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Werreickffe der hiefige amerikmttsche Botschafter ein Memorandum, wonach die venezolanische Regierung den Vorschlag gemacht hat, die gegen sie erhoben-»n Reklamationen auf dem Wege des schiedsgerichtlichen Verfahrens zu erledigen. Den gleichen Vorschlag übermittelte die amerikanische Regierung der britischen und der italienischen Regierung. Der Vorschlag wurde von den drei Mächten unter gewissem Vorbehalt angenommen. Dabei verständigten sich diese, das Schiedsamt in erster Linie dem Präsidenten Roosevelt zu übertragen, gleichzeitig aber auch das Haager Schiedsgericht als geeignete Instanz zu bezeichnen, da es von vornherein nicht ausgeschlossen erschien, daß Präsident Rosevelt die Uebernahme des Schiedsamts aus sehr gewichtigen Gründen ablehnen könnte Dementsprechend wurde in die der hiesigen amerikanischen Botschaft am 23. Dezember übergebene Antwort folgender Passus auf- genonnnen: „Auch würde die Regierung es mit Dank erkennen, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten geneigt sein würde, das Schiedsamt unter den angegebenen Voraussetzungen zu übernehmen Sollte hierzu der Präsident der Vereinigten Staaten zum Bedauern der Regierungen nicht geneigt sein, so sind diese auch bereit, die Angelegenheit dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten." Erklärungen gleichen Inhalts wurden von England und Italien ab- aegeben. In einem Schreiben vom 27. Dezember hat sich darauf der hiesige amerikanische Botschafter über die Stellung des Präsidenten Roosevelt zu den Vorschlägen der drei Mächte folgendermaßen erklärt: .Der Präsident schätzt außerordentlich die von den betheil,gten Mächten an ihn ergangene ehrenvolle Aufforderung, ihre gegenwärtigen Streitigkeiten mit Venezuela als Schiedsrichter zu schlichten. Er wäre glücklich gewesen, dem Wunsch der Mächte zu entsprechen und seine besten Bemühungen zur Erreichung dieses Gedankens anzuwenden; wenn sich nicht ein anderer und besserer Weg zur Beendigung der Streitigkeiten geboten hätte. Der Präsident ist aber immer der Ansicht gewesen, daß der ganze Streit dem hohen Schiedshof im Haag zu unterbreiten sei, seit dieser Schiedshof von den wichtigsten Mächten der ganzen Welt eingesetzt sei, um Fälle der vorliegenden Art, bei denen es sich weder um Fragen der nationalen Ehre, noch um Gebietsabtretungen handelt, zur Ent. scheidung zu bringen." Aus diesem Schriftwechsel ergiebt sich, daß Präsident Roosevelt keineswegs die Vorschläge der drei Mächte zuruckgcwicsen, sondern von den beiden in Aussicht genommenen Wegen den ihm geeignet erscheinenden bezeichnet hat. Meine Herren, ich habe vorhin gesagt, daß in der venezolanischen Angelegenheit zwischen Deutschland, England und Italien volles Ein- Arnehmcn herrscht. Ich möchte besonders betonen, daß die deuffche Regierung und die englische Regierung in gegenseitiger Loyalität bargegangen stnd. Um so auffälliger ist die Erscheinung, die ja Ihnen, merne Herren, nicht entgangen sein wird, daß neuerdings mn Therl der englischen Presse die deutsche Betheiligung oder Nicht- Bethciligung an dieser oder jener schwebenden politischen Frage nicht selten ohne Objektivität und hier und da mit deutlichem Uebelwollen beurtherlt. So war es z. V., als bekannt wurde, daß England gegen die Erlaubniß zur Durchfahrt russischer Torpedoboote durch die Dardanellen bei der hohen Pforte protestirt hatte. Daß Deutsch- land nicht auch protestirte, wurde bon manchen englischen Blättern 2 i deutscher Feindseligkeit gegen Englaiid gedeutet, obwohl doch Jeder, der unser Interesse an guten freundnachbarlichen Be- zrehungen zu Rußland zu würdigen weiß. Jeder, der die traditionelle
deutsch- Politik gegenüber Politischen Streitfragen auf der Balkan - balbinsel und im Orient kennt, Jeder, der auch nur die geographische Lage berücksichtigt, in orientalischen Angelegenheiten von uns nichts Anderes erwarten darf, als eine friedliche, unparteiische und strikte Neutralität, welche für keine der im Orient näher bcrhciligten Mächte irgendwelche Feindseligkeit enthält.
