Drittes Blatt.
153. Jahrgang
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
die Post Tit.2.— oiend- fnbrl au<ld)L Bellestg. Annahme oon Hnjttgee füt d»e 1aqe»ntiii,mer bll vonnUlüg« 10 Uhr. äetlmptrii lokal lL Pl^ OuliPärU tü ti'g.
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Mittwoch 20. Mai 1903 öcinfliprctii monoilich7bPl^ Dtertet- tähdid) Mk. 2.20; durch Adhote- u. Zweigstellen inonailich 6o PI., durch
Nr. 117
• rieflet täglich ouber Sonntag«.
Dem (Siebener Anzeiger werden im Wechlel mH den, Krsfilche« tanbrolrt die Siebener Zamiüen- dlüNrr oiennal tn der Wodx deigelegl.
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Giehene
General-Anzeiger
,,Z)as Wasser unser Uuin?"
Man schreibt unS aus Berlin, 19. Mai:
Ausgesprochen unsreuitdlich flaiibcn bisher die Land- BünMcr, mit „mafcooller" Sympathie die Konservativen, bet Vergrößerung bet Kriegsmarine gegenüber. Tas seiuneizeit vielerörterte Wort Tr. Dietrich HahnS von der „gräßlichen Flotte" hat bünblerUch-progranimatische Bedeutung. Nicht viel weniger abfällig äußerte sich dieser Tage der konservative Sllimarler Himburg. Er stellte in einer Wahlversammlung dem Kaiserwort: „Unsere Zukunft Legt auf dem Wasser!" den Satz entgegen: „Tas Wasser droht unser finanzieller Ruin zu werden!" TaS Wort hat Aiuvartschast darauf, den geflügelten angereiht zu werden, deren der zitatenfcohe Graf Bülow sich freilich kaum jemals bedienen wird. Es ist möglich, bau Himburg mit diesem Wort eine Verbeugung vor bem in der Allmart einflußreichen Bunb ber Landwirte machen wollte, um sich ber Wahlunterslützung durch biejen zu versichern. Fest steht andererseits aber auch, baß em nicht geringer Teil ber Konservativen die Flotte aus Kosten der Armee zurückgesetzt wissen niüchte. Man hat dies vielfach im Sinne einer Voreingenommenheit konservativer Kreise gegen den Staatssekretär v. Tirpitz gebeutet Wohl mit Unrecht; die kritische Haltung richtet sich nicht gegen die Person, sondern gegen die Anschauungen des Kaisers, ber ja bei verschiedenen Gelegenheiten auf die Notwendigkeit einer starken Flotte hingewiesen hat. Es gicbt neben einer konservativen Kanalfronde in Preußen eine konservative Marinefronde im Neich, und die Möglichkeit besteht durchaus, daß diese Gruppe der Reckten die Vermehrung ber Auslandstreu^er ablebiit, sofern Die Negierung Handelsverträge vorlegt. Die die landwirtschaftlichen Interessen nicht „ausreichend" be- rüdfidjligen. Tenn Beruf bet Marine ist „Schuh bes Ausfuhrhandels". Ob auf bem Mittellanbkanal ober auf bem Ozean — die für ble Wasserwirtschaft in Rechnung gestellten Summen gehen nach konservativer Auffassung ber Laiidwirlschaft verloren, mit anderen Worten, mit denen Himburg manchem seiner Parteisreunbe aus ber Seele gesprochen haben mag: „T<rs Wasser droht „unser" finanzieller Ruin zu werben!"
Kolonialpost.
