153. Jahrg.
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Ich kann bei dieser Gelegenheit nur nochmals mein Bedauern darüber ausdrücken, daß Sie den Lermitchandel damals a.geschg'ss haben; es wäre auch im Interesse der Landwirthschaft gewesen, wenn Sie das nicht gethan hätten. Ich hoffe, daß die Zeil noch kommen wird, wo man den Terminhaiiöcl wieder einfuhrr. (Lebh. Beifall links.)
Abg. Herold verthcidigt nochmals die Position, es sei unbedingt norhwendig, daß ein möglichst umfassender Nachrichtendienst eingeführt würde, um die Landwinhe zu schützen.
Abg. Frese (freis. Vgg.): Ich glaube für mich in Anspruch nehmen zu dürfen, daß rch den verehrien Kollegen Herold durchaus nicht mißverstanden habe, auch nicht in seiner zweiten Rede, in der er meines Erachtens selbst etwas Mißveriränülichcs produzirl hat, da der Eingang seiner Rede etwas Arideres besagt, als das Ende. Er hat beim Beginn seiner Rede gesagt, es müsse mir doch bekannt sein, daß cs häufiger vorkäme, daß durch augenblickliche Knappheit von Getreide beispielsweise in Dcurschland eine große Preis,le.gerung erfolgen könne. Damit hat er doch konstatirt, daß trotz der Aoschaf- fung des Terminhandels Derartiges auch heute noch vottommt. (Abg. Herold ruft: Natürlich!) Eben, das wollte ich hier nur feststellen, daß Sie das gesagt haben. Tas spricht doch gegen das Verbot des Terminhandels; denn von den Anhängern dieses Verbots ist seiner Zeit ja immer behauptet worden, derartige plötzliche Preissieigerungen könnten nachher nicht mehr Vorkommen. Das Umgekehrte ist der Fall Gerade beim Terminhandel kommen keine
plötzlichen Stürze vor, da immer wieder Käufer ausirelcn, um den Preissturz erst nach und nach cintrelen zu lassen und auf d.ese Weise dem dabei interessirtcn Publikum Gelegenheit zu geben, zu weniger ruinösen Preisen zu verkaufen. Dasselbe ist ja für die Börsengeschäfte gestern hier des Weiteren ausgeführt worden, und ich > brauche darauf nicht näher einzugehen. Ich möchte aber hier noch darauf himveisen, wie der Wunsch des Herrn Herold, erfüll, sich in der Praxis gestalten würde. Er wünscht, daß eine Einrich ung getroffen werde, wo sozusagen von der Mehrheit in der Koinmission der Preis sestgcstelli ivird. daß also ein Preis für eine ge.ri e Zeit dckretirt werden soll. Tas würde ja eine Einrichtung siin, an der sich alle Spckulantei- betheiligen können. Wenn sie es du.ch 7ycn, daß sie für eine bestimmte Zett eine Stabilität eine» ihnen gen .neu Preises haben können, so iann sich Außerordentlich gut eine Spekulation darauf einriebten. Wollen Sic Derartiges einfütjun — ich kann es Ihnen nicht verdenken Aber ich glaube: das bekommen Sie nie fertig. (Beifall links.)
rxug. u.ehiö) (kons.) führt aus, der Vorredner habe sich großer lieber...jungen scouuug gemacht, die iqm in Mecklenburg teiner g.uuoen werde. Er miste daher bitten, H.rr Dr. H.rzf.ld solle ihrr
Vicepräsidenten Büsing zweimal zur Sache gerufen und auf die gefa ä).»ordnungsmäßigen Folgen eines dritten ptufs zur Sache aufmerksam gemamt. (Beifall rcazts und tm Eentrum. Zuruf des wrg. Sair.cr: Laß, Va.er. genug sein des grausamen Spiels.)
Abg. Heizfeiv ssortfahrend) erklärt, mit Bezug auf diesen I Zlvisa/cnrus ag nur auf Leiten der Soziatdemokratcn noch Sinn unöVcrstunkmig für Kultur fragen herrsche. (Lachen rechts und im Eentrum.) Er bitte den L:aa.ssclretär, dieser Frage sein Augenmerk zu scbenken.
