Ausgabe 
19.11.1903 Erstes Blatt
 
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Das italienische KSnigspaar in Kngland.

Windsor, 18. Noo. s4ki der Ankunft der fürstlichen Herrschaften im Schlosse erwies eine dort aufbestellte Ehren­wache die mMtärisck-en Ehren. Jin Schlosse wurden der Sitimg und die Königin von Italien von dell Würdenträgern begrüßt. Auf den Treppen waren Leibgardisten aufgestellt. An der Fanlilientasel in der eichenen Halle des Schlosses nahnren der König und die Königin von England und von Italien, Prinzessin Viktoria, Prinz nnd Pcinze,sin von Wales und Prinz und Prinzessin Christian zu Sccsteswig-Holstein teil. Die Gefolge speisten in einer anderen Halle. Der Mayor von Windsor gab 62 in Windsor lebenden Italie­nern, die in Nationaltracht erschienen waren, im Ralhause ein Festmahl.

König oduard und der König von Italien jagten heute ün Walde von Windsor. An der Jagd beteiligten sich auch der Prinz von Wales, der Herzog v. Eoniraught sowie der Prinz Ehrißian von Schleswig-Holstein. Auf der Fahrt üls Jagdgeläilde begab sich König Viktor Enlanuel nach dem Mausoleum in Frogurore und legte einen Kranz am Grabe der Königin Viktoria nieder. Die Königin Alexandra uüd die Königin Helene unternahmen eine Ausfahrt, aus der sie die Albert-Gedächtniskapelle besuchten. Zum Frühstück trafen sie mit den Fürstlichkeiten, die sich zur Jagd be­geben hatten, wieder zusammen.

Heute abend sand zu Eyren der italienischen Majestäten in der St. Georgshalle des Schlosses ein Fe st m a h l statt. An demselben nahmen außer dem König und d.r Königin sowie den Mitgliedern der Königlichen Familie auch die Minister mit Ausnahme deS durch Unpäßlichkeit vorhinder­ten Balsour teil, ferner die Führer der parlamentarischem Opposition, Chamberlain, das diplomatische Korps und- andere Würdenträger.

König Eduard toastete auf die italienischen Ma­jestäten. Er erinnerte daran, daß gerade 48 Jahre seit dem Besuche des erlauchten Großvaters oi£ Königs, Viktor Ema­nuels II., am englischen Hofe verflossen seien. Damals, sehte der König hinzu, befanden wir uns im Kriege. Unsere Heere kämpften Seite an Seite. Heute befinden wir uns Gott sei Tank im Frieden. Das Ideal, welches unsere Länder verfolgen, ist, den Frieden aufrecht z u er­halten unb auf dem Wege von Fortschritt und Zivili­sation zusammeil-uarbeiten. Der König g. dachte dann seines herzlichen Empfanges in Nom und setzte hinzu, er sei über­zeugt, sein Volk werde den italienischen Majestäten bei ihrem Besuche in London herzliche Gefühle der Freundschaft zum Ausdruck bringen.

König Viktor Emanuel toastete auf den König und die Königin und sagte, daß stets wachsende Ge­fühle der 'Sympathie und Freundschaft Eng­land und Italien verbinden. Sie bildeten für mein Volk fuhr der König fort, Aeberlieferung, für meine Regierung be­deutungsvolle Faktoren, bei ihm die Politik, welche gleich der Politik Englands eine Politik des Friedens und der Zivilisation sei.

Der Wnig verlieh dem italienischen Minister des Aeußern Tittoni das Großkreuz des Viktoriaordens.

