Ausgabe 
22.4.1903 Zweites Blatt
 
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Eisenbahndirektion daselbst versetzt roorben. Der Eisenbahn­birektion in Mainz sind überwiesen: Der Geh. RegierungSrat Tr. NoeSler, bisher Mitglied der Kgl. Eiscnbahnbirektion in Berlin, behufs Wahrnehmung der Stelle beS Oberregier- ungSratS, ber Regierungsassessor Dr. Schneiber, bisher Vorstanb ber Eisenbahn-VerkehrSinspektion in Altena, zur Wahrnehmung ber Geschäfte eines Direktionsmitgliebs, und ferner vom 1. Mai bs. IS. ab der Gerichtsassessor Knebel von ber Eisenbahnbirektion in Köln behufs Verwendung als Hilfsarbeiter bei der Eisenbahndirektion Mainz. Dem Re- gierungSassesior Dr. Falk en berg in Mainz ist vom 1. April ab die etatsmäßige Stelle eines Mitgliedes der Lifenbahn- direktion Mainz verliehen worden.

* Liebigmuseum. Wie wir auS bester Quelle ver­nehmen, tritt man dem Gedanken näher, in unserer Stadt ein Liebigmuseum zu errichten. DaS alte Liebig'sche Labo­ratorium soll dazu eingerichtet werden, aber erst nach Er­bauung der neuen Kliniken, also in 24 Jahren. Zur Liebigfeier findet am 12. Mai in der Aula der Universität eine Festsitzung statt mit darauffolgendem Festessen. Die Hauptfeier für Liebig, an der sich hervorragende auswärtige Gäste beteiligen werden, wird in Darmstadt stattfinden.

* Silberne Hochzeit. Schneidermeister Jakob Schreiner und deffen Ehefrau Margarete, geb. Nicolai, be­gehen heute das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Der Baucr'sche Gesangverein, deffen Vorstandsmitglied Herr Schreiner ist, er­freute daß Jubelpaar durch ein Ständchen.

** Gemäldeausstellung. Von heute ab ist an Stelle der mit Ausnahme der Liljefjors'schen Kollektion weggebrachten Gemälde eine reichhaltige Sammlung von Gemälden Karlsruher Künstler getreten. Es ist eine korporative Ausstellung der Kunstgenossenschaft Karls­ruhe L Gute Namen sind vertreten, Edmund Kanoldt, Ferd. Keller, Wilh. Schröter, Kasp. Ritter u. a. m. Die Sammlung Liljefjors kann leider nur noch bis nächsten Montag hier ausgestellt bleiben. Sie werden bis dahin in Leipzig erwartet, wo sie ebenfalls nur kurze Zeit aus­gestellt werden können, da sie bald wieder nach Schweden zurückkehren sollen.

** A us demTheaterbureau. Morgen, Donners­lag, spielt das Steinert's^e Operetten-Ensemble seinen ersten Haupttrurnpf aus, indem es die berühmte japanische OperetteDie Geisha" zur vorläufig einmaligen Aufführung bringtGeisha" zu sehen, ist dem Publikum selten Gelegenheit geboten, da das Aufführungsrecht der Verleger ein unverhältnismäßig hohes, und die Ausstatt­ungen, Dekorationen und Kostüme wahrlich keine geringen Kosten erfordern. In letzterer Beziehung hat die Direktion das denkbar Mögliche geleistet. Die durchweg neuen Deko­rationen und Kostüme haben überall, wo das Steinertsche EnsembleDie Geisha" zur Aufführung brachte, die größte Bewunderung hervor gerufen. Die Musik der Operette ist bekanntlich in kurzer Zeit höchst populär ge­worden. Wir erinnern nur an das reizendeO tanzDu kleine Geisha Du", von Mimosa gesungen. Diese Rolle befindet sich in den Händen von Frl. Stöger; die Aiolly i t eine echte Soubrettettpartie für Frt Bartl; in den Rollen des Jmari und des Chinesen Wunshi haben die Komiker Bruck und Gan z er t Gelegenheit, auf die Lachlust zu wirken, und die beiden Tenorpartien singende Herren Sommer und Nolte.

ko. Niederweisel, 21. April. Im hiesigen Kranken­hause starb heute morgen der Landwirt Haffer auS Gam- bach an den Verletzungen, die er gestern abend durch den Huftritt emeS feiner Pferde erlitten hatte.

