Dismarcksche Politik für veraltet erklärt unb den Geschmack besessen.! mir, nachdem wir sie eingeleitei haben, sie in vernünftigen and be- dieselbe sich einer Stellungnahme zu einer inneren Krage in emem den Präsidenten Roosevelt nnt den ersten Fürsten des 19. Jahr- ! sonnenen Grenzen gehalten haben. tremden und noch dazu befreundeten Reiche enthalten wurde. Sei
Nun sind von den Abgg. Haise und Dr. Oerrel scharfe Angriffe einer späteren, auf seine Anregung stattgefundenen aoermaligen
abhängen. Äon diesem Gesichtspunkte aus sei die Theilnahme von
, Regierungskomminaren bei den Maturitätsprüfungen und die Er« theilung Der Befähigung zum Lehramte durch den 3taat in Aus
sicht genommen.
Allgemeinen mit einer Ausländerin nicht verheirarhcn soll.
Er hat
Sie suchten ausdrücklich einen Consens nach,
Freiherr v. Stumm.
Der Fürst Bismarck
um sich mit Amerikanerinnen zu verhcirathen.
Form er"
Herr v. Thiclau
schen in Venezuela, daß ein Thcil der
schlügen, als
Hunderts zu vergleichen. Was soll man aber gar dazu sagen, daß er auch den Kaiser mit in seine Erörterungen gezogen hat! Man konnte diesen Herrn Speck von Stcrnburg beinahe als unseren Sühneprinzen in Amerika hinstellcn, aber wir hatten in Amerika dock, nichts zu sühnen. Der Reichskanzler hat wiederholt den Alldeutschen Verband angegriffen und seine Politik der Politik des Verbandes gegenübergestellt. Ich überreiche chm hiermit ein Flugblatt unseres Verbandes, aus dem er scheu wird, daß der Verband keineswegs eine schwärmerische Gefühlspolitik wrll, sondern durchaus alle politischen unb wirthschaftlichen Verhältnisse berücksichtigt. Niemals haben wir der „gepanzerten Faust" zugejubelt. Der Reichskanzler betonte immer, daß er die mittlere Linie cinhalten müßte. Ich weiß nicht, ob es gerade feine Aufgabe als leitender — mit ’nem harten t (Heiterkeit) — Staatsmann ist. gerade diese mittlere Linie festzuhalten. Ich möchte dann davor warnen, Ungarn und die Magyaren im Dreivund zu überschätzen. Die Magyaren sind keineswegs die Stütze deS Dreibundes, das war vielleicht früher mal der Fall. Heute regieren in Ungarn einige Tausende von Juden und magyarischen Konvertiten, die meinen, daß sie einen magyarischen Globus fonftruiren können. Fortgesetzt wird Deutschland von den Magyaren beschimpft. Es ist dies Wahnsinn, aber
‘ ‘ L ‘ Deutschen in Venezuela gc fort bei einem Zincr begegnet
wünscht hätte, daß wir noch früher einges.l'ritten, daß wir mehr ' gerufen und geäußert, das
c, Härte Sc. Excellenz ihn bei Seite
v. Thiclau, betreffs der deutschen nach dem Wicdcrzusammentrirt des der vorhergegangenen Session bc-
Mi ttclschuls.c sctzentwurf einem Aus
