Ausgabe 
23.6.1903 Erstes Blatt
 
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Höhe.

Berlin, 22. Juni. Wollauklion. Tic Auktion von 5000 Zentnern Rückenwäschen ging flott von statten. Tuchsabrikauteu, Vutfabrikanten, Spinner und Großkausleuie waren Hauptkäuier. Der Preisausschlag gegen das Vorjahr betrug je nach Qualität 8 bis 30 Mt., vereinzelt noch einige Mark darüber. Die Wäschen waren im ganzen gut und der Derkaus schlank, nur einige kleine Posten mürben wegen zu geringen Gebotes zurückgczogeii. 2500 Zentner ungewaschene Wolleii tauben ebenfalls willig Stäniec unö wurden je nach Qualität gegen das Vorjahr 5 bis 10, vereinzelt bis 30 Alk. gegen das Vorjahr besser bezahlt. Einzelne Lose wurden ebenfalls roegen zu geringen Gebotes zurückgezogen.

De Den Sci ^inmach

Segen.

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Sonntag tagte hier eine Versammlung t>er Bureaubeamten von Rechtsanwälten uni> Notaren in di:r Provinz Ober­hessen. Als Referenten waren die Buretauvorsteher Lothe- Wiesbaden und Schumm-Mainz erschienen. Die Versamm­lung beschloß einstimmig die Gründung eines Ortsvereins mit dem Sitze in Gießen, zu welchem Zwecke sämtliche Anwesende ihren Beitritt zum Verband deutscher Rechts­anwalts- und Notariats-Bureaubeamten erklärten. Bis zur Konstituierung des Ortsvereins und der Wahl eines Vor- tandes wurde der Bureauvorsteher Rühl-Gießen mit der Führung der Geschäfte betraut

r. Gr 0 ßen-Buseck, 22. Juni. Güstern abend zwi- chen 11 und 12 Uhr wurde der Landwirt Justus Hofmann von hier auf dem Nachhausewege von der Wirtschaft des Gastwirts Stephan überfallen und derartig zugerichtet, daß er in Lebensgefahr schwebt. Man ist den Tätern aus der Spur.

(!) Leihgestern, 21. Juni. Der Turnv erein eierte heute sein 10. Stiftungsfest, verbunden mit Fahnen­weihe. Vormittags von 8 Uhr ab fand Wettturnen der hiesigen Turner statt. Mittags trafen etwa acht benach­barte Vereine ein. Nachdem der Gesangverein das Weihelied vorgetragen hatte, überreichten die Festdamen die neue Irachwolle Fahne, welche auf der Mitte das Bildnis des Turnvaters Jahn zeigt. Nach dem Weihealt fanden Stab­übungen, Schau- und Kürturnen statt. Abends wurden noch Pyraniideii aufgestellt und an sieben hiesige Turner Preise verteilt.

§ Stangenrod, 20. Juni. Für unsere Gemeinde ist nun ebenfalls das neue Grundbuch im Sinne des Reichs- Jmmobiliarsachenrechts angelegt. Es ist das die vierte Ge­markung im Amtsgerichtsbezirk Grünberg, welche unter die Herrschaft des neuen Grundbuchfystems getreten ist.

-0- Lich, 21. Juni. Wie nur bereits m.itteilten, wird das goldene Jubiläum des Lehrers Jäger am 3. Juli gefeiert werden. Die Feier beginnt vormittags 10 Uhr mit Gottesdienst, dem die Ueberreiajung her Geschenke und ein gemeinschaftliches Mittagessen folgt.

§ Bu tzb ach, 21. Junc. Der Eisend ahnbeam- ten-Verein von hier und Umgegend unternahm heute, einen Familienausslug nach Wetzlar. Anläßlich des heutigen F e l d b e r,g f e st e s wurden gestern abend hier und in mehreren Nachbarorten auf verschiedenen Stellen größere Freuden feuer abgebrannt. Von hier betei­ligten sich ca. 70 Personen an der Turnsahi7t nach dem Feldberge.

§ Okarben, 21. Juni. Zu Ehren den 1866 und 1870/71 von hier ausmarschierten Kämpfer shat unser Krieger- und Militärverein eine große Ged en ktafel aus Marmor errichten lassen, welche nächsten Sonnbag feierlich enthüllt werden soll.

