Ausgabe 
21.1.1903 Erstes Blatt
 
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Die Parade des 11. Armee.

to. Kassel, 20. Ian.

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korpS vor dem Kaiser findet Niederzwehren statt.

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Konto-Korre Geldeinlagen wer p, a. verzinst.

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es eine trostlose Ehe; die Frau ist von Ihrem Mann sehr ort schwer mißhandelt worden. Namentlich bat er sie heftig auf den Kopf geschlagen; infolgedessen haben sich bei der Unglück­lichen in der letzten Zeit Spuren geistiger Schwäche bemerk­bar gemacht. Um 5 Uhr nachmittags wurde ein Knecht Klotz­bachs in Haft genommen. Er soll Andeutungen gemacht haben, daß er Näheres von der Affäre wisse. Um dieselbe Zeit kam der Bruder Klotzbachs mit zwei Männern und einer Frau in einer Droschke angefahren. Er wollte, wie er sagte, jein Geld holen. Der im Hof postierte Schutzmann konnte ihn nur mit Mühe davon abhalten, ins HauS einzudringen. Erst als noch ein herbeigerufener Schutzmann erschien, fuhr er unter Toben und Weinen zurück.

Eintritt 20 Psg.

Lost in bett mi H zu haben.

Bieber, 20. Jan. Dieser Tage waren circa 120 Mann vor die hiesige Bürgermeisterei geladen, um sich über ihre Abstammung als Heffen auszuweisen. Der Grund für diese Maßnahme ist in dem Umstande zu suchen, das; bei der Landtagswahl im Wahlbezirke Offenbach-Land viele Leute an der Wahl sich beteiligt haben sollten, die als Nicht- Hess en dazu nicht berechtigt waren. Gegen jene Wahl ist bekanntlich alsbald nach dem Vollzüge derselben von Seiten der unterlegenen Partei Protest erhoben worden.

? Lich, 20. Jan. Schon seit einigen Wochen machen sich mehrere Flegel das Vergnügen, nächtlicherweise an den Häusern die Läden und Ladenschilder abzuhängen und weit wegzutragen, oder Balken über die Straße zu legen, so daß schon Leute gestürzt sind. Kürzlich wurde auch von der Ehrenpforte am fürstlichen Schloßgarten, welche noch von dem Besuche des Großherzogs her steht, ein Teil des Tannen- grünS heruntergerissen. Hoffentlich gelingt es bald, die Täter ausfindig zu machen.

r. Eberstadt, 20. Jan. Am Sonntag fand im Saale des Herrn F. Felsing hier eine Abendunterhaltung de? Gesangvereins statt. DaS reichhaltige Programm fand in allen Nummern den verdienten Beifall. Es wechselten Musik- und Gesangsvorträge mit Theaterstückchen und Ein­zelvorträgen ab und hielten die letzten Teilnehmer bis zum frühen Morgen aus. Ter hiesige Gesangverein feiert im kommenden Jahr sein 50 jähriges Bestehen.

§ Butzbach, 20. Jan. Im Auftrag unserer Bahnbau- Aktiengesellschaft erfolgt gegenwärtig durch ein Mitglied der Großh. Obstbauschule Friedberg die Feststellung des Wertes

auf dem in die Ncubahnlinie fallenden Gelände stehen- Obstbäume. Alsdann soll mtt den Grundarbeüen, dies möglich, begonnen werben.

8 Arnolds Hain, 20. Jan. Herr Bings oh n und

der Bekanntmachung vom 22. Januar 1900, Regierungsblatt Nr. 18, beigefügten Verzeichnisses zu treten hat.)

** Liebigs 100. Geburtstag. Das laufende Jahr bringt, woran wir bereits Ende vorigen JahreS erinnerten, den 100. Geburts-Gedenktag unseres großen Landsmannes JustuS v. Liebig, der bekanntlich am 12. Mai 1803 zu Darmstadt geboren ist. In Darmstadt hat sich ein Komitee gebildet mit dem Zwecke, den Tag in würdtger Weise zu feiern. Von der Tätigkeit des Komitees ist außer der Tat­sache seiner Existenz bislang 'nichts in die Oeffentlichkeit ge­drungen. Hoffentlich bleibt Darmstadt nicht hinter München zurück. Von Feierlichkeiten in Gießen hat man bisher auch noch nichts gehört.

