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Donnerstag 23. April 1903
153. Jahrgang
Zweites Blatt.
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GiehenerAnzeigerW
General-Anzeiger v
v den polU. und adflfm.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen MM
5>U heutige Kummer umsaht 10 Seiten.
ynlitifrije Tagesschau.
Die Rechte gegen den Reichskanzler.
Die konseroatwe Presse scheint den Zeitpunkt für gekommen zu erachten zu einem Vorstoß gegen die Grasen Bülow und Posadoroski wegen der gestrigen Annahme der Abänderung des Wahlreglements. Die »Poff schreibt:
Tic Regierung roirb aus dem leibenschaftlichen Liier, welchen dadet Lojialdeinokraien, Welsen und ausgesprochene Freihändler enlivickell baden, erkennen müssen, roefien Geschäfte sie mit ihrem Vorgeben gemacht hat. Wenn letzt die bevorstehenden Reichstags- wahlen in manchen Fällen nicht nad) den Wünschen der Regierung ausiaUen, wenn insbesondere die sozialdemokratische Fraktion eine erschreckeiide Zunahme und die Zahl der sozialdeniokratischen Wahl- stlinincn einen erheblichen Zuwachs erfährt, so wird sich die Negie- riing das selbst m erster Lime znzuschrelben haben, und zwar lediglich deshalb, weil sie ihre Stellung zu der Frage der Einführung von WahlkonvertS in einem solchen Moment und unter solchen begleitenden Umständen plötzlich geändert hat, bay ihr Borgehen als eine Konzession an d»e Cozialdeniokraten erscheinen muyie. Gerade in der Frage der Stellung gegenüber den Sozialdemokraten ist aber jedes Schwanken, jede Konzession, ja nur bet odjein emer Konzession von größtem liebet Tamil suhrt man einer Bewegung, welche sich am letzten Ende gegen die'Monarchie und den Bestand des Teutschen Reiches richtet, lediglich neue Kräfte zu.
Roch geschmackvoller als die »Post" benimmt sich der »RcichödotcV Er spricht von einer »Klofett begei sterun g* und .schlauen ReichStagSmehrheif und witzelt über die vorn Reichstage angenommene Resolution zur Anbringung von verschließbaren Deckeln an der Wahlurne als einen Antrag auf Einführung von ,K l o s ett d e ckel n^.
ReichS-Wohlluagsresorm.
Der Verein Reichs-Wvhnungsgefetz versendet seinen fünften Jahresbericht, der mit einer interessanten Uebersicht iltec den gegenwärtigen Stand und die Ergebnisse der Bewegung für ReichS-Wohnungsreform beginnt. Es wird darin zunächst festgestettl, daß die Bestrebungen, eine große Wohnungsreform durch bad Reich herdeizusühren, im Be- richis^ahre einen guten Fortgang genommen haben. AlS vra kl sicher Anfang einer Bodenpolitik des Reiches wird b^e Lalsache bezeichnet, daß von den im Vorjahre bewilligten 4 Millionen Mark aus Reichömitteln 4U0 0J0 Mk. zur Erwerbung von Baugelände verwendet worden sind, das an verschiedene Bauvereine in Erbbaurecht vergeben wurde. Ter Bericht kommt bann weiter auf die vor zwei Jahren von der Regierung abgegebene Erklärung zurück, ,chag die Wohnungsfrage nur von den Einzelstaaten erfolgreich gelöst werden könne", und bemerkt dazu, daß im Gegensatz zu dieser Erklärung die Gewalt der llmftänbc doch einen An- lay nach dem andern zu einem umfassenden Eingreifen des Reiches im Sinne des Vereins hcrbeisühre. Ium Schluß wird bann bie Einsetzung einer üieichskommission zur Regelung ber Aohnungs- und Ansiedelunassrage gefordert Ter Geschäftsführer hat im Auftrage des Vereins em großes zusammensassendes Resormprvgramm für die Wohnungs- und Ansiedelungsfrage entworfen, das in dem Januar» Fcbruarhcst von Brauns Archiv für soziale Gesetzgebung und Ltaiistik oerössentlicht ist Endlich wird die Einberufung eines Deutschen Wohnungskvngresses für 1904 geplant Die Milgliederzahl des Vereins beträgt 745.
