Ausgabe 
21.2.1903 Zweites Blatt
 
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Aus Htaöt und Land.

Gießen, 21. Februar 1903.

* * DaZ Großh. Regierungsblatt, Beil. Nr. 2, enthält: 1. Bekanntmachung, die Beiträge der waldbesitzenden Gemeinden re. zu den Besoldungen der Oberförster betreffend. 2. Dienstnachrichten. Am 24. Januar wurde der Schnl- amtsaspirantin Katharina Hotz aus Laubach, Kr. Schotten, eine Lehrerinnenstelle an der Volksschule zu Offenbach über­tragen; am 5. Februar wurde der Schulamtsaspirant Georg Ernst Müller aus Alsfeld zum Lehrer an der Taubstummen­anstalt zu Friedberg, unter Belassung in der Kategorie der Dolksschullehrer, mit Wirkung vom 1. April an ernannt; am 7. Februar wurde dem Schulamtsaspiranten Georg Becker aus Lehrbach, Kr. Alsfeld, eine Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Freiensteinau, Kr. Lauterbach, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Johann Heinrich Eifert zu Breunges­hain, Kr. Schotten, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Walldorf, Kr. Groß-Gerau, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Paul Appel zu Walldorf, Kr. Groß-Gerau, die Lehrerslelle an der Gemeindeschule zu Breungeshain, Kr. Schotten, übertragen. 4. Dienstentlassungen. 5. Pro­motionen an der Großh. Landesunioersität vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1902. 6. Ruhestandsocrsetzungen. 7. Konkurrcnzeräffnungen. Erledigt sind: an der Volks­schule zu Gießen: vier mit evangel. Lehrern zu besetzende Lehrerstcllen, zu deren einer (1. Lehrerstclle an der Stadt­mädchenschule) dem Stadtoorstand zu Gießen das Präsen- tationsrccht zusteht, und eine mit einer evangel. Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle, die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hopf- ma nn sfe l d, Kr. Lauterbach, der Stelle ist Organisten­dienst verbunden; eine mit einer kathol. Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Münster, Kr. Dieburg; eine mit einem kathol. Lehrer zu besetzende Lehrer- ltelle und eine mit einer kathol. Lehrerin zu besetzende Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Viernheim, Kr. Heppenheim; sämtlich mit den: gesetzlichen, nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalt.

, ** Zweite Kammer der Landstände hält dre 12. Sitzung, erst am Donnerstag, dem .6. Februar, ab. Es fmdet il a. die Wahl der Präsidenten itatt. ferner stehen auf der Tagesordnung die Regier­ungsvorlagen, den Hauptvoranschlag der Staats- Emuahmen und -Ausgaben für das Etatsjahr 1903/04 be- trefjend, msbesondere die Förderung der P f e r d c z u ch t.

H 0a n en *fya I) n e. Zu unserer gestrigen Nottz, betr. btc Ausstellung der Hasso-Rhenanen- ^-ahne tn einem Schaufenster des Seltersweges, wird uns von befreundeter Seite noch mitgeteilt, daß sich außer den von uns bereits erwähnten Lappen noch das der Landes- universitat auf der Fahne befinde. Es ist dies das halbe Maltheserkreuz, das im unteren Teile der Fahne aufae- stickt ist. Es Hal große Mühe gemacht, einen Vorwurf :u diesem Wappen zu finden, da es nur noch einmal, und zwar auf der llnidersitätSsahne, vorhanden sei. Die Darmstadter

Mandanten der infolge Zusammenstoßes bei den Manövern havarierten Panzer.Bonyet und Gaulois, wurden infolge Gutachtens des Vize-Admirals Pottier chrer Posten enthoben. Auch wurde der Chef- Maschinist des KreuzersCatinat", welcher während der Fahrt vom indischen Ozean nach Sorten einen Kohlen- Mehrverbrauch nicht rechtfertigen konnte, für ein halbes Jahr suspensiert und der Schiffsleutnant von dem unter­gegangenen ÄwrpedojägerEspignole" vor ein Kriegsgericht gestellt.

