habe. Er bedauere die Abschweifung bei den Berhandlimgen, wodurch man weit vom Ziele gekommen sei, und werde sich bemühen, dies wieder gut zu machen. Es heißt immer, die Meinungsfreiheit unter uns sei gesichert, ja, aber es ist ebenso wie das militärische Beschwerderecht. Sagt einer etwas, was der Majorität nicht paßt, dann fallen sie wie die Wölfe über ihn her. So geschieht es auch Bernstein, und das hat mich schon lange angeekelt. Wenn, wie viele meinen, die Teilnahme im Präsidium ganz wertlos ist, warum fordern wir denn dann die stelle des einen Vizepräsidenten? Nachdem nun einmal die Partei so empfindet, wie es der Fall ist, ist gan zselb st verständlich die Angelegenheit damit erledigt, denn die Partei entscheidet. Aber es gibt bei uns Leute, denen nicht wohl ist, wenn sie nicht die Partei in Gefahr sehen, um sie daraus retten zu können. (Sehr gut.) Schade, daß wir keine Geschichte der ParteitakM haben, denn da hätten wir eine Geschichte der prinzipiellen Versumpfung unserer Partei. (Sehr gut!) Was ist nicht alles als Giftbecher angesehen worden, und dann hat die Partei ihn doch getrunken und sich dabei sehr wohl befunden. Nur wurde freilich die Giftetikette dann immer einem anderen Glase angehängt, das allerdings nach einiger Zeit auch wieder geleert wurde. Früher regte Besbel sllh darüber aus, als wir mit Bürgerlichen eine Konferenz über Arbeitsnachweis hielten. Das war Wadenstriimpfelei, sagte er, und zwei Jahre spater hat derselbe Bebel in Zürich mit Bürgerlichen getagt auf der Arbeiterschuhkonserenz. (Bebel ruft dazwischen.) Ja, lieber Bebel, ich hatte die Wadenstrümpfe schon, Du mußtest sie Dir damals erst erwerben. (Heiterkeit.) Unsere Bewegung .ist eben Bewegung, nichts Feststehendes. Das war so und wird immer so sein. Zwischen heute und dem Endziel ist noch so manches, wovon unsere Schulweisheit sich nichts träumen läßt. Aus einer alten Geschichte eine Haupd- und Staatsaktion zu machen, wie Bebel es tut, als ob es etwas Funkelnagelneues wäre, ist unnötig. Man mag noch sv viele Rücksicht auf Bebels Temperament nehmen, einen Freibrief für alles gibt es ihm doch nicht- (Sehr richtig!) Das ungezügelle Temperament schadet nicht nur auf Fürstenthronen, sondern auch auf Parteithroueu. (Lebhafter Beifall.) Wer andere beherrschen will, muß erst sich selbst beherrschen. (Beifall.) Wenn Bebel so empfindlich ist gegen die leiseste Berührung, dann soll er auch nicht gegen andere losfahren mit einer Wahllosigkeit der Mittel wie hier. Es giebt noch mehr Leute als er, die etwas für die Partei getan haben. Er soll chnen die Arbeit nicht verekeln. Er maßte sich sogar an, auch über die persönliche Ehre von Genossen und Genossinnen ab sprech end zu nitriten, hoch- mögende Zensuren auszuteileu, die Genossen in wahre und falsche eirrzuteilen usw. Bebel hat dann ganze Landstriche als schlecht hingestellt, den Süden, Bayern, München, das Capua der Sozialdemokratie. Ja, es kann doch nicht jeder ein Preuß' fein!