Zur Förderung des Absatzes landwirth schastlicher Erzeugniffe und zur Unterstützung allgemeiner landwirthschaftssreundlicher Bestrebungen werden 75 U00 Mk. verlangt.
m Abg. Herold (Cenrr.) wünscht eine bessere und gründlichere Aufklärung der Landwirthe über die internationale Preisbewegung aller Agrarprodukte. Er wünscht zu diesem Zwecke die Bildung einer besonderen Korporation, die vom Landwirrhschaftsraih werden soll.
Parlamentarische Pcrhandlniiszcii.
Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestaltet.
Deutscher Reichstag.
268. Sitzung vom 20. Februar.
1 Uhr. Das Haus ist mäßig besetzt.
Am BundeSrathstisch: Graf Posadowskh u. A.
Eingegangen ist die Novelle zum Krankenkassengesetz.
Die zweite Berathung des Etats des Reichsamts des Innern ivird fortgesetzt.
Zunächst zur Debatte steht der Titel: Maßnahmen $ur Bekämpfung der Reblauskrankheit. Hierzu liegt die Resolution Dr. Blankenhorn lnat.-lib.) vor, in welcher der Reichskanzler ersucht wird, Maßnahmen zu treffen, um der Reülauskrankheit in Elsaß-Lothringen entgegenzutreten, damit sie nicht auf anbere Bundesstaaten übergreife.
Abg. Preih (Els.): Auch der elsaß-lothringischt Weinbau will das Ausrottungsverfahrcn mitmachcn, soweit er dazu genügend leistungsfähig ift. Die elsaß-lothringische Verwaltung hat bis jetzt auch ihre Pflicht gethan. Daher sind besondere Maßnahmen nicht mehr nothwendig. Tas Reich, das in den siebziger Jahren die Verwaltung hatte, hat die Reblaus sich einbürgern lassen. Damals beging das Reich die Unterlassungssünde. Die Landesverwaltung ist schuldlos. Also muß auch die Ausrottung der Reblaus Reichssache sein. Wenn daS Reich die Kosten trägt, sind wir mit dem Verfahren ganz einverstanden. Die Resolution ist gegenstandslos, da die Regierung das, was sie verlangt, bereits gclhan hat, indem sie in nähere Erwägungen cingeircten ist.
Abg. Baumann (Ctr.) hält im Gcgcnthcil die Resolution für höchst dringend, da die große Gefahr bestehe, daß die Reblaus von Elsaß-Lothringen nach den Nachbarländern verschleppt werde. Besonders in seinem Bezirk, in Unterfranken, fei Gefahr im Verzüge. Redner beleuchtet in kurzen Worten die dortigen Verhältnisse.
Abg. Dr. Tcinhard (nat.-lib.) 3d) 'habe schon im vorigen Jahre darauf aufmerksam gemackst, welche Gefahr dem fränkischen Weinbau durch die Verschleppung der Reblaus aus Elsaß-Lothringen droht. Tamals hielt ick; das Eingreifen des Reichskanzlers allerdings nock) nicht für nothwendig. Mittlerweile Haden sich die Vcc- hälmisse berfdjärft. Unser Antrag ist keineswegs diktirt von Mißtrauen oder Uebelwollen gegen die elsaß-lothringische Verwaltung. Das ist aber nicht richtig, daß die Reblaus schon tm Frankfurter Frieden übernommen ist. Wäre die Infektion so alt, so gäbe es überhaupt keinen Weinbau mehr. Tie elsaß-lothringische Verwal-
Abg. Graf Schwerin-Lowitz (kons.) führt aus, daß cs sich hier nicht nur um Interessen der Landwiichschajt, sondern auch um wich- g.bildet tige Unteren en der Konsumenten handle, cuicr Kommis.on, die I , t zetzt f0,011 in Paris bestehe, sollten die Mittel gewahrt toe.uen, Mtt-
.. Pr;. Ludekum (Soz.) erklärt, feine Partei wolle überall rhrilungen iibct die Lage des gijamnucn Getre.den.ar.tes zu itc Staiiftif fördern, könne es aber nicht billigen, wenn einer rein- bringen. Durch bencie Information wurde cs mog.ia) fein, all^u
große Schwankungen auf dem Gctrcidemarkt zu verhüten. Ein Äortheil des BörsengesctzcS sei eS, daß in den Gcttcibep.eisen eine größere Stabilität herbeigcfuhrt sei.
