beim Bearbeiten seines Wahlkreises. Für den Freisinn ist, wie schon gemeldet, wieder S ch m i d t aufgestellt. Die Sozial, demokraten stellten wieder einen Zählkandidaten in der Person des Tünchers Reichert (Finthen) auf.
Aie tzröffaung der StavLeausstclluug.
Dresden, 20. Mai.
Heute mittag wurde die Deutsche Stadte-Ausstellung durch ihren Protektor, König Georg von Sachsen, feierlich eröffnet Dem glanzvollen, durch Sachsenhymne und Platz- beckericheu Marsch eingeleiteten Akt, für den auch die benachbarten Straßen festlich geschmückt waren, wohnten außer den Prinzen und Vrinzcssinnen des sächsischen Königshauses und den höchsten Hof- und Staats-Würdenträgern auch die von fast sämtlichen deutschen Regierungen, sowie von allen größeren deutschen und vielen ausländischen Städten, wie Wien, Prcßburg, Petersburg, Paris, entsandten Delegierten bet Das Deutsche Reich war durch Staatssekretär Grafen Posadowsky vertreten. Das vom Dresdner Oberbürgermeister Beutler angeregte und im einmütigen Zusammenwirken mit den Verwaltungen aller größeren deutschen Gemeinwesen zur Ausführung gebrachte Unternehmen, für das der städtische Ausstellungspalast beim Königlichen Großen Garten ausgebaut wurde und nahezu 50 Sonderbauten errichtet sind, soll einerseits ein Bild der bisherigen Entwickelung und oes gegenwärtigen Standes des deutschen Städtewesens bieten, andererseits das Verhältnis der Wissenschaft, der Technik und des Gew erbe fleißes zum Bedarf der Gemeindeverwaltungen veranschaulichen. Diesem Doppelzwecke dient die Ausstellung in hohem Maße und verspricht von großer Tragweite für die weitere Entwickelung der städtischen Gemeinwesen Deutschlands und ihrer Selbstverwaltung zu werden. Sie leitet eine Aera idealen Wettkampfes der deutschen Städte hinsichtlich der Lösung der immer größer und schwieriger gewordenen Aufgaben auf den verschiedensten Gebieten ein und hat deshalb eine nationale und sozialpolitische Bedeutung. Mit der Städteausstellung wurde gleichzeitig die damit verbundene Samariterabteil- ung eröffnet Die letztere war auch von Berlin durch die Unfallstationen vom Roten Kreuz und die Rettungsgesell- schaft beschickt
Die Ausstellung füllt den großen städtischen Ausstellungspalast, den Wallot erbaut hat, und 20 Sondergebäude, sie umfaßt 128 Städte, die alle eine Mindestzahl von 25 000 Einwohnern besitzen. Der Katalog verzeichnet auf 306 Seiten 3030 Gegenstände, die acht Hauptabteilungen mit Untergruppen, eine gewerbliche Ausstellung und neun verwaltungstechnische Soude raus stellungen aus mach en.
Etwa 150 Oberbürgermeister und Stadtverordnetenvorsteher der beteiligten Städte, dazu glänzende Deputationen der deutschen Bundesregierungen und fast aller Kulturstaaten waren erschienen. Die Begrüßungsrede hielt Oberbürgermeister Beutler.
Die Eröffnungsfeier beschloß ein feierlicher Rund- gang. Heute abend gaben Rat und Stadtverordnete im Revräsentatiönsraum der Ausstellung ein Festmahl zu 500 Gedecken.
Beim Festessen betonte Minister v. Mehsch, gut geleitete Städte seien das beste Fundament der Staaten. Die Bundesregierungen würden stets bestrebt sein, diese Fundamente weiter zu stützen. Oberbürgermstr. Kirschner-Berlin erwiderte, die Städte seien sich mit gerechtem Stolz bewußt, daß ihr Gedeihen einen großen Teil des Vaterlandswohls ausmache, sie müßten es daher dankbar schätzen, wenn, was städtische Intelligenz schuf, anerkannt würde.