Einen Dienst hat er mit seinen Bemerkungen uns nichjt erwiesen, und wie hat er uns hier behandelt? Ist das nicht die Sprache eines Diktators? (Lebhafter Beifall.) Ich erhebe die Fahne der Rebellion immer dann über Bebel, wenn die Mehrheit der Partei nicht einverstanden ist. Wir wollen frei sein im Rat, allerdings einig in der Tat. Bebel ist in den letzten Jahren öfter in die Minderheit gekommen als früher, und das muß dann der Grund dafür sein, daß -die Partei tu Gefahr sei. Mer wählt denn die Revisio- nisten? Doch wohl auch die Masse. Wenn man das nicht will, soll man hall einen Index aufftellen und nur siebenmal Gesiebte zu Kandidaten machen. Bebel hat mich aud), mit Millerand verglichen. Ich möchte mich schön bedanken, der deutsche Millerand zu fein, schon deshalb, weil die Steigerung in Berlin ist (große Heiterkell) und ich mir einen angenehmeren Aufenthalt weiß. Man sollte dem widerlichen Byzantinismus in der Partei- Presse ein Ende machen. Gegen das Wort Bebels, daß wir Komödie spielen, protesüere ich aufs Entschiedenste. Dieses Wort hat uns großen Schaden gebracht. Kautsky ist ein Fanatiker der Theorie, ein deutscher Professor, der lieber die Welt Grunde gehen läßt, als einen Spahn aus seinem Lehrgebäude zu ziehen. (Unruhe.) Parteigenossen! Wem: Ihr Bebel angehört habt, ist es auch Eure verdammte Pflicht, mich! anzuhören, sonst könnte man meinen, Ihr terrorisiert. (Beifall.) Man macht uns hier einen politischen Tendenzprozeß schlimmster Art. (Sehr richtig.) Kautsky sagte, das Anzweifeln der zur zell geltenden Sätze müsse eingestellt werden. (Zuruf: zurückgestelll) So, also die Meinungsfreiheit wird nicht verboten, sondern vertagt! Ja, das können Sie in der katholischen Kirche beim Papst auch haben. Wenn man mir einen/ Maulkorb zumutet, dann ist es mir gleich, ob es ein polizeilicher oder demokratischer ift (Beifall.) B . u der Reso- lullon Halle ich mehrere Sätze für falsch.
Volkmar erklärte, der Revisionismus sei ein Popanz. Niemals fei die Einigkeit größer gewesen als jetzt. Ter Parteitag müsse entweder Personen zum Austritt aus der Partei oder zur Unterwersiurg auffordern, aber allgemeine Angriffe beiseite lassen. Hoffentlich werde bei Parteitag erkennen, daß die Dinge gufgebauscht worden seien und die Führer rechts und links auf den Posten gegen den gemeinsamen Feind zurückrufen.
Die Rede Vollnrars dauerte beinahe vier Stunden und wurde mit großem Beifall aufgenommen.
Tann folgte die Diskus sion.
Katzen stein-Berlin: Der heuttge (Streit beruht zum größten Tell auf persönlichen Stänkereien. Die muffen wir überwinden. Wir sollten das Programm auf dre Tagesordnung setzen. Der Zustand, daß Parteigenossen sich feindlich gegenüber fielen und kaum mehr grüßen, ist Nicht mehr zu ertragen.
Pinn-München: Noch auf keinem Parteitag war das gegenseitige Mißtrauen so groß wie hier. Bebel hat in demagogischer Weise gegen uns gearbeitet Er hat an die niedersten Instinkte der Massen appelliert und sie gegen die besser gestellten Gewerkschaftsführer ausgestachell. Wenn einer und der andere auftritt und sagt es müsse gewissen Leuten der Stuhl vor die Tür gesetzt werden, darm fann wirklich einmal etwas kommen. Hat man nicht auch schon gesagt, freilich nicht öffentlich Auer abzusäaen.
