Ausgabe 
22.9.1903 Erstes Blatt
 
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a-rankfurt a. Mr, 21. Sept. Bor enrigen Tagen bei einem hiesigen Lithographen, der mit Räbft in dem Nnfe anßeroroentlicher Geschicklichkeit und Kunst­fertigkeit steht, ein eleganter junger Herr vor, der sich als Stellvertreter einer großen Lyoner Firma ausgab. Er überreichte dem Lithographen einen Huudertfrancs- schein mit dem Auftrag, ihn auf das genaueste aus Stein zu gravieren, und erklärte sich bereit, dem Mnstler aus seine Arbeit, die ausgezeichnet bezahlt werden sollte, sofort einen Vorschuß zu geben. Da der Lithograph ein etwas bedenlliches Gesicht machte, holte der junge Mann einen Brief aus der Tasche und las chm daraus vor, daß die Firma diesen Hundert fr anesfch ein zwar als Scherz­artikel für das kommende Weihnachtsfest benutzen wollte, aber trotzdem auf tadelloser und exakter Ausführung be­stehen müsse- Sobald sich der Besuch entfernt hatte, schaute sich der Lithograph den Geldschein von allen Seiten nachdenklich an, itnb um seine aufsteigenden ernsten Be­denken zu beseitigen, begab er sich stracks zum hiesigen französisch en Konsul und trug ihm die ganze Geschichte vor. Dieser erklärte den Schein für echt und gab dem Künstler den Rat, von dem ganKen Handel Abstand zu nehmen. Schon nach wenigen Tagen lief aus Hannover ein Schreiben von dem Besteller ein, daß die Arbeit sehr pressant sei und die Firma in Lyon auf baldigste Abliefer­ung des Steines rechne. Dem Rat des Konsuls zufolge wurde ihm geantwortet, daß der Lithograph sich ge­zwungen sehe, den Auftrag abzülehnen, und daß die Briefe, Papiere, sowie der Hundertfrancs sch ein auf dem französi­schen Konsulat dteponiert worden seien und zur Abholung bereit lägen Ter junge Herr ließ seither nichts mehr von sich hären. Statt seiner,aber tauchte ein französischer Krimi­nalbeamter hier auf, der in Begleitung des Konsuls sowie zweier Kriminalbeamten den Lithographen besuchte und chm mittellte, daß man seit langer Zeit einer großen Fäls cher- bände ans der Spur, und daß durch seine schnelle Meld­ung beim französischen Konsulat die Verhaftung der ganzen Verbrecherbande wesentlich gefördert worden sei Der fran­zösische Beamte sprach dem Lithographen den Dank seiner Regierung aus und verspracht daß sie sich für den geleiste­ten Dienst noch besonders erkennllich zeigen würde.

Marburg, 18. Sept. Die Inhaber des Zirkus Lorch teilten der Marburger Presse mit:Da unser Zirkus nicht wie althergebracht ans dem Kampfrufen, sondern aus dem Juxplatz außerhalb der Stadt stehen soll, verzichten wir auf den Besuch von Marburg."

Cassel, 2L Sept. Heute vormittag fand zu Ehren des Chemikers Grabe-Gens eine Feier unter dem Vorsitz des Geheimrats v. Bayer-München statt, däach lleberreichung einer Adresse hielt der Rektor der Universität Genf, Professor Dr. d'Espine, die Festrede. Sodann über­reichte Professor Moiss-on-Paris dem Jubilar die goldene Lavoisier-Medaille, welche ihm die französische Akademie der Wissenschaften und das Institut de France für seine bahn­brechenden Arbeiten aus dem Gebiete der organischen Chemie verliehen hatte. Der Vorsitzende übergab ferner eine kunst­voll ausgesührte Gräbe-Plakette. Prof. Pictet-Genf über­gab im Namen der Schüler eine Sammlung sämtlicher von Grabe veröffentlichten chemischen Arbeiten An die Feier schloß sich ein Festmahl an.

Kunst und Wissenschaft.

_ Frankfurter Opernhaus. Fräulein Milka Lerniua wird am Montag, den 28» ds., die Partie der »Ellja-

bety in rtH-ttbÄttfeM. am Donnerstag, L Oktober, (bei aus­gehobenem Abonnement, «nsang halb 8 Uhr)Leonore" inF i - betio* und Montag, 5. Oktober,Isolde" inTristan und Isolde" singen. Die Vorstellungen finden bei den normalen großen Preisen statt.

