LvrttroUverscnmrckungen hirrgttviesen worden, besonder- hiri- sichtlich der Verlegung bereits angesetzter Kontrollversammlungen. Danach futb in solchen Fällen die in Frage kommenden Leute so früh als möglich von der Verlegung des Termins in Kenntnis zu setzen durch rechtzeitige Bekanntgabe des neuen Termins an die Gemein bevor stände. Wird eine Verlegung des Termins erst kurz vor dem bereits festgelegten Tage erforderlich so sind bre Kvntrollpslich- tigen mittels Postschreibens davon in Kenntnis zu setzen. Durch diese Maßnahme soll dem vorgebeugt werden, daß die Leute den Weg zur Kontrollstätte umsonst zurücklegen, was außer Zeitversäumnis auch einen Verlust am Verdienst nach sich ziehen kann und den Arbeitgeber, namentlich den Laoöwirt, oft in eine schwierige Lage versetzt.
Wahl-Bewegung.
5 W a ldgirmeS, 22. April. In diesen Tagen hielt der deutsch-konservative Verein des Wahlbezirks Wetzlar-Biedenkopf an mehreren benachbarten größeren Orten deS Kreises Wetzlar Wahlversammlungen ab. Der Reichstagskandidat Pfarrer Hectenroth-Altenkcrchen entwickelte darin sein Wahlprogramm. Auch hier stellte sich am Sonntag abend der Pfarrer in zahlreich besuchter Versammlung der Gemeinde vor._________________________________________
Aus tzluöt und Lanö.
Gießen, 23. April 1903.
Empfang bei Hofe. Seine K. H. der Großherzog empfingen am 22. April u. a. den Professor Schott von Bad Nauheim.
— Von der Universität. Unsere Notiz, die Liebig- feier der Universität betreffend, bedarf der Berichtigung und Ergänzung. Ein Festesten findet nicht statt. Bei dem Aktus in der Aula wird Herr Geh. Hofrat Prof. Dr. Naumann die Festrede halten. Nach der akademischen Feier wird am Denkmal Liebigs ein Kranz niedergelegt werden; die Notiz über das Liebigmuseum ist insofern verfrüht, als selbst in den Kreisen, die dem Gedanken näher getreten sind, über die Möglichkeit der Verwirklichung noch starke Zweifel herrschen. Der Plan der Herrichtung des alten Liebigschen Laboratoriums zu diesem Zwecke schwebt zur Zeit völlig in der Luft.
M. Beuern, 21. April. Heute früh zogen unsere Rekruten in zwei Partieen mit zwei Musikkorps durch unfern Ort, bevor sie nach der Bahn gingen; ein Ereignis, das hier noch nicht dagewesen sein dürfte und im Gegensatz steht zu dem gestrigen Tage, der den Beginn des neuen Schu^ jahres brachte uno an dem nur fünf Knaben schulpflichtig wurden.
Q Homberg a. Ohm, 22. April. Der Mühlenbesitzer Wilhelm Metz von der OhäuserMühle stürzte vergangene Nacht in seinen Nlühlgraben und ertrank.
Wetzlar, 22. April. In der letzten Stadtverordneten- Eitzung stand in diesen Tagen wieder der hiesige Gefängnis-Neu- resp. Umbau auf der Tagesordnung. Im vorigen Jahr wellten hier einige Herren aus dem Ministerium, welche einstimmig der Ansicht waren, daß der Zustand des jetzigen GefängnisteS nicht mehr den Anforderungen entspreche. Daher haben die Stadtverordneten berellS am 28. Oktober beschlossen, das zeitweilige GefängniSgebüude zu einem noch näher festzusetzenden Taxpreise für die Stadt zu übernehmen, lehnten aber die weitergehenden Forderungen des Fiskus, zum Neubau noch einen sehr bedeutenden Beitrag zu bewilligen, mll der Begründung ab, daß dies die durch den Bau des LehrersemmarS und des Bezirkskommandos schon stark gespannten Kräfte der Stadt überschrelle. Da nun inzwischen eine weitere ministerielle Verfügung eingegangen ist, worin es heißt, daß demnächst an den Umbau unseres Ge- fängnistes herangetreten werde, so hält auch heute die Vertretung unserer Stadt an ihrem Beschluß vom 28. Oktober v. I. fest, lehnt aber jede weitere Forderung nach wie vor ab.