Ein Vertreter des Reuterschen Bureaus hatte heute eine Besprechung mit dem italienischen Minimer des Aeußern Tittoni, in deren Verlause der Minister sagte: Ich kann nur wiederholen, daß die italienischie Politik eine Politik des Friedens ist Sie kann als ihre Grundlage nur den Dreibund aufrecht erhalten, der durchaus fried­licher Naturist. Es ist in Deutschland undOesterreich-llngarn wohlbekannt, daß unsere Erklärungen in dieser Beziehung durchaus ohne jeden Vorbehalt oder Gedanken ün einen solchen abgegeben, und daß das italienische Kabinett über die politischen Fragen sowohl in auslvärtigen wie in inneren Angelegenheiten völlig einig ist Die beiden mit uns Verburedeten Mächte vertrauen aus unsere Mil- arbeit, welche noch mehr an Kraft gewinnen wird durch i>ie neuen Handelsverträge, die unsere wechselseitigen, berechtigten Interessen besriedigen werden. Wi.r werden unser möglichstes tun, um die Wiederherstellung herz­licher Beziehungen zu Frankreich weiter zu entwickeln und zu befestigen. Was Englarrd betrifft, was könnte ich den warmen urrd aufrichtigen Aeußer- ungen der Zuneigung und Freundschiajt noch yinzusügen, die die italienische Presse kundgetan hat? König Viktor Emanuel befindet sich hier als erhabener Dolmetsu) dieser Gefühle. Die jüngste Rede des Premierministers Balfour über die Lage in Macedonien gibt in großen Zugen auch unsere Anschauungen wieder. In der sJJi i 11 e l m e e r» frage wie in Afrika verfolgen wir eine Politik, die mit derjenigen Englands völlig im Einklang steht.

Politische Tagesschau.

Wie hessische Sozialdemokraten einen Majestätsbeleidiger feiern

Dieser Tage wurde aus der Strafanstalt zu Butzbach der sozialdemokratische Journalist Adelung entlassen, der wegen Majestätsbeleidigung zu einer längeren Freiheitsstrafe von Rechtswegen verurteilt worden war. Run lesen wir

in dem sozialdemokratischenOffenb. Abendbl.* folgenden Bericht:

Mainz, 18. Rov. War daß ein freundschaftliches Hände­schütteln, ein frohes Wiedersehen, als gestern abend in derWcmz" die Genossen und Genossinnen in großer Zahl versammelt waren, um dem Redakteur Adelung zu seiner Rückkehr aus dem Butz­bacher Gefängnis ihren Willkornrnengruß zu entbieten. Genosse Tr. David hielt eine kurze A n s p r a eh e. Da habt ihr ihn nun rvieder, meinte er launig, die Geiangntskost ist ihm gut bekommen, aber auch die geistige Kost, die er sich mitgenommen, er hat die drei Atonale zum Studium der fatalistischen Litteratur benuljt. So hat die Justiz einenbesseren" Sozialdemokraten aus ihm ge­macht. Mit der Besserung sind wir zufrieden. Genosse Adelung dankte in kurzen bewegten Worten. Dann trat die Fidelitas in ihre Rechte. Namentlich der Genosse Fürst, der kleine große 'Mainzer Dichterfürst, erfreute durch Vortrag einiger seiner humor­vollsten Dichtungen. Selbstverständlich wurden auch die Ereignisie undSünder" der letzten Wochen durchhechelt. Unter großer Heiterkeit brachte eine Genossin ein von Fürst schnell zu Papier gebrachtes Kauplet nach bekannter Melodie zum Vortrag, das unter anderem folgende Verse enthielt:

Der Dresdner Parteitag war wirklich nicht schön, Die Masse will solches Gezänk iiichl seh'n.

Der Goliath Bebel packt nianchen beim Schopf

Und wujch ihm ganz gehörig den Kopf.

Und Wolsgang Herne der sprach: wie schlau Ist Dr. David, der schickt' seine Frau. Er dachte: o David, wär' ich doch bei Dir! O Du glückliches Tier, Dir gehl's besser wie mir!

Em weiterer Vers ivurde dem kürzlich namentlid) von der Leipziger Volksztg. hart angegriffenen (Genossen Redakteur Mendel gewidmet. Lindernden Balsam träufelte der Dichter also in seine noch brennendeWmiden":

Von Leipzig kam die Kunde hierher, Tas jemand eingrüner Junge" noch wär! Auch hier man ihm auf die Finger als klopft, Doch hat in die Ohr'n er sich Watte gestopft. Er schrieb sei'ni Kollegen nach Butzbach ganz fix: Tu hast Deine Ruh' Dir tut niemand mx. Doch ich krieg' meine Haue stets hier.

