Ausgabe 
22.8.1903 Zweites Blatt
 
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Ausland.

London, 21. Ang. Salisbury liegt in den 1-etzten Zügen, jeden Augenblick ist der Tod zu erwarten.

Paris, 21. Ang. Der Justizmiuister hat im Amts­blatt einen Erlaß veröffentlicht, wonach ein bedeutende Ermäßigung d er G er ich ts ko st e n eingeführt wer­den soll.

Belgrad, 21. Aug. König Peter beginnt mit der Versetzung der an der Verschwörung beteiligt ge­wesenen Offiziere. Oberst Michailowitsch wurde zum Kommandanten der Drinadivision ernannt.

König Vet er hielt bei dem gestrigen Empfange des Vorstandes der landwirtschaftlichen Vereinigung eine längere mit großem Beifall äufgenommene Rede, in der er ausführte, von nun an werde jede Regierung ihr Haupt­augenmerk auf eine gedeihliche Entwickelung der Volkswirtschast richten. Der Staat werde in dieser wichtigen Aufgäbe die leitende Rolle übernehmen, indem er einen landwirtschaftlich en Unterricht orga­nisieren und größere kulturtechnische Arbeiten aussühren, sowie durch Pflege des Genossenschaftswesens einen billi­gen landwirtschaftlich en Kredit ermöglichen und staatliche landwirtschaftliche Versia-erungs- a n st a l t e n schaffen werde.

Petersburg, 21. Aug. Tie Sitzung der Handels- vertragskonferenz nahm einen lebhaften Verlauf. Tie erste Lesung des ausgearbeiteten Vertragsentwurfs soll am 28.' August stattfinden, wonach eine Unterbrechung der Sitzungen bis Oktober eintritt.

Washington, 21. Aug. Ter Ackerbausekretär Wilson erklärte in einer Unterredung, er bedauere den unendlichen Schaden, der den Pflanzern und Fabrikanten durch die Baumwollespekulation zugefügt werde. Eine Er­leichterung trete nicht eher ein, als bis der Baumwollcorner beseitigt sei. In kurzem werde mit der Einbringung der neuen Ernte begonnen.________________________________

Aus Stadt und Land.

Gießen, 22. August 1903.

** Personalien. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen dem Mitgliede der freiwilligen Fabrirfeuerwehr der Firma H. Müller u. Eo. in Ofsenvach Justus Cramer. S. K. Hoheit der Großherzog haben den Stationsvorsteher in der Hess.- Preuß. Eisenbahngemeinschaft Friedrich Wilhelm Beck zu Darmstadt wegen geschwächter Gesundheit, unter Aner­kennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** Aus dem Militär-Wochenblatt: Vizeseld- webel v. Weltzien (I Hamburg), zum Lt. d. Res. des 1. Großh. Hess. Ins.- (Leibgarde-) Regts. Nr. 115, die Assist.- Aerzte d. Res. Dr. Schindewolf (I Darmstadt), Vage- d es (Gießen) zu Oberärzten, die Unterärzte d. Res. Dr. Gr o edel (Friedberg), Berg st räßer, Vix (I Darm­stadt) zu Assist.-Aerzten befördert. Dem Stabs­und Bats.-Arzt Dr. Friedrichs des 3. Bats. Ins.-Regis, Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 ein Patent seines Dienstgrades verliehen.

** Der Einzug der 118er aus Worms hat gestern recht schlechtes Wetter gehabt. Die frisch und munter sich bewegenden Krieger haben es sich aber bald in ihrem hiesigen Quartier bequem gemacht. Es war interessant und belustigend zu sehen, wie die Ankömmlinge sich ihre neue Behausung von unten bis oben ansahen und wie nachher im Kasernenhof ausgepackt wurde. Alan hatte auch recht wohl Gelegenheit, gegen Abend zu beobachten, wie die Gießener Jungfrauen mit Interesse und wohlwollenden Blicks die strammenGelben" anäugten. Bald werden die Fremden nicht mehr fremd sein; nur schade, daß es dann schon so bald schweren Abschieo nehmen heißt. Heute morgen früh gings schon mit klingendem Spiel durch die Straßen der Stadt nach dem Uebungsplatz bei Groß-Rechtenbach. Mcorgen wird übrigens die Musikkapelle des Regiments zu dem von uns schon erwähnten Gartenfest in Braunfels konzertieren.