Der Zeoiralverballd Teutjcher Zigarren- und Tabak Ladeaivhaber dem über 4U Ortsgruppen in allen Teilen Deutschlands angehören, hält, wie nunmehr festgesetzt ist, seinen diesjährigen Berbandstag in ber Woche vom 21. bis 27. Juni in Köln a. Rh. ob. Mit bem Kongreß wird auch dieses Mal wieder eine Fachausstellung verbunden sein, zu der
die Vorarbeiten bereits von ber Kölner Ortsgruppe eingeleitet finb. Für bie TageSorbnung liegen schon einige Anträge vor, so soll k B. dahin gestrebt werden, daß bezüglich ber Ladenschlußzeit den Zigarrendändlern, bie sich burch ben in den Abendstunden vor sich gehenden Verkauf von Tabaksabrikaten in Gastwirtschaften gescl-ädigt fühlen, von feiten der Behörden bezw. durch Gesetz eine Ausnahmestellung zugebilligt wird. Auch mit der Labak- Trust-Gefahr, bie in letzterer Zeit Gegenstand der Beratung aller Ortsgruppen war, wird sich Der Berbandstag sehr eingehend befajfen. Zu bem Kongreß werden ber aus Fabrikanten bestehende Deutsche Tabutuerein und der Verband Dresdener Zigarettenfabriken Delegierte entsenden; schon feit längerer Zeit besteht in ben Kreisen aller Tabak- interefsciiten die Absicht, in gemeinsamen Angelegenheiten auch geschloffen vorzugehen.
WaS geht in Sachsen vor?
Man schreibt dem Hannov. Eour.:
ES muß schon weit gediehen sein mit der Mißstimmung, die sich weiter Kreise der sächsischen Bevölkerung und namentlich der Einwohnerschaft Dresdens bemächtigt hat, wenn ein so ernstes, jeder Sensationsmache abgeneigtes Blatt wie bie »Dr. Rachr.*, neben bem »Vaterland* das führende Organ der konservativen Partei, schreibt, eS hieße die Augen absichtlich vor offenkundigen Tatsachen, auf die man bei jedem Schritt stoße, verschließen, wenn man diese Miß- flimmung (zunächst ber Dresdner Bevölkerung) leugnen wolle, lieber die Ursachen dieser bemerkenswerten Erscheinung heißt eS bann, nachdem der gedrückten Lage der allgemeinen Er- werbsoerhällmsse, der verfahrenen Finanzen ic. gedacht ist, weiter:
»Besonders ober ist die Gemütsstimmung weiter Schichten in letzter Zen bedruckt morden durch die nachhalligen Vesiuche offiziöser Kreise, auf die EmpfindungSäußeiimg der Dresdner Einivohner- schaft bestimmend emzuivu-ten (beun bevorstehenden Empfang des Königs. Tie Red.). Es muß ausgesprochen iverden, daß mit den gedachten Maßnahmen ein nichts weniger als glücklicher Weg betreten morden ist, selbst wenn man zunächst auf einen äußeren Erfolg Hinweisen kann. Diese Auffassung reicht weit in die Kreife der Bevölkerung hinein, deren staalserhallende, nationale und monarchische Gesinnung über allen Zweifel erhaben ift ES liegt hier ein <1)11 6g riff vor, der alS Gewissenszwang empfunden wird.
Schließlich fordert das Blatt eine Aussprache zwischen Oberbürgermeister und Stabtoerordnetenkollegium über die Stimmung in Dresden. Daß Mißmut und Unlust zur Teilnahme am politischen Leben aber nicht dioS in der Residenz Sachsens, sondern im ganzen Lande sich bemerkbar machen, das dokumentiert, abgesehen von einer Dresdener Zuschrift an die Berliner »Nationalztg.*, ein »Gott sei mit dir, mein Sachsenland 1* Überschriebener Artikel der »TreSd. 9L N.*, der u. A. ebenfalls die schlimme Finanzlage, »die unerquirf- lichen Vorkommnisse ber letzten Zett' für die »Gewitter- schwüle* und den »erschreckenden politischen JndifferentiSmuS* verantwortlich macht. Daß tatsächlich bie besten Kreise SachscnS den Geschmack am öffentlichen Leben zu verlieren beginnen, zeigt deutlich der notorische Kandidatenmangel bei ben Vorbereitungen für die ReichStagS- wählen.