Unterredung wäre Herr v. Trefon auch sachlich näher auf den Gegenstand eingegangen Der Minister hätte verstchcrt, daß er nicht nur politisch, sondern gerade zur Beförderung des Kultur- elements den dauernden Anschluß an die dcut'cbc Bildung für Ungarn für unentbehrlich hielte. Als politisch einzig regierungsfähiger Faktor in Ungarn sei das Magvarenthum aus dem Kampfe hervorgegangen. Wolle diese numerisch nicht überwältigende Nationalität die Stellung, zu der sic einmal berufen, behaupten, so müßte an der Durchführung ihrer Staatsidee auch restgehalten werden. Man siehe nicht nur Teut'chen, sondern auch Slawen und Wallachen gegenüber. Der Mittclschulgcsetzentwuri bezwecke das Aufsichtsrcckt des Staate., über die Gymnasien, die gegenwärtig zum großen Thetlo lediglich von den Religionsgesellschaften
laß aus dem Jahre 1883. Da ralkonsul in Budapest, Herr Schulkrage berichtet, daß bald ungarischen Reichstag- der in lanntlidi unerledigt gebliebene
gefordert hätten, daß dagegen ein anderer 2heil der Ansicht gewesen sei, daß wir die Blockade nicht hätten verl ungen sollen. Die eine Auffassung ist ebenso unrichtig, wie die andere. Es ist unrichtig, wenn ein Thcil der Deutschen in Venezuela jammert ibcr den falten Wasserstrahl, den wir Venezuela haben appitzi.cn müssen, und zwar deshalb, weil die eigenen Landsleute einige Spritzer dabct avbc kommen haben. Es war richtiger, daß, ocvor wir Die militärische Aktion cmlcitden, wir alle friedlichen Mittel erschöpften, und daß
dic deutsche Kultur, daß es sich freundlich stellt gegen bic deutschen Elemente, die diesem Reiche immer treue unb zuverlässige Bürger gewesen sind. Aber wir dürfen nicht Empfindungen, wie der Abg. Hasse cs eben gcthau hat, Ausdruck geben, die im Auslände Miß trauen, im Jnlanbe berechtigte Unzufriedenheit erwecken können. Der Avg. Hasse hat gemeint, dic Verhältnisse lägen heute anders, als zu Zeiten Bismarcks. Im Gcgentheil. In diesen großen Fra gen ist, seitdem Fürst Bismarck am Ruder war nicht der mindeste Umschwung cingetretcn; und wie Fürst Bismarck unsere Bcziehun- gcu zu Ungarn !>chandclt hat, das ist noch heute absolut zutreffend. Ich habe zwei Erlasse des Fürsten Bismarck vor mir, die ich über diese Punkte mit Erlaubnis; bcs Herrn Präsidenten verlesen möchte, weil sic auch historisch von Interesse sind. Der eine ist ein Er Beurthcilung der hatte der damalige kaiserliche Gcnc-
abcr zahlreiche Ausnahmen zugelassen. Eine so absolute, radikale und doktrinäre Ablehnung, wie sic bei Abgeorbnetc Hasse f.rbert, wäre auch dem Fürsten Bismarck nicht congenial gewesen. Insbesondere hat der Fürst Bismarck in zwei Fällen — daß ich nicht auf alle Fälle cingchc, werden Sic verstehen — Ausnahmen gemacht. Es mären zwei Diplomaten, zwei ausgezeichnete Deutsche. Der Eine war der langjährige Botschafter in Petersburg, General v. Schweinitz, einer der ausgezeichnetsten Diplomaten, die Dcutsch- laud je besessen hat, unb der '21 obere war ber Botschafter in Mabrid,
zu leisten.
