Ausgabe 
23.11.1903 Erstes Blatt
 
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* Paris, 22. Nov. lieber das Duell zwischen dem Advokaten Ebelot und dem Juwelier Lautier,

kvmmrssion aus titriertem Ehrgefühl. Der Veroacysr un- ftttlid)cr Handlungen stellte sich als unbegründet heraus.

Kiel, 20. Nov. Aus dem Hauptpostamt erfolgte die Explosion eines eingelieserten Postpakets, wo­durch ein Beamter schwer verletzt wurde. Das Paket enthielt Feuerwerkskörper.

Breslau, 21. Nov. Das durch den anhaltenden Regen bewirkte Hochwasser der Oder z e r r ife in der Nacht zum 21. Nov. bei Brieg an der alten Bruchstelle den Briesen-Lindener Deich. Hierdurch sind mehrere andere Deiche stark gefährdet, sodaß wieder ständiger Wachtdienst emgerichtet ist.

Stuttgart, 22. Nov. In Zaberfeld bei Heilbronn sind bei einem Brande der Handelsmann Wolf Jordan und seine zwei acht- und zehnjährige Kinder verbrannt.

* Metz, 22. Nov. Leutnant Bilse wird zur Ordnung seiner Privatangelegenheiten aus 14 Tage aus der Hast

übergeben.

Oberlandesgerichtsrat Burelage bekundet: Es sei ihm erinnerlich daß im Zivilkasino viel gespielt wurde. Bert. R.-A. Dr. Sprenger: Brie hoch waren ungefähr die Einsätze?Zeuge: Soweit mir erinnerlich ist, wurden Mark, bisweilen darunter, bisweilen darüber gesetzt. Bert. R-A. Greving: Ist nicht im allgemeinen auch vom Minister Ruhstrat, viel kritisiert und geschimpst wor­den, wobei Ausdrucke wieHornvieh" Zeuge: Das gebe ich zu. Bert.: 5 ist etwas teniperamenkvoll, eine impulsive

[trat gespielt. Er habe einmal gehört: Minister Ruhstrat habe den Oberlatidesgerichtsrat TengeOberschaf vom Oberlandesgerickft" genannt.

Aehnli. i lauten mehrere andere Zeugenaussagen.

Gi)mnajialdireklor Dr. Steinvorth-Oldenburg: Dr. Nies sei ein sehr tüchtiger Lehrer gewesen. Seine Schüler mochten chii gern und lernten etwas Tüchtiges bei ihm. (S-r hielt aus gute Disziplin, in seiner Klasse herrschte ein sehr guter Geist. Die Eltern der Schüler schätzten Dr. Nies als wohlwollenden, tüchtigen Lehrer, bei dem ihre Söhne etwas Tüchtiges lernten. Dr. Ries war auch bei einen Kollegen sehr beliebt Andere frühere Kollegen, des Dr. Ries sagen das dlliinliche aus.

Ter Vorsitzende, Landgenchodirektor Bödeker: ,^ch fühle mich veranlaßt, mitzuteilen, daß sowohl ich als auch der erste Staatsanwalt Drohbriefe erhalten haben, in denen gedroht wird, wenn Biermann verurteilt werden sollte, so werde man uns die Fenster ein sch la gen und uns noch andere unangenehme Dinge bereiten. (Be­wegung.)

Angekl. Diermann: Ich habe wohl kaum notig, zu versichern, daß es nur nicht im Traume eingefallen ist, derartige Briese zu veranlassen.

Erster Staatsanw.: Auch ich bin dieser Ansicht. Ich habe die Brrese der Polizei zur weiteren Verfolgung

Gmgesmiöl.

(Für Form und Jnhau ar.^ muet vieler Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 21. November.

Schon seit Monaten befindet sich der Brandplatz in einem geradezu skandalösen Zustand. Namentlich der nach Norden gelegene Teil gleicht einem See, oder besser, einem Sumpf, in den die Rührigkeit hier nur allzu zahlreicher, spielender Kinder die merkwürdigsten Gegenstände versenkt hat Ob ein derartiges un­ästhetisches Snmpfgebilde der Gesundheit der unfreiwilligen Ufer- bewohner besonders dienlich ist, läßt Einsender dahinstehen; eklich, widerlich und einer Stadt wie Gießen unwürdig ist es auf alle Fälle. Nach Ansicht des Einsenders würde es die Stadt nicht über­mäßig belasten, wenn sie sich zur Beseitigung des Uebelstandes auf­raffen und einige Wagen Lahnkies über den See des Anstoßes

geben?

Zeuge: Ja. (Bewegung im Zuhörerraum.)