Auer: Es ist das Gerücht entstanden, der Genosse Mehring müsse den Parteivorstand in Händen haben, weil der Parteivorstand Mehring schütze. Ich halte Mehring für sehr talentiert und seine Mitarbeit für erwünscht und ui) wollte allerdings nicht, daß er in eine leitende Stellung kommt, wie es jetzt der Fall ist Ich erlläre aber, daß nie? manb im Besitze von Geheimnisfen ijt, deren wir uns zu sthamen hatten. Dafür lege icy die Hand ins Feuer. (Großer Beifall.) Nun zur Sache: Ich muß trotz meiner langen Bekanntschaft mit Bebel sagen, daß er selbst zuerst den harten Ton angeschlagen hat. Was ist denn dem guten August in den Leib gefahren? Alan hat hier gesagt Bernstein sei der neue Messias. Ich bin ein alter Freund Bernsteins, aber oas muß ich schon sagen, daß er mit
einer Tappigkcll ohne gleichen immer daneben trifft. Wenn er afto der Messias ist, dann seien Sie ganz ruhig — er führt Sie nicht in den Himmel. (Heiterkell.) Schulter an Schulter haben wir vor wenigen Wochen gekämpft und jetzt schimpft mau hier, so könne es nicht weitergehen. Das war sehr überflüssig. Wenn er recht verstehe, verstehe man unter Revisionismus in der Partei die Aufgabe des Klassenkampfprinzips, Ueberbrückung der Gegensätze zu den bürgerlichen Parteien und Anschluß an die bürgerliche Linke. Man habe auch ihn einen Revisionisten genannt und er sei es. Wenn aber unter Revisionismus gemeint sei, Aufgabe der Selbständigkeit der Partei und wenn man mir unter schiebt, ich sei für die Ausgabe des Klassen- kampfprinzips, erkläre ich das als eine gemeine Ver- länmdung. Auer bezeichnet den 'Anschluß an die bürgerliche Linke als eine Dummheit.
Lange Lärmszenen folgen auf die Mitteilung Fischers-Berlin, Berliner Delogierte agitierten, um Auer hinterrücks aus dem Parteivorstand heran s- z u b r i u g e n. Andere Berliner Delegierte erklären die Mitteilung für unwahr. Die Angelegenheit blieb unaufgeklärt. Die Tagung schloß erst um ^9 Uhr.
Volitische Tagesschau.
Gesetzliche Regelung der Heimarbeit in der Zigarrenindnstrie.
Wie im Juli bekannt wurde, unterliegt gegenwärtig der Beratung bei den Bundesregierungen ein Gesetzentwurf über die Regelung der Zigarren-Hausindustrie. Dieser seinerzeit durch die Soziale Praxis inhaltlich veröffentlichte Gesetzentwurf wird von dem Heidelberger Privatdozenten Dr. Jasfö in demselben Organ einer ausführlichen Kritik unterzogen. Dr. Jaffö sttninll der vorgeschlagenen gesetzlichen Regelung im allgemeinen durchaus zu. Namentlich billigt er, daß der Entwurf davon absieht, die für Betriebe mit fremden Arbeitern geltenden Besttmmungen einfach auf die Familienbetriebe zu übertragen; würde anders verfahren, dann könnten viele Familien, die nicht imstande sind, in fremden Werkstätten zu arbeiten, ihren Verdienst verlieren. Das wäre um so beklagenswerter, als zum Beispiel int Regierungsbezirke Minden Hunderte von Zigarrenarbeitern während der letzten zehn Jahre sich ein" Stück Land gekauft und ein Haus darauf erbaut haben und sich durch die Verbindung von landwirtschaftlicher Nebenbeschäftigung und Zigarrenfabrikation auskömmlich ernähren. Die vorgeschriebene Mindesthöhe von 21/2 Meter für Arbeitsräume hält Jaffe in der Voraussetzung für aus-, reichend, daß die Praxis dieses Mindestmaß nach und nach überschreiten werde. Die Ausdehnung der Vorschriften des Kinderschutzgesetzes über die Beschäftigung fremder Kinder unter 12 Jahren für Dritte wird von Jaffe besonders anerkannt, da die Folge davon der erfreuliche Zustand ist, daß in der Zigarrenindustrie kein Kind unter 12 Jahren mehr tätig fein wird. Hiermit fei den schlimmsten Auswüchsen der hausindustriellen Zigarrenfabrikatton ein- für allemal der Boden entzogen. Die Gewährung zeitlich begrenzter Ausnahmen für die bei Erlaß des Gesetzes bestehenden Arbeitsstätten möchte Jaffe nicht zu freigebig erteilt sehen. Für unbedingt der Abänderung bedürftig aber erklärt er folgende Bestimmung des Entwurfes:
,^ti Räumen, in denen das Abrippen von Tabak, das Wickeln, Rollen oder Sortieren von Zigarren vorgenommen wird, muß auf jede Person, welche mit den oben genannten Verrichtungen beschäftigt ist, mindestens 10 Kubikmeter Luftraum entfallen, wobei die Anwesenheit anderer Personen außer Betracht bleibt. Für Räume, die ausschließlich als Arbeitsräume dienen, ist der Mindestluftraum auf 7 Kubikmeter festgesetzt."