Gneist, der zwar im Üttingen auf einer ganz anderen Linie der Begabung ttcyt, als Bunscn, gehört doch auch zu den Rednern, unb fein Gewicht im Reichstage bciteht nicht in seinem politischen Hrtbcil, sonbcrn in seinen positiven Kcniirnisien unb feinen orarorv schcn Leistungen. Wir sehen gewiß mit Bedauern bic Lagt, in welche bas bcutsche Element in Ungarn gebracht wirb, aber wir können uns desselben dort ebenso wenig annchmcu, wie in den ruHUcben Lstseeprovitizen, in den letzteren nicht, weil wir durch unsere Befur wortnug bic Sache nur verschlimmern würden: in Ungarn nicht, 1 weil wir auf bic Stärkung unb dic Einhcitlichlcit des ungaruchcn Reiches einen so hohen politischen Werth legen, ^daß Misere Gemüthsbcdürfnisic dagegen zurücktretcn müssen, xic polittfche
Tinge hat uns zu bet llebetjcugung geführt, baß im Gebiete ber Stefausktone die magiiarischcn uub die deutschen Interessen untrennbar sind. Tastelbe fann man von den slaoischcu und ungarischen nicht sagen. Im muß es deshalb mehr für eine voreilige ivie für eine frontvmännifdv 'Jluffaffung halten, wenn man in Ungarn meine, zu gleichmäßiger Behandlung aller nicht rnagyari- schcn Nationalitäten verpflichtet zu sein, und dic Tcunchen mit den Slaven unb Wallachen in dieselbe Kategorie stellt. Magvaren unb
schuß überwiesen worden wäre konnte hätte im Einvernehmen mit einem Regicrungskommissar
gegen unseren Vertreter in Washington gerichtet worden, unb zwar gegen Acnßerungen, die er zu fremden Journalisten gemacht haben soll. Ich habe bereits in der „Rordd. Allg. Ztg." erklärt, daß der Freiherr Speck von Stemburg die ihm in den Mund gelegten Aeußerungen nicht gethan hat, daß er insbesondere nicht gesagt hat, Anschauungen des Fürsten Bismarck seien anriquirt, unb ebenso wenig: er betrachte cs als seine Aufgabe, den Jnteresien anderer Länder ebenso zu dienen, wie den Interessen des eigenen Landes. Jetzt meldet er mir amtlich, er habe in Wirtlichkeit lediglich und ausschließlich mit Entschiedenheit betont, daß Deutschland bei seinem Vorgehen in der venezolanischen Angelegenheit nicht die Absicht habe, Landbesch zu erwerben. Die Venezuela-Angelegenheit, habe er weiter gesagt, sei für Deutschland eine Geschaftssache — ungefähr dasselbe also, was ich heute gesagt habe — die Einziehung einer Schuld. Deutschland gehe, wie in allen anderen Fragen ber internationalen Politik, fo auch in ber Venezuela-Angelegenheit offen unb ehrlich zu Werke. Sie ersehen daraus, daß der Freiherr von Stcrnburg von den Journalisten, die ihn interviewten, that- fächlich mißverstanden worden ist, und ich möchte bitten, gegen einen Vertreter Deutschlands auf einem fo wichtigen Posten, wie dem in Washington, nicht Angriffe zu richten, dic sich bei näherer Beleuchtung als nicht zutreffend erweisen. Es ist auch davon gesprochen worden, daß Frecherr von Sternburg mit einer Amerikanerin verhcirathct sei. Meine Herren, bic Gesuche unserer Diplomaten um Genehmigung zur Vermählung mit Ausländerinnen sind zu verschiedenen Zeiten verschieden behandelt worden. Das ist ziemlich natürlich. Ich glaube nicht, daß sich derartige Fälle über einen Leisten schlagen lassen. Ich glaube nicht, daß sich in dieser Beziehung eine f„r alle Zeiten und für alle Fälle giltige, prinzipielle Regelung aufstcllen läßt. Richtig ist, daß cs Zeiten gegeben hat, wo ber Grunbsatz, baß ber deutsche Diplomat, wenn überhaupt (Heiterkeit), so nur mir einer Inländerin verhcirathct sein dürfe, schärfer acccntuirt wurde, am schärfsten ist er während der Rcichs- kanzlcrschaft des Grafen v. Caprivi betont loorbcn. Ter Fürst Bismarck hat nur den Grundsatz aufgestellt, daß der Diplomat iich im
sich der Aufgabe unterzogen, den Entwurf neu feftzujtcllcn. Das Ergebnis; haue bic Zustimmung ber Majorität des genannten Aus- schusjcs gefunden und würde schon in der allcrtiächsten Zeit Gegen stand ber Berat Yung im Plenum deS HauseS sein. ^Aus der Milte der an ber Frage in hohem Grade interch'men Sicbcnbürgischen Sachsen wären prokitirenbe Stimmen laut geworden, bic auch in Deutschlanb gehört seien und bei dem Berliner Schulvcrcin in Erklärung ihr akutes Echo gesunden hätten. Als er, cura Mitte Februar dem Kultusminister v. Tre-
roic Gneist u. s w., auf deren Urthcil er viel halte, daran be theiligt hätten — Randbemerkung des Fürsten Bismarck. Pro- fefsorcn — das mildert eher den Eindruck'. (Große Heiterkeit.) — Im Laufe des Gespräches hätte Herr v. Thiclau wiederholt, was er politisch von ber Sache bäcfrte, bann aber auch nicht verhehlt, daß, wenn er o"ch den Publikationen bc5 Berliner Schulvcreins eine praktische t’ebetrtung nicht zuschriebc, er cs hoch nicht über- rafchcnd finden könnte, wenn in Deutschland unb namentlich in Kreisen, Iro man auf ba-5 Wirken bcun'chcr Geisteskräfte mit Recht stolz sein bürste, Schritte, bic in ihrer Konsequenz doch zum linier-- gange eines Fleckchens deutscher Kultur führen müßten, empfindlich berührten.