Washington, 20. Febr. Das Marinebudget amtbe von dem Repräsentantenhause bewilligt. Das Budget sieht drei weitere Schlachtschiffe, einen Kreu­zer, drei Schulschiffe, die Verdoppelung der ZahlSeekadetten in Annapolis und die Ermächtigung zur Aushebung von weiteren 3000 Mann für oie Flotte und 550 Mann für das Marinekorps vor.

New York, 20. Febr. Wie aus Caracas gemeldet wird, veröffentlichen die Blätter einen Protest gegen das Vorgehen der Mächte, die die gekaperten Schiffe noch nicht zurückgaben.

Eine Massenversammlung von Negern fand hier gestern abend statt, in der 100 000 Negerwahler des Staates Newyork vertreten waren und Resolutionen gefaßt wurden, durch die dagegen Pr o te st erhoben wird, daß den Negern im Süden das Wahlrecht entzogen werden solle. Auch wurde beschlossen, die gesetzliche Gilligkeit der neuen Konstitution von Virginien zu bekämpfen, durch die den Negern das Wahlrecht entzogen wird. Ferner wurde die Betätigung der durcy Roosevett vorgenommenen Ernennung Tr. Crum's zum Steuereinnehmer in Charleston gefordert, worüber der Handelsausschuß des Senates ungünstig be­richtet hatte. So oft aus Roosevelt die Rede kam, brachen die Sieger in begeisterten Jubel aus.

Ter Senat beraumt Nachtsitzungen an, um oen Senator Morgan zu ermüden, der nunmehr seit zwei Wochen Obstruktion macht, indem er eine Rede in Betreff des Panama-Vertrages hält, welche er bis zum Schlüsse der Session (4. Aiärz), auszuspinnen trachtet. Mor­gan erklärt, die Union solle keinen Vertrag mit Co- Lumbi a ab schließen, well dort die Jesuiten die Re­gierung beherrschten.

ZSaceoollieu.

Nachrichten aus Uesküb zufolge wurden am 14. Febr. nachts in Konak, wo auch der Wall Hafus Pascharesi­diert, eine Pulvermine entdeckt, die angeblich von bulgarischen Gendarmen, die in jener Stacht Dienst hatten, gelegt worden ist. Anderersells verlautet, daß der Anschlag von albanesischer Seite, um gegen Bulgarien Stimmung zu machen, fingiert sei. Eine Kommission bestehend aus Staatsrat Risa Bey, Divisionsgeneral Bahri Pascha, dem früheren Mali von Wan und anoeren höheren Beamten albanesischer Siationaillat ging nach Albanien ab, um dort beruhigend zu wirken und notwendige Spezial­reformen für Albanien vorzuschlagen.

Tie bulgarische Regierung brachte in der Sobranje eine Vorlage ein wegen eines Kredits von 200000 Francs für die Verstärkung der Grenzwachen.

Im französischen Ministerrate teilte der Minister des Aeugern, Telcasse, rnll, daß er am Dienstag dem Botschafter Constans in Konstantinopel die Weisung über­sandt habe, der Pforte dringend die Annahme und Anwen­dung des von Rügland und Oesterreich-Ungarn festgeftelllen mazedonischen Resormprojektes zu empfehlen.

Firma, die die Herstellung der Fahne übernommen hat, heißt, wie wir berichtigend bemerken: Hub. Bringer.