Noch merkwürdiger war es, daß sich die englische Regierung in Folge ihres Zusammengehens mit uns im eigenen Lande ernsthaften Angriffen ausgesetzt sah. Denn bei der gemeinsamen Aktion gegen Venezuela handelte eS sich doch um eine nach Umfang und Zweck von vornherein beschränkte und genau definirte Mion, durch welche den gleichartigen, verletzten Interessen der Angehörigen beider Länder gegenüber einem nicht gutwilligen Schuldner Genüge geleistet werden sollte. Nichts- deswweniger hat das Vorgehen Englands an der Seite Deutschlands in manchen englischen Blättern, in manchen englischen Reden Answß erregt, und ein wild gewordener Poet von großem Talent (große Heiterkeit) hat sich in Folge dessen sogar zu Verbalinjurien gegen uns verstiegen (Heiterkeit). Ich halte es für nützlich m. H., mich über diese Erscheinungen ganz offen auszusprechen. Diese Erscheinungen find doch nur zu erklären aus einer gewissen Erbitterung des englischen Volkes, die
wiederum zurückzuführen ist auf die sehr hefttgen Angriffe, die ein großer Theil der konttnentalen Presse während des südafrikanischen Krieges gegen England gerichtet hat.
Vielleicht, m. H., haben deutsche Blätter nicht einseittger theil- genommen als französische, belgische, russische und italienische. Ich weiß auch wohl, m. H., daß angesehene Organe der deuffcheu öffentlichen Meinung — ich habe ja dabei selbst mitgeholfen — immer wieder an die alte Weisheit erinnert haben, daß Politik, und namentlich auswärtige Polittk, mit dem Kopfe und nicht nach dem Gefühl geführt werden kann, und wenn der Abg. v. Vollmar gesagt hat die deutsche Politik gegenüber dem südafrikanischen Kriege wäre nicht in Uebereinftimmung mit dem Volksempfinden gewesen, so nehme ich gar keinen Anstand auch heute zu sagen, wie ich es mir zur Ehre rechne, daß ich auch in diesem Falle unsere Politik zugeschnitten habe lediglich nach den dauernden deutschen Interessen. Durch solche Volkserregungen, meine Herren, wird in allen Ländern den Vertretern der auswäriigen Politik ihre Aufgabe sehr erschwert. Wenn vor 1900 Jahren der aute Horaz gejagt hat, quidquid delirant reges, plectuntur Achivi, so liegt die Sache heute eher umgekehrt (Heiterkeit): heut- flutage sind es meist die Achivi, die es „anrichten" und die reges sollen es hinterher „ausmachen". (Heiterkeit.) Deshalb haben die Könige und Staatsmänner gerade dann die Pflicht, Besonnenheit, kaltes Blut und ruhiges Uriheil zu bewahren, wenn die Achiver sich ihren Leidenschaften überlassen und deshalb freue ich mich, sagen zu können, daß in den Beziehungen zwischen den Monarchen und zwischen den Kabinetten von Berlin und London keine Aenderung eingetreten ist, daß dieselben sich in den alten bewährten, besonnenen und freundlichen Bahnen bewegen. Und ich hoffe, meine Herren, daß mit der Zeit sich auch die öffentliche Meinung hüben und drüben wieder beherrschen lassen wird von dem Gedanken: wenn auch jede der beiden Mächte mit ihren Wetthändeln für sich allein fertig werden kann.
fo daß feine bet andern nnchzulanfen braucht, so find fie doch durch viele und schwerwiegende Interessen darauf hingewiesen, sich in Freundschaft zu »ertragen, so gicbt eS doch eine Reihe von Punkten, wo, wie jetzt in Venezuela, beide ohne jede Gefahr für ficfi selbst, für ihre sonstigen Beziehungen und für den Weltfrieden Nch auf derselben Linie bewegen können. (Beifall.)
