Ausgabe 
22.12.1903 Erstes Blatt
 
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XroJpre T3ü Vetruy unb baft, einschließlich! der Wanberver- famuilung, 7 Versammlungen stattsanden. Vorträge wur­den u. a. über Notfütterungseinrichtungen, Einführurrg fremder Brenetrrassen und Verbesserung der Bienenweide ge­lalten. In seinem Bericht gedachte der Vortragende auch der Beteiligung des Verein!- an der landwirtschaftlichen Ausstellung. Der Verein unterhalte für seine Mitglieder ein Depot von Kunstlmiben und den nötigsten Bienengerät- schasten. Diese Einrichtung hat sich gut bewährt, und namentlich der Bedarf an Kunstwaben war im abgelaufenen Jahre sehr groß. Die Rechnungsablage verlies glatt; es wurde nichts zu erinnern gefunden. Nicht so glatt verlies die Vorst and slvahl, da der langjährige Vorsitzende Döll- Wre^eck eine Wiederwahl entschieden ablehnte. Es wurde hierauf Lehrer Buß-Leihgestern einstimmig zum Vorsitzen­den gewählt. Die übrigen Vorstandsmitglieder blieben die­selben wie seither. Nach Erledigung verschiedener Anträge und Feststellung der nächsten Tagesordnung wurde die Ver­sammlung geschlossen.

* Die Samlung zu einem Landesfondß für Kun st zwecke. Wir lesen heute imDarmst. Tgl. Anz.*:

Die Mainzer Volksztg." entrüstet sich überSammlungen Vm Königreich H e y l* und verfällt damit ebenso in Ueber° treibungen, wie der Abg. Ulrich, welcher in letzter Land­tagssitzung unsere Regierung darüber interpelliert hat, wie sie sich zur Tellnahrne von Beamten an einerfragwürdigen Samm­lung* stelle und ob sie gesonnen sei, demU n s u g* zu steuern. .Zunächst möchten wir nicht verschweigen, daß die von Wo«.ms t ausgehende Sammlung zu einem Landesfonds für Kunstzwecke nicht nach Jedermanns Geschmack ist. Die Begrmrdung der Sammlung mit dem Tode unserer Prinzessin ist etwas gesucht, und die In­anspruchnahme der Kinder für die Sache, besonders aber die in Worms erteilte Instruktion an die sammelnden Schüler hat in weiteren Kreisen der Bevölkerung, das läßt sich nicht leugnen, Verdruß erregt Deshalb aber wird kein Verständiger annehmen, baß es sich umeine fragwürdige Sammlung* handle, un6 die Beleidigung, welche in dieser Wendung gegen die Männer liegt, welche sich der Sache angenommen haben, muß energisch z u r ü ck- gewiesen werden. In unserem Etat ist ein Fonds für Kunst­zwecke vorgesehen, welchen Se. König!. Hoheit der Großherzog ae° Kiftet bat und für Männer des öffentlichen Lebens lag der Wunsch nabe, diesen Fonds durch eine Landesfammlung derart zu ver­größern, daß auch etwas Großes damit erreicht werden könne. Es M uns auch bekannt daß die Schulbehörden, welche die Verwen- 'düng von Schülern als Sammler wegen des schönen Zwecks er­laubt haben, von der ungeschicktenInstruktion* für die Sammler nichts gewußt haben. Die Ehrerbietung für unseren Landesherrn gebietet die Angelegenheit nicht nr breit und in möglichst ruhiger Diskussion zu behandeln. Aber die Fehler, die in bester Absicht vielleicht gemacht wurden, find, auch ganz objektiv betrachtet, nicht derart große, daß eine Interpellation mit so h efti gen Ausdrücken, wie Eingangs erwähnt, dadurch aerechtfertigt werden 'könne. Wir sind Überzeugt, daß unsere Regierung eine würdige Antwort darauf erteilen, den Tadel auf das wichtige Maß zurückzuführen und der Sozialdemokratie das -Vergnügen vereiteln wird, aus dieser wohlgmeinten, nur ungeschickt behandelten Sache einen billigen Triumph ffur sich hervorzuzaubern.

