verrdi mit dem Vatikan zu bewegen, anfragte, imb int ter Heiterkeit des Hauses von dem Unterstaatssekretär Ronchetti abgetan wurde. Zum Schluß wurde die Kammer der Schauplatz aufregender Skandale. Ferri hatte seine Uebernahme der Direktion des „Avanti" mit groben Angriffen gegen den Marineminister Bettolo begonnen, dem er vorwarf, Aktien von Stahlwerken jedesmal, wenn er Minister war, in die Höhe getrieben zu haben. Santitri (kons.) interpellierte, um Bettolo Anlaß zu geben, sich zu rechtfertigen. Die Mehrheit der Kammer wurde durch die Verteidigungsrede Bet- tolos befriedigt. Ferri, der fortwährend den Minister unterbrach, und dann replizierend immer gemeiner an* griff, wurde von der Mehrheit und dem Minister unter ungeheurem Lärm der Kammer ein elender Lügner genannt. Als Ferri, jeden Halt verlierend, sich in Hitzreden überbot, erklärte Bettolo: „Abg. Ferri, Sie sind ein verächtliches Wesen." Die Kammer bereitete Bettolo eine neue Ovation. Die Erregung der Kammer gegen Ferri ist ungeheuer, weil er, entgegen den hier üblichen Ansichten, sich nicht duelliert, trotzdem aber stets mit Worten dre Kampflust anderer reizt. Bei der Beratung des Kriegsbudgets bringt Ciccotti und andere Sozialisten eine Tagesordnung ein, in der die Regierung aufgefordert wird, eine neue Heeresorganisation, die mehr der wirtschaftlichen Lage entspräche, einzuführen. Diese Tagesordnung wurde abgelehnt.
Wien, 20. Mai. Der Zoll ausschuß nahm unverändert die Tarifklassen für Instrumente und Uhren an. Referent Urban erklärte eine Herabsetzung der Eisen- zölle, solange Deutschland seine Eisenzolle nicht herabsetzt, für nicht empfehlenswert und hält die Positionen für Seilenkörper und Drahtseile für zu niedrig. Er beantragt die Annahme der übrigen Positionen des Entwurfs.
Wien, 20. Mai. Der Senat der Universität richtete an den Un terri ch tsmin i st er die Bitte, den geplanten Zoll auf gebundene Bücher zu verhindern.
Fiume, 21. Mai. Auf der Bahnstrecke zwischen Plase und Fiume kam es nachts zwischen mehreren tausend Bauern, welche die Bahnhöfe demolieren wollten und die Schienen aufrissen und dem Militär zu bluti- aen Zusammenstößen. Mehrere Soldaten wurden durch Steinwürfe und zahlreiche Bauern durch Bajonettstiche und Schüsse schwer verletzt.
Petersburg, 20. Mai. Ueber die Ermordung des Gouverneurs von Ufa werden Einzelheiten telegraphiert: Das Attentat aui Bogdanowitsch fand im Stadtpark von Ufa statt, der anläßlich des Zaren-Geburtstages viel Publikum aufwies. Dem Gouverneur traten in einer Seitenallee des Parkes mehrere Personen entgegen, von denen eine ihm nach einer Verbeugung ein versiegeltes Paket überreichte. Im selben Moment feuerten die beiden andern Schüsse gegen Brust und Rücken des Gouverneurs, der von neun Äugeln getroffen augenblicklich leblos zu- sannnensank. Ein Wächter, der Augenzeuge des Attentats war, wollte anfänglich zu Hilfe eilen, doch unterließ er es aus Furcht vor den rasch aufeinander folgenden Schüssen. Die Mörder entflohen. Das Attentat ist als Folge der März-Unruhen in Slatoust zu betrachten, die von Bogdanowitsch mit Waffengewalt unterdrückt wurden.
Peking, 21. Mai. Die britische Regierung zeigt sich geneigt, die Zahlung der Entschädigungssumme während neun Jahren auf der Silberbasis entgegenzunehmen, unter der Voraussetzung, daß die Zahlung nach .diesem Zeiträume auf der Goldbasis erfolgen solle. Dabei wird die Frage offen gelassen, ob China schließlich den Unterschied zu zahlen haben totrb. Die britische Regierung bemüht sich, die anderen Mächte zu veranlassen, sich dem vorstehenden Plane anzuschließen, unterbreitete China aber noch keine Vorschläge über den Gegenstand.