Darmstadt, 20. Juni. Das Amtsbla.tck Gr oßh. Ministeriums der Justiz Nr. 15 vom 6. Juni d. I. enthält ein Aus sch reib en an sämtliche Justizbehörden, ins­besondere die Großherzoglichen Gerichtsvollzieher, betr. den Ansatz der Gebühren und Auslagen der Gerichtsvollzieher.

Frankfurt a. M, 22. Juni. Dem 2. Nass. Feld- Artillerie-Regiment Nr. 63Frankfurt" wurde Hon 12 der ersten Frankfurter Familien ein kostbarer silbewner Tafel­aufsatz geschenkt und dem Ofsizierkorps im s^ause des Handelstammerpräsidenten Kommerzienrat Andv:eae-Passa- vcmt überreicht. Ander Feier nahm auch der Ober Präsident Graf Zedlitz-Trützschler teil.

C r 0 n b e r g, 21. Juni. Der Zudrang zum' heutigen 50. F e l d b e r ig f e st war ganz bedeutend. Sichon die gestrigen Nachmittags-, aber besonders die Übendzüge brachten eine Menge Turner aus nah und fern, die teils hier übernachteten oder direkt zum Feldberg manbejrten.. Infolgedessen herrschte während der ganzen Nacht hier leb­haftes Treiben, das sich bis heute vormittag fortsetzte. Während der Nacht war Regen gefallen, und Me Gipfel des Taunus umhüllte am Morgen dichter Nebel. Das auf 7 Uhr festgesetzte volkstümliche Wettturnen wurde: deshalb auf 11 Uhr verschoben, konnte aber auch dann nippt wegen des starken Nebels seinen Anfang nehmen. Der Ausschuß beschloß hierauf, das Feldbergfest aus den 2 3. August zu verschieben.

Homburg, 22. Juni. Heute mittag wurde in An­wesenheit des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, des Oberhofmarschalls Grafen Mirbach, des kommandierenden Generals v. Lindequift und zahlreicher Geistlicher aus der Umgebung der Grundstein zur eo an» gelischenErlöserkirche in Homburg gelegt. Prinz Friedrich Karl von Hessen vollzog im Namen des Kaisers die drei üblichen Hammerschläge.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Wetzlar äußerte bei der. Besich­tigung des Domes Kultusminister S t u d t, daß i.m Ein­verständnis mit dem preuß. Finanzminister auf Bewillig­ung einer Lotterie zu Gunsten der Ausarbeitungen am Dom zu rechnen sei. In Offenbach sind in der Ludwig- straße Portemonnaies, Etuis re. im Werte von 1500 Mk. gestohlen worden. Die Enthüllung des D a r m ft ä b te r Goethe-Denkmals wird Dienstag, 30. Juni, stattfinden. In Mainz wird am Sonntag, 5. Juli, die neue protestan­tische Christuskirche, an der Kaiserstraße gelegen, eingeweiht. Dabei findet ein Festessen in der Stadthalle statt. In den Schloßanlagen zu Marburg schoß ein Unbekannter auf den dort spazierengehenden Schneider Kipp. Die Kugel drang demselben in den Unterleib. Der Verletzte wurde in die Klinik gebracht.

Deutsches Derby und Laudstallmeister.

Aus Berlin schreibt man uns unterm 22. Juni:

Der Verlauf des gestrigenDeutschen Derby/" in Ham­burg hat sich die Ue b e rl e g e n h e i t der ö st r e i ch i s ch e n Rennpferdezucht über die deutsche wiederum erwiesen. Der 100000 Mark-Preis, zu dessen Erlangung das preußische Staatsgestüt die größten Anstrengungen gemacht hatte, ist, wie im vorigen Jahre, von einem östreichischen Pferde leicht gewonnen worden. Der Vorgang ereignete sich vor den Äugen Kai serWil Helms und des preußischen Land­stallmeisters Gras Lehn darf; das in Sportkreisen zirku­lierende Gerücht, der Kaiser habe sich über den Ans gang des Derby in ziemlich kritisch en'Worten zum Grasen Lehndors geäußert, klingt also nicht unwahrscheinlich. Das abweisende Urteil, das bisher im preußischen Landtag über die züchterische Tätigkeit des Landstallmeisters laut ge­worden ist, hat dessen Stellung nicht zu erschüttern ver­mocht. Möglicherweise wird dies aber eine Wirkung des Hamburger Derby sein, des ersten, dem Kaiser Wilhelm beiwohnte und, seiner Gepflogenheit bei sportlichen Ver­anstaltungen gemäß, gespannteste Aufmerksamkeit zu­wendete.

