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23.2.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. 45

rl^etel tSglich außer SonnlagS.

Dem Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kefßsche» Landwirt btt Lithrner Familien' blätter viermal In bet Woche beigelegL

NolalionSdruck u. Ver­lag bet Brüh l'lchen Untverl.-Buch- u.Slem» b rudere« (Pietlch Geben) tebafnon, Grpebitio* und Druckeret:

Gchalftraße 7.

Ilbrefle tüt Depelchent Anzeiger Gießen.

KrrnlvrkchanlchlußNt 51.

Erstes Blatt. 153. Jahrgang

Montag ^3. Februar 1 SO?

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

yeza gSpeet», monaHicbjb oicrteU läbrhd) Mk 2.20. du.ch vlbbole- u. HiDeigftellen monatlich 65 Pi., durch die Post Ttf L. oiertel» löbrl aueichl BetteUg. Annahme von Anzeige» füt die iagecmuiiimcc bi6 vormittag« 10 Uhr. ticilenpieie. lokal Ili P^

ü«rfltvdil« 20 Pig.

Berantroerlhd)t für ben poltt u. allgem. xeil P Witiko tür .Liadl und L'anb* unb ,Send)te|aale ttuct Plato, lüt ben 91 n» ccinenteil dan« Peck.

Volitische Wochenschau.

Die ftltruc der inneren Politik weift in der vergangenen Woche einige merkliche Erhöhungen auf. Die Verhand­lungen im Reichstage, befjen letzte Periode sang- und klanglos fru Ende zu gehen scheint, Haven zu solchem Emporschnelle» allerdings nicht beigetragen. Die sogen, sozialpolitische Debatte, bte sich an bie Berattrngen bes uie* Halts des Staatssekretärs bes Innern knapste, hat, ohne wesentlich neue Gesichtspunkte gebracht zu haben, nach, saft achttägiger Dauer ihren Ausklang gesunoen. Unterbrochen würben bie wenig anregenden L^ratungen nur durch das Auftreten S t ö ck e r s. Es kam am Mittwoch zu Aussprachen, deren Ton an Deutlichkeiten nichts zu wünschen übrig ließ. Die Sozialdemokraten hatten von Ausbeutung der Kurrende- kinder geredet, welche Behauptung Stöcker für eine Un­wahrheit erklärte. Damit war das Stichwort für die fol- genben Szenen gegeben. Stocker vezichngre Bebel dis Meineides, um sich >einerseits gegen den Vorwurf des Mein, eides zu wehren. Diese an sich schon wenig erbauliche Aus- einaiwersetzung war gewürzt durch zahlreiche Zwischenrufe, wie Gemeinheic, Lügner, utiüerfajänuei Pfaffe, Sp^l, um, unterbrochen durch großen Lärm und Lachen. Mit der­artigen Lieblichkeiten, deren Reiz noch der Abg. Lenz- maun durch einige Aufrichtigkeiten g^gen Stöuer erhöhe, wurde diesozialpolitische" Debatte geschlos,en. So gaiio nebenher harte auch bie Frage mu yineingespielt, ou private Vereinbarungen über uie Schutzvorschriften der neuen ©eemannsorbnung, die am L April in straft tritt, rückwirkende straft Haven solttert. Graf Posadowskp stellt den Berichten in dieser Sache die Entscheidung anheint. hieran schloß sich rroch der Beginn des hergebrachten eigent­lichen Frage- und Anttvorlspiets. Abg. Beckh erhielt das Versprea>eli, daß seinen alljährlich vorgebrachten Wünschen um .Verbesserung des Vogelschutzes durch eine Gesetzesvor­lage in der nächsten Session entsprochen werdeti sollte; ebenso wurde eine einheitliche Verkehrsordnung für Fahr­räder unb Automobile in Aussicht gestellt. In derselben Tonart unb Tempo kamt es nun in den nächsten Sitzungen weitergehen.

