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20.11.1903 Erstes Blatt
 
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außer der verwitweten Herzogin Ataria Koburg-Gotha und der ehemaligen Herzogin von Hessen die Kronprinz

von Rumänien ein. Heute srüh kamen Prinz und Prinzeß Heinrich von Preußen an, fuhren mit ihren Verwandten, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl, die am Bahnhos waren, nach deren Palais und setzten dann später die Reise mit dem russischen Hof­zuge ab Sachsenhausen fort. Prinz Heinrich sprach lange und lebhaft mit dem 1. Vorsteher des Haupt- bahnhofes. Er war erstaunt, zu hören, daß das russische Kaiserpaar nicht im Zuge sei, daß vielmehr die Kaiserin abgehalten wurde, nach Darmstadt zu kommen.

Oberbürgermeister Mecum erhielt heute folgende Depesche:

Der Bürgerschaft und der Vertretung der Stadt Gießen danke ich herzlich für die treue Teilnahme an meinem tiesschmerzlichen Verlust.

Ernst Ludwig.

Zum ehrenden Gedächtnis der verewigten Prin­zessin Elisabeth, hielten wie wir bereits gestern drahtlich meldeten, tue Stadtverordneten Darmstadts am Donnerstag mittag eine besondere Sitzung ab. Der Saal war mit dem von Palmen und Trauerflor umgebenen Bildnis der teueren Toten geschmückt. Oberbürgermeister Morneweg hielt eine kurze, ergrei­fende Gedächtsnisrede, m der er hervorhob, wie furchtbar tragisch in den jüngsten Wochen das Schicksal über uns gespielt und den Freudentagen der Ver­mählungsfeier Tage tiefen Schmerzens folgen ließ. Die Schatten, welche die Erkrankung des Kaisers brachte, seien Gott sei Dank wieder ent­schwunden und man dürfe in Bezug auf den Kaiser mit froher Hoffnung in die Zukunft blicken. Um so tiefer und furchtbarer sei jetzt der zweite Schlag, der plötzliche Verlust des Lieb­lings unseres Großherzogs und des ganzen hessischen Volkes. Die Stadtverordneten seien zusammenge­kommen, um dem so schwer geprüften geliebten Landes­herrn ihn herzlichstes Belleid auszusprechen. Zum ehrenden Andenken erheben sich sämtliche Anwesende von den Sitzen.

Bürgermeisterei Romrod.

S. K. H. der Großherzog lajsen fiir treue Teilnahme Einwohner Romrods an tießchmerzlichenr Verlust Herz- bmifen. (gez.) Kabinelsrat Romheld.

Mainz, 19. Rov. In der gestrigen Sitzung Stadtverordneten gedachte Oberbürgermeister

Dr. Gaßner des herben Verlllstes, den Se. Königl. Hoheit den Großherzog betroffen hat.In Meinem furchtbaren Leid!* So die letzten Worte des Tele­gramms, in dem Großherzog Ernst Ludwig die Bei­leidsdepesche der Stadt anläßlich des Hinscheidens der Prinzessin Elisabeth erwiderte. Fürwahr, ein entsetz­liches Geschick hat unseren Landesherrn betroffen! Ein frisches, blühendes Kind war es, das er vor wenigen Tagen mit^sich hinausgenommen, eine kurze Zeit noch mit seinen hohen Verwandten, mit denen ihn innige Bande verknüpfen, zuzubringen und heute liegt der Liebling aus der Totenbahre l Das Kind, an dem des Vaters Herz mit allen Fasern hing, sein Trost, sein Einziges, sein Alles. Mitgefühl hat jeden erfaßt, als er vom plötzlichen Tode des Fürstenkindes vernahm, als er des verwaisten unglücklichen Vaters gedachte. Wie tief hat erst jene Nachricht das Hessenland er­griffen! Und gerade uns hier in Mainz, die wir so ost in den letzten Monaten die Freude hatten, unseren Großherzog zu sehen in seiner herzlichen Zuneigung, in feinem warmherzigen Interesse sür unsere Stadt, hat das herbe Schicksal, das jäh über ihn hereinbrach, bis ins Innerste erschüttert. Trost können wir nicht spenden, aber die Versicherung unserer innigsten und aufrichtigsten Teilnahme soll hinüberdringen in den Palast, wo der verlassene Vater nun des Sonnen­scheins entbehren muß, der, von dem Töchterchen aus­strahlend, den verantwortungsvollen Lebensweg des Fürsten vergoldete. Erheben Sie sich, meine Herren, ich bitte, von Ihren Sitzen, zum Andenken an die hohe Verblichene und zum Zeichen unseres verehrungs­vollen Mitgefühls für den Vater, Seine Königliche Hoheit unseren Großherzog !" Die Versammelten er­hoben sich von ihren Plätzen.