Dresden, 21. Mat
Heute nachmittag sand aus Anlaß der deutschen Städte-Ausstellung beim König int Resiüenzschloß Tafel statt, an der das diplontatische Korps, die Staats Minister, die abgesandten Vertreter der Regierungen und Städte und die Vorstandsmitglieder der Ausstellung teilnahmen. (Äenso nahmen auch der Kronprinz und Prinz Johann Georg an der Tafel teit
Vom Reichskanzler Grasen Bülow ist folgendes Telegramm ein gegangen: „Herrn Oberbürgermeister Beutler. Der heutigen Eröffnung der Städte-Ausstellmtg nicht persönlich beiwohnen zu können bedauere ich lebhaft. Ich bitte, dem Vorstand meine aufrichtigen Wünsche für bestes Gelingen der Ausstellung zu üb ermitteln. 'Möge sie für die weitere ersprießliche Gmtiöidluitg unseres blühenden städtischen Lebens von reichern Segen fein, und die in sie gesetzten Erwartungen voll erfüllen."_____________________
Weiteres über das Mutvad in Kischinew.
lieber die schrecklichen Vorgänge in Kischinew werden äi Wien jetzt noch weitere entsetzliche Einzelheiten bekannt, aus denen hervorgeht, daß die Katastrophe durch die Verschuldung des Gouverneurs der Stadt entstanden ist, und daß sich an dem Massacre auch Offiziere und Beamte beteiligt haben.
Ter Wiener Korrespondent eines Berliner Lokalblattes hatte Gelegenheit, mit zwei aus Kischinew geflohenen Kauf- icuten zu sprechen. Ter ältere, Chaskel S., war vermögend und besaß ein gutgehendes Manufakturwarengeschäft; er ist intelligent, trägt sein Unglück gefaßt und wurde mit den Seinen durch einen aufopfernden Christen gerettet Mit Chaslel reisen seine Fran und fünf Kinder. Er erzählt, schon Wochen vor Ausbruch der Katastrophe habe man gefühlt, daß etwas Schlimmes im Anzuge sei. In Kischinew wurde erzählt, aber leider nicht der Wichtigkeit nach gewürdigt, daß der Gouverneur Raaben von dem reichen Juden P. 80000 Rubel als Darlehen verlangt hätte. P. habe zwei andere reiche Juden, Isaak und Elisa A., gebeten, das Geschäft mit ihm z>u teilen; er wolle schon seinen Teil "beitrügen. Tie andern aber verweigerten dies und teilten den andern Juden nichts mit, die sicherlich zusammen- gesleuert hätten, wohl wissend, daß man einem Gouverneur nichts verweigern kann. Als bann die Metzeleien begannen, erbaten die drei reichen Juden Schutz beim Gouverneur, der bei jedem ihrer Häuser Kosaken aufstellte, sich dafür aber 20000 Rubel zahlen ließ. Am ersten griechischen Lster- feicrtag, dem 19. April, bemerkte man mit Beunruhigung, daß außerordentlich viel Landbevölkerung in die Stadl kam und bte Branntweinschänken überfüllte. Tte erwachsenen jüdischen Einwohner waren in den Synagogen zum Gebet versammelt, als plötzlich Kinder gelaufen tarnen und schrieen, man möge nach Hause kommen, böse Leute würfen die Fenster ein und drängen in die Wohnungen. Alles stürzte hinaus. Auf der Gasse wurden die Juden aber schon mit Beschimpfungen empfangen, man spie ihnen ins Gesicht, ritz ihnen Bart unb Kopfhaar aus, höhnte und schlug sie. Tie Gepeinigten luolt...; sich wehren, die Polizei befahl üjncn jedoch, nach Hanse zu gehen. Tie wütenden Horden eilten ihnen nach, schlugen Frauen und Kinder toi.
