Nr. S45
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Sietzener Familien« blätter viermal in der Woche betgelegL
Rotationsdruck n. Verlag der Brü h l'schen Untveri.-Buch- u.Stein- bruckeret (Preis ch Erdens Redaktion, Grpedttton und Druckerei:
Schalstraße 7.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«.
Fernsprechanschiuß Nr. 51.
Zweites Blatt« 153. Jahrgang Montag 19. Oktober 1903
.wu-i-jmr — vezagoprers»
^gflT monailich 75Ps^ viertel-
GlehenerAnmgerW
” General-Anzeiger Y
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW
setgentetl: Beck.
Air heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.
i. «J" ■ 1 ------ - ■■■' ______________
gelagerten MarrnorLallustraLen, mit den weitcrusgreisenden Manmorrtickwänden der Denkmäler und der Brunnen, gehoben durch 1 ein reiches Arrangement von blühenden Pflanzen. Der Kaiser und die Fürstlichkeiten schritten dann zuerst zum Denkmal Kaiser Friedrichs, wo Seine Majestät einen kostbaren Kranz uiedeclegte, dann zu dem der verewigten Kaiserin, der der Kaiser gleichfalls eine Kranz-
Are KnthMung der Denkmäler des Kaisers uud der Kaiserin Ilriedrich.
Berlin, 18. Okt.
Heute mittag sand auf dem Platze vor dem Brandenburger Tor die feierliche Enthüllung der Denkmäler des Kaise rs und der Kaiserin Friedrich statt. Die Standbilder ähneln in ihrem Aufbau denen der Siegesallee, doch sind sie großer; sie werden flankiert von zwei gleichfalls heute der Oeffentlichkeit übergebenen Monumen- tab-Brunnen aus Marmor, mit denen sie eine einheitlich den ganzen Platz im Halbrund einschließende Anlage bilden. Das Standbild Kaiser Friedrichs, der in Kürassier-Uiriform dargestellt ist, von Prof. Brütt, hat zur Seite die Büsten von Generalfeldmarschall Grafen von Blumenthal und Prof. v. Helmholtz, das Standbild der Kaiserin Fried- cich, in Krone und Hermelin, von Bildhauer G e r t h, zeigt Die Büsten Prof. Ed. Zellers und A. W. v. Hoffmanns.
Das Wetter war nicht gut, ein feiner Sprühregen ging hernieder. Trotzdem hatten große Menschenmengen die Grenzen der Absperrung besetzt. Auf dem Festplatz selbst sand sich .zahlreichjes, besonders geladenes Publikum ein. Ls erschienen ferner sämtliche Damen und Herren aus der Umgebung der Majestäten, Hausminister usw., dann der Kronprinz, die Prinzen, sämtliche Geschwister des Kaisers, ltteichskanzler Gras v. Bülow, die Minister Dr. Studt, Frhr. yon Rheinbaben, Frhr. v. Hammerstein und Budde, Geh, Oberregierungsrat Dr. Koser, die Künstler Prof. Brütt, Fritz Gerth und Prof. R. Begas, die früheren Umgebungen Des Kaisers und der Kaiserin Friedrich, ebenso die früheren Beanrten der Leibdienerschaft, dann Generalfeld mar schall Graf Waldersee, Prof. Dr. Reüvers, als Vertreter der Familien der in der: Büsten dargestellten Männer Prof. Dr. Albert Zeller, Herr von Siemens und 'Gemahlin Ellen, geb. o. Helmholtz, Frau v. Hofmann mit zwei Söhnen, Generalleutnant Graf von Blumenthal; des weiteren Direktor Dr. Lessing mit einer Deputation des Kunstgewerbemuseums usw. usw., sowie der englische Attachee Gras v. Gleichen und der östreichische Major Wojcik waren anwesend.
Jnr weiteren Umkreis hatten Aufstellung genommen Deputationen des Lette-Bererns, des Viktoria-»Lyceums, Des Heimathauses für Tochter höherer Stände, des Viktoria- tzauses für Krankenpflegerinnen, der Viktoria-Fortbildm^s- schule, des Hofmanrü-Hauses, der Verein ehemaliger Kame- raderr des Grenadierregunents ,^önig Frredrich UL", des Grenaüierregiments „Kronprinz" usw. Den farbenreichen, Massenblitzenden Hintergrund bildeten Regünents-Abord- nungen.
