Ausgabe 
21.4.1903 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Reichsgcrichtsbricfe. (Nachdruck verboten.)

H. tt. Leipzig, 20. April.

Sin gefährlicher Wildschütz. Ter Handarbeiter vilhelm Pfeil wurde nm 2. Dlarz d. IS. vorn Schwuraerichl ju Sieben wegen versuchten Totschlags und unbefugter Iagdaus- Übung verurteilt. Seine Revision gegen dieses Urteil stutzte sich auf die Rüge formaler Rechtsnormen. Zunächst sei das Augen- scheuisprotololl vorn 16. Januar d. IS. nur teilweise verlesen worden und zwar mit Ausnahme eines Satzes, der kenntlich ge­macht worden se», wie es im Litzung-protokolle heißt. Aus der (tiflänmg des Gerichtshofes geht hervor, daß ausdrücklich vor Be­gum der Lerlesung verkündet wurde, daß der durch Blaustift be­zeichnete Say nusgelasfen werden solle. Wetter wurde gerügt, dau mehrere Zeugen, bereit Vernehmung bereu- abgeschlossen war, ohne nochmalige Vereidigung ober Berumng aus den bereits früher geleisteten (iib, nochmals vernommen worden seien. Ter Reichs- amoaU erklärte die Besch,verdcn für hinfällig, da in der Haupt­verhandlung kein Antrag aus Verlesung diese-^ayeS aeslellt wordeti sei, der übrigens gar nicht zu den herbeigeschaislen Beweismitteln gehöre, da daS Augenscheinsprotokoll einen Teil der Borunter­suchung bilde. Auch würbe es durchaus unzuträglich fein, wenn bei nochmaliger Vernehmung mehrerer Zeugen wegen einer Haupt­verhandlung die ILtde sich häufen wurden, wie es die Revision fordere. Im Einklänge mit diesen Ausführungen erkannte der erste Strafsenat aus kostenpiltchtige Verwerfung der Revision des Angeklagten. Wegen Meineids wurde der Schneider­meister peumd) H orr amb. MärtdLS. vom Schwurgericht (Dieben unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr drei fUlonaten verurteilt. Ter Angeklagte war in einer Ltrafprozedur gegen Ofterleg wegen unbefugten Jagens al6 Entlastungszeuge vernommen worden, seine Aussage haue aber gleich den Eindruck der Unwahrheit erweckt, der sich allmählich zum bringenden Verdacht verdichtete, aus (Drunb bessen bas Hauptver­fahreti gegen ben Entlastungszeugen eröffnet würbe. Ter Gerichis- l)of zog zu (Dunften des Angellagten strafmildernd in Berücksichti­gung, daß der Angeklagte sich durch Angabe der Wahrheit selbst einer strafbaren Handlung hätte bezichtigen müssen. In feiner Re­vision rügte der Angeklagte lediglich prozesfuale Rechtsverletzung, indem die Verurteilung laut Urteilötenor Auin Teil auf Grund anderer Paragraphen erfolgt sei, alS der EroffnungSbeschluß an- sichre, ohne bay ber Beschwerdeführer nach den Bestimmungen der Sl.-P.-L. auf die Veränderung des rechtlichen (Sesichtspunktes auf­merksam gemacht worden sei. Der Reichsanwalt erachtete die Be- chwerde für unbegründet; denn wenn auch als richtig zuzugeben sei, daß eine Belehrung über Veränderung des rechtlichen Gesichls- pimktes nicht ausdrücklich erfolgt sei, so sei doch eine auf eine andere rechtliche Auffassung der Straftat hinweisende Nebenfrage gefteUt worden, wonach der Judikatur zufolge ein besonderer Hin­weis auf Veränderung de- rechtlichen Gesichtspunktes erübrigt werde. Auch fei der Angeklagte darüber gehört worden, ob er hierzu Einwendungen zu machen habe, was aber ausweislich deS «itzungsprotokolles nicht erfolgt feu Der erste Strafsenat erkannte dem Anträge des Reichsanwalts entsprechend auf kostenpflichtige Verwerfung der Revision deS Angeklagten. Wegen versuchten Totschlags wurde der Fabrikarbeiter Alexander S ch in i b t am 4. März d. IS. vom Schwurgerichte zu Gießen zu einer Zuchthausstrafe von 4 Jahren verurteilt. Seine Revision gegen bas Urteil stützte sich lediglich aus die Beschwerde prozessualer Rechtsverletzung, inbein eine Zeugin, die tatsächlich unbeeibet ver­nommen worben sei, ausweislich des SitzungsprotokollS unter Eid vernommen worben |eu Auf Grund der Gegenerklärung wies der Reichsanwalt hm, daß lediglich infolge versehentlichen ÄuSglettenS der Feder, oder weil sich em Haar in derselben beiunben habe, ber salsche Anschein erweckt worben sei, als seien bie ersten zwei Buch­staben beS Wortes u n bceibigt durchstrichen. Ter erste Strafsenat erkannte nach dem Anträge deS Reichsanwalts auf Verwerfung ber Revision des Angeklagten und überbürdete dem Beschwerde­führer die Kosten feines Rechtsmittels.

