Ausgabe 
20.2.1903 Drittes Blatt
 
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Freitag, L3. Februar 1303

153. Jahrg.

trennt täglich mit Ausnahme beß SormlagS.

tu ..Siehe-. ZamiliendlStier- werden dem Anzeiger vierma wöchentlich beigelegt. Der hessische kcmdwtr - erscheint monaülch einmal.

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General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen.

Parlamcntalischc VcrlmuVIniiiicii.

Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet.

Duitschcr Neickstag.

862. Sitzung vom 19. Februar.

1 Uhr. DaS HauS ist schwach beseht.

Am DundeSrathßtisch: Graf PosabowSkh u. A.

Die zweite Berathung deS Etats desReichSamtk deS Innern" wird beim TitelGehalt des Staatssekretärs" fort­gesetzt.

Abg Eickhoff (freis. Vp.) fuhrt Beschwerde über den lang­samen Geschäftsgang beim ReichSvatentamt, Anträge auf Eintragung eines Waarenzcichens müßten oft ein ganzes Jahr auf ihre Er­ledigung warten. Die ganze Verwaltung werde dort überhaupt zu bureaukratisch geführt, oft würde eS verweigert. Namen in daS Register einzutragen, ohne daß ein Grund vorhanden wäre. Die ganzen Verwaltungsgrundsätze müßten daher einer gründlichen Reform unterzogen werden.

Abg. Dr. Müller-Meiningen (freis. Vp.): Angesichts der Ge­schäftslage will ich auf die Erörterung einer Reihe von interessanten fragen verzichten, wozu u. A. auch die Schaffung eines Reichs- Wasser. und Reichs-Luftgesetzes gehört. Wie steht eS aber mit dem in Aussicht gestellten Photographie-Gesetz? Brennend wird auch allmählich die Frage eines einheitlichen ReichS-Theater-Ge- setzes. besonders muß das Gebührenwesen der Agenten geregelt werden. Denn hier hat man es beinahe noch mit einem mod.-rncn Sklaventhum zu thun. DaS ganze Theaterwesen muß in einem groß angelegten Reichs-Theater-Geseh geregelt werden. An die Schauspielerinnen werden so große Anforderungen bezüglich der Toilette gestellt, daß es ihnen fast unmöglich ist. tugendhaft zu bleiben, sic müssen beinahe entgleisen. Die Thcaterzensur ist ein direkter Verstoß gegen die preußische Verfasiung. sie verstößt aber auch gegen die ReichS-Gewerbe-Ordnung. Der Reichstag ist also durchaus kompetent, hier für Abhilfe zu sorgen. In den siebziger Jahren hat schon Windthorst ein Theater-Gesetz gefordert, selbst Herren von bei Rechten geb-n zu, daß es mit der bisherigen Theaterzensur nicht weiter geht. In der allerletzten Seit habm wir wieder solche Lächerlichkeiten in der Theaterzensur gehabt, daß man zu der Ueberzeugung kommen muß, nur von Reichswegen kann hier geholfen werden. Der Zensor hat sich in den letzten Wochen dem Gelächter der ganzen gebildeten Welt preisgegeben. Denken Sie nur anDie Malic" von Bernstein. Das Stück war genehmigt, auf der Generalprobe wurde aber eine Scene für anstößig er­klärt. weil während eines Gebets draußen ein Walzer gespielt wurde. Auf die Beschwerde des Direktors, daß dies Verbot doch ein Novum sei, erwiderte der Zensor: die Behörde thut, ist

immer ein Novum." Hoffentlich wird dies Wort ebenso in den Büchmann ausgenommen, wie das geflügelte Wort des Polizei­präsidenten:De janze Richtung paßt uns nickt." Auch bei dem StückThal des Lebens" von Dreher hat sich der Zensor blamirt. Die Aufführung wurde als besonders bedenklich bezeichnet wegen der bedauerlichen Vorgänge am Hofe in Dresden. Die traurigen Vorgänge in Dresden haben mit Frömmelei und Pietisterei doch j nichts zu thun. Denn in Dresden . . .