Pünktlich um 12 Uhr erschienen die Majestäten. Der Kaiser in der Uniform der Totenkopfhusaren, die Kaiserin in dunkelgrüner Robe. Nach Begrüßung der Fürstlichkeiten urrd Abschreiten der Fronten, gab der Kaiser, auf der Mitte des Platzes stehend, das Zeichen zum Beginn der Feier, die Leiruvanohüllen fielen, die Truppen prüfen- t i er t e it und riesen Hur r ah, der Kaiser salutierte. Die ganze großartige Anlage bot sich nunmehr den Blicken bar, mit den rauschenden Wasserbächen, mit den vor
spettde widmete. Cs folgte eine eingehende Besichtigung der Anlagen, während welcher die Majestäten die Künstler und zahlreiche andere Persönlichkeiten ins Gespräch zogen.
Der Kaiserin und den Prinzessinnen wurden von der Tiergartenverwaltung Veilchensträuße überreicht. Die Deputationen legten Kränze nieder. Den Schluß der Feier bildete ein Parademarsch der Ehren kompagnie und zwei Schwadronen auf der Charlottenburger Chaussee. Unter den brausenden Hochrufen des Publikums fuhren die Majestäten, zwischen denen die Prinzessin Viktoria Luise saß, im offenen Wagen zum Schloß. — Geh. Hosbaurat Ihne wurde zum Geh. Oöer-Hofbaurat mit dem Range der Räte 2. Klasse ernannt, Professor Brütt erhielt den Roten Adlerorden 3. Klasse mit Schiene, Bildhauer Gerth und Bauinspektor Kern den Roten Adlerorden 4. Klasse.
Mittags fand im königlichen Schloß zu Berlin bei Ihren Majestäten Tafel statt für die Mitglieder der königlichen Familie und die in Berlin weilenden, zur Feier der Enthüllung geladenen auswärtigen Militärdeputationen.
Die Kaiserrede.
Bei der Tafel hielt der Kaiser eine Ansprache, die folgenden Wortlaut hatte:
Den Gefühlen, die heute am Tage der Enthüllung sowohl die Kinder wie die Hausgenossen und Befreundeten der beiden hohen Tahingeschiedenen beseelt haben, das richtige Wort zu geben und sie in das richtige Gewand zu hüllen, ist einem langjährigen treuen Freunde und Hausgenossen gelungen, und ich glaube, daß ich am heutigen Tage in keiner besseren Weise der Vergangenheit und der Wirksamkeit meiner Eltern gedenken kann, als daß ich die kurzen, aber inhaltsreichen Sätze, die der Geheimrat H i n z p e t e r in dankbarer Liebe und Verehrung meinen Eltern aufs Papier geworfen hat, Ihnen bekanntgebe:
Diese swlzen glänzenden Gestalten werden in den Beschauern auch der künftigen Geschlechter stets andere Empfindungen erwecken, als die Bilder der nun abgeschlossenen Sieges-Allee. .Ihre Sympathie und ihreBewunderuna w erden immer mit Atitleid vermischt sein; ihre Ehrfurcht wird mehr den Leiden gelten als de n T a t e n. Diese Figuren werden mehr die Sage beschäftigen als die Geschichte, denn sie präsentieren mehr Ideen als Ereignisse. Wohl leuchtete auch ihr Leben weit über das Land, aber ehe es sich entfaltet und voll bewährt hatte, wurde es jählings zerrissen von einem unerhört graufamen Geschick. Der Kaiser Friedrich, der hochsinnige Fürst und weicherzige Alaun, der tapfere Held und siegreiche Feldherr, wurde in der Fülle der Kraft von heimtückischer Krankheit dahingerafft, die Kaiserin Friedrich, die warmherzige und kunstsinnige Frau von klarem Geist und starkem Willen, wie von unersättlichem Wissensdurst und Schaffensdrang, wurde in voller Blüte von demselben Feinde zu Tode gequält. Ein Schicksal, so tragisch, daß es die Seele des Volks lief erschütterte, sie mit Mitleid für das furchtbare Leiden wie mit Trauer um die eigenen verlorenen Hoffnungen eiiüüte. Zu der Zeit, als diese beiden ihr gemeinsames Leben begannen, war die deutsche Nation in tiefer, weitgreifender Bewegung; sie begann nach langem Suchen und Tasten, nach harter Arbeit uni) Selbstzucht sich neue Formen zu schaffen für ihr Leben