eilten zum Gouverneur, der aber niemand vorlieh
und zu sagen befahl, er könne gar nichts machen. Er habe nach Petersburg an den Zaren telegraphiert; bis Antwort da sei, müsse man warten. Die Inden wollten nun selbst telegraphieren, man weigerte sich aber, ihre Te- peschen anzunehmen. Chaskel S., um Frau und Kinder besorgt, bat einen christlichen Nachbar, ihm Schutz zu gewähren. Dieser mitleidige Mann ließ mit Gefahr seines Lebens elf jüdische Familien mit im ganzen dreißig Kindern in seinen Keller hineingehen, wo sie 2y$ Tage zubrachten, und stellte ein Kruzifix an baS Fenster. Inzwischen waren einige Juden nach Odessa gekommen und hatten die schrecklichen Vorfälle dem Militärkommandanten Südrußlands Grafen Mussin Puschkin erzählt. Dieser erlangte innerhalb zwei Stunden rom Kaiser den Befehl, mit 16 000 Mann Militär nach Kischinew zu eilen, wo er den Schrecknissen ein Ende machte. Mussin Puschkin ließ alles verhaften, was auf frischer Tat ertappt wurde. Unter seinen Gefangenen sind Polizisten, Offiziere, Beamte und Geistliche. Sie trugen Arbeiterktttel über Uniform und Ornat und Masken über das Gesicht. Als am dritten Tage Chaskel aus dem Kellm: kam, waren die Sttaßen durch Schutthaufen unpassierbar, darauf lagen Leichen, Bewußtlose und Verwundete. Die Verletzten schrieen in schrecklicher Weise um Hilfe. Einigen fehlt? die Hand, der Fuß, oder sie hatten schaudererregende Kopfwunden. Alle waren von Stiefeln bis zur Unkenntlichkeit zerstampft. Tie Frau Chaskel hatte schon'im Keller um ihre Rettung gejammert und für deren Rettung gebetet. Chaskel suchte sie in ihrem Hause auf, das ganz demoliert war. Es hieß: „Sie sind erschlagen!" Nach langem Suchen fand man ihre Leichen in die Rohre des Klosetts gestopft. So lange Chaskel in Kischinew war, fand man alle Tage Leichen in Klosetts und Kanälen, und er glaubt nicht, daß je zu Tage kommen wird, wie viele Leichen auf diese Art verschwunden sind. Der Schaden an Gut muß ncFch seiner Ansicht viele Millionen betragen. Ter zweite Mann, der in Wien eintraf, heißt Tobias. Dieser stellt einen noch bedauernswerteren Fall bar. Tobias ist Händler, jung, groß und intelligent, doch hat sein .Verstand unter dem Unglück, das ihn betraf, gelitten. Minutenlang starrt er vor sich hin, nickt heftig und siebt sich ängstlich um, will dann fortlaufen und sinkt gleich darauf ermattet in einen Stuhl. Er war in geschäftlichen Angelegenheiten nach Cherson über Odessa gereist. Tort verbreitete sich zu den griechischen Ostern das Gerücht, in Kischinew habe sich etwas Schreckliches ereignet, weshalb er heimkebrte. Als er ankam, erkannte er seine Heimatstadt nicht, aoer alles war schon ruhig. Sein Geschäft zu ebener Erde war ausgebrannt und roch nach Petroleum; seine Wohnung war leer und wüst. Tobias meinte, Frau und Kinder hatten sich geflüchtet. Man sagte ihm, sie seien schon begraben. Die Frau wollte, die Kinder hinter sich haltend, das Geschäft verteidigen. Man schlug sie nieder und schleppte sie an den Haaren hin und her, ttampelte auf den Kindern hemm, bis die Körper unkennlliche Leichen waren. Mussin Puschkins Soldaten begruben die Leichen mit vielen anderen. Nachdem Tobias den Erdhügel am Friedhof gesehen, ergriff ihn ein wahnsinniger Trieb zur Flucht. Er floh, weitz aber nichts mehr, als daß er auf einmal in Radziwilow war und nicht über die Grenze durfte. Nach einigen Tagen schmuggelte er sich durch, fuhr bis Brody, wo ihn barmherzige Juden nach Wien mitnahmen.