Präsident Graf Ballestrem: Aber, Herr Abgeordneter, all da­gehört doch nicht zum Reichsamt deS Innern. (Heiterkeit.)

Abg. Dr. Müller Meiningen (fortfahrend): Der preußische Minister deS Innern hat im Abgeordmlenhausc gesagt, im Hohen« zollernhause wäre vor 150 Jahren eine ähnliche Sache pa'sirt. wie sie in dem Stück geschildert wäre, so was dürfte nicht in das Volk getragen werden. Davon hat der Dichter selbst jedoch nichts ge­wußt. daS Stück verherrlicht sogar das Hohenzollerntbum. Durch das Verbot ist für daS Stück eine Reklame gemacht, daß I b"r eS jetzt seben will, während es fonff einfach von dem guten Geschmack deS Publikums bald von der Bühne bertrich^n worden wäre. Da sehen wir, wohin die Zensur führt. Das Stück ist rückt eine Ver­höhnung der Keuschheit, sondern eine Verhöhnung der Heuchelei. Das hat der Zensor ganz mißverstanden. Das schmähl'ckstc Stück der Zensur ist jedoch das Verbot von Vaul HepseS ..Maria von Maodala". Dies Stück bietet in religiöser Hinsicht absolut rückts Anstößiges, trotzdem ist e§ verboten worden, weil in einem ..christ­lichen Staat" so etwa? nicht aufgeführt werden dürfte. In Cam­burg und Stuttgart hat man es aufaefübrt. in ^r"-n wur*>e es verboten. So täppisch und läppisch hat sich die Zensur N"ch nie er­wiesen. Wo bleibt da die edle Aufgabe des German>»nth"ms. die bächsten Probleme der Kunst behand--ln zu dürfen? Leide'- ist der Minister des Innern nicht da. trotzdem ick ibn d^von verständigt habe, daß ich diese Sacken zur Spracke bringen würde. Die größten fran-ösischen Lasrivitäten sind gestattet, und so tief sittliche Stücke wie das von Paul Hevsc werden verboten. Ick frage den Minister, hat er das Stück von Hevsc gelesen? Und wenn ja, wie kann er zu so unalm'hlicken Deduktionen kommen, wie er sie im ^b-wardmLen­tz ause tbat? Eine Reihe von Aussprüchen hat der Minister im steno­graphischen Bericht mit Gänsefüßen versehen, wobl um den Anschein zu erwecken, daß sic in dem Stück vorkämen, aber kein Wort davon steht darin. Wie kann ein solches Verbot auf daS Auslaud wirken? In Amerika ist da-: Stück vor den ersten Kreisen aufgeführt, auf auch selbst hat das Stück einen erhebenderer Eindruck gemacht, als es die Predigten von zehn Hofpredigern vermocht hätten. Paul Hevsc selber bat sich über dies Verbot in einem Schreiben an den Kriler Gocthebund geäußert' Er müsse es tief beklagen, daß z^ei Minister ein-'S Staates, der sich einen christlichen nennt, die Aufführung eines Stückes verboten habe, das die sittliche Mackt des CH- isten'hums feiert. Ich glaube, wenn der Mimster wirklich solche unglaublichen Verbote gutheißt, dann hat er mich dic verdammte Plicht und Schuldigkeit, die Konseouenien zu ziehen: dann muß er auch die Aufführung desFaust" untersagen, auch die Sha*esv"aresckcn Köniasd'-amen, auch ..Kabale und Liebe" usw. WeSbalb th'st er das nicht? Weil er eS nicht waat, gegen ein Sstick etwas zu saaen, welches den Namen Goethes, Schillers. Shakeipea'-es riägtl Soll aber gegen moderne Autoren All"s erlaubt fein? Der Minister sagte: Ja, die Tendenz manches Stückes kann leickt mißverstanden werden! Also das Nivem: der Dummen soll maßgebend fein! Dummen Menschen kann aber nun einmal von Seiten des Staat--! keine Garantie geleistet werden. Was der M'ni'ter mich sagen möge, es hilft nichts und es bleibt dabei: die Zensur ist ein Uns glückswurm, ist der Lächerlichkeit berfo^en. man k"nn dieses Amt nicht von der ihm anhaftenden Lächerlichkeit befreien.

