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24/03/1903 Erstes Blatt
 
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Diebenhofen, 23. Marz. Nach einer in der heutigen Versammlung des Gemeinderats zu Dietenhofen von dem Stadtkommandanten General Mülenz verlesenen Depesche wird die Stad tumwallung von Tiedenhosen auf dem linken Mosclufer mit Ausnahme der Bastionen 1 und 3 au fgelassen. Der Gemeinderat sprach in einer an den Kaiser gesandten Depesche seinen Dank für diesen Erlaß aus.

Heer und Flotte.

Der Deutsche Flottenverein verschickt soeben seinen Jahresbericht für 1902, aus dem wir entnehmen, daß das Berichtsjahr am 31. Dezember 1902 mit einem Barvermögen von 129 281,05 Mk. und einem Reservefonds von 38 00t) Mk. abschließt. Die von dem gerichtlich vereideten Bücherrevisor, Julius Doerck, sowie den Rechnungsprüsern des Gesamtvorstandes geprüfte Bilanz für den 31 .Dezember 1902 balanziert mit 390 257,78 Mk. Die Gesamtmitglieder­zahl ist von 625 000 auf 630 000 Köpfe gestiegen. Tie Gliederung des Vereins an Ortsverbünden und Vertrauens­männern hat sich von 2558 Stellen im Vorjahre auf 3588 am 31. Dezember 1902 vermehrt. Aus dem Jahresbericht heben wir besonders hervor, daß aus dem Ehina-Fonds im Jahre 1902 13 758,80 Mk. an Unterstützungen gezahlt wurden. Das Kapital des Fonds betrug am 31.Dez. 190j 150 412,75 Mk. Der Verein wandte im Berichtsjahre für Wohltütigkeits- bestrebungen den Betrag von 5200 Mk. auf, sodaß insgesamt für diese Zwecke bis jetzt über 40 000 Mk. verausgabt finb. Das MonatsblattDie Flotte" erschien in einer regel- mäßigen Auflage von 276 000 Abdrücken und wird allen Mitgliedern des Vereins kostenlos zugestellt. Durch die Präsidial-Geschäftsstelle wurden 327 Vorträge veranstaltet, außerdem in 89 Ortsgruppen kinematograpi)sche Vorführ­ungen mit einer Besucherzahl von 57 OOo Köpfen, sowie in 28 Ortsgruppen Biograph-Vorsührungcn mit einer Besucher­zahl von 3<3180 Personen. Schließlich erwähnen wir noch, daß drei Marincausstellungen und eine ganze Reihe von Sonderfahrten zur Löasserlante stattgefunocn haben. Dem Jahresbericht sind in sechs Anlagen ausführliche Bilanzen und tabellarische Uebersichtcn beigegeben.

5iolonialpoft.

Durb an, 23. März. Die oeutsche ReichSregierung hat einem Deutschen eine große Konzession zur Aus­beutung von Goldfeldern im Vikto ria-Ryanza- Gebiet erteilt. Eine in das betreffende Gebiet entsandte Schliefgesellschaft hat einen sehr günstigen Bericht erstattet. Der in Betracht kommende Bezirk ist mit der Uganda-Eisen­bahn zu erreichen.

Ausland.

Stockholm, 23. '-uiär^.Aftonbladet" meldet aus Hin land: Sämtliche Polrzeichefs in den Regierungs­bezirken Wiborg und Nyland, zusammen in elf Städten, darunter die Polizeichefs von Helsingfors, Wiborg, Hangoe und Borgao wuroen ihres Amtes enthoben, ebenso zehn Mitglieder des Oberlandesgerichtes Wiborg und drei des Oberlandesgerichtes Wasa.