Gerichlssaal.

Frankfurt a. M., 20. April. Die Klage beS AmtSgerichtS- eakS Göring gegen Redakteur Wtlh. Zander wegen Beleidig­ung durch die Presse, in einem Artikel .Wmterleidei/ derVolks- fiimme" endete vor der Straffanuner durch Vergleich.

Hanau, 20. April. Die Strafkammer verurteilte ben Bankier Leopold Lilienfeld von hier wegen schwerer U r - kundenfälschnng und Betrug in 9 Fällen au einem Jahr sechs Monaten Gefängnis. Lilienfeld hatte in 9 Fällen Wechsel, die auf 5oo2000 Mk. lauteten, gefälscht. Ter Staatsanwalt hatte drei Jahre Zuchthaus beantragt. Am Freitag dieser Woche hat sich Lilienfeld außerdem noch vor dem Schwurgericht wegen Ver­gehens gegen das Depot- und Bankgesey, wegen Untreue und Un­terschlagung zu verantworten.

Wiesbaden, 20. April. Im Zivilprozeß, welchen die ^anzösische E h a m p a g n e r i i r m a E h a n do n u. E o. wider das deutsche Selthaus L ö h n l e i n u. E o. m Schierstem wegen der Taufe ber Kaiser-Yacht Meteor angestrengt hat, wirb ber ehemalige deutsche Botschafter in Washington von Holleben persönlich zu einem hier fiatifinbenben Termin als Zeuge erscheinen.

Dresden, 20. April. Rechtsanwalt Tr. Bernhard wiirde gestern nach viertägiger Verhandlung wegen Betruges zu sechs 3)1 o n a t e n Gefängnis verurteilt. Tas Gericht nahm an, daß Tr. Bernhard einer Klientin einen rechtswidrigen Ver- mögensvorted verschaffen wollte.

Straßburg u E., 20. April. Wegen Beleidigung des «Oberleutnants der «chutztruppe v. Grawert in der bekannten Duellaffäre mit dem Rechtsanwalt Tr. Aye aus Flensburg wurde der Redakteur des hiesigen Blattes .Der tlfäfiec' zu 1Ö0 Akk. Geldstrafe verurteilt.

gewerdehalle beniten, an deren Spitze er noch setzt sieht. Seit 1869 lehn er an der Technischen Hochschule al« ordentlicher Professor. Von MeidingerS zahsreichen wifsenschasilichen Arbeiten nennen wir:

Tie Durchsichtigkeit ber Luft im Hinblick auf Fernsichten' (1895), Die Anlage der Blitzableiter' (8. tiufL 1899), .Gasheizung und Gasöfen' (1894), ,Iie Heizung von Wohnräumen' (1897).