Ich hätte hier noch ein großes Material, das mir vo" norn- haften Künstlern hiesiger kleinerer Dübnen übergeben word'n ist und das die Zensur in unglaublich komischem Lickt erfdrinen läßt. Aber im Hinblick auf die vorgerückte Zeit will ich mich nur mit einigen Andeutungen begnügen. Was soll man dazu frren, wnn die Zensur jetzt jedem Humor griesgrämig auf dem Na-* n Da hat man einem hiesigen bekannten Charaktcidarsteller folgend n Vers gestrichen: w

Sie dackte an nichts Beeses, Futsch wm sie, ei HerrcheeseS" (Heiterkeit), mit brr Begründung. eS sei eine Gost'Slästerung, wenn man in diesem Zusammenhang den Namen des Herrn Jesus heran­zieht. (Große Heiterkeit.)

Einer Soubrette wurde nicht gestattet, etn Couplet zu singen, daS den verfänglichen TitelSie Taube" führte. (Heiterkeit.) Als der Titel inLa Paloma" abgeändert wurde, gestattete der Censor daS Couplet, da er vermuthlich nicht wußte, daßPaloma" die spanische Uebersehung vonTaube" ist. (Heiterkeit^) Ein Couplet- verS, der auf Draga Maschin anspielte, wurde verboten, weilge­krönte Häupter" in Couplets nicht behandelt werden dürften. (Heiter­keit.) Urkomisch ist auck die Leidensgeschichte der folgenden Couplet­strophe, die ein sehr bekannter Cbmakterdarsteller vortragen wollte:

Miß Duncan tanzt im hies'gen Opernhaus, Doch vor dem Tanz zieht sie die Strümpfe auS, Im Allgemeinen findet daS nicht statt.

Weil jeder Mensch da Hühneraugen hat!"

(Heiterkeit.) Der Darsteller hat die Gewohnheit, die einzelnen Coupletswophen durch Bilder zu erläutern. Der Censor ließ sich das Bild zu dieser Strophe vorlegen, um zu konstatiren, ob in dem aus- gezogenen Strumpf nicht etwas Unsittliches verborgen war. (Große Heiterkeit.) Erst als er gesehen hatte, daß der Fuß ganz frei von Hühneraugen und Unsittlichkeit war (Heiterkeit), gestattete er den Vers. Das sind so Heldenstücklein unserer Censoren. Aber mit den kleinen Tensoren ist es nicht gethan, es gicbt auch noch einen größeren, höheren Censor (hört' hort!), wenigstens für unsere Hof- theater. $n hiesigen eingeweibten Kreisen erzählt man sich sonder­bare Geschickten bezüglich der Absetzung der StückeKönig Laurin" vonWildcnbnkck und des musikalischen SinngedichtsFeuwsnoth" von Richard Strauß. Es ist ja in hohem Maße merkwürdig, daß diese-beiden Werke, die über alle großen deutschen Bühnen gegangen sind, hier vom Repertoire verschwunden sind. Man weiß ganz genau, daß dies auf Veranlasiung eines noch höheren CensorS ge­schehen ist. (Hört! hört!) Ich möchte an den Herrn Reichskanzler, besten literarische Anschauungen ick zu kennen glaube, die Frage richten, ob er nicht da Wandel schaffen könne. Er hat unS gesagt, der Kaiser sei kein Philister. Da? batte auch Niemand gealaubt. Aber seine Minister, die sind oft Philister (Heiterkeit) und die Polizei ist ein großer Philister. Da möge der Reichskanzler doch die nöthigen Anordnungen treffen. Der Geist der Censur geht überhaupt jetzt wieder in unheimlicher Weise in deutschen Landen herum. Wie daS Muckerthum jetzt wieder sein Hauvt erhoben bat, dafür hat uns Herr Collega Stöcker neulich einen Beweis geliefert, al« er sich dar­über aufregte, daß der Kaiser den Vorlesungen von Prof. Delitzsch beigewohnt habe, statt sich darüber zu freuen, daß der Kaiser den modernen wissenschaftlichen Bestrebungen fein Interesse zuwendet. Die allerreaktionärsten Angriffe sind gegen diese Vorträge erhoben worden. Es bandelt sich für mich nicht darum, ob die Schlußfolge­rungen des Pros. Delitzsch zirtreffend sind oder nicht: darüber können nur Fachmänner entscheiden. Es bandelt sich darum, ob die Wissen­schaft und ihre Lehre frei fein und bleiben fallen.

