sichrer", bemerkte der Kaiser lächelnd, und sprach schließlich sein Bedauern aus, daß die Kaiserin die Herren beute nicht ebenfalls empfangen rönne. Ter Empfang dauerte kaum länger als eine Minute. Mit dem Dräsi- denten des Herrenhauses, Fürsten zu Wieo sprach der Kaiser über die von ihm dem Herrenhause geschenkte Marmorgruppe ,.,Tie Krone, der Hort deS Friedens". Sodann sprach er das Präsidium des Abgeordnetenhauses an und berührte das Thema der neuen Wandgemälde im Ab- geordnetenhause.
— fZrhr. Speck v. Sternburg war gestern abend vom Kaiser zur Familientafel gezogen. Ter Kaiser unterhielt sich mit ihm nach aufgehobener Tafel eingehend über die seiner in Washington harrenden Aufgaben.
— Kaiser Wilhelm hat dem Präsidenten Roosevelt schon wieder eine besondere Aufmer- samreit erwiesen. Ter deutsche Geschäftsträger Gras v. Quadt-Wykradt-Jsny überreichte im Australe oes deutschen Kaisers dem Präsidenten Roosevelt ein Exemplar des Werkes „Tie Reform des höheren Schulwesens in Preußen", dessen Titelblatt ein vorzügliches Bild Kaiser Wilhelms zeigt. Präsident Roosevelt drückte seine Freude über das Geschenk aus und bat den Grafen v. Quadt, dem deutschen Kaiser seinen herzlichsten Tank für die ihm erwiesene Aufmerksamkeit zu übermitteln. (Ter Vorgang ist gerade im gegenwärtigen Augenblick sehr bezeichnend, (£r beweist, daß die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Teutschen Reiche und der nordamerikanischen Union auch trotz der Venezuela^Affäre noch völlig ungetrübt sind.)
— Wie aus Merseburg gemeldet wird, trifft der Kaiser bestimmt am 14. September zu den Manövern dort ein und wohnt 4 Tage im Schlosse. Tie Renovation der für seinen Aufenthalt bestimmten Räume ist bereits in Auftrag gegeben.
— Ter Kronprinz wird dem Zaren als Geschenk des Kaisers zwei größere Schiffsmodelle überreichen.
— Tem „Lokalanz." zufolge ist die seit längerer Zeit borbereitete Novelle zum Krankenversicherungs- g e s e tz nunmehr dem Bundesrat zugegangen und soll, wenn es nach den Wünschen der verbündeten Regierungen geht, noch in dieser Tagung dort und im Reichstage erledigt werden.
— Nachdem das Gesetz vom 6. d. Mts., durch welches die deutsche Zucker st euergesetzgebung mit dem Brüsseler Vertrage vom 5. März 1902 über die Behandlung des Zuckers in Einklang gesetzt wird, im Reichsgesetzblatt verössentlicht worden ist, ist, wie die „Nordd. Alla. Ztg." meldet, die deutsche Ratifikationsurkunde zu diesem Vertrage am 15. d. M. durch den deutschen Geschäftsträger in Brüssel im belgischen Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten widerlegt worden.
— Nach einer Meldung aus Dresden ist über das Befinden des Königs Georg von Sachse n heute ein neuer Lofbericht ausgegeben worden, demzufolge die katarrhalischen Erscheinungen noch nicht ganz, geschwunden und der Schlaf öfters noch durch Husten gestört ist. Tie Kräste- zunahme und Nahrungsaufnahme sind dagegen befriedigend.
Stuttgart, 18. Jan. Ter frühere freikonservative Reichstagsabgeordnete des fünften württembergischen Wahlkreises, Kommerzienrat Reiniger, ist im Alter von 67 Jahren heute gestorben.
Heer und Flotte.
Auf der Ausreise nach Venezuela erlitt nach einer Kieler Depesche derKreuzerSperber eine Havarie des Steuerruders im atlantischen Ozean. Die Weiterfahrt erleidet eine Verzögerung. Die Reparatur erfolgt in Vigo in Spanien.