Universitäts-Nachrichten.

S. Exzellenz Geh. Rat von Behring wird aus der Versammlung der Naturforscher und Aerzte in C a s s e l, am 25. September, wichtige neue Mitteilungen über die Tuber­kulosebekämpfung beim Menschen machen. Die gesamte Menschheit erwartet diese Resultate von Behrings mit Spannung. Am gleichen Tag wird der Vortrag auch im Buchhandel er- cheinen.

Ausländer als Studierende in Frankreich und Deutschland. Bemerkenswert ist es, daß man in Frank­reich vorschlägt, den Ausländern den Besuch der heimischen Uni­versitäten zu erleichtern, während wir uns im Gegenteil bemühen, die Ausländer nicht überhand nehmen zu lassem So ist denn auch die Zahl der an deutschen Universitäten gegenwärtig studierenden Franzosen sehr gering. Es waren im Sommersemester 1903 über­haupt nur 40 Franzosen immatrikuliert, und zwar zählen Berlin 13, Leipzig 6, Bonn und Gießen je 4, Freiburg und München je 3, Heidelberg und Würzburg je 2, Breslau, Erlangen und Göttingen je 1. An den anderen deutschen Universitäten roarcit keine französischen Studenten. Bon diesen 40 studierten nur drei Medizin und zwar je einer in Freiburg, Gießen und Leipzig.

Eisenbahn Zeitung.

Auskünfte im Eisenbahnwesen. In Bezug auf die Auskunftsertellung an das Publikum hat der Eisenbahn- minifter kürzlich einen Erlaß an die Eisenbahnbirektionen gerichtet Dcmach sind neuerdings, wie zur Kenntnis des Ministers gekommen ist, Anfragen des Publikums öfter mrrichtig beantwortet und infolgedessen Schadensersatz^ anspruche gegen die Mseubahnvertvaltnng geltend gemacht worden.' Zur Verhütung der durch unrichtige Auskunsts- erteihmg, entstehenden Weiterungen und Nachteile sei den Dienststellen die sorgfältigste Erledigung solcher Anftagen zur Pflicht zu machen und dabei namentlich die Bestimm­ung der allgemeinen Abfertigungsvorschriften in,Erinner­ung zu 'bringen, wonach Auskunft über Frachtsätze nur unter dem ausdrücklichen Vorbehall zu erteilen, ist, daß eine Gewähr für die Richtigkeit nicht übernommen werde. Sqpüflliche Mittellungen dieser Art sollen deshalb stets mit dem Vermerk,FMe Gewähr'" versehet! werden.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Chemische Industrie-Aktien. Trotzdem eine gewisse Träg­heit der Kürsentwickelung, als eine Folge des geringen Angebots und der sich meist auf der gleichen Höhe haltenden lltachfrage nun schon seit sehr langer Zeit Regel ist wenn es nicht gerade auf politischem oder wirtschaftlichem Gebiete einen kritischen Tag erster Ordnung giebt treten doch bei manchen Jndustriepapieren Kurs­veränderungen ein, die registriert zu werden verdienen. Betrachten wir z. B. die Bewegung einiger Hauptaktien der chemischen Jn- dustrie-Gesellschaften, so finden wir, daß die Spekulation hier recht ansehnliche Gewinne erzielt haben muß, und Kapitalisten, die z. B. im vorigen Jahre derartige Aktien kauften, heute eine Höher­bewertung ihres Besitzes sehen, die sehr ins Gewicht fällt. Die Aktien der Badischen Anilin- und Sodasabrik z. B. notierten cur- fangs September v. I. 412, Ende August d. I. standen sie 442, der gegenwärtige Kurs ist 445'/,. Die Aktien der Deutschen Gold- und Silberscheideanstalt standen inr September v. I. ca. 262, Ende August d. I. erreichten sie die Höhe von 292, im laufenden Monat haben sie einen verhältnismäßig starken Rückgang erfahren, notieren aber doch gegenwärtig 384.50. Die Gesellschaft selbst hat mit der

bevorstehenden Ausnützung lukrativer Patente noch eine glünzerrde Zukunst vor sich. Die Aktien der Chemischen Fabrik Griesheim galten sich seit Anfang dieses Monats stabil auf ca. 235 vor einem Jahr um dieselbe Zeit notierten sie ca. 20 Proz. niedriger. Die Aktien der Farbwerke Höchst sind feit vorigem Jahre um rund 27 Prozent gestiegen. Man sieht daraus, daß sich an der Börse doch immer noch etwas verdienen läßt; bei Aktien wie die eben erwähnten sogar ohne allzu großes Risiko. Nur muß man den richtigen Moment erfassen.