Wir stimmen diesen Ausführungen des Darmstädter Mattes vollkommen zu. Die Idee, eine Sammlung im ganzen Großherzogtum gerade in diesen Tagen für den Monarchen ZU veranstalten, entsprang einem schönen Pretätsgefühl. Man /kann wohl die Ansicht vertreten, daß man in Worms dem ^Aufrufe vielleicht bester eine zurückhaltendere Fassung und 'Form und die Sammlung selber anders hatte ins Werk setzen können. Man kann auch emwenden, daß man vielleicht bester getan hätte, den Gesamtbetrag der Samm- rlung Seiner Königlichen Hoheit zu eigenem Ermesten zur Verfügung zu stellen und nicht von vorn herein einen be­stimmten Zweck sestzulegen. Aber man weiß auch, welches ungemein lebhafte Interests unser Landesfurst an der Ent­wickelung des hessischen Kunstgewerbes nimmt, und darum «glaubte man wohl des vollen Einverständnistes des Groß- sherzogs mit dieser Vorbestimmung gewiß sein zu dürfen. ^Doppelt unmanierlich und unzart just in dieser Zeit des schweren Leides ist und bleibt aber die Tonart Ulrichs und (feiner Genosten jedenfalls, und man kann nur Worte des Mitleids haben für Aeußerungen einer so niedrigen Gesinnung.

** Polizeib ericht. Gestern abend kamen zwei in Atx Schottstraße hier wohnhafte Taglöhner in Streit, welcher jin Tätlichkeiten ausartete. Ter eine erhielt von dem andern juckt einem Messer einen Stich in den Bauch, sodaß ärztliche ^ilfe in Anspruch genommen werden mußte. Gestern habend kamen ein Metzgergeselle aus Wetzlar und ein hiesiger Junger Mann in der Rodheimerstraße in Wortwechsel, wobei der erstere dem anderen derart (anscheinend mit einem harten Instrument) in das Gesicht schlug, daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Am Abend des 20. zum j 21. d. M. rempelten zwei hresige Arbeiter auf der Rod- '.cheimerstraße mehrere Leute, welche dort harmlos vorüber- »gingen, an und schlugen sie ohne jegliche Ursache. Sie wurden noch am Tatorte abgefaßt und sestgenommen. In /allen drei Fallen wurde Anzeige erhoben.

n. Saasen, 19. Dez. Während im Winneröder Wald /die Holzarbeiter mit dem Fällen einer Tanne beschäftigt waren, st ü r z t e eine andere, bereits angehauene Tanne Mr Boden und traf einen der fliehenden Arbeiter derart, soaß er bewußtlos zu Boden geschleudert wurde. Ein herbergerufener Arzt konstatierte einen Rippenbruch; ob noch wertere innere Verletzungen entstanden, muß eine spätere Untersuchung zeigen.

§ Griedel, 21. Dez. Heute früh nach 6 Uhr brach 'm der einen Scheuer des großen Bender'schen Gutes hier Feuer aus, welches so rasch um sich griff, daß zwei Scheunen ganz, mehrere Stallungen und andere Nebengebäude des An­wesens großenteils zerstört wurden. Mitverbrannt sind auch Hühner und eine Ziege, ein neuer Dreschwagen und die be­deutenden Frucht- und Holzvorräte. Der raschen Hilfe unsrer Wehr und Einwohnerschaft, sowie benachtbarter Pflichtfeuer- wehren ist es zu danken, daß der Brand bis Mittag auf seinen Herd beschränkt wurde. Der Schaden ist enorm -imb wird nur teilweise durch Versicherung gedeckt. Es liegt .offenbar Brandstiftung vor. Ein ftüherer Knecht des Bender 'wurde in Untersuchungshaft gebracht

)( Gründ erg, 20. De^. Einen begrüßenswerten Akt Atttn Ansporn des Fleißes der Schüler vollzog heute der Vorstand der hiesigen Handwerker-Sonntags- Jerchenschule, indem an fünf Schüler der obersten Klüfte (zwei von diesen waren aus Qurckborn, je einer aus Lindenstruth, Saasen und Lehnheim) für gute Führung And Fleiß ein Weihnachtsgeschenk in Form von für den -jeweiligen Berus der Ausgezeichnete« nützlchen Unterrichts- Lüchern vergeben wurde.