Frankfurt, 22. April. Allenthalben regen sich jetzt schon fleißige Hände, den Kaiser festlich zu empfangen, der am 3. Juni zu dem Gesangswettstreit in Frankfurt eintreffen wird. Mll fieberhafter Elle wird an dem Rathausneubau geschafft, um wenigstens äußerlich bis zu den Kaisertagen fertig zu werden, da eine Besichtigung dieses großartigen Bauwerks vorgesehen ist. Auch einige große Straßenherstellungen werden mit großer Geschwindigkell erledigt. Der Kaiser war feit 7 Jahren nicht mehr in Frankfurt. — In Gemeinschaft mit den Staatsbehörden, den Handwerkskammern der Provinz, des Verbandes der Erwerbs- und Wirtschaftsgenostenschaften am Mittelrhein und anderen interessierten Vereinen veranstaltet das Institut für Gemeinwohl einen 10- bis 14tägigen Kursus für Handwerkergenossenschaften, der am 27. April in Frankfurt beginnen wird. Besonderer Nachdruck soll auf die praktische Ausbildung gelegt werden.
Frankfurts 22. April. Die städtische Handels- Lehranstalt und die obligatorischen Fortbildungsschulen wurden heute nachmittag durch-einen von etwa 600 Personen besuchten Festakt eröffnet. RegierungS- vertreter war Regierungsrat Seidel-WieSbaden. Ansprachen hielten Bürgermeister Dr. Varrentrapp, Stadtrat Grimm und die Direktoren Neuschäfer und Voigt. Der Unterricht beginnt morgen.
Frankfurt a. M., 22. April. Der preußische Eisen- Lcrhnminister Budde, der dieser Sage auf einer Dienstreise bekaiurtlich hier weilte, hüt bei dieser Gelegenheit die Vorstandsmitglieder des „Allgemeinen Staatseisenbahn- vereins Frankfurt" empfangen. Zunächst dankte er den Herren für ihr Erscheinen und betonte dann speziell gegenüber den Bestrebungen nach einer Organisation der Eisen- bahnarbeiter, daß die „Eisenbahner" bereits eine sehr schöne Massenorganisation in der Lisenbahnverwaltung selbst besaßen. Diese bestehe darin., daß vom Niedrigsten bis zum Höchsten, etwa vom Streckenarbeiter bis zum Minister, als dem „höchsten Arbeitet alle an einem und demselben Strange zögen und einmütig zusammenarbeiteten. Ls sei ihm, wie d,en meisten „Eisenbahnern", sehr wohl bekannt, daß die sogenannten ,LZolksbealü der" immer wieder versuchten, Unzufriedenheit in die Äeihen der „Eisenbahner" zu säen; bis jetzt sei ihnen das aber nicht gelungen, well die „Eisenbahner" in der weitaus größten Anzahl treu und tapfer und dienstfreudig seien und sich nicht so ohne welleres verlocken ließen, den fremden Einflüsterungen zu folgen. Ohne Wunsch fei lein Mensch; auch er selbst nicH.' MQtschemverl sei eben nur Stückwert und Wenschenoepord-
nungen feien nicht vollkommen; aber er, der Minister, fei der erste, der jede Klage in Erwägung ziehe und Abhilfe schaffe, wo es eben möglich fei
Wiesbaden, 22. Llprll. Der König und die Königin von Württemberg sind heute nachmittag gegen 6 Uhr zu etwa achttägigem Aufenthalte hier eingetroffen. Auf dem Bahnhofe waren der Fürst, die Fürstin, der Erbprinz und die Erbprinzeffin zu Wied, sowie Polizeidirektor v. Schenck zur Begrüßung erschienen.