() Nidda, 22. April. Gestern abend 10i/i Uhr wurde die hiesige Einwohnerschaft durch Feuerlärm erschreckt. Die den Bürgern Reinhardt und Rettberg gehörige am Johanuitterhos stehende Sck>euer eine alte Zehntscheuer stand in Hellen Flammen. An eine Rettung des Gebäudes war nicht zu beulen. Die bald erschienene Feuerwehr mußte sich auf den Schutz der 'Nachbargebäude beschränken, der auch, obgleich das benachbarte Wohithaus des Fleisch­beschauers Runk schon Feuer gefangen batte, völlig gelang. Die Entstehungsursack)e des Brandes ist unbekannt, es wird aber allgemein Brandstiftung vermutet. In das hiesige Haftlokal ist von der Gendarmerie vorgestern ein junger Mensch eingeliefert worden, welcher in dringen­dem Verbäckst steht, d^n seinerzeit am Laubacher Stadt­wald ausgebrochenen Walobcand angelegt zu haben.

Darmst. adt, 22. April. Frau Phil. SNerz aus New- Hork, z. Z. in Groß-Bieberau weilenb, wurde am Montag im Neuen Palais von ber Prinzessin Heinrich von Preußen in bejonberer Audienz empfangen, bei welck-er Ihre Kgl. Hoheit für das Ihrem Hohen Gemahl bei seiner Amerikareise im Namen der deutschen Damen in Newport für sie gespendete unb überreichte Kissen ihren Dank aussprach.

R. B Darmstadt, 21. April. Der Finanzaus­schuß ber zweiten Kammer, ber heute vormittag feine erste Sitzung naa; ben Osterferien ab hielt, hat nicht weniger als zwölf verfchiebene Sacken erlebigt Dem ersten und wich­tigsten Beratungsgegenstand bildete ber von der Gvoßh. Diegierung mit dem Reiche Vereinbarte Vertrag über die Auflösung ber beiden Witwen- und Waisen lassen für Offiziere und Unteroffiziere des ehemaligen hessischen Kontingents, an denen zurzeit noch 112 Offiziere unb etwa 25 Unteroffiziere beteiligt sind. Der Vertrag geht bahin, daß bas vorhandene Vermögen, das etwa 600- bis 700 000 Mark beträgt, zu drei Fünftel an Hessen und zu zwei Fünftel an das Reich übergehen soll. Infolge desVorbehalts Lei Abschluß ber Militärksnvention, daß die Ka,sen unter hessischer Verwaltung bleiben sollten, hatten sich im Laufe der Jahre eine Reche differentieller Fragen ergeben, die heute im Ausschuß ^Berichterstatter Dr. Gut fleisch) zu sehr eingehenden Erörterungen Veranlassung gaben. Der Ausschuß beschloß barnad), bem Hause die Genehmigung des Vertrages mit bem Reiche vorzuschlagen. Eine längere Debatte riefen auch bic Anträge Dr. Frenay und Ulrich be­züglich der Fabrikinspektoren hervor. Der erstere wünscht eine allgemeine Vermehrung ber Aufsichtsbeamten, der letztere speziell die Hinzuziehung von Arbeitern zur Kontrolle. Alan neigte im Ausschuß ber Ansicht zu, daß die Inspektion ber jetzigen 5 Beamten sehr gut funktioniere und eine Vermehrung derselben kaum erforderlich sei. uine andere Frage fei es, ob nicht durch das am 1. ^anuat 1004 nt Kraft tretende Gesetz über den gewerblichen n in ber- schütz eine umfangreiche Tätigkeit und damit eine Ver­mehrung des Kontrollpersonals erforderlich werde, Es wird wahrscheinlich der Regierung anheimgegeben werden, eine Regierungsvorlage in Vorschlag zu bringen, falls sich das Bedürfnis nach einer Vermehrung der Jnspektronsbeainten Herausstellen sollte. Ein weiterer Antrag ber Abgg. Ko re LI unb Gen., den Staatsb ea mt en anstatt ber jetzi­

gen festen Diäten in Zukunst mir noch die wirklichen, rechnungsmäßigen Unkosten zu vergüten, wurde von der Mehrheit des Ausschusses abgelehnt. Ferner wurde ein Antrag von Bewohnern aus Wörrstadt auf Gewähr­ung einer Entschädigung wegen Laubentziehung aus Anlaß der letztjährigen Reblausmaßregeln abgelehnt. Dem von ber Regierung beantragten Verkauf von Domanialgrunb- stücken stimmte ber Ausschuß zu, ebenso ber Nachtrags- forderuna für Bad Salzhausen, wogegen er in Rück­sicht auf Die augenblicklicl>e Finanzlage die Gesuche mehrerer Beamten late gori en um Gehaltserhöhung ablehnte. In der morgen statt find enden Sitzung sollen neben der Forderung der Kosten für den Neubau des Darmstädter Hoftheaters nrcf) die Gesuche der Domanialforstwarte, der Kreisamts- bteuer, der Straßenmeister und Hochbauaufseher re. zur Beratung kommen.