Crainfeld, 20. Dez. Der Arbeiter Johs. Oechler -pon hier litt an einer Zahnfistel und ließ sich 2 kranke Zähne ziehen. Ungeachtet der Vorstellurrgen des Arztes griff er als passionierter Raucher gleich wieder nach der Pfeife. Es stellte sich Blutvergiftung ein, welcher

der unglückliche Mann schon nach wenigen Tagen in der Klinik zu Gießen, wohin er seines schlimmen Zustandes wegen verbracht worden war, erlag. O. hinterläßt eine Frau, die in gesegneten Umständen sich befindet und zwei kleine Kinder. Seine Schwiegermutter liegt nun auch an Blutvergiftung darnieder; sie hat die Wäsche des Verstor­benen besorgt (Alsf. O. Ztg.)

sd. Darmstadt, 21. Dez. Jii ein eigentümliches Tilemma ist die hiesige Stadtverwaltung mit dem Justizministerium geraten. Tie in der früheren, jetzt mit Darmstadt vereinigten Gemeinde Bessungen vorhandene Stelle eines Or ts g erichts v o r ste hers, mit welcher auch das Amt eines Standesbeamten verbunden ist, ist. feit einiger Zeit verwaist, wird zurzeit provisorisch ver­waltet und soll neu besetzt werden. In der letzten Stadt­verordnetensitzung schlug nun der Oberbürgermeister im Ein­verständnis mit dem Justizministerium als gemeinsamen Kandidaten für beide Stellen den schon längere Jahre hier wohnenden, um das Kriegervereinswesen besonders verdien­ten'Hauptmann d. L. W. vor. Die Versammlung lehnte aber trotz aller Befürwortungen nach hartnäckigem Kampfe die Wahl des .Vorgeschlagenen mit 19 gegen 18 Stimmen ab. Darüber herrschte nun große Erregung, da nach den Ausführungen der Freunde des Durchgefallenen der Justiz­minister jedenfalls auf seinem Schein bestehen und seinen Kandidaten einfach anstellen wird; allerdings wird dann vielleicht das Schauspiel zu erwarten sein, daß auch von der Stadt eilt anderer Standesbeamter ernannt wird. Hossent- lich wird sich recht bald eine Verständigung erzielen lassen. Tie Gegner des Kandidaten sollen um deswillen so hart­näckig gewesen sein, weil er nicht einmal geborener Hesse, erst seit vorigem Jahre naturalisiert sein soll. Für viele Stadtverordnete kam auch der Vorschlag so überraschend, sodaß sie eine Ueberrumpelung vermuteten. Es wird be­hauptet, daß man zu diesem allerdings ziemlich einträg­lichen Poften auch sehr geeignete und verdiente Leute in der städtischen Verwaltung rc. besitze. Auf den Ausgang darf man gespannt sein.

sd. Darmstadt, 22. Dez. (Doahtbericht.) Unter dem Verdacht, den Auszügler Johi Welz in Harpertshausen er­morde t zu haben, wurde durch die hiesige Staatsanwalt­schaft der Gastwirt Adolf Rvthärmel, bei dem W. ge­wohnt hat und mit dem er in Streit lebte, verhaftet.

w. Langen, b. Darmstadt, 22. Dez., (Eigener Drahtbericht.) In das hiesige Postamt wurde heute nacht von 2 Männern eingebrvcheu. Als der Post- un ter beamte Kreis die Einbrecher überraschte, gaben sie zwei Revolverschässe auf diesen ab, ohne ihn jedoch zu treffen. Im Frankfurter Hauptbahnhos wurde heute morgen ein Mann jun ter dem Verdacht der Täterschaft verhaftet.

2. Aus Rheinhessen, 21. Dez. Von den wenigen in Rheinheffen noch bestehenden Simultankirchen ver­schwindet jetzt wieder eine und zwar die in Wöllstein. Durch Vermittelung des Kreisamtes in Alzey hat dieser Tage die kirchliche Trennung zwischen den katho­lischen und protestantischen Kirchenvorständen stattgesunden. Die Katholiken erhalten als Abfindung 16 000 Mark, wofür den Protestanten die alte aus dem 16. Jahr­hundert stammende Kirche als alleiniges Eigentum verbleibt.

Frankfurt, 21. Dez. Der Abschluß des Geschäfts­jahres 190203 der Neuen Theateraktiengesell­schaft weist nach Prüfung der Bilanz durch einen beeidigten Bucherrevisor den Betrag von rund 28,200 Mark als Er­sparnis an der städtischen Subvention auf, die zur Reserve­stellung an die Stadt zurückzubezahlen sind. Das Schau­spiel erzielte in seinem neuen Heim im ersten Jahre einen Reingewinn von mehr als 90,000 Mark.

