Vei der heutigen Landtagsmahl gaben
bericht.)
Landgerichtsrat
Wien 21. Oft. Der Kaiser empfing heute Lord Me- ithuen, di er ihm int Auftrage des Königs W>uard einen Marschallftab überreichte.
Konstantinopel, 21. Ott. Die Pforte beabsichtigt, wegen ter schwierigen finanziellen Lage, in welcher ftch tie Türkei infolge des Kriegszustandes befindet, die Zölle auf 11 Prozent zu erhöhen.
in unbändige Heiterkeit ausbrach. Viele derer, die nicht imstande waren, ihren Ernst und ihre Würde zu bewahren, machten ihren Anstrengungen in lauten, langen Tönen Luft. Nachdem dies Lachen um des Lachens Witten einigermaßen unterdrückt war, ging es wieder von neuem los, als Herr Ado Conrad als Ord inarius seinen Sekundanern von den Heldentaten des Leonidas erzählte und seinen Vortrag jeden Augenblick mit Warnungen und mehr oder minder hitzigen Aeußer- ungen seines Unwillens unterbrechen mußte. — Der erste Vortragsabend des Kaufmännischen Vereins war sehr unterhaltend. Die Besucher, die, wie bereits erwähnt wurde, den großen Theatersaal fast bis auf den letzten Platz füllten, werden mit Interesse der irächsteu Veranstaltung entgegensehen.
— In Sachen der Enteignung des Geländes für die zu erbauenden Kliniken ist, wie wir hören, der Entscheid des Großh. Ministeriums eingetroffen. Das Ministerium verwirft die Beschwerden der Geländeeigentümer.
** Rettung. Heute vormittag wurde die 16 jährige Tochter eines hiesigen Straßenkehrers, die anscheinend freiwillig ihren Tod am sogen. Konsirmandensprtmg in der Lahn suchen wollte, in dem Moment, als sie untergehen wollte, von dem Bademeister Philipp Müller hier gerettet. Derselbe war ca. 80—100 Meter von dem Tatorte entfernt und sprang dem Mädchen, das etwa 20—25 Meter vom User entfernt war, nach. Dasselbe wurde seinen Eltern zugeführt.
** Jubiläum. Eberhardt Schäfer, Oberknecht am Gießener Braunsteinbergwerk, feiert heute sein 25 jähriges Dienstjubiläum.
** Gemälde-Ausstellung. Dr. Easar, der Besitzer des alten Apothekenhauses am Markt, hat die unteren Räume auf einige Wochen Herrn Leib dem Aelteren überlaffen, der dort eine Gemälde-Ausstellung veranstaltet.
** Eine Besichtigung der Heyligenstaedt- schen Fabrik. Im Anschluß an eine Konferenz statteten gestern die Lehrer an der hiesigen Fortbildungsschule und Rektor Huhu den Heyllgenstaedtschen Fabrikanlagen einen Besuch ab. Die Besichtigung dieses ausgedehnten, modernen Betriebes erfolgte in unterrichtlichem Interesse und gewährte unter der liebenswürdigen Leitung der Herren Kommerzienrat Heyligenstaedt und Ingenieur Fahrenkamp einen lehrreichen Einblick in die emsige Tätigkeit der Arbeiter und Maschinen Welche Summe potenzierter Kraft zeigt sich da überall: von dem Schmelzofen, dem das glut- lüssige Material entströmt, bis zu der riesigen Schneide- majchrne, die mit einem Druck von 250000 Klg. ein dickes Flacheisen glatt durchjchneidet! — Nach Schluß des Rundganges sprach Rektor Hahn den Herren Heyligenstaedt und Fahrenkamp für die in zuvorkommendster Weise übernommene Führung und sachgemäße Erläuterung aller Einzelheiten den Dank der Besucher aus und wies dabei ganz besonders auf das lebhafte Interesse hin, das Kommerzienrat Heyligenstaedt den fachunterrichtlichen Bestrebungen, namentlich aber auch der Fortbildungsschule, stets entgegen^ gebracht habe. In einer längeren Aussprache gab dann Kommerzienrat Heyligenstaedt der lleberzeugung Ausdruck, daß die hiesige Fortbildungsschule bei stets zunehmender Berücksichtigung der gewerblichen Interessen der Sck)üler von außerordentlicher Wichtigkeit für deren Ausbildung ser. Einen Ansporn für seine eigenen Lehrlinge hat er in einer Prämie geschaffen, die schon seit mehreren Jahren diejenigen mit guten Noten im Betragen und Kenntnissen erhallen — eine Einrichtung, die zweifellos vollste Llnerkenn- ung und weitere Empfehlung verdient.