Einer weiteren Petersburger Depesche zufolge dauern die gerichtlichen Verhandlungen gegen die Teilnehmer an dem Judengemetzel fort Am 15. Mai wurden von 39 Angeklagten 13 freigesprochen, die übrigen zu geringfügigen Arreststrafen verurteilt Gegen den abgesetzten Gouverneur v. Raaben ist beim Senat Klage erhoben worden. Die Panik in Südrußland ist noch groß. Das Stadthaupt von Odessa macht Mittellung von der Verteilung vergifteten Konfekts an Kinder und Soldaten, unter Namens- und Datumsangabe. Tie Untersuchung des Konfekts hat jedoch kein Resultat ergeben.
Aus Stadt und Land.
Gießen, am 22. Mai 1903.
- Von dem jüngsten Ehrendoktor unserer Land es Universität, C. Pi stör in Flix in Spanien wird uns mitgeteilt, daß die von ihm geleitete Fabrik bereits seit Jahren arbeitet. Dr. P. hat die obere Leitung der Tochter-Werke von Griesheim-Elektron in Frankreich und Spanien. Fast gleichzeitig mit seiner Ernennung zum Ehrendoktor wurde er auch zum Ehrenbürger von Flix ernannt.
•* Herr Ernst Ch allier teilt uns mit, daß ähnlich dem Hinrich'jchen Katalogverlage des Buchhandels auch der Musikalien- handel seit Jahren bei Hofmeister in Leipzig ein Cemralstelle hat, von der alle dort eingesandten Erscheinungeu in Monats- und Jahresberichten veröffentlicht werden.
h. Lollar, 21. Mai. Nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr, findet die Verteilung der Gesellenbriefe der zweiten Gesellenprüfung im hiesigen Ottsgewerbeoerein statt.
? Ilbeshausen, 20. Mai. Am Sonntag sind drei Leute, welche in persönlichem Verkehr mit dem Raubmörder standen, nach Kroatien abgereist. Wie sie auf einer Postkarte berichten, haben sie den Mörder erkannt. Sie kehren nächsten Samstag wieder hierher zurück.
ß Herchenhain, 20. Mai. Neulich kam eS abends in der R.'schen Wirtschaft zu einer blutigen Schlägerei, wobei bte Beteiligten so zugerichtet wurden, daß ärztliche Hilfe erforderlich war. In dem Wittszimmer wurden Fenster demoliert und Bänke entzwei geschlagen. Für zwci der Streitenden wird eine exemplarische Bestrafung nicht au8- bleiben, da sie wegen ähnlicher Vergehen bestraft und um Weihnachten den hiesigen Polizeidiener arg mißhandelt hatten, wofür sie erst vor einigen Tagen eine gehörige Geldstrafe erhielten.
Darmstadt, 20. Mai. An der Großh Turn- lehrerbilbungsanslalt zu Darmstadt wird vom 2. bis 6. Juni durch den Großh. Turninspektor ein Privat-Kursus zur Ausbildung in der Leitung von Bewegungsspielen veranstaltet werden, an dem nicht nur Lehrerinnen, sondern auch Damen ohne Berufs st ellung teilnehmen können. Da die Jugendspiele immer mehr zur Einführung gelangen, fehlt es sehr häufig an geeigneten Persönlichkeiten zu deren Leitung, weshalb solche Ausbildungskurse sehr zu begrüben sind.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und ben Nachbarstaaten. Die Stabtoerorbneten in Mainz genehmigten 2 360 000 Mk. zur Umwanblung ber Pferbebahn in elektrischen Betrieb.
Vermischtes.