Die gesperrt gedruckte Stelle ermöglicht je nach der Größe der Familie die Herabdrückung des Luftraumes weit unter 7 Kubikmeter, d. h. unter das geringste zulässige Luftmaß für die Person. Deshalb fordert Jaffe entweder einen separaten Arbeitsraum für jeden Familienbetrieb, wobei dann ein Luftraum von 7 Kubikmeter pro Person genügte, oder es müsse bei der Bemessung des Luftraumes nicht pur auf die Zahl der arbeitenden, sondern auch auf die denselben Raum gewöhnlich benutzenden anderen Per- sonen Rücksicht genommen werden.
Aus Stadt und Kand.
Gießen, 19. Sept. 1903.
•* Der wegen Hochstapelei kürzlich verhaftete Pharmaceut Schmidt wird demnächst vor der Strafkammer zur Abutteilung kommen. Die Voruntersuchung hat, wie man uns mitteilt, ergeben, daß etwa 10 hiesige Geschäfte zu ihrem Nachteil beteiligt sind.
** Ein verschwundenes LiebeSpärchen. Ein erst 17 Jahre alter Apothekerlehrling, Sohn achtbarer Eltern, verliebte sich in eine 27 Jahre alte Erzieherin. Das Paar ist, wie man erzählt, seit etwa 10 Tagen von hier verschwunden, über den Aufenthalt ist nichts bekannt.
0 Pfungstadt, 15. Sept. Der hiesige Gesangverein „Männergucfttett" veranstaltet im Juni kommenden Jahres anläßlich seines 30jährigen Bestehens einen großen Gesangswettstreit, zu dem bereits zahlreiche Einladungen ergangen sind. Zu dem Gesangswettstreit haben S. K. H. der Groß her zog einen Ehr enpr eis zu bewilligen geruht; und zahlreiche andere wertvolle Preise sind bereits zugesichert.
Ober-Seibertenrod, 14. Sept. Die grä»<iche Mär von der Tötung eines neugeborenen Kindes in Ober-Seiberten- rod durch die eigene Mutter ist, wie jetzt bekannt wird, von Anfang bis Ende erfunden. Wir hatten die Nachttcht einem Frankfutter Blatte entnommen.