Ausland.
Brüssel, 18. Jan. Heute starb im Vorort Uccle Mahmoud Pascha, der Schwager des Sultans. Seine Frau wird in Konstantinopel gefangen gehalten. Sein Sohn Loutfullach erklärte, daß er die Politik seines Vaters fortsetzen und für Reformen in der Türkei kämpfen werde. Abdul Hamids barbarische Herrschaft habe das Land 25 Provinzen gekostet. Selbst durch die glänzendsten Aner» bieten des Sultans werde er und sein Bruder sich ebensowenig täuschen lassen wie der verstorbene -Vater.
Paris, 18. Jan. Ter „Times"-Korrespondent Blo- witz ist heute abend an einer infolge einer Blinddarmentzündung eingetretenen Peritonitis gestorben.
— Ter Gemeinderat von Lille hat die Regierung ersucht, die Todesstrafe abzuschaffen.
Wien, 18. Jan. Wie das /z9t W. Journal" erfährt, sollen die Urheber der Ehescheidungsgerüchte, betr. das L o n y a y's ch e Ehepaar am Wiener Ho f e zu suchen sein und sei man Allerhöchsten Orts darüber so erzürnt, daß eine Untersuchung eingeleitet wurde.
Bukarest, 17. Jan. Eine Verordnung des Kriegsministers Sturdza untersagt allen aktiven Offizieren und Militärbeamten mit Ofsiziersrana die Teilnahme an politischen Wahlen. Tiefe Verordnung erfolgte aus Rücksichten der militärischen Tisziplin und um parteipolitische Agitationen und Zwistigkeiten von der Armee sernzuhalten.
Washington, 17. Jan. Ter Marineauöschuß des Repräsentantenhauses beschloß, dem Hause den Bau von drei neuen Panzern und einem Kreutzer zu em-, pfehlen.
New York, 17. Jan. Tie „Evenning Post" erklärt öei einer Besprechung der vielfältigen Gerüchte von Deutschlands Absichten au sden Panamakanal oder eine Kohlenstation in Columbia, die antideutsche Kampagne sei jetzt in das Stadium der Lächerlichkeit getreten. Nächstens könne man die Nachricht erwarten,Deutsch- land habe den Mont Pelee gekauft, um im Krater eine Kohlenstation einzurichten.
Aus Stadl und Saud.
Gießen, 19. Januar 1903.
• * Zur 5. Vorstellung des Theatervereins. Folgende Zuschrift des Vorstandes deS Theatervereins liegt uns vor: „Die Lokalbahn*, die neue Komödie des Simplicissimus-Dichters Ludwig Thoma, welche am Mittwoch den 21. d. M. vom Theaterverein zur Aufführung gebracht wird, ist bis jetzt nur auf süddeutschen Bühnen gegeben worden, und merkwürdigerweise waren es hauptsächlich die Hoftheater München, Karlsruhe und Stuttgart, welche das Stück des Hauptmitarbeiters des offiziell anrüchigen Sim- plicissimus weiten Kreisen bekannt machten. Daß auch dieses neue Stück des früheren Dachauer Rechtsanwalts einen satirischen Inhalt hat, ist wohl selbstverständlich; es nimmt die Anlaae des Bahnhofs einer an dem Städtchen Dornstein
vorbeizuführenden Lokalbahn zum Ausgang und bringt in der Folge eine ganze Reihe ergötzlicher Kleinstadtbilder auf die Bühne. Den Bürgermeister, den Spielball seines Gemeinderats, den eitlen Prahler mit seinen ewigen Verlegenheiten und Acngsten wird der Kgl. Hofschauspieler vom Stuttgarter Hoftheater, Herr Krause, geben. Der lustigen Lokalbahn wird ein ernstes Bildchen vorhergehen, der „Herbst" von Walter Schmidt-Häßler, worin Herr Krause seine Kunst nach einer anderen Richtung betätigen wird. „Herbst" hat seit zwei Jahren die Runde über eine große Zahl von Bühnen gemacht.