B e r l i n, 19. Mai. In ber heutigen Sitzung des Kolo- tt i a l r a t s betonte von der Heydt die unbedingte Notwendigkeit des Baues der Bahn von Dar-es-Salaam nad) Mrogoro und legte der Verwaltung nahe, für die betreffende Vorlage im Reichstage einjutrctcn. Hierauf wurde folgende, von Exzellenz Jacobi beantragte Resolution angenommen: „Ter Kolonialrat spricht in Bestätigung seiner früheren Beschlüsse wiederholt die Ueberzcugung auS, daß ohne weiteren Ausbau der gänzlich ungenügenden Verkehrsmittel, namentlich der Eisenbaynbauten, Fort- fchritte von Bedeutung in ber inneren Entwicklung der Schutzgebiete nicht erwartet werden können." Weiter wurde die Schonung der Forstbestände besprochen und ferner auf Antrag Tr. Hindorf eine Resolution angenommen, in welcher empfohlen wird, in den nächstjährigen Etat einen gegenüber Dem jetzigen möglichst auf das Dreifache erhöhten Betrag zur F-örderung von Emgeborenen-Ansicbelungen und Eingeborcnen-Kulturen einzustellen. Es folgte die Beratung des Etats für Neu-Guinea, bei welcher die
etwaige Konzessionierung der deutsch-australischen Eicdel- ungSgesellschast eingehend erörtert wurde. Ter Etat für die Verwaltung ber Sarolin en, Palau, Marianen und Samoa-Inseln wurde ohne wesentliche Tebatte erledigt. Sobann wurde der Bericht bes in ber Herbst- taguna 1902 gewählten Ausschusses über den Entwurf einer Verordnung betreffend die Gerichtsbarkeit über die Eingeborenen Teutsch-Südwestafrilas in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten besprochen, zu bem eine Aeußerung des Gouverneurs Oberstleutnant Leutwein und ber Entwurf einer Verfügung betr. Rechtsgeschäfte und Rechtsstreitig, leiten von Nichteingeborenen mit Eingeborenen Südwest- Afrikas vorliegen. — Nach Erstattung tns Ausschußberichts durch Iustizrat Porsch beantragt Exzellenz Hofmann lieber- Weisung deS erwähnten Verfügungseulwurfs an den Ausschuß, wogegen der Vorsitzende betont, die Kolonialverwaltung lege großen Wert auf eine alsbaldige Erledigung der Angelegenheit. Ter Kolonialrat beschloß demgemäß, in die Beratung deS DerfügungsenUvurss einzutreten.
In der Nachniitragssitzung wurde zu der Verfügung betr. RechlSstreitigkeiten Ntchteingl-borenec m.t den Eingeborenen des südwestafrikaniichen Schutzgebietes beantragt, Die Formulierung der Verfügung einer Verständigung der Regierung mit dem um zwei Mitglieder verstärkten Aus- schus.e zu überlassen. Ter Antrag wurde einstimmig angenommen. In den Ausschuß wuroen v. Jacobi und Woer- mann zugewählt, lieber die Lands rage in Kamerun lag cm schrisutchec Ausschngbericht vor. Zn ausgeoeynter Tebatte wurde die Frage der Begrenzung der Landeigen tunis- rechte der (süigeboccnen und die Jtcuite der Gesell,cyafren in Sud- und Norowesrkam.run eingehend erörtert. Ter Sulo- nialrat nahm zum Schlüße mit großer Mehrheit den vom Ausschuß vorge,chlagenen Beschlug an, in dem zunächst die Befriedigung über den Inhalt des Erlasses vom 21. Dezember 1901 ausgesprochen und die Eii.s^tzu.ig einer Landkommission begründ wird. Ter B.s^lup bedangt bann unter anderem vvugatorische Bestellung erneS Pflegers zur Wahrung ber Rechte der Eingeborenen, bezeichnet Die Zusammenlegung ber Eingeborenen in geschloßenen Torfern als wünschenswert und wünscht, bay der Vorteil dessen den Eingeborenen einleud)tend gemacht werde, dod) sei dabei jeder Zwang ebenso wie jeder Zwang zur Arbeit in den Plantagen auszuschließen. Vorbehaltlich der Wahrung von öffentlichen Interessen seien den Eingeborenen nachweisbare Rechte auf die Jagd, den Fischfang und dasEinsammeln und die Verwertung von NalurprobuUen zu gewähren. Tie Entnahme von Feuerungsholz und des für den Hütten- nird Fahrzeugbau benötigten Holzes sei den Gingeborenen dauernd einzuräumen.
