Ausgabe 
21.9.1903 Zweites Blatt
 
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Vermischtes.

Berlin, 20. Sept. Eine Sitzung des Reichs­komitees zu gunsten der durch das H o chwasser Ge­schädigten wurde heute im Stadtverordnetensaale des Rat­hauses abgehalten. Oberbürgermeister Kirschner sprach dem anwesenden Kronprinzen den Dank für die Uebernahme des Protektorats aus. Der Schriftführer hob hervor, daß die Schäden sich als größer herausgestellt hätten, als man angenommen hatte, namentlich sei Schlesien hart betroffen. Er betonte, daß 200 deutsche Städte, mehrere Bundesfürsten, Präsident Loubet und dasRote Kreuz" Gaben gespendet hätten und schlug vor, von den heute zur Verfügung stehen­den 225 000 Mk. 150 000 Mk. an Schlesien. 20 000 Mk. an Posen, 15 000 Mk. an Brandenburg, je 50 000 Mk. an Westpreußen und Pommern und den Rest an den Vater­ländischen Frauenverein zu überweisen. Der Vorschlag wurde einstimmig angenommen. Minister Frhr. v. Hammerstein be­richtete, der Gesamtschaden betrage 291/, Millionen, in Schlesien 20 Millionen, in Posen 3 Millionen, in Brandenburg 41/* Millionen, in Westpreußen 500 000 Mk. nnd in Pommern 600 000 Mk.

* Posen, 20. Sept. Ein großer Holzschober des hiesi­gen Proviantamtes steht in Flammen, man hofft jedoch, das Feuer auf seinen Herd beschränken und das Proviantamt erhalten zu können.

Villach, 20. Sept. Bei einem Brande in der Ort­schaft Labientschavel wurden bei den Rettungsarbeiten em in einer Dachkammer schlafender Schueidergeselle und zwei Lehr­linge vergeffen, so daß dieselben in den Flammen den Tod fanden.

Paris, 20. Sept. Der Senator Magnien und der Abgeordnete Ballande erlitten gestern bei einer Autom obil- fahrt ein schweres Unglück. Der Kraftwagen rannte gegen einen Kilometerstein und kippte um. Die beiden In­sassen erlitten erhebliche Verletzungen.

* Toulon, 17. Sept. In der Wohnung der Russin d'Abahsa, die jüngst unter dem Verdachte derSpionage verhaftet worden war, wurde ein Telegramm mit folgenden Worten gefunden:Schicket Schriftstücke, erhaltet Geld!" Die Verhaftete soll auf Rechnung Englands Spionage getrieben haben. Als Mitschuldiger wurde ein Artillerieseuerwerker verhaftet und ein Polizeikommissar soll in die Angelegenhett verwickeü sein. Uebrigens soll d'Abahsa zahlreiche Schwinde­leien perübt haben, indem sie sich als die Erbin eines in Odeffa verstorbenen reichen Bruders ausgab.

* Marseille, 19. Sept. Der Gesundhettszustand ist normal. Der Präfekt hat die Konsuln gebeten, bei ihren Re­gierungen auf Aufhebung der Quarantäne für die Schiffe Marseiller Herkunft hinzuwirken. Portugal, Argentinien und Italien hatten von vornherein keine Ouarantänebestimmungen erlassen.

* Pontresina, 20. Sept. Der serbische Profeffor Adolf Schrenk stürzte auf einer Bergtour in eine Gletscherspalte und blieb tot.

Lemberg, 19. Sept. In dem Stanislauer Kavallerie- Truppen -Kommando-Gebäude wurde gestern abend ein Diebstahl von Mobilisationsplänen entdeckt. Die Diebe, welche mit den Lokalitäten vertraut gewesen sein müssen, find entflohen. Es fehlt jede Spur von ihnen.