Staatssekretär Graf Posadowöky erklärt, daß cS sich er't her» ausstcllcn muhte, ob die Kommission and) streng Wissenschaf, lich und objektiv arbeite. Biö jeyt sei noch keine Unterirutzung gewährt Worten. Sollte cS sich zeigen, daß nicht wissenschaftlich und objektiv gearbeitet werde, so werde die Regierung keine Zuschüße gcw ihren.
Abg. Dr. R^sickc (B. d. Landw) meint, Herr Frese scheine den Bund der Landwirthe nidir genügend zu kennen. Er möge nur mal nach der Tessaiierstraße kommen, dann würde er staunen über die praktische Arbeit, die dort geleistet werde. Tas Reid; könne noch viel thun um die Landwirthschaft besser 311 insormiren. Für den 1 guten Rath der Linken, nur der Börse und ihren Spekulationen, zu | folgen, danke die Landwirthschaft, da sie sonst nur d.n Beutel der Spekulanten füllen mußte. Kein Mensch hätte es verlangt, daß durch Majorität die Preise fcssgesiellt würden. Tic Regierung, möge fid) nicht von der Linken umgarnen lassen, sondern den beliebten Mittelweg gehen.
Abg. Gothcin (frei)'. Vcr.) bemerkt, aus den Reden der Herren von der Rechten gehe nur der Wunsch hervor, wieder eine Pceis- j r.otirung zu haben, wie man sie früher hatte. Ta hätten die i Herren aber das Barometer zerschlagen uiid jetzt sollte die Re- , gierung für Ersatz sorgen. Wenn es sich nur um eine Verbesse- , rung der Statistik handle, so würde kein Mensch etwas dagegen ' haben. Aber hier handle es sich um eine Zuwendung an eine i private Gesellschaft, gerade als ob cs kein amtliches statistisches Amt gebe. Wenn die Vcröffcn.Eichungen nach Art der „Nachrichten für Handel und Industrie" erfdicincn sollten, kämen sie monatelang zu spat, eS sei also ein Versuch mit untauglichen Mitteln. Der Hauptzweck sei wohl nur, einen Einfluß auf die Preise zu gewinnen. Ein Beweis dafür, daß seit dem Verbot des Termin- handelS die Schwankungen der Getreidepreise geringer geworden, sei in keiner Weise erbracht. Jetzt solle die Zeitschrift „Ter Getreidemarkt" von Prof. Ruhland subvcntionirt werden, und dabei habe gerade dieser Herr zu den wüstesten Spekulationen aufgefordert. Wenn die Landwirthe ein Interesse an Nachrichten hätten, müßten sie sie aud) selbst bezahlen.
Abg. Frhr. v. Wangenheim (kons.) führt aus, wenn die Landwirthschaft etwas Gemeinnütziges wolle, mache die Linke gleich mobil. Wenn aber gar die Dessauerstratze mit in Betracht komme, dann erhebe sich gleich ein Lärm, als ob es sich um ein Werk deS Teufels handle. Und dabei solle hier dod; nur eine feste AuS- kunftSstelle gefdjaffen werden, die von Beamten unmöglich ins
Samstag, 21. Februar 1903
Giehener Anzeiger
agrarischen Korporation Mittel zur Verfügung gestellt werden sollen.
Staatssekretär Dr. Graf von PosadowSky erklärt, daß an sich ein solches Bestreben nach einer Statistik durchaus zu unterstützen fei. Doch hätten an der Aufstellung derselben nicht nur die Lmid- wirthschaft, sondern auch die Mühlenindustrie und der Handel Interesse. Einer solcherart zusammengesetzten Korporation könnte sehr wohl eine Beihilfe gewährt werden, doch habe sic sich nod; nicht ge- । bildet, und auch von einer Zusage der Regierung könne einstweilen noch keine Rede sein.