* Kiel, 21. Mai. Gegen ben Fähnrich zur See Hüssener ist Anklage wegen Totschlages erhoben worben.
* DreSben, 20. Mai. Den ,Dr. N. 91.' wirb von gut unterrichteter Seite auS fiinbau gemelbct, baS Besin be n ber Prinzessin Luise von ToSkana sei burchauS kein beliebigenbeS. Ihr Aussehen lasse auf einen krankhaften physischen Zustanb schließen, gleichzeitig leibe fte unter anbauember Schwermut. Tie Prinzessin steht unter ftänbiger Beobachtung. Alle an sie adressierten Briefe und Blätter werden einer vorherigen Untersuchung unterzogen. Täglich empfängt die Prinzessin Briefe und harten auS Dresden, die sie gewisienhast sammelt. Nie erkundigt sie sich nach Dresdener tzofnachrichten, fragt aber dafür um so öfter, wie daS sächsische Volk über sie denke. In dem Seelenleben ber Prinzessin scheint sich eine vollkommene Wanblung vollzogen zu haben. Sie verlangt täglich zweimal nach bem Priester unb hält mit ihm Gebetsübungen ab. — Tie ®e- sichtSzuge beS wenige Wochen alten Kindes ber Prinzessin weisen, wie bie ,Dresb. N. Nachr.* feststellen, eine große Aehnl ichkeit mit benen beS Kronprinzen von Sachsen auf.
• Brüssel, 21. Mai. Die französischen Karthäuser haben baS prachtvolle Schloß beS Grafen Val be Beaulieu in Cambron-Casteau nörblich von Monts für 3 Mill. Fr. erworben.
'Paris, 20. Mai. Die Untersuchung in ber Hum» bert-Angelegenheit ist gestern enbgiHig abgeschlossen worben. Die Anklageschrift umfaßt nicht weniger als 300 Seiten unb schließt mit ber Verweisung ber Angeklagten vor das Schwurgericht wegen Fälschung unb Unterschlagungen. Die Anklage auf betrügerischen Bankerott ist fallen gelassen.
• Nancy, 21. Mai. Die Gattin beS Spions ®a Miguel ist gestern verhütt worben. Sie verweigette jebe Antwort. Eine Freunbin ber Gattin BalliguetS wurde gleichfalls verhaftet.
* Toledo, 20. Mai. Der Kirchturm der hiesigen Kathedrale, ein bekanntes Kunstwerk, droht einzu- stürzen. Maßgebende Architekten glauben, eS drohe ihm das gleiche Schicksal wie dem Campanile von St. Markus.
• Wien, 21. Mai. Der auS Patts stammende angebliche Millionärssohn Eugen Menasse wird steckbrieflich verfolgt, weil er ein SittlichkeitS- V erbrechen verübt haben soll.
• Winnipeg, 21. Mai. Im Süden des BezittS Al- berta in Montana wütet der heftigste Schneesturm, der seit vielen Jahren vorgekommen ist. Ter Schnee liegt im Weideland 18 Zoll hoch. Die Viehzüchter schätzen den Verlust an Vieh auf 5 Mill. Doll. ES ist kein Anzeichen für einen Wetterumschlag vorhanden.
* Montreal, 20. Mai. In St. Hyacinthe, vierzig Meilen von hier, wurden heute nachmittag 2 00 Gebäude, darunter viele Fabriken, durch Feuer zerstört. Der Schaden beträgt nahezu 1 Mill. Doll.
* Auch eine Heiratsanzeige. Eine junge Berliner Schauspielerin hat ihre Bekannten mit folgendem originellen Schreiben zu ihrer Hochzeit eingeladen: ,Jch bin erfreut, alle meine Freunde zu verständigen, daß ich demnächst in einer Rolle austrete, die ich bisher noch nicht gespielt habe. DaS Stück heißt ,@ine Ehe' unb Herr HanS C. ist mein Partner. Von ihm wirb eS abhängen, ob bie Probuktion ein Drama ober ein Vaudeville sein wirb."________________
Universitäts-Nachrichten.