Sprendlingen, 20. April. Die Begnadigung unseres Bürgermeisters erfolgte zur großen Freude der Ein­wohnerschaft! Er wurde unter Erlaffung der Gefängnisstrafe in eine Strafe von 200 Mk. genommen. (W. Ztg.)

? Mainz, 2L April. MU den Reftaurativns- arbeiten an dem kurfürstlichen Schlosse hier, welches schon seit Jahresfrist eingerüstet ist, hat man nun endlich tatsächlich begonnen unb zwar mit Aufwendung zahlreicher Arbeitskräfte. An der Rhainfassade des linken Flügels bes Schlosses sind viele Steinhauer tätig, um zunächst die zahlreichen schadbaften Stellen an den Gisimsen und Tür- und Fensterumrahmungen auszumeiseln, in welche alsdann neue Stücke eingefügt werden. Besonders mühsam unb zeitraubend hierbei sind die Arbellen an den prachtvollen Erkern des Schlosses. deren feine und reiche Zeichnung eine sehr sorgsame Bearbeitung erheischen. In dem rück­seitigen Scylvtzhof hat man mehrere Bauhütten errichtet, in welchen zahlreiüe Steinmetzen damit beschäftigt sind, die in die schadhaften Stellen einzufügenden Steine zu­zuhauen. Für die gesamte Restauration des Schlosses, zu deren Kosten betanntlid) das deutsche Reich, der hessische Staat und die Stadt Mainz Beiträge leisten, sind zwölf Jahre vorgesehen. An der neuen Rheinüberbrück­ung für die Bahnlinien Mainz-Wiesbaden und Mainz- Bischofsheim ist die Fahrbahn über die zweite diesseitige Stromoffnung jetzt fertiggeftellt worden, so daß man von dem linken Ryeinufer den zweiten Strompfeller schon festen Fußes erreichen kann. Das vollständig vorbereitete Material für die Ueberbogung dieser Brückenstrecke ist be­reits auf bie Fahrbahn gesck-asft und harren die einzelnen Teile ihrer Montierung. In dem Rheinarm zwischen bem Kasteler Ufer und ber Petersaue ragt bie erste Ueberbogung auch schon weit heraus und dürfte binnen wenigen Wochen wohl ganz vollendet sein. Wenn keine unvorhergesehene Ereignisse eintreten, so wird mll bem Schluß der dies­jährigen Bausatson bie Brücke, soweit sie über ben Strom führt, unzweifelhaft ganz vollendet fein. Nach Vollendung der eben in Arbeit befindlichen zwei lleberbogungen bleibt in dem rechten unb Unten Stromarm nur je die Ueberbogung einer Stromöffnung übrig, welche Ar bell, nach bem bisherigen Verlauf ber Bauarbeiten an bem Brückenbau zu schließen, sich in drei bis vier SDionaten leicht bewerkstelligen lassen.

tc. Frankfurt a. 2JL, 21. April. Der Kommis Alexander Zorn dahier wurde wegen Entführung der minderjährigen Tochter eines KaffiererS von der Strafkammer zu einem Monat Gefängnis verurteilt.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Dem Hilfsarbeiter im Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Spezial- und Oeko- nomiekommissar Brase auS Wetzlar ist der Charakter als Oekonomierat verliehen roorben. Am Samstag fand im Hotel Pfeiffer zu Marburg unter bem Vorsitz des Ober­bürgermeisters Müller-Kassel eine Sitzung des Vorstandes des .Hessischen StädtetageS" statt, in welcher beschloßen wurde, bie diesjährige Hauptversammlung am 5. und 6. Juni in Bad Orb abzuhalten.

Vermischtes.

Berlin, 21. April. DaS Blumenmedium Frau Anna Rothe ist zur Verbüßung der ihr zuerkannten Strafe von ll/j Jahren Gefängnis nach dem Zentralgefängnis für Frauen in CottbuS übergeführt worden.

