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ttlge Vieh markt hatte 1 .?» Angochsen ^lber. Besonders stark om Rhein hergekoimen. aschmelkender und tragen» und mar ein Absatz nur eu. Sie Verkäufer klagen, te Geschäfte machen, weil gering feien im Ver- die sie dem Landwirr m Markt war besonders aber bereits zum großen war. Einige schwere Sim» i, gingen schnell zu hohen Üangochsen hatte, weil zu echten Zug. Händler aus : $aaie schweres Sangvich i Handel zu machen, weil es Ter Fettvieh- und Nbn- hfrage als zu groß, so im n die der letzten Mcke ad- üener Metzger durch starke i üi das Geschäft cingriffen, er hoch-' Ter MSemarki daß bie Käferpreise fie im MgnMnen Fahre M der Wigen Preise, geschlagen wmde, waren uwW W '* vro Mt gchandelt-. Me
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Meister verübt, und die dann schließlich allesamt auf armen Redaktionsluderchen von Dornstein, dem Leiter
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tritt zur Eisbahn ist nur gegen Vorz eiguug einer Li»-' trittS- oder Mitgliedskarte (Beikarte) gestattet.
die Wurst geht, mit ein paar Bonbons in der einen und dem panischen Rohr in der anderen Hand, sofort kirre gemacht wird.
Die Darstellung war im allgemeinen wohlgelungen. Den keck aufschneidenden Bürgermeister-Prahlhans, eine mit einigen groben Umrissen, etwa nach der absichtlich kindlichen
•) Don der Buchausgabe erschien kürzlich daS 3. und 4. Tausend ei dem „SimplicissimuL^-Verleger Albert Langen in München.
- Der Turngau Hessen beabsichtigt, eine eigene; Turnzeitung inS Leben zu rufen. Der Gau-Turntag, der ar» 26. d. M. hier abgehalten wird, wird sich mit dieser An
gelegenheit beschäftigen. Der Gau Heflen umfaßt 48 Turnvereine mit über 6000 Mitgliedern. Seitheriges Organ war die .Deutsche Turnzeitung*. Die neue Gauzeitung soll derr Verkehr der einzelnen Vereine und der AuSschußmitgliedev' erleichtern und die Turngenoffen einander auch geistig nähert bringen. — Um die Gau-Turnfahrt 1903 haben sich Lollar^ und Rod heim gemeldet.
♦* Ga stspiel des Lindemannschen Ensembles „Die tote Stadt. Wir haben bereits auf das unS bevorstehende Theaterereignis hingewiesen. ES wird unser kunstsinniges Publikum interessieren, einiges über den Dichter beq
wohl entstanden unter dem Eindruck deS neuesten, so Unglück- lich verlaufenen Zweikampfe- Dr. Aye-v. Grawert und der Karlsruher Gerichtsverhandlung deS nicht minder tragischen Duelle- Ruff-Reiß. Natürlich nimmt der „GimplicffsimuS* in seiner scharf satirischen Weise Stellung dazu. So zeichnete z. B. Bruno Paul in 7 Bildern den Werdegang eines Staatsanwalts, und im textlichen Teil schildert u. a. Ludwig Thoma einen Kongreß, auf dem die Frage erörtert wird .Pistole oder Säbel*. Der Dr. jur. Thoma bespricht hier in seiner bekannten Art recht boshaft das Duellwesen — und er hat doch selber einst als kecker Bursch mit dem Schläger in der Hand auf der Mensur gestanden. Zwei kräftige Durch-1 ziehen zeigt noch heute die Wange deS „SimplicissimuS*- NedakteurS, der übrigens just gestern, am Tage der hiesigen Auffühnmg seiner Komödie „Sie Lokalbahn"*) seinen 36. Geburtstag beging. So ist das Leben! Wie viele spotten so gern über eine Menge von Dingen an sich, über alles und alle um sich he^urn, und merken den Balken im eigenen Auge nicht. So spotten sie ihrer selbst und wißen nicht, wie sehr sie e8 tun! Ein satirisches Bild von den Zuständen an sich und von bestimmten einseitigen Anschauungen, seien diese nun vom Spötter als rückständig, veraltet, kleinstädtisch oder banausisch dargetan, jedenfalls aber immer als höchst einsichtslos, zeigt den meisten eben nur die Kurzsichtigkeit und Berseffenheit Anderer, und nur höchst selten auch die eigene mit.