Je milder man in Budapest bic Sache behandle, je weniger fei nach seiner Meinung ein nachhaltiger Eindruck in Deutschland zu besorgen Gelegentlich hätte er, ber kaiserliche Generalkonsul, bemerkt, ob es vom ungarischeii Standpunkt aus nicht Zweifeln be* gegnen würde, das deutsche Element Siebcnbürgeiis gegenüber bem Vordringen von Slawen und Rumänen itoch mehr zu sckiwächen, au - statt cs als dllliirtc ;u stärken. Dies Argument sei jcboch auf den Einwand gestoßen, baß alle Nationalitäten mit dem gleichen Maß gemessen werden müßten. - Randbemerkung des Fürsten Bismarck: ..Das ist nicht mehr Politik, sondern Krcisriristcrei.' — lieber brr Wirkung im Laufe der Jahre könnte ein Zweifel kaum bestehen und cS läge eine für jeden Deutschen tiefergreifenbe Tragik in ber Entwickelung des Schicksals des Siebenbürger Lachfenstammes, der feine Eigenart fo lange Zeit hindurch zu wahren gewußt hatte. Das Hohe Regierung und Parlament mit strenger Konsequenz an der Durchführung ber magyarischen Staatsidec auf dem Gebiete bei Schulwesens fcfthaücn werden würde, darüber dürfe man sich einer Täuschung nicht hingeben Dic verschiedensten, und darunter sonst sehr nüchtern uriheilende Politiker, seien in diesem Punkt einig und tonnte bic beinahe drohenbe Sprache des Berliner Vereins — Randbemerkung des Fürsten Bismarcks: „Der unb drohen!" — nur die Wirkung einer beschleunigten, vielleicht sogar verschärften Durchführung haben. Gezeichnet v. Thielau.
Darauf richtete ber Reichskanzler Fürst Bismarck unter dem 2. März an den kaiserlichen Generalkonsul in Pest v Thielau folgenden Erlaß: „Euer Hochwohlgeboren gefälligen Bericht vom 22. vorigen Monats habe ich erhalten und bin mit bet Art einher - standen, wie Sie gegen den Minister v. Trcfort Ihre persönliche Ansicht über bic ungarische Schulfragc ausgesprochen haben. Ich ersuche Sie, wenn sich wieder eine Gelegenheit zur Besprechung dieses Gegenstandes mit Herrn v. Trcfort bietet sich nicht ausdrücklich auf einen erhaltenen Auftrag zu berufen, aber doch erkennen zu lassen, daß Sic über unsere Auffassungen informrrt sind, und mutz zu Einzelheiten das Nachstehende auSsprcchen: Dic ungarische Regierung darf dcn Kundgebungen des SchulvereinS feine politische Be Deutung beilegen unb das Gewicht desselben nicht überschätzen Ich kenne dic tietrcffeiibcn Veröffentlichungen heute nicht ün Teri unb auch meine Kollegen haben von der Schrift des Prof. Hcintze, bic vor einem Jahre im ungarischen Reichstage böses Blut gemacht hat, amtlich keine Kenntniß genommen. Die mancherlei ben Behörden zugegangcncn Zuschriften sind ohne Bescheid gelassen worden. — Randbemerkung des Fürsten Bismarck: Schon im Erlaß vorn 3. Februar 1882 an Prinz Rcuß: „Wie denn