Gewerkschaft Gießener Brannsteinwerke

In der am Samslag im Hotel Großherzog von vessen ftattgehablen konstilutionärcn Versammlung derGießener Bergwertsgeselljchaft mit beschr. Haftung" wurde bas von dem Vorsitzenden der Fernle- Gewcrkschaft vorgetragene Statut genehmigt und die Gesellschaft gegründet. In den Aufsichtsrat wurden gewählt: Hauptmann a. D. Deltus-Düsseldors, Kaufmann Joh. Heinrich Koeppern'Hagcn (Wests.), Kaufmann Adolph Kempken-Wickrath, Bankier M. David- Bonn, Rechtsanwalt Reh-Alsfeld, Rechtsamvalt Ludw. Leun-Gießen, Bankier Jakob Grünewald-Gießen. Tas Stammkapital der Gesell­schaft beträgt Mk. 600 000, die Nachschnßpflicht bestehl in gleicher

Aer IreSer-Schrnidt vor Gericht.

Cassel, .22. Juni.

Erster Verhandlungstag.

Zu der heute vor dem Schwurgericht begonnenen Ver­handlung war der Eintritt in den Zuschauerraum nur durch Karten möglich. Um 9 Uhr erschien aus der Untersuchungs­haft der Angeklagte Schmidt. Der Vorsitzende begann mit der Mitteilung, daß die Verhandlungen etwa 14 Tage in Anspruch nehmen dürften.

Vor Verlesung des Eröffnungsbeschlusses beantragte der Verteidiger Justizrat Seüel, das Strafverfahren, soweit es die Anklage wegen Betrugs betrifft, zurzeit für unstatt­haft zu erklären und das Verfahren insoweit ein^u- stellen. Nach dem Vertrage vom 21. Juni 1845 dürfe wegen des Vergehens des Betrugs nicht ausgeliefert werden. Staatsanwultschastsrat Montell bittet, den Antrag des Aer- teidigers abzulehnen, denn hier müsse nach deutschem Recht gerichtet werden. Die Entscheidung des französischen Kafsa- tionshofes und das Gutachten des Advokaten interessiere hier nicht. Hier könne man nur nach den Bestimmungen des Reichsgerichts verfahren. Letzteres habe entschieden, daß über Auslieferung nur die betreffende Regierung zu befinden und zu verhandeln habe. Der Gerichtshof ver­kündete noch längerer Zeit die Ablehnung des Antrags des Verteidigers, sodaß also die Verhandlung auch wegen