* * Gießener Lesehallenverein. Am Donners­tag-Abend hiell der Lesehallenverein im Cafe Ebel feine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Der .Vorsitzende, Professor Haupt, erstattete den Geschäftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr. Danach ist die Tätigkeit des Vereins eine recht ersprießliche gewesen, und die finanzielle Grundlage ist eine befriedigende zu nennen. Die Zahl der Mitglieder ist von 320 auf 349 gestiegen, welche zusammen einen Beitrag von 1466 Mk. geleistet haben. An außer» ordentlichen Zuwendungen an die Lesehalle leistet die Stadt Gießen jährlich 400 Mk., außerdem hat dieselbe eine ein­malige Beihilfe von 400 Mk. zur Aufstellung eines Kata­logs der Bibliothek gegeben. Von der Spar- und Leihkasse fließen dem Verein jährlich 600 Mk. und vom Kreis Gießen 150 Mk. laufend hu. Durch das Großh. Ministerium ist dem Verein ein vorerst einmaliger Beitrag von 300 Mk. zur Ver­fügung gestellt worden, welcher ebenfalls zur Katalogisie­rung der Bibliothek zurückgelegt worden ist. Außer diesem Wertpapier verfügt der Verein über einen Barbestand von 893 Mk. Die Annahme des Vereins betrug 3005 Mk., die Ausgabe 24-53 Mk. Die Bibliothek besteht aus ca. 4000 Bänden. Verliehen wurden während des ab gelaufenen Ge­schäftsjahres ca. 20000 Bände, ein Resultat, welches nach Lage der Verhältnisse glänzend zu nennen ist. Der Bericht konstatiert, daß sich der literarische Geschmack der Leser verfeinert und verbessert hat, und daß besonders die jungen Leser aus Handwerkerkreisen stark nach Büchern technischen Inhalts Sülchfrage halten. Das Lesezimmer, das seit einem Vierteljahr von vormittags 10 Uhr bis abends 10 Uhr täg­lich offengehalten wird, ist während dieser Zeit niemals leer, ja häufig so besetzt, daß es an Sitzgelegenheit fehlt. Besonders hervorgehoben wurde, daß ein ungenannter Gönner des Vereins demselben interessante Kunstblätter geschenkt hat, welche unter Glas und Rahmen die Wände des Lesezimmers zieren, deren Umrahmung so eingerichtet ist, daß die Blätter gewechsell werden können. Die Neu­wahl des.Vorstandes ergab, daß dessen seitherige Mitglieder wiedergewählt wurden. Es sind dies die Herren: Oberbiblio­thekar Professor Haupt, 1. Vorsitzender, Landgerichtsrat Dorns eiff 2. Ä^rsitzender, Kaufmann I. Bräutigam, Dr. Ebel, Dr. Fritzsche, Kommerzienrat Georgi, Oberlehrer Hahn, Stadtverordneter Haubach, Kom­merzienrat Heichelheim, Kommerzienrat Heyligen- staedt, Dr. L. Holzapfel, Reallehrer Jann, Buch­druckereibesitzer Kindt und Fabrikant G. Schuchard. Eine Aussprache der Versammlung über einen eüent er­forderlichen Lokalwechsel ließ erkennen, daß der Vorstand für diese ©tientualüät bereits Vorsorge getroffen hat, und daß der Lesehallenverein von der städtischen Verwaltung wohlwollendes Entgegenkommen zu erhoffen hat. Aus der Mitte der Versammlung wurde die Anregung gegeben, daß es möglich sein müsse, bei der zweifellos sozialen Bedeutung des Wirkens des Vereins noch mehr als es bisher geschehen, weitere Kreise der Bürgerschaft zu einem Mitgliedsbeitrage heranzuzichen, besonders diejenigen, die, ohne Mitglied zu fein, die Bibliothek am stärksten benutzten. Der Vorsitzende erklärte, daß der Worftand erwägen werde, auf welchem Wege man den Mitgliederstand des Vereins am besten noch weiter heben und vergrößern könne. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß die Lesehalle für Gießen heute ein großes Bedürfnis geworden ist, und daß die Anstalt, wenn sie sich gedeihlich entwickeln soll, finanziell gestärkt werden müsse.