auch alle seit Jahren in Druckschriften unb Eingaben von Privatpersonen uns zugegangencn Klagen unbeantwortet geblieben sind." — In einem Verein kann ein Professor mehr reden, als zcbn Minister beranitoorten könne« (Heiterkeit), und auch die ungarische Regierung hat mit Abgeordneten zu thun, die sich nicht durch bas StaatSiiucresic biszipliniren lassen. Ter Namc von Bunsen würbe dem Herrn Minister keinen Eindruck gemacht haben, wenn er aus dem Parlamentsalmanach ersehen hätte, daß der genannte Abgeordnete als Schriftführer bei Hilfsvercins für Ostpreußen Mitglied deS Ausschusses der Viktoria- Stiftung, stellvertretender Vorsitzender der Kaiser Wilhelm-Stiftung, Vorstandsmitglied des Berliner .Hilfsoereinö für bic Armen, AuS- schutzinitglied der Afrikanischen Gesellschaft, Verwaltungsrath deS Berliner Asyloereins, erster Vicepräsibent deS deutschen Fischerei- Vereins, Vorsitzender bcs Ccntralvercins für Flußschifffahrt, sowie I ber Rabattsparanstalt bezeichnet wirb, wobei noch bic Ehrenmitglied- fchaft des Cobbcnklub:- unb bas Rcichstagsmanbat vergessen sind. I (Stürmische Heiterkeit.) Auch eine begabtere Persönlichkeit würde nicht im Stande sein, nach allen diesen Richtungen hin Vertretbar ei
Außerdem müsse der Staat verlangen, daß, wer ' “ ber Staatssprache sich
erthcilte nicht blos' den Confens, sondern speziell bei bet Ertheilung bcs Consenfes an den General von Schweinitz fügte er Bemerkungen ber Art hinzu: „bic Versagung eines Consenscs an den Grafen von Schweinitz zur Verheiratung mit einer Amerikanerin würde eine äußerst ungünstige Rückwirkung ausüben auf unsere mit Sorgfalt gepflegten Beziehungen mit ben Vereinigten Staaten von Nordamerika." Es seien dort brühen genügend Strömungen vorhanden, die uns feindlich gegenüberftünben und dic eine solche Vcr sagung entsprechend auszuimtzcn versuchen wurden. Ich glaube daher, denselben Grundsatz können wir auf unseren gegenwärtigen Vertreter in Washington antoenben.
Dann hat der Abg. Oertel noch den Schatten Bismarcks herausbeschworen, unb dic bekannten Kürassierstiefel. Darauf mochte ich erwidern, daß Fürst Bismarck bic Kürassierstiesel nur anzog, wo es ihm nöthig unb nützlich erschien, daß er aber auch sehr vorsichtig fein konnte und sich sehr Wohl auf das Einlenken verstand. Das hat er in der Samoastreitigkeit und in der Karolinenfragc gezeigt. Speziell die Beziehungen zu Amerika sind vom Fürsten Bismarck auf da§ Sorgfältigste gepflegt worden. Daß aber heute, wo die überseeischen Interessen ein viel größeres Gewicht haben, als in den siebziger und achtziger Jahren, ein gutes Vcrhältniß zu Amerika mindestens ebenso wichtig ist, wie zur Zeit des Fürsten Bismarck, wird von keiner Seite bcsttitten werden.