§ Butzbach, 21. Okt. Seit einigen Tagen ist die Frau eines hiesigen Einwohners verschwunden. — Zwecks Vollzug der Gründung einer Bezirkssparkasse Butzbach ür die bisher dem Mathildenstijte Friedberg-Butzbach, Zweigverwaltung Butzbach, angehörigen 22 diesseitigen Orte wird am 29. l. Mts. unter Vorsitz des Großh. Kreisrats Fey zu
103 Wahlmänner ihre Stimmen ab.
Aus Studt und Land.
Gießen, den 22. Oktober 1903.
Empfang bei Hofe. Se. Königl. Hoheit der Großherzog empfingen am 21. Oktober u. a. den Pfarrer Bernd eck von Okarben, den Oberpfarrer Vogt von Lauterbach und den Profeffor Gisevius von der Landesuniversität Gießen.
- Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den Landgerichtsrat beim Landgericht der Provinz Starkenburg Dr. Otto Schwarz zum richterlichen Mitglied der Landeskommission in Feldbereinigungssachen bestellt. — Das Ehrenzeichen für Mitglieder fteiwilliger Feuerwehren wurde verliehen dem Mitglieds der fteiw. Feuerwehr zu Lauterbach Karl Theodor Helsenbein.
"Neuer Pfarrer. Wie unS aus sicherer Quelle mit- geteilt wird, ist Pfarrer Schwabe zu Rödgen zum Pfarrer der hiesigen Markusgemeinde ernannt worden.
" Miltärdienstnachrichten. v. Klipstein, Oberl. t'm 1. Großh. Feldart.-Regt. Nr. 25 (Großh. Hess. Art.-Korps), wurde zum Adjutanten der 17. Feldart.-Brigade ernannt. Frhr. v. Hügel, Hauptm. und Komp.-Ches im 1. Großh. Hess. Jnf.-(Leibgarde-)Regt. Nr. 115, als Lehrer zur Kriegsschule in Metz versetzt. Branscheid, Fähnrich im Jnf.- Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hefl.) Nr. 117, zum Leutnant befördert. — Im Beurlaubtenstande: Zu Leutnants der Reserve befördert die Vizefeldwebel bezw. Vizewachtmeister: Born (Marburg) des Jnf.-Leib-Regts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, Glenz (Worms) des 1. Großh. Hess. Jnf.-(Leibgarde-)Regiments Nr. 115, Bechtold (I Darmstadt) des Jns.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Heff.) Nr. 116, Klump (Worms) des 4. Großh. Heff. Jns.-Regts. (Prinz Karl) Nr. 118, Kröll (Worms) des 5. Großh. Heff. Jnf.-Regts. Nr. 168,> Kranzbühler (Worms) des 2. Großh. Heff. Feldartillerie-Negts. Nr. 61, Meng er (Worms) des Großh. Heff. Train-Bats. Nr. 18, Bücking, Lt. der Res. des Kurheff. Train-Bats. Nr. 11, (Frankfurt a. M.), zu den Reserveoffizieren des Großh. Heff. Train-Bats. Nr. 18 versetzt. Zimmermann, Lt. der Landw.-Jnf. 2. Aufgebots (Gießen), der Abschied bewilligt. Dr. Fresenius, Oberarzt der Reserve (Worms), zum Stabsarzt, Dr. Degen, Unterarzt der Res. (I Darmstadt),
solchen Ofen im Zimmer besitzt, wachte nachts auf und fühlte sich so entkräftet, daß er nur mit Anstrengung die Glocke zu ziehen vermochte. Man merkte sofort, daß das Zimmer mit giftigen Gasen angefüllt war, die ihren Ausgang vom
Friedberg eine Generalversammlung abgehalten.