Wir bekämpfen die Tbeatereenfur nickt im Jntereste der Direk­toren, sondern einzig und allein, weil sie eine Beleidigung des deut­schen Volkes darstellt (Zustimmung) und in unsere Zeit nicht mehr hineinvaßt. Wir verlangen em Reickstheatergesetz, das das Tbeater- wesen im modernen Sinne ordnet und mit der ganzen Tbeatereenfur aufräumt. Dir erwarten, daß der Reichskanzler dieses traurige Ueverbleibfel einer vormär»licken Zeit beseitigt, so wahr er kein Philister ist. (Lebh. Beifall links.)

Abg. Dr. Gröger ffreif. Vv., schwer verständlich) tritt für eine baldige Reform de? Börsenaesetzes ein, denn dies Gesetz sei unter dem Drucke der Ueberagrarier ein Gesetz gegen die Handelsfreiheit geworden. Das Börfengefetz untergrabe geradezu Treu und Glau- ben. daS Verbot deS Gerreide-Terminhandels habe den kleinen Ge- trcidebandel ruinirt.

Abg. Graf Kanitz (kons.) meint, Herr Crüger und seine Freunde i'erTangt'n zu viel für die Börse. Selten fei ein Gefetz mit einer solchen Gründlichkeit ausaearbeitet worden, wie gerade daS Börfen- gefetz: die B-ckauptung, daß es fick um ein Gefetz ab irato bandle, sei gerade sebr verfehlt. Zweifellos habe das Grieß große Mängel. So sei es nicht zu billigen, daß die Börsian-»r im Bärfenau -fchuß das Uebergewicht hätten. Die Börse fei nickt um ihrer felbst willen da, fondern im Jntereste der gan-en Bevölkerung. Der BörfenauS- fckuß würde alfo so reformirt werden, daß di«- anderen Berufe rnebr darin zum Ausdruck kommen. Ferner enthalt-' daS Gesetz zu wenig Swafbritimmunaen. (Zustimmung rechts ) Von Seiten der Be­hörde sei gegen da? Gefetz fofnrt nach der Emanation Sturm ge- Tmrf*n w-wd-n, befmid-rs das Börfenregister. Das fei nickt klug ge­wesen. Das habe die 0|"ifmcrffamfeit darauf gelenkt, welcher Art in her Tbat die biirfenmäßmen Termina-fchäfte gewesen feien. DaS Register Fi den Herren ^"efuTanten ein Dorn im Auge, sie möchten gern da? Vublikum im Allgemeinen wieder zugelasten (eben, um mit ihm daS illegitime Geschäft weiter betreiben zu können. In allen Staaten feien Spiel und ^ette als Rechtsaefckäftc unailtig. Man follw bei uns die Leute, di- einmal den Dif^eren-einwand erbeben, ein für allemal bnm Börfenbesi'che auSsckließen: daS wäre ein radi­kales Mittel. ES fei im böcksten Maße bedauerlich, daß Leute, welchen für eine Reibe von Jabren die bürgerlichen Ehrenrechte ab­erkannt werden, nachher wiede'- -ur Börse zuariaston werden. Warum w-rde hier nicht ein fchärferer Maßstab anaeTeot? Wie h-äre es mög­lich. daß Leute, die von der Börfe alsScknfte" bezeichnet werden, nachher dort wieder a"s- und einoingen'^ G'wiste Voraänge ließen feiner Ansicht nach darauf scklief"n, daß an der Berliner Börse immer noch Ne berufenen T-rmmgrfräste in Getreide gemacht werden. Ein Gerickt bghe sich mit einer Klage besckäftiat, in der d-r eine Kontrahent von dem andern auSaestellte Weckfel zurückverlangt hätte, mit der Begründung, es habe sich um ein ver- botenes T-rmitmcsckäsi grianMt, "nd daS G-rickt habe dem Kläger fta:ta.'a<'b'n. W-nn d - Börsengesetz-Nobelle komme, so würd-n er und s-'ne T'-'-i-ide di" V"-laa- mi* der aröfcf-n Sachlichkeit prüfen.