Athen, 19. Sept. Der Direktor der Bibliothek des Deutschen archäologischen Instituts Prof. Dr. v. Prott hat in einem Anfall von Geistesstörung Selb st mord verübt. Er wurde tn dem Institut, in feder Hand einen Revolver haltend, mit zerschmettertem Schädel ausgesunden. Eine in wenig Tagen rasch zunehmende Umnachtung des klaren Geistes hat ihn in den Tod geführt. Seit seinen Uni» versitätsjahren war die Erforschung der griechischen Reli­gion die Hauptaufgabe seiner Studien: hier sah er den Schlüssel für das Verständnis der griechischen Kultur und Kunst. In mühsamen Einzelarbetten hatte er feit Jahren die sichere Grundlage gelegt und unablässig war er den Zusammenhängen nachgegangen, wieder und wieder be­lohnt durch wettere Ausblicke tieferer Einsichten. Und nun tat sich ihm in den letzten Wochen ein Jdeenkreis aus, der ihm über alles ein neues fast grelles Licht zu ver­breiten schien. Von Kaibels letzter wissenschaftlicher Arbett, dem Aufsatze über die Daktylen ausgehend, glaubte er endlich die ZmHersovrnel gefunden zu haben, die das Ge­heimnis der ältesten Stufen der griechischen Religion zu lösen versprach Und nun drang die Fülle der Ideen mtt solcher Gewalt auf ihn ein, daß er Dag und Nacht keine Ruhe sand, beglückt und doch geängstigt durch diese Rastlosigkett des Schauens und Verstehens. Er versuchte durch eine Reise sich abzulenken er kam elend Herrn. Und nun kamen Tage der Ermattung, darüber ihn die Angst ergriff und nicht losließ, er werde über seiner Arbeit dem Wahnsinn verfallen. Die Beerdigung sand unter starker Beteiligung der deutschen Kolonie und der hiesigen Ge­lehrtenwelt statt.

Im größten Elend starb in Paris Luise Rance, die hervorragendste realisttsche Schauspielerin Frank- reichs, deren geniale Wiedergabe der Frauengestalten des Antoineschen Repertoires allseitig als musterglltig an- erkannt war. ___

Kunst und Wissenschaft.

Berlin, 21. Sext. Gestern Abend sand in der Wandelhalle des Reichstags ein Begrüßungsabeud für die Tellnehmer der neunten Tagung des internationalen st a t i st i sch e n I n - stituts statt. Unter den Teilnehmern befanden sich u. a. der Präsident der kaiserlichen stattsttschen Amts, Wilhelmi, Minister v. Hammerstein, Staatssekretär Frhr. v. Richthofen, Schatzsekretär Frhr. v. Stengel, der Rektor der Universität, Gierke, die Professoren Schmolltr, Wagner und PhilippowitschWien. Musikalische Auf­führungen leiteten den Abend ein, worauf ein Souper an den Buffets folgte. Rach dem Souper promenierten die Teilnehmer wieder in der Wandelhalle, während- die Musik ihre Klänge er= tönen ließ. Der Abend nahm den angeregtesten Verlauf.

Sport.

R. B. Darmstadt, 20. Sept. Die großen internatio­nalen Radrennen, die der Rabfahrerverein Darmstadt von 1885 heute nachmittag veranstaltete, nahmen bei präch­tigem Wetter einen sehr interessanten Verlauf. Zuerst hatte beim Gauverba nds-Wanverpreissah reu, offen für Mitglieder des Gaues 9, Frankfurt a. M. des D. R.--B., Herr H. Struth-Matt^ vom Velozipedklub Moguntia 1892, den Preis zu verteidigen. Er kam in Kainvf mit Georg Drescher-Mainz, E. Paes und W. Kellner, beide aus Frankfurt. Struth blieb audj), diesmal Sieger, Kellner, Gex-