Platze vor dem Saale blieb die Menge angesammelt stehen, trotz aller Aufforderungen der Polizeibeamten, welche in schonendster Weise vorgingen. Die Zahl der Aufrührer wurde immer größer, welche johlend Hochrufe auf Korf an ty aus­brachten. Als gegen 10 Uhr ein Arbeiter, welcher belei­digende Worte gegen die Beamten aus stieß, von diesen ver­haftet wurde, suchte die Menge ihn zu befreien, woraus die Polizei blank zog und gegen die Lind ringenden vorging. Die Feuerwehr brachte inzwischen zwei bespannte Spritzen heran. Kaum hatte sie den Strahl auf die Menge gerichtet, als diese sich der Spritzen bemächtigte und auf die Be­amten und die Feuerwehrleute losspritzte. Darauf zerschnitt sie die Schläuche, zertrüm- mertedie Spritzen und fuhr dieselben in einen Hütten­teich. Die Beamten wurden mit Erbstücken be - toorfen, sodaß fast keiner unversehrt blieb. Der Branddirektor wurde zu Boden geworfen und mit Füßen getreten; er liegt krank darnieder. Geführt von 30 bis 40 halbwüchsigen Burschen zog dann die auf etwa 3000 Personen angewachsene Menge vor das Hüttengasthaus, wo der Bürgerverein sein Stiftungsfest feierte. Gegen das Haus wurde ein Bombardement eröffnet; kein Fenster blieb ganz. Kinder und Weiber schleppten Vorräte von Steinen heran. Die Aufforderung: Nun zum Pfarrhause" wurde jubelnd begrüßt. Nach­dem sämtliche Scheiben zertrümmert waren, erbrach die Menge das Lor zum hinteren Eingänge und schleuderte große Bretter gegen das Haus. Dann drang man ins Innere und demolierte alles. Der Pfarrer selbst war in die Kirche geflüchtet. Von der Pfarrei ging es die Hütten­straße entlang zum Gemeindehaus. Unterwegs wurden alle Fensterscheiben der Villa des Kommerzienrats Firner ein­geschlagen. Am Hüttenamt stellten sich Beamte der Menge entgegen, ungeachtet des dichten Steinhagels. Inzwischen waren noch einige Gendarmen aus Kattowitz eingetroffen. Als die Menge den Toreingang der Laurahütte zertrüm­merte, gebrauchte die Gendarmerie die Schußwaffe. Es folgten hintereinander zehn Schuß. Einer der Haupträdels­führer, ein Kesselschmied, wurde getötet, über 30 Personen erhielten Schuß-, Hieb- und Stichwunden. Jetzt ging hie Menge langsam auseinander. Aus Beuthen roar eine halbe Kompagnie eingetroffen, die aber nicht mehr in Tätigkeit trat. Vorläufig sind erst zwei Haupttäter ver­haftet. Landrat v. Gerlach ordnete, nachdem er die Trümmerstätten besichtigt hatte, die Schließung sämtlicher Gast- und Schankwirtschaften in Laurahütte an und verbot die für heute, Dienstag, anberaumte Zentrumsversamrn- lung, um weiteren Ruhestörungen vorzubeugen.

Aus Stadt und Kani».

Gießen, den 23. Juni 1903.

** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben geruht, dem Gardisten G u n d e r im 1. Großh. Jnfanterie- (Leibgarde-)Regiment Nr. 115 die Rettungsmedaille zu verleihen.

** Tagesordnung für d i e Sitzung der Stadtverordnetenversammlung Freitag, den 26. Juni 1903, nachmittags 4 Uhr. 1. Baugesuch des Hrch. Arnold II. für die Marttstraße; hier: Dispens. 2. Bau­gesuch von Stein und Meyer für die Walltorstraße. 3. Bau­gesuch des Heinrich Launspach für die Alieestraße; hier: Dispens. 4. Geländeaustauscb am Riegelpfad; hier: Tausch­vertrag zwischen der Stadt und Heinrich Winn. 5. Bau­gesuch des tz. Schassstaedt für die Ostanlage; hier: Ge­ländeaustausch. 6. Beschaffung von Fußbodenöl für das Rechnungsjahr 1903/04. 7. Verpachtung einer Sandgrube im Gießener Stadtwald an Heinrich Keßler von Annerod. 8. Verpachtung der Sandgrube an der Rödgerstraße an Heinrich Gans IX. von Großen-Buseck. 9. Das Friedrich Heßsche Erbbegräbnis auf dem hiesigen Friedhof. 10. Be­setzung einer Lehr er stelle (Präsentationsstelle) an der Volks­schule zu Gießen. 11. Gesuch der Lehrer an der Stadt- fnaben)djute um Erhöhung der Vergütung für Leitung des Knabenhortes. 12. Gehaltsverhältnisse der Lehrer semina­ristischer Bildung an den höheren Lehranstalten. 13. Haupt- voranschlag des Realgymnasiums und der Oberrealschule für 1904. 13. Anschaffung von stählernen Kletterstangen für Die Turnhalle der Stadtknabenschule. 15. Erlaß einer Vieh- marktordnung. 16 Beschaffung eines Krankenstalles für Ge­flügel. 17. Landlvirtschaftliche Ausstellung von 1903- hier: Preise der Stadt Gießen. 18. Gesuch des Robert Lucken­wald um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetriebe im Hofe des Grundstücks Seltersweg 31 (Perleo). 19. Desgleichen des Friedrich Venz dahier zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Burgraben 9 (Cafe Ebel).