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gefallen sind? Minister Ruystrat e Statur? Zeuge

fiimmung von ganz bestimmten Forderungen, z. B der Wahlpflicht il a., abhängig gemaäst. Der Vorschlag des Herrn v. Hehl, die ganze Sache zu vertagen, an der auch die Partei sicher keine Freude habe, sei sehr zweckmäßig. Oberamtsrichter Dr. Fuhr-Ortenberg bemerkte, daß man sich jetzt, naä)dem die Frage einmal aus der Tagesordnung stehe, auch unter allen Umständen darüber schlüssig machen müsse.

Geh. Justizrat Osann I. meint, wenn man die Ge­samtpartei darüber befragen wolle, werde man niemals zu einer Verständigung kommen, denn die preußischen Na­tionalliberalen würden sich unter keinen Umstünden zur Ein­führung des direkten Wahlrechts verstehen. Er sei früher auch ein Gegner desselben für die Kammer gewesen, es werde sich aber nicht aus die Dauer verhindern lassen. Dre Kammer müsse nur dafür sorgen, daß auch die nötigen Gegengewichte angehängt werden, damit die Uhr auch richtig gehen kann und das Unheil, das in dem direkten Wahlrecht liegen kann, verhütet werde.

Reelftsanwalt Dr. Windecker-Friedberg stimmt den Ausführungen Osanns zu. Es wäre richtig gewesen, wenn sich die süddeutschen Regierungen unieremander über die Grundlagen zur Einführung des direkten WahlreaM ver­ständigt hätten.

Nach weiterer eingehender Debatte, an der sich noch Justizrat Schmeel- Darmstadt, Rechtsanwalt (£all- mann-Alzey, Dr. N e ß l in g-Darm^adt, Frhc. Heyl zu Herrnsheim, Böhm-Offenbach Redakteur v. T r ü tz s aj - ler, Pros. Dr. Beck er, Rechtsanwalt Stephan und Ober­bürgermeister K ö h l e r in Worms, Phchpp Müller- Bichel Bund Heinrich Gr ä f II. aus Monsheim beteiligten, geneh­migte die Versammlung nahezu einstimmig einen An­trag des Pros. Becker-Worms, wonach die Versamm­lung in Uebereinstimmung mit chrem jrüheren Beschluß und dem bei den vorjährigen Wahlen erlassenen Aufruf erklärt, daß die nation a11ib er ale Partei auch jetzt bereit sei, an eine Verbesserung des hessi­schen Wahlrechts mitzuwirken. Ferner wird em Antrag v. Heyl angenommen, wonach der Zen­tra l v o r st a n d der Partei ersucht werden soll, eine allgemeine Beratung über die grundlegen­den Fragen bei Einführung des direkten Wahlrechts für die Landtage h e r b e i z u f ü h r e n.

Zweiter Gegenstand der Beratung war das Th.ma: Der neue Reichstag und seine Aufgabew Reierent Gras O r i o 1 a führte aus, daß neben Hannover auch Hessen einen Mittelpunkt der nationalliberalen Agitation gebildet habe, was dem Eifer der Parteigenossen, aber auch der eifrigen Mitarbeit der liberalen Elemente überhaupt zu bauten sei Sie alle müßten sich zusammenschließen gegen den Feind von Thron und Altar, gegen die wie eine Wucherpflanze aus tretende Sozialdemokratie. Der Redner beklagt dann die Haltung des Pfarrers a. D Dr. Naumann und der freisinnigen Vereinigung, die trotz des Dresdener Parteitags und des Wortes! Bebels, daß die Partei der Tod­feind der bürgerlichen Gesellschaft fei, sich noch immer große Hoffnungen auf die Revisionisten mache. Naumann, Barth und Genossen seien Freihändler bis zum Ende und klammerten sich nun an den letzten Strohhalm, die Revisiv- uisten. Ter Redner betonte dann, daß die Partei alle not- toenbigen Heeresforder ungen bewilligen, aber

gegen etwaige Schäd en und überflüssigen Luxus austreten werde. Sie wolle Handelsverträge, die allen Teilen der Bevölkerung, auch dem Bauern- und Handwerkerstand nach 'Möglichkeit gerecht werden und die Erhaltung eines gesunden Mittelstandes ermöglichen; ebenso werde sie unbekümmert um die Haltung der Sozial­demokratie die ehrliche Förderung einer gesun­den Sozialpolitik weiter betreiben. Die Partei werde den liberalen Gedanken hochhalten, wie er sich auch bei den letzten Wahlen betätigte, aber keine sogen. liberale Misch? maschpolitik treiben; es müsse jede Verbindung mit einer Partei aufhören, bei welcher der nationale Gedanke ver­loren gegangen sei Wir wollen stets das PanierTreu zu Kaiser und Reich" feschalten und das schwarz-weiß-rote Banner wehen lassen, dessen rote Farbe das Herzblut der Nation für die Wiedererrichitung des Deutschen Reichs dar- ftellt (Lebh. Beifall.)