l. Bad Salzhausen, 17. Sept. Dieser Tage sindet hier eine Versammlung der hessischen Oberförster statt. Mll den Mittags- und Abendzügen traf heute schon die große Mehrzahl ein. 90 Herren, Oberförster, Forsträte, darunter Geh. Ministerialrat Wilbrandt und Geh. Obersorsllat Walter aus Darmstadt, der Referent von Salzhausen, nahmen heute abend an der Abenotafel im Kurbaus teil Schon am Vorabend führte Dberforftrat Walter die Gäste durch unseren schönen Park, hielt dort eine Ansprache und zeigte und erklärte das Sehenswerte. Arn Freitag, den 18. d. M., findet eine Exkursion nach Kon- radsdorf, dem früheren Kloster bei Ortenberg, in die WÄder des Niddertales statt. Ein Extrazug führt die Herren von Bad Salzhausen über Nidda und Stockheim nach Ortenberg, wo bann Fuhrwerke bestiegen werden. Das Mittagsmahl soll in dem alten Städtchen Lißberg mit seiner zerfallenen Burgruine eingenommen werden. Die Rückfahrt hierher erfolgt dann am selben Tage. Abends ist Konzert im Kurfaal. Am Samstag sindet ebenfalls im Kursaal eine wissenschaftliche Sitzung statt.
0 Hartmannshain, 17. Sept. Zu unserer neuen
Wasserleitung wird nunmehr auf Beschluß des Gemeinderats noch eine weitere dritte Quelle gefaßt und zum Hauptbehälter geführt, da nach Berechnung die beiden gefaßten Quellen der Leitung bei eintretender Trockenheit nicht genügend Wasser böten, also die Gemeinde den mit der Eisenbahnbehörde geschlossenen Verttag, täglich ca. 50 Kubikmeter Wasser zu liefern, nicht richtig erfüllen könnte, könnte. Die neue Quelle soll auch in den trockensten Jahreszeiten nicht eintrocknen; sie liegt rechts der Straße Herchenhain.
() Grebenhain, 17. Sept. Die Arbeiten am Bahnbau Grebenhain-Gedern schreiten eben rüstig vorwärts, und der Oberbau bis zur Haltestelle Bermutshain ist schon fertig. Zwischen diesem Ort und dem Oberwald sind bedeutende Schwierigkeiten zu überwinden, z. B. Durchbrechung eines aus lauter Basalt bestehenden Höhenrückens, so daß täglich viele Sprengschüsse mächtig die Luft erschüttern. Der Rumpf zur Ueberbrückung der Staatssttaße Grebenhain-Gedern ist beendet und wird später mit einer eisernen Brücke über führt. Ebenso geht der sich an diesem Viadukt anschließende ca. 9 Meter hohe Damm seiner Beendigung entgegen. Rüstig wird auch noch hinter der Kantine an der Oberwallstraße gearbeitet, wo es gilt, einen Holzverladeplatz herzustellen, was auch eine Verlegung der {Vorgenannten Straße zur Folge hat. Die Strecke von hier bis nach Hartmannshain bietet keine Schwierigkeit und ist fast hergestellt. Bei letztgenanntem Orte muß wieder ein Höhenrücken durchbrochen werden, was einen Einschnitt von ca. 12 Meter tief gibt. An beiden Enden des Höhenrückens ist mit der Arbeit schon begonnen worden. Seine Vollendung bietet eine schone Winterarbeit, da der Aushub nicht, weit zu transportieren ist. Teilweise wird dieser zu dem sich hinter den Einschnllt anschließenden Bahnhof Harttnannshaing verwendet, der zur Hälfte schon ausgefüllt istz Weiter hat man auch in der sog. Hundsbach angefangen, einen 6 Meter tiefen Einschnitt mll daran anschließendem 10 Meter hohen Damm herzustellen. Endlich wird noch in einem Schacht bei Ob erstem en gearbeitet, wo es auch viel Basalt gibt. Da dieser Stein so reichhaltig auftritt, so kann der Unternehmer seinen ganzen Bedarf davon decken.
