Ausgabe 
19.8.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. 193

rf<6eittt tügltch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt dre Siebener Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt

Rotationsdruck iu Ver­lag der Brüh lachen Univers.-Bucb- u.Stein- druclerer (Pietsch Erben) Redaktion. Expedition und Dructereir

Schnlftratze 7.

Adresse für Depeschenr «nzeiger Gießen.

Frrnsprechanschluß Nr. 5L

Erstes Blatt.

153. Jahrgang

Mittwoch 19.Auguft 1903

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger "

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Be-ugSpretSr mona!lich75Pw oiertel- fährllch Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monathd) 65 Pf.; durch diePost Mk.2. viertel- lährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die tageßnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenprerSr total 12 Pf, auswärts 20 Pfg.

VerantwortLtch für den polit und allgem. Teilt P. Wtttko: für .Stadt und tianb* und .GerichtSsaal": August Götz; für den An­zeigenteil: Han» Beck.

KeKamMmtchMg.

Die am 13. I. Mts. angeordnete Sperre der Moltke- straße wird hiermit aufgehoben.

Gießen, den 19. August 1903.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.

Volltische Tagesschau.

Der neue Oberpräfident von Hessen-Nassau.

Unser Berliner Mitarbeiter schreibt uns unterm 18. August:

Heber den Nachfolger des Grafen Zedlitz-Trütz-schler im Oberpräsidium von Hessen-9rirssau schweigen sich sowohl derStaatsanz." wie dieNordd. Allg. Ztg." heute abend noch! aus. Dagegen verbreitet der ,^okülanz." die Meld­ung, daß dem früheren Polizeipräsidenten von Berlin und jetzigen Regierungspräsidenten in Frankfurt a. O., Herrn v. Windheim, das Kasseler Oberpräsidiuin übertragen worden i.st Wenn derLokalanz." schreibt, die Wahl sei getroffen zu gleicher Zeit, als über die Besetzung des schlesischen Oberpräsidiums entschieden wurde, so klingt das sehr wahrscheinlich. Verwunderlich ist nur, daß die ossi- zielle Bekanntmachung nicht auch hier gleichzeitig erfolgt. In dieser Beziehung sollte der offiziösen Presse unter allen Hmständen der Vortritt gesichert werde::. Was nun Herrn v. Windheim betrifft, so dürste ihm seine Beförder­ung überraschend kommen, denn er ist in Frankfurt a. O. noch garnichtwarm geworden", sondern erst wenige Mo­nate dort tätig. Bei seiner siebenjährigen, übrigens ver- dieustvollen Tätigkeit an der Spitze der reichshauptstädti­schen Polizei har er ohne Zweifel die Aufmerksamkeit des Kaisers auf sich gezogen. Der bisherige Regierungs­präsident v. Windheim ist 1857 in Groß-Oschersleben als Sohn des Amtsrats v. Windheim geboren. Er besuchte in Magdeburg das Gymnasium, studierte in Bonn und Berlin und war als Referendar und Assessor in Koblenz und Wiesbaden tätig. Später war er Hilfsarbeiter im Mr- nisterium des Innern und kam dann als Landrat nach Ragnit. Bereits zum Regierungspräsidenten in Stettin er­nannt, erhielt er 1895 das plötzlich freigewordene Polizei­präsidium von Berlin als Nachfolger des bisherigen Po- rtzerpräsidenten v. Richthosen. Von dort wurde er als Re­gierungspräsident nachi Frankfurt a O. versetzt.

Der Hergang der Ermordung des Konsuls Rostkowski.