Abg. Frhr. v. Heyl führt als zweiter Referent die Ge- vanken des Vorredners weiter aus und behauptet dann in einem historischen Rückblick die Bestrebungen der Partei Es fei mit schwerem Kampf die Gleichberechtigung des Arbeiterstandes erkämpft worben, an die man früher kaum gedacht hätte. Der Redner bespricht dann in markanten Zügen die Grundlagen unserer Handelspolitik, die Meistbegünstigungsllausel und das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit.

Zum Schluß der Versammlung überbrachte Herr St ei­ner-Worms, derVvrsitzendedes Wormsernatio- nallib. Arbeitervereins, der schon über tausend Mitglied er zähll, dessen Sympathieausdruck und brachte ein dreimaliges Hoch auf die nationalliberale Partei aus.

Nach weiteren patriotischen Worten des Justizrats Schmeel schloßdieVersammlung nach fast fünfstün­diger Dauer mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland.

Bei dem daraus stattfindenden Essen toastete Justizrat Schmeel auf die Herren v. Heyl und Graf Oriola, Dr. Windecker auf den Nestor Dr. Osann L, Frhr. v. Heyl auf Justizrat Schmeel, Allbürgermeister Koch-Oppenheim auf die nationalliberale Jugend, Graf O r io la auf die neu- gewähllen hessischen Reichstagsabgeordneten, die in der Ver­sammlung zugegen waren, und Geh. Justizrat Osann I. auf die beiden neugewählten Darmstädter Landtagsabge­ordneten.

besten tragischer Ausgang bereits telegraphisch berichtet wurde, bringen die Blatter nachstehende Einzelheiten. Belbe Wider­sacher stammen aus Toulouse und gehören Familien an, bie dort eine sehr geachtete Stellung emnehmen befonbers Ebelot, dessen Vater einer der hervorragendsten Advokaten jener Gegend und Maire der Stabt Toulouse gewesen war. Lautier verfolgte Frau Ebelot, eine sehr schöne Dame, mit unsittlichen Anträgen, und zwar in so unverschämter Weise, baß die geängstigte Frau schließlich ihren Gatten davon in Kenntnis setzen mußte, obgleich sie voraus ahnte, daß dieser, ein heftiger, aufbrausender und unversöhnlicher Charakter, die gegen ihn versuchte Beeinträchtigung seiner Gattenehre fürchter­lich rächen werde. Das Duell war bereits in Toulouse verab­redet worden, man hatte sich aber dahin geeinigt, es in Paris auszufechten. Lautier war mit seinem Vater nach Paris gekommen, ohne daß der unglückliche Greis eine Ahnung von den Vorfällen hatte. Die Gegner waren sehr ungleich; während nämlich Ebelot ein befürchteter Stockdegenfechter ist und schon viele Waffengänge siegreich bestanden hat, war Lautier in der Handhabung des Degens gänzlich unbewandert. Er nahm noch rasch vor dem Tage vor dem Waffengange eine Lektion, die natürlich nicht hinreichend war. Der Waffen­gang spielte sich mit unheimlicher Geschwindigkeit ab. Die Gegner hatten kaum die Degen gekreuzt, als der Ebelots mit unwiderstehlicher Gewalt in Lautiers Achsel drang unddiesebiszurSchulterdurchbohrte. Lautier hob beide Arme in die Höhe, drehte sich um sich selbst und ank lautlos einem seiner Zeugen in die Arme, an dessen Hals er sich so fest «nklammerte, daß man seine Hand nur mit Mühe loslösen konnte. Ein Blutstrom drang ihm aus dem Munde; er war s o f o r t t o t. Ebelot stellte sich unver­züglich den Behörden und erklärte dem Richter auf Ehren­wort, daß er seinen Widersacher nicht habe töten wollen und daß nur dieser selbst durch sein unvorsichtiges Anstürmen in seinen (Ebelots) Degen sozusagen hineingerannt sei. Er sei aufs Tiefste durch den tragischen Ausgang des Duelles er­schüttert. Ebelot wurde vorläufig aus freiem Fuß belasten. Das Duell gibt übrigens Anlaß zu einem heftigen Streit zwischen den verschiedenen Fechtmeisterschulen, da die Einen, die e6p6istese behaupten, Lautier sei nur deshalb von dem furchtbaren Schicksale ereilt worden, weil er eine Fleurettisten- stellung mit eingebogenem Arme angenommen habe. Die fleurettistes erwidern darauf, daß die Darstellung des Duelles überhaupt keine Schlüsse zulaste, und daß wahr­scheinlich niemand in der Lage (ei, den wirklichen Hergang, der sich mit blitzartiger Schnelligkeit abgespielt habe, genau festzustellen.