** Musikalische Aufführung. Die in dem Musikinstitut von Fräulein Minna Körner am Sonntag stattgehabte Aufführung ist, wie man uns schreibt, in schönster Weise verlaufen. Die Mitwirkenden waren, wie wir bereits früher schon mittcUten, Schüler und Schüler­innen, die sich schon längere Zeit In dem Institut befinden und deren Leistungen man tatsächlich als fast abgeschlossen bezeichnen darf. Die Hörer waren namentlich durch die Duos und Trios ganz besonders beftiedigt, und der hierbei gespendete Beifall galt nicht nur den Schülern, son­dern auch den millvirkenden jungen Musikern, Herrn Zack (Violine), Herrn £> e r r m a n n (Cello), die ihren Port mit Gew and heil und Geschmack lösten. Alle Anwesenden waren darüber einig, daß die Aufführung ein beredtes Zeugnis von der ausgezeichneten Lehrtätigkeit des Fräulein Minna Körner abgelegt hat.

** Vereinigung der Rechtsanwalts- und Notariats-Bureaubeamten Oberhessens. Arn

Oest. Kredit....

Deutsche Bank

Darmstädter Bank Bochumer Guß .

Harpener Bergbau

Schluß-Tender

Betrugs vor sich geht. Nunmehr wird der Eröffnung-- beschluß verlesen. Der Angeklagte erklärt, daß er sich in vollem Umfange für nicht schuldig halte. Er gibt sodann ein Bild der Gründungsgeschichte der Trebergesell- schäft. Sein Gehalt als Direktor war von 5000 Mt. auf 7000 und zuletzt auf 24 000 Mk. gestiegen. In seiner Kohlen­handlung, die er noch nebenbei betrieb, habe er einen jähr­lichen Verdienst von 4050 000 Mk. gehabt. Seine ge­samten Privateinkünfte hätten 5060000 Mk. betragen. Daneben bezog er an Tantieme in den letzten Jahren 7i/2 Prozent der Gewinne. Ter Angeklagte ging sodann auf das Bergmann-Verfahren näher ein. <>m Anfang des Jahres 1895 wurden mit dem Verfahren mehrfach Versuche gemacht, darauf int Frühjahr das Patent angefauft. Er hoffte, daß damit die Trebergesellschaft in der Holzverkohlung die führende Rolle erreichen werde. Unter diesem Gesichtspunkte seien auch alle weiteren Unternehmungen zu verstehen. Er wollte einen Ring von Werken bilden, die den ganzen Erdball umfpannten. Bei allen Gründungen von Tochtergesellschaften habe er dadurch Vorteile heranzuholen gesucht, daß er diesen die Patente und Licenzen zu sehr hohen Summen, sowie die maschinellen Einrichtungen ver­kaufte. Alle Gründungen seien durchaus ordnungsmäßig vor sich gegangen. Schmidt erklärte weiter, daß er bei allen Handlungen nur von dem Interesse der Trebergesell­schaft geleitet worden sei, so auch bei seinem Eingreifen in die Kursbestimmung an der Berliner Börse durch An­käufe. Er wollte fixeren Leuten, die nur Differenzgewinne machen wollten, das Handwerk legen. Das habe er gründ­lich besorgt. Er sei auch der Meinung, daß das Geschäft der 22 Millionenzession mit der Leipziger Bank den Aktio­nären und der Gesellschaft später Vorteil gebracht haben würde, (gefragt, warum er in der Nacht vom 3. zum 4. Juli gefluchtet sei, bemerkt Schmidt, er habe das Schreck­liche kommen sehen und nicht mehr ertragen können, es noch weiter zu schauen. Die Trebergesellschaft sei deshalb zu Grunde gegangen, weil die Leipziger Bank kein Geld mehr geben wollte. Wenn sie sich noch drei bis sechs Monate hätte halten fönnen, glaube er bestimmt, daß seine Ideen sich zum Siege verholfen haben würden unb die von ihm erhofften Gewinne gemacht worden wären.