Ich kann nicht schließen, ohne daß ich meinem Bedauern Aus druck gebe über dic Art und Weise, wie sich der Abg. Hasse ausgesprochen hat über einen Staat, über ein Volk, bas uns seit vielen Jahren ein zuverlässiger Verbündeter ist. Ich habe schon früher dargelcgt, daß wir uns in die inneren Verhältnisse anderer Staaten cinzurnischen unb bieselben mit einer solchen Herbheit zu fritifiren, wie bics eben ber Abg. Hasse gethan hat, Weber ein Recht noch ein Interesse haben. (Beifall.) Wir haben nicht das Recht dazu, weil wir cs uns auch nicht gefallen lassen, sondern uns auf das Ernsthafteste verbitten würden, wenn Andere in unsere inneren Verhältnisse sich eimnischen würden. (Beifalls Wir haben aber auch lein Interesse daran, weil wir dadurch Gefahr laufen, die Unterstützung von Persönlichkeiten unb Kreisen in jenen Ländern zu verlieren, auf die bisher die deutsche Politik rechnen kann, ohne daß dic Lage unserer Staminesgenossen dadurch irgendwie verbessert würde. Für unsere Rcichsangchörigen müssen unb werden wir cintrctcn, wann und wo ihnen Unrecht gefrischt; das haben wir eben in Venezuela gezeigt. Aber für unsere Volksgenossen, die von uns völkerrechilich getrennt find, können wir nicht diplomalisri) intcrveniren. Tas ist ein alter Grundsatz der deutschen Politit', dcn Fürst Bismarck aufgestellt hat und von dem keiner feiner Nachfolger ab weichen wird. Meine Herren, gerade weil wir wünsthcn müssen, daß das ungarische magyarische Volk innerhalb des Rahmens der österrcichisch-ungari- schcn Monarchie eine möglichst gewichtige Stellung in der Welt einnimmt, deshalb wünschen wir, daß cs sich nicht absvcrrt gegen
Deun'chc sind in Ungarn auf einander angewiesen, keine von beiden NatiAialitäicn aber auf bic Slaven. An letzteren wird Ungarn bei fetner balbinfclariig von ben Slavenmast'cn umringten Lage knien lieberen Anhalt gegen panslavisrische llcbcrfluihung finden. Vielleicht werden Eure Excellcnz, inbem Sie vergessen, datz H«rr v. Trcfort den Grundsatz ber gleichmäßigen Behandlung pcofla« mirt hat, und inbem Sic diesen Grundsatz auf Rechnung Anderer setzen, an Denen cs ja nicht fehlen wird, Gelegcnheil finden, den Herrn Minister davon zu unterhalten, daß wir auch unsere Noth mit ben Doktrinären haben, welche den vielgestaltigen lebendigen Organismus des Staates in mechanische Regeln Zwängen^ wollen und daß wir solche Verkennung bcS polinschen BedurfnipcS und solche Verleugnung polinsckien Sinnes als Sitcirnducrei zu bezeichnen pflegen. Zum Schluß wollen Ew. Excellcnz Dem Herrn Kultusminister bic Versicherung wiederholen, daß wir un5 nach wie vor jeder Kr.»5k ber Maßnahmen ber ungarischen Regierung, auch wenn bicfelvcn der öffentlichen Meinung bei uns mchr gefielen, enthalten wurden, wie wir Uns auch durch mißfällige Urthcile, welche dort über uns laut würden, in ber objektiven BeurtHeilung
Ein auS bicfern gebildetes Sub-
m dem Wahnsinn liegt Methode.
