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20.1.1903 Zweites Blatt
 
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3>u yeirttge Kummer umfaßt 10 Seiten

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Kesellschaft für Hrd- und'lkeiLunde Kießeu Gießen, 18. Jan.

senheit. Tatsächlich sand ich aber l) etwa 300 Deutsche, welche deutsch

Der deutsche Kronprinz auf Stofen*

Petersburg, 19. Januar. Dem heutigen Feste der Wasserweihe vor dem Jordanportal des Winterpalcns

Nr. 16

«rfftetnt tLgltch außer Sonntags.

Dem Glehener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem ftesfischea Landwirt die Gietzener Familien- blättet otermal In der Woche bergelegt.

-totaNonSdruck u. Ver­lag bei B r 2 h l'schen Unwerp-Buch- u. Stein- bruderti iPtelsch Erden) ^edatnon, Erpedmo» and Druckerei:

Gchnl st ratze 7.

vdrrss, tflt Depeschenr An-etger «letzen.

AernlprrchansckiluhNr 51.

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im Att-fchM

|U billigsten Preisen. 47«

Karl Eichmann,

Eberstr. 1, ^otbanlogt.

an Dividivi den Schote der Cäsalpinia coriaria für 600000, an Schmucksedern 132 000, an Copaivabalsarn 79 000, an! Nutzholz 67 000 und an Häuten 60 000 Mark. Damit sind überhaupt die wichtigsten Erzeugnisse Venezuelas genannt, alles Rohprodukte, vor allem Kasse, der 1895/96 von einet Gesamtausfuhr von 96 allein 68,6 Millionen Mark, also 70 Prozent, einnahm; erwähnenswert wäre höchstens noch die Ausfuhr von Gold aus Guayana, die von etwa 15 Millionen Mark in den achtziger Jahren auf V/a in 1900 gefallen war, und Vieh, das aber naturgemäß nicht nach Deutschland, sondern vornehmlich nach Kulm und Trinidao ging, und 1895/96, einen Werr von VJl Millionen für die Ausfuhr hatte.

Mährend die Ausfuhr in den letzten Jahren beständig gefallen ist, zeigt die Einfuhr von Hamburg in Venezuela zwar in den: Jahre der Kaffeekrise eine plötzliche Vermin­derung von 4 200000 ML, insofern sie von 10800 000 in 1897 aus 6 600 000 in 1898 gefallen ist, aber seitdem ist sie zwar langsam, jedoch stetig auf 8 800000 Mk. in 1901 angewachsen.

Nachdem im Jahre 1898 der Kaffeepreis gewaltig ge­fallen war und seitdem in den letzten Jahren eine Revo­lution auf die andere gefolgt ist, hat zwar der Handels eine Einbuße erlitten, aber derEinflußoerDeutschen im Lande ist eher gestiegen, als gefallen. Da nämlich viele KleingrundLJitzer, welche auf ihre Ernte Vorschüsse erhalten hatten, durch die genannten Umstände in Schulden geraten waren, so wurden die deutschen Häuser, um sich für ihre Vorschüße bezahlt zu machen, gezwungen, zahlreiche Pflanzungen in Zahlung zu nehmen. Alllein in der Gegend von San Eristobel im Ta'chira, wo das Gesamt- kapital der deutschen Firmen etwa 12000 000 Mk. beträgt, belief sich bis Mitte 1901 der Wert des an sie gefallenen Grundve,itzes auf 3 000000 Mk. Ta nun diese Verhältnisse im übrigen Lande auch vorliegen, so sind die deutschen Firmen wohl oder übel neuerdings auch zu Grundbesitzern geworden.

Schluß folgt.

den Darbietungen des Abends hoch entzückt und spendete Herrn Tr. Wüllner, der drei der Lieder auf stürmisches Verlangen da capo singen mußte, den lebhaftesten Beifall, dankte auch Herrn Prof. Arnold Mendelsohn warm für seine vorzügliche Klavierbegleitung.