in Kirche, Staat und Gesellschaft, in Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft. Das Bewußtsein, daß eine neue, reichere Zeit für Deutschland angebrochen sei, beherrschte die Gemüter und erfüllte sie mit Furcht oder Hoffnung, mit fieberhafter Erregung. Und dieses zum Herrschen berufene Paar war stärker als alle anderen; kein zweites war so voll von Träum en,Gedanken und Plänen, keines so mutig im Verlassen des Alten und im Ergreifen des Neuen; keines so erfüllt mit Hoffnung und Vertrauen auf die Zukunft. Unter den strebenden, ringenden Zeitgenossen zeichneten sie beide in innigster geistiger Gemeinschaft sich aus durch ihren Eifer und Enthusiasmus für die neuen höheren Ziele, für die freiere Entwicklung aller Kräfte, für die reichere Entfaltung des Volkslebens. Unter der idealistisch gestimmten Generation ragten sie beide in vollster Seelenharmonie hervor durch ihren hochfliegendenJdealis- m n s, den einzuschränken die Wirklichkeit in ihrem kurzen Dasein keine Zeit gesunden hatte.
Darum beginnt dieses Paar, der Tradition entgegen, aber mit Recht hier nebeneinander, nach deni Abschluß der Markgrafen, Kurfürsten und Könige die neue Reihe der Kaiser, denen höhere und schwierigere Aufgaben gestellt sind als jenen, zu deren Lösung sie höheren Schwung nnd stärkeren Idealismus nötig haben. Darum werden die kommenden Generationen nut dankbarer Verehrung an der Spitze einer neuen Hohenzollernreihe dieses strahlende Paar stehen "sehen, welches feinen idealistischen Sinn auf alle r e a l i sti s ch e nN a ch k o m m en vererben kann. Sie stehen hier am Eingang als glänzende Repräsentanten der schwärmerischen i t l u s i o n s r e i ch e n I u g e n d des deutschen Reiches und als leuchtendePersoiiifikation der K u l t u r b e g e i st erung, welche sie charakterisierte, und welche die deiilschen Kaiser als Führer des vornehmsten Kulturvolks der Erde beseelen soll. So werden diese Marmorbilder hier trotz ihres Martyrerfcheins zu einer glücklichen Vorbedeutung für die Zukunft des Reichs wie der Dynastie. Unseren Gefühlen und Gesinnungen wollen wir dadurch Ausdruck geben, daß wir ein stilles Glas aus das Andenken der Toren leeren.
Gelegentlich dieser Denkmälsenthüllungen dürften einige Taten aus dem Leben der oben genannten viel berühmten Zeitgenossen des verewigten Herrscherpaares aitch weitere Kreise interessieren.
Karl Konstantin, Albrecht, Leonhard von Blumenthal, der spätere Feldmarschall, wurde 1810 zu Schwedt a. Oder geboren. 1849 war Blumenthal Chef des Stabes der mobilen Schleswig-Holfteinschen Armee, 1864 Chef des Stabes des kombinierten preußischen Armeekorps, 1866 Chef des Stabes der 2. und 1870/71 Chef des Stabes der 3. Armee. Die Namen Tüppel, Alsen, Königgrätz, Weißenburg, Wörth und Paris sind auf das engste mit dem Namen Blumenthal verknüpft. Für 1870/71 erhielt er eine Dotation von 150000 Talern, die er im Grundbesitz anlegte. 1872 übernahm von Blumenthal die Führung des 4. Armeekorps, 1883 wurde er in den Grafenstand erhoben. Nach der Thronbesteigung des Kaisers erhielt er seine Ernennung zum Generalfeldmarschall. In demselben Jahre erhielt er den Posten des Inspekteurs der 4. und 1892 den der 3. Armeeinspektion. Graf Blumenthal starb 1900 zu Berlin.
