Ausgabe 
20.6.1903 Viertes Blatt
 
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Nr. 14»

außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesflschen Landwirt die Siebener Lamtlien. blätter viermal in der Woche betgelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Un wers^Buch- u. Steta- biXxUrei (Pietsch Erben-

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Gchnlstratze V.

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Drittes Blatt.

Samstag 2v. Juni 1903

158. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

** General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt fiir den Kreis Gietzen

Vezugspretsr . monatlich 7bPs.,viertel' jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk. 2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ü± die TageLnummer bis vormittag- 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf.

auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für den poltt. und allgem. Teil: P. Wtttko: für .Stadt und 8anb* und .Gerichtssaal^: Auaust Götz; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Kie Rermchtmrg des AetaMste« der gigotten- n«d gigarettenöranch«.

Dis Warenhaussteuer verfolgte den Zweck, das Umsich- ^reifen der große« Warenhäuser htntanzuhalten zum Schutz des ftetnen Zwischenhandters. Aus dem Kleinharrdel und dem Kletngetverbe rekrirtiert sich jene Zahl kleiner Mittel- llas।euexistenzeu, die dem Staute ben Unteroffizier, den Lehrer, den Mechaniker usw., das heißt Elemente liefern, die bei bescheidener Einzelwirtschaft tu ihrer Gesamtheit den gesunden Rückhalt jeder Nation bilden. Was die Warenkäuser im einzelnen und im kleinen darstellen, das stellt der Trust Und insonderheit der amerikanische Tabaktrust im großen dar. Der amerikanische Tabak­trust, der mit allen assiliierten Gesellschaften ein Gesamt- vermögen von ungefähr 1200 Millionen Mark kontrolliert. Null durch Aufkauf eines wesenllichen Teiles des Roh­tabaks, durch Konzentrierung der Produktion wie des Ver­kaufs von Cigarren und Cigaretten in einer Hand ein Weltmonobol für diese Produtte schaffen. Er versucht dies dadurch, daß er im Hlenkbar größten Maße einkauft, daß er in seinen Riesenbettieben rattoneller arbeitet als ein einzelner Fabrikant, daß er jede einzelne der angeglieder- teu Fabriken zur Spezialfaürik macht, durch Spezialisierung der Arbeit Soudervortelle erreicht, daß er' durch Kon-' Zentrierung des Verkaufs prozentualiter den Verschleiß seiner Produkte wesentlich billiger durchführt als ein ein- 'zelner Fabrikant, daß er in einer organisatorisch richttg aufgebauteu Propaganda wesentliche Ersparnisse erzielt, daß er endlich durch. Erwerb der besten Maschinen auch auf diesem Gebiete weitere Vorteile erringt.

Nach Deutschland gekomnren, hat das Duke'scheRiesen- unternehmeu dre Josrnatzi-Fabrik in Dresden aufgekauft, um auf deul Cigarettenmartt Eingang zu finden, hat später durch Fusionierurrg einiger Hamburger Havanna- Ci garreullnporteure zu einem Unternehmen einen Vorstoß unternommen, dahin ab zielend, den Handel in Havanr^a- Cigarren in Deutschland in seine Hand zu bringen.

