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20.6.1903 Erstes Blatt
 
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Herr Kommerzienrat Heyligenstaedt kommt am 25. Juni mit dem Kandidaten der Sozialdemokratie, Herrn Krumm, in die Stichwahl. Es ist dies ein erfreulicher, aber doch erst halber Erfolg. Große Anstrengungen sind noch nötig, um unseren Kandi­daten aus der Stichwahl als Abgeordneten des Wahlkreises heroorgehen zu sehen. Der sozial- demokratische Bewerber hat einen bedeutenden Vorsprung; der Opferwilligkeit und Rührig­keit seiner Anhänger wird es gelingen, für die Stichwahl die sozialdemokratische Stimmenzahl noch ganz erheblich zu steigern. Herr Heyligenstaedt wird deshalb nur dann siegen, wenn nicht nur alle, die am 16. Juni für ihn gestimmt haben, am 25. Juni es wieder tun, sondern wenn alle, die nicht Sozialdemokraten sind, an der Wahlurne erscheinen und Herrn Heyligenstaedt wählen.

Der 16. Juni hat gezeigt, daß infolge der Bequemlichkeit und Gleichgiltigkeit des Bürger­tums in Stadt und Land eine große Anzahl von Wahlkreisen von der Sozialdemokratie erobert worden sind. Ueberall im Reiche regt es sich jetzt, um wenigstens bei den Stichwahlen weitere Siege der Sozialdemokratie zu verhüten; vergessen wird, was vor der Hauptwahl die bürger­lichen Parteien getrennt hat.

Die Sozialdemokratie ist ihrer aller Feind. Sie erstrebt die Beseitigung der Monarchie, der Kirche.und des Staats in seiner jetzigen Verfastung, sie will unsere ganze Gesellschaft- und Wirtschaftsordnung umstürzen und das Privateigentum am Grundbesitz und Kapital aufheben. Sie säet überall Unzufriedenheit und nimmt dem, der sich ihr dauernd ergeben hat, die Freude an seiner Arbeit und an seinem Berufe.

Ganz besonders mögen die Wähler des Herrn Köhler in der Stichwahl für Herrn Heyligcnstacdt eintreten eingedenk der Worte ihres Führers, daß ^eine Partei das festeste Bollwerk gegen die Sozialdemokratie sei!

Wähler! Mehr als drei Viertel von Euch gehören nicht der Sozialdemokratie an! Bei der Stichwahl kann deren Kandidat nur dann gewählt werden, wenn die Mehrheit der Wähler in tadelnswerter Verkennung ihrer Pflicht der Wahl fernbleibt. (

Wir haben aber zu der Einsicht und Tatkraft der Wählermehrheit das Zutrauen, daß jeder, der treu zu Kaiser und Reich hält, es als seine Ehrenpflicht betrachtet, am 25. Juni zu

stimmen für

Herrn

heyligenstaedt.

Das liberale Wahlkomitee.