Ausgabe 
21.12.1903 Erstes Blatt
 
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Geyirn zn Leyen. (Sieiterfcü.) Nein, kcy totn vncy tm ^enteil der größten Höflichkeit befleißigen. Was ist der Tr. Heim: Er ist ein königlicher Beamter, er ist Reallehrer, Hält aber das ganze Jahr keine Schule. Er ist auch Auf- sichtsrcrt. Svviet ich weiß, ist es in Bayern den Beamten verboten, ohne Genehmigung der Regierung im Aufiichts- raf einer ^ellschaft zu sitzen. Dr. Heim macht aber rn neuester Zeit auch in Preßgenossensckxlften. Er hat mit- fgelvirkt bei der Vereinigung der Münchener Blätter zur Erlangung der amtlichen Anzeigen. Diese Sache fyat der .Feine Kvhu" Von derMünch Post" ausaeheckt. (Heiterkeit.) Auch die Geschäftsführer der anderen Blätter sind lauter Juden und Tr. Heim ist derO b er-K'o hn". (Heiterkeit.) Merkwürdig ist, daß die besten und patriotischsten Münchener Blätter, das Saterland" und dreVolksztg.", von den amtlichen Anzeigen ausgeschlossen wordeir sind. Tas so­zialdemokratische Blatt ist regierungsfähig und die wahren Bauern, die wirklichen Patrioten, übergeht Nian! (Gelächter.) Wenn es so fvrtgeht, dann verliert der Dauer den Glauben an die Monarchie. Abg. Menrminger hat vom Niedergange des Geiwssenschastswesens ge- ^sprochen. Tarin hat er recht. Ich erinnere nur an die ^Unterschlagungen jenes Zentrumsniannes. (Lebhafter Wider- ipruch im Zentrum: Es war kein Zentrumsmann.) Herr -Präsident, diesen Zentrumsmann habe ich vorhin im Auge gehabt, als ich von Spitzbuben sprach (Zuruf aus dem Zentrum: Feigheit, Lügner!) Tas Zentrum scheint in diesem hohen Hause sich alles erlauben zu können. (Große Unruhe im Zentrum)

Der Präsident v. Ort er er erhob sich hierauf, um zu erklären, alles werde von ihm ohne Rücksicht auf die Partei­angehörigkeit vernommen, worauf ihm von der Sozial­demokratie zugerufen wurde:Tas rechte Ohr ist aber das schlechtere."

Warenhäuser für Offiziere uud Beamte.

Jvt Reichstag hat das Zentrum u. <l beantragt, die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den die Vereinigungen von Beamten des Reiches, des Heeres, der Marine und des Staates sowie von Offizieren zum Betriebe von Warenhäusern untersagt werden. Wir begrüßen diesen Antrag mit Freude, da die Schäden, die durch diese Warenhäuser dem kaufmännischen und gewerblichen Mittelstände zugefügt wer­den, immens sind. Bisher hat man geglaubt, daß ein gesetzgeberisches Eingreifen, wie es vom Zentrum jettz ver­langt wird, nicht möglich sei. Wir sind anderer Meinung und geben der Hoffnung Ausdruck, daß der Antrag im Reichstag- eine stattliche Mehrheit finden wird.