Madrid, 21. Nov. Bei der Station Cerocdilla nördlich von der spanischen Hauptstadt fuhren zwei Eisen­bahnzüge mit voller Gewalt aufeinander. Die Folgen des Zusammenpralles waren furchtbar. Unter den Trümmern wurden 5 Tote, 7 Sterbende und 12 Verwundete hervorgezogen.

* Mailand, 20. Nov. Der Großindustrielle und mehr­fache Millionär Luigi de Medici ist unter der Be­schuldigung, seine Gattin vergiftet zu haben, verhaftet worden.

* Budapest, 21. Nov. In Szilo hat der 35 jähnge Wirtschastsbeamte Grabansz seine 26jährige Ehe­frau sowie 2 Kinder im Alter von 4 und 6 Jahren erschossen und dann Selbstmord verübt.

* Petersburg, 20. Nov. In Ljachowitz (Kreis Shi- tonnr) erschoß ein 18jäh.riger Fähnrichseine Stief­mutter und seine beiden kleinen Stiefbrüder und stellte sich dann den Behörden.

Die AUeldigung gegen Minister Zluystrat vor Gericht.

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Oldenburg, 21. Nov.

Gymnasialdirekdor Früstück-Birkenfeld hat nach den Liebesmahlen mit dem damaligen Staatsanwalt Ruhstrat im Ziviltasino gespielt. Er höbe auch einige Male dem Minister Geld geliehen. Irgendwelche Versprechungen habe ihm der Minister nicht dafür gemacht. Er glaube auch nicht, daß der Minister zu seiner Beförderung bei­getragen habe. Er sei mit Dr. Ries befreundet gewesen und habe diesem auch bisweilen über Vorgänge im Kasino Mitteilungen gemacht, er hatte aber keine Ahnung, daß Dr. Ries m dieser Weise die Mitteilungen verwerten werde. Dr. Ries habe oei Lehrern und Schülern in hohem An­sehen gestanden uno galt für einen Mann, der in jeder Beziehung gerecht war. Er könne sich das Verhalten des Dr. Ries nur dadurch erklären, daß derselbe über seine Versetzung sehr verstimmt war. z

Amtsrichter Stukenborg har ch als Referendar im hiesigen Zivilkasino viel gejeut. sei ziemlich hoch gespielt worden. Einmal habe er mit dem Minister Ruh-

gpielplau bet Dttttniglea Frankfurter Ztabtthrater. Opernhaus.!

Dienstag den 24. Novembr*):Oberon." Mittwoch den 35. November, abends halb 8 Uhr: wUnbine/ Donnerstag den 26. November, abends 6 Uhr: .Die Meistersinger von Nürnberg." Walther von Stolzing: Herr Karl Piann vom Stadttheater m Brünn a. G. Freitag den 27. November geschlossen. Samstag den 28. November:Oberon". Sonntag den 29. November, nach­mittags halb 4 Uhr: »Die beiden Schützen." Abends 7 Uhr: Carmen." Montag den 30. November:Der Waffenschmied."

Schauspielhaus.

Dienstag den 24. November*): Zum ersten Male:Zapfen­streich." Mittwoch den 25. November:Die Zähmung der Wider- spanstigen." Doiinerstag den 26. November:Nachtasyl." Frei­tag den 27. November:Alt-Franksurt." Samstag den 28. Nov.: Zapfenstreich." Sonntag den 29. November, nachmittags halb 4 Uhr:Der Hochtourist" Abeiids 7 Uhr:Zapfenstreich." Montag den 30. 91ovember: so ich Dir".

*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Allerdings. v

Minister Ruhstrat: Was in allen andern Kreisen, o ist auch in dem unfrig-en viel geschimpft worden. Ich war eine zeitlang in Berlin, da ist ebenfalls viel' ge- chimpft worden.

Kaufmann Lohs e-Oldenburg als Zeuge bekundet: Ich bin Offizier der Landwehr und habe mehrfach an den Offiziers-Liebesmahlen teiltenouimen. Zu meinem Leid­wesen habe ich gehört, daß von den jüngeren Herren dort ehr viel gefpiell wurde. Ich habe in meiner Eigenschaft als ältester Offizier es nicht geduldet, daß Offiziere in Uniform spielen.