O Tu glückliches Tier Dir geht'ü besser wie mir!

Das ist echt Atainzer Humor, niemand nimmt etwaskrumm", feinet' lacht und amüsiert sich mehr, wie die Apostrophierten. Was Wunder, wenn die kleine Feier zur Begrüßung desMajestäts-- beleidigers" solcherart in animiertester Weise verlief und die Ver- sammelten bis zur Geisterstunde beisammen hielt.

Deutsches Reich.

Berlin, 18. 9äov. Ter Kaiser und die Kaiserin unternahmen gestern einen Spaziergang im Parke von Sanssouci.

Potsdam, 18. Rov. Der Kronprinz v o n D ä n e- m a r k traf heute mittag hier ein. Zum Empfange war der Kronprinz am Bahnhof erschienen. Nach herzlichster Begrüßung wurde die Fahrt nad) dem Kabinettshanse angetreten, wo ein Frühstück stattsindet. Der Kronprinz von Dänemark reist heute abend nach Wien ab. Vom Kabinettshause begaben sich der Kronprinz uub der Kron­prinz von Dänemark nack) dem Neuen Palais. Um 31/4 Uhr erfolgte die Abreise des dänischen Kronprinzen.

Stuttgart, 18. Nov. In Württemberg sind durch Vermittelung der königlichen Zentralstelle für die Lanb- wirtschaft genaue Mahl- und Backversuche mit ausländi­schem und inländischem Getreide angestellt worden. Diese Versuche haben beit Nachweis geliefert, daß die ein­heimischen G e t r e i d e s 0 r t e n den ausländischen d ur ck)s chnit t li ch in d er Ge f a m t a u sb eu t e und in der Ausbeute an pn e m Mehle überlegen waren. Bezüglich der Backfähigkeit standen sich die Mehle im allgemeinen gleich

M ü n ch e n, 18. Nov. Die Abgeordnetenkam­mer überwies einstimmig den Zentrumsanlrag auf Be­steuerung des unverdienten Boden Wertzu­wachs es nack) oberflächlicher Debatte und nach zurück­haltenden Aeußerungen des Finanzministers sowie Be­denken desselben gegen die Erwartungen des Zentrums und gegen die Festlegung der Erträgnisverivenbung (För­derung des Wohnungswesens der mittleren Klassen, Boden­zinstilgung, Wohnungsgeldzuschüsse) bei abwartender Halt­ung der Liberalen und nach persönlichen Reibungen zwischen rechts und links dem Ausschuß für die Regier­ungsvorlage betr. eine Grundwertabgabe.

Koloumlpost.

Kapstadt, 17. Nov. Der Offizier der Kappolizei, welcher ubet die Erhebung der Hottentotten in D e u t s ch-o ü d w e st a s r 11 a Untcijnajnngen anstellte, er­klärt, die Ausständischen rechneten mit dem Vorgehen der Sentjujcn gegen sie und lvurden sick) in das unzuläng­liche Pallagebirge zurückziehen.

Springboisontein, 17. Nov. (Reuter.) Einer amtlicljen Trpejeye aus Paniansdrist am Oranjeslusse zu­folge überschritt eine Abteilung Bv ndelzwarts die Furt. Sie erklärten dein Osfizier, lvelcher an der Furt Dienst hatte, jie wollten teilten Angriff auf die KapLvlonie machen ober in Berührung mit der Polizei tomnien. Tie Hottentotten berichteten ferner, es seien bisher lio ch k eine Teutjchen in Warmbad von Keetslnanshoop einge-

tnoffen. Tie Desaüung sei noch am Leben; die Teutsck-en hätten Warmbad niemals in Brand gesteckt. Die Bondelzwarts fragten schon an, ob sie m die Kapkolonie übersiedeln dürsten, lvenn sie von den Deutschen vertrieben würden.