Karlsruhe, 19. Mai. In Anwesenheit des Groß- herzogs ic. fand heute die feierliche Einweihung der Deutschen Kolonial-Jagd-AuSstellung statt, welche von der Abteilung Kar.sruhe der deu.schen Kdoiiialgesdi- schaft veranstaltet worden ist. Tie Ausstellung enthalt Sammlungen von Iagd Trophäen, welche aus den deutschen Kolonien stammen, ferner u. a. alS Sonderausstellungen die Sammlungen des Gouverneurs v. Wißmann und dc5 Herrn Karl Hagenbeck, ferner ethnograph sche Sammlungen, sowie Sammlungen von Ausrüstuiigcn für die Jagd in Den Tropen.
Politische Tagesschau.
Der Zentral Ausschuß für Volks« uad Iugendspiele in Deutschland sandte unS die Einladung zum 4. deutschen Kongreß, ber vom 5.—7. Juli in Dresden abgehalten werben wirb, wo in biesem Sommer bekanntlich die erste deutsche ©täbto ausstellung ftattfinbet Ter Zentral-AuSschuß kann nunmehr auf zwölf Jahre einer stetigen und sicher fortschreitenden Entwidelung zurüdbliden. Ausgehend von dem Bestreben, Jugend und Volk hinauSrurusen ins Freie zu erfrischender Beivegung in Spiel und verwandter Sei* besübung, hat er in fast allseitiger Anerkennung die be- fdjeibenen vorhandenen Anfänge zu reichem Leben in unjerm Vaterlanbe zu entfalten gesucht.
Die sehr reichhaltige Tagesordnung deS Kongresse- wird am ö. Juli, durch die Vorführung der Dresdener vaterländischen Fe st spiele eingeleitet Diese stellen ein zeitgemäßes Voltsfest im großen Stile bar, in Doifen Mittelpunkt Leckcsübungen und Wettkampfe stehen. Am 6. Juli beginnt der eigentliche Kongreß mit den beiden Vorträgen: 1. „Was können die Städteverwaltungen tun, um die körperliche Erziehung ber Jugenb, besonder- die der Volksschule unb ber schulentlassenen Jugenb, zu för- bern ?" Vom Stabtschulrat Tr. k e r s ch e n st e i n e r - München. 2. „Die anatomischen Verhältnisse bes Brustkorbes mit besonderer Beziehung auf Leibesübung unb Gesundheitspflege". Born Geh. Medizinalrat Profejsor Tr. Walbeyer - Berlin, erstem Vorsitzenden des Zentralausschusses Dom deutschen Verein für Volkshygiene. Am 7. Juli hält Tr. mcb. F. A. Schmid t-Bonn einen Vortrag über „Die beste Ausgestaltung öffentlicher Erholungsstätten für Jugend und Volk", worin ber Rebner bie gesamten Fragen ber Einrichtung von Spielplätzen unb öfientlichcn VvlkK- parks behandeln wirb, unter Benutzung ber zahlreichen, bezüglichen Pläne, lvelche auf der Städteausstellung ausgestellt sind. Auch gelangt ber Plan des Kaisers, den Grünewald als öffentlichen Volkspark einzurichtcn, des Näheren zur Erörterung.
An den Nachmittagen des 6. und 7. Juli werden Musterspiele unb Schwimmvorführungen, einschließlich ber jetzt in Deutschland mannigfach eingeführten Trvcken- schwimmübungen, zur Ausführung gelangen. Der Besuch des Kongresses steht jedermann frei, und ist zu hoffen, daß besonders bie staatlichen unb städtischen Behörden, bie Schulverwaltungen und Vereine Vertreter zu biefern Kongreß entsenden, die baldmöglichst bei dem Vorsitzenden des Ortsausschusses, Herrn Stadtschulrat Dr. Lyon-Dresden, anzumelden sind. Von diesem, wie von bem Geschäftsführer des Zentral-Ausschufies, Studiendirektor Professor R a y b t-Leipzig, können eingehendere Kongreßprogramme kostenfrei bezogen werden.
Aus unb Laut».
Gießen, am 20. Mai 1903.
— Die OrtSgruppe Gießen des Vereins für Bodenreform hatte sich gestern Abend im Lass Ebel versammelt, um einen Vortrag deS Pfarrer- LooS auS Butzbach über »Henry George", den Schöpfer der modernen Bodenreform zu hören. Nachdem der Vorsitzende die Versammlung eröffnet hatte, erhob sich Pfarrer LooS zu seinem Vortrag. Mit knappen, kernigen Watten gab ber Redner
Feuilleton.