gpielplan drr vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Mittwoch den 23. September*):Die Fledermaus." Donners­tag den 24. September:Die Regimentstochter." Hierauf:Die Verlobung bei der Laterne." Freitag den 25. September, abends 6. Uhr: Wagner-Zyklus. 10. Abend:Der Ring des Nibelungen." Dritter Tag:Götterdämmerung." Samstag den 26. September: Mignon." Sonntag den 27. Sept.:Tie Hugenotten." Montag den 28. Sept.: Erstes Gastspiel der kgl. bayer. Kammersängerin Frl. Milka Ternina:Tannhäuser" undDer Sängerkrieg auf Wartburg."

Schauspielhaus.

Mittwoch den 23. September*):Der Hochtourist." Tonners- taq den 24. Sept.: Einmaliges Gastspiel des Mr. Eoquelm mit einer' französischen Gesellschast:Lc Bourgeois Gentilhomme." Freitag den 25. Sept.:Sodoms Ende." Samstag den 26. Sept.: Die beiden Schulen." Sonntag den 27. Sept., nachm. halb 4 Uhr: Alt-Heidelberg." Abends 7 Uhr:Tie beiden Schulen." Montag den 28. Sept.:'Der Hochtourist."

*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Krieskäflen der Kedaktton.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

W. Der Reisende ist in diesem Fall nicht berechtigt, btt Notbremse z u ziehen, weil er nicht beurteilen kann, welche Veranlassung die Eisenbahn-Verwaltung zwang, den betreffenden Zug auf einem anderen Geleise, wie sonst üblich, zu befördern. Letzteres geschieht sehr häufig behufs Ausführung von Bauten, bet Unterhaltungsarbeiten, Stopfen der Geleise, Erneuerung der Schielien, Schwellen und dergleicheit. So z. B. fährt eben auf die Dauer von 14 Tagen auf der Strecke Gießen -Langgöns täglich ein Zug auffalschem" Geleise, weil die Zugpausen aus dieser dicht besetzten Strecke zu klein sind, um nennenswerte Ar­beiten auszuführen. Die Benutzung eines sog.falschen" Geleises wird durch besondere Dienstvorschrift geregelt und das Personal verständigt. Jeder Bahnwärter, Weichenwärter wurde den Zug stellen, wenn nicht die Lokomotive vorne das für solche ^>alle bar- geschriebene Signal trägt, welches atitündigt, daß das Befahren gestattet und alles Erforderliche anqeordnet tst.

Wie heizen wir nufere Wohurüume zweckmäßig, möglichst sparsam und gesund bei Verwendung von Oefen? Wenn man die zahlreichen Ankündigungen neuer Ofenkonstruktionen zu Beginn der kälteren Jahreszeit liest, so ist die Wahl, etwas Gutes und Zweck­entsprechendes für den Bedarf herauszufinden schon schwer für den Sachverständigen, toieviel schwerer nicht für den Laien. Vor allem wäl)le man einen Ofen mit reichlich großer Heizkraft für den in Frage kommenden Raum und lasse nie das äußere Ansehen allein oder gar den billigen Preis für die Anschaffung maßgebend sein. Alan bedenke, daß der Ofen täglich mit Brennmaterial beschickt mcrben mutz, dag also sehr bald der Ofen der billigste roirb£ der am wenigsten Brenn­material verbraucht, und der der sparsamste ist, der für gleichmäßige, dauernde, gut regulierbare Erwärmung mit möglichst jedem Brenn­material sorgt, also nicht nur mit der oft sehr teuren Anthracitkohle allein. Sehr interessante Hinweise in dieser Beziehung finden sich ut den neuen grünen Verkaufslisten der Firma Oscar Winter, Hannover, deren Bedeutung für die Ofenlndustrie die Tatsache beweist, daß über 250 000 ihrer bekannten OefenGermaiien" sich iiunmehr im Gebrauch befinden. Es ist daher ratsam, durch Vermittlung einer besseren Osenhandlung oder der Firina selbst diese Original-Listen vor Anschaffung eines Ofens einzusehen. 7085

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