Abg. Hilpert (bairischer Bauernbund, sehr schwer verständlich.) Bei den Handelsverträgen schon haben meine Freunde vorans- gejagt, daß solche schlechte Zeiten kommen würden. Mit der bisherigen Schuldentilgung kann es nicht weiter gehen, wir müssen viele Abstriche an dem Etat machen. An dem Reichstagswahlrecht lassen wir auch nicht rütteln, lieber will ich auf die Diäten verzichten. Es wird so viel von Heimathpolitfi gesprochen, die beste Heimathpolittk ist die, die Handelsvertrag« so zu gestalten, daß der Bauernstand erhalten bleibt
Abg. DaSbach (Ctr.): Der ganze Reichstag wird dem Reichskanzler dankbar sein für das in Aussicht gestellte Gesetz zum Schutze des Wahlgeheimnisses, vielleicht mit Ausnahme der Konservativen. Besonders dankbar werden die Wähler fein. Bedauerlich ist nur, daß der Bundesrath 11 Jahre lang für ba§ Gesetz gebraucht hat. Der Kaffer hat gewünscht c5 möchten Arbeiter in den Reichstag geschickt werden. Wie ist dies aber möglich, so lange keine Diäten gezahlt werden. Weshalb nimmt der Bundesrath noch immer nicht unseren Diätenantrag an, zum Ansehen des Reichstags kann das doch nicht dienen. Pflicht des Reichskanzlers wäre es, dem Kaiser zu sagen, daß ohne Anwesen- hcitsgelder kein Arbeiter in den Reichstag kommen kann. Der Reichskanzler lobte unsere Arbeiterschutzgebung, das Hauptverdienst daran hat aber das Centrum. Drückten doch endlich auch die anderen Centrnmsanttäge die gleiche Beachtung finden I Der Reichskanzler sagte ferner, bei uns gäbe es keinen Absolutismus. Was bedeutet denn das bei uns gefallene Wort: lex suprema regis voluntas ? Ich protestire energisch gegen ben Ausspruch VollmarS, daß uns Alles zuzuttauen ist. Dem Zentrum ist nichts Schlechtes zuzuttauen (Hetterkeit), seine Geschichte steht seit 30 Jahren glänzend da, es ist die Frage, ob Ihre Geschichte (zu den Sozialdemokraten) jemals so glänzend dastehen wird. Herr Sattler sagt, Centrum ist Trumpf, das ist leider nicht wahr, fortgesetzt werden sowohl hier als im Abgeordnetenhause unsere wichtigsten Wünsche nicht erfüllt. Redner geht auf preußische Schulverhältnisie ein und wird darauf vom Präsidenten aufgefordert zum Reichsetat zu sprechen. Leider ist noch immer kein strengeres Gesetz gegen das Duell erfolgt, trotz aller Resoluttonen des Reichstags. Das Duell ist vorbedachter Mord, wenn man in England ohne das Duell auskonmtt, muß man das bei uns doch auch. Der Bundesrath würde sich um die Gesittung des Volkes verdient machen, wenn er ein sttenges Gesetz gegen das Duell uns einbringen wollte.
Hierauf vertagt das Haus die weitere Berathung auf Mittwoch 1 Uhr.
Schluß 5 Uhr.
Parlamentarisches
Oldenburg, 20. Jan. Ter Landtag beschloß mit 20 gegen 19 Stimmen den Antrag Ahlhorn auf Einführung des geheimen und direkten Wahlrechts im Großherzogtum der Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen.
Volltische Tagesschau.