Worms, 19. Nov. Einen erhebenden Eindruck machte heute nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr un­sere aus Anlaß der Beisetzung der Prinzessin Elisabeth in die Zeichen tiefster Trauer gekleidete Stadt. Alle Ladenbesitzer waren der Anregung zur Schließung der Ladenfenster gefolgt. Eine Anzahl größerer Gesck)äste hatten die erleuchteten Bogenlampen mit Trauerflor umhüllt. Feierlicher Glockenklang erscholl von den Türmen und der Posaunenchor spielte vom Turm der Dreifaltigkelts- kirche herab einige Trauerchoräle.

Frankfurt, 19. Nov. Prinzessin Beatrice von Koburg traf Mittwoch nachm. 4.45 Uhr mit dem verspäteten Holländer D-Zug ein. Abends 11.10 traf

Auf das an Se. Kgl. Hoh. den Großherzog abgesandte Beileidstelegramm des Gießener Vete­ranenvereins erfolgte folgende Antwort:

Se. Königl. Hoheit der Großherzog lassen den Vete­ranen Gießens für treue Teilnahme an tiesschmerzlichem Verluste herzlich danken.

Kabinetsrat R ö m h e l d.

gr. Romrod, 19. Nov. Auf das heute von den Einwohnern der Stadt Romrod an S. K. H. den Großherzog abgesandte Beileidstelegramm traf im Laufe des Nachmittags folgende Antwort ein:

Darm st nbt, 19. Nov. 1903.

Laternen brannten, und kam bald nach 4 Uhr beim Mausoleum auf der Rosenhöhe an. Dort hatten die Mitglieder des diplomatischen Corps, der Justiz- und der Finanzminister, die Generalität und die Vertreter der Stadt Ausstellung genommen, ebenso vier Kom­pagnien des Leibinsanterie-Regiments Nr. 115 mit Fahnen und der Regtmentsmusik, die beim Heran­nahen des Zuges einen Choral anstimmte.

Bei der Beisetzung des Sarges im Mausoleum hielt Hofprediger Ehrhardt die Trauerliturgie und sprach dann in einer kurzen Gedächtnisrede den vom tiesslen Schmerz bewegten Eltern ergreifende und zugleich erhebende Worte des Trostes zu. Mit einem Choral der Musikkapelle endete die erhebende Trauerfeiec, welcher sämtliche Fürstlichkeiten stehend der Großherzog neben der Großherzogin beiwohnten. Der schwere Metallsarg war vom Parkeingang des Mausoleums an vom Großherzog, dem Großfürsten Sergius, Prinz Heinrich, Prinz Friedrich Karl von Hessen, Prinz Max von Baden, Oberhofmarschall v. Westerweller und Oberstallmeister Frhr. v. Riedesel unter Beihilfe einiger Garde-Unter­offiziere getragen worden. Als vom Sarg die Kränze und Palmen heruntergenommen und auf den mit einem mächtigen Kranz aus blauen Blumen ge­schmückten Rasen vor dem Mausoleum ausgebreitet wurden, stimmte die Knabenchorschule der Hofkirche den ChoralChristus, der ist mein Leben* an.

Nach Schluß der Feier geleitete der Groß- herzog die Frau Großherzogin zu ihrem Wagen, in welchem sie mit ihrer Mutter und Schwester direkt zur Bahn fuhr; die Ver­abschiedung war herzlich.

Später fand im Neuen Palais unter Beteiligung aller beim Begräbnis gewesenen Fürstlichkeiten Familientasel und im Alten Palais Marschall- tafel statt. Prinz Eitel-Friedrich reiste mit dem Schnell­zug 6.4 Uhr abends, Prinz Max mit dem Zug 8.45 Uhr wieder ab.

DieDarmst. Ztg.* meldet: Von dem Kaiser von Rußland ist dem Staatsminister Dr. Rothe folgendes Telegramm zugegangen:

Tief betrübt, daß die Krankheit der Kaiserin uns ver­hindert, nack) Darmstadt zu kommen, um dem Großherzog in seinem Kummer beizustehen, sind wir am Tage der Bei­setzung der zu früh entschlafenen vielgeliebten Prinzessin Elisabeth von ganzem Herzen mit der Bevölkerung von Hessen und bitten Gott den Allmächtigen, uns allen seinen Trost zu gewähren. Nikolaus.