D i e kleinste Universität der Welt befindet fich in Sierra-Leone, der britischen Kolonie an der Westküste Afrika«. Tie Universität wurde vor drei Jahren in Foura­tz e y, nicht weit von Freetown, ber Hauptstadt von Sierra-Leone, gegründet. Ihrem 9leuberen nach würde man sie eher für eine bescheidene Dorfschule als für einen Palast der Wissenschaften halten. Sie ist trotzdem zieinlich gut eingerichtet und enthält Vortragssäle, em Laboratorium, em naturgeschichtliches Museum und eine Biblio­thek. ES fehlen ihr nur Schüler. Gegenwärtig sind eS neun­zehn, d»e die Kurse besuchen. Taiür hat bie Univerfttät von Foura- tzey fünf Prosefsoren, sodaß also aus jeden säst vier Schüler kommen.

Arbeiterbewegung.

Rom, 20. April. TieTribuna' meldet aus Galatina in 6er Provinz Lecce : Von arbeitslosen San bleuten wurden fesiern vormittag hier, als Lebensmittel unter sie verteilt werden ollien, Ausschreitungen begangen, Fensterscheiben emgeworien und andere Gewalttaten verübt. Tie Polizei trieb die Menge aus­einander und stellte die Ordnung wieder her. Als am Nachmittag das Verbot erging, daß Musik auf dein Platze spiele, wiederholten sich die Ruhestörungen. Tie Menge warf mit Steinen gegen die Gendarmen und gab R e v o 1 v e rs ch ü s s e auf sie ab, so daß die Gendarmen die Waffe gebrauchen mußten. Mehrere Ruhestörer wurden verwundet, cm Verwundeter erlag fernen Verletzungen. Auch ein Polireikommiffar und mehrere Gendarmen wurden ver­wundet. Tie Ruhe ist wieder hergesiellr.

Krieskuslen ber ^ebalilian.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

G. Irene Trisch deklamierte schon als kleines Kinb Monologe und ganze Szenen ans klaffischen Werken.

5anbei und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliner vSrse vom 20. April 1903. (Mttgetellt von ber Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Tie heutige Börse hatte unter großer GeschästSstillc zu leiben; im allgemeinen eröffnete man in ziemlich fester Haltung, die auch während bei ganzen Ver­kehrs anhielt. In Eanaba ShareS wurden in Erwartung einer festen Reiv-Yorker Börse größere MeumngSkäufe auSgeführt; von sonstigen Bahnen waren Heine Luxemburger Prince Henrybahn wieder lebhaft gefragt, während italienische Bahnen leicht ab­geschwächt waren. Spanier, Türkenwerte, sowie alle von PanS abhängigen Werte schwach, infolge der schlechten Lage der dortigen Börse. Montanwerte, sowie Bank-Aktien lagen bei minimalen Umsätzen gut behauptet. Ter Rafjamarft zeigte werter gute Tendenz.

Prtvat-DiSkont 2*/, Prozent.

Anfangs- u. Schlußkurse.

Cefl Kredit .... 212,25 212,12

Deutsche Bank . . . 211,70 211,75

Darmstädter Bank . . 140.60 140,75

Bochumer Guß . . . 189,60 188,60

Harpener Bergbau . . 186,50 185,87

Schluß-Tendenz: ruhig.

*Hen, 20. April. Tie Beschäftigung de« Kruppschen Werkes wird für diese« Jahr als mittelmäßig gut bezeichnet.

Die Solinger Industrie verhält sich ablehnend gegen bie Beschickung der Weltausstellung in St. LouiS, aus­genommen eine Firma.

Märkte.