Die Fahrräder, oder vielmehr die Steuern darauf kamen in der vergangenen Woche auch im hessischen Landtage zur Sprache, und man erfuhr vom Regierungs- tische auS, daß zurzeitein weiteres Entgegenkommen in Bezug auf den Zahlungsmodus erwogen" werde. Darüber werden sich alle hessischen Radler freuen. Ein Beschluß unserer Hammer aber hat im ganzen Deutschen Reiche Aus­sehen gemacht. Er bewies zugleich die zunehmende Stim­mung für die Einführung von Anwesenheitsgel - d e r n i m R e i ch S t a g e. Exz. Staatsminister Dr. Rothe gab auf eine Anfrage die ittlenthalben mit größtem In­teresse aufgenommene Erkläruug ab, daß die hessische Re­gierung die Gründe nicht verkenne, welche dafür sprechen, den Reichstagsavgeordneten Diäten zu bewilligen; nicht minder seien aber die Bedenken, die dem entgegenstehen, bekannt. Die hessische Regierung erachte aber die dafür sprechenden Gründe für überwiegend. Das Haus be­schloß schließlich einstimmig, die Regierung zu er­suchen, beim Bundesrat aufs nachdrücklichste für die Be­willigung von Diäten einzutreteu. Im übrigen ist in der letzten Woche in unserer Kammer sehr viel geredet worden. U. a. verwahrt»- sich Abg. Ulrich gegen den ihm von einem Abgeordneten wegen seines lärmenden Gebührens bei der Zollterisberatung im Reichstage gemachten Vor­wurf. Sein Verhalten sei durch die Umstände bedingt ge­wesen. Durch Zwischenrufe und persönliche Bemerkungen wurde Ulrich zu scharfen Angriffen auf einzelne Abgeord­nete gereizt. Es kam zn lehr erregten Auseinander­setzungen, bei denen die bekannten .Vorgänge tm Reichs­tage unb bie Frage, ob der Bauernbund von dem Abg.

Ulrich beleidigt worden sei ober nicht, un Mittelpunkt weit­schweifiger Erörterungen standen. Ter Präsident mußte wiederholt eingreifen. Es war äußerst seltsam, daß der Sozialdemokrat Ulrich für sich unb seine Geno,sen bas Ver­dienst in Anspruch nahm, bei der Beamtenbesolduugs- ordnung 1898 vor allen anoereu Parteien bie Fürsorge für Die niederen Beamten betätigt zu haben. Als Uliich eitiärtc, baß er sein Verhalten im Reichsiage in einem ähnlichen Falle überall wiederholen würde, wuroe von mehreren Ver­tretern der bürgerlichen Parteien, namentlich vom Grasen Ortola und von Herrn v. Brentano unter lebhaftem Beifall mit aller Schärfe das Benehmen der Sozialisten bei der Beratung des Antrags v. si'atuotff und namentlich oas Benehmen Ulrichs getabdt. Der Einoruck Fannie auch nicht durch eine leidenschaftliche Reue des Sozialisten Dr. David abgeschwächt werden, der den Diohren Ulnch weiß zu wascheli suchte. Gegenüber der Znterp^lla.ion der Abgg. säusel und Genossen bett, eine Erhöhung der Dienstwohnuiigsentschäbigullgen der Beam­ten verhielt sich die Regierung rollig ab.chnend, namentlich bekämpfte der Justizminister die Forderung. Die Abgg. Häusel und Molthan führten aus, daß bie bisherigen geringen Sätze angesichts der steigenden finanziellen Be­lastung des Staates durch Bauzinsen und Unterhaltungs- fosten sich nicht mehr auftechtechatten lassen. In gleichem Sinne sprachen die Redner der antisemit.scheu unb national- liberalen Partei, wurden aber drnch sachliche Tarleguiigen oom Ministertische aus widerlegt. Der Regierung muß vor allen Dingen Zett gelassen werden, sich mit oer ganzen Frage noch einmal eingehend zu beschäftigen. Sonst wurde noch viel über Sparsamkeit gesprochen, im wesentlichen in oem Sinne unseres mit diesem Worte überschriebenen Ar­tikels in unserer Nr. 29 vom 4. d. M. Unser Abg. Dr. Gut fleisch sprach u. a. seine Freude über das Blühen und Gedeihen der beiden Hochschulen des Landes aus, und bei einer längeren Eisenbahndebatte führte Abg. Weidner Beschwerde über den laiigfamen Bau der Strecke Gedern Grebenhain, und Abg. Brauer regte die Erbauung einer Strecke MückeUlrichstein an. Der Antrag des Abg. Korell, für die Steuerkommissariats-' Assistenten ben früheren Besoldungssatz wieder h.rzustellen, wurde abgelehnt; diese Herren erhalten also demnächst ein etwas höheres Gehalt (statt 28003400 fortan 2800 bis 6000 ML).