Aerztin und Patin. Unter diesem Titel wird in Gustav Wust man ns vielgenanntem Buch „Allerhand S p r a d;b u m m Ijc i ten" (Verlaa F. W. Grünow in Leipzig), bas jetzt in der dritten Auslage vorliegt, in der Rubrik „Zur Wortbildungslehre" u. a. aud) die Berechtigung verschiedener von mannlicten Stammsubstantiven her- übergenommenen Feminina behandelt. W heißt dort: „Von Substantiven, bie einen Mann bezeichnen, werden Feminina auf in gebildet: König, Königin — Wirt, Wirtin — Kod), Köchin — Berliner, Berlinerin — sogar: Landsmann, Landsmännin (tvährenb sonst natürlich zu Mann das Femininum Weib ober Frau ist: der Kehrmann, bas Waschweib, der Botenmann, die Botenfrau). Don Arzt hat man in neuerer Zeit Aerztin gebildet. Manche getrauen sich da- anfangs nicht zu sagen, und sprad)en von werblichen Aerztcn, es ist aber gar nichts dagegen einzuwenden, und es ist großer Unsinn, wenn von männlichen unb weiblichen Arbeitern, männlichen unb weiblichen Lehrern geredet wirb, statt von Arbeitern unb Arbeiterinnen, Lehrern unb Lehrerinnen (großer Unsinn auch, wenn es in Polizeiberichten heißt, baß ein neugeborenes Kind männlichen ober weiblichen Geschlechts im Wasser gefunden worben fei, statt ein neugeborener Knabe ober ein neugeborenes Mädchen). Dagegen ist es nicht gut, ein Femininum auf in zu bilden von Pate, Kunde (beim Kauf- man«) unb Gast. In ber älteren Sprache findet sich zwar zuweilL« aud} Gästin, auf Theaterzetteln konnte man noch vor gar nicht lanaer Zeit lesen, daß eine auswärtige Schauspielerin als Gaftrn auftrete, aber wer mochte noch heute eine Frau ober ein Mäbchen seine Gästin oder Gästin nennen1' Bei Pate unterscheidet man den Paten unb die Pate, je nad-dem ein Knabe oder ein Mädchen gemeint ist, unb der Kaufmann sagt: das. rst ein guter Kunde ober eine gute Kunoe von mir. Entsetzlich sind die in ber Zuristensprache üblichen Bildungen: bie Beklagtin, die Verwanotin unb — das neueste — bie Beamttn. Von Par- trzipialsubstantiven — unb ein solche- ist auch ber Beamte, d. h. ber Beamtete, ber mit einem Amte Versehene — tönnen keine Feminina auf in gebildet werben; niemand
sagt: meine Bekanntin, meine Geliebtin, auch Juristen nicht."
In dem angesehenen Klassikerverlagc von Max Hesse in Leipzig wird in kurzem ein neues literarisches Unternehmen von ungewöhnlicher Bedeutung zu ersd)einen beginnen. Einen fruchtbaren Gedanken Schillers verwirklichend, sollen unter dem Titel „Die Meisterwerke ber deutschen Bühne" alle wertvollen deutschen unb ausländischen Dramen zu einer Sammlung bereinigt, durch muftergiliige Texte, knappe Einleitungen unb Anmerkungen dem Geständnis der Gebildeten, ber Schule unb dem Hause bie dramatischen Schatze ber Weltliteratur erschlossen werden. Taß die Sammlung in ber Tat auf der Höhe ber Wissenschaft steht, dafür bürgt der Ruf des Leipziger Literaturhistorikers Prof. Tr. G. Witkowski, ber bie Herausgabe übernommen hat, unb bie Namen der zahlreichen Mitarbeiter, aus deren Reihe wir nur bie Namen ber Professoren Max Koch, Karl Lamprecht, Berthold Litzmann, Richarb M. Meyer, Jakob Minor, Franz Muncker, August Sauer, Erich Schmidt, Adolf Stern hervorhebcn. Ieves Trama bildet einen besonderen Band, dessen Preis auf 30 Pfg. festgesetzt ist. In Kürze soll bie erste Reihe von zwölf Bänden erscheinen, bann werden wir auf das interessante und wichtige Unternehmen noch eingehender zu- rudkommen.