Die deutsche Partei
hielt am 28. d. Mts. in Stuttgart, wie wir bereits kurz meldeten, ihre Landesversammlung ab. In feinem Bericht über, die Arbeiten des württembergifchen Landtages bemerkte Herr v. Geß: Die Deckung des Defizits im Staatshaushalts-Etat durch Anlehen sei bedenklich. Bei der allgemeinen außerordentlichen Lage aber sei auch ein außerordentliches Deckungsmittel einigermaßen gerechtfertigt. Freilich werden auch in Zukunft die Eisenbahnen sich nicht verzinsen, da ja in den nächsten Jahrzehnten 151 Millionen außerordentliche Aufwendungen gemacht werden müssen. Die Fraktion empfehle daher nach wie vor den Anschluß an die preußisch-hessische Eisenbahngemeinschaft. Bei der Steuerreform halte dieselbe an dem Maximaltari von 6 Prozent fest; die Kammer werde ja, um das Geset retten, der Regierung und der Ständekammer entgegenkommen, doch glaube er nicht, daß man auf den Satz der Regierung von 4,5 Prozent herabgehen wolle. Hinsichtlich des Budgetrechtes hoffe er, daß eine Einigung auf Grund des Payer- schen Vorschlages zustande kommen werde. — Die Versammlung nahm schließlich folgenden Anttag an: „Der Landes- Ausschuß wird beauftragt, die Frage des Anschlusses der württembergifchen Staatsbahnen an die preußisch-hessische Eisenbahn-Gemeinschaft im Auge zu.behalten und keine Ge- legenhett zu versäumen, die Eisenbahnfrage in Fluß zu halten.^
5er deutsche Kronprinz in Rußland.
Wie aus Petersburg gemeldet wird, gab der Kronprinz infolge leichter Erkältung die in Aussicht genommene Reise nach Nowgorod zum Besuche des Infanterieregiments „Wyborg", dessen Chef der deutsche Kaiser ist, auf. Er besinnt sich aber jetzt wieder ganz wohl und soll nur vorsichtshalber heute (Mittwoch- noch das Zimmer hüten. Ter Kaiser und die Kaiserin statteten dem Kronprinzen nachmittags einen Besuch ab, ebenso der Groß- I^^-sThronsolger sowie Graf und Gräfin Alvensleben.
Tie ,Loln. Ztg." meldet aus Petersburg vom 19. Jan.: dem Kronprinzen dem Kaiser Nikolaus Überreichte ^.cht.sf smodell ift über einen Meter lang und erläutert a!a kleinsten Einzelheiten sowohl die Armierung Pi» q1' • sonstige Ausrüstung und kann somit auch al» t” ifel$en des besonderen Vertrauens der zur russischen Marine an- gesehen werden. Es ift ein weiterejs Mied in der «eile, welche durch die Flottenmanöver von Tan ig u. d Reval geschaffen worden ist."
<£Uiä yiuüt uui) LanS.
Gießen, den 21. Januar 1908.
- Gedenktage. Vor 99 Jahren, am 21. Januar 1804, wurde zu Wien der Maler und Zeichner Moritz von Schwind geboren. Bei Ludwig Schnorr erhielt er Zeichenunterricht und beteiligte sich unter Cornelius in München an den malerischen Ausgaben der entstehenden Prachtbauten. Hervorragendes leistete er bei der Ausschmückung der Wartburg nut bec Darstellung des Sagenkreises der heiligen Elisabeth. Seine populärsten Werke sind unstreitig die Kompositionen zu deutschen Volksmärchen: ^Aschenbrödel", die „Sieben Raben" (im Museum zu Weimar) imb die „Schöne Melusine" (Kaiserliche Galerie Wien).