Ter amtliche Bericht des russischen Konsulatsverwesers in Monastir stellt jede Herausforderung des Mörders durch den Konsul iltostkowski in Abrede. Demgegenüber wird der Voss. Ztg." aus Konstantinopel folgende Schilderung ge­geben: Nach der Zeugenaussage des Kawassen des russischen Konsulats von Monastir hat sicy die Ermordung Rostkowskis solgendermaßen abgespielt: Gegen 21/2 Uhr nachmittaE passierte der Konsul mit seinem Kawassen bie Wache. Gr trua, schwarze Uniform, die sich aus einiger Entfernung von Zivilkleidung nicht unterscheiden ließ. Da der Postur ihn nicht grüßte, näherte er sich chm und sagte in gebrochenem Türkisch:Weißt du nicht, daß ich der Konsul der größten Macht bin'? Warum salutier^ du nicht? Hahnrei, unver­schämter:" Tas dem Griechischen entlehnte Wort flrr Hahnrei (Kerata) gehört so zum stündigen Vokabular der unteren Klassen, daß es kaum mehr als schwere Belerdrg- una empfunden wird. Der Soldat antwortete rhm:Sre tragen keine amtlichen Abzeichen. Für mich, sind Sre em Mensch wie jeder andere Ich werde doch urcht reden grüßen.« (Tas stimmt schlecht mit der Mitteilung uberem, die heute dieFrkf. Ztg." über das Grüßen m der Türker macht, wonach dort der Höherstehende zuerst zu Mußen pflegt' D. Red.) Der Konsul, über diese Antwort erzurnh ließ sich binreißen, den Soldaten zweimal mrt dem »bock ins Gesicht zu schlagen und rief khm zugleich die Worte ru' amei Wochen später werdet rhr alle m de^ Leusels Wche kommen " Dies ift etwa der Sinn der Worte; wiwt- lich lasstn üe sich nicht wiedergeben, da sie den Angeredeten n der Per onsÄner Mutter aufs gröblichste oerunglrmpsien. hieraus schoß der Soldat und traf den Wnsul einmal am

Jh hnmt am halse Der obigen Darstellung schließt sichrer amtliche Bericht des inzwischen abgeseßten Malis Mi Risa Pascha an.

Die K-iscriusel."

9?nrr ist das unglaubliche klärchen desVorwärts l^om dementiert worden. DieNordö. Wg. Ztg.7 schre bt: Der Vorwärts" hat unter der Ueberschrift ^Dre Karfer- insel"^ eine phantastische Erzählung verofsentlrcht, nach der qnfel Mcbelsweröer von der Krone angekaust wer^n 0 l um ein kaiserliches Fmnilienschlotz aufzunehmen. D« llinzclheiten, mit denen dieses Märchen ausgefchmuckt s m fiTPiipti an Aberwitz. Wir können mrttetten, daß ö:e ganze Dache maßgebende/Orts als lächerliche

Dickichte bezeichnet worden ist._____________________________

Deutsches Keich.

Wilbelmshöhe, 18. Aug. Heute mittag fand bei Len Majestäten im Schloß Wilhelrnshöhe aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers von Oesterreich f ftatt Die Majestäten saßen einander gegenüber, der Kaiser zwischen dem österreichisch-ungarischen Bosichaf- (Grafen Lzögyenyi-Marich, und dem Militärattache Masor ' sevMKloth-bioden, die Kaiserin zwischen dem Kronprinzen , w dem Legationsrat v. Thurn. Gs folgten rechts vom ,Botschafter der Che, des Zivillabmetts, Wirkt. Geh. brat ri'. u Lucanus, LegMonsrat Riedel-Riedenau, Oberstall- me'ister Graf " 'del, Kammerherr v. d. Knesebeck, Flügel-

adjutaut Boron v. Friedeburg, zur Linken des Mttitär- attachös Untershaatssekretär v. Mühlberg, Botschaftssekretär Graf Szapary, der Chef des Militärkabinetts, v. Hülsen- Häseler, Hofmarschpll Graf ZedUtz-Trützschler, Oberleutnant v. Stülpnagel. Rechts vom Kronprinzen saß die Palastdaine Gräfin Keller, Oberpräsident v. Zedlitz-Trützschler, Oberhof­marschall Graf Eulenburg, der Gesandte v. Tschierschky- Bögendorfs, Stabsarzt Dr. Riedner, zur Linken Graf Thurn, Hofdame Gräfin Rantzau, Generaladjutant v. Plessen, Bot­schaftsattache Graf Schönborn-Buchheim, Flügeladjutant Graf Schmettow und Hauptmann Roth. Der Kaiser brachte mit warmen Worten einen Trinkspruch auf den Kaiser Franz Josef .aus, indem er auf das Wohl des bewährten Freundes und Bundesgenossen trank. Botschafter Gras Szögyenyi reist heute abend nach Berlin ab.