Verulischles.

* Berlin, 22. Juni. Ter 24jährige Arbeiter Max Grahl hat in der vergangenen Nacht wegen verschmähter Liebe die 22jährige Näherin Johanna Naß durch Messer­stiche schwer verletzt und sich darauf selbst bedeutende Ver­letzungen beigebracht.

* B r e st, 22. Juni. Bei Joretsall sank eine Meile von der Küste ein Fischerboot, wobei drei Fischer er­tranken. Ihre Leichen konnten bisher noch nicht ge­borgen werden.

* Bu d ape st, 22. Juni. In Erlau wurde eine Fals ch- münzer b aride aufgehoben, welche sich mit der Fabri­kation von falschen Kronen-Noten befaßte. Tie vorgefun­denen Falsifikate hoben eine .Höhe von 200000 Kronen. Der Wechselstuben-Jnhaber Beree wurde als Haupt der Bande verhaftet. Weitere Verhaftungen stehen bevor.

* Belgrad, 22. Juni. Gestern ging ein Wolken­bruch über dem Dorfe Denom bei Jnajazevac nieder. 54 Häuser stürzten ein, 34 Personen sind umge­kommen. Der Schaden wird auf eine Million Dinar geschätzt. _______________

Kunst und Wissenschaft.

Berlin, 20. Juni. Der Bundesral har in seiner letzten Sitzung, entsprechend einem Reichstagsbeschluß, mehrere Gesuche um ein strafrechtliches Verbot medizinischer Ein­griffe an Menschen zu anderen als diagnostischen, Heil- und Jmmunisierungszwecken, als insbesondere zu wissenschaftlichen Ver­suchen, dem Reichskanzler zur Erwägung überwiesen. Indessen bedeiltet die Ueberweisnng keineswegs eine Billigung dieses Ver­langens. In Biindesratskreisen war man vielmehr der Ansicht, daß dre and Anlaß der bekannten Fälle des Breslauer Professors 9!ersser und des Tr. Stubell getroffenen Anordnungen des preuß­ischen Kullusministers und anderer deutscher Unterrichlsverwatt- llngen vollständig ausreichten, um ähnliche wissenschaftliche AicS- schreitnngen in Zukunft zu verhüten.

Brunsbüttel, 22.Juni. Die neue Station für draht­los e T e l e g r a p h i e in Brunsbüttelkoog wurde jetzt mit dem neu kombinierten System Slaby-Arco-Braun-Siemens ausaestattet. Ursprünglich war die Station für das System Braun-Siemens bestimmt, toic tauschte in den letzten Tagen erfolgreich telegraphische Nachrichten mit derHohenzollern", Helgoland, Cuxhaven und Hamburg aus und wird in nächster Zeil eine Verständigung mit dein Feuerschiff ausnehmen und allinählich den gesamten wellen- telegrapbischen Verkehr mit den Stationen am Nordostseekanal und mit den diesen passierenden Kriegsschiffen auirechl erhallen.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliner Börse vom 22. Juni 1903.

(Mitgeteilt von der Bank für Haiidel und Industrie, ^Gießen.)

Die neiie Börseiiivoche eröffnete in derselben lustlosen Stimmung, in welcher die vergangene endete. Nennenswerte Anregungen lagen voll keiner Seite vor, imb über allzu belangreiche Ordres Hörle man auch nirgends klagen, so daß der Verkehr^sich im allgemeinen ohne wesentliche Abwechseluiig hinschleppte. Für Canada Shares lagen bessere Newyorker Indikationen vor; man setzte bereits in üemlich guter Stimmung sür dieses Effekt ein und blieb nach kleinen Schwankungen auf dem ungefähren Anfaugskurse. Gegen Börsen- schluß erfuhren Schiffahrtsaktien einen schärferen Rückgang infolge der ungeklärten Slluation des Schiffahrtstrustes. Der Kassamarkt zeigte bei geringen Umsätzen gute Disposition.

Privat-DlSkont 3 7« Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.