Der Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe

Pat an den Reichstag eine Vorstellung gerichtet, betreffend 'Erweiterung des § 123 Ziffer 5 der Reichsgewerbeordnung euch- auf Tätlichkeiten der Arbeiter untereinander. Der § 123 der Reichs Gew erb eordinrng bezeichnet diejenigen Fälle, in denen Gesellen und Gehilfen vor Ablauf der vertragsmäßigen Zeit und ohne Aufkündigung aus dem Arbeitsverhältnis entlassen werden können. Jnsonder- freit bestimmt Ziffer 5 des angeführten Paragraphen, daß Tätlichkeiten oder grobe Beleidigungen gegen den Arbeit­geber, seine Vertreter oder gegen deren Familienange­hörige die sofortige Entlaffung begründen. Nach dem Wunsche des Arbeitgeberbundes sollen in Zukunft auch Tät­lichkeiten der Arbeiter untereinander.in ein und demselben Betriebe als Entlassungsgrund gelten. Da diese Eingabe im Reichstag zweifellos zu lebhaften Erörterungen Anlaß geben wird, so geben wir aus ihrer Begründung folgendes wieder: Wenn auch Ausschreitungen der Arbeiter gegen die Arbeit­geber und deren Vertreter, oder deren Familienangehörige selten vorkornmen, so mehren sich doch die Fälle von Tätlich­keiten der Arbeiter gegen Mitarbeiter in bedenklicher Weise, sodaß es auch zugleich im Interesse der Arbeiter liegt, hie ^Urheber der Streitigkeiten möglichst schnell von der Arbeits­stätte entfernen zu können. Häufig werden die Arbeitgeber durch derartige Streitfälle wirtschaftlich geschädigt; auch können leicht ersatzpflichtige Betriebsunfälle entstehen, die die Derufsgenoffenschasten belasten. Wir wollen den Ar­beitern das ihnen gesetzlich gewährleistete Kvalitionsrechtt durchaus nicht einschränekn. Im Betriebe aber, auf der Arbeitsstätte und während der Arbeitszeit ist es unbedingt erforderlich, daß die Arbeiter, die sich auch da vielfach keine Zügel anlegen, durch gesetzliche Vorschriften auf die Innehaltung gewisser Schranken hingewiesen werden."

Der Prozeß in Kischiuew.

Im Kis'chinewer Prozeßverfahren hüben, wie scheute derFrkf. Ztg." telegraphiert wird, der Vorsitzende wnd der Staatsanwalt in schnellstem Tempo einige hundert 'Zeugenaussagen erledigt, die alle für die Aufdeckung des Tatbestandes nichts bedeuten. Die Zeugen wurden gewöhn­lich nur gefragt, ob sie Angaben über die Höhe des Schadens machen könnten .Tie Erörterung, ob die Polizei bei der Organisierung der Krawalle beteiligt gewesen sei, wurde vom Vorsitzenden verhindert. Das Resümee des Staats­anwalts lautete, daß zwei. Angeklagte des Mordes schuldig, die übrigen nur wegen Ausschreitungen zu bestrafen seien. Mit dieser veränderten Haltung des Vor­sitzenden und des Staatsanwalts stimmt das Verhalten des Gouverneurs, Fürsten Urussoww, überein. Er ließ Dr. Mutschnik, den Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Kischi- new, kommen und ersuchte ihn, mit den angesehenen Glaubensgenossen und deren Frauen an dem offiziellen .Weihuachts empfang teilzunehmen. Als Muffchnik in einer zweiten Unterredung erklärte, daß nach Lage der Verhält­nisse bei der gedrückten Stimmung der Juden der Plan nicht ausführbar sei und day vor allem die jüdischen Frauen nicht teilnehmen würden, wurde Fürst Urussow sehr schroff. Er erklärte, daß durch den Prozeß eine neue Erbitter­ung, namentlich auch beim Militär, erzeugt sei. Wenn daher neue Unruhen ausbrächen, trügen die Juden die Schuld. In gleichem Sinne äußerte sich der Chef der poli­tischen Polizei, sodaß man auf eine generelle Anweisung der Zentralinstanz schließen darf. Um die Anwälte der Zivil klüger von weiteren Schritten abzuhalten, werden die Mschinewer Juden von neuem bedroht und sollen auf die gebildeten Kreise Rußlands wirken, daß auch diese keine weiteren Anstrengungen machen, die wahren Anstifter der Kischinewer Verbrechen der Bestrafung zuzuführen.

Deutsches Deich.