London, 23. 'März. Unterhaus. Labowshire be­hauptete, Graf Bülow habe im deutschen Reichstage er- Hält, es sei Grundsatz der englischen Handels­politik, daß die Engländer ihr Kapital im Auslande auf eigene Gefahr anlegen und fragt mit Bezug hieraus, ob die Regieruiig diesen Grundsatz hinsichtlich Vciiezuelas an- nehmen werde. Lord Cranborne erwioert, die Grundsätze der englischen Handelspolitik in diesem Punkte seren durch die jüngste Aktion der Regieruiig im Streitfälle nut Vene­zuela sowie durch ihre Erkiä.rungen im Parlamente ge­nügend tlargelegt. Die Regierung tonne keine Verantwort- lichlett für die dem Grafen Bulow zugeschriebenen Er- lläningen übernehmen. Sodann berät das Haus über den Bericht der Kommission, meld)er sich für Festsetzung der M a n n s cha f ts siä r l e der Marine auf 127 lOu Manrl ausspricht. Der Liberale Lough verlangt Vermiiider- ung um 4b00 Mann, lieber diesen Antrag enlspinnt fidj eine längere Debatte, im Verfolg deren Lough fd)licßlid) seinen Antrag zurückzieht.

Kapstadt, 23. Äurrz. Der Gouverneur hat in die Freilassung aller politischen Gefangenen ge­willigt. Es wurden sofort Anstalten getrosfeu, um die­selben in ihre Heimat zu besördern. Eine Anzahl ist bereits entlassen worden. Bis Ende dieser Woche werden alle frei- aelajjen werden. Die Amnestie umfaßt auch die einge­borenen Gefangenen, meld)« bei den verschiedenen Erheb­ungen beteiligt waren.

Newyork, 23. März. Nach einem Telegramm aus S a u t o D o m i n g o ist die Stadt vollständig in den Händen von Aufständischen.

Aus unü £ani).

Gießen, am 24. März 1903.

In Sachen der gesetzlichen Neuregelung her Schlacht oieh- und Fleischbeschau findet, wie wir erfahren, morgen, Mitlivoch nachmittag, im SländehauS zu Darmstadt eine gemeinsame Sitzung des Gesetzgebungs­ausschusses der Zweiten Kammer und mehrerer Sachverständiger statt. Zu diesen gehören u. a. Oekononnerat Sehlen ke- Hardthof und als Vertreter der hessischen Metzger-Innungen die Metzgermeister Lau tz-Darmsladt und Falk-Mamz. Diese beiden Herren hatten bekanntlich öic an die Ständekammer gerichtete Eingabe unterzeichnet.

Hessisch-Thür. Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse mürben folgende Gewinne gezogen: 30 000 Mk. auf Nr. 79624, 10 000 Mk. auf Nr. 91612, 3000 Mk. auf Nr. 6464 8514 34258 42322 76910 93462, 2000 Mk. auf Nr. 26470 51155 60030 61646 69906 75663 83446 87132 87537 88286. Ohne Gewähr.

Pferdemarkt-OmnibuSoerkehr. Wie bei den früheren Pferdemärktcn wird auch in diesem Jahre zwischen Pserdemarktplatz und Bahnhof ein ständiger Omnibusverkehr eingerichtet werden und zwar zu allen ankommenden unb ab­gehenden Personcnzügen. Die Wagen sind durch Fahnen kenntlich gemacht. Nach dem Pfcrdemarkt vereinigen sich die Mitglieder der PrämlicrungS- und Pferdemarkt-Kommlssion sowie die Gäste um */22 Uhr zu einem gemeinen Mittagessen im Hotel Großhcrzog von Hessen. Tw Verlosung findet am darauf folgenden Tag, den 26. März, nachmittags 2 Uhr, in der Turnhalle der Stadtknabenschule statt. Tie Lose find vergriffen.

-h. Klein-Linden, 23. Marz. TaS SS. StistungS- fest feierte am SamStag abend der älteste hiesige Gesang­vereinEintracht" im Rinn'schcn Saale. Nach einer

Ansprache brachte Sänger Luh, der Gründer deS Vereins, ein Hoch auS auf daS deutsche Lied und die deutschen Männergesangvereine. Auf dem Prograuim standen zwei Theaterstücke und mehrere Kouplets, die sämtlich großen Bei­fall im Publikum fanden.