New-Port, 21. April. AuS Havanna wird ge­meldet: Der deutscheKonsul veranlaßte die Verhaftung des SantoS VaSquez, der angeschuldigt ist, mittels be­trügerischer Waarenmanipulationen Frankfurter, Pariser und Londoner Firmen um eine halbe Million betrogen zu haben.

* Der Alkoholverbrauch in Europa. Arn meisten Alkohol verbraucht Dänemark mit 8,85 Liter pro Kopf. An ziveiter Stelle steht Deutschland mit fast dem gleichen Quan­tum, nämlich 8,26 Liter. Dann folgt in ziemlich weitem Abstande die Schweiz mit 6 Liter pro Kopf. Verhältnis­mäßig günstig scheint Frankreich mit 4,8 Liter zu stehen. Aber dies ist nur Schein. In den nordischen Ländern kann der Alkoholgenuß zum Teil auf Rechnung des rauhen und kalten KlimaS gesetzt werden. In dem milden Klima Frank­reichs fällt aber die Ausrede fort, der Alkohol sei zur Win­terszeit als Belebungsmittel unerläßlich und von diesem Standpunkt aus muß bie französische Ziffer sogar verhältnis­mäßig hoch gefunden werden. Mit großer und bewunderns­werter Energie nimmt man den Kampf gegen die Trunksucht jetzt in England auf, wo sie freilich zum Nationallaster ge­worden ist. Ein neues Gesetz bestraft Trunkenhell an und für sich. Bei zweimaligem Rückfall wird der Bestrafte von der Polizei photographiert und sein Blld an alle Wirte ver­teilt, denen damit ber Verkauf von Spirituosen an den Be­treffenden untersagt wird. Ferner gllt Trunksucht in Zukunft als unanfechtbarer Scheidungsgrund.

Eisenbahn-Zeitung.

D i e P r e u ß i s ch - H e s s i s che E is e n b a h n - Ge­rn e i n s ck a s t erreichte im März eine Geiamteinnahme von Mk. 115 460 000 (mehr Mk. 5 646 000) und im Eiaisjahre 1902,03 wurden vereinnahmt Mk. 1 892 305 000 (mehr Mk. 39 980 000).

Vnivtrlltüts-Uachrichtea.

et Darmstadt, 21. Avril. Tie hiesige Burschen­schaft .Germania" trägt seit einigen lagen wieder die bei ihrer Gründung nn Jahre 1879 eingeführte bunfelroie Sammetmütze.

Wie quS Darmftadt mttgeteilt wird, hat der derzeitige Rektor der Technischen Hochschule, Geh. Baurat Proiefsor Piarr, den Antrag erhalten, die an der Technischen Hochschule in Wien errichtete Professur für Wasserkrastmajchineu zu übernehmen. In­

folge der kürzlich von den Landständen zur Einrichtung von Maschinenbau-Laboratorien gewährten Mittel wurde es jedoch Prof. P'arr ermöglicht, sich für (ein Bleiben in Darinstadt zu entschließen. Aus Heidelberg wird geschrieben: Geh. öofrat Tr. Karlowa laßt bekannt machen, dag er seine beiden Vorlesungen:Deutsches bürgerliches Rechtund ,DaS Sachen­recht des Bürgert. Gesetzbuches" krankheitshalber nicht halten werde. An seiner Stelle werden die Professoren Dr. H i s und Asio11er diese Vorlesungen übernehmen. Aus Bonn wird gemeldet: Ter o. Projeffor der Rechte, Landgerichtsrat Dr. C o s a ck, hat den an ihn ergangenen Antrag, die Stelle des OberlandeSgerichts- präsidenlen am Hanseatischen Oberlandesgericht zu übernehmen, abgelehnt. Ter Prrvatdotent Tr. Radermacher, Assistent am philologischen Seminar, ist als a. o. Professor nach Greifswald berufen und tritt feine neue Stellung bereits im laufenden Sommer­semester an. Am 23. April feiert der o. Honorar-Professor in der evangelisch-theologischen Fakultät der Uulversität Breslau, ®eneralfuperintenbent a. D Ur. theol et pbil. Erdmann, das 50 jährige Jubiläum feiner akademischen Lehrtätigkeit Dr. Erd­mann ist 1821 geboren. Ter in Rom lebende Publizist Tr. Maximilian E1 a a r, Sohn des Frankfurter Schauspiel-Intendanten Emil Claar, wurde zum Profehor für deutsche Sprache an der Universität Rom ernannt AuS Bonn vom 2u. ds. wird ge­schrieben : Geh. Ober-Med.-Rat Prof. Tr. Veit ist g e ft o r b e n.