Berlin, 20. Dez. Der Kaiser traf, von Hannover kommend, heute abend um 7 Uhr 45 Min. in Wildpark ein und fuhr iw offenen Zweispänner nach dem Neuen Palais. -

Ter Kais er hat dem in Salzwedel geranisonie- ^enden Ulanenregimen t Nr. 16 eine Bronzebüste

ves Reiterfulsrers Hennings v. Treffenfeld zum Ge­schenk gemacht. ,

Tie ,^3oss. Ztg." Meldet aus Paris: Dre Parla­mentsgruppe der Freidenker beschloß, an der Königsberger Kantfeier vom 12. Februar amtlich teilzunehmen.

Das Staatsministerium trat heute unter dem Vorsitz des (Grafen Bülow zu einer Sitzung zusammen.

Anläßlich des Namenstages d es Za ren fand gestern in der Kapelle der hiesigen russischien Botschaft ein Gottesdienst und dann in den Botschaftsräumen ein Frühstück statt. An beiden Veranstaltungen nahmen u. cl teil Reichskanzler Graf Bülow, Staatssekretär v. Richthofen, die Generale v. Hahnke und v. Werder, sowie Offiziers- devutationen der preußischen Regimenter, deren Chef Zar Nicolaus ist.

In den Räumen der Tiskontogesellschaft fand heute mittag eine Gedächtnisfeier für Kommerzienrat von Hansemann statt. Neben den Familienangehörigen des Verstorbenen waren anwesend die Staatssekretäre Krätke und Stenzel, die Minister Frhr. v. Rßeinbaben, Möller und Budde, Reichsbankpräsident Dr. Kock, der chinesische Ge­sandte und zahlreiche Vertreter der Finan^welt re. Geheim­rat Schiller teilte mit, daß die Witwe des Verstorbenen 500 000 Mk. zur Errichtung einer Adolf Hansemann- Stiftung zur Unterstützung der Beamten, Witwen und Waisen der Diskontogesellschaft und 50 000 Mk. an die Norddeutsche Dank in Hamburg zu gleichem Zweck überwiesen habe. Der Vorsitzende des Lluffichtsrals. Fischer, hielt so­dann die Gedächtnisrede und führte aus, wie die ehren­volle Stellung Deuffchlands auf dem Weltmarkt in erster Reihe Hansemanns Verdienst sei, dem er den ehrenden Namen als Marschall Vorwärts der deutschen Bankwelt beilegte.

Tie Aussichten der lex Stengel werden in parlamentarischen Kreisen, soweit eine Aenderung der Franckensteinschen Klausel in Betracht kommt, ungünstig beurteilt. Es herrscht jedoch ein allgemeines Einverständ­nis darüber, daß die Ueberschüsse der Voriahre zur Schuldentilgung zu verwenden sind. Außerdem besteht tm Zentrum der Plan, den Totali­satorbetrieb für das Reich zu monopolisieren, woraus große Erträge erhofft werden.

TieNordd. Allg. Ztg." meldet, daß der konser­vative Verein für Ostpreußen in Königsberg seine Jahresversammlung abgehalten hat, in der eine Resolution angenommen wurde, in der dem Reichskanzler der Dank für diescharfe und treffende Zurückweisung der sozialdemokratischen Irrlehren" ausge­sprochen wurde. Die konservative Partei Ostpreußens stehe gegenüber den Umsturzbestrebungen auf dem Standpunkte der Regierungen und sei bereit, dieselben zu unterstützen, sobald Maßnahmen der Gesetzgebung und Ver­waltung gegen die Umsturzbestrebungen ge­troffen werden sollen.