Pretoria, 21. Mai. Bei der Eröffnung der gesetzgebenden Versammlung von Transvaal berichtete der Gouverneur Sir Arthur Lawley über die Verzögerung in der Entwickelung des Minenbetriebes, die auf den Mangel an -Arbeitskräften zurückzuführen sei. Die Regierung sei nicht gewillt, die Rolle eines Parteigängers zu übernehmen. Ihre Pflicht sei, die Bürger entscheiden zu lassen. Mangels statistischer Angaben könne er den Prozentsatz der beschcif- tigtcn Eingeborenen nicht mitteilen. Die Mißernte durfte die Eröffnung von Lebensmittetlagern zum Verkauf an Eingeborene nötig machen.
Ottawa, 20. Mai. Die Regierung wird die Zeit, innerhalb welcher in Deuts chland vor dem 16. April gekaufte Waren ohne Zuschlagszoll in Kanada eingeführt werden dürfen, bis zum 30. September ausdehnen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 20. Mai 1903.
• * Pers önalnach richten. Aus Darmstadt wird uns telephoniert: S. K. H. der Großherzog haben unter dem 20. d. M. den Oberlehrer Aug. Klein von der Augustinerschule in Friedberg auf sein Ansuchen auS dem Staatsdienste entlasten. — Der Gefangenwärter Heinr. Balser in Gießen ist zum Gefangenaufseher mit Wirkung vom 21. d. Mts. ernannt worden.
• • Personalien. S. Maj. der Kaiser hat dem Eisenbahnbremser a. D. Johann ©paar zu Gießen das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen.
"Französische Vorträge und Rezitationen. Wie schon angegeben, findet der zweite, mit Lichtbildern verbundene Vortrag heute abend 81/* Uhr statt. Lektor Goetschy wird über Paris, insbesondere über das Ausstellungsviertel des Quartier latin und die Cit6 sprechen. Tie zweite Rezitation am 29. d. Mts. wird folgendes Programm haben: I. G. de Maupassant — Le petit füt. — 2. Claretie — Boum-Boum. — 3. Theuriet — Les aapins. — 4. Copp6e — La veil!6e.
** Der Verein zur Förderung eines Saal- baucs hielt am Mittwoch seine Generalversammlung unter dem Vorsitz des Geheimrats Prof. Dr. Spengel ab. Rach der Rcchnunasablagc wurde dem Rechner Entlastung erteilt. Der Verein besitzt ein Vermögen von ungefähr 18 000 Mk. Rach den Verbandlungen, die geführt wurden, soll daß Ab- kommen mit Universitätsmusikdircktor Srauhnann bezüglich der Kammermusikabende auch zukünftig fortdauern. Nächstes Jahr ist eine größere Veranstaltung geplant; die nähere Beschlußfastung darüber soll später erfolgen. Der Frage des Saal bau es und Theaterbaues selbst soll in diesem Jahre näher getreten werden. Der Vorstand wurde wieder gewählt. Anstelle zweier aus dem Ausschuß ausgeschiedener Herren (Geheimrat v. Bechthold und Stadtbaurat Schmandt) sollen zwei andere Mitglieder ge
wählt werden, deren Einverständnis vorher eingeholt werden soll.
0 Eine Himmelfahrtsfeier im Walde. Mit dem Himmelfahrtsfeste ist wieder die Zeit der Waldpartien gekommen. Zu solchen gern besuchten Punkten gilt schon von Alters her die im „Waldgirmeser Wald", unweit Hof „Bubenrod" gelegene „bide Eiche". Man gelangt zu derselben von Gießen kommend, indem man durch denKinzen- bacher Wald nach der Grube Morgenstern geht, von wo aus die Eiche in etwa einer Viertelstunde zur erreichen ist. Seit einer Reihe von Jahren hat es Pfarrer Waldmann aus Dorlar unternommen, am Himmelfahrtstage unter jenem altehrwürdigen Eichbaum eine Versammlung abzuhalten, welche diesmal wie nie zuvor überaus zahlreich besucht war. Es wurden von mehreren anwesenden Geistlichen Ansprachen gehalten und Gesänge vorgetragen, zum teil unter Musikbegleitung des Rodheimer Posaunenchors.
* * Besitzwechsel. Der Wirt Weller in Annerod verkaufte an einen Wirt in Ufingen seine beiden Wirtschaften, die alte Wirtschaft im Dorf und die neue am Fuße der Platte füt zusammen 28 000 Mk.