Gießen, 21. April. Marktbericht. Auf heutigem Dochenmarkl kosteten: Butterpr.Psd. 1,001,15 Mk., Hühnereier 1 St. 56 Pfg., 2 Stck. 0000 Pfg., Gänseeier 1213 Pfg., Enteneier67 Pfg., Käse vr.Stck.b8 Pf., Käsematte2Stck. 56Pfg., Erbsen pr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Imiben pr.Paar 1,001,20 Alk., Hühner pr. et. 1,001,70 SDIL, Hähne pr. Stück 0,852,00 Alk., Enten pr. Stück 2,002,40 Alk., Ganse pr. Psd. 5460 Pfg., Lchsenfleisch pr. Pfund 6176 Pfg., Ruh- und Rindfleisch pr. Pfund 6066 Pfg^ edjweine- fleisch pr. Pfund 6676 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 6672 Psg^ Hammelfleisch pr. Pfund 5272 Psg., Kartoffeln pr. 100 Rgr. 6,500,00 Alk., Weißkraut per Stück 0000 Psg., Zwiebeln pr. Zentner 6,000,00 Ack^ Alilch per Liter 18 Psg. Aepiel per Psd. 000 Psg., in Körben 0000 Pfg. Trauben 0000 Pfg.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aiiec unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenubet keinerlei Verantwortung.)

Tem Verfasser ber Notiz ,-H (Brimingen, 15. April' hn dritten Blatt der Nr. 87 des ,Gieß. Anz.' hiermit zur ölachricht, daß der Wahrheit ins Gesicht geschlagen wird, wenn es in frag­licher Notiz beißt .man hat ihm das Leben in der letzten Zeit von gewisser Seite recht schwer gemacht'. Es ist dies eine absichtliche Verkennung und Verdrehung ber Tatsachen, welche die Pensionier­ung des genannten Herrn zur Folge hatten. Mehr Wahrheitsliebe und Selbsterkenntnis, Herr ff I

(Brüningen, 19. April 1903. Die »gewiße Seite'. H. I. E. B.

(Ju derselben Angelegenheit ging uns vor einigen Tagen ein .Eingesandt" m ähnlichem Sinne von anderer, d. h. eben wieder der .gewissen' Seite zu, deffen Abdruck wir damals ablehnten, weil uns schien, der Einsender habe ohne entsprechendes Interesse der Oeffentlichkeit eine persönliche Sache zu weitgehend zur Sprache gebracht. Das diesmalige .Emgesandl' mag eine der Notiz in Nr. 87 unseres Blattes gegenteilige Meinung zum Ausdruck bringen. Tie Red.)

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

5.»

Wett«

L

.5

8

*8

April 1903.

ß *2 | §

53

sr 5 CD

20.

2"

742,4

+

5,4

5,4

80

NW.

4

Sonnenschein

20.

9

741,5

8,8

4,7

78

b8W.

2

Heller Himm.

21.

7"

739,2

+

0,7

4,0

88

W.

1

Bed. Himmel

Höchste Temperatur am 19.20. April 4. 7,7° 6.

Niedrigste ., 19.20. , 0,2' C.

Ncucsle Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 21. April. Der Kaiser hat derNot.-Ztg." zufolge angeordnet, daß für das gan ze H ee r eine n e u e Litewka aus grauem Tuch eingeführt wird. Das Unwetter, das am Sonntag in Berlin und Umgegend herrschte, hat sich noch nicht ganz verzogen. Spree und Havel sind seit gestern in ununterbrock-enem Steigen begriffen. Auch auf dem Wannsee wütet der Sturm ganz besonders. Ausfallenderweise fiel im Westen Berlins in den letzten Tagen sehr wenig Schnee.

Stettin, 21. April. Infolge des s chw eren Un- we tters ist der zur hiesigen Geibel'schen Rhederei ae- hörige DampferOlga" in der Ostsee gesunken, wobei ein Matrose ums Leben kam. Bor Heringsdorf ist der zur Stengel-Rolke'schen Rhederei gehörige DampferPom- inerania" und bei Misdroy der in Rügenwalde beheimatete DampferPatriot" gestrandet; bei Swinemünde find vier kleinere Segler, eine Quätze und eine Brigg verunglückt. Außerdem' tarnen verschiedene kleine Unfälle vor.