Frankfurt, 21. April. Die Vorlesungen der Handels- Akademie nahmen heute ihren Anfang. Von auswärtigen Dozenten finden wir mit Vorlesungen verzeichnet: Prof. Tr. B i e r- m a n n-Gießen (Grundzüge des Zivilprozeßrechtö. Samstag von 10 bis 12 Uhr, Beginn am 25. April), Prof. Dr. Kühnemanu-Bonn (Schillers Leben und Werke, Samstag von 5 bis 7 Uhr, Beginn am 2. Mai), Geh. Bau rat Prof. Berndt-Darmstadt (Einiührung m die Technik, Freitag von 5 bis 7 Uhr, Beginn am 24. April).

Stuttgart, 21. April. Die Finanzkomnufsion der Ab­geordnetenkammer beschäftigte sich heute mit der Frage eines homöopatischen Lehrstuhls an der Universität Tübingen. Tie Redner sprachen sich sämtlich dafür aus, ein Beschluß wurde jedoch nicht gefaßt. Bezüglich der Berufung von roürttembergifdjen Lehrkräften in der medizinischen Fakultät wurde die auifaUenbe Tatsache festgestellt, daß von 88 Asfistenz-Aerzten an den Tübinger Kliniken nur 12 Württemberger und 26 Nichtwürttemberger sind. In manchen Kliniken können Württemberger überhaupt nicht an­kommen.

Kandel und Kcrlichr. UolKswirlstjafl.

Projektiertes Hochofenwerk in Wetzlar. Aus Wetzlar wird geschrieben: »Die Gewerkschaft Earolus II., die jetzt die Anlage eines Hochofenwerks plant und zu diesem Zwecke Kapital heranzuziehen sucht, will entgegen der Behauptung, daß ihre Grube keine zur Roheisen-Erzeugung geeigneten Erze produziere, glauben machen, ihre Grube sei stets ununterbrochen jahraus jahrein in Betrieb gewesen und fördere auch manganfauren Brauneisenstein. Wie es hiermit bestellt ist, läßt sich daran erkennen, daß bie Grube 1894 7010 tz 1898 3617 t, 1899 5337 t und 1900 4300 t Erze förderte. Für 1001 wurde eine Förderung überhaupt nicht aus- geroiefen, in 1902 beschränkte sie sich auf 95 t. Und das nennt sie ununterbrochenen Betrieb 1 Tie vou der Gewerkschaft geplanten beiden Hochöfen würden jährlich etwa 160 000 t Erze gebrauchen, welchem Bedarf gegenüber die eigene Produktion der Grube gar feine Rolle spielt."

Nordstern, LcbenSverstchcrungö-Akt.-Gcs. zu Berlin. In der Generalversammlung wurde die oorgejchlagene Gewinnverteil­ung genehmigt, wonach außer der Zahlung von 1800 Alk. gleich 4 pEt. Zinsen auf volldezahlte Aktien noch 282 150 Alk. an die Ak­tionäre gleich 171 Alk. für die Aktie, 1 263 840 Alk. an bie am Ge­winn beteiligten Versicherten nnb 81893 Alk. ber Gewinnreserve zu überweisen sind. Im ersten Quartal 1903 ist nach Mitteilung ber Verwaltung eine Steigerung bes VersicherungsbestaubeS um mehr als 4 Millionen Alk. erzielt roorben, In ber Generalver­sammlung beS Norbstern, Unfall- unb AlterS-Versicherung S-Aktien- Gesellschast rourbe ebenfalls einstimmig vorgeschlagen, nach bem Statut zulässige M a x i m a 1 d i v i b e n b e von 10 Prozent ber Einzahlung gleich 90 Mk. pro Aktie an die Aktionäre unb bie Ueberroeifung von 12 684 Alk. zur Kapitalreserve, welche bamit ben statulgemäßen Betrag von 875 000 Alk. erreicht hat, vo« 755- Alk. zur Risiko-Reserve unb von 31 640 Alk. an die am Gewinn beteiligten Versicherten genehmigt.

Türkische Tabakregie-Gesellschaft. Tie Einnahmen bet Türkischen Tabakregie-Gesellfchatt betrugen im Monat März 19,1 gegen 17,8 Dilll. Piaster im gleichen Vor;ahrsmonat.