Die vor einiger Zeit aus Deutsck)-Südwest, afrika gemeldete Mr mo r dun g d er Famili e Paa sch durch die Ovambos hat sick) nach einem derNat.-Ztg." aus Windhoek übermittelten Berichte eines Augenzeugen folgendermaßen zugetragen: Der Häuptling Bomakantu hatte, wie es üblich ist, dem ihm gegenüber auf deutschem Flußufer des Okavango lagernden Händler Paasch einige seiner Leute mit Früchten und Lauschartikeln zugeschickt und ihn zum Austausck) mit seinen Waren aufgefordert. Paasch, ein als brutal und gewalttätig bekannter Mann, hatte die Boten Lomalantus schroff abgewiesen, nnd als diese, wohl angesichts der Minderzahl der Paasch- jd)en Begleitung, nur zögernd porig in gen, sofort mit dem Gewehr bedroht. In dem daraus eiitstandenen Wort­wechsel s ch 0 ß P a a s ch, und vier Leute Bomatantus fielen. Tamit war das Sckstcksal Paasd)'s besiegelt. Arn Nad)Nlittag sandte Bomakantu eine große Schar seiner Krieger in das Paasck)'jche Lager und ließ, nack) vorhergegangener Ankün­digung des über ihn und feine Begleitung verhängten Todesurteils, ohne Erbarmen alles niederschießen. Bei der Metzelei entkam eine geißeskranke Tochter Paaschs und soll nock) nicht wieder ausgefunden sein.' Dann plün­derten die Mörder die Vorräte Paaschs und nahmen alles mit sich auf ihre Werften, die Wagen wurden an Ort und Stelle verbrannt.

Auslauö.

Budapest, 18. Nov. Der uiigarifd)e Ministerpräsident Graf Tisza hat heute im Abgeordnetenhause sehr (djarf feinen österreichischen Ministerkvllegen v. Körber kritisiert. Lieser hat gestern bei der Eröffnung des österreichischen Parlaments eine lange Rede über das Verhältnis Oester­reichs zu Ungarn gehalten, über die heute Graf Tisza sich äußerte, daß die Bemerkungen v. Körbers über das unga­rische Staatsrecht dilettantische Aeußerungen eines'distingmsy foreigner" seien. Seine (Tiszas- Aus­lassungen über tzol-eitsrechte hätten die Zustimmung des allein maßgebenden Faktors gesunden. Auf dieser Grund­lage habe er die Kabinettsbildung übernommen, und bei dieser klaren Sachlage könne man Kommentare von einer nicht kompetenten Stelle, die nicht mitzu­sprechen lv.be, mit großer Kaltblütigkeit hinnehmen, öidjerlid) würden alle Faktoren der ungarischen Politik sich cnergifd) widersetzen, falls versucht wurde, nicht bloß theoretische Aeußerungen zu machen, worin er niemand be­irren wolle, sondern in ähnlicher Richtung in die Praxis einzugreifen. Tie Aeußerungen Tiszas wurden auf allen Seiten des Hauses mit stürmischem Beifall und Händeklatschen ausgenommen. Nach Tisza spricht Ugron und drückt seine freudige Genugtuung über Vie e n er gischen Aeußerungen Tiszas aus. Alle un- garischen Parteien müßten zusammen,rehen, da Minister­präsident v. Körber nicht eine einzelne Persönlichkeit, son­dern ein System darstelle, das die öftereeichisd)en Parteien nicht zu fruchtbarer Arbeit und nicht einmal zur Anhäng­lichkeit an die Dynastie vereinige, sondern nur durch Ge­hässigkeit gegen Ungarn zusammenhalte. Die hiesigen Blatter sprechen sich oahin aus, da^ ohne Zweifel Vie heu­tigen Erklärungen des Ministerpräsidenten die parlamen- tarischie Lage von Grund aus ändern, und wahrsd)>einlid) einen baldigen Rüctzug der Obstruktion bewirken wird. Die meisten Blätter beiprechen die gestrige Rede deS Ministerpräsidenten v. Körber ungünstig und beklagen es, daß er den St reit in der Militär frag e dadurch erneuerte, daß er die Berechtigung des nngarijdjienl ReickMags bezüglich der MajefkärArechte in Sachen der Armee entschieden geleugnet habe.