§ Griedel, 23. März. Heute vormittag, als kaum unsere Feuerwehr nut der Spritze von der Brandstätte des Nachbarortes Gambach zurück war, entstand in der Hofraite unseres Mitbürgers A. Bär ein Schadenfeuer, welchem die Scheuer und deren Inhalt zum Opfer fiel. DaS Bär'sche Wohnhaus ist ebenfalls angebrannt und auch an dem Giebel eines Nachbarhauses hatten die Funken schon gezündet. Den vereinten Bemühungen unserer Bürgerschaft, wie der hiesigen und benachbarten Wehren gelang es, das Feiier auf seinen Herd zu beschränken und die Nachbaranwesen zu retten. Es wird Brandstiftung angenommen. Der beträchtliche Schaden wird meist durch Versicherung gedeckt.

w. Friedberg, 23. März. Der Evangelische Arbeiterverein veranstaltete gestern abend im Saalbau eine Erinnerungsfeier an den Kaiser Wilhelm I. Rechts­anwalt Windecker feierte denselben in seiner Festrede als Gründer des einigen deutschen Reiches. Eröffnet wurde die Feier durch Vorträge der Gesangsabteilung des evangelischen "Arbeitervereins. Auch ein Festspiel mit mehreren lebenden Bilden aus dem Kriege 1870/71 und daran anknüpfenden Beschreibungen kamen zur Aufführung.

Lauterbach, 23. März. ImLauterb. Anz." lesen wir folgenden Hymnus auf die Lauterbacher Bürger­schule :

Ter Oberprimaner List von hier bestand am Gießener Real­gymnasium, der Oberprimaner Stumpf von hier an der Tarm- Itäbter Oberrealschute die Maluriialsprüsung. Beide mären Schüler unterer hiesigen höheren Bürgerschule. Ter Unter- tetunöaner Koch von hier bestand an der Realschule in Alöteld die Prüfung für den Eiujähr.-Frelw. Dienst. Es darf wohl hier aus das Urteil eines angesehenen Tarmstadter Schillbirettors hln- gewiesen werden, welches dahin lautet, daß die Schüler, welche nach Absolvierung unserer Anstalt andere höhere Schulen be­suchen, sowohl durch ihre Kenntnisse als auch durch allseitige "Aus­bildung die Zöglinge anderer Anstalten gleid)en Ranges erheblich übertreffen".

Wenn das wahr ist, so schreibt man uns dazu, müßte man alle derartige Anstalten in Oberhcssen schließen und sämtliche Schüler nach der Musleranstalt in Lauterbach schicken*. Im übrigen ist das mit dem Eigenlob immer eine eigene Sache; es giebt ein kleines Sprichwort darüber, das das Lauterbacher Blatt sich ad notam nehmen sollte.

L Erbach i. O., 22. März. Zur Hebung der Wohn­ungsverhältnisse der minderbemittelten Klassen ist hier infolge einer Anregung des Kreisrats Schlicphake die Gründung eines gemeinnützigen Bauvereins bcschloffen worden. Um das Projekt iu weiteren Kreisen der Bürger­schaft bekannt zu machen, fand heute im GasthofZum Adler* eine von Arbeitgebern, Arbeitern und sonstigen Bürgern sehr zahlreich besuchte Versammlung statt, in welcher der Kreisrat ebenfalls den Vorsitz führte. Der aus Darmstadt erschienene Landesioohnungsinspeklor erläuterte in eingehendem Vortrage Zweck und Wesen der gemeinnützigen Baugenossenschaften und >vieS darauf hm, daß sich in einem solchen Unternehmen An­gehörige aller Stände zu gemeinsamer 9lrbeit zusammenfinden müßten, und daß dasselbe angesichts seines großen gesund­heitlichen, sittlichen und sozialen Wertes auch die Unterstützung der Gemeinde verdiene. Ter Kreisrat, sowie Stadtpfarrer Scriba betonten insbesondere die Notwendigkeit eines Vor­gehens zur Erstellung guter und billiger Kleinwohnungen, auch gab ersterer der Hoffnung Ausdruck, daß die Stadt sich beteiligen werde. Eine große Anzahl der Anwesenden er­klärte sich sofort zum Beitritt zu der Genossenschaft bereit. Die endgiltige Konstituierung derselben soll in den nächsten Tagen erfolgen.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Oberbiel (Kreis Wetzlar) feiern Lehrer a. D. Jakob Ebing und Frau am 25. d. Mts. in voller Rüstigkeit ihre diamantene Hochzeit.