In der neuen Kanalvorlage werden außer den Stromregulierungen und den vstelbischen Wasserstraßen ent­halten sein: die beiden Teilstrecken des Rhein-Elbekanals von Dortmund bis zum Rhein (Emchertallinie) und von dem T>artmund-Emshäfenkanal bei Bevergen bis Hannover, in Verbindung damit ferner die Verbesserung des Dort- mund-Emshäfenkanals, namentlich die Herstellung einer Schleusentreppe neben dem Schiffshebewerk bei Hein- richenburg, und die Kanalisierung der Weser von Bremen aufwärts bis Hameln, sowie der Dau deS Zubringerkanals von d er Weser bis Haupt-Kanal unweit Minden. Von den in Aussicht genommenen Teilstrecken des Unternehmens ge­hört die Strecke von Bevergen bis Hannover zu der gewöhn­lich als Mittellandkanal bezeichneten Verbindung des Tvrt- mund-Emshöfenkanals mit der Weser und der Elbe. Außer dieser wasserwirffchaftlichen Vorlage befindet sich ein Gesetzentwurf über Freihaltung des Ueberschvemmungs- gebietes der Flüsse und Ströme in Vorbereitung.

München, 20. Dez. Der Wahlgesetz ausschuß der ersten Kammer hat die R e g i e r u n g s v o r l a g e in zweiter Lesung im wesentlichen nach den Beschlüssen der ersten Lesung mit den Stimmen des Zentraims und der Sozial­demokraten gegen die Stimmen der Liberalen und Bauern- bündler angenommen.

Ausland.

Stockholm, 20. Dez. Die vorige Regierüng stand im$> fiel mit ihrer Wahlreform, und jetzt hat auch Ministerchef Boström erklärt, daß er sowohl wie die übrigen Minister zurücktreten würden, wenn die Stimmrecht­vorlage verworfen wird. Wahrscheinlich werden dem Reichs­tag mehrere Vorschläge unterbreitet, von denen der eine proportionales Wahlrecht zur Grundlage hat.

London, 20.Dez. DerStand." meldet aus Ottawa: In Hinsicht auf die bei der Alaskagrenzftage gemachten Er­fahrungen erwäge die Regierung die Eröffnung von Ver­handlungen über eine Vereinigung von Neufund­land mit Kanada und über denAnkaufGrönlands von Dänemark.

Cs verlautet, daß int KinegSamt ein Projekt für einen militärischen Zw angsdienst vorbereitet wird, wonach junge Leute vom 18. bis 22. Jahre dienstpflichtig sind. IM ersten Jahre soll die Dienstzeit zwei Monate, an jedem folgenden Jahr 14 Tage dauern. Man berechnet, daß jährlich 1650 000 Mann unter den Waffen sein würden, von denen 304 000 Mann sich im ersten Ausbildungsjahr befänden.

Paris, 19. Dez.Aktion" veröffentlicht eine Mit­teilung des Abg. Hub'bard, worin er die Deutschen und Fran­zosen ersucht, eine deutsch-französische Liga zu grimden, zu dem Zwecke, die zwischen beiden Ländern schwebenden Fragen einer Beratung zu unterlverfen. Der Betrag der Mitglied er schäft soll aus 1 Mk. festgesetzt werden.

Wien 19. ,Dez. Der Jnfant von Spanien, Dvn Alfonso, richtete an den Kaiser von Rußland die Bitte, die Bewegung gegen das Duell auch in Ruß­land einleiten zu dürfen. Vorgestern überbrachte der Bot­schafter Gras Kapnist dem Jnfauten ein Handschreiben, worin der Z a r seine vollste Sympathie für die Bestrebungen des Jnsmcten ausspricht.

Aus Stadt und Land.

. Gießen, den 21. Dezember 1903.

Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Pfarrverwalter Dr. Paul Thumm die evangelische Pfarr- stelle zu Zotzenheim, Dekanat Wöllstein, übertragen. Der Kreisgeometer Johannes Wallmanach I zu Osthofen wurde auf sein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt.

LU. Dem Assistenten am zoologischen In­stitut der Landesuniversität, Dr. Dtax Hartmann, wurd- die venia, legendi für das Fach der Zoologie erteilt.