Berlin, 19. Aug. DieBerl. Polit. Rachr." schreiben, man werde, wie schon früher, für den Re i chs h au s h a l t im Jahre 1904 zur Deckung der auf den ReichDinvalidenfonds angewiesenen Ausgaben, etwa 40 Millionen, aus dem Be­stand dieser Fonds entnehmen.

DerRational-Zeimng" zufolge ist das Ergebnis der Ermittelungen hinsichtlich der geifrigen Störungen des Prinzen Prosper Arenberg berat ausgefallen, daß der Reichskanzler die Zustimmung zu dem Antrag auf Unter­brechung der Strafvollstreckung versagte. Prinz Arenberg wird in ein anderes Gefängnis übergeführt und die Strafe weiter verbüßen.

Wismar, 18. Aug. Ein heute nachmittag, am Vor­abend der Hundertjahrfeier herausgegebenes Regierungs­blatt veröffentlicht den mit Schweden abgeschlossenen Staatsvertrag,

Basel, 18. Aug. Nach derBaseler Ztg." besitzt der schweizerische Generalstab Informationen, denen zufolge Deutschland den Plan, Befestigungen bei Tuel- lingen in der Nähe von Basel anzulegen, wieder ausge­nommen habe. Die Vermessungen wären schort vorgenom­men. Seit 14 Tagen fänden schon eifrige' Besprechungen zwischen den kantonalen und eidgenössischen Behörden statt.

M ünchen, 18. Aug. Prinzes sin Rupprecht, die auf der jüngst beendeten Reise in Japan an Blinddarment­zündung erkrankte, unterzog sich, heute hier einer Operation, die glatt und ohne Komplikation verlief.

Ausland.

Wien, 18. Aug. Das tschechische BlattPlenzky Obzor" bringt folgende, angeblich von einer hervorragenden Persönlichkeit herrührende Nachricht: Die Ereignisse in Ungarn üben eine große Wirkung in Hofkreisen aus. Man erwägt die weiteren Folgen für den Fall, daß die äußersten magyarischen Forderungen bewilligt werden sollten. Mit Rücksicht auf die eventuellen Transformationen im bis­herigen Dualismus soll in kurzer Zeit auch eine Ver­änderung auf dem Throne stattfinden, da ihre ganze Sorge zu sehr auf dem Kaiser laste.

Nach einem Telegramm desLok.-Anz." aus Wien ist das Gerücht, Kaiser Franz Josef wolle ab dank en, das in Wien nirgends Glauben findet, auf die Meldung eines einzigen Wiener Blattes zurückzuführen und voll­ständig aus der Luft gegriffen.

Das Kriegsministerium ordnete an, daß bei den ungarischen Regimentern der Stefanstag alljährlich als ungarisches Nationalfest gefeiert werde.

Der MünchenerJugend" ist für die ungarischen Länder das Postdebit entzogen worden.

Budapest, 18. August. In Zapresitsch in Kroatien wurde anläßlich des Geburtstages des Königs auf dem Eisenbahngebäude die ungarische Flagge gehißt. Die Volksmenge riß die Fahne herab. Als Gendarmen dies verhindern wollten, entstand ein Handgemenge, bei dem die Gendarmen die Schußwaffen gebrauchten. Mehrere Personen wurden getötet.

Bukarest, 18. Aug. Die Kronprinzessin wurde heute früh von einem Knaben enbunden. Der Prinz erhält den Namen Mkolaus.

Madrid, 18. Aug. Eine große Anzahl Ausländer, welche nicht über genügende Existenzmittel verfügten oder verdächtig waren, Anarchisten zu sein resp. mit solchen in Verbindung zu stehen, sind gestern ausgewresen worden.