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auf den

Gießener Anzeiger

während der Parlamcntstagungcn täglich zwei Ausgaben in der Stadt

nehmen alle Poftanftalten, Briefträger, unsere Zweigstellen und unsere Expedition entgegen.

Neu eintrctende Bezieher erhalten gegen Ein­sendung der Quittungskarte den Anzeiger un­entgeltlich und portofrei bis Ende März durch die Geschäftsstelle zugesandt.

Kauplv.rsummlung dis landwirtschaftlichen A.zuksvereins Kietzen.

Original-Artikel deSGießener Anzeigers.

fe. Grün berg, 24. März.

Gestern fand hier im Gasthaus zum Hirsa> die Haupt­versammlung des landwirtschaftlichen Be- zirkSvereinS Gießen unter dem Vorsitz des Herrn Provinzialdirektors Dr. Breidert statt. Der Saal deS GasthoseS war bis auf den lebten Platz besetzt. Ter Haupt­versammlung ging eine AuSschußsitzuug voraus, in der für verstorbene oder verzogene Mitglieder andere gelvählt wurden. ES handelte sich um vier neue Mitglieder. AlS solche wurden vorgcschlagen die Herren Gg. B i ck l e r an der Hardt b. Gießen, Bürgermeister Köhler-LangS- d orf, ee. Durchlaucht der Fürst Lich-H0hens0lmS- Lich und der Bürgermeister Zimmer-Grünberg. Nach Eröffnung der Hauptversammlung gab der Vorsitzende die für den Au§sa) Dorgischlagenen bekannt, sie wurden auf Antrag auS der Versammlung durch Zuruf gewählt. Danach erteilte der Vorsitzende Herrn Kre.Svetertnärarzt Schmidt-Gießen daS Wort zu feinem Vortrag über Schweinezucht. Besonders wurde betont, daß c5 nun­mehr P,licht der deuiscye» und damit der hesiischen Land­wirte |d, noch mehr al? bisher die Schweinezucht zu sör- oeru, tu.un chre berechtigten Wünsche, die Grenzen des .eiu/.S toegen der Seuchengefahr in der bisherigen Leise tür D.e uno.grenzte Einfunr fetter Schweine gesperrt zu aufrcciyi erhalten bleckren so.».en. Die AuSe.nander- ic<unQ.n ü£>ur düsen Vortrag währten über eine Stunde,