Tie Vernichtung des Detaillisten in Deutschland wird dann zur Wahrscheüllichkeit, wenn es dem Trust gelingt, so viele eigene Cigarren- und Cigaretten-Marken in den Handel zu bringen, nm eigene Läden mit seinen Produkten eröffnen zu können, beziehungsweise um den zur Deckung seines Bedarfs auf ihn angewiesenen Detaillisten, dessen Interesse dahin geht, jene Produkte zu führen, nach welchen am meisten Nachfrage besteht, veranlassen zu können, die Produkte nicht vertrusteter Fabrikanten nicht mehr zu führen. Kaufmann ist nur derjenige, der nach eigenen Dispositionen Laufen kann, was ihm beliebt, und diese Produtte dort kaufen kann, wo es ihm beliebt. Der Trust hat in den Vereinigten Staaten gezeigt, daß es chm möglich ist, die Detaillisten zu zwingen, jene Produtte ui führen, die er auf den Martt bringt; er hat dadurch deren Selbständigkeit als Kaufleute ein Ende bereitet Diese Gefahr besteht für die Detaillisten der Cigarren- und Cigarettenbranche in Deutschland. In jüngster Zeit haben die großen Fachverbände Versuche gemacht, dem weiteren Umsichgreifen' des Trusts entgegenzutreten, indem sie ent­sprechende Kampffonds ausschieden und in ihrer Fachstresse aufklärend wirkten. Ihnen fehlt jedoch, einer der wichtigsten Bundesgenossen, ,chas große Publikum", welches in letzter Linie den Ausschlag giebt Leider ist die Kenntnis von der Gebarung des Trusts noch nicht in alle Kreise gedrungen, und nicht selten ftndet der Trust in dem patriotisch ge­sinnten deutschen Bürger den besten Bundesgenossen, der durch seine ständige Nachfrage die Detaillisten zwingt, Trust- prvdutte zu führen. Gerade durch das Bonus-System, das

der amerikanische Trust in Deutschland ein führte, wird einem großen »reise von Konsumenten besiondexe Veran­lassung geboten, Tlmstprodutte zu verlangen. Es geschieht das meist des Bonus wegen, und weit weniger um des Produttes als solches willen. Daß ein solcher Vorgang nicht empfehlenswert ist, daß er dahin tendiert, die Basis des gesunden Handels in diesen Produkten zu erschüttern und hiermit an den Grundlagen einer der größten der deutschen Industrien rüttelt, ist selbstevident. Allein das Publikum, von' den Versprechungen des Koupons ver­lockt, begehrt die Trustware und zwingt so den Detaillisten, diese zu führen. In je größerem Maße dieser den Pro­dukten des Trusts Eingang verschafft, je größer die Nach­frage nach Jasmatzi-Cagaretten, um so mächtiger wird der Einfluß des Trusts, rimsomehr gerät der Tetaillist in Abhängigkeit von demselben. Darin besteht die Politik des Trusts. Er will durch sein Kouponsystem in Verbindung mit der zu Gunsten desselben rus Leben gerufenen Propaganda die Nachfrage für seine Produkte kreieren, will au f Ko st en eines bede^rtenden Verlustes in ben Erstjahren einen großen Umsatz in seinen Produkten erzielen und damtt den Tetailhändler zwingen, die Trustprodukte zu führen. Hat dieser erst seinen Kundenkreis an die Trust- Ware gewöhnt, so ist es äußerst schwer, die von ihm vordem empfohlenen Waren fällen zu lassen.

Es ist sonder Zweifel, daß der Tag kommen muß, an dem dieAmerican Tobacco Co." (der Trust) aufhören wird, Geld zuzusetzen und genötigt sein wird- durch Erhöhung der Preise die bereits stattgehabten Auslagen wettzumachen.

Ter Detaillist, der heute T ruft waren führt, schädigt sich selbst und arbeitet an dem Ruin feiner B r an ch e ; allein er ist der Diener des Publi­kums, dessen Wünschen nachzukommen seine Aufgabe ist, Um des augenblicklich nicht unbedeutenden Gewinnes nichpi verlustig zu gehen, verkauft er Trustware und übersieht, daß er dadurch die Axt an den eigenen Stamm legt, und mithilft, die Grundlage seines Han­dels zu unterminieren.

Mitische Tagesschau.

