Ausgabe 
23.2.1903 Erstes Blatt
 
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zudringen und gegen Melnik vorzugehen. Es heißt, man erwarte den Ausbruch des Aufstandes in Mace- donien binnen 14 Tagen! In Konstantinopel haben wieder eingehende Unterredungen des deutschen Botschaf­ters mit dem Großvezir stattgefunden, die sich auf Mace- donien bezogen, in denen Freiherr v. Marschall die Auf­fassung vertrat, daß es im wohlverstandenen Interesse der Pforte liege, den Reform-Vorschlägen der Mächte für Maeedonien nicht nur schnelle Annahme, sondern auch schnelle Durchführung zu bereiten. Ein frommer Wunsch angesichts derTatkraft" des kranken Mannes am gol­denen Horn.

Aus Statt uni» £mii».

-k- Mainz, 22» Jebr. Die diesjährigen carncval- istischen Veranstaltungen haben hier gestern Nachmittag mit dem Einzug der Rekruten der Garde des Prinzen Ear- neoal begonnen, der mittelst eines Dampfschiffes von .Kostheim auS unter Böllerschüssen erfolgte. Die Vereidigung der Truppen wurde auf dem Theaterplatz vollzogen, bei welcher das Narr- hallacomito und die gesamte Generalität der Prinzengarde auf dem Balcon des Theaters anwesend waren, um in Gegen­wart einer viel tausendköpfigen Menge die Huldigung der Rekruten entgegenzunehmcn. Daß es hiebei nicht an feurigen Ansprachen von beiden Seiten fehlte, ist selbstverständlich. Am Abend fand eine Wiederholung des Narrenstückes durch Dilettanten in dem Stadttheater statt, bei welcher das Theater wie bei der ersten Aufführung ausoerkauft war. Heute begann das närrische Treiben schon sehr frühzeitig, indem die ReveiUe der Prinzengarde fast schon zur nachtschlafenden Zeit erfolgte. Nach längerem Umzug durch die Stadt zog um 10 Uhr am Vormittag die Prinzengarde in großer Paradeuniform nach ihrem Kriegslager, wo sie kurz vor Tisch erst das närrische Ministerium und dann die Spitzen der städtischen Behörden, den Ober­bürgermeister an der Spitze, empfingen und bewirteten, während welcher Bewirtung die Reden und der Champagner in Strömen flößen. Inzwischen fand in derStadthalle" ein närrisches Kinderfest statt, das ein sehr anmutiges Bild bot, indem die zahlreichen maskierten Kinder, die verschiedene Spiele und Tänze aufführten, einen bunten, heiteren anziehenden Anblick gewährten. Am Nachmittag fand vor den» Theater eine närrische Darbietung statt, welche den Stapellauf und die Tnufe des NarrenschiffesNarrhallesia" darstellte. Den Schluß des heutigen Tages bildeten zwei große carncvalistische Concerte m decStadthalle", wovon das eine um vier und das zweite um acht Uhr stattfand. Dank der günstigen Witterung hatten sich die Veranstaltungen aus der Straße eines außer­ordentlichen Zuspruchs zu erfreuen und zwar nicht allem von hier, sondern auch von zahlreichen Fremden, so daß die Stadt den ganzen Tag über ein sehr belebtes Bild gewährte.

Mainz, 22. Febr. Strolche, welche am Donnerstag im Gonsenheimer Wald ein junges Paar überfielen, mit Messern bedrohten und erst wieder freiließen, nachdem -der betreffende Herr ein Lösegeld von 1 Mk. an jeden

der Räuber bezahlt hatte, sind ermittelt und hinter Schloß und Riegel gebracht. Es sind vier arbeitsscheue Bengel im Aller von 1719 Jahren.

Aus Rheinhessen, 22. Febr. Tie Weinreben sind anscheinend gut durch den Winter gekommen. Das Holz ist, zumal bei den mit Kupfervitriolkalkbrühe gespritzten Reben, schön braun. Ein Ernteausfall wird dadurch zu er­warten sein, daß die im Mai v. I. stark erfrorenen Reben, an denen dann noch die zweiten Augen ausgetrieben sind, dieses Jahr nicht so tragbar sein werden, wie diejenigen Reben, die nicht vom Fvost gelitten haben.^Die Reben der zwetten Augen sind, wie sich jetzt beim Schneiden zeigt, weniger stark ausgebildet.

G r o ß - U m st a d t, 22. Febr. In Radheim brannte dieser Tage das Gehöft der Eheleute Johannes Boll ab. Als der Brandstiftung dringend verdächtig wurde der 20jährige Sohn der genannten Eheleute verhaftet. Der Taugenichts hatte gedroht, er werde feine Eltern umbringen, das Gehöft in Brand stecken und sich dann erhängen.

fc. Frankfurt a. M., 21. Febr. Auf dem hiesigen Hauptbahnhofe wurde gestern einem Zigarrenreisenden eine Handtasche gestohlen, in der sich ein Beutel mit 200 Mk. in Gold und Silber und ein Portefeuille mit 1200 Mk. in Papiergeld und 1800 Mk. in Geschäftswechseln befanden. Der Reisende hatte, während er sich mit einem Bekannten unterhielt, das Täschchen neben sich gestellt. Wie gemeldet wird, beabsichtigen die hiesigen Demokraten und Freisinnigen, den Stadtverordneten Dr. Heinrich Rößler bei der bevorstehenden Reichstagswahl als Kandidaten aufzustellen. Die gestern abend abgehaltene ordentliche Generalversammlung der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft genehmigte die Verlegung des Naturhistorischen Museums und der Senckenbergischen Bibliothek nach der Viktoria-Allee im Westend. Ebenfalls dorthin verlegt wird der Physikalische Verein. Aus den gemachten Mitteilungen ist noch ermähnenswett, daß ein reich dotiertes botanisches Institut in der Nähe des Palmengartens und eine ebenso reich dotierte pathologische Anatomie am städtischen Krankenhause erstehen soll.