Berlin, 21. April. Heute fanb hier bie Errichtung einet Deutsch-Ehinefischen Eisenbahn-Gesellschaft mit beschrankter Haftung statt, welche bie Ausführung von chmesifchen Siaatsbahnen, deren Finanzierung die Teuifch-Astatifche Bank und die mit ihr verbundenen Banken und Bankhäuser^ übernehmen werden, mm Zweck hat. Tie Gesellschaft hat em Stammkapital von 10 Mill. Alk., von dem zunächst 25 pEt. embezahlt wurden. Gesellschafter sind folgende, in chinesischen Geschäften bereits wieder­holt gemeinsam tätig gewesene Firmen: TiSkonto-Gesellschaft. Deutsche Bank, S. Bleichröder, Deutsch-Asiatische Bank, Berliner Handelsgesellschaft, Bank für Handel und Jiidustne, Dresdner Bank, Robert Warschauer u. Eo., Nationalbank für Deutschland, A. Schaaffhausenscher Bankverein, Born u. Buffe, sämtlich in Ber­lin, Jakob S. H. Stem-Franfurt a. Al., Norddeutsche Bank in Hamburg, L. BehrenS Söhne-Hamburg, Sal Oppenheim jr. u.Eo. Köln. Zum Vorsitzenden der Gesellschaner wurde Geh. Kommerzien­rat Frentzel gewählt. Zu Gesellschaftssührern wurden ernannt Er- cellenz Ficher und Baurat Gadedertz, zu Stellvertretern Alicha- lowsky, Rheders und Erich.

Hamburg, 21. April. Tie Deutsche Leoantelinie beschloß m ihrer heutigen Generalversammlung eine Dividende von drei Prozent. Wegen prinzipieller Meinungsverschieden- heU mit dem Vorstand erklärte die 'Diajorität de» AufsichisralS unter warmen Worten der Anerkennung für Direktor Koihe ihr Aiandat niederzulegen. Die Generalversammlung sprach last ein­stimmig den Wunsch aus, daß es gelingen möge, die Meinungs­verschiedenheiten zwischen der Verwaltung unb dem Vorstand zu beseitigen und beide der Gesellschaft zu erhalten.

Breme», 21. April. In ber in Norbenham abgehaltenen Sitzung bes Aufsichtsrais ber Deutsch-Atlantischen Te legraphen-Gefellschaft rourbe ber Abschluß für bas We- schäftsiahr 1902 oorgelegt. Derselbe ergiebt nach Dotierung bes Kabel-Amortisations- unb EmeuerungsfonbS mit 247 929 Alk. und nach Abschreibungen auf Kabeloorrat, Apparate Werkzeuge unb Mobilien in Höhe von 39 1000 Alk. einen Ueberschuß von 1 491113 Mark einschließlich des Vortrages aus dem vorigen Jahr m Höhe von 185 425 Aik. Ter am 14. Mai stattfindenben Generalversamm­lung der Aktionäre soll vorgeschlagen werden eine Dividende von 5 Prozent auf das Aktienkapital verteilen unb ben noch Deckung ber vertraglichen statutengemäßen Tanttömen verbleibende Saldo von 343 796,75 Akk. auf das neue Jahr vorzutragen.

Gerichlssaal.

fc. Frankfurt a. M., 21. April. (OberkriegS- gertcht des 18. Armeekorps.) Tas Kriegsgericht der 25. Division in Tarmslctdt hat den schon dreimal wegen uner­laubter Entfernung bestraften Gardisten Heinrich Hau von der 9. Komp. 115. Jnf.^Rcgts. (Tarm stadt» in seiner Sitzung vom 12. März wegen Fahnenflucht, Diebstayls in wiederholtem Rückfälle und Betrug- zu 1 Jahr Gefäng­nis verurteilt. Hau, der aus Schotten gebürtig ist, war erst am 16. Januar d. I. von der Festung zurückgekehrr, wo er 6 Monate wegen unerlaubter Entfernung abgemacht hatte, und schon am 18. Januar ging er wieder durch Am 20. Januar wurde er in einem Coups 4. Klasse bei Remagen ab gefaßt, acs er ohne Fahrkarte auf die Luxemburgische Grenze losdampfte. Vor dem Kriegsgericht, rc[p. in der Voruntersuchung gab er an, er habe von Mainz bis Binger­brück eine Fahrkarte gehabt. Diese habe er aber einem Reifenden im Wartesaal 4. 5llasfc gestohlen. Daraufhin