2lbg. Dr. Ccrtcl (konf.): Der Reichskanzler Hai den Dreibund doch wohl zu optimistisch aufgefaßt, ich will nur Hessen, baß feine optimistischen Hoffnungen in Erfüllung gehen. Es kommt vor Allem barauf an, baß der Dreibund unverändert geblieben ist, und | daß wir ihn durch keine zollpolitischen Zugeständnisse erkauft haben. | Denn die Befürchtung, daß cs dori) solche Zugeständnisse gegeben j hat, wird von weiten Streifen des Volkes gethcilt. Denken Sic nur daran, wie bic Regierung beim Zolltarif die Interessen ber beukschcn Gärtnerei prcisgegcben hat. Bei den Handelsverträgen werden wir dafür sorgen müssen, baß dieser wichtige Zweig ber deutschen Volkswirthschaft nicht vernachlässigt wirb. Qcsterrciri) unb Italien haben ein größeres Interesse an dem Dreibund, als wir. Dasselbe gilt von den Handelsverträgen. Jri) hoffe, baß der Reichskanzler bei dcn Handelsverträgen dicS nicht vergessen wird. In der Orientfragc stimme ich dem Kanzler unumwunden zu; ich hoffe, wir werden auch spater keine Rolle im Balkan spielen wollen. Jri; hoffe aber auch, daß wir nicht durch fragwürdige Verkchrsunter- nehmungcn in Zukunft baS Mißtrauen Rußlands erwecken. Aus Venezuela find wir leidliri; weg gekommen, unnöthig war das Vorgehen gegen Venezuela nicht, denn es handcltc sich dori; um mehr, als um die Forderungen der Disconw-Gcsellschaft. Ob wir für bic Zukunft Vortheile haben werden, erscheint mir jedoch sehr zweifelhaft. Kenner der Verhältnisse haben mich versichert, daß der deutsche Handel sehr leiden werde, weil Deutschland sich mit der Disconto- Gcsellschaft identifizirt hat. Ich bitte ben Reichskanzler, dafür zu sorgen, daß diese Befürchtung nicht eintritt. Das Zusammengehen mit England billige ich; in Bezug auf Energie des Vorgehens kann Deutschlmid noch viel von ben Vettern jenseits bes Kanals lernen. Wenn man sich der Angriffe deS englischen Parlaments gegen Deittschland erinnert, mutz man aber bock; sagen, baß es bort mehr Achivi delirantes giebt, als im Reichstag. Wir müssen deshalb die Leute an uns herankommen lasten, und ihnen nicht mit zu viel Liebenswürdigkeit entgegenkommen. Dies gilt besonders aud) von Amerika. Von dem Gesmidkcn Speck von Stcrnburg habe ich mir diel versprochen, schon weil er Sachse ist. (Heiterkeit.)^ Nun soll der Herr aber gesagt haben, er fühle sich verpflichtet, mich bic Jnteresien Amerikas zu vertreten. Tas Ivar für einen Diplomaten ein sehr thörichtcr Satz. Er hat nur die Jnteresien feines Landes zu wahren, darum schicken wir ihn hinüber. Auch darf ein Diplomat nicht so viel reden, wenn auch das Reden heute bei uns beliebt ist. Besonders gefährlich ist es, in einem solchen Milieu zu reden, wie Frhr. v. Speck; denn dic siebente Großmacht, die er um sich versammelt, das find gewiß ganz famose Herren, aber sie haben die Fähigkeit, nicht nur zwischen ben Zeilen zu lesen, sondern auch, wenn ul) so sagen darf, zwischen den Zahnen zu hören. Die beste Lösung wäre, wenn erklärt würde, bic Rebe bcs Herrn von Stemburg ist mißversianben. (Heiterkeit.) Die alten Grunbsätze ber Diplomatie müssen befolgt werben, sie bürfen mcht aniiquiren. Schon äußerlich zeigt fiel) ja ein Unterschieb zwischen i der mobernen unb ber alten Diplomatie; ich erinnere an bic Küras- fttrfticfcl unb an bic Husarenstiefcl. (Heiterkeit.) Bestehen bleiben mutz aber der alte Grunbsatz, baß politische Frcundschafien unter leinen Umslänbcn erkauft werben bürfen burch wirthschaftliche Zu QcftänbmHc. (Beifall rechts.)
