Ausgabe 
23.3.1903 Zweites Blatt
 
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Parlamentarisches.

Berlin, 21. März. Es wird beabsichtigt, dem preuß. Landtage in den nächsten Tagen eine Verstaatlichungs- Vorlage zu machen, in der die Staatsregierung ersucht werden soll, neben fünf anderen Privatbahnen, bezüglich deren Kaufverträge abgeschlossen sind, auch die ostprcußische Südbahn entweder auf Grund der Bestimmung des Gesetzes vom 3. November 1888 oder auf Grund eines mit der Ge­sellschaft noch abzuschließenden Vertrages zu erwerben. Im ersteren Falle soll ein Betrag von höchstens 27 Millionen, im letzteren Falle ein Betrag von 27 675 000 Mk. angewen­det werden.

Ausland.

Neapel, 22. März. 2er KronprinzvonSachsen ijt heute hier ein getroffen und wird einige Tage hier verweilen.

Die Polizei verhaftete in einem hiesigen Hotel einen Russen, der sich Gotz nannte und mit feinem Vater und seiner Schwester auf großem Fuß lebte. Sein beschlag­nahmter Paß trägt einen anderen Namen. Gerüchtweise verlautet, die Verhaftung sei wegen eines politischen Verbrechens erfolgt. Die Polizei verhaftete ferner eine Persönlichkeit, die mit dieser Angelegenheit in Verbindung stehen soll.

Sofia, 22. März. Die an ausländischen Universitäten studierenden bulgarischen Studenten haben Vereinig­ungen gebildet äu dem Zwecke, die europäische öffentliche Meinung über den zeitweiligen Stand der mezedäni­schen Frage und über die dort bestehenden Verhältnisse auszuklären. Die Leipziger bulgarischen Studenten werden eine eigene Zeitschrift herausgeben unter dem Titel:Das mazedonische Ecyo".

Der rechtzeitig entdeckte Dynamitanschlag gegen den Orientexpreßzug bei Tscherkesköi, auf der Strecke Konstantinopcl-Adrianopel ist tatsächlich von Leuten des bulgarischen Komitees vorbereitet worden. Es war dabei auf einen Ge ldraub abgesehen, da die Bulgaren erfahren haben wollten, daß sich in dem Zuge eine Sendung von vier Millionen Franks in bar befinde.

Petersburg, 22. März. Der Kaiser empfing heute den Staatssekretär des Reichsmarineamts Vizcaoiniial von Tirpitz in Audienz. Die kaiserliche Familie ist heute nach Zarskoje Selo üb er gesiedelt.

Caracas, 22. Alärz. Präsident Castro legte fein Amt als Präsident nieder. Er gab diesen Entschluß in einer Botschaft bekannt, die er im Kongreß verlas. Der Kongreß lehnte in der heutigen Nachtsitzung einstimmig den Rücktritt des Präsidenten ab, welcher heute von diesem Beschluß benachrichtigt wurde. Castro lehnte jedoch seinerseits es ab, seine Demission zurück­zuziehen und wird dem Kongreß am Donnerstag eine neue Botschaft zugehen lassen. Es verlautet aus sicherer Quelle, der Entschluß Castros, zurückzutreten, fei feit längerer Zeit erwogen; er ist das Ergebnis von Vorstell­ungen mehrerer venozolanischen Parteiführer, daß der Rück­tritt Capros Venezuela gestatten würde, etwaigen Mein­ungsverschiedenheiten der Alächte gegenüber eine energische Haltung anzunehmen. Bowen erhielt von einer Anzahl Venezotanern einen silbernen Becher zum Dank für die Venezuela wahrend der llnterhandlung geleisteten Dienste als Geschenk.

Aus Ktadl uni) Kmiö.

Gießen, den 23. März 1903.

Prof. Collin. Der Prioatdozent für neue deutsche Litteraturgeschichte, Dr. Josef Collm, der, wie bereits ge­meldet, zum außerordentlichen Profesior (ohne Lehrauftrag) ernannt worden ist, wurde am 2. Februar 1864 zu Mainz geboren und studierte von 1881 bis 1886 in Gießen und Berlin alte Sprachen, Deutsch und Geschichte. Seine Disser­tation, mit der er im Januar 1893 promovierte, betitelte sich .Untersuchungen zu Goethes »Faust". Eine Fortsetzung dieser »Untersuchungen" legte er drei Monate darauf als Habili- tationSschrift vor. Auch eine dritte Schrift Collins be­schäftigte sich mit dem .Fausts, .Goethes .Faust" in seiner ältesten Gestalt" (1896). Endlich ist noch die Weihnachten 1902 in der sog. .Pantheon"-Ausgabe herausgekonimene Ausgabe von Ibsens Gedichte zu nennen, zu der Collin die Einleitung und Erläuterung schrieb. Collin ist Mitherausgeber der .Zeitschrift für vergleichende Litteraturgeschichte".