Seine Habilitationsschrift handelt über:Die FortpflanzungS- weisen der Organismen, erläutert an Protozoen, Voloocineen und Dicnemiden" (zugleich Mitteilung über den Generations­wechsel der Dicyemiden).

* Die Kindervorstellung im Stadttheater am Samstag mittag war nicht so gut wie sonst besucht. Das war sonderbar und bedauerlich, denn es giebt doch kaum ein Märchen, da§ Kinderherzen so tief bewegt als ^Hänsel und Gretel". Es war denn auch zu bemerken, daß die Spannung und das Interesse der anwesenden Kleinen nicht gering waren, zumal die Hexe sichtbarlich in den Backofen geschoben wurde. Frl. Hell berg und Frl. Groß müller piclten die Nollen der beiden Korbflechterkinder und erreichten, daß die kleinen Zuschauer zum Teil sich auf die Stühle stellten und unverwandt die Vorgänge auf der Bühne verfolgten. Der Schutzengel Hänsels und Gretels wurde von der hohen, lichtumflossenen Gestalt des Frl. Hohl sehr gut dargestellt. Höchstes Interesse erregte natürlich die Hexe im Knusper­häuschen, unter deren etwas buntem Anzug Frau Jenny 'ich verbarg, die auf dem Besen einen Hexentanz aufführte, daß es eine Art hatte. Der kleine Nebenvorgang mit Peter und dem Schulmeister (Herr Pichler und Herr Gronert) verfehlte nicht seine Wirkung. Das Knusperhäuschen im Walde und die Hexenstube mit dem Backofen waren ganz natürlich, nur hingen etwas wenig Lebkuchen und Zucker­werk am Häuschen, die der Märchendichter, sehr wohl wissend, wie dergleichen auf Kinder wirkt, nicht mit Unrecht verlangt.

* * Von dem Auffinden einer Kindesleiche war hier ein Gerücht verbreitet, das nach unserer Information beim Polizeiamt sich als falsch erweist.

* * Fahrrad st euer. Wir erinnern an dieser Stelle noch einmal an die Bekanntmachung im letzten Kreisblatt- Nr. 148 vom 16. d. Mts.

* * Das Weihnachtsgeschäft hat sich in der ver­gangenen Woche in unserer Stadt noch überaus günstig ent­wickelt. Die Geschäfte aller Branchen hatten ganz nette Um­sätze zu verzeichnen und deren Inhaber zeigten recht ver­gnügte Gesichter. Der gestrige letzte Sonntag vor dem Feste trug den Namen des goldenen Sonntag mit Recht nicht nur bezüglich des Treibens auf den Straßen, sondern besonders auch der guten Geschäfte in den Läden, und zwar außer in Marktstraße, Neustadt und Bahnhofstraße, wo durchschnittlich die Landkundschaft überwiegt, auch in den Geschäften, wo meistens die Städter als Käufer anzutreffen sind, gab es gewaltig zu tun. Das trockene Wetter hatte den Kaufleuten gestern wieder von außerhalb, besonders aus den Landstädten der Provinz, viel Kundschaft zugeführt. Hierzu kam auch ein Teil der Stadtkundschaft, welche das schöne Welter benutzte, in die Geschäfte zu gehen, um Einkäufe zu machen. Wenn das Wetter in den wenigen Tagen, welche uns noch vom Feste trennen, anhält, kann das bisher Versäumte von den Ladeninhabern noch reichlich nachgeholt werden.