Professor Hermann von Helmholtz, Physiker und Phyfiolog, einer der bedeutendsten und vielseitigsten bahnbrechenden Naturforscher aller Zeiten, dessen Lehre von der „Erhaltung der Straft" und dessen Erfindung des Augenspiegels, im Verein mit vielen anderen epochemach!enden
Gießener Stadttyeater.
Geschwister Lemke.
Volksstück in 4 Men von R. Skowronnek und L» W. S t e i n.
Gestern abend habe ich ihn hier wiedergesehen, meinen ehemaligen Freund und Kommilitonen, den einstigen stuck, jur. Alfred £., dessen Eltern vor 15 Jahren in kleinbürgerlichen Verhältnissen in Berlin 0. wohnten, der aber als gerissener Junge von „tadellosen" Manieren Wund „angenehmem" Aeußern Eingang in dem Geheimratsviertel, in Berlin W., ;<ib, namentlich viel in dem Hause eines vortragenden Rates ' einem Reichsamte in der Schillstraße verkehrte. Als ich
Alfred L., vor ein paar Jahren auf der Kurfürsten- <A*Lc£e zufällig wieder traf und dann mit ihm die Linden hinunter bummelte, war er geworden, was ich befürchtet hatte: nicht nur Kgl. preuß. Gerichtsassessor, was ja nicht gar so ängstlich ist, sondern obendrein, er, der vielseitig Befähigte und vielfach Interessierte, der einst auf unseren nächtlichen litterarischen Bänken „zu den besten Hoffnungen berechtigt" hatte, ein unleidlicher Streber, ein übler eitler Patron, der mit seiner ekelhaften Renommage von seiner Braut aus der Tauentzienstraße, erste Etage, mich unsäglich langweilte. Und dazu diese gräßlich impertinente „Korrektheit"! Ich habe damals einen alten Freund begraben!
Gestern abend aber habe ich ihn wiedergesehen, in unserem Stadttheater. Der Affeffor Alfred Lemke da oben auf den Brettern gestern abend, das war mein verflossener Studiengenosse Alfred gebürtig Berlin 0., Grünerweg, wie er leibt und lebt, der streberhafte Rechtsbeflissene, der seine brave schlichte Sippe verleugnet, weil er gesellschaftlich über das elterliche Tischlerhaus weit hinausgewachsen zu sein vermeint, der sich schämt, Angehörige zu haben, die auf dieser Art von der „Menschheit Höhen" mit ihrem schlüpfrigen glatten Parkett sich nicht zu bewegen verstehen! — Es muß auch solche Käuze geben!
Gestern abend habe ich auch seine Schwestern kennen gelernt, ein paar liebe, gute, kreuzbrave Mädels, die mit ihrer kleinen zarten Hände flinker Tag- und Nachtarbeit ihrem Brüderlein fein das teuere Studium ermöglichten. Zwar triefen diese beiden Berliner Putzmocherinnen em bischen gar zu sehr von Edelmut und allen möglichen und unmöglichen
anderen, Tugenden, nicht nur die ältere, seriöse, sondern auch die in angenehmem Gegensatz dazu heiter Veranlagte. Herrgott, ists denn nicht genug, daß sie ihn besser nähren und kleiden, als der himmlische Vater die Vögel unter dem Himmel kleidet; muffen sie denn durchaus noch seine Luxusbedürfnisse beftiedigen, indem sie ihn Affeffor werden lassen, selber aber darben und sich das bischen Mädchenfreude versagen? Ach, und dann seine boshafte Braut, die Tochter des Herrn Vortragenden Rats! Nein, ist das aber eine giftige kleine Kröte! Und sie hat doch einen so prächtigen Bruder, einen lieben kleinen Leutnant. In seiner Garnison in Goldap, dahinten zwischen Littauen und Masuren, da ist's kein Kunststück,' edel, hilfreich und gut zu werden, weil man da nichts „Besseres" zu tun weiß. Da kommt man selbst auf solche staatsverbrecherischen Gedanken, den bunten Rock an den ersten besten Nagel zu hängen und sich mit einem unentwegten „Roten" zu assoziieren, der in der Hosentasche eine Erfindung mit sich herum zu tragen pflegt, die unser ganzes Kriegswesen mit einem Schlage zu regenerieren im stände ist. Ausgerechnet ein überzeugungstreuer Genoffe Bebels, der seine ganze Weis-: heit auf der Pantinenschule an der Ackerstraße, Berlin N., mit Löffeln gegessen hat! Wenn man nur, meint der gar so nette und fidele Leutnant a. D., Abonnent der Kreuzzeitung bleibt und gute Freundschaft mit einem Bezirksvorsteher des chrisllich-sozialen Vereins hält, dem ollen ehrlichen Zademack aus der Berliner Posse von Anno Dunne- mals. — Wahrhaft edle Menschen aber haben nichts zu schaffen mit juristischen Strebern und Schwiegersöhnen aus Berlin W. Das ist die Moral des Stückes!