Ordensverleihungen. AuS Anlaß des Krönungs- und Ordensfestes haben u. a. erhalten: den Roten Adler­orden zweiter Klasse mit Eichenlaub: Emmich, General­major und Kommandeur der 31. Jnf.-Brigade; den Roten Adlerorden vierter Klaffe: Cotta, Gutberlet, Hauptleute im 4. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 118, von Schrader, Hauptmann im 2. Großh. Hess. Feldartillerie-Regt. Nr. 61; den Kronenorden zweiter Klasse: Breitenbach, Präsident der preußisch - hessischen Eisenbahndireklion in Mainz, von Schmidt, Oberst und Kommandeur der 25. (Großh. Hess.) Kao.-Brigade; den Kronenorden dritter Klaffe: Dein- hard, Oberstleutnant und Kommandeur des 2. Großh. Hess. Feldartt-Negts. Nr. 61. John von Frey end, Oberstlt. beim Stabe des 1. Großh. Hess. Jnf.-Regts. Nr. 115, Weimer, Oberstlt. und Inspizient der Waffen bei den Truppen.

* Vortrag. Gestern abend fand in den oberen Räumen des Vereinshauses der 5. populäre Vortrag des Ortögewerbe- und Kaufmännischen Vereins statt. Prof. Biermer sprach überbie Reichs bank". Er schil­derte das Banknolenwesen und kaum auf Einrichtung und Geschäftsführung der Reichsbank zu sprechen. Er wies darauf hin, welchen unermeßlichen Wert für bie Regelung aller Gelbgeschäfle im Reich hauptsächlich burch Normierung des Diskontsatzes, und welche enorme volkswirtschaftliche Be­deutung diese Bank habe.

* Meisterkurse für Sattler finden von 2.14. Februar in Groß-Felda statt. (Vgl. Inserat.)

** Unterstützungen. Wie in früheren Jahren, so werden auch in diesem Jahre wieder aus der Ernst Lud­wig- und Viktoria Melita-Stiftung des Landes­verbands der Kriegerkameradschaft Hassia an bedürftige Waisen und Halbwaisen, deren Vater gestorben ist, Unter­stützungen bei Gelegenheit ihrer Konfirmation vergeben. Halb­waisen, deren Väter noch leben, können nicht berücksichtigt werden, well hierzu die Mittel fehlen. Den BezirkSvorsitzenden sind die nötigen Formulare zu den Gesuchen zugegangen und der Termin zur Einreichung derselben ist auf den 15. Feb­ruar festgesetzt.

k- Vom deutschen Flottenverein wurden von Oer hiesigen Ortsgruppe folgende Herren zu Ehrenwarten ernannt und ihnen das Ehrenwart-Diplom überreicht: Bahn­meister Best, Kreisamtmann Dr. Kranzbühler, Geh. Hof­rat Profeffor Dr. Onken und Telegraphist Schad; aus der Umgegend Lehrer Keil-Kleinlinden und Stationsver- walter S ch m o l l-Langgöns.

k- Wies eck, 19. Jan. Unsere Volksschule, die im Frühjahr 1902 siebenklassig geworden ist, braucht bereits weitere Schulräume. Es sollen zwei Schulsäle eingerichtet werden.

Frau begingen am Sonntag das Fest der goldenenHoch- zeit in körperlicher und geistiger Frische. Seit 2 Wochen wird der 51jährige Bürstenmacher H. Müller in unseretn Orte vermißt.