Wieder, wie in seiner einaktigen Komödie „Die Medaille", die unö am ersten Tage der Gießener Thoma-Woche die Schlierseer boten, führt uns hier der Münchener Gast eine Anzahl grob gezeichneter Typen vor. Die bestgelungene, wenn auch tendenziös arg karrikierte, ist wohl der Amtsrichter Dr. Beringer, wie der Bezirköamtmann in der „Medaille* ein Streber, der es zum „Staatsanwalt im Justizministerium" binnen kurzem bringen wird, kein Raufbold und Schlager wie das oben erwähnte grimmige Paulsche Zerrbild eines preußischen Staatsanwalts, sondern ein korrekter Pedant von alleräußerster Vorsicht nach oben, ein „kalter Tropf* von herzlosem EgoikmuS. Er ist der Bräutigam SuSchenS, der Tochter des wohlehrsamen Herrn Friedrich Rehbein, rechtskundigen Bürgermeisters von Dornstein, das nicht irgendwo im Schornstein liegt, sondern überall in deutschen Landen. ES ist der echte rechte deutsche Krähwinkel, in aller Uebertreibung doch wahr geschaut und dargestellt. All die dummenStreiche, die daS hochwohllöblicheGemeinderatskollegium mitsamt seinem feigen, ehrsüchtigen und prahlerischen Herrn und
Gießener TiMerverein.
Die soeben erschienene Rr. 43 be§ „Simplicissimus* ist eine Spezialnummer, die ausschließlich das Duell behandel! {
seltsame Sprechart. Unter den Damen stand obenan Frav Jenny in der Rolle einer bösartig klatschsüchtigen Schwägerin deS Bürgermeisters. Auch die Damen Schmid! und B ü n a u taten ihre Schuldigkeit.
Das dem Dreiakter vorangehende einaktige Sttmnnmg«- bildchen „Herbst* floß aus der Feder eines Spezialkollegei» des Herrn Krause; eS stammt von einem sehr begabten Charakterdarsteller, dem kgl. württembergischen Hoflchauspieler Walter Schmidt-Häßler, der einst seine Bühnenlaufbahn bei den Meiningern begann und bereit- mehrfach auch mit Novellen und Gedichten an die Oeffentlichkeit getreten ist. DaS merkwürdige undramatische Dramolett, da- wir gestern zu sehen bekamen, wurde vom hiesigen Publikum recht lau ausgenommen — nicht mit Unrecht. Der Graf — efl gibt in dem „Akt* keine Familiennamen — hat soeben seine Enkelin an Lothar verheiratet. DaS junge Ehepaar geht auf bie Hochzeitsreise und nimmt, während der Herbststurm daS Schloß umbraust, überaus umständlichen und redseligen Abschied vom Grafen, wobei sich mancherlei trübe Vorahnungen einstellen, die den Zuschauer auf eine Katastrophe schonend öorbereiten. Darm raucht der Graf eine Eolo- zigarre und erklärt in einem Selbstgespräch, daß er einsam und allein ist, was wir schon wußten und nun mitleidslos mit ansehen. Mit dem alten lebensmüden Stoiker da oben mif den Brettern beginnen wir unS zu langweilen. Und es erscheint ein seltsamer alter Freund au« früher Zeit. Eine von Sentimentalitäten heftig durchsetzte Konversatton m mehr gekünstelter als kunstvoller Sprache, mit mehr schöne» Phrasen als schönen Gedanken entfpinnt sich, und der Graf blättert da mit dem Freunde in dem blumenreichen Buche seine« welkenden Leben«. Der Herbstwind singt dazu fein wehmütige« Klagelied und eS wird still in dem Herzen bet Greises. Er nimmt einen GlaSpokal, ein Ahnenerbstück, sinnend zur Hand. Wie er ihn wieder an seinen Platz stellen will, stürzt das Gefäß zu Boden, zerschellt — und bie Katastrophe ist da. Der Graf verscheidet in den Armen deS Freundes. Zu dem schmerzlichen Ereignis spricht der Freund ein Gedicht von angenehmem Klang, tn dem jedoch die Reime Blut und Glut und Glut und Blut mehrfach wechseln. Dann geht der Freund im Stechschritt zur Tür hinaus und der Kammerdiener sinkt zugleich mit dein Vorhang an der Leiche seine« toten Gebieters nieder. Nun wisien wir'S, der Freund war der Tob