Frankfurt, 21. Dez. Wie man demGen. Anz." aus zuverlässiger Quelle mitteilt, wird das Orpheum in dieser Saison zum letztenmale als Spzialitätenbühne Verwendung finden. Direktor Bruck wird solches von nächster Saison ab nur noch als Theater unter dem NamenResidenztheater" führen. Es werden vorwiegend französische Schwänke und für einige Monate auch Operetten und Possen zur Aufführung gelangen. Das Theater soll auch im Innern praktische Neuerungen erfahren.

sc. Frankfurt, 22. Dez. (Eigener Draht- berichü) Der Leutnant Hermann Lauprecht vom 81. Jnf^Regt. erschoß in vergangener Nacht in seiner Wohn­ung eine bei ihm weilende junge Dame und darauf sich selb st. Beide waren sofort tat. Die Mo­tive der Tat sind unbekannt.

Gerichtssaal.

fc. Frankfu rt a. M., 21. Dez. (O b e rkriegsg erich t.) Es war am 15. Juli 1902, da badete am helllichten Tage ein Ehe­pärchen in dem Flüßchen Faicht in der 9lähe von Schlettgadt. Die Kleider lagen am Ufer. Die Gelegenheit ist günstig, dachte der des Weges kommende Joseph Finantz aus Mittel'.veier, mauste aus den Kleidern 20 Mark und machte sich aus dem Staube. Ein zu Rosse sitzender Metzgerbursche aber jagte ihm nach und hielt ihn fest, bis der bestohlene Ehemann herbeikam. Dieser stellte den Namen des Spitzbuben fest, nahm ihm das Geld teilweise wieder ab und liefe ihn laufen. Einige Tage danach kniff ^Finantz, der ktirz zuvor zu den 21. Dragonern ausgehoben war, aus Furcht vor Strafe über d ie franzöfifche Grenze aus, trat bei der Fremdenlegion ein und diente ein Jahr im Süden. Dann wurde er fieberkrank und erhielt seine Entlassung. Im Aiigust d.J. stellte er sich in Niedersulzbach den deutschen Behörden. Am 20. August wurde er bei der 6. Komp. 116. Inf.- Regts. in G i e ß,e n eingestellt und am 12. November vom Kriegsgericht der 25. Divi­sion in Darmstadt wegen Diebstahls unb Fahnenflucht zu 10 Monaten Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse des 'Loldatenstandes verurteilt. Gegen dies Urteil hat er Berusung eingelegt. Er machte gellend, dafe er in der Trunkenheit sich von einem Kameraden habe beschwätzen lassen, über die Grenze zu gehen und Handgeld zu nehmen. Er sei erst wieder zu sich ge­kommen, als er in Marseille auf dem Schiff war. Das Ober- kriegsgerichl glaubte diese Geschichte nicht und verwarf die Be­rufung.

EinApachen*-Duell. Tie Pariser Ge­schworenen haben soeben ihr Verdikt gefällt über das letzte große Duell der beiden berüchtigten Häuptlinge der PariserApachen". Der Sieger wurde zu lebenslänglicher Deportation und Zivangsarbeit in Guayana verurteilt. Dergroße" Georg, derS ch r e ck en b er 9)1 ärtt e", wie sein offizieller Name unter den Apachen der Pariser Boulevards lautet, war nicht weniger als 14 mal für UeberfäUe und Vergewaltigungen ins Zuchthaus gesandt worden. Als er vor einigen Wochen feinen letzten Zwangsarbeits-Kursus absolviert hatte, suchte er den jetzigen Häuptling der Apachen Ravallae auf und forderte ihn zum Zwei­kampfe heraus, weil er in feiner Abwesenheit feineKönigin" auf den Apachenthron erhoben hatte. Außerdem hatte er ihn verraten und ihm so zwei Jahre'Zuchthaus verschafft. Das Duett fand m einer berüchtigten Hmtergasse statt. Im ersten Gang schlug Ravallae demSchrecken der Nlärlte" mit einem m a ch t i g e n Fau st - schlag zu Boden. Schon galt das Duell für entschieden, als der einige Augenblicke bewußtlos daliegende Georg sich auf raffte und taumelnd auf den fchon triumphierenden Gegner sich warf und

ihm seinen D o l ch i n s H e r z stieß. Navauac vracy tot zusammen. Vor den Geschworenen verteidigte sich derSchrecken der Niarkte damit, daß er in Selbstverteidigung gehandelt hätte, die Ge­schworenen hielten es indes für richtiger, ihn für den Nest seines Lebens nach Guayana zu schicken.