* * In dem Zigarrenfabrikant en C. Klingspor sen. in Gießen verlor, so lesen wir heute in E. Richters Freis. Ztg.", die Freisinnige Volkspartei einen treuen An­hänger, der aus seiner politischen Gesinnung nie ein Hehl gemacht hat. Eiserner Fleiß und emsige Schaffensfreude, ver­bunden mit strengstem Rechtlichkeitsgefühl, brachten den Er­folg. In den Zeiten günstiger Konjunktur allen sprung­weisen Betriebsvergrößerungen abhold, war er bei schlechter Geschäftslage zeitweise mit großen Opfern bemüht', seiner nach vielen Hunderten zählenden Arbeiterschaft in Gießen und nächster Umgebung sowie in den badischen Filialfabriken das Brot zu erhalten. Das Andenken an diesen trefflichen Mann wird bei allen, die ihn kannten, in hohen Ehren gehalten werden.

* Die Kleinkinder-Vewahranstalt gab ihren kleinen Pfleglingen am gestrigen Sonntag wie alljährlich eine Christbescherung. Mittags um V»4 Uhr wurden die Kinder von den drei sorgenden Schwestern in die Johanneskirche ge­führt, wo zu beiden Seiten des Altars, auf dem eine hübsche Weihnachtskrippe stand, zwei mit brennenden Kerzen und sonstigem Schmuck versehene große Christbäume aufgestellt waren. Die Kleinen nahmen in langen Reihen vor dem Altar Platz, sangen ihre Weihnachtslieder und sagten aus der biblischen Geschichte die Worte von der Geburt des Heilandes auf, worauf Pfarrer Dr. Naumann in seiner kurzen Predigt erwähnte, daß diesmal 254 Kindern eine Bescherung zuteil werde, die durch die eifrigen Vorarbeiten und die Frei­gebigkeit der Freunde der Anstalt in bester Weise. zustande gekommen sei. Die eigentliche Bescherung, die Verteilung der Gaben an die Kinder, fand darauf im Beisein der Eltern dev Kleinen in der Kleinkinderschule statt.

* Der Allgemeine Staats-Eisenbahnverein! veranstaltete am 18. ds. Mts. ein Weihnachtsfest im neuen Saalbau. Die Mitglieder des Vereins waren mit ihren Familien zahlreich erschienen und folgten mit regem Interesse^ reichen Beifall spendend, dem Verlauf der Feier. Der Vor­sitzende, Eisenbahn-Bauinspektor Schmidt, hielt die Fest­ansprache. Er gedachte der Bestrebungen des Vereins sowie dessen Tätigkeit im verflossenen Jahre und schloß mit einem Hoch auf Se. Maj. den Kaiser und Se. Kgl. Hoh. den Groß­herzog. Die Vorträgr mehrerer Lieder eines Doppelquartetts, deklamatorische Vorträge, eine Theateraufführung, lebende Bilder, welche sämtlich von Vereinsmitgliedern und den Familienangehörigen zur Ausführung gebracht wurden, ge­stalteten den Abend äußerst genußreich. Nach Mitternacht schloß sich ein Tänzchen an die Feier, welches die Teilnehmer des Festes bis zum frühen Morgen zusammenhielt.

Die Gießener freiwillige Feuerwehr hatte am Samstag abend in Lonys Vierkeller ihre diesjährige Weihnachtsfeier. Recht zahlreich hatten sich die Mitglieder mit ihren Familien eingefunden; mancher Freund und Förderer der Wehr und mehrere Gäste waren erschienen. Nachdem ein Hoch auf den allerhöchsten Protektor, S. K. H. den Großherzog, ausgebracht worden war und vier Mitglieder der Wehr, die Herren Bellof, Bender, Decher und Vogt, für 15 Jahre lange, ununterbrochene Mitgliedschaft ein schönes Weihnachtsgeschenk von der Stadt^ Gießen erhalten hatten, nämlich ein Ehrendiplom für ihre treuen Dienste, begann die eigentliche Weihnachtsfeier beim strahlenden Kerzenscheine eines hübsch geschmückten Christbaumes. Als das Weihnachts­liedStille Nacht, heilige Nacht" gesungen war, sand eine Verlosung von allerlei Lierlichen, zum Teil wertvollen