WochenblättchenS, haften bleiben — „Sie Zuagraaster* ruft ihm als das non plus ultra tiefster Mißachtung ein treffliches Mitglied deS Krähwinkelcr Landsturmes zu —
Ärt von Oberländer« Moritzchen gezeichnete bangbüchsige Figur, gab der Gast deS Abends, £>err Krause vom Hof- tbeater zu Stuttgart, mit humorvoller Charakteristik und sehr ausgebildeter mimischer Kunst. Ihm nahezu gleichwertig rvar unser Herr Ramsey er al« derbnaiver Brauereibesiher, und auch die Herren Gerlach, Heypertz, Brosch, Töpfert, Steinert, Zoder, Sättige und B ecker boten recht gute Einzelleistungen. Dagegen zeigte Herr v. Stahl als der überkorrekte Amtsrichter, daß er für extrem sattrische Aufgaben kein besonderes Talent besitzt. Do war alles ganz über Gebühr geziert, am meisten die
sind in ein kurzweiliges Ganzes von oft verwegenem Ueber- mut gefügt. Der arme Schmock von Dornstein, der natürlich nicht dümmer ist als ein Normalbürger dieses erbaulichen Nestes, soll eS schließlich, wie ihm der weiseste der Weisen, der Bürgermeister, in strafendem Tyrannenton frech inS Go I selber! In dem Stückchen spukt etwa« von dem „Eindring- sicht lügt, ganz allein „beinahe fertig gebracht haben, daß der ling* Maeterlincks, von desien feinnerviger Art auch Holzamer« Friede der Stadt gestört wurde*! Einer muß halt immer fein erlauschte, aber bühnenuntaugliche' Darmstädter „Spiele" für die Eseleien der Gesamtheit herhalten. etwas an sich hatten. Das kleine Poesiestück mag bei der
ES ist nicht $u bezweifeln, daß „die Lokalbahn*, die, Lektüre ganz stimmungsvoll wirken, auf der Bühne versagt
wenn wir nicht irren, bisher nur in München aufgeführt jede Wirkung, vielleicht weil die Herbstmelancholie, in bie worden ist, wie „die Medaille* ihren Weg machen wird, die Dichtung getaucht ist, in dem Milieu nicht recht zur Aber der Einakter ist doch, trotz seiner sehr erheblichen Längen, Geltung kam. E« fehlte wohl in erster Linie die zarte Hand
litterarisch wertvoller als „die Lokalbahn*. Dort steht man eines dieses moderne poetische Totentänzchen in allen seines
doch eine etwas straffere Charakteristik der Gestalten als in Einzelheiten nachfühlenden RegiffeurS. Auch die Darstellung dem Dreiakter, in dem die meisten Figuren nur ganz flüch» — Herr Krause gab mit hübschem Takt, wenn auch t» tig skizziert sind — mit einziger Ausnahme des Amtsrichters, allzu jugendlicher, ganz und gar nicht gebräuchlicher MaSke^ DaS Stück ist keine „Komödie* im höheren Sinne, sondern den Grafen — litt unter der zu wenig visionären Auffassung nichts als eine sehr fidele Poffe, ein fast durchweg harmloser Ulk, des im übrigen recht gut sprechenden Herrn Steinert Mit! bei dem nur ein paar Derbheiten mit schärferer Spitze unter- allzu gemütlichem und behaglichem Realismus plaudert» er gelaufen sind und der, trotz trefflicher Ansätze zu kräftigerer seinen TodeSpart herunter. -tt-
Satire, in höchst loyaler Weise verläuft. Der Inhalt ist ein—"» n — .......—........