zahlreiche Mitglieder des Vereins meldeten sich zum Dort unb gaben so ihr lebhaftes Interesse an dem Gehörten kund. Inzwischen war Ministerialrat Braun aus Darm­stadt eingctrofsen. Da die Tagesordnung vor Mittag nicht erledigt werden konnte und der Wirt daS vorbereitete Mittagessen nicht kalt werden lassen wollte, ließ der Vor­sitzende eine Pause eintreten. Der Wirt ließ die Tafel rüsten und die Mitglieder ergingen sich inzwischen im warmen Frühlingssonnenschein und ließen sich dabei die Hengste, die in Grünberg aufgestellt sind, vorführen. Unter diesen erregte ein brauner belgischer Hengst von tadellosem Bau besonderes Aussehen. 23ei Tische brachte der Vorsitzende einen Toast au» auf unseren Kaiser und den noch in der Feme weilenden Landesherrn, gedachte des vergangenen Tages, dcn 22. März, an dem wir so oft unseren greisen Kaiser Wilhelm I. feierten, begrüßte den Ministerialrat Braun und andere Herren, auch die als Gäste erschienenen Mitglieder des Stadtoorftandes von Grünberg. Bei Tische entspann sick) eine angeregte Unterhaltung, die in fest parla- mentarisä)en Formen sich abjpiclte, über die Auslegung deS Körgesetzes. Man kam allgemein zu dem Schluß, daß den Gemeinoen, die sich für zwei Zuchtrickstungen enisu/ieden hätten, das Recht zuerkannt werden müßre, bauet zu bleiben. Daß aber die Gemeinden, die sich setnerzeir für eine Zucht- ridjmng erklärten, auch gehalten seien, dabei zu bleiben, wenn nicht erhebliche wirtschaftliche Veränderungen in der Gemeinde eine Abweichung von dem ursprünglichen Zucht­vieh gebieterisd) forderten. Nach Tische rourucn die Ver­handlungen fortgesetzt. DaS im Lanotage in den nächsten Tagen zur Veryanolung kommende Fleischbeschau- g e s e tz wurde befprod)cn, welches schon am 1. April in Kraft treten soll. Alles frisd)e Fleisd) von warmblütigen Tieren, auch zubereiteteS Fleisch, wie Därme, Schweine­speck, sonstiges Fleisch re. unterliegen sämtlich der tierärzt­lichen Besclstiu, zubereitetes Fett einer damischen Unter­suchung. Tie Kosten betragen für ein Stuck Rindvieh 2,50 Mark, für andere Schlachttiere entsprechend weniger. Ta, wie ausgesührt wurde, die Unterfua)ung im Interesse der Konsumenten geschehe (richtiger wohl: der allgemeinen Volksgesundheit. T. Red.), so erscheine es billig, daß die­selben aud) die Kosten tragen. Am sichersten uno rasa) e st en würde der Verläufer des Fleisches an die Kon­sumenten die Untersuchungskosten auf jene ab wälzen. Tas sei der Metzger. Ta die Kosten p. Kgr. nur einen Bruchteil von einem Pfennig au»mad)cn, so würde der Metzger den Preis des Kgr. Fleisches nad) oben abrunben, also bei der Abwälzung der Kosten ein Geschäft machen. Die Versammlung »prach sich einmütig dahin aus, daß aus diesen Gründen der Metzger Die Untersuchungskosten vorzulegen haben werde. (5kmad) stünde also ein allgemeiner Fleischpreisaufschlag infolge des neuen Gesetzes bevor! D. Red,) Zum Schluß kam nod) die Frage der Errick-tung einer Landwirtschafts­kammer zur Spraa-e, die Art der Wahl zur Landwirtschasis- fammer. lieber die letzte Frage hatte der Reichs-- und Landtagsabg. Bürgermeister Kohler- Langsdorf Wunsche geäußert, die heute von ihm begründet locrDcn sollten, irine Depesche meldete jedoch, daß er durch Krankheit am Ersdjeinen verhindert fei. Ter Voriitzende schloß danach die Versammlung mit den besten Wünsd)en zum Gelingen der unmittelbar bevorstehenden ober schon im Gange bc» findlichen Frühjahrsbestellung der Gärten und Felder.

Kon der Ualnzer Ko.KsvunL.

Mainz, 23. März.