Personalien. Verliehen wurde am 2. März der Fräulein Auguste May in Diensten der Frau Geh. Kom­merzienrat Wecker Witlwe in Offenbach die Silberne Medaille des Ludwigs-Ordens. Ernannt wurde am 18. März der Regierungsbaumeister Heinrich Baltz aus Darmstadt zum Kreisbauinspektor des Kreises Alsfeld. Ernannt wurde am 21. März d. Js. der Steuerkommisiar, charakterisierter Obersinanzrat Dr. Franz Knell mit Wirkung vom 2. April d. Js. zum vortragenden Rat in der Abteilung für ©teuer» wesen des Ministeriums der Finanzen unter Verleihung des Amtstitels .Obersinanzrat". Verliehen wurde am 18. März .b. IS. den Bauassessoren Karl Krauß zu Mainz, Otto Be r th zu Alsfeld und Ludwig Hag zu BenShcun der Titel und Rang eines Bauinspcktors. Ernannt wurde am 18. März d. Js. der Reglerungsbaumeister Hugo Land» ma nn zu Offenbach a. 9)1 zum Bauasseffor unter Verleihung des Titels und Ranges eines Baumspektors. Ernannt wurde am 18. März d. Js. der Hauswärter im nördlichen Kollegiengebäude Wilhelm Grüßefeld zum Bureau- und Kassediener bei der Hessischen Landes-Hypothekenbank mit Wirkung vom 1. April d. Js.

* Hessisch.Thür. Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klaffe wurden folgende Gewinne gezogen: 5000 Mk. auf Rr. 59108 (Gießen), 3000 2)lf. auf Nr. 5202 5836 18065 37864 52816 62724, 2000 Mk. auf Nr. 1572 8373 17238 21480 29534 (Gießen) 34694 43584 48267 65434 66066 71954 80130 81448 83402 84484 85984 97183. Ohne Gewahr.

Bauer 'schc r Gesangverein. Dem Bauer'schen Gesangverein, der wiederum und zwar in Homburg v. d. H. im edlen Wettstreit um die Siegespalme ringen wird, war es vergönnt, am Samstag im »Cafö Leib" bei Anwesenheit zahlreicher Gäste sein 3 9. Stiftungsfest zu feiern. Muster­haft uorgctragcnc Chöre, Soli, em flott gespielter, auf die Feier des Tages Rücksicht nehmender Einalter und ein to» misches Männerguartett fanden großen Beifall bei den Zu- hürern. Ein Ball beschloß die Feier.

AuS dem Theaterbureau. Infolge Erkrankung des Herrn Otto Steinert wird heute für die angekündigte Aufführung »Der Veilchenfresser", als 24. volks­tümliche Vorstellung »Johannisfeuer", Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann, gegeben. Wie bereits mitgeteilt, gelangt morgen Dienstag zum Benefiz für Helene Württemberg Schnitzlers 3 aktiges Schauspiel, »Liebelei", zur Aufführung. »Die Gerechtigkeit" be­findet sich in Vorbereitung und wird noch im Laufe dieser Woche in Szene gehen.

- Konsumverein. In der gestern im »Postkeller" unter dem Vorsitz von Karl Orbig abgehaltenen außerordent­lichen Generalversammlung wurde an Stelle des freiwillig ausscheidenden Vorstandmltgliedes Gustav Holtberg der Schrift- ctzer Paul Niewisch und als Ersatzmltglleder des Aussichts- rales Dlartin Krug, Hermann Männche und Heinrich Müller gewählt. Ter Mltgliederstanb erhöhte sich im Laufe des Jahres nach dem Bericht des Kaffierers Keßler von 114 auf über 200. Dem süddeutschen Konsum-Verbandsoerein ist der Konsumverein als sDhtglicö beigetreten.

D ie gerichtliche Obduktion der Leiche des er» chossenen Hilfsheizers Rinn aus Gießen stellte fest, daß die Kugel mitten durch das Herz ging, an der inneren Rückwand des Körpers auf einen Knochen stieß und dann im Rückprallen die Lunge durchbohrte; diese war starl mit Blut angefüllt. Wie polizeilich in Fulda ermittelt wurde, stammt der Revolver, mit dem Ehser den Rinn erschoß, aus einem Einbruchsdiebstahl, den der Täter mit drei gleich­alterigen Genoffen bei dem Büchsenmacher Weidenbörner hier kurz vorher ausführte.