maitta-Frankfurt, wurde zweiter, Drescher-Mainz dritter. Das 10 Kilomet erfahr en mit Motorführung für Herrenfahrer und zwei Borläufen gewann im Endlauf bei 10000 Meter Adolf Seideusheimer-Mainz>, 2. wurde E. Paes-Hamburg, 3. W. Kellner-Frankfurt. Im Motor-Rennen, zwei Vorläuse von 5000 Meter, End­lauf 10000 Meter, beteiligten sich neun Fahrzeuge. Sieger im Endlauf wurde C. Hartmann-Rüsselsheim, als 2. kam Motor LurK-Francksurt, als 3. Motor Dewey-Amerika ans Ziel. Am interessantesten von allen Rennen war der Kamps um den großen Preis von Darmstadt, drei Bar preise von 500, 300 und 200 Mark, der zwischen dem chwarzen amerikanischen Meisterfahrer Woody Headspeth- Jndianapolis, E. Möder-Köln und Andreas Gräf-Frankfurt ausgefochten wurde. Es wurde sehr hart gekämpft. Im ersten Lauf, 5000 Meter, trug Moder-Köln den Sieg gegen den Amerikaner davon, wogegen im zwetten Lauf dieser erster, Moder zweiter wurde. Letzterer erlitt auch einen leichten Ohnmachjtsansall, erholte sich aber schnell uub war beim Endlauf mit 10000 Nietern wieder ganz auf dem Posten. Schon schien sich auch das Glück auf seine Seite zu dellen, er führte die letzten Runden; doch da schoß im letzten Moment der Amerikaner los und ging mit kaum i/2 Meter Vorsprung als Erster durchs Ziel. So viel ist aber jedem klar geworden, daß Möder, der Sieger vom Goldenen Rad von Mainz, zurzett der gefährlichste Gegner des Amerikaners ist.

Gerichtssaal.

b. Gießen, 20. Sept. (S traf kämm er sitzung vom 18. September.) Der Maurergeselle W. M. von Angenrod ver­folgte Berufung gegen ein Urteil des Schöffengerichts Als­feld, das ihn wegen Körperverltzung zu 5 Monaten Gefängnis verurteitte. Die Sache wird zwecks Beiladung der Sengen vertagt. Der 70 Jahre alte Landwirt B. S. zu Ober-Mörlen wird wegen Verbrechens im Sinne des § 176 Ziffer 3 R--Stt.-G.-B. zu 2 Jahre Gefängnis ver­urteilt. Dre bürgerlichen Ehrenrechte erhält er auf die Dauer von 5 Jahren' aber tonnt. Das Schöffengericht Nidda verurteilte den Beigeordneten Ehr. M. zu Ober- Schmttten wegen Beleidigung des Gendarmeriewacht­meisters Buchhammer zu Ortenberg zu einer Geldstrafe von 100 Mark.' Auf Änstehen des Großh. Kreisamts- bingeit, das auf eine'Gefängnisstrafe erkannt wissen wollte, gelaugte die Angelegenhett in der Berufungsinstanz zur Verhandlung. Das Urteil lautete auf Einstellung des Ver­fahrens, da der Strafantrag nicht rechtzeitig gestellt war. Die le&te Sache betraf die Strafsache gegen den evan- lischen Pfarrer F. in Rendel wegen Vergehens im Amt. Es wird ihm zur Last gelegt, anfangs 1901 und anfangs 1903 Sachen, welche er in amtlicher Eigenschaft empfangen bez. in Gewahrsam hatte, unterschlagen zu haben, Vergehen gegen § 305 St.-G.-Bs., der völlig ge­ständige Angeklagte wurde im Jahre 1897 von seinem in Amertta lebenden und in großer finanzieller Bedrängnis befindlichen Bruder wiederholt um ein Darlehen ange­gangen. Um seinen Bruder nicht unter gehen zu lassen, beschloß der Angeklagte, da er selbst außer seinem Gehatt kein Vermögen besaß, ein Darlehen aufzunehmen. Nach dem im Jahre 1900 erfolgten Tode des Gläubigers wurde der StngeECagte von dem Anwalt der Witwe zur Rück­zahlung des Darlehens aufgefordert. Hierzu nicht im stände, entnahm er ans dem der Kttche zu Rendel ge­hörigen, bei chm in Wertpapieren deponierten Vermögen Anteilscheine der land Wirtschaftlicheu Kreditbank über 1500 Mark und verkaufte sie bei dieser Bank in Frankfurta. M. Den Erlös verwandte er zur Rückzahlung des Darlehens, den Rest zur Bestreitung des Unterhaltes seiner beiden Söhne Im Jahre 1903 zur Rückzahlung eines anderen ebenfalls zu Gunsten seines Bruders aufgenommenen Dar­lehens aufgefordert, verpfändete der Angeklagte auch jetzt wieder in seiner Not dem erwähnten Kirchenvermögen ge­hörige Staatsobligationen im Betrage von 700 Mk. Der Angeklagte, der der Ordnung zuwider im Besitz beider Schlüssel zum Kasseuschrank war, will in der Entnahme der genannten Beträge nur die Ausnahme eines Dar­lehens erblickt haben und zur Rückzahlung vor der von ihm im Arbste vermuteten Revision infolge seines auf 5000 Mark erhöhten Gehalts und seines Kredits jede Zett im stände gewesen fein. Eure Schädigung des Kirchenvermögens habe er nicht beabsichttgt gehabt. Sofort nach Entdeck­ung der Fehlbeträge, die gelegentlich einer kurz vor Pfurgsten L I. erfolgten Revision seitens des Großh. Kreis­amts Friedberg gemacht wurden, erfolgte die Suspen­dierung des Angeklagten vom Amt; der ganze Betrag wurde einen Tag später von Verwandten entdeckt. Die Verkündung des Urtells wurde wegen der Frage, ob der evangelische Geistliche in Hessen als Beamter im ©inne des Reichssttafgesetzbuchs anzusehen fei, was der Verteidiger des Angeklagten in eingehender Darlegung bestritt, auf eine Woche vertagt.