Q Marburg, 22. April. Bei dem Lokomotivschuppen am hiesigen Hauptbahnhofe stürzte heute früh durch falsche Weichenstellung der Tender einer Lokomotive in die Drehscheibe. ES entstand infolge deffen eine bedeutende Störung und die Lokomotive mußte in Gießen rangieren.
□ Biedenkopf, 22. April. Gestern wurde die Dick- mannsche Baubeschlagfabrik bei Laasphe durch ein Großfeuer fast völlig eingeäschert. Auch die Maschinen sind zerstört.
Kassel, 22. April. Die Mordversuchsaffäre Degen ist nunmehr endgiltig aus der Welt geschafft. Das Dienstmädchen Homel, welches den Husarenunteroffizier Degen beschuldigt hatte, sie in die Fulda geworfen zu haben, hat jetzt vor Gericht zu Protokoll gegeben, sie fei infolge eines Schwindelanfalles in den Fluß gestürzt. Das Mädchen hat auf Befragen des Richters versichert, daß sie ihre Erklärung ohne jede Beinfluffung abgebe.
Vermischtes.
• Lanezyn (Bezirk Nadworna), 22. April. Gestern entstand hier ein großes Schadenfeuer, bei dem über 400 Häuser niederbrannten.
• Grodek (Galizien) 22. April. In der Vorstadt Zaszacie wurden in der nächsten Nähe des Bahnhofes 74 Häuser durch Feuersbrunst eingeäschert.
'Bozen, 22. April. Trotz eifriger Nachforschung ist bisher von dem verinißten Berlmer Professor Behrend keine Spur aufgefunden worden.
' Wie man ein Theater gründet. Aus Leipzig wird geschrieben: Welche naive Vorstellungen manche Leute von Theaterunternehmungen haben, zeigte das Konzessionsgesuch einer hiesigen Einwohnerin, über das in der jüngsten Sitzung des KreisauSschuffes verhandelt wurde. Die Gesuchstellerin hatte keinen Pfennig Geld für ihr Unternehmen; die Garderobe für ihre Vorstellungen will sie leihen, als Ausstattung sollen ihre eigenen Möbel und Wäschestücke dienen. AlS Mllglieder der Gesellschaft hat sie zwölf Personen ,engagiert*, von denen nur zwei früher Schauspieler waren, unter den übrigen befanden sich u. a. eine Modistin, eine Schneiderin, ein Buchbindermeister und seine Frau, sowie ein Markthelfer. Unter solchen Umständen wurde das Gesuch vom Kreisausschuß abgelehnt.
* König Eduards Gepäck verloren. Aus Rom wird der .Daily Mall* telegraphiert, daß bei der Ankunft in Syrakus der Kourier des Zfonigs höchst unangenehm durch die Tatsache überrascht wurde, daß das Gepäck des Königs, das er bis Malta zu beaufsichtigen hatte, fehtte. Er stellte Erkundigungen an und man telegraphierte an alle Stationen zwischen Rom und Syrakus. Er erhiett darauf die Nachricht, daß dem Gepäckwagen bei Reggio ein Unfall passiert sei und daß das Gepäck am nächsten Tage nachkommen werde. Der Zug kam auch, aber nicht das Gepäck. Der Kourier händigte darauf die Korrespondenz für den König, die er bei sich trug, an den englischen Konsul aus und dieser reifte sofort nach Malta. Als auch am Samstag Morgen noch keine Nachricht über das Gepäck eingelaufen war, telegraphierte der Kourier nach Malta, und es wurde von dort ein Kriegsschiff nach Syrakus geschickt, um es abzuholen. Alle Nachforschungen nach dem verlorenen Gepäck haben bis Sonntag keinen Erfolg gehabt.