In der Budgetkommission des Reichstags äußerte sich der Kriegsminister v. Goßler zur Frage der He eres- verstärkungen. Dadurch wurde offiziös bekannt, daß eine neue He er esvo r lag e für 1904 zu er­warten ist, deren Rahmen allerdings noch nicht feststeht. Verstärkungen bei der Infanterie würdenallenfalls" nur insoweit stattfinden, als die Regimenter mit nur zwei Ba­taillonen die Normalzahl von drei Bataillonen erhalten sollen. Auch über die umlaufenden Gerüchte von bedeuten­der Vermehrung der Kavallerie sprach der Minister unb speiste bie Wißbegierigen mit der Aeußerung ab, daß )ie bekannt geworbenen Zahlenstark übertrieben" feien. Die Aufklärungen des Herrn v. Goßler zeichnen sich jeden- alls burch Unbestimmtheit aus.

Ter preußische Handelsminister Möller ist für w i r k - amereVertretungvonHanbel undJndustrie im Parlament eingetreten. EinerFraktion der Kaufleute" etwa wird nun freilich keiner das Wort reden, schon aus >em Grunde nicht, weil, nach unserer Auffassung wenig- tens, nicht das Interesse einzelner Stände unb Be­rufsarten, fonbern bas Wohl ber Ge s a m t h e i t des deut- chen Volkes von seinen Vertretern im Parlamente gewahrt unb geförbert werden soll. (Vgl. die sehr bemerkenswerten Ausführungen des Herrn Köhler über ferne Reichstagskandi- >atur in der heutigen Nummer!) Es ist aber eine berechtigte und notwendige Forderung, tatkräftige und einflußreiche

Vertreter des Hanbelsstandes mit Einschluß ber Börse in« Parlament zu wählen, unb man muß bem preuß. Han- belsminister Dank wifsen bafür, baß er es öffentlich aus­gesprochen hat, baß alle Berufsstände ihre berechtigten Interessen haben und diese zur Geltung bringen wollen. Leider ist Wied« die Einbringung der Börsengesetz, n o b eile unterblieben, trotzdem der Entwurf längst fertig vorliegt.

Den Ostelbiern unerwünscht kam die Abberufung deS Herrn v. Bitter von seinem Posten als Lberpräsident von Posen. Herr v. Bitter, ein zweifellos tüchtiger Der- waltungsbeamter, war nicht ber Mann für bie erste Stelle in ben Lslmarken. Abgesehen von ben geringen Erfolgen seiner Polenpolitik versagte er in ben Fällen Löhning unb Enbell- v. Willich gänzlich. Die Entlassung Bitters, bie in erster Linie dem Grafen Bülow zuzuschreiben ist, soll im preuß. Lanbtage zur Sprache kommen, wobei voraus­sichtlich verschiebene Auskttirunaen über noch bunfie Punkte bet letzten Vergangenheit erfolgen würden.

Aufklärung im Parlament wird auch verlangt wer­den über die Vorgänge in Trier, wo Bischof Kvrum von der Kanzel berab hat verkünden lassen, baß den katho- lischen Kindern ber Be.uch der dortigen höheren Töchter- jci/ule, die auf paritätischer Grundlage auf gebaut ist, bei Strafe ber Verweigerung ber Absolution verboten sei. Die Trierer Nachricht wird zweifellos eine neue Kulturbcbatte im preuß. Landtage Hervorrufen. Das Zentrum kennt seine Macht und weiß sie wohl äu schätzen. Giebt es einen besseren Beweis dafür, als Die überraschend schnell er­folgte Abberufung des bayerische» Ministerpräsidenten von Er ailsheim und (eine Ersetzung durch Herrn v. Pode- wils? Nun hat Bayern wieder seine» Minister, der nicht wie der bisherige ber evangelischen, sondern der katholischen Konfession angehört.