* * Konzert auf der Eisbahn. Morgen nachmittag von 12—2 Uhr spielt die hiesige Regimentskapelle unter per- onlicher Leitung des Großh. Musikdirektors Krauße aus der Eisbahn.
* * Die Wanderer, G. R.-G., feierten am Samstagabend in Steins Saalbau ihr Winterfest. Die Konzert- musik führte ein Teil der Regimentskapelle unter Leitung des Musitdirekrors Krauße aus. Den den Radsport verherrlichenden Prolog sprach Frl. Hettler, die humoristischen Vorträge mit den beifallsfroh verlangten Zugaben spendete Herr Kantowiski unter musikalischer Begleitung des Herrn Kasten. Die beiden Einaller: „Meine Frau hintergeht mich" und „Ein Vorurteil" fanden ebenfalls den wohlverdienten Beifall der Festteilnehmer. Das Fest schloß mit einem bis gegen 5 Uhr morgend dauernden Balle.
* * Vortrag. Man schreibt und: Vor zahlreichen Zuhörern, unter denen sich viele Frauen befanden, referierte orau Tr. David- Mainz am Samsmg im Lenz'schen Felsen- keller über das Thema: „Wie schützen wir uns gegen die Verteuerung der Lebens mittel?" In flüchtigen Umrissen skizzierte Referentin die allgemeine wirt- leyastliche Lage, die ein Steigen der Löhne und eine Verkürzung der Arbeitszeit zur Folge gehabt habe; sie gedachte der englischen Gewerkschaften, bei denen der Arbeiter bei Festsetzung der Arbeitsbedingungen völlig ebenbürtig mit dem Unternehmer angesehen werde, ferner der freien Konkurrenz, die es jedem, der über Kapital und geschäftliche Fähigkeiten verfügte, ermögliche, selbständig zu produzieren, im Gegensatz zu den Zünsten und Gilden des Mittelalters, die nur demjenigen die Ausübung des Handwerks gestatteten, der ein Cesellen- und Meisterstück gefertigt, endlich der durch die freie Konkurrenz hervorgerufenen Ueber- produktion an Waren, deren Absatz dem Fabrikanten oft unmöglich war, und die Bildung der Fabrikenringe, der sog. Trusts, befördere. Diese Trusts nützten ihre wirtschaftliche Macht aus, indem sie die Preise dekretierten und etwaige widerspenstige Fabrikanten durch Entziehung von Rohmaterial zum Anschluß an den Fabrikantenring zwängen. Ein Steigen der Warenpreise sei dann die unmittelbare Folge; so erfuhr beispielsweise Seife eine Steigerung um 6 pCt., Zucker um 20 pCt. innd Kohlen sogar um 50 pCt. Das Bedauerlichste jedoch sei, dag die im Inland hergestellten Maren an das Ausland billiger wie an das Inland abgegeben würden; so kostete Zucker im Inland per Pfund 34 Pfg^, im Ausland 12 Pfg., Kohlen I&V2 bezw. 81/2 Mk., Koks 171/2 bezw. 121/2 Mk., Drahtstifte 250 bezw. 140 Mk., Halbfabrikate 60 bezw. 45 Mk. Als wirksamstes Mittel gegen diese Trusts empfahl Rednerin den Zusammenschluß zu Konsumgenossenschaften, ähnlich denjenigen Englands und Schottlands, die eine größere Anzahl Bedarfsartikel in eigenen Fabriken herstellten, die 38 000 Arbeiter beschäftigten, so Seifen, Lichte, Bisquits, Konfitüren, Tabak, Möbel, Holzstoss, Wäsche usw., in allen Ländern der Welt besitzen sie Vertreter, ebenso besitzen sie in Ceylon eigene Teeplantagen, die bei einem Jahresumsatz von 20 Millionen Mark 600 Arbeiter beschäftigen, desgleichen sieben Schiffe, die den Verkehr mit dem Inland vermitteln. Mer auch Deutschland besitze große Konsumgenossenschaften. Der Leipzig- Plagwitzer Konsumverein erziele einen Jahresumsatz von 20 Millionen Mark, auch nenne derselbe eine Bäckerei mit 60 Arbeitern sein eigen. Die vielfach als unannehmbar bezeichnete 12stündige Arbeitszeit sei durch den achtstündigen Betrieb in dieser Konsumbäckerei illusorisch geworden, wobei immerhin noch ein Reingewinn von 10 pCt. erzielt werde. Die im Jahre 1894 in Hamburg gegründete Großeinkaufs- genossenschaft habe einen Jahresumsatz von 15 Millionen Mark erreicht.