Die Neuschätzung unseres Kommunal-Ver- mögens soll einen unserer Mitbürger, der das seltene Glück hat, 18 Kinder sein zu nennen, auf den scherzhaften Gedanken gebracht haben, sich an die Kommunal-Verwaltung mit dem Antrag zu wenden, ihm für sich und die ©einigen seinen Anteil am Gesamtvermögen auszuzahlen l Dem Anträge liegt folgende Rechnung bei: Gesamtvermögen nach Abrechnung der Schulden zirka 5 Millionen, macht pro Kopf der Be­völkerung rund 200 Mk. für Mann, Frau und 18 Kinder 4000 Mk.

Der gestrige erste Frühlingsonntag lockte Alt und Jung im Sonntagsröcklein hinaus ins grünende »Hoffnungsglück", ins helle, wunderlinde Sonnenlicht. Alles beginnt sich mit Farben zu beleben, »doch an Blumen sehlts im Revier", man vermißt sie wie die kleine schüchterne Schau­spielerin an ihrem »Ehrenabend". Auf ein Abpflücken und Heimbringen eines Märzblumenstraußes muß man vollends verzichten; aber dem echten, innigen Blumenfreund genügt es, sucht er ihn dennoch sich Niühsam zusammen mit den Augen. Und sonderbar, einige dieser frühesten Blüten haben überhaupt so gut wie gar keine Stiele, sodaß das Pflücken schon deswegen unmöglich wäre. Das ist vor allem die primula acaulis (»die Stengellose"; es liegt gleich im Namen), ein prächtiger großer Stern, lichtes, zartestes Rotviolett, wie etwa em sommerlicher Abendhimmel, umgeben von einer üppiggrünen Staude. Dagegen lugen von der primuia inarginata zwischen den ausgeräderten fetten Blättern nur erst die ersten violetten Knospenspitzen hervor; wenns die Sonne gut meint, warten wir auf sie nicht mehr lange. Aber es giebt doch auch duftige Überraschungen »großen Stiels": die Schneeglöckchen, die den Frühling am Samstag abend 8 Uhr einläuteten auf ihren schwanken Stielen, die gelben und violetten Crocus, die schon reichlich in Blüte stehen und sich ziemlich hoch emporwagen, die Leberblümchen, die an geschützten Stellen stehen, halb umgeben von altem Laube re. Wer's nicht glaubt, geh' hin und seh' in Feld und Wald und Gärten. Aber er gehe bald; die 9latur draußen macht jetzt Fortschritte, wie das Tageslicht der Sonne. Die Er­scheinungen wechseln ab, wie die Regierungspräsidenten in Preußen, und man wird Tag für Tag immer von neuem staunen. Am meisten aber eben jetzt, im Anfänge, wo es noch leichter möglich ist, alles im einzelnen zu überschauen. Wenn erst Nachbars Nüchel begreifen lernt, daß der Frühling seinen Emzug gehalten hat, dann ist für die Einsichtigen zu einem gedeihlichen Anfang im Studieren des Lenzbegmns die schönste Zeit und die beste Gelegenheit vorüber. Wahrlich, dies sind die Tage, da man das Gras wachsen hört. Auf Schritt und Tritt wird der Wanderer von dem gewiffen Ge­fühl beseelt, daß sich ringsum alles Leben erneut; von dieser Lenzsicherheit wird er roie von weichen Lüftchen umschmeichelt. Vor ein paar Wochen noch waren diese Zweige kahl, jetzt schwellen glänzende Knospen, Perle an Perle gereiht, daran und aus den braunen Hüllen spitzen frischgrüne Blätter ihr zierliches Ohr. Tas ist die schönste Zeit, wenn bei des Himmels Lächeln Primeln und Crocus gläubig die glänzenden Augen aufschlagen, wenn ein grünes Seidenfädchen nach dem anderen in den Boden gestickt wird und im Holz der junge Saft sich regt. O, dieses Erwachen des Jahres! Diese ewige Botschaft vom Auferstehn in der ganzen Umwelt der Natur, von der auch wir nur ein Teilchen sind. Sonntag Lätare! Freuet Euch! Und wir konnten unS freuen gestern und fröh­lich darinnen sein.

