ben Antrag Raab treten meine Freunde auch ein, sie halten ihn sogar dttekt für notwendig. Im Uebrigcn beschränken sie sich völlig auf die Kommissionösassung.

Abg. Frhr. v. Richthosen-Damsdorf (kons.): Heber die sozial­demokratischen Anträge wäre jedes Wort zu viel. Diese sind ja doch nut für die Wahlen gestellt. WaS den Antrag Raab betrifft, so müßte ich im Prinzip eigentlich gegen ihn stimmen, ba « ben Rahmen ber Vorlage überschreitet. Doch bin ich auch für ben- felben, wenn bie Regierung wesentliche Bebenken gegen ihn nicht äuß«t.

Abg. Albrecht (Sog.) polemisitt gegen ben Abg. Gamp. Seine Ausführungen üb« Kleinbauern unb Handwerk« sähen doch sehr nach Wahlrede aus.

Abg. Franken (natdib.): Meine Freunde werden dem Gesetz in b« Kommissionsfasiung zustimmen, obgleich es nur ein Notbbehelf ist, unb alle Abänberungsanträge ablehnen, ba biete das Zustanbe- kommen be5 Gesetzes gefährben. Nur dem Anttag Raab werben wir zusttmrnen.

Abg. Dr. Haffe (nat.-lib.) bebau«t, baß bie Aerztefrage nicht auch einer Regelung unterzogen worben sei.

Damit schließt bie Debatte.

Die sozialdemokratischen AbänderungsMittage werden ab - gelehnt. Der Antrag Raab wird nahezu einstimmig ange­nommen und mit ihm der nunmehr umgeitaltctc § 1 beS Gesetzes.

§ 6 enthält bie wichtigste Bestimmung ber Novelle, nämlich bie Verlängerung ber Zett für bie Krankengelb gezahlt wirb, von 13 auf 26 Wochen.

Abg. Dlolfenbnbr (Soz.) befürwortet zu diesem Paragraphen einen Anttag, daß den Kranken auch Krücken, Stützapparate und bergl. von du Kasse gdiefat werden. Fern« beantragt er, baß ben Wöchnerinnen für 6 Docken Krankengelb gezahlt werben soll, unb baß ein Sterbe gelb an alle Mitglieder von mindestens 50 Mk. gezahlt werben muß. Rebner führt aus, baß man von einer Wohl- lhat bes Gesetzes gar nicht sprechen könnte, ba bie Arbeiter nur 1 Million bekämen, während sie 4 Millionen mehr bezahlen müßten.

Staatssekretär Graf Poiadowsky: Tie verbündeten Regierun­gen sind ber Ansicht, daß auf dem Gebiete ber Krankenversicherung noch viel gebesic« werden kann und gcbesiert werden muß. Aber alle diese Anttäge, die von den Sozialdemokraten gestellt sind, werden sich ohne erhebliche Erhöhung der '.Beiträge absolut nicht durchführen lasien. Es handelt sich hier gar nicht um eine Frage der Humani­tät, sondern um eine finanzielle Frage. Denn Sie alle diese Ver­

mög« sie doch nml) heraus erklären, damit ttrir uni mit ihnen nidji mehr Muhe zu geben brauchen! Für den Antrag Staab sind auch meine Freunde, und ich freue mich bar über, dah anscheinend eine Majorität für ihn vorhanden ist. Schwi«ig« liegt bie Sache bet ben landwirthschaftlichen Arbeitern. Niemanb von und sträubt sich gegen eine intensivere Kranke »für sorge für bieselbcn. Nur glauben wir nicht, daß diese» auf dem von der Regierung biSh« eingeschlagenen Dege zu geschehen hat. Es scheint eine fixe Idee beim Abg. Suck>thagen zu sein, daß die Gi. ßgrundbcsitzcr eine Krankenfursorge ihr« Arbeiter nicht wollen. Jrn Gcgemdeil, diese haben b«eit5 für ihre Arbeit« so gesorgt, wie nur möglich, ganz freiwillig. Aba diese obligatorisch zu macken, das geht nicht so ~~ je Reihe von Faktoren kommt hi« in

Nolilische Tagesschau.