Bert.: Hoben Sie auch den Nebenkläger, Minister Ruh- Irat, spielen sehen? Zeuge: Jawohl

Bert.: Haben Sie dem Minister Darlehen ge-

Zeuge: Aus 1500 Mark.

Zeuge Referendar Th-orode bekundet: Professor Dencker habe ihm emmal erzählt: Minister Ru h st r a t Hobe, wenn die Referendare Silberaeld als Einsatz gaben, dasselbe verächtlich auf die Erde geworfen.

Nebenlläger Minister Ruhstrat: Ich will dos nicht absolut bestreiten.

rwndgerichtsrot Hartong bekundet als Zeuge: Er Hube von dem Brauereidirektor Hoher einmal im Eiseu- bcchluvagen gehört, daß Minister Jiuhstrat den Oberlandes- gerichtsrat Tenge ,siDberschas vorn Overlandcs-Gericht" ge­nannt habe. Der erste Staatsanwalt Riesebieter sei dabei zugegen gewesen.

Berd N.-A. Dr. Sprenger: Ich wäre berechtigt, zu beantragen, den ersten Staatsanwalt als Zeugen zu vernehmen. Ich will jedoch davon Abstand nehmen, da ich nicht gern eine Vertagung der Verhandlung herbei- ühren möchte. Ich will mir aber die Bemerkung erlauben, ) es zu den Pflichten eines Staatsanwalts! gehört, auch die chm bekannt gewordenen En t la st u n g s- beweise zur Stelle zu schaffen.

Inzwischen ist von dem die Untersuchung führenden Arntsriafler der Befehl eingetragen: Biermann zwecks Antritts der bereits rechtskräftig gewordenen Strafe von 6 Ntonaten Gefängnis wegen Beleidigung des Landrichters Haake sofort in Haft zu nehmen.

Tie weiteren Verhandlungen drehten sich im wesent­lichen wieder um den Ausdruck ,^)berschaf", der erwie­senermaßen gefallen ist

Tas Urteil wurde heute, am Samstag, gesprochen. Tr. Ries erhiell 6 Monate, Biermann 10 Monate Gefängnis.

Ter Staatsanwatt hatte beantragt: gegen Dr. Ries wegen Beleidigung des Landrichters Haake 6 Monate Ge­fängnis, wegen der Beleidigung des Ministers Ruhstrat 9 Monate Gefängnis, die er auf eine Gesamtstrafe von 1 Jahr zusammenzuziehen bat Gegen Biermann batte er beantragt wegen Beleidigung des Ministers Ruhstrat 9 Monate Gefängnis. Ta Biermann wegen Beleidigung des Landrichters Haake bereits rechtskräftig zu 6 Monaten Gefängnis oerurteilt worden ist, so ersuchte er ebenfalls auf eine Gesamtstrafe von 1 Jahr gegen Biermann zu er­kennen.

Der Verteidiger Rechtsanwatt Greving batte beantragt für Dr. Ries Geldstrafe, Verteidiger Rechtsanwatt Dr. Sprenger für Biermann Freisprechung.

Infolge der Enchüllungen in diesem Prozeß hätt man die Stellung des Ministers Ruhstrat für erschüttert und erwartet seinen Rücktritt.

Vermischtes.

* B e r l i n, 21. 9to0. In Schöncherg ist die Einführung einer Automobilseuerwehr von der Stadwerwalt- ung beschlossen worden.

* Seehausen, 22. Nov. Amtlich wird gemeldet: Von dem Personenzug 445 WcktenbergeStendal- Magdeburg sind heute zwischen Osterburg und Seehausen die Tenderachse der zweiten Diaschine und drei Personenwagen entgleist. Sieben Personen wurden verletzt, zum Teil schwer. Von diesen sind zwei Reisende im Kranken­hause zu Osterburg untergebracht. Die Angehörigen sind benachrichtigt. Das Fahrgeleise ist voraussichtiich bis gegen Abend gesperrt, der Personenverkehr an der Unfallstelle wird durch Umsteigen vermittelt. Die Ursache des Unfalles ist noch nicht ermittelt.

* Eisleben , 22. Nov. Der 17jährige Realschüler S ch n e t b e r gab im Jähzorn auf seinen Vater, einen Hotelbesitzer mehrere Schüsse ab und verletzte ihn schwer am Unterleib. Der ungeratene Sohn flüchtete, wurde aber ergriffen und verhaftet.

* Sonneberg, 2j. Nov. In Neuhaus erschoß sich der Lehrer Steiner in Anwe;enhett der llntersuchiungs-