Nach Berichten aus Caracas

haben bei dem Kampfe zwischen dem deutschen Ka^ non en bootPanther" und dem Fort San Carlo bei Maraeaibo mehrere Explosionen an Bord de« Panther" slattgefunden, und zwei Personen sollen getötet worden sein. General Bello, der das Kommando auf dem Fort Can Carlo führte, ist der Held des Tage« in Venezuela, da derAusgan gdes Bombardements als großer Sieg betrachtet wird. Der General erklärte, das deutsche Feuer sei fast wirkungslos gewesen, während derPanther" derart beschädigt worden sei, daß er den Kampf nicht f ort setz e n konnte. Der Panther" ist anscheinend nach Curaeao abgegangen. Die Bevölkerung in Caracas veranstaltete infolge dieser Affäre Umzüge. Niemand versteht, aus welchem Grund die Deutschen Vorgängen. Nach einer,^erald"-Mel- dung war die Aktion schon vor einer Woche beschlossen worden und zwar auf eine Ordre von Berlin aus, daß:' ein Angriff erfolgen müsse, bevor der amerikanische Gesandte Bowen in Washington eintrefse. DerHerald" deutet an, daß man in Berlin versuche, die Friedensverhandlungen zum Scheitern zu bringen.

Die Newyorker Abendblätter, außerEvening Post", ind geneigt, den Zwischenfall mit dein deutschen Kanonerv­bootPanther" als ernst anzusehen.

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Wirklichkeit offenbar geschehen, auf eine mildere Behand­lung der ganzen Sache hinzuwirken, also vielleicht Sabel) oder doch wenigstens einen einmaligen Kugelwechsel in Vor-, schlag zu bringen. Der Sachverständige verwies demgegen-, über auf die besonderen Umstände in diesem Falle, ins­besondere auf das bestehende Verrufsverhältnis, das die Dinge im allgemeinen noch etwas verschärft habe. Die Feststellungen dieses. Prozesses werden hoffentlich den Anlaß dazu bieten, daß die Berufenen in den Dingen, die hier berührt worden sind, nach dem Rechten zu sehen sich be­mühen werden. Daß da der verständige Rat und das ge-, reiste Urteil derälteren Herren" nicht entbehrt werd«! karm, versteht sich wohl von selbst.

Die Lage in Marocco.

In London eingetroffene Nachrichten über die Lage tn Marokko lauten widersprechend; während die Madrider Nach«, richten einen optimistischen Charakter tragen und der Sultan, neuen Zuzug erhalten haben soll, erklärt der aus Fez in Tanger eiugctrvffene deutsche Konsul, daß die Lage kritisch und daß eine optimistische Austassung ohne allen Grund sei. In der Umgegend von Tanger dauern die Gefechte zwischen revolutionären Stämmen und den Regierunas-i truppen fort. Verstärkungen von Regierungstruppen futb auf Tanger in Anmarsch.

Nach einer Havasmeldung brachten die Truppen des Sultans den Anhängern des Prätendenten in der Nachbar­schaft des Hyainastammes eine schwere Niederlage bei.

Ein Bataillon spanischer Infanterie und eine Batterie reitender Artillerie schifften sich in Algeciras nach Ceuta ein.

Tas Echo d'Oran erfährt aus Nlarnia, daß zwischen zwei Stämmen der Beni Orassi ein heftiger Kämpf ftata gefunden hat. Zwei Schwadronen französischer Spahis sind an der französischen Grenze mobilisiert worden, da zu er<i warten steht, daß die Kämpfenden auf algerisches Gebiet übertreten werden.

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auf zu haben. |

gewährt.