* * Eisenb ahnunfall. Heute vormittag 11 Uhr 10 Minuten wurde der zum Zuge 6469/6784 gehörige Bremser Heinrich Steinberger, stationiert zu Oberlahnstein, welcher sich verbotener Weise in dem aus Gleis 29 stehenden Pack­wagen aufhielt, infolge-Beisahrens einer Rangierabteilung am rechten Arme stark verletzt. Seine Ue'berftihrung nach der hiesigen Klinik wurde veranlaßt.

* * Sturz aus dem Fenster. Heute morgen fiel beim Fensterputzen im 2. Stock eines Hauses in der Frank­furterstraße ein Mädchen aus dem Fenster auf die Straße. Es wurde schwerverletzt in die Klinik verbracht.

* * Kirchweihen finden in Wies eck und Allen- d o r f statt.

* * Geländeerwerb. Kommerzienrat W. Gail hat in Bieber einen größeren Geländekomplex erworben, um daraus eine Cigarrenfabrik zu errichten. Dies be­deutet für den Ort, wo bisher eine Fabrik nicht bestand- eine erfreuliche Wendung in den Erwerbsverhältnissen wie im Verkehr. Mit der Fabrikation wird sofort begonnen und der-Betrieb bis zur Fertigstellung der Neubauten in den oberen Räumen der Reehmühle eingerichtet.

sofort in das Pasteur-Institut in Behandlung begeben

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Tags beim Glase Bier zu freuen.

sd. Darmstad t, 22. Aug. (Originaltelegramm des Gieß. Anz.) Stabstrompeter Mikleyd von der Kapelle des Art.-Regis. Nr. 25 wurde zum Großh. Musik­direktor ernannt. Verhaftet wurde die Witwe Hilker unter dem Verdacht, in ihren Geschäftsräumen am 19. d. M. nachts an vier Stellen Feuer angelegt zu haben, sodaß ein Brand ausbrach, der aber durchs die ^Nachbarschaft bemerkt und alsbald gelöscht wurde, sodaß großer Schäden verhindert wurde.

R. B. Darmstadt, 21. August. Herr und Frau Otto Wolfskehl haben aus Anlaß ihrer silbernen Hochzeit dem Hessischen Lehrerinnen-Verein einen Baukostenzuschuß von 10 000 Mark überwiesen.

R. B. Darmstadt, 21. August. Wie bereits gemeldet wurde, hat der Groß Herzog das Haupt des Gräflich Erbach-Schönberg'sehen Hauses, den 63jährigen Grafen Gustav, mit dem erblichen Fürstentitel ausgezeichnet. Es geschah das mit der Bestimmung, daß der Fürstentitel dem Chef des Hauses mit dem PrädikatDurchlaucht" ver­liehen und auch auf dessen rechtmäßige eheliche Erben bei­derlei Geschlechts sich erstrecken soll. Die Verleihung dieses hohen Titels ist eine äußerst seltene Erscheinung in den deutschen Bundesstaaten. Im Großherzogtum Hessen wurden im vorigen Jahrhundert nur zwei solcher Auszeichnungen ver­liehen, 1840 an die Grafen Jsenburg-Büdingen und 1865 an die Grafen Jsenburg-Büdingen-Wächtersbach. Weder Ludwig IV., noch der jetzt regierende Großherzog haben von dem kraft ihrer landesherrlichen Souveränität ihnen zustehenden Rechte seitdem Gebrauch gemacht. Zunr Anlaß dieser Aus­zeichnung nahm unser Großherzog das am 18. d. M. statt­gehabte 40 jährige Jubiläum der Besitzübernahme der Standes- herrschaft Erbach-Schönberg an den Grafen Gustav. Die Gräflrlch Erbach'sche Familie zerfällt, wie auch schon erwähnt wurde, in drei Zweige. Die populärste Linie ist die jetzt ge­fürstete Familie, die in Schönberg bei Bensheim an der Bergstraße ihren Wohnsitz hat und in direkten verwandt-

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* Unter dem Verdachte des Raubmordes an

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dem Losehändler Levy wurde nach einer Hamburger De­pesche in St. Pauli ein Lumpensammler verhaftet, der an­fangs August Levy 93obenrummel verkauft hatte und auf den Tag des Mordes wieder bestellt worden war.