Heppenheim a. W., 21. Jan. In der vergangenen Nacht ronrbe im Eisenbahn st ationsgebäude ein­gebrochen. Der oder die unbekannten Einbrecher zer­trümmerten eine Fensterscheibe, öffneten das Fenster und stiegen in das Bureau ein, wo ein Spiegel, eine Lampe und eine Wanduhr entwendet sein sollen. Bares Geld soll nicht in die Hände der Diebe gefallen sein, da der Stationsvor­steher die Geldmittel mit in seine ein Stockwerk höher ge­legene Wohnung genommen hatte. Die Verbindungstür von dem Bureau nach der Güterhalle ist gewaltsam geöffnet worden, jedoch ist bis jetzt nicht festgesiellt, daß etwas ent­wendet worden ist. Die Mitnahme der Uhr rc. läßt viel­leicht die Täter ermitteln, wenn sie nicht aus Rache über den erfolglosen Einbruch weggeworfen wurde.

Frankfurt, 20. Jan. Die schreckliche Affäre, die sich in der Nacht von Montag auf DienStag in dem Hause Fried­berger Land'lraße 322 zugetragen hat (vergl. unsere heutige Parlanrentsauügabe), ist noch nicht ganz aufgeklärt. Alle An­zeichen sprechen aber dafür, daß bie Frau be§ Fuhrunter­nehmers Theodor Klotzbach kemes natürlichen Todes gestorben ist. Es heißt, daß die Frau erwürgt worden ist. Klotzbach hat sich durch sein ganzes Benehmen sehr verdächtig gemacht. Er ist in der Frühe weggegangen und den ganzen Tag nicht nach Hause gekommen. MlltagS um 1 Uhr tarn ein von ihm bestellter Sarg an! Nach Aussage von Nachbarn war

s. Bureau bei dei Herrn

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Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Zum deutfch-amerikauischen Tabattrteg. Aus Dresden wird gemeldet, daß der neue Generaldirektor von Georg A. JaS- matzi, Aktietigesellschaft, Dresden, früher Mittnhader der Zigaretten­fabrik John Bollmann u. Co. in San Franzisko (Kalifornien) war. Der genannte Herr verkaufte seine Fabrik ebenfalls an die Ameri­can Tobacco Company und besitzt, wie selbst in Fachblättern zu­gegeben wird, noch 916 Aktien dieser Tochtergesellschaft der Ameri­can Tobacco Company in Newyork. Er ist von letzterer auser­koren worden, an der Dresdner ainerikanischen Versuchsstation Im Sinne der Trustcompany zuarbeiten", und zu diesem Zwecke vor Jahresfrist bereits nach hier gekommen.

Kunst und Wiffcnschasi.

Dortmund und Effe« wollen ein gemeinsame- Opern- und Schauspielensemble unter einer Direktton zu stände bringen. Die Entfernung zwischen Dortmund und Essen ist nicht als Hindernis anzusehen. Dazu kommt, baß bas Essener Theater wegen der geringen Anzahl seiner Plätze (800) nicht in der Lage ist, Einnahmen z»l erzielen, mit denen sich erste Kräfte en­gagieren lassen. Tortmimb mitß aber darauf bedacht fein, baß eS gleich in der ersten Saison in seinem neuen Sladltheater (1200 Plätze) einwandfreies bietet, damit der erforderliche Zuschuß nicht allzu groß werde.

Leipzig, 17. Jan. Max Klinger's Beetboven ist von einem aus tunslsitmigen Leipziger Buraern zusammengesetzten Komitee a n g e k a u f t worden. Er wirb Ende nächster Woche im Leipziger Museum zur öffentlichen Ausstellung gelangen. Für seins Unterbringung ist provisorisch ein Raum im Museum hergerichtet worben, vis es in einem besonberen Anbau an das städtisch« Museum Aufnahme findet und dann auch in baß Eigentum bei Stabt Leipzig übergeht.