* Die Anlagemusik findet morgen in der Süd- Anlage um 11.30 Uhr statt. Gespielt werden: 1. Hochzeits- marsch au§ »Romeo und Julie" von Gounod. 2. Duoerture: Die Felsenmühle" von Reisfiger. 3. Mein Traum! Walzer von Waldteufel. 4. Fantasie a. b. Op.:Der fliegende Holländer" von Wagner.

Besitzwechsel. Das (Sehr. Zutt'sche Anwesen, Afterweg 57, ging für den Preis von 26 500 Mk. in den Besitz des Klaviertechnikers Ernst Müller über.

* * Bei der Holzversteigerung in dem herrschaft­lichen Wald der Oberförsterei Schiffenberg stellten sich die Preise wie folgt: Eichen-Scheftholz der Raummeter 9 bis 11 Mk., Eichen-Knüppel 79 Mk., Eichenstöcke 45 Mk., 100 Wellen 1618 Mk.

* Brandversicherung. Ein vielfach verbreiteter Irrtum ber meisten Gedäubeeigentümer ist es, daß sämtliche, dem betr. Gebäude m fester Verbindung stehenden An­lagen und Leitungen, sofern bas qu. Gebäude einmal ver­sichert ist, in ber Versicherung! miteinbegriffen seien, einerlei, ob die Anlagen zurzeü der Versickerung des Ge­bäudes bereüs bestanden ooer nicht. Tatsächlich sind jedoch nur diejenigen Gas--, Wasser- rc. Leitungen mit versichert, welche zurzeü der Versicherung resp. Abschätzung des betr. Gebäudes bereüs vorhanden waren und somit bei der Taxation berücksichtigt werden konnten. Alle übrigen An­lagen, z. B. die in neuerer Zeit gelegentlich der Einführung des elektrischen Lichts ausgeführten elektrischen Licht- und Kraftanlagen, sind von der Versicherung so lange ausge­schlossen, bis der Gebäude-Eigentümer einen dementsprechen­den Antrag auf Ausdehnung der Versicherung auf dieselben bei der Großh. Bürgermeisterei stellt. ^Abgesehen davon, daß die betr. Grundstückseigentümer zur Stellung derartiger Anträge rtzrpflichtet sind, dürfte es anderersells aber auch im Interesse derjenigen, welche umfangreiche und wert­volle Anlagen haben ausführen lassen, liegen, sich vor event. Nachteilen durch Versicherung der betr. Anlagen zu schützen.

a. Großen-Linden, 20. Febr. Der Turnverein wird in aller Kurze mit dem Bau einer Turnhalle be­ginnen, nachdem die Gemeindevertretung den Bauplatz kosten­los zur Verfügung gestellt hat. Die Gemeinde ist ferner er- bötig, Bauholz, Steine und Material zu mäßigen Preisen zu liefern. An der östlichen Seite des Bahnemschnittes der Main-Weserbahn zwischen hier und Gießen wurde mit den Regulierungsarbeiten begonnen. Es sind 30 000 Kubik­meter Erbmasse zu bewegen.

h. Holzheim, 19. Febr. In unserem Gotteshaus wurde am vorigen Sonntag abend eine geistliche Musik-Auf­führung veranstaltet von dem blinden Orgelvirtuosen Aus - derwiesche-Mühlheim und der Oratonensängerin Frl. A. Wente-Hannover. Die Kirche war dicht gefüllt, man schätzte die Zuhörer auf etwa 500. Reben den schönen Ge- sangvorträgen der Frl. Wente erregte das Spiel des Blinden allgemeine Bewunderung. Meisterwerke der klasfisch-kllchlichen Tonkunst von I. S. Bach, Haydn, Händel und Schumann kamen zur Aufführung.

g. Homberg x. i>. hm, 20. Febr. Nachdem vor wenigen Wochen e/ue av . :i der Ohm durch Braud teilwexse zerstört wurde, c. : t - abend gegen 10 Uhr

wiederum Feuer lärm. Der zur ,Z.ainmühle" «Besitzer Repp^ gehörige große Holzschuppen stand in Hellen Flammen und brannte, bis die Feuerwehren von hier und aus den Nachbarorten zur Stelle sein tonnten, mit feinen Vorräten vollständig nieder. Tas in allernächster Nähe stehende Wohnhaus den Wirtschaftsgebäuden wurde von dem Feuer stark bedroht. Doch gelang es den Feuerwehren bis jetzt, diese zu schützen.