Alfred DreyfuS hat cm den französischen Kriegsmi irisier einen Brief geratet, worin er um eine neue Untersuchung feiner Angelegenheit bittet. Tas Schreiben, bas im Pariser „Ternps" zwei volle Spalten umfaßt, zerfällt in brei Teile. Ter erste Teil beschäftigt sich mit bem Bordereau, bas vorn beutschen Kaiser mit einer Anmerkung versehen fein soll. Tas Sknhanhcnfein dieses Schriftstücks, sagt Treyfus, sei zwar schon früher behauptet warben; aber
erst der Bries Ferlet be Bourbonnes an Jaurös habe die Existenz der gefälschten Kaifernote enbgiltig nachgv- wiesen. Ter zweite Teil des Schreibens Dreyfu- bespricht die Zeugenaussage Ceruuschis in RenneS, deren Falschheit nunmehr unbestritten sei. DreysuS zieht dabei auch bie vorn Brüsseler „Petit Bleu" gebrachte Unterredung mit dem Spion Wessel heran. Jin brüten Teil schilbert DreysuS sein Leben seit 18Ö4 unb bie Enttäuschung, bie ihm 1899 daS Urteil von Rennes gebracht hat, und gelangt zu nachstehen- bem Schlüsse: „Seit diesem Urteil habe ich unablässig an bie gesetzmäßige Revision meines Prozesses gebucht und all- rnähuch alle Deweiselemente gesammelt, dabei die Vcr- leumbungen und Lügen verachtend mtd Stillschweigen übend in der sicheren Erivartung, daß die Gerechtigkeit eines TogeB triumphieren werde. Ein Opfer von verbrecherischen Alachenschasten unb Gesetzesverletzungen, die zweimal mir gegenüber begangen wurden, wende ich mich vertrauensvoll an das Oberhaupt der militärischen Gerichtsbarkeit. Indem ich mich auf die neue Tatsach e stütze, die durch Herrn Ferlet de Bourbonne an den Tag gekommen ist, das enb- a erwiesene Vorhandensein einer angeblichen Runding des deutschen Kaisers auf bem jog. Bordereau, bitte ich Sie, Herr Minister, eine neue Untersuchung an- orbnen zu wollen, erstens über ben Gebrauch der beim Prozeß in Rennes von bem gefälschten Schriftstück gemacht worden ist, und über bie Wirkung, bie dieses Schriftstück auf das Urteil des Kriegsgerichts in Rennes vom 9. Dezember 1899 hervorgebracht hat, unb zweitens über den lügnerischen unb betrügerischen Charakter beS Zeu-nisseS> Eernuschis im selben Prozesse."
Beantwortete Liebenswürdigkeit.
Eine verbreitete Pariser Zeitung bringt anläßlich ber Begrüßung Loubels durch baß amerikanische Geschwader einen Schmähart ikel gegen Deutschland, betitelt .Der SchmeichlerE — „Le Cajoleur*, in welchem die »wechselnden Liebenswürdigkeiten und Umwerbungen seitens des Deutschen Kaisers an die Adresse der Buren, der Engländer, der Amerikaner rc. verspottet werden, und der anknüpfend an die tendenziös verdrehten und auf- gebaufchten neuesten GrenzoerletzungS- und VerhaftungS- gefchichten schließt: »Und bann? Looelac roirb feinem Schnurrbart einen Eisenstrich geben, eine neue Gelegenheit sinben, ein niedliches Billet an Marianne zu schreiben und wieder daran gehen, alle diejenigen zu kajolieren, die er nicht sofort und sicher in einer Ecke vergewaltigen kann.* DaS ist so eine Probe der Antworten, die wir von französischer Seite immer wieder auf unsere fortgesetzten Liebenswürdigkeiten erhalten. Es ist überall daS Gleiche, in Frankreich wie in England, wie in Amerika; trotz aller vortrefflichen Beziehungen, welche von Regierung zu Regierung bestehen, kommt doch in der Presse ein solches Blaß von Gehässigkeit und Feindseligkeit gegen Deutschland zum Ausdruck, daß alle über daS Erfordernis der Aufrechterhaltung korrekter offizieller Beziehungen hinauSgehenden deutschen Liebenswürdigkeiten den Emdruck des Rach laufens machen müssen.