Abg. Büsing (nat.-lib ): Der Vorredner bat zu meiner großen Freude die Reformbedürftiakeit des Börsengrietzes, trenn mich nur in beschränktem Umfange, offen anerkannt. Auch meine Politischen Freunde entziehen sich nicht der Erkenntnih, daß die Mirkunaen b*? Gesetze? tbeilweife recht b-»klaaenswertb gewesen sind. Es ist nickt zu r-uanen, daß die Leistungsfähigkeit unb die Stärke bet , deutschen Börsen ganz erb-blich durch das BÖrsengesetz geschwächt | worden sind, imb e? ist nickt zu leuanen, daß der Grundsatz von Treu unb Glmiben, der bisher im aeschäftlichen Leben aeberrsckt bat. in erschreckender Weife untergraben worden ist. (Sehr richtig!), Dirie Wirsimgen da? aebe ick ni sind bei Erlaß des Börsen gefetz--? nickt vormismseben aewesen. Mein" Politischen Freunde I find daher bereit, bei einer men>-erung Börsengesetzeß m: ' wirken, welcke die von mir hcrvorgc^obenen allcrscklinrw Wirsimoen beseitiat.

Man hat dav"r gewamst, su vi»l zu verlangen. Ick kann b*r- i sickern, daß diese W.rmi'ng bei uns nickt nöttzig ist. Meine bol'tisck-- Freunde wollen ibrersri's da? Börsengcsttz nur insoweit geän*- -r 1 wisten, al? bie v-m mir f-^rborrrebobenen sckl'm-n-r, F^lasn birr die A--nbemm7 beseitigt werden. S'e wollen ri'/4 wei^r. al? t deutfcken B"'rstn in if- r f-ifierrn 9eiftut*<*3fnbiafeit w'"der Her­stellen und dem Gr'--dst" von Treu und G^aub-n Est. gang in s*5 acschä' ' n ber)"/ fren. D-r C --

meiner Partei fyrt bi " bereits bot ls Ja.. . ntul *

Sie enthalten das Mindeste, was verlangt werden muß, um zur . Gesundung der deutschen Börsen zu gelangen. Ick bitte den Abg. j Graf Kanitz, zu beachten, daß unter diesen Wünschen nicht dic Be­seitigung des Börsenrcgisterß sich befindet. Ich meinerseits glaube, daß die Einführung deS Börsenregisters kein glücklicker Griff ge­wesen ist. Aber trotzdem gehen meine politischen Freunde unb gehe auck ich nicht so weit, die Beseitigung bcs einmal eingeführtcn Registers zu verlangen. Wir verlangen aber, baß ber Eintragung in bas Börscnregister gewiße anbcrc Momente gleichgestellt werben. Wir verlangen, baß bic mannehibc Registereintragung und ber Differ'nzeinwanb bann nickt zu berücksichtigen sinb, wenn bic nickt im Börfenregister eingetragenen Personen zur Zeit beS Geschäfts- abschlnfsts mit einer eingetragenen Person berufsmäßig ober gewobnbeitsmäßia Börsen- ober bankmäßige Geschäfte betreiben, zum i Desuck einer Börse zugelasten waren, als Kmtflcutc in baS HanbclS» register eingetragen waren, ausgenommen Handwerker unb solch« i Kaufleute, deren Gewerbebetrieb nicht über den Umfang beS Klein- 1 gewcrbcs binanSgeht, ferner Erzeuger ober Verarbeitet von ÜBaaren, auf bie sich bas Termingeschäft bezieht.