richtiger alter Lustspielstoff. Er handelt von der fürchterlichen 3 tt£ -Trtith
Faust deS deutschen Kleinbürgertums, geballt in der Hosen- crluvl
tasche, von der alleruntertänigsten Opposition und dem prah- Gießen, den 22. Januar 1908.
lerischen ManneSmut vor Besternten, dem gewaltigen Zorn » Der Vorstand deS EiSvereinS bittet unS, noch-, der Durchschnittsbravheit, der auf dem Wege zur Tat sich m(t[g darauf hinzuweisen, daß, um den allzugroßen Andrang' verflüchtigt zum demütigsten Lispeln unentwegter (Ergeben- Qn der Kaffe auf der Eisbahn zu vermeiden, Verkaufs-, heit, dem darauffolgenden donnernden Aufprotzen vor einem bei Herrn Ernst Balser, MäuSburg, sowie an der
nur allzu leicht sich wS Bockshorn lagen lastenden, alleweil Moltkestraße eingerichtet sind. Die Kaffen an der GiSbah» ängstlich herumzitternden, aber mit so großsprecherischen als werden bereits eine Stunde vorher geöffnet sein. Der Sin- hasenherzigen Phrasenhelden reich durchsetzten Herdenmenschen- tum. Schließlich breitet natürlich, nach gründlichster NaS- führung der „öffentlichen Meinung* durch die plumpen Säulen der städtischen Ordnung, der süße Friede seine milden Schwingen segnend über daS ^wackere Nest und sein duck- mäilserischeS Patriziertum von Schifter, Schneider und Handschuhmacher, daS zu Hause bei Muttern und auf der Bier- bank das Maul weit aufreißt, das dann ober, wenn es um
Soweit unser Oberbürgermeister. Man wird wohl allgemein anerkennen, daß diese Ausführungen sehr vieles für sich haben. Vor allem stimmen wir mit dem Herrn Oberbürgermeister darin überein, daß eine Stadt im jetzi- gen bis obenhin ängstlich zugeknöpften Sonntagsgewande keinen Staat machen kann. Eine „tote Stadt" aber, um mit dem italienischen Poeten d'Anmrnzio zu reden, hat wahrbaftig nichts Reizvolles für die Lebenden. Wir wollen nur hoffen, daß, wenn die Aufhebung der als lästig hier sehr richtig charakterisiert n Bestimmung erfolgt, unsere Geschäftsleute nach dem ihnen von unserem yerrn Oberbürgermeister gegebenen guten Rate für wahrhaft geschmackvolle Schaufenster-Dekorationen ©)rg • tragen. Hier läßt sich sehr vieles bisher leider zum eigenen Schaden unserer Kaufleute .Verabsäumte bei gutem Willen nachholen. Unser Gewerbeverein sollte durch öftere öffentliche Vorträge über die Bildung des K'unstgeschmackes nach dieser Richtung hin fördernd und helfend eingreifen.
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an die 2 Kammer betrifft die Sonntagsruhe im „"^er Stadtoberhaupt bittet in AuS- führung eines ^Beschlusses unserer Stadtverordneten vom 22. Dezember 1902, die Kammer wolle bei der Dtaats- f baldmöglichste Aufhebung des Art. 227, SJUr bRe! Gesetzbuches ^wirken.
?eT verfolgt bekanntlich den Zweck, eine von der
K^oel^ammer Gießen am 12. Dezember 1902 an das Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, DaUel und Gewerbe, gerichtete Eingabe zu unterstützen, und eS ist ailch an das Ministerium eine wesentlich aleichlautende Vorstellung gerichtet worden. Mtikel 227, Absatz 1 bestimmt in ter Hauptsache, daß an Sonn- und Feiertagen außerhalb der dem Gewerbebetrieb sreiaegebenen Stunden das Aus- stellen und Aushängen von Waren verboten ist. Oberbgm. Mecum führt auS: Wie die dem Erlaß deS Gesetzes vom 1. Juli 1892 voraufgehenden landständischen Verhandlungen man damals geglaubt, mit der Bestimmung deS Artikels 827 Absatz 1 eine selbstverständliche Folge
^eich-sgesetzlichen W-sttmmungen über Sonntagsruhe zu Kjra'. & e uamentlich für eine sichere Kontrolle unerläßlich sei. Es war dies insofern nicht richtig, als der Zweck des lediglich auf dem Gebiete deS Arbeiterschutzes, nicht aber einer äußeren Heilighaltung der Sonn- und Feiertage liegt, und infolgedessen hat man sich auch z. B.