Die Annahme, daß der Rücktritt des Grafen Crails­heim sonst auch noch auf Kompetenzstreitigkeiten inner­halb des bayr. Ministeriums zurückzuführen sei, ist in- Iufern zutreffend, als sich seine Ministerkollegen dagegen verwahrten, bei so wichtigen Angelegenheiten wie die Swinemünder Depeschen-Asfäre und deren Ne- benumstände nicht zuerst gehört zu werden, was Herr von Crailsheim nicht als notwendig erachtete. Ter Aus­gangspunkt für den schließlichen Sturz des Grafen ist und bleibt somit die Swinemünder-Angelegenheit hauptsächlich in ihrem zweiten Teil. Aber das Zentrum triumphiert, ob auch der bibelkundige Kaiser selbst die Verstock­testen gern zu der Einsicht bekehren möchte, daß wahre Religion mit Dolitik nichts zu tun haben kann, sondern ein Ausfluß des Herzens und Seins des Menschen aus seinem Verkehr mit Gott ist."

Im Auslande nehmen wieder die Dinge auf dem Bal- kan unsere Aufmerksamkeit gefangen: Rußland unb Oesterreich finb bei ber Pforte nachorücklich im Interesse von burcij-greifenben Reformen in Macebonien, bie dem Laube endlich Ruhe uno Crbnung bringen follen, vorstellig geworben, unb sehen sich darin von Deutschlanb, Frank­reich unb Italien unterstützt. Tie Vorschläge ber gemein­samen Note, bie vom östreichisch-mngarischen unb russischen Botschafter bem Großvezier überreicht würbe, umfassen im. Wesentlichen: 1. bie Ernennung eines Grneralinspektors auf brei Jahre mit entsprechenben Vollmachten; 2. bie Ernennung von europäischen Genbarmerie-Offizieren; 3. die regelmäßige Zahlung ber Gehälter burch Vermittelung ber Ottomanbank, an die alle Einkünfte aus Steuern Äzu- sühren sind. Ob ein befriedigendes praktisches Resultat bei der Sache herauskommen wird, dafür eröffnen die Erfahrungen, die man in früheren Jahren mit diesen Strebungen gemacht hat, keine befriedigenden Aussichten. Berichte» aus leeres zufolge stehen auf bulgarischem Bo­den an der türkischen Grenze bei dem Kloster Rilo 4000 bewaffnete Macedonier, bereit in das Sturma-Tal ein»

Für die Frauen.

Blumen-Taielschmuck. Wenn die Hmisfrau ein paar liebe Tischgäste gefunben hat, bann bürfen auf der Tafel die Blumen nicht fehlen. Ter Blumenschmuck auf der Tafel ist so unentbehrlich geworden wie das Dessert. Ohne Blumen will das Mahl nicht recht munden und ohne Blumen lvill keine fröhliche Taf^lftimmuirg aufkvmmen. Allein mit der Blütenfülle ist jedoch die Sache nicht erledigt, auf deren Anordnung kommt es an.Toujours perdrix" aber auch der stolze Blumenschmuck wirkt ermüdend, wen» er sich dem Auge in stets gleichbleibender Form präsentiert. Abwechs­lung! Tas ist's, worauf es auch beim Blumenschmuck an- kommt. Gläser, Vasen unb Schalen sind glücklicherweise zumeist in jedem Haushalte reichlich vertreten und mittels dieser ist die Schaffung von Abwechslung leicht möglich. Auch der stete Wechsel in der Wahl des Blumenmaterials wird die Einförmigkeit nicht aufkomme» lassen. Auch in der Art und Weise, wie die Vasen oder Gläser auf der Tafel ausgestellt werden, ist ein Wechsel möglich. Einmal ran­gieren die Gefäße in einer Linie in der Längsrichtung der Tafel, bann in mehreren Linien, quer ober schräg über bie Tafel, bann in zwangloser Zusammenstellung »sw. Wie mannigfaltig dieser Wechsel sein kann, das hat uns der fürstlich fürstenbergische Tafeldeforateur Otto Wagner in seinem Werke:Moderne Tafeldekoration", Verlag von Hugo Voigt in Leipzig, geschildert. In vielen Beispielen und'Ab- bilbungen belveift er, daß wir nie um eine neue Form der Anordnung verlege» zu sein brauche».

Schauspielergagc».