Feinste

Die Deutschen haben jetzt die besten Stores, die besten Privathäuser im Besitz, und beherrschen mit ihren Krediten weithin das Land, sodaß Empfehlungen der großen deutschen Handelshäuser bei Reisen ins Innere wirksamer sind als die der oftmals wechselnden, das Land meist nicht genügend kennenden deutschen Minifterresidenten. Heber den Wert des deutschen Handels mit Venezuela haben wir keine absolut sicheren Zahlen, zumal da in den letzten Jahren die Statistik der Republik wegen der fortgesetzten Revo­lutionen noch mangelhafter geworden ist, als sie früher schon an und für sich war. Im Durchschnitt hatte die Em- >uhr von Venezuela in Hamburg einen Wert von 18511860: 5Vi, 186118,0: 10,20, 18711880: I81/3, 18811890: 90,80 und 18911900: 17,7a Millionen Mark; für 1899 wurden 9, für 1900: 15, für 1901: 7,8 Millionen Mark angegeben. Von Venezuela nach Hamburg ausgeführt wird vor­nehmlich Kaffee, Kakao, Häute; 1900 gingen von 175 000 Sack Kaffee, die der tzauptyafen La Guaira ausführte, allein 80000 Sack nach Deutschland, 1901 von 121000 Sack nur 37 000, dagegen 45 000 nach den Vereinigten Staaten. Man darf jedoch nicht vergessen, daß auch dahin vornehmlich deutsche Häuser den Export besorgen, sodaß nicht ohne weiteres ein Rückgang des deutschen Hanoels daraus ge- chlossen werden darf, sondern nur eine Veränderung in ter Richtung der Ausfuhr. Heb erbte» ging der Handel Vene­zuelas überhaupt wegen der Unsicherheit der Zustände und der mit 1898 eingetretenen Kaffeekcise zurück, der Wert des Gesamthandels von 130 Millionen Mark 1897 auf 95 Millionen 1898; heute mag er 8000 Millionen betragen, wovon Deutschland wahrscheinlich etwa 25, den Vereinigten Staaten 20, England 15, Frankreich 10, Holland und Italien je 5 Millionen zugute kommen. Die Ausfuhr von Kaffee nach Hamburg sank 1901 auf 4 Millionen, während sie 1895 noch 17,66, 1900 noch 9,5 Millionen Mark betragen hatte, die von Kakao nauj Hamburg sckl 1901 aus 950UOO Mark gegen 2 Millionen im Jahre 1960. Weiter empfing Hamburg 1901 nur für l1,» Millionen Mark Lauts.., uk und Gummi gegen 2 ein Achtet im Jahre 1901, und enbuaj 1901

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Me feinst geräucherte

Darmstädter Arief.

R. B. D a r m st a d t, 19. Januar.

ff a r n e b a I, ber att\äf)ilidc) um diese Zeit seine Zauberwirkung auf die Gemüter ausübt, hat mit dem gestrigen Tage auch bei uns seinen Einzug gehalten. Ge- ^-^<^§-?^^^etropole nicht mehr zu dem eigentlichen Hemfchaftsfch des lustigen Prinzen, so läßt sich unsere Be- votkerung doch gern von dem bunten Mummenschanz und dem Possenfpiel mit ergreifen, das Se. närrische Dtajcstät der bumorbeflrssenen Menge bereitet In Darmstadt hat o^r^/^val rn früheren Jahren mehr im ^Verborgenen geblüht, feit 1886 aber ist er auch mit reich maskierten Um­zügen an die Oeffcntlichkeit getreten, und zwei getrennt marschierende Gesellschaften, die Narrhalla in Ver­bindung mit den bewährten Kräften der Turngenleinde, und die Karnevalgesellschaft, sorgen aufs Eif­rigste dafür, daß alle Verehrer und Anhänger des lustigen ^reibens w, ihrem Rechte kommen. Den Reigen der Kar­nevalsfreuden eröffneten die beiden erstgenannten Vereine gestern mit einem kleinen, aber sehr flott arrangierten Fe st zu g, der, von Fanfarenbläsern im Heroldskostum er- öfsnet, 24 berittene Harlekins, die Prinzengarde, eine Ab­teilung Amazonen, Clown auf Eseln und reichgeschmückte Wagen austvies. .Vor dem Hause des langjährigen frü­heren Präsidenten der Narhalla, Herrn Max Anspach, der auch den er ft en Karnevalszug in Darmstadt ins Leben rief, wurde von dem Genamiteu auch die Parade über die Prmzengarde abgenommen.