g. Friedberg, 21. Ott. Heute tagte hier die Hessi- che Missionskvnferenz. Eine stattliche Versammlung von ungefähr 150—200 Anwesenden, zahlreiche Glieder der Gemeinde eingerechnet, füllte die Burgkrrche. Nachdem um y210 Uhr die Vertreter der einzelnen Dekanate aus Oberhessen und Startenburg mit dem Vorstande gemeinsame Beratung gepflogen hatten, wurde um 10 Uhr die Ver- anunlung durch Pfarrer Ntes-Melbach mit Schriftbetrachtung und Gebet eingelettet. Hierauf begrüßte der Vorsitzende die Konferenz, Landgerickstsdirektoc Kolb-Darmstadt die Anwesenden mit sehr warmen Worten, auf die Ausgaben der Konferenz hinweisend, und übergab sodann dem ersten Referenten, Professor Dr. Johannes Lepsins das Wort zu seinem Vortrage: „Wellmisfion und Weltkultur". Der Redner fesselte die Hörer in einstündigem, fteien Vortrage ganz außerordentlich. Es ist unmöglich, den interessanten und tiefgehenden Vortrag in kurzem Auszüge miederzugeben. Es sei nur das Resultat wiedergegeöen. Beide stehen sich nicht feindlich gegenüber, sondern gehören zusammen. Die christliche Kultur ist der Weg, aus dem Gott in der Welt Mission treibt. Das nationale und kulturelle Leben der Völker darf von der christlichen Mission nicht ignoriert werden. Es gllt nicht nur einzelne Christen hier und da zu sammeln, sondern vor allem das ganze Volksleben christlich zu beeinflussen usw. Eine lebhaste Diskussion folgte dem prächtigen Vortrage. Das zweite Referat hielt Lehrer Spam er von Braunshardt über das Thema: „Die Mission in der Schule". Durch freund- liches Entgegenkommen der Direktion des Lehrerseminars mar es der obersten Klasse dieser Anstalt gestattet, diesen Vortrag anzuhören. Auch! dieser Redner erschöpfte sein Thema in sehr sachkundiger und fesselnder Weise. Er beantwortete vier Fragen: 1. Soll Missionsunterricht in der Schotte getrieben werden? Ja 2. Was hat die Schule bis jetzt getan? Wenig. 3. In welcher Art soll Allssionsunterricht erteilt werden? 4. Wie kommt Mission in drü Schiule, die trotz aller Bestrebungen auf diesem Gebiete ihr verschlossen geblieben ist? — Nach kurzer Diskussion — die Zett mar inzwischen weit vorgerückt — wurden noch einige gewöhnliche Angelegenheiten geregelt und die Bersammlllng mit Gesang und kurzem Gebet geschlossen. Heute abend findet im Neuen Saalbau öffentliche Versammlung statt mit Vorführung von Skiopttkon-Bildern über „Nacht und Sonnenschein in Indien".
ß Grün berg, 21. Okt. Wiegesährlich die amerika Nischen Zirnmerösen sind, zeigt wieder einmal ein Vorkommnis in unserer Stadt. Ein Geschäftsmann, der einen
die Sache bis zu den untersten Organen weiter, bis der Feldwebel pustend vor Gift und Galle mit donnernder Stimme die Kompagnie antreten läßt, um sie mit seinem Tadel zu zerschmettern. Noch lustiger war die Art, wie der Vortragende oas Lachen aus verschiedenen Ursachen vortrug, das Lachen der Verlegenheit, des Hohnes, )es Zornes und besonders des Selbstamüsements, wobei so ein närrisches Huhn etwas erzählen will, aber sich schüttelnd Vor Lachen kaum ein Wort hervorzubringen vermag. Das wirkte so ansteckend, daß ein großer Teil der Anwesenden
Dr. Buff (nl.) erhielt 101, Architekt Müller (nl.) 100, Fabrikant Langenbach 1 Stimme. Außerdem wurde ein weißer Zettel abgegeben. Die nationalliberalen Kandidaten sind also gewählt.