Abg. Frese (freis. Sorg.): Ich bin über die Rede des Abg. Herold einigermaßen erstaunt ; er wünscht, man möge dafür sorgen,- daß die Preise immer ganz stabil seien. Wie macht man das? Tas ist doch ganz unmöglich. Es ivird nie cinzurichien fein, daß 1 wir ganz feste Getreidcprcise haben; wer soll daö garantiren? (£8 j wird darüber geklagt, daß die Landwirthe sehr häufig nicht genau über den Stand der Preise unterrichtet sind. Ja, warum hat denn die Majorität des Hauses damals daS beste Instrument, welches ja der Handel erfunden hat, den Terminhaiidel todtge- schlagcn (Sehr gut! links.) Damals hatten Sie cm ganz genau gehendes Instrument, das Ihnen jeden Tag anzeigte, wie durch die Gestaltung des Wettmarltes sich die Preise in Deutschland 1 stellten. Dies Instrument ist entzwei, aud) gegen den Rath be- ; rühmler Männer der Wissenschaft. Und nun wollen Sic von der Negierung Gelder, um Ziffern einzuziehcn zur genauen Feststellung der Preise. Tas ist ein sehr umständliches Verfahren, mit dem' Sie immer post festum kommen werden. (Sehr richtig! links.) ! Wenn Sie erst eine Kommission bilden wollen aus den vcischieden-
। Werk gefebi werden könne.
Abg. Frese erklärt, niemals habe die Rechte den Beweis dafür erbracht, daß der Terminhandel große Schwankungen der Ge- trcidepreise herbeigeführt habe. Die Preisstürze hätten eine ganz andere Ursache gehabt. Hier handle es sich nur darum, daS Material einer privaten Korporation zu sammeln, um daraus Schlußfolgerungen bezüglich der Preisfeststellungen zu ziehen.
, Seine Freunde würden nichts dagegen haben, wenn das ftattsttsche Amt Veröffentlichungen der gewünschten Art herausgäbe, einer privaten Gesellschaft würden sie jedoch keine Mittel bewilligen.
Abg. Frhr. Hehl zu Herrnsheim (nat.-lib.j unterstützt die Anregung des Abg. Herold.
Der Titel wird hierauf bewilligt, ebenso eine Reihe I weiterer Titel.
Beim Titel „ReichSkommissariate, Ueberwachung des Aul» wandcrungswesens" erörtert
Abg. Eahenöly JSentr.) Mißstände tm AuSwanderungswesen und bittet den Staatssekretär für Abhilfe Sorge zu tragen.
Beim Titel .ReichSschulkommission" macht
Abg. Dr. Pachnicke (freis. Vgg.) darauf aufmerksam, daß die Reichsschulkommission Veranlassung genommen habe, die Verhältnisse in der Ritterschaftsschule in Lubthenen zu rügen. Die mecklenburgische Ritterschaft habe aber nichts gethan, um den offenbaren Mißständen abzuhelfcu. Auch die mecklenburgischen Volksschulen ließen noch viel zu wünschen i'ürig, die Lehrer seien vollständig von den Patronen abhängig. Ti: Gehälter, selbst der wissenschaftlichen Lehrer, feien dort viel zu gering, ein Oberlehrer, ein hervor- raernber Kenner der mecklenburgischen Geschichte, habe nach 80jäh- i ger Dienstzeit nur 2300 Mt. Gehalt bekommen. Dabei seien die Lehrer auf halbjährige Kündigung angestellt und hätten keinen gesetzlichen Anspruch auf Pension. Nur das Reich könne helfen, vor Allem müsse Mecklenburg eine Verfassung bekommen.
Vicepräsident Büsing bittet den Redner, bei diesem Titel doch nicht die ganzen internen Verhältnisse eines einzelnen Bundesstaates zu erörtern.
Abg. Dr. Pachnicke (fortfahrend) führt aus, daß nur daS Reich den elenden Schulzuständen in Mecklenburg ein Ende machen könne, da die Rttterschafl nichts thue, und die mecklenburgische Regierung zu rückständig sei.
Abg. Dr. Herzfeld (Soz.) unterstützt die Anregung des Vorredners. Dian müsse aber vorher die Kompetenzen der Neichsschul- fommifjion erweitern, vielleicht ein Rcichs-Schu.amr gründen, m l der Dcsugniß, auch wirkliche Reformen durchzusührei - in Mecklenburg, sondern auch in anderen BundeSsta sd)rciende Mißstände auf dem Gebiete der VollSscknw: Reich
hätte die dringendste Verpflichtung, für die Vottsbildu-g -u sorgen. Auch für eine bessere Bezahlung der Lehrer müßte gesorgt werden. Redner verbreitet sich ausführlich über die BesoldungSoerbättnisse dcr Lehrer in Mecklenburg und fordert ein Mimmal-Gelalt für die Lehrer.
Vicepräsident Büsing bittet den Redner, doch nicht allzusehr sich auf die materielle Lage der Lehrer einlassen. Ich sehe keinen Zusammenhang mit dieser Forderung unb dem Etatslitel.