Neber da» «ettfingen um ben Kaiserpreis in Frank­furt a. M. teilt die Kommission für den Wettbewerb um ben Kaiserpreis für Männer-Gesangvereine mit: Es haben sich 35 Manner-Gesangvereine angemelbet. Ein Verein hat seine ursprüng­liche Anmeldung zurückgezogen. Es werden sich daher 34 Vereine an dem Wettsingen beteiligen. Die Ablehnung mehrerer von den Vereinen selbstgewählter Chöre mußte erfolgen, weil viele Chöre mehrfach eingereicht wurden. Da aber schon der Sechswochenchor von allen Vereinen gesungen werden muß und der Stundenchor von allen zum engeren Wettbewerbe zugelasjenen Vereinen, so mußte die Kommission dahin tvirken, bay der Vortrag der selbst- gewählten Chöre bie möglichst größte Abwechselung biete; gleich­wohl konnte sie nicht verhinbern, baß einige Chöre boppell zum Vortrage gelangen werden.

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Briefkasten der Redaktion.

(Anonyme Anfrageu bleibeu unberücksichtigt.)

G. Die neue Hessische Landeshypothekenbank wurde mit einem Nominalkapital von 4 600 000 Mark, von denen etwa 3 SDUllionea sofort emgezahlt sind, gegrünbet. Ter hessische Staat übernimm/ vom nominellen Grutidkapual 85 pCt., vom eingezahlten 68 pCt

über bie Donau aber beit Rhein (vom romantischeren Mississippi gar nicht zu reden) leichthin promenieren kann, ohne verschluckt zu werden, so ist das für mich ganz zweifel­los von Nutzen. Oder wenn ich eine Nordseepartie doch wozu diese honigsüßen Eventualitäten auskosten, wo ich vorderhand mit der bitteren Erkenntnis rechnen muß, weder wasserdicht noch luftleer zu sein?

Professor Sommer malt zahlreiche Argumente und Konsequenzen aus, die für die praktische Rentabilität und 9totwendigkeit dieser Problemlösung sprechen. So hat er eH, wie viele gleich ihm, bei Wanderungen oft als starke Hemmung empfunden, bad man durch schmäle Wasserflächen zu grotzen Umwegen genötigt wird. Manchmal zwingen Flußläuse in den Städten zu zeitraubenden Rundzangen, weil die wenigen Brücken durch allzuweite Intervalle von einander geschieden sind. Ebenso störend war mir so schreibt er bei einer norwegischen Reise, welche mich durch Telemarken führte, die Nottvendigkeit, wegen relativ kleiner Seen mit auegebuchteten Rändern große Uferstrecken zurücklegen zu müssen, während ein Weg über den See die Strecke bedeutend gekürzt hätte. Dazu kommt, meint er, daß durch unfreiwillige Uferpartien dieser Mt, die von der Mitte des Sees fernhalten, viel landschaftliche Schön- hett verloren geht. Auch sei die Schönheit vieler Seen (z. B. im Norden und Nordosten Deutschlands) mangels geeigneter Transportmtttel völlig unausgeschlossen. Diese unentbedten, weil unzugänglichen Gebiete landschaftlicher Wunder, deren es weit mehr gtttt, als sich bie Schul- und Bädeker-Weisheit der Wanderfexen und Geographen träumen läßt, könnten erst durch eine Erfindung erobert werden, die das Gehen auf dem Wasser ermöglicht. Neben den sonstigen Vorteilen realer und idealer Natur, bie aus solch einer Erfindung resultieren mühten, ergäbe sich zunächst auch chre besondere Verwendbarkett im praktischen Ver- kehrsdicnst. In den Kolonien beispielsweise, wo die Fahr­straßen fehlen, könnte sie das wichtigste und bequemste Kommunikationsmitte-l werden. Mer in erster Linie wäre sieein persönliches Instrument zu beliebiger Bewegung auf Flußläufen und Seen". Professor Sommer geht weiter. Er schreibt der Wassergeh-Erfindung sogar die Möglichkeit einer zettgeschichtlichen oder, sagen wir, kriegspolitisch- revolutionären Bedeutung zu. Die Machtlosigkeit der konti­nentalen Staaten England gegenüber beruht lediglich, meint er, auf der kaum angreifbaren Lage der englischen Inseln. Diese Situation nötigt die kontinentalen Staaten, die Ent­scheidung auf dem Gebiete bev Meeres zu suchen, auf dem sie auch vereint der englischen 9Nacht kaum je (?) gewachsen sein werden. Die inbireite, wirtschaftliche Form des Kampfes, die Napoleon I. gewählt hat, als er die Kontinentalsperre statuierte, war vergeblich; keine Macht vermochte zu verhindern, daß beispielsweise alle wichtigen Posten auf dem Mtttelmeerwege nach Indien in Englands Hunde fielen. Gelänge es nun, kalkuliert Professor Sommer, den Kanal, per Großbritannien vom Festlande trennt, per pedes zu überschreiten, so wäre England plötzlich einer massenhaften Invasion vom Kontinent her ausgesetzt und die AngrisfSmethoden des Landkrieges könnten mit ent­sprechender Modifikation auf das Jnselreich wandt