** Prähi st arischer Ackerbau in Nassau und Hessen. Aus Wiesbaden, vom 19. ds., schreibt man derFrkf. Ztg.": Herr Oberförster Behlen-Haiger hat in der Gegend zwischen Dillenburg und Gießen, d. h. in außerrömischem Gebiet, zum ersten Male ©puren eines umfangreichen Hochacker-Baus aus der La Töne- Zeit nachgewiesen, über die er gestern im Wiesbadener Alter­tumsverein berichtete. Seine Feststellungen begegnen sich mit Forschungen im rechtsrheinischen Bayern und in den Vogesen. Um die Wallburg am Heunstein bei Dillen­burg ziehen sich von oben nach unten abstufend lange Acker- terras,en. Versuchsgrabungen ergaben zahlreiche Scherbcn- reftc, die von Herrn Museumsdirektor Dr. Ritterling- Wiesbaden mit Sicherheit als der La Tene-Zcit angehörig bestimmt wurden. LÄhnböden an Abhängen zeigen ähnliche Verhältnisse wie die mehrerwähnten, von Herrn Soldan bei Neuhäusel am llnlerwesterwald ausgcdeckten. In ver­schiedenen Waldungen sind nom ©puren der charakteristischen Ackerterrassen, und man hat anzunehmen, daß unsere jetzigen Wälder Nicht einfach die Fortsetzung des Urwaldes find, sondern daß zwischendurch in vor- und mitrömischer Zeit, vielleicht biS in die Völkerwanderung hinein, auf weiten Flächen Ackerbau getrieben wurde, die sich dann wieder mit Wald bedeckten. Aus den gefundenen Steinen, wie sie heute noch in der genannten Gegend zum Teil einfach unrcrg.pflüat werden, zeigen sich lange, charakteristische Schrammen, die

hier nicht von Gletscherschiebungen, sondern naw Deylen'S Meinung nur von der darüber hingegangenen eisernen Pflugschar geritzt sein können. Die Größenoerhält- nisse der Dallourg des Heunfteins sind unbedeutend im Vergleich mit der der Burg am Dünsberg bei Gießen: diese umfaßt ungefähr die Halste des Raumes der alten Festung Mainz und wird von Behlen alsein wundere volles ©tudienobjekt, eine Befestigung ersten Ranges" be­zeichnet. Tie Art der Befestigungsanlagen svricht für deren Entstehen im direkten Zusammenhang mit dem prähistori­schen Ackerbau. Weitere Beobachtungen hat Herr Behlen in den Vogelsberger Waldungen, bann am Judenkopf (viel­leicht Gudes». Wodans-Kopf) und an anderen Orten ange- stellt und er kommt zu dem Schlüsse, ,chaß zur La Töne-Zeit schon die Gegend mittelst des eisernen Pflugs, nicht mehr mit der Hacke, in einer Ausdehnung beackert war, die wir selbst heute noch nicht voll wieder erreicht haben, vielleicht auch bei der jetzigen größeren Bedeutung der Wälder und des ausländischen Getreideimports nie mehr erreichen wer­den." Die älteste Geschichte Deutschlands dürfte, im Lichte dieser Auffassung gesehen, an vielen Stellen ein wesentlich anderes Gesicht annehmen als bisher.

Eine Warnung vor den österreichischen Talern erläßt die amtliche »Berl. Korr." mit dem Hinweis darauf, daß der Bundesrat die Bestimmung getroffen, daß die bei den Reichs- und den Landkaffen noch eingehenden Vereinstaler österreichischen Gepräges durch Zerschlagen oder Einschneiden für den Umlauf unbrauchbar zu machen und alsdann dem Einzahler zurückzugeben sind.

i. Watzenborn, 23. März. In der vergangenen Woche wurde ein neunzehnjähriges Mädchen von einem Burschen aus Gröningen, der es begleitete, zu vergewalti­gen versucht. Durch das Schreien des Mädchens ist noch zur rechten Zeit Hilfe gekommen. Der Bursche wurde ver­haftet.

n. Allendorf a. d. Lahn, 19. März. Das 25 jährige Bürgermeister-Jubiläum begeht am 25. d. S2)L unser Bürgermeister Ludwig Volk Xlli. Im Jahre 1878 war er einer von den drei Bürgermeisterkandidaten; er kam m die Stichwahl und wurde mit großer Majorität am 18. März 1878 zum Ortsoberhaupt gewählt. Durch seine Geiviffen- haftigfeit und feinen Gerechtigkeitssinn erwarb er sich das Vertrauen und die Verehrung der ganzen Gemeinde, sodaß er im Jahre 1887 zum zweiten und 1896 zum dritten mal und zwar einstimmig wiedergewählt wurde. Ganz be­sonders ließ er sich die Fürsorge für kleine Leute angelegen sein. Da unser Bürgermeister gegenwärtig im 65. Lebens­jahr steht und noch sehr rüstig ist, so ist es ihm hoffentlich oergönnt, noch recht lange zum Wohl der Gemeinde fein Amt zu versehen.