Dir verlangen ferner, baß eine Abrechnung der Gewinn» gegen die Verluste vlatzgreifen kann, daß die Unwirksamkeit deS Ge­schäfts unb bie Zulässigkeit bes Disserenzcinwanbcs sich nicht auf bie bestellten Sicherheiten unb bie abgegebenen Schuldanerk nntnisie erstrecken unb baß auch eine Rückforberung besten, waS vor der Ab- iricklung bcs Geschäftes zu seiner Erfüllung geleistet worben ist, 1 nicht stattfmdet, unb enblich, baß nach Ablauf von seckS Monaten nach Ertheilung ber Abrechnung der Register« unb ^sif"tcnzein- wanb nicht mehr geltend gemacht werden kann. DaS ist das Min­deste, was verlangt werden muß, um wieder zu einer G-sundung der deutschen Börse zu kommen. Ich glaube, ber Abg. Graf Kanitz 1 wirb nicht behaupten können, baß wir zu viel verlangen. Un'cre Forberungen beziehen sich lcbigllch auf die 66 und 68 bei Börsengesctzcs-, sic beschränken sich auf ben Register- unb D fferenz- einiranb Die Verheerungen, bie bic entgcgensteheubm Bestim­mungen bes Börscnges'tzcS bei der deutschen Börse angcrichtct haben» können von keiner Seite hinwcggeleugnet werben. Es hi"ßc Eulen nach Athen tragen, wollte ich Sie noch lange mit einzelnen Beispielen behelligen.