in Gießen nach den Angaben des Professors fertigte. Ok­tober 1JOl fanden im Volksbade zu Gießen die erften Ver­suche statt, die nach technischen Ergänzungen und kon­struktiven Verbesserungen allmälig vollständig gelangen und somit dasProblem des Gehens auf dem Wasser" als ge­löst erscheinen ließen. Man kann nun also, versickert der Erfinder, mit den Sommer'schenWasserschuhen" Fluß« läuft und Seen gefahrlos überschreiten. Ob sich die In­struktion auch zu Spaziergängen über Meeresteile eignen wird, kann erst bie korrigierende Praxis lehren. Und die Geschichte der menschlichen Erfindungen besagt, tote man weiß, zur Genüge, daß bie weitere praktische Entwicke- lung gesetzmäßig fortschreitet, sobald einmal das Haupt- Problem durch eine zweckmäßige GrundEonstruktion richtig gelöst worden. . .

lieber den Apparat selbst muß auch em Wort gesagt werden. Er besteht aus zwei Schwimmkörpern (Wasier- schuhen"), die aus Tannenholz und Eiche gefertigt furo, hat die Gestalt zweier Schiffchen, die sich keilförmig nach unten zuspitzen (obere Basis 25 Zentimeter breit und zwet Zentimeter dick, Seitenwände 32 Zentimeter breit und ein Zentimeter stark); sie sind zwei Meter lang und mtt hohen Stützen aus Mannesmannstahlrohr, mit Hand­griffen aus Hartgummi, mit Steuerrudern am Hintersteven, mit Puffern am Vordersteven, mit was«erdichten Lotten und mtt einem Kiel versehen. Also großmachtige Was, er- chlittschuhe, wenn man will, die sich wie ?i^tt>immeitöe Holzscheite ausnchmcn, ober gigantische Holzgalostyen, tue oben horizontal geschlossen sind und nach unten hin spitz

ferner vermerkt werden bafi ber Sontan« -waenieur Thvmas William PES uniJtayitan Paul Bay. £tr 1RA3 älmlicke Wasserstiefel" konstruierten, Die aber vom Standpunkt physiologischer Mechanik und auch praktisch wenig in Betracht kommen; fte haben im Gegen,atz zu bpm dreieckigen Sommer'schen einen runoen Querschnitt und Operieren unter anber'ennut Flößern. Eine °n°lA prfinbuna hat der Wiener Moritz Ritter v. ^abel 1894 anaemefbet, bereu praktische Verwendbarkeit Professor Som­mer in fünf Punkten bestreitet. Bon diesen beiden Ver­suchen erhielt er erst nach Fertigstellung seines Modells durch das Patentamt Kenntnis. Auch mag es interessieren, daß sich vor nicht gar langer Zeit in ben Hauptstädten cut Kapitän namens Großmann, ein Wasserartist sozusagen, auf zwei schwimmenden Zinkröhren als Wasserläuftr pro­duziert hat. Wer bas gehört mehr ins Kapitel der Bauch-

werden. Dabei käme in Betracht, baß die Erfindung als sozusagen persönliches Fortbewegungs-Instrument an zahl­losen Stellen Landungen gestatten würde, was den Kriegs­schiffen, die von besonderen Hafenverhältnissen abhängig sind, natürlich nicht möglich wäre. Die eminente Verwend­barkeit der Wassergeh-Erfindung zu Kriegszwecken springt also mit kautschukartiger Schnellkraft in bie Augen. Wir­er tapp en uns aus einem Lächsln, auf einem skeptischen, vielleicht bornierten Lächeln, das wir aber sofort wieder von den Lippen wischen. Denn der Verfasser konkludiert: Den Spott derftnigen, die bei einer Erfindung nur das Gegenwärtige sehen und die theoretisch möglichen Folgen als phantastische Einbttdungen ablehnen, will id) gern hin- nehmen und die weitere Entwicklung der Ssche getrost der Zukunft überlassen."