Sofia, 18. Nov. Nachdem es der Redaktion der Wetsck). Pojck)ta" gelungen ist, Dokumente aus dem Archiv des unlängst ou^gewiesenen russischen Polizeiagentm Alexander Weißmann zu erlangen, beschäftigen sich die Blat­ter eingehend mit dem russischen S p 1 0 n a g e s Y st e m. Die Doiumente sollen mehrere Persönlichkeiten der ver- jlojsenen russophilen Regierung direkt des H 0 ck-, v e r - rats und antidyna stisck).er Bestrebungen über- führen. Die 'Regierung loirb jedenfalls die Dokumente zu politisck-en Zwecken ausnutzen. Die Enthüllungen wirbeln vielen Staub aus und sind geeignet, den russischen Einfluß stark zu schädigen. Tie Affäre wird noch weitere Kreise ziehen.

Konstantinopel, 18. Nov. Am 16. Nov. wurden die Bolschafler der Ententemächte bei der Pforte wegen ver Rejormsorderungen nad-drücklick) vorstellig. Am Nach­mittag stattete der Großvezier den Dotschastern der Entente­mächte in dieser Angelegenheit Besuche ab. Nach Mit­teilungen der Pforte an die Botschafter der Ententemächte haben am 10. November aufständische Bulgaren das nivhamedanisd)e Dorf Lazar im Sandschak Kirk-Kilisse niedergebrannt. Zwölf Einwohner wurden er*

Feuilleton.

VonJnteresse für Theaterfreunde dürsten die unter dem TitelA u s dem T a g e b u d) e eines Wiener Schauspielers 1848 1902" veröffentlichten Erörterungen und Betrachtungen Tr. Rudolf T y r 0 l t 's sein (Wien, Wtlh. BraumüUer). Tr. Tyrolt ist cm begeisterter Verehrer Laubes, den er iolgenderniaßeu schildert.Ich muß damit beginnen, mie mich Laube entdeckte. Er Hal mich von Brünn üii5 engagiert, ohne mich überhaupt gesehen zu habe»,.Was spielen Sie denn fragte er barsch. Ich antwortete:Komische Rollen".Dia, und lach leit die Lettte, wenn Eie sptelleit?"Jn Olmütz haben sie gelacht". Tamu war aber die Probe nid)t zu Ende. Ick) nrußle nun ztlNt Fenster nrarschieren unb feinem KommandoDrehen Sie sick) um" Folge leiften. Tas war so fein Gehaben, em bischen Pose, ein bischen Derbheit. Ich kenne aber keinen Abrichter, fernen Regisseur ßleici) lhm. Und da stelle ich Um am höchsten; als Schriitsteller und Direktor gilt er mir gar mcht so viel. Uttsierblich ntacht ihn sein Talent als Finder der Lellte, als Erfinder der Künstler. Bei ihrn hatte nur das Wort Gcivlcht, die Situation der Dichter hatte Recht, nick)t der Tapezrercr. Er ging seinen geraden Weg imb ließ sick) durch finanzielle Ailßhelligkelteli nicht hindern. Bei einer Generalversaninilung sagte er eimnol:Ich kann ja vieles, aber Eines talin ich nicht: addieren und subtrahieren". Er war ein Fanatiker des Theaters und man war ihm imleibüd), wenn man das Theater nicht an erste Stelle schob. Er war and) derb, aber nie grob. Ich glaube, sein hFirtester Ausdruck einer Dame gegell über war:Sie, Frau". Im Salon sagte einmal ein Herr so beiläufig, ergehe nie ins Theater; Laube war tid empört über diesen Aienschcn. Ai>ch mit Tmgel- stedl hatte er oft Aerger. Ter war freilich als Direktor nur auf emem Uebergangsposten und verlaiigte nack) Aemtern und Würden. Dingelstedt jagte ihm anläßlich der Debatte:Ja, lieber Laube, ich glaube gar, Sie nehmen das Theater ernft 1,T Dian kann sich