Das Urteil im Kischinew-Prozeß. In dem Prozeffe wegen der gegen die Juden gerichteten Unruhen wurde das Urteil gefallt. Gretochiu und Nlarosjuk, gegen welche die An­klage auch auf Mord lautete, wurden zu sieben bezw. fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Gegen 22 wettere Angeklagte wurde auf Einreihung in die Arrestanteiikompagnie.erkannt. 12 wurden frei" gesprochen. Die anhängig gemachten 48 Zivilklagen wurden sämt­lich unberücksichtigt gelaßen. Die Gerichtskosten wurden den Ver­urteilten auferlegt. rL

Stettin, 21. Dez. Die K a p i t ä n e P o l d t und Rastel', welche ben am 19. Juli d. Js. erfolgten Zusammenstoß der DampferTräger" unbTerra" verschuldet hatten, bei welchem drei Personen den Tod fanden, wurden heute wegen fahr­lässiger Tötung zu je sechs Ni onaten Gefängnis verurteilt.

Von der Strafkammer in Beuthen wurde der er­blindete frühere Wirtschaftsbeamte Urban wegen Majestäts - beleidigung zu einem Jahr und sechs Nionaten Gefängnis verurteilt und sofort verhaftet.

Wetterbericht vom 21. Dezember.

Verlauf der Witterung von Samstag bisMontag<

Tas östliche Hoch hat sich unter Verstärkung westwärts bis Frankreich ausgebreitet. Ta die Luftdruckimterschiede ganz gering sind, herrscht nur schwache östliche Luftströmung, unter deren Ein­fluß das trübe, trockene Wetter mit leichtem Froste andauert. Doch ist heute, Niontag, ein kräftiges Tief im Westen erschienen, welches die östliche Luftströmung verstärken dürfte. Daher für Dienstag unb Mittwoch: Aufheiterndes, kälteres Frostwetter zu erwarten.

Wetterdienst in Gießen: A. Pepp 1 er. ...... '' ll"11 11w' " --' ........

Handel und Verkehr. Volkswirtschast.

Berlin, 21. Dez. Tie heutige Aufsichtsratssitzung der Dis» konto- Gesellschaft beschloß, der am 11. Januar einzu- berufenden Generalversammlung die Erhöhung des Kom- mandit-Kapitals auf 170 Millionen vorzuschlagen, durch Ausgabe von 20 Millionen neuer Kommandit- a n t e i l e mit Dividendenberechtigung ab 1. Januar 1904. Maß­gebend für diesen Antrag war neben der Erweiterung der Geschäfte die in Aussicht genommene Uebernahme weiterer 10 Millionen Kommanditanteile der Norddeiitschen Batik in Hamburg und die Errichtung einer Filiale in Bremen durch Uebernahme der Firma I. Schultze u. Wolde in Bremen. Von den neuen Kommandit- Anteilen sollen 7 500 000 Mk. von einem Konsortium übernommen und den bisherigen Kommanditisten zu 165 Proz. dergestalt an­geboten werden, daß auf je nom. 24 000 Mk. alter Anteile ein neuer Anteil von 1200 Mk. entfällt. Den weiteren Betrag von 7 999 200 Mk. erhält die Norddeutsche Bartk in Hamburg im Um­tausch gegen 10 Millionen Kommanditanteile der Norddeutschen Bank in Hamburg, während der Restbetrag zum Teil in den Besitz der Jiihaber der Firma Schultze u. Wolde in Bremen übergeht, zum Teil an das oben erwähnte Konsortium freihändig begeben wird. Ter ans diesen Traiisaktionen sich ergebende Buchgewiitn wird dem Reservefonds tantiemenfrei zugeführt. Der General­versammlung sott die Zuwahl des Herrn I. G. Wolde, Seniorchef der Firma I. Schultze u. Wolde in Bremen, in den Aufsichtsrat vorgeschlagen werden, währelid die Leitung der Bremer Filiale von den bisherigen Teilhabern der Firma H. A. Wolde und Ehr. Schlingmann übernommen wird. Die Geschäftsinhaber brachten ferner zur Kenntnis des Aufsichtsrats, daß sie beschlossen, bts auf weiteres, unbeschadet ihrer vertragsmäßigen Rechte, die ihnen znstehende Gewinnbeteiligung von 20 auf 16 Prozent zu ermäßigen.