* Aus den Alpen. Der Chemiker Dahms aus Berlin erlag auf der Zimbaspitze (Bludenz) infolge Ueberan- strengung einem Herzschlag. Seinem Führer sind die Füße erfroren.

* DieJugend" in Ungarn. Wie aus Arad meldet wird, beabsichtigen dort einige Abonnenten der MünchenerJugend" die Redaktion cmf Entschädigung an­läßlich der Postdebit-Entziehung zu verklagen.

Gerichtssaal.

Gießen, 21. Aug. Strafkammer. Die,Verhandlung gegen den Fuhrknecht G. wegen fahrlässiger Tötung, über die wir bereits vorgestern berichteten, wurde heute fortgesetzt. Tie Staatsanwaltschaft beantragte gegen den Angeklagten drei Atonale Gefängnis, der Verteidiger Freisprechung. Tas Gericht hielt für erwiesen, daß das Kind nicht unmittelbar in die Räder des Wagens gelaufen, sondern sich etwa acht Meter davor auf die, Straße legte, sodaß es von dem Fuhrmann, wenn er die vom Gesetze verlangte Aufmerksamkeit beim Fahren angewandt hätte, bemerkt werden mußte. Diese Aufmerksamkeit habe er aber außer Acht gelassen, denn es sei ihin durch seinen Beruf als Fuhrmann zur Pflicht ge­macht, sein Augenmerk auf die Vorgänge in der Umgebung seines Wagens zu richten. Das Gericht hielt, zumal der Angeklagte noch nichl vorbestraft ist, eine Gefängnisstrafe von einem onat für ausreichend nnd erkannte demgemäß. Dem Land­wirt Heinrich Ai. zu Vockenrod war zur Last gelegt, einen Acker­grenzstein in der Absicht, seinern Nachbar Nachteile zuzufügen, vorsätzlich bei Seite geackert zu haben. Der Angeklagte behauptet, nicht gewußt zu haben, daß es sich um einen Grenzstein handle, er habe auch niemals die Absicht gehabt, dem Besitzer des Nachbar­ackers Schaden zuzufügen. Das Gericht hielt jedoch durch die Beweisaufnahme dre Behauptungen der Anklage für erwieseii und verurteilte den Beschuldigten zil einer Gefängnisstrafe von zwei Wochen und daneben zu einer Geldstrafe von 30 Mk. Der Droschkenkutscher Friedrich Sch. aus Bad-Nauheim verfolgte Be­rufung gdgen ein Urteil des dortigen Schöffengerichts, welches ihn wegen groben Unfuges zu einer Woche Haft verurteilt hatte. Dem Urteil lag folgender Tatbestand zu Grunde: Ein Nauheimer Rosselenker, der sich guter Kundschaft erfreute, wurde öfters von seinen Konkurrenten gehänselt. Eines Tages sah er die Aufmerksamkeit des Publikums allgemein auf sein friedlich dahin­rollendes Gefährt gerichtet. Bei näherem Zusehen bemerkte er zu seinem nicht gelinden Schrecken ein Nachtgeschirr an seiner Droschke prangen. Das Nauheimer Badepublikum soll sich über diesen Aufzug baß entrüstet haben. Infolge alsbaldiger Meldung bei der Polizei gelang es, den Täter zu ermitteln. Der Angeklagte verfolgte gegen das erwähnte Urteil Berufung, weil ihm die zn- erkannte Strafe zu hoch sei, es habe sich nur um einen Scherz ge­handelt, wobei er durchaus nicht die Absicht verfolgt habe, dem Angeklagten für die Zukunft sein Gewerbe zu erschweren. Die Staatsanwaltschaft führte aus, daß diese Absichr, aus Konkurrenz­neid entsprungen, sehr wohl Vorgelegen habe, und daß ein der­artiger ordinärer Streich in Nauheim, als einem von feinem Publikum besuchten Badeort, ganz besonders verwerflich sei. Das Gericht verwarf beim auch bie Berufung des Angeklagten unter Belastung desselben mit ben Kosten zweiter Instanz. Es bleibt so­mit beim ersten Urteil. Der Wirt P. und dessen Ehe- srau aus Friedberg standen unter der Anklage der Kuppelei. Die Strafsache wurde bei verschlossenen Türen verhandelt. Das öffentlich verkündete Urteil lautete auf vier Monate Gefängnis gegen ben P., auf welche ein Monat erlittener Untersuchungshaft aufgerechnet wird, unb auf brei Monate Gefängnis gegen dessen Ehefrau.