Zu der ersten Karnevatssitzung, die am Abcnb in dem überaus prächtig geschmückten Turnhaltensaal am Woogs­platz stattfand, hatten sich so viele Narren beiderlei Gc> schlechts eingestellt, daß der große Raum sich bei weitem 5 nt^u eug erwies. Tie Sitzung nahm, nachdem Punkt 7 Uhr 11 Min. das närrische Komitee hinter einem wahren Eldorado von dekorativen Kohllöp en und sonstigen schönen Erzeugnissen des Gemüsegartens Platz genommen, den üb­lichen humorgewürzten Verlauf. Urnarr Anspach begrüßtc all'e Untertanen des Prinzen Karneval mit einer höchst lau­nigen Ansprache, der närrische Protokollführer Louis Geist verlas eine ebensolche Jahresübersicht, und dann ließ in bunter Abwechselung etwa Schock Narrenreduer Vorträge los, in denen nicht nur die beliebtesten lokalen Themata, sondern auch die Vorgänge im Reichstag und die sonstigen bekannten ober pikanten Ereignisse zur Zielscheibe üppig sprudelnder Betrachtungen dienen. Sehr angenehm wurden die Vorträge durch gediegene, meist humoristische Leistungen einer Anzahl Vorturner unterbrochen und erst nach säst fünfstündiger, angeftreijgter Arbeit schloß die erste offizielle Narrensitzung, der sich ein flottes, karnevalistisches Tan-- vergnügen anschloß.

Der hiesige Richard-Waaner-Verein ist in Siefemi Winter mit großem und dankenswertem Eifer be­müht, dem mufiftiebenben Publikum eine Reihe auserlesener ^".l'lgenüsse Ul bereiten. So fand am heutigen Montag der fünfte Liederabend als Franz Schubert-Mv end statt, an welchem Herr Tr. Ludwig Wüllner aus Köln zum ersten Male hier Schuberts herrlichen Lieder-Cyklus >,W i n t e r r e i s e" zuin Vortrag brachte. Ter geschätzte : Künstler erfreute die überaus Zahlreiche Schar der Zuhörer imKaisersaal" nicht nur durch den löimberbaren Wohllaut feines prächtig geschulten Organs, sondern auch durch die 00rtreffliche Iirterprctation uni) die poesievolle Wiedergabe j dieser dürftigen Müller-Lieder. Tas Publikum war von j

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Rud. Me,

gjlaldjineniabnl,

In der großen Aula der Universität sprach vor einigen Tagett Herr Professor Dr. Siewers über die Küste und die Häsen Venezuelas. Die Anzahl der Deut­schen in Venezuela betrage, wie Herr Prof. Siewers aus- fiihrte, nicht, wie man irrtümlich oft annehme 5000, sondern mir etwa 1200, von beiten ein Teil in der deutschen Ko­lonie Tovar, eine starke Tagereise von Caracas ent­fernt, wohne. Die Kolonie Tovar wurde im Jahre 1839 auf Veranlassung der venezolanischen Regierung ge­gründet und zählte zunächst etwa 100 Einwohner. Anfangs gebtel) die Kolonie, d.urch Zuzug aus Baden und Hessen auf 400 Köpfe verstärkt, leidlich, geriet aber allmählich n Abfall und Vergessenheit. Tatsächlich fand ich aber ttn Jahre 1892 dort noch etwa 300 Deutsche, welche deutsch reden, sich in ihrem Aeußeren und Wesen nach deutsch er­halten und zwar den alemannischen Dialekt bewahrt haben, 5 allein die Kolonie selbst und ihr Kirchhof sowie die Kaffee- pjlanzungen waren nicht gut erhalten und als Ganzes machte die Kolonie doch einen etwas degenerierten Eindruck. Diese Deutschen sind es also nicht, welche deU Namen des Teutschen Reiches in Venezuela zu einem geachteten und teilweise gefürchteten gemacht haben. Einfluß, An- lehen und Macht erwarben vielmehr zuerst die deutschen Kaufleute, welche seit der Vertreibung der Spanier im den zwanziger Jahren anfangs in geringer, dann in immer größerer^ Zahl ins Land einwanderten. Man kann ! 9eute sagen, daß sie den Handel der Republik beherrschen rnib zwar in ganz hervorragendem Maße, sodaß sie in den nichtigsten Städten kommerziell völlig dominieren. So fand 11 18o4 sogar in der Maracaibo-Filiale des großen ameri-

i .^?^chbn Hauses Boulten einen Deutschen als Chef. Die st LÄchtigkeit und Ehrlichkeit sowie das gesellschaftlich meist | tii-beifreie Benehmen dieser deutschen Kaufleute hat in erster j vLnie den Grund zu ber jetzigen mächtigen Stellung ber Deutschen gelegt und zivar lange vor dem Jahre 1870.