4~ Fellingshausen, 21. Mai. Das unter dem 20. Juni vor. IS. von der Ortspolizeibehörde zu Rodheim, Bieber und Fellingshausen erlastene Verbot betreffs deS Wirtshausbesuches von jungen Mädchen hat bereits für zwei hiesige Wirte eine Verkürzung der Feierabendstunde nach sich gezogen. Bekanntlich dürfen die Wirte in diesen drei Gemeinden selbst Mädchen über 16 Jahren in ihrem Lokale nicht mehr dulden, wie ihnen überhaupt auch untersagt ist, geistige Getränke an diese zu verabreichen. Rur in Begleitung der Eltern, des Vormundes oder eines erwachsenen Verwandten, sowie bei etwaigen Festlichkeiten ist den Mädchen der Wirtshausbesuch gestattet. (Dieses Verbot ist doch wohl unhaltbar. „Mädchen über 16 Jahren" ist doch wohl ein sehr weiter Begriff. Alte Jungfern von 95 Jahren können unter Umständen auch darunter verstanden werden! Und wenn Gießener Damen einen Ausflug nach einem dieser Orte unternehmen und in einer Wirtschaft ein GlaS Milch sich erbitten, dann sind die Wirte nicht berechtigt, diesen Wunsch zu erfüllen? Liegen denn die drei Orte nicht in Preußen, sondern in Finland? Wir werden wohl demnächst wieder von der Sache hören. D. Red.)
§ Butzbach, 21. Mai. Der 16jährige Lehrling eines hiesigen Hufschmiedes verunglückte beim Beschlagen eines Pferdes dadurch, daß er, als das Tier störrig wurde, zurücksprang, stürzte und sich dabei einen Beinbruch zuzog.
§ Hausen b. Butzbach, 21. Mai. Von herrlichem Mai- wetter begünstigt, fand am Himmelfahrtstage das herkömmliche HauSbergfest unter zahlreicher Beteiligung der Butzbacher Einwohner statt. Die volkstümliche Feier endigte mit Tanzvergnügen in unserem idyllischen Walddörflein und verlief sehr schön.
D Friedb erg, 21. Mai. Neberfahren und sofort getötet wurde vorige Nacht auf dem Güterbahnhof Frankfurt der von hier gebürtige Rangierer Karl Geier. G. stürzte beim Rangieren unter den Wagen und sein Körper wurde mitten durchgefahren. Ter Verunglückte ist in Massenheim wohnhaft, etwa 40 Iahte alt und hinterläßt fünf noch unmündige Kinder. — Ein schwerer Unfall ereignete sich Dienstag in dem hiesigen Drogengeschäft Baumeister. Ter 20jährige Kommis Vogel kochte eine Farben- mischung, die plötzlich explodierte, wobei sich Vogel schwere Brandwunden an den Händen und im Gesicht zuzog. Das Haar ist vollständig weg und die Augen wurden verletzt. — An Blutvergiftun g ist vergangene Nacht der Ende der 40er Jahre stehende Kohlenhändler I. Betz, eine allgemein beliebte Persönlichkeit, gestorben. B. hatte am Bein einen Hautauswuchs, den er aufkratzte, worauf Blutvergiftung ein trat; nach nur viertägigem Krankenlager starb er.
() Unter-Schmitten, b. Nidda, 20. Mai. Von einem herben Schicksalsschlage wurde heute abend die Familie des Fabrikarbeiters Wilhelm Klaus betroffen, indem das ^weijährigeSöhnchen, nachdem es seine Mutter an oen Dorfbrunnen begleitet hatte, eine halbe Stunde spater als Leiche aus dem an der Ortsstraße hinziehenden Mühlgraben der Ruppel'schen Mühle heraus- zezogen wurde. Unbegreiflich ist, daß dieser Mühlgraben, )er sich der ganzen Ortsstraße entlang zieht und in dem chon mehrfach kleine Kinder und ältere Leute dem Er- ttinken nahe waren, nicht schon längst mit einer Einfriedigung versehen worden ist. Hoffentlich giebt der vorliegende Unglücksfall Anlaß dazu.
)( Bleichend ach, 21. Mai. Ein Waldbrand bedrohte heute mittag unfern Gemeindewald. In einem 30 jährigen Tannenbestand brach das Feuer aus. Vom Dorf aus wurde der Ausbruch des Feuers alsbald bemerkt und es konnte der Brand durch die schnellstens ausgerückte Einwohnerschaft gedämpft werden. Jedenfalls ist der Brand durch ein leichtsinnig weggeworfenes Streichholz verursacht worden.
sh. Schlitz, 21. Mai. Vergangene Woche ereignete sich hier in der großen mechanischen Weberei der Firma Gg. Langheinrich ein bedauernswerter Unglücksfall. Ter Schlichtmeister Hanney wurde von einem Kammrad am Aermel gefaßt und die Hand und der Unterarm wurden zerquetscht und abgerissen. In dem gräflichen Hospital, wohin der Unglückliche sofort gebracht wurde, mußte ihm noch die Hälfte des Oberarmes abgenommen werden, weil der Knochen über dem Ellenbogen auch zersplittert war. Nun befindet er sich auf dem Wege der Besserung. Besonders zu bedauern ist seine Frau mit noch zwei unmündigen Kindern.