N e w y o r k, 18. Aug. Ans Anlaß der gestrigen Flotten­schau gab Präsident Roosevelt an Bord seiner Jacht Mayflower" ein Frühstück. Der Präsident brachte einen Trinkspruch auf die Großmächte Deutschland, Großbritan­nien. Japan und Rußland, deren Vertreter anwesend waren, und auf die Herrscher dieser Mächte aus. Kapitän Dechair von der llriüschen Botschaft erwiderte mit einem Tritt kspruch auf den Präsidenten.

Au!stand in Mazedonien.

Im Kreise Agostos, Wilajet Saloniki, wurden vier türkische und griechische Dörfer von den Banden ge­ll r a n d s ch a tz t und geplündert. Konsulardepeschen melden, daß im Wilajet Saloniki neuerdings 16 Rediesllataillone zweiter Klasse, im Wilajet Uesküb« 7 Rediesbataillone mobili­siert werden. Im Engpässe Selenko, einer Bahnstation zwi­schen Uesküb und Koprülü sand infolge eines Bandenangriffs auf die Bahnwache ein größerer Kampf statt. Tie Verluste sollen auf beiden Seiten erheblich fein. Die Telegraphen- verbindmigen zwischen Selenko, Uesküb und Koprülü 'sind gestört. In Richo, einem 3i/2 Wegstunden von Monastir ent­fernten Orte, sowie in je einem Orte in den Kreisen Kru- schewo und Florina sollen einige hundert Mann starke Banden versammelt sein. Mit ihnen scheint man zu unter­

handeln, um ein größeres Blutvergießen zu vermeiden und besonders auch deshalb, weil dieser Ort von einer gemischt­sprachigen, verschiedenen Glaubensbekenntnisfen angehöcen- den Bevölkerung bewohnt ist. Tie dtachrichten, daß ein Persoiienzug in die Luft gesprengt wurde, werden amtlich dahin richtig gestellt, daß auf der Strecke Saloniki-Uesküll ein Personenzug aus unbekannten Ursachen entgleiste, wobei ein Bahnangestellter und ein Postbeamter verwundet wurden. Mehrere Wagen find zertrümmert worden. Tie letzten Aktione n des Komitees sowie andere An­zeichen weisen darauf hin, daß die Komitees die Vri)hame- batter um j.eden Preis aufs äußerste zu erbittern bestrebt sind, um Christenmassacres int größeren Maßstabe zu pro­vozieren und hierdurch eine europäische Intervention zu erreichen. Im Wldiz und bei der Pforte ist diese Absicht wohlbekannt. Es ergehen fortgesetzt strenge Weisungen an die Militärkommandos und die Provinzialbehörden. Aus Ko n st an ti n o pe 1 meldet man, daß die zunehmenden Ausschreitungen betrunkener Soldaten gegen christliche Einwohner von der Polizei stillschiweigend geduldet wer­den. Tein Tage der Thronbesteigung des Sultans wird deshalb mit größter Besorgnis entgegengesehen.

Aas AlaiU üiiü Kanü.

Gießen, 19. August 1903.

** Der Kaiser in Mainz. Nächsten Montag den 24. August wird der deutsche Kaiser zu einer Trup­penschau auf den großen Sand nach Mainz kommen. An der Truppenschau nehmen teil, die in Mainz liegenden Re­gimenter, sowie die in Frankfurt garnisonierende Abteilung des Art.-Regts. Nr. 63, ferner das 80., 116. und 118. Jn- fanterie-Regt. Der Kaiser kommt nach demM. Tgbl." von Kassel und wird seinen Weg nach dem großen Sande zur Truppenschau durch die Rheinallee nehmen, während der Rückweg durch die Wallstraße erfolgt. Nach der Truppen­schau wird der Kaiser, einer Einladung des Großherzogs folgend, im großherzoglichen Palais absteigen. Nach den bisher getroffenen Dispositionen ist der Aufenthalt des Kaisers auf den einen Tag beschränkt.