Keer und Ilotte.

Berlin, 22. Aug. TieNat.-Ztg." erfuhrt, Prinz Heinrich werde zum Herbst von seiner Stellung als CH ef des ersten Gesch w ad ers en tbund en. Es. stehe aber über; ferne wertere Stellung noch nichts fest.______. _

Kirche und Schule.

Landwirtschaftlicher Unterricht in den Volksschulen. Die Versuche, welche gemacht worden sind, Volksschullehrer, welche Lust und Befähigung besitzen,, aus den landwirtschaftlichen Winterschplen in besonderen Kursen für den landwirtschaftlichen Fachunterricht auszw- bilden, berechtigen zu der Erwartung, es werde sich mit der Zeit ermöglichen lassen, dem landwirtschaftlichen Un­terricht in dem Lehrplan der Volksschule eine Stelle ein- zuräümen, die er beispielsweise in der Schweiz sich erobert hat zum Segen für den Landbau und zum stützen der von ihm lebenden Bevölkerungskreise.

Zur Frage der Zulassung der katholischen Orden in Baden kann der badische Berichterstatter der Germania" folgende angeblich verbürgte Tatsache mit­teilen. Vor einigen Monaten fragte der Fürst eines deut­schen Kleinstaates, in dem sich Ordensniederlassungen be­finden, den Groß Herzog von Baden unter besonderem Hinweis auf die Wirksamkeit der Benediktiner gesprächs­weise: ob die Orden demnächst in Baden zugelassen werden würden. Die Antwort lautete:So lange ich lebe, n i ch t."

** Ter Lu st mörder Weygand, welcher dieser sind gestern an den Folgen r ft o r b en,, trotzdem sich Tage üt Mainz verhaftet wurde, arbeitete im Jahre 1902 den ganzen Sommer in Finthen als Gärtner und verdiente viel Geld im Pftopfen und Okulieren. Er hatte auch bald ein Verhältnis mit einem Finther Mädchen angcknüpft, doch auf einmal war er verschwunden. Das Mädchen wurde jedenfalls wieder von Weygand benachrichtigt, und, obschon die Mutter gegen das Verhältnis war, verließ das Mädchen die elterliche Wohnung und verdingte sich nach- Mainz. Hier hat Weygand mit einer Kellnerin angebändelt und ist, daun auch in der Witschaft, in der sre bedienstet war, festgenommeu worden. Der Gendarmerie war von dem Aufenthalt des Weygand durch ein anonymes Schreiben Kenntnis gegeben worden. (M. Tgbl.)