die Entrüstuiig Lailbes Ieid)t ausmalen. Dichterisch und als Theaterniaiili Meint es mir, als sei Laube der 9lad)beter von Jmmermann und Schroder gewesen. 21 Ile waren sie nut Leib und Seele Thealermenschen und warsen gleich den Krani hin, ivenn sich ihiieii Schwierigkeiten gegenüberstellten. Schließlich ergrißen sie aber immer wieder mit Begierde die Gelegenheit, nm mit dem Theater rvieder Fühlung zu gewmiien. jBrine Hauptslärke als Regisseur sand Laube darin, daß er das Stück zum kürzesten dramatischeii Ausdruck bringen wollte. Und da traf er immer das Richtige. Ich leime viele Stücke, deren Striche von Tirektoren, die nach Laube kamen, wieder ausgemack)t wurden, aber die Wirkung war verpufft, das Stück hatte verloren, lianbe, der Theaterkenuer und Regisseur, hatte ihnen das pulsiereiide Leben mit fernem Verstand eingehaucht."

Karl Hermann, der Charakterdarsteller des Frankfurter Sck) au spiel haus es, beging am 16. November die Jubelfeier (einer fünfundzwanzig- jährigen Zugehörigkeit zur I r a u k s u r t e r Bühne. Hermanir, 184*.) in Ungarn geboren, hat sck)vn in früher Jugend die Neigung zum Schaujpielerberus in sick) verspürt. 2iad)beni er die Wiener Tl-eateralavemie be­sucht hatte, begann er seine künstlerische Tätigkeit am Stadttheater in Graz. 9daa> kurzer Tätigkeit ui Leipzig, einzelnen süddeutschen Städten und Köln kam er 1878 unter der Acra Otto Tcvrienr an das Franksurtcr Stadt- theater. Eui anßerorocnllid) vielseitiges Repertoire um­faßt er mit immer gleicher Pflichttreue, gleichem f int ft* lerijchen Ernst, gleicher Gediegenheit. Wir nennen nur den Mephisto, den Syylock, Franz Moor, Geßler, Buller, Narciß, Marinelli, Rippaut, Klosterbruder, den Rabbi Sichel, Freund Fritz" welche Stolle er an dem Jubiläumsabend oerlö»,pert, ol/uc damit eine and) nur annähernde Voll­

ständigkeit geboten zu haben. Fast eben so lange, als an der Bühne, wirkt Hermann als Lehrer für Deklamation nnd Mimik im Hockstichen Konservawriunt in Frankfurt. Seüie verdienstvolle Tätigkeit an dem letzteren Institut wurde durch die Verleihung des Professor-Titels ausgezeid>net. Hermann ist beiläufig gesagt der einzige ausübende Schauspieler in Preußen, der diesen Titel trägt. Hermann hat fidji seit Jahren mit dem Pyysiologftcheu und Technischen der Spred).organe bejd-ästigt, urid er hat and) ein Büchlein erscheinen lassen, oas >ür Alle, die beruslid) ihre Sprech- werlzeuge brauchen, ein wertvolles Hilssbud) ist. An seinem Jubtläumsabend erntete er nalürlich stürmische Ovationen. Er dankte mit einer Ansprache, in der er hervorhob, daß er für das, was er geivorbcn, seiner Gattin zn danken hat, der er alle Huldigungen zu Füßen lege. 'Nach> der Vor­stellung vereinigte sick) ein, großer Kreis von Verehrern im Frankfurter Hof, wo Justizrat Meyer auf den Jubilar toastete, Schott die Gattin, Professor Bernhard Sd)olz die Tochter des Jubilars feierte, Charlotte Boch ein lie­benswürdiges Begrüßungsgedicht von Wildenbrud) vortrug. Ueber 100 Glüawnnjchdepeschen waren eingelanfen, dar­unter von Barnay, Haase, Clara Ziegler, Bulttzaupt, Fulda, Geheunrat Poos. Dr. Oncken in Sie gen, Oberbürgermeister Adickes. Herrnann's .Hoch auf Franifurt wirkte züudend.

S. K. S5. der Großherzo g von Hessen hat dieser Tage als Komponist einen Erfolg errungen. In einem in M a i n z veranstalteten Kvnz-crl sang Herr Jeaik Seitdjaer von Frank,urt u. a. drei Lieder des Grvßherzogs (erschienen bei Schott Söhne in Aiainzl und erntete lebhaftem Beifall.