Ein leuchtendes Beispiel reger Wahlbeteiligung haben die bürgerlichen Parteien im brandenburgi­schen Reichstagswahllreise Forft-Sorau gegeben. Ter Wahlkreis hat eine starte industrielle Bevölkerung. Tank dem geschlossenen Eintreten der bürgerlichen Parteien für den nationalliberalen Kandidaten Kommerzienrat Bahn in Sorau und ihrer eifrigen Wahl­betätigung ist es gelungen, den sozialdemokrati­schen Kandidaten gleich im ersten Wahlgange zu schlagen. Tort haben aber nicht nur, wie bei uns, 79y2 Proz., sondern mehr als 90 Pr0z. der Wah l- berechtigten ihre Sttmmen abgegeben. Tas Ergebnis war die Wahl des gemeinsamen nattonalliberaten Kandi­daten mit 12 234 gegen 10 589 Sttmmen, die der sozial- demokrattsche Bewerber erhalten hat. 1898 hatte der Sozial­demokrat in der HauMvahl 8863 Stimmen erhalten, wäh­rend auf den einen der beiden bürgerlichen 5988, auf den anderen 5241 Stimmen gefallen waren. In der Stichwahl hatte dann der Sozialdemokrat mit 10 513 gegen 10101 Stimmen gesiegt. Dem geschlossenen Vorgehen und leger Wahlbeteiligung haben jetzt die bürgerlichen Parteien ihren Sieg gleich' im ersten Wahlgange zu danken.

Wir führen dieses Beispiel an, well es deutlich zeigt, mit welchem Erfolg bei den Stichwahlen manches im eigensten Interesse der bürgerlichen Gesell­

schaft wieder gut gemacht werden kann. Wählen bei uns rm Wahlkreise Großen am Sttchwahltage noch etwa 10 Proz. der bürgerlichen Bevölkerung mehr und sehen die antt- semittschen Bauernbündler ein, daß aller Vater land s- sreunde ärgster Feind 'die Sozialdem0 kr atis ist, dann führen wir hier dem Nationalismus mit 10 12000 Stimmen zu einem wahrhaft glänzenden Siege über den republikanischen, vaterlandslosen Sozial­demokraten.

Aus Stadt und Zand.

)( Heuchelheim, 18. Juni. Hier feiert nächsten Sonntag er. die Freiwillige Feuerwehr ihr 25jähriges Stiftungsfest. Zu dem Jubiläum sind umfangreiche Vor­bereitungen getroffen. Die Wehr hatte bei ihrer Be­gründung vor 25 Jahren, als freiwillige Feuerwehren auf dem Lande noch zu den Seltenheiten gehörten, mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, und kann auf das Erreichte mit Befriedigung zurückblicken. Von den Mit- begründern gehören der Wehr heute noch 20 Kameraden, und zwar 7 aktiv und 13 inaktiv, an.

Frankfurt a. M., 16. Juni. Die diesjährigen Ferien-Sonderzüge ab Frankfurt mit ermäßigten Fahrpreisen sind wie folgt festgelegt: 3. Juli 7.50 vorm. nach Basel über Straßburg (Bahnhof Sachsenhausen); 4. Juli 7.10 vorm. nach Basel über Karlsruhe, Freiburg; 4. Juli 7.35 vorm. nach Basel über Karlsruhe, Appenweier, Straß­burg (Sachsenhausen); o. Juli 8.05 vorm. nach Basel über Ludwigshafen, Straßburg; 5. Juli 4.44 vorm. nach Basel über Worms, Straßburg; 5. Juli 7.50 vorm. nach Basel über Worms, Straßburg (Sachsenhausen); 5. Juli 8.40 vorm. nach Basel über Worms, Straßburg; 6. Juli 9.06 abends nach Berlin über Bebra (Sachsenhausen); 7. Juli 9.18 abbs. nach Hamburg über Kassel, Hannover; 15. Juli 8.10 vorm. nach Basel über Karlsruhe; 16. Juli 8.35 vorm. nach Basel über Karlsruhe (Sachsenhausen); 18. Juli 8.10 vorm. nach Basel über Karlsruhe; 4. August 6.36 abends nach Berlin über Bebra (Sachsenhausen); 15. August 8.40 vorm. nach Basel über Worms, Straßburg (Sachsenhausen); 16. August 8.05 vorm. nach Basel über Worms, Straßburg; 16. August 8.40 vorm. nach Basel über WormS, Straßburg. Wenn kein Abgangsbahnhof angegeben ist, gehen die Züge vpm Haupt­bahnhof ab, sonst von Sachsenhausen. Die Züge kommen vom Norden, die nach Norden fahrenden von Basel. (Kl. Pr.)

UmversitAs-Iluchrichtr«.