e. Reiskirchen, 21. August. Am Sonntag den 16. August, dem Erinnerungstage, au dem vor nun 33 Jahren unsere hessische Division zum ersten Male! in den Kamps gegen Frankreich eingreifen mußte, fand die feierliche lieber* reichung der von dem Kaiser denr hiesigen Kriegerverein ver­liehenen Fahnenschleife statt. Punkt y22 Uhr bewerte sich der Festzug mit verstärkter Musikkapelle, voran eine Anzahl schöner Jungfrauen, geschmückt mit Schärpe und Kranz, nach der Friedenslinde, wo die feierliche Ueber- reichung durch Regierungsrat Dr. Heinrichs in Gegen­wart des Bezirksvorsitzenden Bruchhäuser stattfand, d^ach verschiedenen kernigen Reden, gehalten von oben erwähnten Herren sowie von unserem Orts geistlich en, kehrte man in den Ort zurück, um im Saale des Wrrts Gundrum sich des

schaftllchen Beziehungen zum Großherzog steht. Man entsinnt sich hier noch lebhaft der Gerüchte, die im Herbst vorigen Jahres, kurz vor der großen Jndienreise des Großherzogs, in den hiesigen Hofkreisen über bie Aufmerksamkeiten umgingen, mit benen Se. königl. Hoheit bie junge, etwa 20 jährige Komtesse Elisabeth bebachte; bieselden verdichteten sich damals sogar zu zahlreichen, in ben Blättern mitgeteilten Verlobungs­gerüchten.

Offenbach, 21. Aug. Der Besuch des Groß- yerzogs in Offenbach ist nunmehr auf Freitag, den 28. August festgesetzt worden. Mittelst Equipage trifft der Groß- hevzog von Jagdschloß Wolfsgarten etwa um 1 Uhr mittags hier ein und begibt sich zunächst zur Wohnung des Kreis­rats v. Hombergk in die Ludwigstraße, wo das Atittag- essen eingenommen wird. Während desselben konzertiert im Garten des Kreisamts die hiesige Feuerwehriapelle. Vor dem Kreisamtsgebäude werden die hiesigen Krieger­vereine Ausstellung nehmen, um den Landesherrn zu be­grüßen. Der Hauptzweck des Großherzoglichen Bcsuqes ist die Besichtigung von zwei großen hiesigen Fabritaniagen, der Ofsenbacher Celluloidfabrik von Schreiner u. Sievers, Nordring 8, und der Anilin- und Anilinfarbensabrik Kl Oehler, Obermainstraße. Auch ist ein Besuch des gegenwärtig in Wiederherstellung begriffenen alten Isenburger Schlosses geplant. Nach der Besichtigung der Oehierschen Fabrik wird der Landesherr in der Villa des Geh. ^lommerzlenrats Ed. Oehler den Tee einnehmen. Währenddessen wird der unter dem Protektorat des Großhcrzogs stehende Sängerchor des Turnvereins im Garten der Villa Oehler unter Leitung des kgl. Musikdirektors August Glück einige Lieder singen darunter aus ausdrücklichen Wunsch des Großherzogs auch den PreischorSiegesgesang nach der Varusschlacht" und den Stundenchor von KienzlDas Volkslied", mit denen der Sängerchor auf dem Frankfurter Gesangswettstreit sich unvergängliche Lorbeeren geholt hat. Gegen abend erfolgt die Rückfahrt nach Jagdschloß Wolfsgarten. (O. Ztg.)

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Worms hat sich in den letzten Tagen ein liberaler Wahlverein gebildet, der alle Anhänger der demokratischen, freisinnigen unb liberalen Richtung um* fassen soll. Der Verein gilt zunächst für ben Wahlkreis Worms-Heppenheim-Wimpfen. Am Binger Mäuse - türm würben in ben letzten Wochen umfassenbe Reparaturen vorgenommen, die auch bringenb notwenbig waren. Der obere Teil des Turmes wurde vollstänbig erneuert, an bem Mauer­werk würben erhebliche Verbesserungen vorgenommen. Der Turm erhielt innen unb außen einen neuen Anstrich, unb fyeute, wo bie Arbeiten erlebigt sinb, präsentiert sich der Turm in mobernem silbergrauen Kleibe!_________

Vermischtes.

'Dresden, 21. Aug. König Georg überwies ben Hinterbliebenen ber Opfer ber Eisenbahnkatastrophe bei Rothen­kirchen 1500 Mk.

- 21» Aug. Drei Personen, welche vor

drei Wochen von einem tollen Hunde gebissen waren,

Kunst und Wissenschaft.