Kcutsches Reich.
Berlin, 22. April. Wie aus Eisenacü berichtet wirb, traf ber Kaiser mittelst Sonderzuges yeute nachmittag bort ein unb fuhr mit bem Großherzog nach ber Wartburg.
— Die jüngste Schwester unseres Kaisers, Prinzessin Margarete von Preußen, bie seit zehn Jahren mit bem Prinzen Friebrich Karl von Hessen lauS ber lanbgräflichen Linie) verheiratet ist, vollendete heute ihr 31. Lebensjahr. Der Wohnsitz bes Prinzenpaares ist, sowett
Fcllillcton. -
Darmstadt, 22. April. Am nächsten Sonntag gedenkt ber Richard Wagne r-Verein eine Totenfeier für ben Komponisten Hugo Wolf zu veranstalten, deren Mittelpunkt bie vom Privatbozenten Dr. W. Nagel übernommene Gedächtnisrede bilden roirb. Es darf daran erinnert werden, baß ber verstorbene berühmte Tondichter seinerzeit in persönliche Beziehungen zu unserer Stobt getreten ist, unb baß ber Richard-Wagner Verein es war, ber als einer ber ersten in Deutschland burch Veranstaltung eines „Hugo Wolf-Abends" auf ben großen Toten aufmerksam gemacht hat. Die Feier, bei ber ferner Konzensänger H. Reinhardt unb Musikdirektor Richard Senfs oon hier Mitwirken werden, findet am 26. d. M. in der Aula der Großh. Technischen Hochschule statt. — Am 4. Mai 1803 wurde in Tarrn stabt ber Maler August Lucas geboren, der nach bem frühen Tob von. Carl F^ohr als vornehmster Vertteter ber giomantik in ber Geschichte ber hessischen Kunst zu gelten hat. Von ben Bildern des Meisters sind viele in einheimischen Privatbesitz übergegangen, unb die Verwaltung des Großh. Museums hat bie Absicht, soweit bas Entgegenkommen der Besitzer es ermöglicht, biefe Werke, Oel- bilber, Hcuidzeichnungen unb Aquarelle mit ihren eigenen Beständen zu einer Ausstellung in ben Räumen der Kunsthalle zu vereinigen.
In Fr an k 'nr t a. M. führte mit kräftigem Erfolg am 19 d- Felix Weingartner als Kapellmeister im Opern- hause seine Trilogie „O reste s" ein. Tie Tarsttllung .des die Kräfte überaus stark anspannenden Werkes war >ehr gediegen; bie besten Frankfurter Opernkräfte darunter ftorc&ammer in ber Titelrolle, Frau Greesj-Anbrtefien als
Klytämnestra, ferner die Damen Hensel-Schweitzer, Kemic, Jager, Weber unb die Herren Breitenfeld, Tijssen, Reich, Pröll u. a., waren aufgeboten unb leisteten im Verein mit ben Chören unb ber Kapelle ihr Bestes. Weingartner warb mit Beifall begrüßt unb mußte mehrere Mal erscheinen Gleichwohl dürste er mit feinem Werke bie Bühne nicht auf längere Dauer erobert haben; dafür ist das fast immer doppelt unterstrichene Pathos feiner Tonsprache, das so häufig an Wagner erinnert, nicht angetan, well es der Wagnerschen Steigerungsfähigkeit ermangelt unb bie ungeheuersten Mittel des Ausdrucks viel zu früh aufbraucht. Doch erweckt der Versuch des genialen Kapellmeisters, mit seiner Musik ben riesenhaften Stofs des aescht)leischen Tra- gödienstoffes zu umfangen, an vielen Stellen Interesse unb ist durchweg von hohem künstlerischem Ernst erfüllt