Soeben erschien im Kunstwart-Verlage von D. W. DaNwey in München: Hausschatz deutscher Lyrik. Gesammelt von Ferdinand Avenarius. Herausge- geben vom Kunstwart. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. Preis gebunden 3 Mk. Dieses Bud) ist ein weltliches Erbauungöbuch. Es ist em Schatzhalter des Herzens unb Lebens, um den alle Völker uns beneiden würden, wenn sie deutsche Lyrik miternpfinoen könnten. Dir haben kein Bud), in Dem sich so überwältigend der Lebenskraft spendende Reichtum der beutsa)en Lyrik offenbarte, wie in diesem. Nicyt um scynell das 'Mtigste von der modernen Lyrik kennen zu lernen, soll man es lesen, nicht literarischem Interesse will es Dienen, sondern em Lebensöuch ist es für jene stillen Srunoen ber Einkehr bei sich, wenn wir einmal so ganz wir selbst sind, unb Der tiefere Gehalt unseres Gefühls hmourchbricht durch allen Schatt des Alltagslebens, Die Konvention und Zeitphrase. Es ist, als
wenn man im Gebirge wandert ober am Meere bie Seele sich weitet. So ganz ist es nur Poesie, daß man durch diese Wanderung burdj yiatur unb Menschenleben tief angefaßt unb hoch emporgehoben wirb. Avenarius hat sein Material nicht nur mit ber feinsten Hanb aus allen Zeiten des deutschen Liedes auSgewählt, er hat Kristall auf Kristall so trefflich bereinigt, baß von Wernher von Tegernsee bis auf Tehmel und Sch au! al ein jeglicher sein Werk unb Werklein eigens zum prangenden Wunderbau herbeigebracht zu haben scheint. Tas ganze Leben, wie es in unseren besten Dichtern Klang unb Schönheit gewonnen hat, rauscht vorüber in einem großen mächtigen Lied. Nur aus einer klaren, reifen Persönlichkeit konnte diese Sammlung hervorgehen, in der jedes Gedicht an seinem rechten Platze steht unb mitklingt in ber Harmonie bes Ganzen. Unb außerbem fühlt man, daß jeher Vers vom Herausgeber innerlich erlebt und mit neuer Schönheit und Bebeutung erfüllt ist. Es steckt eine gewaltige Summe künstlerischer Arbeit in seinen Seiten, aber bas Resultat ist überraschend groß. Immer und überall empfinden wir ein vertiefendes Hinein- geführtwerben inS eigentliche Wesen der Tinge, ein geseigertes Schauen, ein erhöhtes Fühlen. Wie Gebanken- fäben geknüpft unb weitergesponnen, Gefühlstöne angeschlagen unb variiert werben, auch gelegentlich ber Reiz deS Kontrastes ausgenutzt wirb, bas zeigt bie Komposi- lionskunst eines Meisters. Nicht eine Backfischnippsache, bie nachher vergessen im Winkel steht, ein lebenbiger Weggefährte für werbende unb reife Menschen — auch für den Mann — ein Freunb für Leid und Freude, mit bem umzugehen besser, feinfühlender unb ebler macht, das sollt«- es w.rben, der ,^ebenssegen deutscher Lyrik", den bas Buch enthält. Wenige waren in so hoyem Maße berufen, einen solcyen Versuch zu wagen. AvenariuS ist felbü ein echter Lyriker; er besiyt eine ausgebreitete und tiefe Kenntnis unserer Literaiur unb vor allem ein untrügliches Feingefühl für bas wirkliche Lyrische, b. h. Wahre, innerlich Gewordene, Ursprüngliche. Aua- durch feine Anordnung ist fein Lud) in ferner Art das Beste, was wir haben. ES ist von Kem b:S auf las fdjcinLar Aruße.lich le yin cm Werl aus einem Gusse. Merkwürdigerweise ober fehlen in bgm Buche alle Ostpreußen, Dt.i Simon Tide und Herder bis auf Wilhelm Jordan unb Arno Holz!