Der Kgl. sächs. Hofschauspicler aboif Winds in Dres­den hat unter dem Titel:Aus der Werkstätte des

Schauspielers" ein Buch herausgegeben, das jedem Theaterbesucher als lehrreicher Führer durch manche Theaterfragen empfohlen werden kann. Z. B. dürfte die folgende Zusammenstellung über die Gehälter der Schau­spieler allgemein intereffforen:

Im ganze» Deutschen Reiche so schreibt Winds mit Einschluß von Oesterreich, giebt eS ungefähr 18 bis 20 große Schauspielbühnen, die ihren Mitgliedern volle Jahres­bezüge gewähren, und in den Städten, wie Berlin, Wien, Dresden, München, Frankfurt a. M., Hamburg werden Gagen von 8- bis 15000 Mk. an die ersten Kräfte, in Leipzig, Hannover, (Stuttgart, Wiesbaden, 6- bis 10 000 Mk. be­willigt. Dagegen erreichen auch an diesen Theatern die zweiten und mittleren Kräfte ein solches Einkommen nicht, nur etwa die Hälfte, lieber den Beirag von 15000 Mk. geht nur ausnahmsweise eine Schauspieler-Gage hinaus; in Berlin und Wien eher, wie anderswo, doch ist im allge­meinen eine Gage von über 10000 Mk. schon eine Selten­heit. Immerhin sind- das glänzende Bezahlungen. Zu den oben angeführten zwanzig großen Schauspielbetrieben treten etwa noch 810 Hofbühnen, die ihre Mitglieder ebenso jahraus, jahrein bezahlen, Braunschmeig, Staffel, Karlsruhe, Weimar, Schwerin, Kvburg, Maiuihcim ufro.; doch gehört an diesen Buhnen eine Schauspielgage von 7000 bis 8000 Mk. zu den Ausnahmen und ist im Durchschnitt geringer. Auch Städte, wie Köln, Bremen unb Breslau bieten an ihren Theatern noch gute Besoldungen, doch schließt man dort schon keine Kontrakte für das ganze Jahr, sondern nur für die betreffende Spielzeit, also höchstens für acht Monate. Insgesamt werden sich bei den sogenannten ganzjährigen Theatern" ungefähr 800 Stellungen ergeben, männliche und weibliche, die eine forgenfreie, sichere Existenz ermöglichen, gegenüber der mindestens zehnfachen Anzahl

von Berufsangehörigen. A» ben übrigen Theatern werden, je nach der Größe Der Städte, Monatsgagen von 200 bis 400 Mk. gezahlt, für den Helden, bie erste Liebhaberin in befonberen Fällen mehr, bvch dürfte eine monattiche Scham- spielgage feiten 500 Mk. übersteigen. Rechnet man durch­schnittlich 400 Mk., die aber nur ben bevorzugten Fächern bewilligt werden, fo giebt das eine bei 7y2 Monate» Saison, 15. September bis 1. Mai Jahreseinnahme von OOoO Mk. Stabttheater, wie Magoeburg, ^usselDoif, Danzig, Königsberg, Mainz usw., haben fast alle nur eine Spiel­zeit von 71/2 Monaten: bie kleineren Städte eine noch ge­ringere. Bei 3000 Mk. Jahrescinnahme muß aber ber Schauspieler noch feine Ausgaben für die Bühnentoiletten bestreiten; hat das männliche Mitglied nur für moderne Garderobe auszukvmmen, so wird von dem wefolichen Teil auch noch die vollständige Stellung ber Kostüme aus alle» Zeitaltern verlangt. Ganzjährige Th-ater stellen dagegen auch ben Damen Die Kostüme. Dabei muß ber Schauspieler durch die häufige BeränDerung in seinen Engagements kost­spielige weite Reisen machen; es erwachsen ihm Auslagen für die Vermittelungsgebühr des^Agenien (5 Prozent des Einkommens-, für Theater- und Fa^-ttungen, somit kann rund ein Drittel feines Einkommens für Geschäfrsunkosten in Anschlag gebracht werden. Mtthin steltt sich das reine Einkommen eines sogenannten Prooi.vzs^anspielers, an den künstlerisch bie mannigfaltigsten Ansprüche gestellt werden, nicht höher als auf 2000 Mk. Findet sich für ihn während der Sommcrfaifon. ein Engagement, so funn er höchstens, je nach dem Fach, auf eine Gage von 120 bi§ 250 Mk. rechnen, doch ist d.e Tauer einer solche Spielzeit gering, manchmal nur zwei Monati: dabei uerringcri die Reise mit Gepäck unb Garderobe den ohmh.n schmalen Gewinn.