Könitz, 21. April. Die in dem Abort der Knaben­schule bei den Leichenteilen Winters gefundene Gamasche hat nach Feststellung der Eltern deS Ermordeten diesem nicht gehört.

Kattowitz, 21. April. Die Myslowitzer Gendarmerie verhaftete bei der Paß-Revision ben russis chen Lehrer Popowskt, weil man bei ihm eine Menge aus Krakau stammender sozialistischer Schriften fand, die in Preußen verboten sind. Popowski gab an, daß er sie in Kattowitz an einen Unbekannten ab geben sollte. Auf der Linie LSwiecim-Myslowitz sind drei Züge stecken geblieben und die östreichischen Grenzbahnen haben den Betrieb eingestellt. Ter in Schlesien angerichiete Schaden beläuft sich auf viele Hunderttausende. Im Kohlenrevier hat die Grubenförderung fast ganz aufgehört. Im Riesen­gebirge liegt der Schnee meterhoch.

Niünchen, 21. April. Die Prinzessin Irmgard, die Tochter des in China weilenden Prinzen Ruprecht, ist heute morgen an Lungenentzündung ge ft 0 r ben.

Pirmasens, 21. April. Tie entlassenen Arbeiter ber Schuhfabriken sollen nicht wieder beschäftigt werden, da sich ihr Verhalten nicht mit ihren Arbeiterpflichten vertrage.

Kopenhagen, 20. April. Hier herrschte gestern Schneesturm. Zn ber Nacht und heute ging Schnee in großen Mengen nieder. Heute früh wurde der gesamte EisenbahnoerkLyr von S^penljagen nach allen Richtungen eingestellt. Auch bie Ueberfahrt von Gjebser nach Warner münde war gestern und tu ber Nacht eingestellt. Sämt­

liche Telephon-Verbindungen auf Seeland, fanrte die meistes Telegraphcnleitungen sind gestört.

Stockholm, 20. April. In Mittel- und Südsckweden sind bie meisten Telegraphen- und Telephon-Leitungen unterbrochen.

Worth, 21. April. Ter von der Küste von Schweden kommende Schooner .Schwalbe' aus Worth strandete in­folge des NordweststurmeS. Von der Besatzung ist ein Mann gerettet, drei ertrunken.

L. London, 21. April. Der deutsche Konsul in Montreal (Eanada) Bopp äußerte sich dem bärtigen Be­richterstatter berTailv Mail" gegenüber in scharfen Worten gegen die von Eanaba eingcfuhrtcn Z u s ch l a g S - »ölle auf deutsche Importe Ter Ävnsul sagte, er habe niemals erklärt, day Deutsc1)tand nid)t weiter mit Eanada unterhandeln wolle Die Berhandlungen seien nie abgcbrod)n worden. Er habe der canabischen Regierung im November v. I. mitgeteilt, daß ein neues Taiisgesetz dem Reichstag vorliege und vor dessen Erledigung tein Vertrag abgeschlossen werden könne. Eanada habe seitdem niemals gefragt, ob Deutschland bereit sei, einen neuen Vertrag abzuschließen.

London, 21. April. ES verlautet, daß ein Finanz­mann, Sir Ernest Cassel, dem Sultan von Marokko ohne bis jetzt erkennbare Unterlage 250 000 Pfund Sterling geliehen hat.

Teplig, 21. April. Tie CbcrSdorser Fichtenwaldungcn find durch einen Waldbrand vernichtet worden.

Konstantinopel, 21. April. Ter Sultan, von dem b:r österreichische und ber russische Botschafter kat.gä­lisch bie eilige Durchführung ber Reformen und bie Unter­werfung ber Albanesen verlangten, erklärte, baß seine Ab­sichten burch fremdlän bische Intriguen ver­eitelt würben. Man glaubt, der Sultan habe auf Eng­land anspielen wollen. Gestern überreichten die ersten Tragomaneil beider Botschaften der Pforte ein Memoran­dum, worin die Erkläruilg der B<'tschafler schristlick) wieder­holt wurde. Wie verlautet, befürchtet der Sultan, daß bie Unmöglichkeit der Besänftigung der Albanesen eine be­waffnete fremde Intervention zur Folge haben werde.