Gutmütig nahm das Publikum dieses gutmütige „Volksstück" hin, eine altmodische Rührkomödie mit hoch aktuellen Berliner Dialogwitzen. Früher hieß es freilich, für das Volk sei nur das Beste gerade gut genug. Heute ist man ja längst vielfach anderer Ansicht. Rich. Skowronnek, einst überzeugtes Redaktionsmitglied der Frankfurter Zeitung, ein Mann, der vor Jahren ernsthafte litterarische Anläufe nahm, geht heute Arm in Arm mit Herrn L. W. Stein, dem Direktor des Nürnberger Apollotheaters, und bittet zu Zeugen bei der Taufe seines jüngsten litterarischen Kindes den alten Papa L'Arronge und die guten Onkels vom verflossenen Wallner- Theater Berlin N.-O. Daß dabei von künstlerischem Einsatz
nichts zu merken ist, daß Herr L. W. Stein entschiedener Gegner selbst einer gewissenhaften Ausführung ist, das ist um Skowronneks willen, der so hübsche masurische Novellen zu schreiben versteht, zu bedauern. So etwas Fades aber wie den zweiten Akt der „Geschwister Lemke" hätte man aber auch dem Theaterdirektor Stein nicht zugetraut. Trotzdem sei anerkannt, daß die Tendenz, die auf den Ausgleich der sozialen Gegensätze zielt, nicht gerade indiskret durchgeführt ist und daß die beiden Schlußakte Harmlose angenehm zu erheitern vermögen.
Zum ersten Male haben wir gestern Herrn Direktor Herm. Steingoetter auf der Bühne gesehen, die auch diesmal die Welt bedeuten sollten. Mit seiner gefälligen Ungezwungenheit und natürlichen Munterkeit hob er den Maschinenschlosser .und Sozialisten Horn ein paar Stufen über die Pantinenschulbildung hinauf. Der Hauptvorzug seiner Darstellung einer ihm wohl nicht sehr zusagenden Rolle war vollendete Diskretion und diese ist immer ein Zeichen künstlerischer Zucht. Frl. Hohl fand sich mit ihrer blassen Mathilde ganz gut ab und Herr Pichler konnte den undankbaren Jämmerling Alfred genießbarer machen als die Herren Autoren. Frl. Großmüller plauderte ja ganz nett, zeigte aber doch, daß sie über das darstellerische ABC noch nicht weit hinausgediehen ist. Sehr komisch ohne Ueber» treibung war Herr C onradi, aber Frau Jenny tat als die „Ahnfrau" derer v. Knoblauch doch allzu viel des Guten. Dlehr am Platze war Frl. Lembach als unsympathische junge Salondame, und Herr Achter berg ein liebenswürdiger Liebhaber. Von den sonstigen Darstellern, denen allen ja die Wiedergabe taufenbfäüig abgebrauchter Bühnentypen keine sonderlichen Aufgaben stellte, verdient noch Herr Tamke als mecklenburgischer Lohndiener Boje, der „nur zur Aushilfe" da ist, mit besonderer Auszeichnung genannt zu werden. Das Zusammenspiel war wieder untadlig. P. W.
— HermannSu derma nn gedenkt, wie einem Blatte berichtet wird, auf eine Reihe von kritischen Einwürfen gegen seinen „Sturmgesellen Sokrates" eine Erwiderung zu veröffentlichen. Das wird ja wieder hübsch werden.
— Oberregisseur Wilhelm Schneider, seit 1878 am Münchener Hoftheater, ist in München infolae eines