Mitte zu Mitte. Diese dunklen Stellen enthielten vielfach Kohlenreste und berechtigten zur Annahme, daß hier vor Zetten Pfähle eingesetzt waren, bei deren Bearbeitung man Feuer zur Hilfe genommen hatte. Auf der Ostsette fehlten auf einer Streue von etwa 6 Meter diese Flecken. Der Grund dafür mag darin zu suchen sein, daß der Boden hier von sehr festen Schichten durchzogen war, in die man mit den Werkzeugen der Bronzezeit nicht eindringen konnte. Die Pfähle hatten, wie sorgfältige Untersuchung zeigte, eine durchschnittliche Brette von 0,30 Meter. Da Dr. Ko fler, dem die Leitung der Untersuchung übertragen war, in dieser Pfostenstellung eine Wohnstätte vermutete, ließ er, um sie genau untersuchen zu können, alle über dem Urboden lagernde Erde von innen heraus über den Außenrand des Hügels werfen. Bei dieser Gelegenhett wurden auf der Südseite dev Hügels, 5 Meter vom Mttteb- punkt entfernt, Grabstätten gefunden. Bei der ersteuj war man 40 Zentimeter tief unter der Oberfläche des Hügels auf zwei Zähnchen eines Kindes gestoßen, die durch ein dicht dabei liegende kleine röhrenförmige Bronzespttale sich erhalten hatten, und grün gefärbt waren. 1,80 Meter westlich davon entfernt lag auf gleicher Höhe ein verbogener Handring aus Bronze, in dessen Nähe viele stark verweste Knochenreste gefunden wurden, und 1,30 Meter östlich von den Zähnchen, über 1,40 Meter tief im Boden lagen zwei ganz enge Bronzespiralen, die allem Anschein nach die Armringe eines Kindes gewesen waren. In der Nähe sanden sich einige Scherben von Tongefäßen. Der ganze von den Pfosten umschlossene, 113 Quadratmeter große Raum enthielt keine wettere Grabanlage, ergav aber auch keine Spur von einer Wohnstätte. Nur in ber Mitte des Hügels, 0,42 Meter unter ber Oberfläche, zeigte sich eine von Ost-Nord-Oft nach West-Süd-West gehende 2,60 Meter lange, 2 bis 2,20 Meter brette, 0,25 bis 0,40 Meter starke Schicht von kohlschwarzer, rußiger Erde, die mit einzelnen Kohlenstücrchen durchsetzt war, ober keine Spur von Knochen, weder von verbrannten noch von un- verbrannten enthielt. Mitten darin fand man einige Scherben auf einem Häufchen beisammen liegend, lieber ben Zweck dieser Anlagen brachten die Untersuchungen bis jetzt keine Klarheit. Wollte man hier eine Wohnstätte für dauernden Aufenthalt annehmen, so fehlen die Hauptmerkmale, die sich in den Wohnstätten der Stein- und Bronzezeit vorfinden. Tie Pfähle konnten auch nicht zu dem Zweck auf gestellt worden sein, um ein Grab vor dem Angriff durch wilde Tiere zu schützen, denn die gefundenen Grabstätten liegen am äußersten Rande ber Pfoftenstellung. Ebensowenig darf man annehmen, daß sie einen Brandplatz für Leichen umschlossen, da ich in den bis jeyr geöffneten Gräbern biefer Gnrppe nur Skelettgräber Dorgcfunoen haben. Auch für die Aw- nähme, daß es eine Opferstätte gewesen sei, fehlen die Beweise. Weitere Untersuchungen in den übrigen Hügeln oer Gruppe dürften wohl Aufschluß über den Zweck dieser Anlage bringen.
Kunde in «Hügelgräbern.
Offenbach, 19. Jan.