Berlin, 21. Aug. Der Kaiser sah vor einigen Tagen die Hilssmodelle zu z w e i K a i s e r st a t u e n , die Bildhauer Jo­hannes Götz im Auftrage des Kultusministers für die S a a l b u r g schaffen soll. Es werden Standbilder der römischen Kaiser Ha­drian und Alexander Severus, die beide in den Er­oberungszügen ber Römer nach Germanien eine Rolle spielten. Tie Statuen^werden überlebensgroß unb finden Aufstellung im Innern der Saalburg vor dem Saeellum, einem Tempel zur Auf­bewahrung der Feldzeichen unb Heiligtümer. Wie Funbstücke und vorhandene Postamente beweisen, haben dort ursprünglich solche Figuren gestanden. Gegenwärtig werden provisorische Aiodelle in wirklicher Größe aufgebaut, die der Kaiser demnächst gemeinsam mit Bildhauer Götz in Augenschein nehmen wird, um über bie Wirkung ein klares Bilb zu gewinnen. Die Hilfsmodelle fanden den vollen Beifall des Kaisers.

Professor Alois Schulte in Bonn verzichtete auf die Leitung der Preußischen Historischen Institute in Rom. Er ivird am 1. Oktober in Professor Kehr-Göttingen einen Nachfolger erhalten.

u.

Schlußkurse. 202.50 211.12 135.75 182.75 179.10

Briefkasten der KedMwnH

A«fragi blcibc». unbcrü-kfichtiqt.)

. j^urch Versehen verspätet.) Der dentickie Kron­

prinz ist Oberleutimnt im 1. Garderegiment z Fuß

in benea8pÄ; Einsendungen wandern'ohne weitere«.

Gießen, 22.Aua. Marktbericht. Aus heutigemWocbenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1,001,10 Mk., Hühnereier 1 Sl. 0o Vfa. 2 Stck. 1415 Pfg., Gänseeier 1213 Pfg., Enteneier8o'Vfo Käfe vr. Stck. 58 Pf., Käsematte 2 Stck. 56 Pfg., Erbsen pr.Liter 21 Pfa Lmsenpr.Liter32Pfg., Taubenpr.Paar0,700,90Att. Lüllner.-m ßt' 1,20-1,70 Mk., Hähne pr. Stück 0,70-1,10 Mk., EMenpr Stück f^use pr. W- 00-00 Pfg Ochsenfleisch pr. Pfund 6878 Pfg., Kuh- und Rmdslersch pr. Pfund 6066 Pfg., Schweine- Pfg Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund °0 MS-, .Kalbfleisch pr. Pfd. 6874 Pfg., Hammelfleisch pr. Psllud 56-74 Pfg., Kartoffetli pr. 100 Kgr. 6,00-7,00 Mk', WeißkraM ver 00-00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 6,507,00 Ack Atilch per Kirschen per Pfd. 3g-40 Pfg./ AepsA per Pfd 0-00 Ptg., in Körben 00-00 Pfg. Trauberr 00-00 Pfa.

Arbeiterbewegung.

Krimmitscha u, 21. Aug. Zwischen den Uwernehmern und Arbeitern gepflogene Unterhandlungen haben zu keinem Re­sultat geführt. Gestern abend wurden fünf Versammlungen der Arbeiter abgehalten, von denen vier aufgelöst wurden, weil m ihnen Textilarbeiter-Verbandsbeamte sprechen sollten. Heute sollen 7500 Arbeiter in den Ausstand treten.

Handel und VerkestrT" MtksMtNasi.

Berliner Börse vonr 21. Nugust 1903.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen) Privat-Diskont 3% Prozent.

Anfangs- Oest. Kredit.... 203.75 Deutsche Bank . . . 211.00

Darmstädter Bank . . 135.50

Bochumer Guß . . . 183.00

Harpener Bergbau . . 179.20

Schluß-Tendenz: schwach.

Die Berliner Handelskammer beschloß die Errichtung eines k o l o ni a l w i r t s ch a f t l i ch e n Fachausschusses- um bie Beziehungen zu ben Kolonien wirksamer zu pfleaen

Märkte.

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