Ber mutshain (Vogelsberg), 20. Febr. Einem Butterhändler von hier entwendete ein Junge in Lichen- rob nach und nach etwa 25 Pfund Butter vom Wagen. Der Junge ist von der Konfirmation ausgeschlosien worben.

d. Marburg, 20. Febr. Herrn Professor Elster, der kürzlich einen an ihn ergangenen ehrenvollen Ruf nach Lon- bon abgelehnt hatte, würbe heute abend von der Studenten­schaft ein solenner Fackelzug gebracht. In der heute abend stattgehabten Generalversammlung des htesigen Gewerbe­oerei ns, in der auch das Projekt einer Weiterführung ber Ebsbörfer Bahn besprochen rourbe, faßte man nach längerer Diskussion einstimmig eine Resolution, baß ein birefter An­schluß an die Oberhessische Bahn anzustreben sei, und zwar in erster Linie über Drei Hausen nach Mücke, ober, wenn bies wegen der eventuellen Errichtung des Schießplatzes bei Wer­mertshausen nicht möglich sei, über Rorbcck nach Londorf.

Frankfurt a. M., 20. Febr. Die neunte deutsch- nationale Geflügel-Ausstellung wurde heute in ber landwirtfchafllichen «alle eröffnet. Erschienen waren der Stadtkommandant, zahlreiche Magistratsmitglieder unb Stadtverordnete. Stadtrat Mousson eröffnete die Ans stellung mit einer kur zett Ansprache. .Kommerzienrat Tu Roy-Braunschweig dankte und brachte das Kaiserhoch aus. Die Ausstellung ist außerordentlich zahlreich mit Geflügel aller Art beschickt unb bauert bis zum 23. t>- Mts.

Homburg, 20. Febr. Der um 7 Uhr 38 Min. hier fällige Ufinger Personenzug erlitt am We hrheirner Bahn­hof eine Entgleisung, welche durch plötzlichen Kontre- bampf verursacht worden war, den der Lokomotivführer geben mußte, um zu verhindern, daß der infolge einer falschen Weichenstellung auf einem verkehrten Geleise einsahrenbe Zug in die auf diesem Geleise ihrem Gepäck postierten Markt­weiber u. f. w. fahre. Der Zug kam mfolgebeffen ohne den entgleisten, beschädigten Wagen mit anderthalbstündiger Ver­spätung hier an. Verletzungen fanden nicht statt.

Kleine Mitteilungen aus Hessen unb ben Nachbarstaaten. Im nahen Aliendorf beging ber etwa 48 jährige Bahnarbeiter Lubwig Wagner Selbstmord.

Vermischtes.

* Dresden, 20. Febr. In der Prozeßsache des Kronprinzen gegen seine Gemahlin wurde bas Urteil dem Vertreter der früheren Kronprinzessin zugestellt. Sicherem Vernehmen nach unterbleibt jedoch die Veröffentlichung des Urteils, weil in dem Verfahren die Oeffentlichkeit ausgeschlossen war unb ber Vertreter ber Kronprinzessin ausdrücklich Widerspruch gegen bie Veröffentlichung erhoben hat. Entgegen einer Dresdener Depesche ist die Schweizer rische Depeschenagentur in der Lage, müzuteilen, daß ber Genfer Vertreter der Prinzessin Luise, Lachenal, sich nicht nach Dresden begeben unb mit dem Kronprinzen keinerlei Besprechungen gepflogen hat. Nach einer Meldung aus Nürnberg schreibt derFränk. Äur.e, daß von der Aussetzung einer Rente seitens des Kronprinzen von Sachsen nicht die Rede ist, wenigstens vorläufig, solange nicht seststeht, daß die Prinzessin Luise von Giron läßt. Gegenüber ber Nachricht, baß Giron in Brüssel einen von der Prinzessin Luise unter­schriebenen Wechsel habe anbringen wollen, sei zu bemerken, daß die Prinzessin einen Wechsel überhaupt nicht unterschrieben habe. Die Annullierung ber Ehe burch ben Vatikan wirb als sicher bezeichnet, da Gründe vorhanden seien, welche dem kirchlichen Gerichtshof in dieser Hinsicht genügen würden.