Neber die Ausgrabungen im südlichen Teile des Kreises Offenbach wird der „Köln. Ztg." geschrieben: In der Nähe des Forsthauses Baierseich wurden wieder auf Befehl des Großherzogs einige Hügelgräber geöffnet. Es wurde eine Anzahl Tongefäße, Waffen und Schmuck- gegenstände gefunden, die sänttlich derfrühenBronze- z e i t angehörten. Tie Hügel bestanden zumeist aus Sand, welcher der nächsten Umgebung entnommen war. Ihr Umfang betrug zwischen 50 und 65 Meter, die Höhe 0,60 bis 1,10 Meter. Jeder Hügel enthielt mehrere Grabstätten, teils auf, teils über dem gewachsenen oder Urb oben, zum Teil aber auch tief in ihm ein gegraben. Da sich nirgends Spuren von verbrannten Leichen vorfanden, muß man aunehmen, daß sämtliche Gräber Skelettgräber waren, obschon sich fast überall nur da Knochen zeigen, wo sie mit der konservierenden Bronze in Berührung gekommen waren. Die bevorzugte Lage der Leiche war entweder von Ost-Noro-Ost (Kopf) nach West- Süd-Weft oder von Süden nach Norden. Sie konnte in der Regel nur durch die Lage ber Beigaben bestimmt werden. Es befanden sich^darurtter mehrere kleine Tongefäße, zwei Messerchen aus Flinr- ober Feuerstein und mehrere Feuerftemsplitter, an Bronzegegenftänden: mehrere Nadeln der ältesten Form, ein ganz kleiner dreieckiger Dolch mit Uebcrrefien der Holzscheide, ein großer, schöner Dolch und ein dolchartiges Messerchen, ein Randkelt und ein Absatzkelt, ein offener Handring, die Armspiralen eines Kindes, mehrere Anhänger, spiralförmig sowohl nne glatt, zwei Spiralen, ein durchbohrtes, geschliffenes Stück Bernstein usw. Eine bis jetzt noch nicht beobachtete Erscheinung bot einer der östlichen Hügel der von Ost-9Lord-Oft nach West-Süd-West ziehenden Gruppe. Er hatte einen Durchmesser von 20 Meter und eine durchschnittliche Höhe von 0,65 Meter. 6 Meter von seinem Mittelpunkt entfernt zeigte er fast ringsum auf dem weißen Sande des Ur- bodens dunkle, kreisrunde Flecken von etwa 30 Zentimeter Durchmesser in 0,80 bis 1,10 Meter Abstand von
Der „Panther".
brlin, 20. Jan. Tie Poa sprecht: Bis heute mittag war an hiesiger amtlicher Stelle noch keine Meld- ung über em en Kampf zwischen dem deutschen Kanonenboote „Panther' und dem Fort bei Maracaibo eingegangen. Hterans darf man wohl bcn Schluß ziehen, daß der ganze Kämpf sich auf einen unbedeutenden ziugel- Aechsel beschrankt hat, sodaß für den „Panther" keine Veranlagung vorlag, ]einen Posten vor Maracaibo yt verladen.
die Nachricht von dem erfolglos gebliebenen Versuch des Kanonenbootes „Panthei?', in den Hafen von Maracaibo einzudringen, ist nach dem „Lok.Mnz." der große Kreuzer „Vineta" dorthin abgedaurpst.
Berlin, 20. Jan. Im preuß. Abgeordnetenhause wurde heute der Etat erledigt und die üblichen Teile desselben der Budgetkommifsivn überwiesen. Finanz Minister von Rheinbaben erklärte, int Falle Löhnmg sei nicht ber Kastengeist entscheidenb gewesen, nicht die Verlobung mit einer Feldwebeltochter sei der Grund zur En t- lassung Löhnings gewesen, sondern nur seine politische Haltung. Die Regicrimg müsse verlangen, daß jeder ihrer Beamten sie unterstütze.
,— Tie Geschäftsordnungs-Kommission des Reichstages wählle heute vor der Plenarsitzung den Abg. Roer en (Ztt.) endgiltig zum Vorsitzeirden, &um Stellvertreter Herrn von Normann (kons.). Zur Einleitung des Sttafverfährens gegen den Abg. Simon Eckart (südd. Wp.) äus Ansbach, ferner zur Ladung der Abgg. Stocker (fraf- ttonslos) und Tutzauer (Soz.) als Zeugen vor die Sttaf- kammer zu Königsberg wttd die Genehmigung versagt. Endlich wird unter lebhafter Besprechung der bei ben letzten Zolltarif-Verhandlungen des Hauses prak- ttsch gewordene Uebergang zur Tagesordnung nach Attträgen auf Vertagung und Schluß für unzulässig erklärt.
Berlin, 21. Jan. (Telegr. des Gieß. Anz.) Der „BorwäriS" giebt eine Erklärung der sozialdemokratischen Fraktion wieder, die gegen das Verhalten des Präsidenten Grasen Ballestrem in der gestrigen Reichs- tagiösitzuna Verwahrung einlegt.
Berlin, 20. Jan. Im preuß.