Abg. Herzfeld (forlsahrend): Ich sehe den Grund nicht em, weshalb ich nicht darüber sprechen soll.
Viccpräsidcnt Büsing: Ich ersuche Sie dringend, eine Kritik der Geschäftsführung des Präsidenten zu unterlassen.
Abg. Herzfeld (forlfahrend) versucht wiederholt, die materielle . Lage dcr Lehrer in Mecklenburg zu erörtern und wird mehrere Male vom Vicepräsidemen Büsing umerorodjen. Als Redner trotzdem noch Tabellen über die Gepalter der Lehrer borlcgt, wird er vom
sten Berufen — Sie wollen ja sogar die Güte haben, einige Leute I vom Handel zuzuziebeu, die aber wahrscheinlich nichts zu sagen I haben werden, weil die Mehrheit aus Landwirthen bestehen wird, hat doch gestern sck;on Graf Kanitz sogar bedeutet, daß im Börsen- j auSschuß Leute, die mit der Börse zu thun haben, die Mehrheit! bilden, da werden Sie doch sicher, wie wir in Anspruch nehmen, daß in Börsensachen die Herren von der Börse die Sachverständigen sind, für sich, wenn die Sache im Landwirlhschaflsraih gemacht wird, in Anspruch nehmen, daß dort die L.mdwirthe die Sachverständigen sind. Wenn da vielleicht die zugezogelien Kaufleute eine gegenteilige Meinung über die Bewegung der Ernten und die Preise äußern sollten, so wird die Meinung so hinaus dekretirt werden, wie es nad) Ansicht dcr Herren von der Landwirthschaft sein soll. Der ^Wunsch, daß die Getreidepreise möglichst stabil
bleiben, kann nie erfüllt werden. Dagegen spricht doch der gesunde Menschenverstand. (Sehr gut! links.) Sie werden die gemachten Ermittelungen nicht so rasch an den Mann bringen, daß irichr unterdessen längst eine andere Konjunktur cingeircten ist. (Sehr richtigI links.) So werden Sie nicht erreichen, daß der Landwirth gut orientirt wird, um zur echten Zeit zu verkaufen. Tas ift nur eine allgemeine Binsenwahrheit, daß, wenn die Preise heruntergehen, das Publikum' glaubt, mit der Konjunktur stehe es sehr sdjlccht und daß, wenn die Preise hinaufgehen, das Publikum glaubt, sie würden noch Wetter steigen. Das siiid tagtägliche Erscheinungen; solchen eventuellen Täuschungen unterliegt Jeder, der der Sache nicht näher getreten ist. Früher hatte der Landwirth es einfacher, er braud;te imUebrigen nicht so außerordentlich unterrichtet zu sein, wenn er sich nur Darum kümmerte, welche Preise der Tcrminhandel jeden Tag anzeigte. Da hätte er einen außerordentlich wichtigen Werthmesser. Wenn gesagt wird, die Ge- tteidehändler sind selbst für Abschaffung des Terminhandels ein- getreten, so mache ich aufmerksam darauf, daß schon bei der Berathung des Börsengesetzes mit Recht bemerkt ist, daß ein Ge- treidehändler wohl ein Interesse daran haben kann, nicht jeden Tag genau durch die Einrichtung des Terminhandels den Preis angeben zu lassen; er kann ein großes Interesse daran haben in einer Zeit, die ihm für den Einkauf billig erscheint, zu kaufen,! um dann später, wenn die Verhältnisse sich so gestaltet haben, wie er 1 es sich bei seinen Einläufen gedacht hat, mit gutem Nutzen sein Getreide wieder los zu werden, vielleicht in einem Augenblick, der, wenn der Terminhanoel und seine Einrichtungen nod) exislirten, ihm den Nutzen nicht bringen würde. Weshalb die Landwirth- schäft sich hier auf die Getreidehändler berufen will, verstehe ist nicht.