mk. Krofdorf, 22. März. Der im Januar von Herrn W. Bender veranstaltete Unterrichtskursus in der verein­fachten Stenographie (Eimgungssystem Stolze-Schray) wurde am letzten Sonntag durch em Preisschrciben beendet. Die beften Sichelten wurden von den Herren Hemr. Wagner aus Fellingshausen und Ludwig Mandler aus Krofdorf geliefert. Hierauf wurde die Gründung eines Vereins be- ichlossen, deffen Zweck sein soll, die Mitglieder in der Steno­graphie weiter auszubilden und jungen Leuten zur Erlernung der Kurzschrift Gelegenheit zu bieten. Zum Vorsitzenden wurde Herr Wilhelm Bender gewählt.

t. Wetzlar, 22. März. Behufs Gründung einer Fi­liale hatte der Vorstand des Christlichen Metall­arbeiterverbandes auf heute nachmittag eine Versamm­lung einberufen, die indeß, da Tellnehmer auSblicben, nicht abgehalten werden konnte.

Wetzlar, 22. März. Unsere Stadt wird in den nächsten Jahren um ein größeres industrielles Unter» nehmen erweitert. Die Gewerkschaft Carolus ll. zu Wetzlar beabsichtigt, wie ein Frankfurter Blatt schreibt, eine Hoch­ofenanlage mit zwei Hochöfen zu errichten. Tie Anlage konimt in die Nähe derjenigen der Buderusschen Werke in der Ge­markung Niedergirmes.

Butzbach, 23. März. Am letzten SamStag fand im Hessischen Hof zu Ehren des infolge Versetzung nach Büdingen von hier scheidenden Postmeisters Gresser em großer Kommers statt, woran sich die Bürger- und Beamtenschaft zahlreich beteiligte. Herr Gresser stand 13 Jahre lang unserem Postamte vor und erfreute sich allent­halben großer Beliebtheit. Seitens der ihm bisher unter­stellten Beamten, einschließlich der früher hier tätig ge» gewesenen, wird dem Scheidenden ein wertvolles Album mit Einzelphotographien der ehemaligen Untergebenen als ehren­des Andenken in diesen Tagen noch überreicht werden. Der hiesige Frauenchor veranstalteten gestern abend im Heff. Hof unter Mitwirkung der Herren E. Krauße-Gießen und Möller-Marburg, sowie hiesiger bekannter Kräfte em zahlreich besuchtes Frühjahrs-Konzert. Dasselbe bot ein reichhaltiges Programm, das vielen Beifall fand.

te. Bad-Nauheim, 25. März. Der hiesige Krieger- verein feierte fein 25jähr. Bestehen, aus welchem Anlaß ihm vom Kaiser eine Fahnenschleife gestiftet worben war, deren Ueberreichung heute stattfand. Mehrere hohe Militärs, der Vertreter des KreisamtS, der Stabt und Oberstleutnant Kramolini-Darmstadt, ber Präsident der Kriegerkamerabschaft »Haffia* wohnten der Feier bei. Die Kapelle deS Ulanen» regimentS zu Hanau konzertierte.

ft Friedberg, 22. März. Die feierliche Grund­steinlegung des Kriegerdenkmals wurde heute nachmittag 3 Uhr vollzogen. Schon um i/23 Uhr sammelte sich auf dem von der Stabt ytr Verfügung gestellten Platz eine große Menschenmenge an. Punkt 3 Uhr marschierten der Veteranen- unb Milttärvercim der Äriegerocrein von Fauerbach und die vereinigten Gesangvereine von Fried- berg-Fauerbach unter Vortritt bet Kapelle der Hanauer Ulanen an. Tie Spitzen der hiesigen militärischen, float» liehen und städtischen Behörden hatten sich bereits einge­funden. Nachdem Vereine und Behörden um den mit Fahnen und Wimpeln geschmückten Platz Aufstellung genommen hatten, wurde die Feier durch einen Choral ber Ulanen» 'apelle eingeleitet, worauf der Präsident Dönges des Veteranen- und Militäroereins die Festrede hielt. Er führte darin aus, daß dieses Tenkmal zuln Andenken an den glorreichen Feldzug 1870/71, zur Erinnerung an den Helden­kaiser Wilhelm I. und seinen treuen Bundesgenossin den Eroßherzog Ludwig IV. und zur Ehrung der Kämpfer von 1870/71 errichtet werden solle. Tann stattete Redner allen denen, die sich um das Zustandekommen des Denkmals ver­dient gemacht haben der Stadt, den Bürgern, den Be-