— Kampf um bas Barmener Theater. AuS Barmen roirb geschrieben: Tie Theaterirage, ^welche feit bem Branbe bes allen Theaters bie Bürgerichatt unb bie Stadtverwaltung bewegte, ist nunmehr als gelö|t zu betrachten, ba die Stadi- verordneten-Versammlung mit 22 gegen 7 Stimmen beschlossen hat, die selbstschuldnerische Bürgschatt siir ein von der Staduhealer- Aktiengeiellschait auszunehmendes, mit 3',, Proz. veninsliches und mit •/, Proz. zu tilgendes Darlehen von 1 Million Mack zu übernehmen. Tie Stadtverordneien wollten ursprünglich einen Bauplatz unb einen Zuschuß bis zu 800 000 Mk. zur Beringung stellen. Es ergab sich aber, daß eine Mehrheit rür einen Platz nicht zu erzielen war; der Teil des Kollegiums, welcher grundjätzlich gegen ein Theater ist, fieUte sich nämlich jedesmal auf bie Seile der Gegner des beireffenden Platzes, der damit siel. Schließlich waren die m Betracht kommenden Plötze nacheinander abgelehnt und die Sache schien uierlo- iverden zu wollen. Em Teil der Alilglieder der Theaier-Aktlengejellicha'k, der ba5 abgebrannte Theater gehörte, halte schon die Liquidation der Gesellschaft beantragt und es sollte am 24. 'April über diesen Antrag beschlossen werden. Ta machte 'der Vorstand noch emen Versuch und stellte den Antrag auf Ueber-
I nähme der Bürgschaft. Nur dadurch, daß sie bie Platzwahl aus ber Hanb gab, konnte bie Stabtoerordneten-Dersammlung aufl ber Sackgasse herauStommen. Nun roirb bie Gesellschaft einen ber abgelegnen Plötze, unb zwar em bebautes Terrain, für 660 000 9JIL ankaufen. Nach ben oon ber Stadmerorbneten-Dersammlung gestellten Bebingungen muß bie Gesellschaft ben Platz sofort aus ben Namen ber Stabt eintragen lassen. Tie zu errichtenden Gebäude werden ebenfalls Eigentum ber Stabt, desgleichen der FunduS, die Bidlwthek unb bas gesamte Zubehör. Die Theater-Aktien- gesellschast erhält bas Recht der Nutznießung des Theater« nebst Zubehör für die Tauer ihres Bestehens. Sie ist verpflichtet, die Gebäude und den Fundus zu unterhalten, ben FunbuS auch zu enpeitem unb bas Ganze angemessen zu versichern äu Gunsten ber Stdöt. Tie Baupläne unb Kostenanschläge sind bet Stabt- Derorbneten-Seriammlung zur Genehmigung zu unterbreiten. Tie Gesellschaft verfügt felbit über 350 000 Alk. unb von bet Bürgerschaft werden voraussichtlich insgesamt 350000 Mack gestiftet. Mit diesen 1 700 000 Alk. roirb bas Theater spielfertig hergestellt werben könneir. , , „
Säuglingssterblichkeit. An ber pcrnb von statistische» Zahlen weift Prof.^Fraenkel <Halle, un »Technischen Gemeinde- blatl" nach, daß das Teulsche Reich in bezug auf Säuglingssterblichkeit andere europäische Staaten in sehr un- erfreulicher Weise übertrifft. Tie Zahl der Todesfälle im ersten Lebensjahre unterliegt jedoch auch innerhalb deS Teutschen Reiches sehr arten Schwankungen. So beträgt sie nach dem Turchschnill dec letzten 10 Iahte tn Aachen 400 von 1000 Geborenen, ui Barmen nur 166. Ten wichtigsten Grund für bie hohe Säuglings Erblichkeit sieht Fraenkel darin, daß zur Ernährung ber Kinder im ersten Lebensjahre unreine, nicht mit ber gehörigen Sorgfalt geivonncae unb aufbewahrte Kuhmilch oerroenbet roirb.
geltllche Verteilung ftenli- sierter Mllct lien in Frankreich unb Rero-Pock
berichtet Hal, stellt er ausiutrlicher ben Verlaus unb die Ergedniffe des Verfuchs dar, den die städtischen Behörden oon Halle im vorigen Jahre mit der Abgabe sterilisiertet Milch an bie unbemittelte Bevölkerung unternommen haben.