Alle Kräfte für die kowmeude NeichStagßwahl kuckt die Sozialdemokratie mobil zu machen. Sch)n lange hat sie danach getrachtet, die Frauen in^den Tienst der Agitation zu spannen. Jetzt Hut nun die Soziuldemo- katie den ersten Fr a u e n -W a h l v erein in Berlin ge­grünte!; sie stützte sich bei der Begründung auf die Be­stimmung deS § 21 des Veremsgefetzes, wonach Dahlvereine den Beschränkungen des § 8 des Vereinsaefetzes nicht unter­liegen. Rach den Reichslagswahlen sollen diese Frauen- vercine sich wieder auflösen. In dem großen Saale, in dem diese neue Bereinsgrundung zjt sich ging, waren nach Meldungen aus Berlin nur sehr wenige Personen da. Unter tiefen wenigen be-and sich eine ganze Anzahl Männer und die sozialdemokratischen Agitatoren im Untcrrjcfc, die Ihrer, Wengels, Zetkin, Baader waren unter sich. Als Redner hatte man sich Stadthagen verschrieben, tiiara Zetkin suchte in ihrer temperamentvollen Manier bie anwesenden Frauen für die Idee zu erwärmen; die Gründung des sozial­

demokratischen Frauenvcreius wurde b.sd,lassen, aber mehr als zwei Dutzend Frauen sind nicht beigetreten. Tie Frauen sind eben, das zeigt auch diese Neugründung, für die poli­tische Agitation zu allen Zeiten schwer zu haben gewesen. In Tempelhof hatte ter Amtsvvrtteher die Versammlung, in welcher bie Gründung eines Frauenwahlvereins vor­genommen werden sollte, verboten.

Eine schwere bri ische Niederlage im Somalilavde.

Oberst Swann telegraphiert an das englische Kriegsamt aus Bohotle:

Tie fciegende Kolonne unter Oberst C o b b e, welche am 10. April Galadi verließ, um den Weg nach Walwal zu er­kunden, erlitt am 17. April eine schwere Niederlage. Oberst Cobbe, der sich am 17. früh in (_»amburru befand, hatte den Bcsch. gefaßt, nach Galaoi z_. üttzukehren wegen der großen Schivierigieiten, kiekte...t ^us>.lärungsmarsa,e auf Walwa! entgegen,.anden, und reegen Wassermangels. Als er eben obrüaen wollte, hörte er aus der Richtung, wo sich eine kleine Abteilung unter Hauptmann Llivcy

befand, Gewehrfcuer. Er entsandte um 9Vt Uhr Cber ft Plunkett mit 160 Mann afrikanischer Schützen, 43 Sikhs und zwei Maximgeschützen, um Olivey zu befreien, der aber tatsächlich nicht angegriffen war. Um ll»/< Uhr mittags wurde wiederum heftiges Gewehrfeuer aus ter Richtung vernommen, wobin Plunkett entsandt war. Später trafen Flüchtlinge ein, welche berichteten, daß Plunkett mit Verlusten geschlagen sei. Nach weiterhin eingegangenen Nachrichten ist Plunketts Truppe bisauf37Mann voll­ständig aufgerie6en. Plunkett wurde von einer sehr starken feindlichen Truppe, bestehend aus Berittenen und Infanterie, auf nahe Distanz angegriffen. Er hielt den Feind zurück, bis er feine Munition mehr hatte, ließ dann ein Karree formieren und die Truppen mit dem Schon et t Vorgehen. Schließlich überwältigte oer Feind das Karree und machte außer ben erwähn t en 37 Geflüch­teten alle übrigen nieder. Zwei Maxim-Ge- schütze sind oer. r en gegangen Oberst (lobbe hatte in fernem Lager 22 i Mann und etwa 1000 Kamele. Er glaubt nicht, i . . cljrc Hilfe zurückziehen zu können, da das Bus^werk j:.. .t ist und die Feinde wahrscheinlich