Hamburg, 21. Dez. Der Aufsichtsrat der Norddeutschen Bank befchloß, der am 9. Januar einzuberufenden General^ Versammlung bie Erhöhung des Kommanditkapitals auf 50 Millionen Mark vorzuschlatzen, um der Erweiterung und der ferneren Ausdehnung der Geschäfte Rechnung zu tragen. Die 10 Mill. Alk. neuer Kommanditanteile sollen der Direktion der Diskonto-Gesellschaft gegen eine Gewährung von nom. 7 999 200 Mk. ihrer Kommanditanteile überlassen werden, betder- seittg mit einer Tividendenberechtigung ab 1. Januar 1904. Tie Norddeutsche Bank in Hamburg hat, vorbehaltlich der Genehmigung dttrch die Generalversammlung, diese Diskonto-Kommanditantelle an ein Konsortium zu einem dem Gegenwert entsprechenden Kurse veräußert. Der über 10 Millionen hinaus nach Abzug der Kosten sich ergebende Erlös wird tantiemefrei dem Reservefonds zugeführt. Vorläufig ist noch nicht in Aussicht genommen, an Stelle des ver­storbenen Kommerzienrats v. Haitsemann einen neuen Geschäfts­inhaber der Norddeutschen Bank in Hamburg zu ernennen. Die Geschäftsinhaber teilten dem Aufsichtsrat mit, daß sie beschlossen haben, bis auf weiteres, unbeschadet ihrer vertragsmäßigen Rechte, die ihnen zustehende Gewinnbeteiligung nur mit */s Proz. in An­spruch zu nehmen. Eine heute abgehaltelte Versammlung, in der die hauptsächlichsten Schiffsrhedereien Hamburgs fast vollzählig ver­treten waren, erklärte sich im Prinzip einstimmig einverstanden mit der Schaffung einer internationalen Vereinigung der Segelschiffsrheder eie ii zwecks Festsetzung von Minl- mal-Frachtraten für Heim- und Zwischenreisen auf den hauptsäch­lich in Frage kommenden Routen. Diese Aiinimalsätze sollen nur so hoch bemessen werden, daß sich die Selbstkosten der Rheder decken. (Sine unbeschränkte, generelle Erhöhung der Frachtsätze darüber hittaus ist nicht beabsichtigt.

Nom, 21. Dez. Der Senat stimmte debattelos der Vorlage, betr. die Konversion der 4«/-proz. Rente, zu.

Teiephonsscher Kursbericht.

Kraiekfort a. 22. Dezember 1903.

372% Reicheanleihs . . 102.45 3o/o do. ... 91.60 3V,°/o Konsols .... 102.00 8% do......91.80

372% Hessen .... 101.00 372% Oberhessen . . , 99.80 4% Oesterr. Goldrente . . 102.80 47Oesterr. Silberrente 101.10 4% Ungar. Goldrente , . 100.40 40/0 Italien. Rente , , . 103 50 4% 96 Portugieser , . . 63.80 »°/ Portugiesen. .... 32.60 196 C. Türken . . . . 37.65 Türkenlose ...... 140 20 4% Gneoh. Monopol.-Anl. 44.30 4l/96 äussere Argentiner 00 00

3% Mexikaner .... 26.00 4%% Chinesen . . . . 91.30 Electric. Sohuckert . . . 106.20 Nordd. Lloyd . . , . 105.00

Kreditaktien.....215.75

Diskonto-Kommandit. . . 198.30 Darmstädter Bank . t . 146.40 Dresdener Bank .... 158.30 Berliner Handelsges. . , 164.75 Oesterr. Staats bahn . . . 145.50 Lombarden . .... 17 30 Gotthardbahn.....193.75

Laurahütte ...... 238.20 Bochum ...... 190.80 Harpener...... 204.30

Tendenz: still.

Hessische Landes-Hypotheken-Bank.

3 V2 % Pfandbriefe: Cours 100 %

3 V2 % Communal-Obligationen: Cours 100.30 %

Verzinsung vom hessischen Staate garan­tiert und im ganzen deutschen Reich mündel­sicher.

Ais direkte Verkaufsstelle der hessischen Landes-Hypotheken-Bank in Darmstadt halten wir vor­stehende Werte stets in grossen Beträgen auf Lager und berechnen solche franko Provision.

Bank für Handel und Industrie

Depositenkasse Giessen 944g

(Darmstädter Bank).