Darmstadt, 20. Okt. Hofkapellmeisier Willem de Haan begeht heute die Feier seines 25jährigen D i e n st j u b i l ä u m s als Kapellmeister am hiesigen Hos- theater.
sd. Darmstadt, 21. Ott. Die diesjährige Generalversammlung des Alrce-Frauen-Vereins für Krankenpflege fand heute nachmittag 3y2 Uhr unter dem Vorsitz I. G. H. der Prinzessin Ludwig von Battenberg im Saale der Vereinigten Gesellschaft bei sehr guter Betettigung statt. Negierungsrat Dr. Kratz begrüßte die Anwesenden, worauf Ministerialsekretär Gräff den sehr ausführlicher Geschäftsbericht verlas, der zunächst die guten Beziehungen mit allen Schwester an st alten hervorhebt und die Aenderungen im Vorstand bekannt giebt. Danach ist a. ai. für die aus geschiedene Frau Staatsminister Finger, Frau Staatsminister Rothe zur 1. Präsidentin des hiesigen Zweigvereins durch Se. Kgl. Hoheit den Großherzog ernannt worden. Den Kassebericht giebt der Schatzmeister Medttinal- rat Dr. Lauer, danach ist im Jahre 1900 eine Mehr einnah me von 269 Mk., in 1901 ein Fehlbettag von 372 Mk. zu verzeichnen. Die jährlichen Beiträge blieben sich ungefähr gleich, die Einnahmen für Krankenpflege sind gelegen, die Ausgaben für Pensionen sehr gewachsen; sie dürften pro 1904 voraussichtlich ein Mehr von 2400 Mk. betragen. Für Privatpflege war ein Zuschuß von 16 760 Mk. nötig. Das Kapitalvermögen beträgt 155 800 Mk. Es folgt >er Bericht der Vorsteherin des Alieehospitclls, welches 1902 zusammen 66 Schwestern und 3 Lohnpfleg er innen beschäftigt. Die Privat-Armenpsiege sowie die tzospttalpflege war in den Berichtsjahren sehr ausgedehnt. Verschiedene Schwestern wurden für ihre langjährige Tätigkett von S. K. H. dem Großherzog huldvollst ausgezeichnet. Nach zweijähriger Tätigkeit erhielten ihr Anstellungsdiplom die Schwestern: Elise Trumpsheller, Ernesttne Buß, Kath. Lippert, Maria Bräunig, Magdalene Bohmann, Laura Gartenfeld, Alwrne Fries und Kathinka Jung von I. Gr. H. der Prinzessin Ludwig persönlich überreicht. Es folgen Berichte über die einzelnen Abteilungen des Alieeftauenvereins, insbesondere Kinderabteilung 2c., Bericht der Abteilung für Beaufsichttg- ung der in Pflege gegebenen Kinder, welche alle eine regsame Tätigkeit ersehen lassen. — Heber die Tätigkeit des reiw. Erziehungsbeirates berichtet Regterrrngs- rat Hölzinger. Danach sind ca. 40 Mitglieder als Pfleger und Pflegerinnen tätig und die Erfolge durch Unterbringung in entsprechenden Fortbildungsschulen aller Art sehr Mit. Medizinalrat Krug-Mainz berichtete über die Tätigten o-e» Zweigvereins Mainz, dessen Mitgliederzahl um 27 zugenom- men hat und der einie sehr rege Arbeitsamkeit entfaltete. Hervorzuheben ist hier, daß der Verein einen Bauplatz erworben hat und demnächst mit der Errichtung eines eigenen Heims, das mit innerer Einrichtung 170 000 Mk. kosten Wrrd, beginnt. — Fabrikant Böhm berichtet über die Erfolge de» Zweigvereins Ostenbach, Bürgermeister Dr. Karser über Bad-- Wautjeim, Pfarrer Kingelhöfser über Lich, der.171 Mrtglre- der hat. Bad-Nauheim will demnächst ebenfalls ein eigenes Heim errichten. Nach dem Bericht des Großh, Mmisterral- sekretür Gräff haben die Zweigvereine Alzey 215, Büdingen 143, Butzbach 300, Gießen 206, Reinheim 20, Friedberg 237, Schotten 18 Mitglieder.