Hongkong, 20. April. Nach Meldungen auS bet Provinz Kwangsi ft erben dort Laufende als Opfer der Hungersnot. Frauen verkaufen sich als Sklaven, um dem Hungertod zu entgehen. Der amerikanische Konsul leitete Sammlungen ein.

Telephonischer Kursbericht«

Ffhii k I

3*/t% Reichnanleihe . . 102.75 8 7j do. ... 92.55 3*/,% Konsole .... 102.60 3°/o do.....92.65

8'/,0/» Hessen .... 101.25 3/, X Oberhessen . . .. 4% Oesterr. Goldrente . . 104.00 4,,9t) Oesterr. bilberrento 101.05 4% Ungar. Goldrente . . 102.50 4°/ Italien. Rente . . . 103.50 4' ,54 Portugiesen . . . 50.15 »°/ Portugiesen. .... 81.40 154 C. Tttrken .... 81 70 TQrkenloee......181.40

4°/o Oriech. Monopol.-AnL 44.75 4'.% Bassere Ar^entiner.

urt ». Jl., 21. April ivuS

5-/o Mexikaner .... 26.35 41/» la Chinesen .... 93.15 Electric, bcLückert . . . 101.90 Nordd Lloyd . . . . 103 UO

Kreditaktien ..... 212.00 Diskonto-Kommandit. . . 189.10 Darmstädter Bank . . . 140.75 Dresdener Bank .... 149.30 Ber.lner Handelsgee. . . 157.20 Oesterr. btaaUbahn . . . 147.20 Lombarden . . . . 18.00 Gottharubahn.....190.80

LauranQtte ...... 222.00 Bochum 187.40

Harpener......184.50

Tendens: schwach.

Bekanntmachung.

Die Felbberetnigung in der Gemarkung Gießen reaji der Lahn bett. Die nachstehend abgebruckle Bekanntmachung des Großherzogl.

Bereinigungs-Komniiffärs zu Friedberg wird hiermü zur KennMis der beteiligten Grundbesitzer gebracht.

Gießen, 17. Aprll 1903. 8325

ü)i.u)jhei .ugiiaie Bürgermeisterei Gießen.

3. 93.: Georgi, Beigeordneter.

Vckalliitmachllng.

Betreffend: Feldbereimgung in der Gemartung ließen rechts der Lahn.

Ich bringe hiermit zur Kenntnis der Beteiligten, daß daS für den Neubau der Kreisslraße von Gießen nach Krofdorf erforderliche Gelände innerhalb der im Felde abgesteckien und ausgepstügten Grenzen mit dem 20. April L Is. der KreiSstraßenvcrwaltung zwecks Inangriffnahme der Bauarbeiten von der Vollzugskommifsiorr zur Verfügung gestellt werden wirb.

Friedberg, 9. April 1903.

Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär.

Spam er, Kreisamtmann.

Sknographie-lfakmcht

Unsere Anfänger-Kurse beginnen

Anfangs Mai d. JL

Es wird unterrichtet in Abteilungen

a) für Herren unter 18 Jahren,

b; , üerren über 18 Jahren, c) , Damen.

Anmeldungen hierzu bitten wir bis spätestens den 1. Mai an den Unterzeichneten einreichen zu wollen.

Ter Vorstand

des Gabelsberger Stcnographcn-Vereins Gießen (E.V.) und des Tamcn-ttränzchcns.

E. Nchiffnie, Grünbergerstraße 3. 8328

Lindenplatz 12

Bahnhofstraße 2

Mittwoch vormittag eintreffend in tadellos frischer Ware:

2- bis 4-pfünbig, do. Portionsfische, Rotzungen 3327 Kabiiauj kopslos per Pfund 20 Pfennig im Ausschnitt per Pfund 23 Pfennig.