* Ein Fürst als Dieb. Vor dem Gericht in Bow- ftreet wurde Fürst Alex Makarew überführt, aus einem Juwelierladen am Strand eine Krawattennadel im Werte von 21 Pfd. Sterl. gestohlen zu haben. In seiner Wohnung fand man über 30 Pfandscheine für Juwelen, und von Ladenbesitzern aus dem Westend sind auch schon wellere Klagen gegen ihn eingelaufen. Der Fürst wird vor das nächste Schwurgericht kommen.
©eridjtsfaaL
Kass eil, 21. April. Vor dem Schwurgericht kam eine Anklage wegen Brandstiftung zur Verhandlung. Dor den Schranken stand der Hammerwerksbesitzer Theodor Karl Ramus leben auf dem einsam gelegenen Hardehäuser beschuldigt wurde, seinem Schwager uni> feiner Schwester die Sägemühle in Wrexen im benachbarten Waldeck des Nachts über dem Kopfe angezündet zu haben, und zwar aus Rachsucht. Theodor Ramus und sein Bruder Kamus leben auf dem einsam gelegenen Hardehäuser Hammer als Sonderlinge, und werden im Volksmunde, wie Pfarrer, Gendarm und andere bekundeten, vielfach mit einer gewissen furchtsamen Scheu die „wilden Manner" genannt. Die Scheu vor ihnen wurde noch bestärkt, als vor Jahren auf dem Hardehäuser Hammer ein Mann ermordet wurde, und die beiden Brüder unter dem Der- bad)t des Mordes ein gesperrt, nach längerer Zett aber entlassen wurden. Sie gerieten in schlechte Bermögensverhalt- nisse, ließen sich in Wechselschulden ein usw. und saßen so fest, daß chr Schwager, Bürgermeister Brühne, sich ihrer an nahm, die Schulden übernahm, aber zur Sicherheit sich das Hammerwerk verschreiben ließ. In einer Strafsache gegen Gebrüder Goldschmidt aus Scherfelde wegen Wechseisaftebungen usw. mürbe nun der Schwager Brühne als Zeuge vernommen und sagte wahrhettsgemäß über das sonderliche, unwirtschaftliche Leben der Ramus aus, auch kam das Sitzen wegen Mordverdachts zur Sprache. Ramus geriet darüber dermaßen in Wut, daß er sofort aus der Verhandlung in Paderborn, ohne das Ende der Sitzung abzuwarten, aufbuuh, nach Bonenburg fuhr, von dort zwei Stunden zu Fuß nach Wrexen ging, und sich gegen 12 Uhr nachts in das Besitztum seines Schwagers emschlich und das Haus anzündete. Ramus, der früher baitnädig geleugnet hatte, war heute geständig. Das Urteil lautete aus 3 Jahre Zuchthaus und 4 Jahre Ehrverlust.