** Evangelischer Bund. Wie im vorigen Jallre die jährliche Landesoersammlung des Hessischen Hauptvereins des Evangel. Bundes hier in Gießen stattfand, so findet sie in diesem Jahre Dienstag, den 1. September und Mittwoch, den 2. September in Groß-Umstadt statt. Am 1. September nachmittags 4 Uhr tagt die Abgeordneten-Versammlung der heffischen Zweigvereine, an welche sich abends 8 Uhr eine öffentliche Vorversammlung über ein aktuelles Thema an­schließt. Am 2. September wird der Festgottesdienst, die Jahresversammlung des hessischen Hülfsausschusses für die evangelische Bewegung in Oesterreich und die satzungsgemäße Hauptversammlung stattfinden und am nachmittag um 4 Uhr die große öffentliche Festversammlung, für welche Vorträge über Protestantismus und das deutsche Reich sowie über Protestantismus und Oesterreich vorgesehen sind. Die Ver­sammlungen sind öffentliche und jedem Evangelischen zu­gänglich. Sie versprechen, auch nach außen hin ein kräftiges Zeugnis evangelischer Bekenntnisfreudigkeit und deutsch- protestantischer Gesinnung abzulegen.

** Eisenbahn-Unfall. Heute- morgen gegen 11 Uhr wurden dem Weicyensteller Reinhard Hofmann aus Wieseck beide Beine unterhalb des Knies von all- gestoßenen Wagen überfahren und schwer verletzt. Hof­mann war mit dem Reinigen der Weichen beschäftigt und konnte den Wagen nicht schnell genug ausweichen. Er wurde sofort in die Klinik gebracht. Zu dem Unfall erhalten wir noch folgende amtliche Meldung: Heute morgen 11.15 Uhr ist der 5Mlfsweichensteller Reinhard Hofmann aus Wieseck ins Meis 62 des hiesigen Bahnhofes beim Putzen einer Weiche von einem Wagen erfaßt und ihm beide Unter­schenkel überfahren worden. Der Verletzte wurde in die hiesige Universitätsklinik über führt. Die Vorschrift, nach welcher beim Reinigen einer Weiche das lletr. Fahrgleis durch ein Signal zu sperren ist, scheint von dem lieber* faljrcnen leider nicht befolgt worden zu sein. Untersuchung ist eingeleitet.

** Unglücksfall. Gestern vormittag glitt auf dem Trottoir am Brandplatz eine ältere Dame aus und kam zu Fall, wobei sie sich eine erhebliche Kopfwunde zuzog. Der Unfall wurde dadurch hervorgerufen, daß dort stehende Gemüsehändler, insbesondere Gurkenverkäufer, faule Gurken­teile auf die Straße warfen, obwohl sie am letzten Wochen­markt auf die Folgen aufmerksam gemacht wurden und ihnen diese Gepflogenheit verboten worden ist.

Butzbach, 18. August. Der kommandierende General des 18. Armeekorps, Se. Exzellenz v. Lind eq ui st, weilte heute hier zwecks Besichtigung beim hiesigen Bataillon. Am 25. August werden in unserer Stadt 2 Batterien des 61. Artillerie-Regiments einquartiert. Für die Ein- quartierten wird derselbe Pflegesatz wie im Vorjahre (1.20 Mark) vergütet. Auch das Servisgeld für Offiziere wird den Quartiergebern ausbezahlt.

Mainz, 18. August. Bis jetzt sind 9 Personen, die der Teilnahme an dem Ueberfall auf die Italiener verdächtig sind, in Untersuchungshaft. Täglich finden Ver­nehmungen statt. Nur einer der Verhafteten, der Maurer Barth, hat seine Beteiligung am Ueberfall zugestanden. Er weigert sich aber, irgend einen der anderen Beteiligten an­zugeben. Barth hat von den Italienern einen Schuß in den 'Fuß bekommen. Diese Verletzung wurde zum Verräter an ihm. Die italienischen Arbeiter, 90 an der Zahl, weigern