tung ist aber, wie mir scheint, nicht stets mit dem nöthigen Emst vorgegangcn. Aus verschiedenen Berichten geht hervor, daß man Monate lang um die Verseuchung mancher Bezirke gewußt hat, ohne daß man ,ich beeilt hat, einzuschreiten. Es genügt auch nicht, daß man irgend welche an sich wohlgemeinte Maßnahmen ergreift. Man muß solche anwenden, die wirklich die Nachbargebiete schützen. Und vazu ift allein das AuSrottungSverfahren geeignet. Allerdings muß bei der Entschädigung gerecht Vorgehen. Im Uebrigen glaube ich: Wenn irgend eines der deutschen Vaterländer in der Lage ist, etwas zu diesem Zweck aufzubringen, so ist es gerade Elsaß- Lothringen mit seiner schonen, wohlentwickelten Jndusttie. Tas Reich hat genügend für Elsah-Lothringen gethan: es hat z. B. dort Reid;scisenbahnen gebaut, die dem Lande außerordentlich nützen, ohne daß sie dem Reich die entsprechende Verzinsung bringen. Da sollte auch Elsaß-Lothringen dessen eingedenk sein, was es den übrigen deutschen Landesiyeilen schuldet.
Abg. Wctterle (Els.) behauptet, daß von Seiten der elsaß-loth- ttngischen Verwaltung alles Mögliche geschehen fei. Jetzt müsse das Reick) eingreifen.
Geheimrath Halley: Wir sind beunruhigt, ja beängstigt. Durch' die Ausführungen des Abg. Deinhard ging ein Gefühl des Miß-, trauens gegen die elfaß-loihiingisd)e Regierung. Darin ist er aber 1 im Unrecht. Sie hat in der Thai Alles geihan und ist im Begriff, | noch mehr zu thun. Dem Mißtrauen des Abg. Deinhard ]icl)t । gegenüber das vollständige Vertrauen der elsaß-lothringischen Be-1 völkerung. Wenn bei der mangelhaften Finanzlage solche Opfer, gebracht werden, wie es geschehen ist, so kann man von Lästigkeit । nicht sprechen. Redner gicbt eine Uebersicht über alle getroffenen Maßnahmen, die seiner Meinung nach alles darstellen, was über- : happt gegen die Weircrverbccitung der Seuche geschehen kann. *
Abg. Ecihcnöly (Centr.) befürwortet den vorliegenden Anttag, ebenso
Abg. Dr. Mllller-Sagan (freis. Vp.), der die schwersten Besorgnisse in Bezug auf die Zukunft des deutschen Weinbaus äußert. '
Abg. Lucke (B. d. L.) bezweifelt ja nicht, daß die elsaß-lothringische Regierung sich bemüht habe. Tie Frage sei nur: Wiel Wäre man in Elsaß-Lothringen mit der Energie der preußischen ' Regierung aufgetreten, die NcblauSgcfahr wäre bereits befeitigt. Es sei nicht gewissenhaft, sich vor den Ausgaben zu drücken und die Augen vor der drohenden Gefahr zu schließen.
Geheimrath Halley bestreitet, daß die elsaß-lothringische Verwaltung nicht mit der genügenden Rücksichtslosigleit gegen die Reblausgefahr äufnete.
Abg. Preiß (Els.) hält den Kampfton nicht für angebracht, ben der Abg. Deinhard gegen Elsaß-Lothringen angeschlagen habe. ' 2lian solle gemeinsam vorgehen gegen den Feind und sich nicht gegenseitig verbittern. Ueberhaupt sei es ein bedenklicher Weg, den man ginge, wenn man die Reichsregierung zur Rettisizirung einer Landesregierung anrufe.
Deinhard (natl.) erklärt, er kämpfe hier gegen die Jtcülauy und nicht gegen Elfaß-Lothringen. (Hettcrkcit.) Der Reblaus sei es gleichgtttig, ob sie Reben von lothringischem Rothwein 00er von Riesling-Weißwein von der Mosel zu sich nimmt. (Hciter- tttt.I xqb r^ehler gemacht worden seien, müsse offen anerkannt1 werden. '
Geheimrath Halley bereitet nochmals, daß Elsaß solche Fehler ' gemacht habe. D 1 0 ' 0 ’ \ ,
Hierauf schließt die Debatte. Die Resolution wird'1 gegen d,e stimmen der Elsässer angenommen.
Zu Aufwendungen für Einrichtungen und Veranstaltungen im ; Interesse von Handel und Gewerbe werden 50 000 Mk. verlangt. 1 :
'^iüllcr-^agan (frei). Vp.) spricht über die vom 1 Re'ch-amt des Innern herausgegebenen Nachrichten für handel unb 1 Sntuime. Er wünscht, batz dieselben bem großen Publikum mehr i zugänglich gemachi werben sollen. i
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