Antwerpen, 20. Febr. Ein Hafenarbeiter, welcher an Bord des -DampfersSurrey" nut dem Verladen von Waaren beschäftigt war, wurde von einem Krahn erfaßt und ihm der Kopf vom Rumpfe getrennt.

* Beraters, 20. Febr. Ein Mann, Vater von 7 Kindern, dessen Gattin vorgestern gestorben ist, verübte am Toten­bette in Anwesenheit seiner Kinder Selbstmord, indem er sich den Hals mit einem Rasirrneffer durchschnitt.

* Chartere» i, 20. Febr. Die Untersuchung über die gemeldete Feuersbrunst in Trazegnies hat ergeben, daß tatsächlich Brandstiftung vorliegt. Diebe waren in das Haus gedrungen und hatten Wertsachen entwendet; um ihre Spur zu verwischen, steckten sie alsdann das Haus in Brand.

* Zum Konitzer Mord. DerStaatsb. 3tg/' wird aus Schneidemühl gemeldet, daß die dortige Polizeibehörde gegen den dort gebürtigten Buchdrucker Leonhard in der Winterschen Mordsache überraschende Aufklärungeii erhoben habe. Der Aufenthalt des Leonhard sei bisher noch nicht ermitteU. Ein Steckbrief sei crlaffen.

* Ein Besu ch beim Gr äsen Tolstoi. DieSt. Petersb. Ztg." erzählt: In Moskau sand ein großes Wohl­tätigkeitsfest statt. Ein Fabrikbesitzer, der am Verlauf des­selben großes Interesse nahm, verfiel auf den Gedanken, Photographien des Grafen Leo Tolstoi dessen eigen­händiger Unterschrift für den Bazar zu besorgen. Eines Tages wurde der erste Angestellte ber Firma hinaus- beordert nach Jaßnaja Poljana. Ter Angestellte wird denn auch von Tolstoi in dessen Arbeitszimmer empfangen. Das Anliegen ist bald vorgebracht, aber das Gesicht des Grafen bleibt undurchdringlich. Endlich beginnt der Graf:Hören Sie, das will mir gar nicht gefallen, daß Ihr meine Photographien dort in Eurer Wohltätigkeüsveranstaltung für schweres Geld verkaufen wollt. Ich bin ja gar kein so berühmter Mann. . ." Der Gast will ihm das Gegen­teil beteuern Graf Tolstoi unterbricht ihn:Lassen Sie gut fein . . . erzählen Sie mir lieber etwas von Ihren Fabrikverhältnissen . . ." Und nun folgte eine lange Reihe von Fragen. Der Sonderling von Jaßnaja Pvljana er­kundigt sich aufs eingehendste über alles, was die Lage ber Angestellten betrifft: Lohnbedingungen, Pensionsver- hättnisse, Arbeitszeit, alles scheint den Grafen aufs Leb­hafteste zu interessieren. Die Augen blicken scharf und beobachtend, ein Lächeln zuckt hier und ^da um die Mund­winkel und verliert sich in den tiefen Falten, die in den weißen Bollbart verlaufen. Plötzlich rückt Tolstoi seinen Stuhl naher an den Schreibtisch unb greift entschlossen nach der Feder:Jetzt »vitt ich Ihnen was sagen. Alles was Sie mir da erzählt haben, hat mir sehr gut ge-