r. Alzey, 20. Sept. Bor dem Schöffengericht in Wöllstein wird demnächst ein Prinz als Angeklagter er­scheinen, und zwar der Prinz Franz Josef von Bat­tenberg, der sich gegen die Automobilfahrord­nung vergangen haben soll. DemRheinh. Beob." schreibt man über das Vorkommnis:Im Sommer machte eine Meldung durch die Presse, der PrinH Franz Joses von Battenberg sei auf einer Automobilfahrt während seures Kuraufenthaltes in Bad Kreuznach einem Wagen entgegen­gefahren und sei so stark gefahren, daß die Pferde scheuten und über den Graben auf das Feld setzten. Der Kutscher erlitt bei seinem Sturze vom Bocke nur unbedeutende Verletzungen, während die Insassen be£ Wagens mit dem Schrecken davonkamen. Verschiedene den Unfall mtt an­sehende Bauern hiellen mit ihrem Tadel über das schnelle Fahren nicht zurück, obwohl der Prinz volle Schadenersatz­leistung zusagte. Damtt gab sich aber ein zufällig an­wesender Wächter des Gesetzes nicht zufrieden, sondern zeigte den Automobttfahrer wegen Vergehens gegen die Automobilfahrordnung an, und so kommt die Sache jetzt demnächst vor das Schöffengericht in Wöllstein, welches, wie derRheinh. Beob." sehr richtig bemerkt, wohl noch nie in einer Sache gegen einen Prinzen Urteil zu fällen hatte.

Leipzig, 18. Sept. Der Millionär Friedrich, lvelcher im Juli d. I. vom hiesigen Schwurgericht zu 6 Monaten Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust wegen Urkundenfälschung und Meineids verurteilt wurde, stand heute vor dem Kgl. Larrdgericht, beschuldigt des Dieb­stahls, des Betrugs, der Wechselstempelsteuerhinterziehung und der Fälschung von Hauslisten. Nur der' beiden letz­teren Delitte tonnte der schmutzige Geizhals, der aus Hab­gier viele Existenzen, namentlich in Handwerker kreisen, ver­nichtet hat, überführt werden. Das Gericht sprach eine Zusatzstrafe von drei Mon at en Zuchthaus und 1625 Mark Geldstrafe aus-

Handel und Uerlrehr. Volkswirtschaft.