Wegen Herausforderung zum Zweikampf hatte sich am Dienstag vor der Strafkammer Ila zu Hannover der Polarfahrer Schriftsteller Theodor Lerner, wohnhaft in Grunewalde, zu verantworten. 'Segen Starten- tragens mit angeOaat war der Redakteur Erich Rosen
thal hier, der Geforderte ist der Bankier Bräutigam hier. Die Forderung datiert vom 9. November v. I. Dem Vorfall lag eine Auslassung des Bankiers Bräutigam gegen den Schwiegervater Lerners, Leutnant a. T. Stach von Golzheim, zu Grunde, nc^ch der L. als eine sittlich verkommene Persönlichkeit bezeichnet wurde. Bräutigam hat die Forderung nicht angenommen und angegeben, er habe bie beleidigenden Mitteilungen von dem Uhrmacher Schreuer erfahren. Dieser, der inzwischen vom Schöffengericht wegen Beleidigung Lerners zu 10 Mk. Geldstrafe verurteilt ist, gab an, er habe Bräutigam in der Form solche Mitteilungen nicht gemacht. Er halv vor Jahren, als Lerner von ihm einen Eigarrenladen zu mieten beabsichtigt habe, von einem Schutzmann eine ehrenrührige Mitteilung über Lerner er*- halten. Ter Schutzmann erinnert sich dieser Auslassung nicht mehr. Durch Vernehmung wurde feftgefrellt, daß die gegen Lerner erhobenen Beschuldigungen völlig grundlos sind und diesen schwer beleidigt und gereizt haben. Bräutigam ist dem Kartellträger gegenüber anfangs bereit ge- wesen, L. eine Revokation zu geben, hat aber um eine mildere Form gebeten und schließlich doch eine Versöhnung abgelehnt. Bräutigam war seinerseits gegen Lerner auf- gekracht, weil dieser seinem Schwiegervater den Rat erteilt hatte, die Geschäftsverbindung mit Bräutigam abzubrechen. Die Angelegenheit hat noch wittere Prozesse zur Folge. Die Herausforderung war auf Pistolen. Tas Gericht erkannte, daß für beide Angeklagte erhebliche Milderungsgründe vorliegen, und üerurteilte Lerner zu 2 SBodjen, Rosenthal zu 3 Tagen Festung.
Unwersttüls-Uachrichün.
— Wie verlautet, wird der Professor der Nationalökonomie an der W r e n e r Universität, Philippooich, der Berufung nach Berlin folgen. Als Nachfolger werden genannt Wieser- Prag, H e r k n e r-Zürich und Julius W o l f-Breslau.
— Man schreibt aus Würzburg: Vom 3. bis 6. Juni wird hier der „Deutsche Gynäkologen-Kongreß" abgehalten werden. — Weiter wird aus Würzburg berichtet: Der Bezirksarzt a. D., Dr. Oskar Kol l mann, feierte 'Montag sein 60- lähriges Doktor-Jubiläum. Tie medizinische Fakultät der hiesigen Universität übersandte dem Jubilar ein Glückwunsch-Schreiben und erneuerte ihm das Doktor-Diplom. — In Leipzig feierte der Ehrendoktor der Rechte der Leipziger Universität, -Lenatspräsident beim Reichsgericht, Dr. L. Loewenstein, sein 60 jähriges Dienst- jubiläum. — Aus Müuster schreibt man: Am Toilnerslag wird sich der Abteilungsoorsteher an der landwirtschaftlichen Versuchsstation Hierselbst, Dr. Alois B ö m e r, als Prioatdozent für angewandte Chemie mit einer Antrittsvorlesung „lieber pflanzlichen und tierischen Stoffwechsel" habilitieren; am Freitag habilitierte sich Dr.Leo Wiese aus Bredeney als Prioatdozent für romanische Philologie mit der Antrittsvorlesung „ChrGrien de Troyes und die Natiäre de Bretagne". — Der Leiter der deutschen archäologischen Anstalt in Athen, Prof. D ö r p f e l d, kündigt der Täglichen Rundschau zufolge an, daß er anfangs Juni feine Ausgrabungen auf der jonischen Insel Le iik as in vollem Umfange wieder ausnehmen werde. Professor Dörpfeld erblickt, wie man weiß, in der Insel Leukas das homerische Ithaka und hofft, dort den Palast des Odysseus und die Stadt Ithaka auszufinden. — Ter Internationale botanische Kongreß, der am 16. ds. in L e i d e n zusammentrat, vereinigte von ausländischen Vertretern: Pros. Goebel- München, Prof. v. Wettstein-Wien, Prof. Bower-Glasgow, Prof. Chodat-Gens, Tr, Bernard-Genf und Prof. Wille-Ehrisnama.
Kandel und Verkehr. Uolkswirlschast.