* * Als Bürgermeister von Friedberg ist, wie man uns drahtlich aus Darmstadt mitteilt, der Kreisbauinspektor Baurat Stahl in Gießen am 16. d. Mts. von der Großh. Regierung bestätigt worden.
"Das Gießener Volksbad hat im Jahre 1902 im Ganzen 96 594 Bäder, wovon 75679 für Männer und 20 915 an Frauen, abgegeben. Im Jahre vorher bezifferten sich die im Ganzen abgegebenen Bäder auf 97 672, so daß in der Frequenz des abgelaufenen Jahres ein kleiner Rückgang zu verzeichnen ist, der wohl seinen Grund in der für das Baden ungünstigen Witterung und in dem frühen Winter findet. Es entfallen im Einzelnen auf die verschiedenen Bäder folgende Benutzungsziffern, wobei die in Klammern gegebenen Zahlen die Frequenz aus 1901 bedeuten. Schwimmbäder 55 657 (58866). Davon entfallen für Männer 26 959, für Frauen 5367, für Knaben 9376, für Mädchen 3159. Dazu kommen die Volksbäder, Schwimmbäder ä 10 Pfg., 3445 für Männer und 2351 für Frauen. — Wannenbäder 17 507 (18 038). Es entfallen davon auf 1. Klasse: Männer 3045, Frauen 1160; 2. Klasse: Männer 7359, Frauen 5195. Wannenbäder zu ermäßigten Preisen wurden verabreicht 748 (2779) und zwar an Männer 384 und an Frauen 364. Heilbäder: 1862 (1936) davon 275 an Frauen. Brausebäder 20 276 (18 852). Im Allgemeinen hat das Baden der Frauen im Volksbad gegen das Vorjahr wieder etwas zugenommen. Die stärkste Benutzungsziffer wies die Anstalt im Juni und Juli auf; in beiden Monaten wurden je ca. 11000 Bäder abgegeben. Die schlechtesten Monate waren der Januar bis April, in denen aber doch noch durchschnittlich 7—7500 Bäder gebraucht wurden, während der Dezember mit ca. 5500 Bädern die geringste Frequenz aufwies.
* * Der große Temperatursturz, der vor wenigen Tagen fast im ganzen Deutschen Reiche eintrat, hat bei emem Minus von 11 0 0. im allgemeinen seinen tiefsten Stand erreicht. Diese recht erhebliche Kälte hat in den letzten Nachten ziemlich gleichmäßig angehalten; am Tage hingegen konnte sie dem starken Einfluß der Sonnenstrahlen nicht widerlichen, uni) mittags zeigte daher der Thermometer nur ein Minus von 1 biS 2 0 U. Das ist immerhin noch ein so großer Unterschied, daß er nicht als normal bezeichnet werden kann. Und deshalb darf wohl die Hoffnung als berechtigt erjche.'.ien,
daß der Januar nicht mehr durchweg so kalt bleiben wird, sondern daß eine mildere Temperatur sehr bald einsetzen wird. Freilich würde uns diese wahrscheinlich auch Bewölkung und damit Regen und Stürme bringen, die dann nicht ganz mit Unrecht als die Vorläufer der Aequinoktialstürme gelten können, wenn diese Bezeichnung für die Frühlingsstürme in Europa erlaubt ist.