Biedenkopf, 21. Okt. Die Reichst agswahl m Siegen-Wittgensiein-Biedenkopf wird gegen den Abg. Stöcker noch ein gerichtliches Nachspiel zur Folge haben. Stöcker bezeichnete die sehr leicht nachzumeisende Tatsache seines häufigen Fehlens im Reichstage gegenüber dem national- liberalen Parteisekretär Dr. Fetzer und dem Herrn ^ranz Philipps, Herausgeber des »Magazin sür Literatur', in öffentlicher Versammlung als „Lügen, infame Lügen'. Beide Herren haben gegen den Abg. Stöcker die Privatklage wegen Beleidigung anhängig gemacht.
Vermischtes.
• Görlitz, 21. Okt. In der vergangenen Nacht wurde an einem Bahnübergang ein Fletschersuhrwerk von dem Berliner Güterzuge überfahren. Der Kutscher wurde getötet und das Pferd zermalmt. ,
* Kiel, 21. Okt. In verflossener Nacht kollidrerten die großen Fracht da rupf er ^Saxonia" aus Stettin und „Sparta" aus Königsberg. Die „Saxonia" erreichte den Friedrichsorter Strand, wo sic sank; von der „Sparta" ist der Vorderraunt vollgelausen, das schiff erhielt fick schwimmend. Die Nlannfchajten sind geborgen.
* Hamburg, 21. Okt. Im „Rauhen Haus" legte
zum Assistenzarzt befördert.
♦* Der erste Vortragsabend des Kaufman- -nischeu Vereins hatte einen vollbesetzten Saal. Herr Ado Conrad aus Hamburg war zu Rezitationen gewonnen worden, und er bereitete mit dem Vortrag ernster und heiterer Dichturrgen den Anwesenden gute, anregende Unterhaltung. Zwar ist er nicht in so hohem Maße Künstler, tote sein engerer Landsmann, der vortreffliche Emil Milan, der wohl auch wieder diesen Winter auf Vorttagsreisen geht. Herr Conrad weiß indessen wohl, was zu machen ist, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu erhalten. Die beiden ersten Gedichte: „Rose und Edelraute" von Baumbach, und „Die sterbende Eiche^h die der Vor- ttagende selbst verfaßt und dem Andenken des großen Toten im Sachsenwald gewidmet hat, waren kurz und gut und gingen nicht allzu nahe. Ein anderes war aber dann von dem einstmaligen Königsberger Schauspieler und jetzigen ostpreußischen Rezitators Robert Johannes ein tief ernstes und erschütterndes Lebensbild vom sterbenden Mütterlein, wobei die rührenden Liebeworte der Kinder, die den Tod noch nicht verstehen, ihren Eindruck nicht verfehlen. Der Vorttagskünstler erwies sich dann afe ein glücklicher Interpret nied erbst re ich isch er, ober* und Niederbayer i scher Mundart und brachte uns darauf in der Rezitation der Melchthal-Szene aus „Wilhelm Teil'" die Probe auf seine künstlerische und dramatische Begabung. Bei dieser Aufgabe kann uns ein Künstler so recht sagen, was er ist. Schillers feuriges Pathos erhält in Melchthals Rede durch den Schmerz des Sohnes um den erblindeten, greifen Vater eine seelische Vertiefung, die so häufig leider von Schauspielern verständnislos ignoriert toirb. Die herrliche Stelle: „O eine edle Himmels gäbe ist das Licht des Auges . . ." könnte auch ein anderer als der Sohn des unglücklichen geblendeten Greises sprechen; und bann würben bie Worte chr llangvolles, bewegtes, aber unerschüttertes Pathos behalten bürfen. Allein es spricht ber schmerzgebeugte Sohn; unb ber ganze