? Mainz, 21. Mai. Den noch immer streikenden Maurern haben sich jetzt auch die Zimmerleute angeschloffen. Dieselben verlangten von den Meistern einen Zuschlag von 5 Pfennigen per Stunde zu den bisherigen Löhnen, was abgelehnt wurde. Ebenso lehnten die Meister darauf eine Erhöhung des Stundenlohnes um 3 Pfennige ab, was die Gesellen nunmehr mit Niederlegung der Arbeit beantwortet haben. Da durch den Maurerstreik die Baugewerbe im allgemeinen sehr beeinträchtigt sind, wirkt der Streik der 3inimci!cute vorerst nicht besonders beeinflußend auf die begonnenen Bauten. — Für die Erbauung eines neuen JusiizgebäudeS hier, ist von dem heffiichen Justizministerium für in Deutschland ansässige Architekten ein Preis- au reiben erlassen und vier Preise ausgesetzt worden, und zwar einer zu 5000 Mk., einer zu 4000 Mk. und zwei zu je 2500 Nck. Termin ist der 1. Oktober 1903.
Mainz, 10. Mai. Der bei feinen Stiefeltern auf dem
Kästrich wohnende 20jähr. Lackierer e auerroein hat gestern Abend in seiner Wohnung einen Schuß auf sich abgegeben, der seinen Tod zur Folge hatte. In einem zurück» gelassenen Schreiben fühtte der junge Mann seine Tat auf Schwermut zurück. — Am Sonntag Morgen machten zwei hieiige junge Leute mit zwei Mädchen eine Maikur, die sie auf den Hechtsheimer Weg fühtte. Unterwegs kamen ihnen vier Burschen von hier entgegen, darunter der 23jähr. Gütt- ler Gustav Rheinbay. Die Vier sielen sofort über die beiden jungen Leute her und mißhandelten sie so lange bis sie die Flucht ergriffen. Dann packte der Rheinbay das eine Mädchen und verging sich schwer an ihm. Er wurde gestern verhaftet und wird demnächst seinen Lohn vor dem Schwurgettcht erhalten.
AßmannShausen, 20. Mai. Heute vormittag liefen zum ersten Male die Dampfer der Köln-Düffeldorfer Gesellschaft an der neuen Landungsbrücke hier an. Der Tag wurde von der Gemeinde festlich begangen. Jeder Dampfer wurde mit Böllerschüssen begrüßt. Die Stadt war beflaggt. Nachmittags vereinigte sich die Gemeindeoettrettmg mit zahlreichen Bürgern der Stadt zu einem Festessen im Kurhaus. Das Anlegen der Dampfer ist für unser Städtchen von der größten Bedeutung.
Wiesbaden, 21. Mai. E§ liegt der Verdacht vor. daß dem bei Biebrich auf einer Automobilfahtt getöteten Ingenieur Albert, Sohn deS Kommerzienrats Albert, nach dem verhängnisvollen Sturz 40000Mk. geraubt worden sind. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung in der Angelegenheit angeordnet.
Frankfurt a. M., 20. Mai. Heute morgen nach acht Uhr gab es im Garten an her Börse, wo soeben elektrische Leitungen gelegt werden, aufregende Szenen Ter Arbeiter Kreß, der aus dem Kreise Fulda stammt und hier in der Vogelsbergerstraße wohnt, sprach dort mit einem Landsmann, dem Parlier Schäfer, hier in der Niedenau wohnhaft. Plötzlich zog Kreß einen Revolver und feuerte zweimal auf Schäfer. Dieser hatte aber die Absicht gemerkt und sofort die Hand des Kreß uiuHam- mert, beide Schüsse gingen dadurch fehl. Es entjpann sich nun ein Ringen zwischen Schäfer und Kreß, wobei Schäfer eine Verletzung an der Hand davontrug, dem Kreß aber von Seite der übrigen Arbeiter eine schwere Tracht Prügel zuteil wurde. Schließlich schritt die Polizei ein, die den Kreß festnahm. Man fand nicht weniger als drei Revolver bei ihm. Ter Grund zu seiner Untat ist nicht recht klar; man sagt, Kreß habe früher einmal einen Wortwechsel mit Schäfer gehabt. Uebrigens ist K. g e i st i g n i ch t n o r m a l, er soll schon einmal im Irrenhaus gewesen fein. Heute morgen kam er mit einer Droschke an die Arbeitsstätte gefahren. Mit dieser Troschke, die er hatte warten lassen, wurde er nach dem Polizeirevier gebracht. (Kl. Pr.)