Reichskanzler Graf v. Bülow: Meine Herren, wenn ich bei ber Verkeilung ber Censuren burch ben Abg. Oertel noch leidlich gut weggekommen bin, fo hat dagegen der Abg. Hasie gegen mich und bic von mir geleitete auswärtige Politik eine Reihe scharfer Vorwürfe erhoben. Ter Abg. Hasie ist zunächst der Ansicht, baß wir von Venezuela mehr hätten erreichen können, baß wir in bieser Beziehung mehr hätten hcrausschlagen sollen. Dem Abg. Haye, genügt nidjt bic materielle Genugthuung, welche uns Venezuela zu leisten sich bereits erklärt hat. Er verlangt von Venezuela auch nod) eine ticfonbcrc Sühne. Ich möchte wissen, welche Sühne eigentlich dem Abg. Hasie noch vorschwebt? Wünscht er, baß ich dem General de Lastto das Verlangen unterbreite, erroa nun auch einen Sühne-1 prinzcn zu schicken? (Hetterkeit.) Ich gestehe, daß ich an dem chinesischen Sühneprinzcn genug gehabt habe. (Stürmische Heiter- | leit.) Im Uebrigen bin ich der Ansicht, baß cs barauf ankoinmi, daß Venezuela un5 gegenüber feine materiellen Verpflichtungen erfüllt. Wenn ber Abg. Hasie soviel an bem auszujetzen hatte, was wir von Venezuela erlangt haben, so vergißt er toicbcr einmal, baß man in ber Politik mit ben gegebenen Verhältnissen rechnen muß, er vergißt, baß dic Vcrhältnisie in Wirklichkeit oft anders liegen, wie sic vor der Kritik und namentlich vor der retrospctlivcu Kritik crfriictncn. Man hat an die Verhandlungen im englischen Par lament erinnert. Dort hat ein hervorragender englischer Staatsmann, Lord Roseberry, geäußert: Bei dem Ausgange ber Vcnezucla- Angelcgenheit hätte Cnglanb 5500 Pfunb Sterling bekommen, Dcutschlanb aber 68 000 Pfund, also ungefähr zwölfmal soviel. Diese Summe repräsentire das Vcrhältniß des Vortheils, weldien England bei einem Zusammengehen mit Teutsriiland, unb zwar in ber letzten Zeit immer gehabt habe; Lorb Roseberry fügte hinzu, genau so läge cS bei allen Abmachungen, welche England in ben letzten Jahren mit Dcutschlanb gehabt hätte. Id) glaube, baß biefe Abwägung von Lorb Roseberry anthmetisri) unb poutisdi unzutref fenb ist. (Sehr richtig!) Ich glaube, daß sowohl bei ber Venezuela Aktion, als bet allen ben Aktionen, wo wir in letzter Zeit mit Eng lanb zusarnntcngcgangen sind, Sicht unb Schatten gleichmäßig ber theilt gewesen ist. Sie können aber daraus cvjehen, wie bas Wort, baß Niemanb Prophet ist im eigenen Vaterlanbc, ganz besonders für bic Minister gilt. Hüben unb brüben sdiießt bie Kritik über bas Ziel hinaus und vorbei. Dir haben nach meiner Ucberzeugung von Venezuela im Großen unb Ganzen basjenige, iva§ nach Sage ber Dinge zu sri;affen war, erreicht, was wir vov Anfang an angesrrevt unb verlangt haben. Mehr zu verlangen unb burchsetzen zu wollen, wäre nadi meiner Kenntniß ber Verhältnisse, meiner Kciintniß ber Verhältnisse in Venezuela, wie nach meiner BcurtheUung ber internationalen Berhältnisie, ein Fehler gewesen. Der Avg. Freiherr von Hertling hat vorhin in s. inen Ausführungen mit fRcdir barauf hingewiescn. baß selbst in Teutschlanb unser Vorgcl)cn gegen Vene zuela verschieden bcurthcilt worden sei, und ebenso von ben ?cut
zum Lchrantte zugelasien werben soll, mächtig erzeige Herr von Trcfort wäre über dic Erklärung, welche inzwischen von .Herrn von Bunsen und Genosien abgegeben wäre, namentlich deshalb betroffen, weil sich auch hervorragende Gclchrre
ihrer Rattonalität hcrbeirufcn mußten. Tie ungarisaic Regierung würde ein Mißverstehen ikncr Absiristen scbr beklagen Hieraus hätte er, ber Generalkonsul, dem Herrn Minister erwidcik, daß er zu diploma. sichen Verhandlungen nicht berufen, jedoch bereit sein würde, cersoulich und bcrtraulidi, wenn es gewünscht wurde, ihm feine Mitwirmng zu tcihen. AuS ber früheren Haltung ber, kaiserlichen Regierung Dürfte Sc. Erecllenz wohl entnehmen, baß
.k, baß ungarische Nntcrthanen eine« Ton an» ob sie bic Hilfe des bcurfdicn Rciclic" zum Schutze