Am Samstagabend fand, wie wir in Ergänzung unseres gestrigen Berichtes nutteüten, im Bankett«aal der Lieder­tafel die Generalversammlung der Mainzer Volksbank statt, die anläßlich der Unterschlagung des Kassierers Hermann einberusen worden war. Im wesent- lid)en wurde der von uns bereits dargelegte Sachverhalt bestätigt. Am Freitag den 13. März wurde beim Abschluß sesigestellt, daß Kasse und Hauptbuch nicht übereinstimnien, lonoern man sand eine vorläufige Differenz von 265 000 Mark. Es sollte nuninihr eine gründliche Nachprüfung des Kassenkolit>ok!orrentbud)es statlfinden. Arn Samstagmorgen überreidjtc Hermann dem Direktor Reins das bctannie Ex­pose, das die lleberschrift trägt:Meine Revanche für 19cO" und in dem Klage geführt wird, daß als Direkwren der Mainzer Volksbank, die doch eine Mainzer Institut sein solle, auswärtige Herren angestellt seien. Tas sei be­schämend für Arninz. Als er sich seinerzeit beschwert habe über die Zurücksetzung, sei ihm erividert worden:Sie |mb ein guter Kassenbeamter und weiter nichts." Es müßien infame Lügen über ihn verbreitet worden sein. Mit dem Einzug in das neue Haus habe er gehofft, daß auch die (i)e- red)tigLit einziehen werde, aber nicht einmal eine Gehalts­erhöhung sei ihm zu teil geiuorbcn. Da habe er geglaubt, daß der Moment gekommen sei, um Racl)e zu nehuien. Lr verlange 50 000 Mk. Entschädigung und Peii,ionierung mit jährlichem Gehalt von 3600 Mk., da sein Leben doch ver­pfuscht sei. Dafür wolle er die unterschlagenen 28000) Mk. zuruckgeben. Auch für zwei andere im Dienst befindliche Beamte verlangte er besondere Vergünstigung. Mil seinem Gewissen könne er es nicht vereinbaren, das Geld, an dem so viele Freunde von ihm Teil hätten, zu behalten.

Vom 1. Oktober 19u2 bis zum 31. Dezember hat Her­mann 265 00) Mk. unterschlagen und im jal^c Wu3 vom 1. bis 10. Januar noch weitere 15000 Mk. Bei den Ausein­andersetzungen betonte er stets, daß er Rache für die nicht erfolgte Wahl nehmen wolle. Direktor ReinS crflärte, daß er bei den llnterhandlunben den Eindruck gewonnen habe, es mit einem Wahnsinnigen zu tun zu haoen, und bern- gemäß habe man auch d.e Maßnahmen getroffen. Hermann reduzierte seine Forderung sofort auf 2jOOO Mk., als man ihm eventuelle Erfüllung »einer Dünsche zusicherte. Er er­stattete sodann am Samstag 200 000 Mk. zurück. Er müsse verreisen, um das übrige Geld zu holen. Am Montag lieferte er 55 000 Mk. ab. Damit glaubte sich Hermannlibe- riert". Für die Direktion aber lam eS darauf an, festzu- ftellen, ob Hermann auch in der Lage sei, die restlichen 25000 Mk. zuruckzustellen. AlS sich schließlich heraussteltte, daß er das nicht konnte, wurde eS klar, daß er nur die größere Summe genommen hatte, um einen Truck auszu­üben. Die Dedenken, daß man eS h.er mit einem wahn­sinnigen Menschen zu tun habe, fielen Damit zusammen, unb cS erfolgte am Donnerstag feine Verhaftung, ckedner teilte sodann mit, daß Hermann 1875 bei bet Bolisbank als Lehr­ling eingetreten fei unb seit 90 Iobren eine Vertrauens­stellung lnnegehabt habe. Von 18Ö7 fliegen feine Ein­künfte von 4512 blS ;j247 Mk. Andere Unterschlagungen als in barem Gelbe habe Hermann nicht machen können unb Veruntreuungen in früheren Zetten feien nahezu ausge­schlossen. D^ch solle in dieser Hiki.icht gründlich nachge- forscht werden. Oie formte Hermann die Unterschlagungen machen? Die AuS- unb Eingänge wurden richtig gebucht, doch wurde es ichrn durch falsche St*itum m den Haupt- summen bei der «lerrtanifdjen Suchsührmrg möglich, bic