Zweites Blatt. 153. Jahrgang Dienstag 80. Jannari 903

® icfiener Anzeiger

M General-Anzeiger

Amk- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WW

ur-i- _____ ____ getgenteil: Han« Beck.

Volitffche Tagesschau.

Der Deutsche Landwirtschaftsrat über den Nutzen der Getreide- zolle für das Bauerntum.

Ter Generalsekretär desDeutschen Landwirtschasts- rates", Dr. Tode, hat unlängst in dem monatlichen Organ dieses Institutes einen Artikel überBodenbenutzung und Getreideproduktion der bäuerlichen Betriebe in Ostelbien Westelbien und Süddeutschland" veröffentlicht, dessen .Haupt­zweck ist, nachzuweiscn, in wie hohem Maße auch der eigentliche Bauernstand als G e 1 r e i b e l i e f e r a n t in Betracht komme, und wie großes Interesse er demnach auch an den Getreidezöllen habe. Die vom 57andelsVertrags-, vereine hcrausgegeveneDeutsche Wirtschaftspolitik-' be­merkt in ihrer heutigen Nummer dazu:

Wenn man sich ganz auf den Standpunkt des Ver­fassers stellt, so kommt man gemeinsam mit ihm zu dem Resultat, daß im Turchschnitt der bäuerliche Betrieb (je nachdem, ob man Getreideverkauf bis zu 2 ober nur bis &u 5 Hektar herunter annimmt) nur 12,2 Doppelzentner bezw. 21,9 Doppelzentner Brotgetreide jährlich zu verlausen hat, demnach bei einem Getreidesoll von 5.50 Marl pro Doppelzentner einen Nutzen von 6/ oder beften- falls 12J Mk. im Jahre h^ben würde. Tas berechnet der Herr Verfasser selbst. Ec hütet sich aber wohlweislich, auch das letzte Exempcl, ivclches sich aus seinen Ziffern ergwbt, festzustellcn, daß nämlich jeber der 24 000 ostelbi­schen Großgrundbesitzer im Turchschnitt einenBrvt- getreideverkaus von 740 Doppelzentner und demnach einen Zollnutzen von 4070 Mk. im Jahre hat."

Zum Karlsruher Duellprozeß

schreibt dieStraßd. Post":

Rechtsanwalt Tr. Popp aus Darmstadt, der in dem Prozeß als Sachverständiger vernommen wurde, machte eine ausfallende Enthüllung. Nachdem er eine geschicht­liche Erläuterung der Tendenzen und Zwecke der studentischen Ehrengerichte gegeben hatte, erklärte er, daß die kaiserlichen Bemühungen um Einschränkung der Duelle vergeblich bleiben müßten, da die meisten Korps im Anschluß an bie Bonner Erklärungen des Kaisers au den ersten Char­gierten ber Bonner Borussia das Bestreben verfolgten, die älteren Herren, bie an sich schon in Anschauung der gesetzlichen Bestimmungen sehr ängstlich seien und vorkom- mendenfalls zur Ruhe uno Besonnenheit mahnen könnten, möglichst aus den Ehrengerichten herauszudrängen, trotz­dem es doch sehr begrüßenswert sein würde, wenn recht viel ältere Ehrenrichter vorhanden seien. Diese würden aber durch die gegenwärtigen Strafbestimmungen mehr und mehr abgeschreckt, und so habe man hier in Karlsruhe nur einen älteren Herren auftreiben können. Der Vorsitzende richtete bann kun ben Sachverständigen eine Reihe von Fragen, die daraus hinausliefen, ob bas Ehrengericht nicht in Rücksicht auf die große Jugend des erschossenen Reiß (er war bei seinem Tode 19 Jahre alt), in Rücksicht ferner auf feine völlige Ungeübtheit im Pistolenschießen, auj seine große Harmlosigkeit, die u. a. in dem festen Sa.)las vor dem Tuetttag zum Ausdruck gekommen sei, und schließlich in Rücksicht auf die eigentliche Ursache des Zu­sammenstoßes die Pflicht gehabt hätte, mehr als dies in