Die Beisetzung.

R. B. Darmstadt, 19. Nov.

Es war ein Akt von tieferschütterndem Eindruck, mit dem sich die feierliche Beisetzung der verewigten Prinzessin Elisabeth vollzog. Die Straßen und der Platz vor dem Bahnhof waren wiederum so dicht nut Menschen besetzt, wie in den frohen Festestagen beim Empfang der hohen Gäste, der Main - Neckar - Bahn­hos war vor dem Eingang zum Fürstenzimmer wieder piit Palmen, exotischen Topfgewächsen und Fahnen­draperien geschmückt und auch vier Eskadrons der hiesigen beiden Dragoner-Regimenter mit Standarten und Rcgimentskapelle präsentierten wieder die Seiten­gewehre aber doch, welch ein anderes Bild! Statt der freiidig ankommenden und harrenden Hochzeitsgäste heute nur ernste, schwarz gekleidete Gestalten, die gold­bestickten Uniformen mit den Zeichen der Trauer ver­sehen und auch die Fahnen nut schwarzem Flor um­hüllt. Auf dem Bahnhos hörte man von der zahl­reichen illiistren Versammlung kaum einen Laut; hier standen die zur Teilnahme an der Trauerseier herbei- geeiUen Vertreter befreundeter Monarchen, darunter die schlanke, kraftvolle Figur des Prinzen Eitel Friedrich als Vertreters des Kaisers, und des Prinzen Max als Vertreters des Großherzogs von Baden. Ferner sah man die Angehörigen des fürstlich Battenberg'schen Hauses und der Schön berg'schen Herrschaften, mehrere Standes- herren, den kommandierenden General von Linde- q u i st , die Divisions- und Regimentskommandeure, Oberhostnarschall v. W e st e r w e l l e r , Generalad­jutant v. Wachter, Oberstallmeister Freiherr von R i e d e s e l, Staatsminister Dr. Rothe u. a.

Unter lautloser Stille fuhr um 3 Uhr der Sonder­zug ein und einige Minuten lang regte sich nichts. Dann betraten Prinzessin Ludwig v. Batten­berg und Prinzessin Andreas, schwarz ge­kleidet, den Wagen des Großherzogs. Hier befand sich auch die frühere Großherzogin Viktoria Melitta, die den Zug in Sachsenhausen bestiegen hatte; im zweiten Abteil desselben Wagens stand der Sarg mit der verewigten Prinzessin. Zuerst entstieg der Großherzog dem Zug, dann die Großherzogin, vom Großherzog an der Hand geleitet. Aus dcniselben resp. dem Nebenwagen entstiegen noch Herzogin Vtarie und Herzog Karl Eduard von Koburg-Gotha, die Kronprinzessinvon Rumänien, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl, Großfürst und Großfürstin Sergius, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen u. a.

Nach gegenseitiger stummer Begrüßung traten acht Garde-Unteroffiziere an den Wagen und hoben den Sarg aus dem geöffneten Fenster heraus. Als dieser durch den Fürstensalon zum Leichenwagen ge­tragen wurde, wobei auch der Großherzog selber mit Hand anlegte, intonierte unter Salutieren der Truppen und der Ehrenposten der Garde-Unteroffiziere die Regimentskapelle einen Choral, und deutsche und russische Beamte trugen aus dem Zuge zahlreiche Palmen und Kränze herbei, von denen der aus weißem Metall gefertigte Sarg dicht bedeckt wurde. Der mit sechs Pferden bespannte Leichenwagen war ganz weiß drapiert und dicht mit weißen Chrysanthemen ge­schmückt; die Pferde trugen lange weiße Decken nut Silberstickerei.

Unter dem Geläute der Kirchenglocken setzte sich der Trauerkondukt in Bewegung und zwar m der bereits mitgeteilten Zugordnung. Unmittelbar hinter dem Sarge schritten der tief bewegte Großherzog, links von ihm Prinz Heinrich, rechts Großfürst Sergius, dann Prinz Eitel-Friedrich, Prinz Max und die übrigen Fürstlichkeiten, sowie der Staatsminister und die Hofstaaten. In den Hof­wagen folgten die frühere Großherzogin, und die Herzogin Marie, Prinzessin Heinrich, Großfürstin Sergius, Prinzessin Ludwig von Battenberg und die anderen leidtragenden Damen.

Der Trauerzug bewegte sich unter stummer Be- grüßung der dicht gedrängten Menschenschaaren durch die schon gestern erwähnten Straßen, in denen die

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Erstes Blatt. 153. Jahrgang Freitag 20. November 1903

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