Schmerz bes eblen Jünglings, ber weinenden Auges das unermeßliche Unglück sieht, wttd nur in leise unb traurig gesprochenen Worten ganz unb sinnvoll zum Ausdruck kommen. So kommt auch nach ber Verschwörung ber brei bie Erinnerung über Attlchtal, baß er klagenb spricht: „Blinber, alter Vater!", unb weiter voll nebenher Trauer: „Du kannst ben Tag ber Freibett nicht mehr schauen, Du sollst ihn hören. . ." Wer dieses „schauen" unb „hören" tönenb unb schwörenb ruft, verletzt bie Schönheit ber Dichtung. Herr Abo Conrad trug dann eine alte scherzhafte Variation des Liedchens „Kommt ein Vogel geflogen" vor in Umdichtungen nach ber Art Schillers, Uhlanbs, Freiligraths unb anderer Dichter, bis er am Schluß ben Spötter Heine von bem Vöglein bichten laßt: „Da läßt er etwas fallen, boch leider nicht das Blatts. — Wir hörten von dem Vortragenden noch niedliche, heitere G-edichte von Otto Sommerstorf, bem Berliner Schauspieler, unb von Johannes Trojan, bem „Mobbe* rabatsch"-Rebakteur. Die übrigen Vorträge erregten stürmische Heiterkeit. „Nach b e r P a r a b e" spricht ber General bem Obersten seine Anerkennung im allgemeinen mit milben Morten aus; nur ber linke Flügel machte eine Bewegung nicht ganz exatt; „ich bin aber zufrieben, ja Herr Oberst, gut' Morgen". In ber Mitteilung bes Obersts an ben Major liegt schon ein wenig Verstimmung, bie biefer schon be- beutenb verstärkt bem Hauptmann zu hören gibt. So geht
Ofen genommen hatten. Wenige Minuten später wäre der Mann verloren gewesen.
m. Lauterbach, 20. Okt. Am 18. b. M. fanb im Darmstäbter Hof zu Ulrichstein eine Versammlung ber nationalliberalen Wahlausschüsse bes Wahlkreises Alsselb-Lauterbach-Schotten statt. Die Versammlung zählte ttotz ber überaus ungünstigen Witterung 50 bis 60 Teilnehmer unb konnte ben Kreisrat bes Kreises Schotten, Geh. Regierungsrat Schönfelb, unb den Abgeorbneten bes Wahlkrerses, Kreisrat Dr. Wallau, willkommen heißen. Die Teilnehmer waren bar in einig, baß eine ftänbige Organisation ber Nationallib e- r al eit bes Wahlkreises geschaffen werden müsse. Die etwa dreistündige Beratung war beseelt von Arbeitsfteudigkett und Einmütig feit, sodaß die Grundlinien der Organisation um 2 Uhr nachmittags festgelegt waren. Daß der ernsten Tagung einige angenehme Stunden gemütlichenBeisammen- seins folgten, kann bei der allbekannten Liebenswürdigkeit der Ulrichsteiner und ber Trefflichkeit des Gasthofes nicht Wunber nehmen.
R. B. Darmstadt, 21. Okt. Das Zarenpaar, der Großherzog, Prinz unb Prinzessin Heinrich kamen heute schon frühzeitig von Wolfsgarten nach Darmstadt. Der Groß- heriog begab sich ins Residenzschloß, wo er eine größere Anzahl Audienzen erteilte; die fürstlichen Damen wohnten einer Sitzung des 2llieen-Frauenvereins bei. Später versammelten sich sämtliche hohen Herrschaften im Alten Palais bet dem neu vermählten Paar, wo sie bis zum Nachmittag verblieben. In der Mittagsstunde konzertierten vor dem Palais die Kapelle des Leib-Dragoner-Regiments. Am Nachmittag unternahmen die fürstlichen Herrschaften Ausflüge in die Umgebung.
sd. Darmstadt, 22. Okt. (Eigener Draht-