Märkte.

Grünberg, 19. September. Fruchtmarkt. (Durchschnitts- preis pro 100 Kilo.) Weizen 16.00 bis 00 Mb, Korn 15.00 bis 00.00 Alk., Gerste 00.00 bis 00.00 Hafer 12.50 bis 12.82 Mk., Erbsen 00.0000 Mk., Linsen 00.00 Mk., Lein 00.00 Dck., Wicken 00.00 Mark, Samen 00.00-00 Mk., Kartoffeln ODO bis 00.00 Mk.

le. Frankfurt a. M., 21. Sept (Telegr. Orig.-Bericht des Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Drehmarkt- preise. Zum Verkaufe standen: 471 Ochsen, 183 aus Oest­reich, 58 Bullen, 1 aus Oestreich, 741 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 00 aus Oestreich, 265 Kalber, 111 Schafe und Hammel, 1626 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1.Qualität 7274 Mk., 2. Qual. 6870 Mk., 3. Qual. 6466Alk.; Bullen l.Qrral. 64 bis 66 Alk., 2. Qual. 6063 Mk.; Kühe 1. Qual. 6669 Mk., 2.Qual. 6566 Mk., 3. Qual. 54-56 Mk, 4. Qual. 5153 Mk., 5. Qual. 0000 Mk. Kälber: 1. Qualität8586 Pfg., Lebendgewicht 5255 Pft 2. Qual. 8084 Pfg., Lebendgewicht 4850 Pfg., Schlacht­gewicht 7073 Pfg., Schale: 1. Qual. Schlachtgewicht 7073 Pfg^ 2. Qual. 6669 Pfg., 3. Qual. 0000 Pfg.; Schweine 1. Qual. 6000 Pfg., Lebendgew. 47 Pfg., 2.Qual. 59^00 Pfg., Lebendgewicht 4600 Pfg., 3. Qual. 5055 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend; bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand.

to. Frankfurt a. M., 21. Sept. (Orig.-Telegr. desGießen. Anz.") Anrtliche Notierrmgen der heutigen Fruchtmarktpreise: Weizen Rkt. 16.5000.00, 5iurhessischer Äck. 16.7500.00, La Plata Pck. 16.7518.00, Kansas Dck. 16.7518.00, Roggen (hiesiger) Mark 13.2513.50, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.5015.75, Franken- felderMk.l6,25-00,00,HaferMk.l3.2513.75,Mais Mk. 13.0000.00, Weizenmehl 0 Mk. 25.7526.25, 2. Qualität Mk. 23.75

bis Mk. 24.25, 3. Qualität Mk. 21.7522.25, Roggenmehl 0 Mk. 22.0022.50,1. Qualität Mk. 19.2520.25, Weizenkleie Mk. 9.00 bis Alk. 0.00, Roggenkleie Mk. 9.7510.25, Maiskeime Mk. 10.25 bis Mk. 00.00, Franken, Pfälzer, Ried Aik. 00.00000.0. Alles per 100 Kg. ab hier.

Neueste Meldungen.

Orrginaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Darmstadt, 21. Septbr. Der Kaiser richtete der Darmst. Ztg." zufolge folgendes Telegramm aus Wien vom 19. ds. an den Großherzog von Hessen: ^Jch danke Dir für die freundliche Nachricht von dem glücklichen Stapellauf des LinienschiffesHessen". Die zukünftige deutsche Flotte, zusammengesetzt aus gepanzerten Vertretern aller deutschen Stämme, getauft von ihren angestammten Landes­fürsten, erfüllt vom Geiste patriotischer Gesinnung, wird, so Gott will, wie die Armee ein stolzer Hort der Zuversicht sein für Kaiser und Reich. Wilhelm."

Frankfurt, 21. Sept. Unter dem Verdacht, vor zwei Jahren den früheren Schutzmann Dietz ermordet zu haben, wurde gestern auf eine Anzeige hin der Weißbinder Andreas Jost feftgenommen. Jost wurde bei einer Schlägerei schwer verletzt nnd liegt einstweilen im städtischen Krankenhause.