Die Zahl der Studierenden an der Universität Göttingen beträgt im laufenden Sommer-Semester 1531 (gegen 1476 nn Sommer-Semester 1902). Davon sind 1441 immatrikulierte Stu­dierende und 90 Hörer, darunter 41 Frauen. Wie man au§ Basel mitteilt, beträgt die Gesamtzahl der Hörer an der dortigen Universität 639. Immatrikuliert sind 542, darunter 14 Frauen. Don den 97 nicht immatttkulierten Zuhörern entfallen 26 auf das weibliche Geschlecht. Von den 542 Studierenden sind 414 Schweizer, 128 Ausländer. Die französische Akademie hat den Le Fövre- Deumier-Preis im Betrage von 20000 Franken für ver­gleichende Mythologie, Philosophie und Religionslehre Paul Sabatier zuerkannt.

Wien, 19.Juni. Universitütsrektor Gußenbauer ist heute nacht gestorben.

Familien Nachrichten.

Gestorben: Frl. Luise Eyermann in Darmstadt.

gegnet!

A. R.

Plaudereien aus der Kaistrstadt.

(Nachdruck verboten.)

Berliuer Wahlsiebrr. Verschiedene Bierpolttiker. Das Recht der Fran. 3» der Postkarteu-Zentrale.

Kein Tag verging, ungefähr seit den Iden des Mctt, wo ich rächt aus meinem Briefkasten einen Wahlaufruf herausnahm; bald einen, in dem mir die Vorzüge des t 1 beraten Kandidaten, bald einen, in dem die des kon- crvattven alsprima prima", wie die Handlungsrersenden jagen, cmgepriesen wurden. Mindestens doppelt so viel als beide zusammengenommen, leistete sich in diesen mir etwas zu superlativ gehaltenen Zetteln, die Partei der Sozialisten, die eine Armee von unermüdlichen Händen und Füßen zur Verfügung hat, ohne Botenlohne dafür mblen zu müssen. Dazu flebte sie ihre Wahl-Imperative an' jeden Lattenzaun, jedes Brückengeländer und verschonte selbst die Hochburgen der Gegenparteien nicht damit. Von ihrer Rührigkeit können auch diesmal wieder alle anderen Parteien lernen, auch was die rot angehauchte solide Weib­lichkeit anbetrifft. Sie diskutteren und erklären, oft in einer geradezu rührenden Vermischung und Verdrehung der Tatsachen und Meimmgen, aber sie haben Erfolge dabei Zungenfertigkeit ist kein» übte Gabe bei solchen Kämpfen, und die Roten, wie die Schwarzen wissen sehr iaohl den Wert des weiblichen Einflusses zu schätzen und das schöne Geschlecht als Sprechrohr für sonst nicht zu- nängliche gltidjgiltige Seelen und mißtrauische Eigen- i . ämer in Die ast zu nehmen. Em wahres Gluck, daß am Mlltwoch der Sturm bis auf die Stichwahlen wenigstens vorüber war. Tenn in ferner Barbierstube und an teinem Stammtisch, in keinem Stadtbahukoupee und in i einem Omnibus hatte man noch 9luhe vor Wahl .u sprächen und politischen Anzapfungen. Selbst die Kochm L;;'b der Milchmann unterhielten sich über tote Chancen ..chell's Zu den kleinen Lokalen mit ihrem festen Stamm­publikum lernte ich in diesen Tagen so manche bierehr­