Dietoeitere" Entwicklung? Ja, hat sich denn htcr bereits etwasentwickelt"? In der Tat. Der angenehm gespannte Leser wird verzeihen, daß ich ihm dies nicht gleich verraten habe. Professor Sommer ist nämlich seit dem 18. dlovember 1901 Inhaber des deutschen Reichs­patents Nr. 130174. Das heißt: er hat die Wassergeh- Erfindung, von der hier bie Rede war, bereits gemacht. Dabei ist er von feinen Untersuchungen über bie Musbrucks- bewegungen*) des Menschen ausgegangen, die er in seinem Lehrbuch der pfi)cho-pathologrschen Untersuchungsmethoden und in seiner Diagnostik der Geisteskrankheiten bargelegt hat. Dies führte chn auf eine vergleichende Betrachtung der Mderstände, bie sich den Bewegungen des menschlichen Körpers in verschiedenen Medien entgegenstellen. So ge­langte er zu dem Problem der aktiven Fortbewegung tm Wasser und zur Konstruktion eines Wparates, der bas Gehen aus dem Wasser ermöglicht. Dabei waren technische Teilprobleme zu lösen, die sich hier nur ganz knapp hersagen lassen; nämlich: 1. Suspension d-S spezifisch schwereren Körpers über der Wasseroberfläche. 2. Dalanzierung des vertttal auf dem Wasser stehenden Körpers. 3. Eive Fort­bewegung. 4. Willkürliche Aenderuna der Richtungslmie. Jeder Fuß des Wassergehers mußte also zunächst mit einem Suspensionsapparat versehen werden. Beide Fußapparate zusammengenommen hätten natürlich so viel Wasser zu verdrängen, daß das Körper- und Apparatgewicht dem Gewichte des verdrängten Wassers gleich oder nahezu gteid)* käme. Um bie aktive Bewegung lediglich durch MuZleltätig- kett der Deine (ohne außermenschliche Kräfte, wie Wind, Dampf, Elektrizität usw.) mögftch zu machen, mußte bie Reibung der Apparate im Wasser auf ein Minimum re­duziert werden. Tie Gleit-, Bilanzier- und Lenkfählgkeit ließ sich burch sinnreiche Berechnungen, die zu^prakttsa^n Konstruktionen führten, allmälig erzwingen.

Möglichkeit eines Tahingleitens in felb!rgeway.t^r tung, etwa wie mit Schneeschuhen über Schneeftä^en, durey, Schreitbewegungen der Bettie ohne Ruderhilft gegevcn unu gleichzettig die Gefahr eines Umfallens nach vor-, ruck- ober seitwärts vorgebcugt. Winter 1900 kam em Mod-.ll zu stände, das der Adechaniker der psychiatrischen Sui.m

*) Bewegungen, bie als Begleiterscheinungen ober äls Abdruck physischer Zustände entstehen.

tänze. .

Nach aff dem läßt sich prophezeien, daß wir wohl bald Gelegenhett haben werben, zu Fuß nach Amerika zu wandern oder über das Rote Meer zu promenieren, ohne auf die entgegenL)Mmende5^öflichkeit einer <£bb: spekulieren zu müssen. Zu Fuß. Per pcdcs apostolorum. Und wst ' ' Eingangs zitierte Bibelstelle beweist, tyaben uns bie Aposteln auch diese Sensation in durchaus genialer Weise vorweggenommen. Anton Lindner

(im Wiener Fremdenblatt).