Königsberg, 22 Mal. Ter o. Prof, für Xiaubroirtfcbuft, Direktor des landw. Institutes zu Gießen, Dr. Friebttch Albert, hat ben Ruf an bie hiesige Universität angenommen. Tas Orbinariat für Lanbwirtschast war feit bem Weggang bes Geh. Regierungsrates Prof. Dr. Wilhelm Fleischmann, ber seit 1896 o. Prosesfor für Lanbwirtschast an ber Universität Göttingen ist, unbesetzt. Leiter bes lanbw. Instituts in Königsberg ist gegenwärtig »ä interim ber a.-o. Pros. Dr. Alexcmber Backhaus.
Padua, 20. Mai. Die Stubenten der hiesigen Universität verlangen bie Errichtung einer italienischen Universität in Trient ober Triest. Tie Stubenten verbrannten eine österreichische Fahne, zogen vor bas Denkmal Garibaldis unb schließlich vor die Wohnung des Deputierten für Friaul, Caratti. Dieser hielt unter lautem Beifall vom Balkon eine Rebe, beklagte bie Vorkommnisse in Innsbruck unb versprach, ben italienischen Minister des Aeußeren beswegen zu interpellieren unb eine Intervention zu Gunsten ber in Oesterreich lebenben Italiener zu verlangen.
Arbeiterbewegung.
Bremen, 21. Mai. Tie Arbeitgeber des Baugewerbes be* schlossen, sämtliche im bremischen Bailgewerbe beschäftigten Maurer, Zimmerleute und sonstigen Bauarbeiter von Montag ab auszusperren, falls bte wegen Lohnforderungen ausständigen Klempner sich nicht bis Freitag mittag bereit erhören, bie Arbeit unter ben alten Bedingungen wieder aufzunehmen.
Handel und Verkesir. Volkswirtschaft.
Berliner Börse vom 20. Mat 1903.
(Mitgeteilt von ber Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Im Anschluß an bessere Newyorker Meldungen, sowie festere Kurse aus Londoir für Mmen, verkehrte bie Börte heute auf fast allen Gebieten in besserer Stimmung. Tie Umsätze vollzogen sich immer noch in den bescheidensten Grenzen, sodaß bie kleinsten Beträge genügten, um bie Kurse nach der einen ober anderen Seite zu beemflulien. Ter Montanmarkt verkehrte in einheitlicher Tendenz; während sich für Eisenaktten heute eher bessere Stimmung zeigte, ivaren Kohlenaktien angeboten und im Kurse nachgedend; das Gerücht von einer Kapitalserhöhung der Hibernia, Bergwerks- Aktien-Gesellschaft, verursachte einen schärferen Rückgang dieser Aktien, welche den ganzen Markt beeinflußte. Ter Renten- und Bankaklien-Mattt zeigte ebenfalls gut behauptete Haltung. Auf dem Cassamdustriemarkt waren wieder Heinere Kursrückgänge zu bemerken, welche auf Realisierungen ber kleinen Spekulation zurückzuführen fmb.
Pttvat-Diskont 3% Prozent.
Anfangs- u. Schlußkurse.
Oest. Krebtt .... 210.60
Deutsche Bank . . . 209.90
Tarmstäbter Bank . . 138.30
Bochumer Guß . . . 179.00
Harpener Bergbau . . 182.25
Schtuß-Tenbenz: ziemlich fest.
210.75
210.00
138.10
179.40
182.75
Märkte.
Limburg a. d. L., 20. Mai. Fruchtmarkt. Durch- schnutspreise pr. Malter. Roter Weizen 14.24 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 11.10 Mk., Gerste 0.00 Mk^ Hafer 6.86 Erbfen 0.00 Mk^ Kartoffeln 0.00 Mk.