Berliner Börse vom 22. April 1903. (Mltgeieüt von bet Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Die Geschäftsstille, welche während der letzten Tage herrschte, setzte sich auch heute fort, nur vereinzelte Werte lenkten besonderes Interesse auf sich. In erster Reihe sind gemischte Argentinische Anleihen zu erwähnen, welche bei regem Verkehr die kürzliche Steigerung sonsetzten. Für spanische innere Anleihe zeigte sich heute von anfang an rege Kauflust, welche auch im weiteren Verlauf anhielt, als Paris bessere Tendenz für dieselbe meldete. Serieu-Türken ebenfalls befestigt. Bankaktien waren vollkommen vernachlässigt, ebenso Bahnen, mit Ausnahme von Canada Shares, welchen der gestrige seste New- Porker Kurs animierend zu statten kam. Aus dem Kohlen- und besonders auf dem Eisenmarkte entfaltete heute wiederum die Kontremine Lebhaftigkeit, welche ihr infolge der ganz minimalen Umsätze zu einem leichten Siege verhalf. Am Schluß jedoch zeigte sich bereits infolge der festen Haltung der westlichen Börsen einige Deckungslust. Der Kassainduslriemarkt zeigte vorwiegend schwächere Haltung.
Privat-Diskont 2*/, Prozent.
Anfangs- u. Schlußkurse.
Deft Kredit .... 211,70 211,50
Deutsche Bank . . . 211,50 211,37
Darmstädter Bank . . 140,25 140,00
Bochumer Guß . . . 185,00 185,10
Harpener Bergbau . . 184,90 184,26
Schluß-Tendenz: schwach.
Gießen, 23. April. Ter gestrige O ch f e n m a r f t hatte einen Auftrieb von ca. 20 Paar Gangoich, welche sehr schnell untergebracht wurden, und zwar einige Paare sehr guten Mittelschlages zu 800—850 Mk. und die übrigen Tiere zu 600—700 Mk. pro Paar. — Der Schweine markt hatte einen Vorrat von 1250 otücf. Tie Preise hielten sich recht hoch, obgleich der Handel sehr langfam ging. 6—8 Wochen alte Ferkel wurden mit 30—48 Mk. pro Paar abgegeben, Springer, 16—20 Wochen alt, wurden mit 70—90 Mk. und Einlegschweine mit 100—130 Mk. das Paar ocrfaufL Ter Markt, welcher sich bis 1 Uhr mittags hinzog, blieb bedeutend überständig.
L imburg a. b. L., 22. April. Frnchtmarkt. Durchschnittspreise pr. Malter. 'Jloter Weizen 13.90 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mt., Korn 10.60 Mk., Gerste 0.00 Mk, Hafer 6.87 Mk. Erbsen 0.00 Tlf., ^ortoffcln 0.00 All.
EilenvlchnZeüung.
Dresden, 22. April. Das ,Tr. I." meldet: Ta nach den neueren Vorgängen die Wahrscheinlichkeit vorliegt, daß bie beteiligten deutschen Regierungen demnächst in neue Verhandlungen über eine allgemeine deutsche Personentarrf- teform eintreten, beschloß das Finanzministerium, die Durchführung der sächsischerseits geplanten Reformen bis auf weiteres auszufetzen. Dem Eifenbahnrate ging eine anderweitige Vorlage zu, nach der von der ">crabfetziing der Preife für einfache Fahrkarten abgesehen wird. Daher erachtet es die Regierung für angängig, eine Steigerung der Preise für Rückfahrkarten um die Hälfte deS Preisunterschiedes zwischen den preußischen und sächsischen Rückfahrkarten, also um 6’/< Prozent der sächsischen Preise emtreten zu lassen.
Meteorologische Beobachtungen
ü 0.52
21.__22.
•c
1
Wetter
KNE
NE.
22.
22.
28.
9,9*- C.
6,4* C.
April 1903.
der Station Gießen
Bed. Himmel üeller Hirnm. Bed. Himmel
te Temperatur rigftc
7,3 83
7,5 94
6,7 i 91
-c -Zd
2U 732,2 4- 9,5
9” 731,4 ! + 7,8
7” 728,1 + 6,8