liche Seele kennen^ die mit kühnen Worten große Pläne entwickelte, Pläne, gegen die Bismarcks gelungenste Schach­züge reine Sttimperarbell sind. Da war ein wackerer Butter Händler, ein' überzeugter Monarchist mit etwas ge­waltsamen Ideen, der darauf bestand, daß aus jeder größeren Partei ein"Minister gewählt werden müsse; erst bann könne eine gute Regierung zu stände kommen, wäh­rend fein Freund, ein melancholischer Schuster, behauptete, das ganze Wahlsystem sei Unsinn. Ihm z. B. könne kein Rechtsanwalt, kein Professor, kein Landwirt, aber auch kein Kaufmann, kein Schneider ober Schornsteinfeger fm Reichs­tage etwas nützen/ sondern einzig und allein nur ein Schuster, und er war schwer zu bewegen, sich in Güte auf einen Handwerker im allgemeinen mit den FreunRn zu einigen. Grotesk waren mitunter auch die Taxen der künftigen Parteienstärke, von denen jene 'eines fanattschen Bebelianers, der nebenbei unter dem Regime des Herrn Krätte tätig war, am belustigendsten klang.Sie werden alle wegrasiert", sagte er "mit jenem gehässigen Eifer, der sich so io|ft mit der Beschränktheit verbrüdert,die Kvn- servattven und die Freisinnigen. Bloß das Zentrum bleibt übrig und wir! Und das nächste Mal freffen wir auch das Zenttum auf!" Inzwischen wird sich der gute Postschwede davon überzeugt haben, daß sein Appettt doch größer war, als sein 9JZageu, und daß beim Rasieren recht viel Seifenschaunr unnütz verrieben wird. Eine sehr sttertbare Berlinerin hörte ich auch für das aktive und passive Wahl­recht der Fraufine ziemliche Lippe riskieren, aber es war ihr eigener Gatte, ein biederer Lederarbeiter, der sie kalauernd abfertigte, indem er meinte:Det würde denn 'n sojenauntes Wahlpurjisfest! denn ohne Besenstiele fing die Jeschichte nachher ivoll nich mehr ab!" Was sie ihm zu Hause darüber noch für einen Text gelesen, ent» zllht sich jeder Kenntnis. Das prompte Gelächter auf bic trockene Bemerkung ihres Ehegesponses kam ihr zw nächst jedenfalls wie ein Schlag auf den Mund, den sie am Biertisch denn auch nur noch wieder auftat, um den bekanntenGroll" hiuunterzrrspülen.

Nach geschlagener Wahlschlacht werden übrigens auch jene Vertreterinnen des schwächeren Geschlechts zur Gett^ ung kommen, die als Wcchl'frage im Juni nichts anderes kennen, als etwa:A hlbeck oder Norderney?" oderHarz­burg oder Partenttrcheu"? Der in den anderen Wahlstrudel geratene Gatte war bisher für diese Fragen urtzugänAich oder hörte nur mit halbem Ohr hin, und antwortete bann womöglich:Ahlwarbt? I wie werb' ich denn Ahlwarbt wählen! Ganze Hosen muß so'n Onkel doch wohl wenigstens haben, toeyn er in das stolze Haus marschieren fott!'< Nun aber wird fein Geist wieder friedlichnien Perspek­tiven geneigt erscheinen, und er wird die in dieser drang- salreichen Periode' der Wahlversammlungen, Borstcmdssitz- ungeil usw. arg vernachlässigte Gattin alsbald an den Sttand oder ins Gebirge führen, notabene: wenn's die Kasse erlaubt. Eingekauft hat sie schon: Toiletten, Hänge­matten, Konsitüren und Lektüre, sogar die nötigen Ansichts­postkarten. Denn es ist jetzt üblich, sich schon in Berlin von Ilmenau oder Helgoland, St/Goar oder Interlaken die betreffenden Bild er karten zu besorgen. Die großen Warenhäuser sowohl wie etliche Spezialgeschäfte haben ganze Serien von allen nur in Frage fonrmenben Städten, Badeorten, Aussichtspunkten usw., und ich war dabei, wie eine schlanke Berlinerin, die den Schwarzwald beglücken wollte, sich 150 Postkarten von Triberg, Tittsee, St. Blasien usw. zusammenstellte, um das nötige Material beieinander zu haben, mit dem sie dielieben Freundinnen und Ver­wandten" aus der Feme ärgern konnte. Optimisten reden von erfreuen. Ich glaube umsoweniger daran, als dieselbe Berlinerin beim Einkauf ganz ernsthaft erklärte, daß man, wenn man die Karten schon hier kaufe, auch den Vorteil habe, sie vor der Reise alle schreiben zu können. Eine so sinnige Grüßespenderin ist mir lange nicht be-