Gerichtttatt.

Wiesbaden, 22. Febr. Der Chemiker D r. 3. besitzt großes Interesse für die Archäologie. Eines Tages, als er von einem Kollegen zu einem Spaziergang nach Weißenturm auf- gefordert wurde, sagte er sofort zu, nahm, da der Weg dorthin durch em großes prähistorisches Gebiet mit ganzen Hügelgräber-- k o-l onie n führte, Schrippe und Hacke mit sich und gab sich denn auch, sobald er einen derverdächtigen" Hügel zu Gesicht bekommen hatte, an die Arbeit. Während sein Freund, dem die Sache zu langweilig wurde, sich im Walde erging, hackte er eifrig drauf los, bis ihm die Schweißtropfen aus die Stirn traten. Ein Loch von etwa 75 Zentimeter Tiefe und derselben Breite hatte er zu stände gebracht, ohne etwas anderes als Holzasche und einige Sterne, rote sie in der nächsten Nähe des betreffenden Distrikts vorkommen, zutage gefordert zu haben. Ta erschien ein Waldroärter und machte den eifrigen Gräber darauf aufmerksam, daß er sich mit seinem Tun außerhalb be5 Gesetzes bewege. Dor Vorfall hatte nun, der

K. Z. zufolge, gestern ein Nachspiel vor der Strafkammer, die den Dr. S. wegen Beschädigung eines Hünengrabes, als eines Gegenstandes der Wissenschaft, und seinen Freund, weil er Schmiere" gestanden und dadurch bei seiner Straftat wissentlich Hilfe geleistet habe, zur Rechenschaft gezogen hatte. Nach der Anftcht eines Sachverständigen handelte es sich bei dem Hügel entweder um ein prähistorisches Grab oder um eine ebensolche Wohnstätte, und mit der Ausgrabung des Hügels war die Beschädigung voll­zogen worden, weil der wissenschaftliche Wert nicht nur in dem Inhalt des Hügels, sondern nicht weniger in seiner Lage, beziehungs­weise in ihm selbst liege. Nach der Meinung des Gerichtshofs war der § 304 des Reichsstrafgefetzbuches auf den Fall nicht anwendbar, da es sich jedenfalls nicht um ein öffentlich ausgestelltes Denkmal handle. Grund iind Boden an sich könne wohl nicht beschädigt werden, wohl aber solcher von historischer Bedeutung. Es fehle indes der Beweis dafür, daß die Ausschließung des Hügels an ftch eine Beschädigung darstelle. Demgemäß erging ein Freispruch.

Arbeiterbewegung.

V i g o, 22. Febr. Ter Ausstand der Eisenbahn» Angestellten breitet sich weiter aus. Auch die Maschi­nisten wollen, wie verlautet, in den Ausstand treten. Fünf Personen wurden verhaftet.

A m st e r d a m, 22. Febr. Die Delegierten der Arbeiter- verbände, welche 9u 000 Arbeiter vertreten, beschlossen den G e n e r a l - A u s st a n d zu verfügen, falls das Gesetz bett. Untersuchung des Stteikrechts für die Arbeiter, welche einer öffentlichen Verwaltung angehören, angenommen wird. Tie Direktion der Staatseisenbahn hat den bei den Verwaltungen angestellten Arbeitern mitgeteilt, daß sie sich, falls sie einem Ausstand beitreten, als entlassen betrachten können, und ihre Ersetzung erfolgen werde.

Kirchliche Kachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Montag den 23. Februar:

Abends 8 Uhr: Bibelslunde im Konsirmcmdensaal der Johanneskirche. I. Johannesbrief, Kap. 5, des Glaubens Kraft und Frucht. Pfarrer Dr. 91 a u m a n n.

Ein verborgener Schatz. Man macht sich keinen Begriff von den großen Vorzügen der Selbstbereitung von Kognak, Rinn, Branntweiiien und allen echten Likören :c. mit den berühmten Reichel'schen Original-Essenzen und Extrakten, MarkeLichtherz", bis man dieselben erst selbst kennen gelernt hat. Die Zubereitmig ist für jedermann eine so einfache und leichte, daß einem die Er­folge wirklich überraschen. Die Ersparnis, welche man dadurch erzielt, ist eine mehr als doppelte und dreifache: denn ein Liter stellt sich je nach Sorte fig und fertig äußerst auf nur 55 Pfg. bis

1 Mk., für besonders erwählte entsprechend höher. Hervorzuheben ist, daß nicht nur für jeden denkbaren Likör, sondern auch zur Be­reitung von Punschextrakten, Weinbowlen und Llmonadensyrupen mit jedem Fruchlgeschmack die nöligen Essenzen, bezw. Extrakte zu haben sind. Original-Reichel-Essenzen find nur allem echt m Originalflaschen mit genauer Gebrauchsvorschrift und Schirtzmarke Lichlherz" zu 25, 40, 50, 60, 75 Pfg. u. s. ro. für ca. 2* 1, Liter Likör ,c. mit dazu gehörigem ff. Weingeist (dpir. vim 96 Proz.) in den bekannten Niederlagen zu haben, oder, wo nicht erhältlich, von der alleinigen Fabrik Otto Reichel, Berlin S.-O., Eisenbahnslr. 4, zu beziehen. Man beachte die dieSbez. Anzeigen.

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