Frankfurt, 18. Seftt. Ende dieses Monats feiert die ausgezeichnete Darstellerin charakteristischer Mütterrollen, Frau Emilie Freund, das Jubiläum ihrer ununterbrochenen 25jährigen Tätigkeit am Frankfurter Schauspiel- Hause. Die Jubilarin, die sich in der hiesigen Künstlerwelt der größten Verehrung erfreut, ist eine so rüstige und arbeitsluftige Dame, daß sie jedenfalls noch viele Jahre in unserem Ensemble wird erfolgreich tätig sein können. — Anfangs Oktober feiert unser Charakterdarsteller, der kgl. fweußische Professor Herrmann fein 25jähriges Jubiläum als Mitglieo der Frankfurter Bühne. Herrmann ist Lehrer am Dr. Hochschen Konservatorium und hat sich auch als Schriftsteller erfolgreich betätigt.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Stadt Worms, welche seither mit filtriertem Rheinwasser versorgt war, soll nunmehr eine Grundwasserversorgung erhalten. Im sogen. Burstädter Wald wurde zu diesem Zweck ein etwa 40 Meter tiefer Brunnen angelegt. Das Wasser ist aber derartig eisenhaltig, daß es nach Tinte schmeckt und daß ihm das Eisen entzogen werden muß, um es genießbar zu machen.
AosMz ms dru ZtmLrssmtsrrglsttto irr Stall Gießen.
Aufgebote.
Am 15. Sept. Adolf Stumpf, Heizer zu Gießen, und Juliane Katharine Panzer, Fabttkarbeiterin zu Garbenteich. — Wilhelm Naumann, Schutzmann zu Gießen, und Elise Katharine Röhrig zu Homberg. — August Otto Bertram, Schneider zu Gießen, und Marie Oehler, Dienstmädchen zu Gießen. — Johann Gottftted Bohrmann, Bahnwärter zu Gießen, und Käthattne Margarethe Lotz, geb. Eiff, Zigarrernnacherin zu Gießen. — 16. Heinrich Wlt- helm Völpel, Kutscher zu Gießen, und Anna Elise Sieglinger, geb. Rahn, Gemüsehändlerin zu Gießen. — 17. Johannes Schröder, Vizefeldmebel zu Gießen, und Anna Augrtste Lina Reißenweber zu Coburg. — 18. Karl Hermann Leopold Walther, Kaufmann zu Gießen, und Susanne Emilie Bramm zu Gießen.
Eheschließungen.
Am 12. Sept. Heinrich Enders, Hilfsheizer dahier, und Anna Emilie Diehl, Köchin dahier. — Adam Josef Carnier, Rechtsanwalt $11 Seligenstadt, und Helene Elisabethe Müller, Tochter des Landgerrchtsrats Wilhelm Müller zu Gießen. — 14. Julius Wohl- mami, Küfer dahier, und Helene Bertha Alma Krause, Köchin zu Bad-Nauheim. — Kaspar Karl Horn, Kaufmann zu Gießen, und Julie Eoertsbusch, Ladeninhaberm zu Gießen.
Geborene.
Am 6. Sept. Dem Bierbrauer Edmund Helbing eine Tochter. — 7. Dem Buchdrucker Richard Strohwig ein Sohn Richard Max Franz Georg. — 11. Dem Kaufmann Franz Wilhelm Bette eine Tochter Helene Marie Antonie. — Dem Fuhrmann Konrad Schardt ein Sohn Karl Konrad. — Dem Lackierer Philipp Weigel eine Tochter Emma Margarete. — Dem Maurer Konrad Spies eine Tochter Auguste Elise Matte. — 16. Dem Taglöhner Georg Reichwein ein Sohn Wilhelm Martin Georg. — Dem Küfer Johann Siller ein Sohn Hans Walther.
Gestorbene.
Am 12. Sept. Berta Schack, geb. Reinshagen, 84 Jahre aly ohne Beruf, dahier. — Hermann Küslner, 2 Monate alt, Sohn der Dienstmagd Karoline Kästner zu Wiesbaden. — 13. Elisabethe Sann, geb. Gisset, 58 Jahre alt, ohne Beruf, dahier. — 15. Elise Höpfner, geb. Kilian, 80 Jahre alt, ohne Berui, dahier. — 17. Karl Schneider, 60 Jahre alt, Aietzgermeister zu Gießen.
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