[ ] Marburg, 21. Mai. Heute mittag, kurz nach 12 Uhr, schüttete eine in Weidenhausen wohnende Frau ihrem HauSwitt, weil er ihr Kind mißhandelt habe, zunächst eine scharfe Säure ins Gesicht und brachte ihm dann mit einem Handbeil mehrere schwere Verletzungen an Kopf und Nacken bei.
Marburg, 19. Mai. Am nächsten Sonntag feiern die Jungfrauen-Vereine Oberhessens in Marburg ihr diesmaliges Bundesfest. Ansprachen werden halten die Herren Pfarrer Sardemann-Caffel, Heermann und Fliedner-Marburg. — Die Gesamtzahl der Studierenden deS diesmaligen SammersemesterS beträgt 1304.
Vermischtes.
"Hannover, 21. Mai. Tie En tm ündi gung des Prinzen Prosper»Arenberg ist von dem Amts- gettcht auf Grund des § 6 Abs. 1 des B. G. B. am 25. März ausgesprochen worden. Nach dem gleichzeitigen Urteil mehrerer Aerzte ist beim Prinzen unzweifelhaft Geisteskrankheit festgestellt.
* Danzig, 21. Mai. Gegen Mittag entgleiste auf der Strecke Schmerrtau-Skurz der Nebenbahn Stargard- Schmentau ein Arbeiterzug. Vom Zug- und Arbeiterpersonal wurden drei Mann getötet und 14 mehr ober weniger schwer verletzt. Unter den Schwerverletzten befindet sich der Bahnmeister Quitsch. Ter Materialschaden ist groß. 13 Wagen sind zertrümmert. Die Strecke ist gesperrt.
* Oldenburg, 21. Mai. Rittmeister v. d. Gröben vom Tragonerregiment Nr. 19 erlitt auf dem Exerzierplatz, als das Regiment kurz nach 9 Uhr angetreten war, einen Herzschlag, und sank tot vom Pferde.
♦ München, 21. Mai. In dem Prozeß eines Industriellen gegen eine Frau wegen Erpressung hatte deren Anwalt den Jndusttiellen in der Gerichtsverhandlung scharf mitgenommen. Rechtsanwalt und Industrieller waren Reserveoffiziere. Ter Industrielle forderte den Rechts» anwalt. Dieser legte die Sache dem Ehrenrate vor, und der Ehrenrat entschied, der Anwalt brauche sich nicht zu duellieren. Nun ist der Rechtsanwalt mit schlichtem Abschied als Reserveoffizier entlassen worden und zwar deshalb, weil er einen Offizier (eben jenen Industriellen) in der Gerichtssitzung angegriffen hat.
* London, 21. Mai. ,Lchbin der PrinzHam- let von Dänemark" stellte sich ein wohlgekleideter Mann, der lebten Sonntag in der Polizeistation Gerald Road cintrat, dem wachthabenden Polizeibeamten vor. Und dann überreichte er ernst und feierlich dem überraschten Wächter der Ordnung einige silberne Leuchter, vier Ordensdekorationen und noch einige wertvolle Kleinigkeiten und setzte hinzu: „Ich habe meines Vaters Geist in Eaton Square gesehen. Er war oben und sagte zu mir: Komm herauf! Dann bin ich eine Leiter hinaufgestiegen und oben den Balken entlang gegangen, und er sprach zu mir: Tritt ein! Ich dttickte auf die Tür und trat ins Haus und er sagte: Nimm diese Tinge", hier wies der Prinz auf die dem Polizisten eingehändigten Gegenstände „sie sind dein". Hier machte der hohe Fremdling eine Pause, und der Wachthabende, der sich mittlerweile von seiner ersten Ueberraschung erholt hatte, trug nun seinen Teil Zur Unterhaltung bei und stellte die nüchterne Frage: „Verstehe ich Sie recht? Sind Sie in das Haus eingebrochen und haben diese Gegenstände gestohlen?" Ter Prinz schien einigermaßen betreten, erwiderte aber: „Nein, keineswegs, mein Vater hat sie mir geschenkt." Dann führte er den Polizisten nach Eaton Square und zu dem Hause, das der Abgeordnete Sir Robert Reid bewohnt. Dort war bcieits ein anderer Polizist beschäftigt, den Tatbestand
Einbruchs aufzunehmen. Im Fenster das Salons war ein großes Loch ersichtlich, und die Gegenstände, Orden, silberne Leuchter usw., mit denen der Fremdling in der