Die beutschen Börsen nehmen nicht annähernd mehr diejenige 1 Stellung ein, bie ihnen gebührt und bie sie früher eingenommen haben. Ich bin überzeugt, daß Niemand im Hause bic beutschen i Börsen absichtlich schwächen unb in ihrer Leistungsfähigkeit herab- i brücken will. Man hat bei Erlaß bes Börsengesetzes die gewiß 6c» rechtigte Absicht gehabt, Auswüchsen entgegenzutreten, aber hieß Ziel i ist nicht erreicht worden, und bas ganze Börsen- und Bankgeschäft ist erheblich geschädigt. E? muß offen eingestanden werden, daß damals ein Fehler gemacht ist. An dem Bestehen einer starken und leistungsfähigen Börse hat jeder das größte Jntereste. der Hand­werker, der sparende Arbeiter, der Kleingewerbetreibende, ber Lanb- wirth, der Industrielle und natürlich ber Kaufmann. Die nwbernc Entwicklung unseres WirthschaftSlebens wäre ohne bie Hilfe leistungsfähiger Börsen absolut unmöglich gewesen. Man hat gute Grünbe gehabt, bic Börse einzuengen, man hat geglaubt, ber Spiel- wuth bes Publikums entgegentreten unb unberechtigte Elemente von ber Börse fernhalten zu können, flber man hat zugleich die Börse selbst getroffen und daß legitime Geschäft unheilbar geschädigt. Des­halb sollte man sich nicht scheuen, den begangenen Fehler einzu- gestehen unb bie Aenderungen vorzunehmen, bie absolut notbwendig sind, um die Börfe wi-der auf ihre frühere Höhe zurückzuführen. Auch für ben internationalen Verkehr sinb bie Börfen von aus­schlaggebender Bedeutung. Die Börsen bedürfen offenbar ihrer Natur nach eines spekulativen Elementes, bas dafür sorgt, daß fort» wahrend gekauft und verkauft wirb. An ber Stabilität ber Eourse hat auch ber geringste Privatmann, ber überhaupt jemals ein Werth, papicr in ber Hand gehabt hat. baS allergrößte Interesse. ES ist unmöglich, die Börse auf bic wenigen Leute zu verweisen, auf dic Leute, bie sich rn baS Börsenregister eintragen lasten. Dann wird sie ein tobter Körper Wir müssen aber eine lebendige Börfe haben, hie bem DirthschaftSleben bes Volkes nützt. Die Termin- und LieferungSgeschäfte sinb ein vollstänbig legitimes Bebürfniß, damit die Börse ihre Aufgaben erfüllen kann. Auf das kleine Kaffa- geschäft beschränkt, würbe bie Börse zu großem Schaden der Ge- fammtheit ihre Aufgaben überhaupt nicht erfüllen können: eS würde zugleich eine Theucrung des Geldes herbeigeführt werden, die wie­derum nicht im Jntereste deS Publikums liegt. Also. Jeder muß ein Jntereste daran haben, bie Börse groß, stark unb leistungsfähig zu machen, unb deshalb müssen diejenigen Mängel beseitigt werden, die die Gesetzgebung geschaffen bat unb bic die Börsen in ber That nicht zu ertragen im Stanbe ftnb. Eine weitere üble Folge bei Börsengesetzes ist bie Vernichtung bcs fo nützlichen unb segenSreich-n Arbitraaegeschäfts. Es ist vollstänbig verschwunben, nicht allein burch das Börsengefetz. sondern auch durch die B3rsensteu"r. Ferner ist der Mittelstand im Bankierstände jetzt gänzlich auSaeschaltet. Wir haben eine nicht gerade sehr wünschenswerthe Konzentration d"S pcfammicn Börsen- und Bankwesens bei den wenigen großen Banken, und dieser Zustand kann doch gerade auf der rechten Seite des Hauses nicht für gut angesehen werden. ES ist ferner ein großer Theil der Termingeschäfte, die früher an den deutschen Börsen effeftuirt wurden, in das Ausland gegangen. Wer svekuliren will, läßt sich durch gesetzliche Bestimmungen nicht davon abbaften, und geht eS an der heimischen Börse nicht, so mackt er an einer mis- ländiscken. (Sehr richtigI) Viele Millionen an Provision gehen alljährlich in? Ausland, namentlich nach London, und Millionen von Mark werden dem nationalen Wohlstand entzogen. Daß der Mind-rertrag der Börs^nsteuer in feinem Zusammenhang mit dem Gesetz steht, ist nicht richtig. Daß die Schraube zu stark angezogen wurde, stimmt. Ich habe eindringlich vor der Erhöhung gewarnt, aber ebne Erfolg, ich bin also unschuldig daran. Ab.w el ist nicht allein die Wirkung der Erhöhung, sondern auch die Folge bc$ Bärienges-vk-s. Diese Wirkung brauchte nicht unmfttrfbar nach Er­laß bes Gesetzes in Entsckeibung zu treten, benn bie Wirkungen del G'-setz-s sind um so schlimmer, je länger e? gedauert Hat, unb bas wird sich in Zukunft noch mehr geltend machen.

Also in den von mir hervorgebobenen fünften muß das Gesetz abr-änh-rt werden. M"'ne Freunde legen den g^ößt-n Werth dar­auf. daß eS möglichst fcfu-H ncfchieht; da ist in der Tbat eine Ge­fahr im V-rzug-, und ich bebaure auß-rordentlich daß man eine gan-e S ' on hat verstreichen lasten, ohne daß daS Börsenaesetz uns horaeleot worben ist. bas unS hoch eigentlich schon ziemlich fannc in Aussicht pr- 7t worb"N ist. Ich kann die Gründe, die der preu­ßische Handelsminister im Abgeordn-tenbaufe angeführt bat. nicht ' stickbaltia anerkennen. Ich glmcke: trotz der großen Aulaaben. bet Rcichßfaa in dieser Session aus-uführen hotte, hätten wir t unb Kraft noch r*r Genüge gefunden, um dieses allf-itia al?

o- . vin on-r?anntc Börsenreformgesetz zu Ende zu bringen. (Leb- r Beifall.)

Aba. ÄTr-mirfen (freis. Vgg.): Wir sieben am Ende der Bärsen-Nop^lle wird unS daher jetzt Wohl nicht mehr zu- treO^n laßt eS sich nickt, daß da? Bärf "tesetz unf---n ' nalwoblKand o"schäh--'t ba-. Eine f r-n : - 'r-1 ntgt werden. Leider hak Graf Kanitz diel nicht v -