veranlaßt gesunden, eine- ähnliche landes- aesetzliche Bestimmung zu erlassen, oder etwa das Verbot deS AusstellenS von Daren usw. aus dem Reichsgesetz selbst »u folgern. . . . Die Gewerbetreibenden haben in dem Jayrzednt der Geltung des ReichsaesetzeS immer mehr gelernt die Sonntagsruhe als Wohltat zu schätzen, sodaß von dieser Seite ein irgendwie inS Gewicht fallender Miß- brauch nickt zu besorgen siebt. Daß durch die Aushebung des Artikel 227 Absatz 1 die Sonntagsruhe der Angestellten verkürzt werden könne, wird im Ernst niemand behaupten wollen, umsoweniger, als es den Geschäftsinhabern ja nach Wie vor freistünde, die Schaufenster am Sonntag zu schließen. Brächte also die Aufhebung des Landesgesetzes keinerlei Nachteile, so hätte sie andererseits nicht zu unterschätzende Vorteile im Gefolge. Es ist. nicht zu verkennen, daß die Wirkung des Artikel 227 Absatz 1 eine abschreckende Entstellung des Bildes zumal verkehrsreicher Städte gewesen ist; eine Stadt stellt sich gerade an dem Tage, an dem die Mehrheit der Einwohner und der Umwohnenden allein Zeit hat, sie zu besichtigen, im unvorteilhaftesten Lichte dar, und der tote Eindruck der Hauptstraßen, deren Langweiligkeit jeden Verkehr von ihnen gebannt hat, treibt den Ten der Bevölkerung, der nicht ins Freie aehen will oder kann, und der aus der Straße nichts zu sehen findet, ins Wirtshaus. Daß dagegen das Schaufenster für die Geschmackbildung ein Fattor von unberechenbar größerer Wirkung als alle Versuche zur ästhetischen Erziehung deS Publikums ist, wird der nicht bestreiten, der anerkennt, daß in diesen Fragen das unbewußt Berarbettete weit tiefer hastet, als daS absichtlich Angelernte. Diese Aufgabe kann das Schaufenster aber für den größten und der ästhettschen Erziehung bedürftigsten Teil der Bevölkerung nur lösen, wenn es am Sonntag geöffnet ist, denn es ist nicht zu bezweifeln, daß sich die Geschäftsinhaber diese wirksam st eReklame nicht entaehen lassen und wetteifern würden, durch geschmackvolle Auslagen die Augen deS Publikums auf sich zu ziehen. Hierduqch berührt sich diese Frage mit sehr wichtigen materiellen Interessen der Bevölkerung. Der Teil deS Publikums, der genötigt ist, seine Einkäufe in einer kurzen Abendstunde zu erledigen — und gerade dieser wird vielfach an den am Sonntag dem Geschäftsverkehr freigegebenen Stunden verhindert fein — ist bei dem jetzigen Zustand nicht in der Lage, das in verschiedenen Geschäften Gebotene zu vergleichen und hiernach da zu kaufen, wo seinen Dedürfn'ffen, seinem Geschmack und seinen Verhältnissen am meisten entsprochen wird. Er wird dadurch immerhin bis zu einem gewissen Grade von dem ihm zufällig bekannten ober bequem liegenden Geschäft abhängig bleiben, und das kann sich nur ändern, wenn ihm die Möglichkeit geboten wird, sich am Sonntag durch Vergleich Der verschiedenen Auslagen ein Urteil zu bilden und so seine Einkäufe r«orzubereiten. Ties wird am letzten ®nbe ohne Zweifel gerade den reellen Geschäftsinhabern M gut kommen."
Erstes Blatt. 153. Jahrgang Donnerstag ÄÄ. Januar 1903
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