Berlin, 21. Sept. Der Barbier Hugo Walter ist unter dem dringenden Verdacht, seine Ehefrau ermordet zu haben, auf Ersuchen der Berliner Kriminalpolizei in Endringen in Holland verhaftet worden. Die Leiche der Frau wurde am 8. d. Mts. in der Nähe von Döberitz an einem Baume ausgehängt gefunden.

L. London, 21. Sept. Wie dasBureau £affanK von maßgebender Stelle erfährt, hatte gleichzeitig mit Chamberlain auch der Lordpräsident des Geheimen Rats, Herzog von Devonshire, und der Herzog von Aberdeen ihre Entlassungsgesuche eingereicht. Der Minister­präsident Balfour will jedoch die Annahme dieser Demissionen Hinhalten, bis die Nachfolger der tatsächlich zurückgettetenen Minister ernannt sind, da er hofft, diese beiden KabinetS- mitgtieber zum Verbleiben in ihren Aemtern überreden zu können. Kriegssekretär Br odrick begab sich gestern nach Balmoral zum Könige.

Wien, 20. Sept. An dem Frühstück bei der Erz­herzogin Maria Josepha nahtnen außer Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef Erzherzog Franz Ferdinand mit Gemahlin, der Fürstin Hohenberg, und die übrigen Mit­glieder des kaiserlichen Hauses teil. Nachmittags um 6 Uhr fand im kaiserlichen Lustschloffe Schönbrunn Tafel statt. An der Hostafel nahmen u. a. teil: Reichskanzler Graf v. Bülow, der Minister des Aeußeren Graf Goluchowski, die Minister­präsidenten v. Körber und Graf Kuhen-Hedervary. Beide Kaiser saßen in der Mitte der Tafel, Kaiser Wilhelm rechts von Kaiser Franz Josef, neben dem deutschen Kaiser die Erz­herzogin Maria Josepha, neben Kaiser Franz die Erzherzogin Maria Annunziata. Um 8 Uhr abends fand in dem Schloß­theater im Schönbrunner Schlöffe Festvorstellung statt. Zur Aufführung gelangte zunächst Pailerons einakttges Lustspiel S)er zündende Funke", darauf die Lortzingffche Spieloper Die Opernprobe" mit Palleteinlagen, zum Schluß die Kinderszene ausDer faule Hans" von Nebdal.

Wien, 21. Sept. Kaiser Wilhelm verabschiedete sich von den Erzherzögen und Erzherzoginnen. In offener Hofequipage fuhren beide Kaiser zum Bahnhof Penzing. Fünf Minuten vor der Abfahrt kamen die Kaiser an. Sie küßten sich zweimal. Kaiser Wilhelm dankte fiir den herz­lichen Empfang und die Fürsorge, und Kaiser Franz Josef gab herzliche Grüße für die Kaiserin. Vor dem offenen Fenster erfolgte nochmaliger Gruß und dann die Abfahrt nach Danzig. Kaiser Franz Josef bcgiebt sich nach Schönbrunn.

Diiiviktsih. Anssteilmz Gieße».

Wir ersuchen alle diejenigen, welche Rechnungen, die obige Ausstellung betreffend, zu stellen haben, diese bald­gefälligst an die betr. Auftraggeber und zwar:

1. den Vorsitzenden des Bau- und Platz - Ausschuffes, z. H. des Herrn Bauaufseher Mohr in Gießen;

2. den Vorsitzenden des Finanz- und Verlosungs-Aus. schusses, Herrn Provinzialdirektor Dr. Breidert in Gießen;

3. den Vorsitzenden des Wirtschafts- und Vergnügungs- Ausschusses, Herrn Kreisrat Dr. Wallau in Lauterbach;

4. den Vorsitzenden des geschästsführenden Ausschusses, z. H. der Geschäftsstelle des landw. Prooinzialvereins in Alsfeld, einzusenden.

Der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschuffes:

Schlenke. 7097