** Ausbildungskurse. Im Februar und März dieses Jahres werden durch Herrn Professor Tr. W. Sonne 2 bis 3 Ausbildungskurse für Weißbinder, Maler und Lackierer (Meister und ältere Gesellen-), im Tienstgebäude der Großh. chemischen Prüfungssiation ür die Gewerbe in Darmstadt (Heinrichstraße 56) abgehalten werden. Tie Kurse finden statt in der Zeit vom 16. bis 20. Februar, vom 2. bis 6. März und erforderlichenfalls vom 9. bis 13.. März 1903. In denselben wird geehrt: Das Ausfärben von Farbstoffen aus massive Hölzer, das Grau- und Schwarzsärben derselben, das Ornamentieren von künstlich altgemachtem Eichenholz, das künstliche Altmachen von Eichenholz, das selbständige Ausarbeiten von Färbevorschristen, das Lauteren und Lasieren der gefärbten und geschliffenen Hölzer. Au jedem Kurs können ich 12 Teilnehmer beteiligen. Dieselben haben den Nach- iveis sachgewqrblicher Ausbildung zu erbringen und müssen das 20. Lebensjahr bereits überschritten haben. Ausnahmen von letzterer Bedingung können nur in besonderen Fällen gemacht werden. Tie Kursteilnehmer haben mitzubringen: 1. den „Farbenordner" von R. Kreutzer (zu beziehen durch die Bergpräßer'sche Hofbuchhandlung in Darm stabt, Preis 1 Mark); 2. zwei Quartheste zu je 30 Seiten; 3. einen Flachpinsel Nr. 24 D. R. G. M. 88 205 (zu beziehen durch I. Harter, Darmstadt, Schützenstraße). Diese Gegenstände sind auf Wunsch auch in dem Unterrichtsraume zum An- kausspreis zu erhalten. Alle übrigen Materialien werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Proben der gefärbten Hölzer können nach dem Ermessen des Kursleiters mitgenommen werden. Tie Unterrichtsstunden sind von 8 bis 12 Uhr vormittags und von 2 bis 6 Uhr nachmittags sestgesetzt. Das Unterrichtsgeld (5 Mark) ist zu Beginn des Kursus von jedem Teilnehmer zu entrichten. Auswärtigen unbemittelten Teilnehmern kann aus Vorlage entsprechender Zeugnisse das Unterrichtsgeld erlassen werden oder es kann denselben einmalige Fahrt und Rückfahrt 3. Wagenklasse vergütet oder eine Beihilfe bis zu zwei Mark täglich zur Bestreitung der Kosten des Aufenthalts in Darmstadt bewilligt werden. Die eingehenden Gesuche um Zulassung zu diesen Kursen, welche baldmöglichst, spätestens aber bis zum 7. Februar l. I. an die Großh. Zentralstelle für die Gewerbe in Darmstadt zu rieten sind, werden in der Reihenfolge des Einlaufs berülliich- tigt; jedoch werden solche von Mitgliedern des Lanoes- gewerbevereins bevorzugt.
Darmstadt, 19. Jan. (Tel. des Gieß. Anz.) Am Samstag abend 7 Uhr 47 Min. wurde von dem Personen- zug Nr. 784 an der Ueberfahrt bei dem Haltepunkt Glasberg der Nebenbahn Darmstadt—Groß-Zimmern ein Fuhrwerk überfahren. Der Fuhrmann Karl Seipp wurde vom Wagen geschleudert und so schwer verletzt, daß er noch in der Nacht gestorben ist. Die Pferde blieben unversehrt, dagegen wurde der Wagen zertrümmert. Vermutlich liegt eigenes Verschulden des Fuhrmanns vor. Untersuchung ist eingeleitet.
" Wetzlar, 18. Jan. Die Influenza herrscht gegen- wärtig in erheblicherem Umfange in der Stadt und im Kreise und es hat den Anschein, als sollte die Zahl der Erkrankungsfälle die der Vorjahre beträchtlich überschreiten. — Da sich die seit mehreren Jahren bestehende Nebenstelle der Sparkasse des Kreises Wetzlar in Braunfels sehr gut bewährt hat, hat sich der Vorstand der Kreissparkaffe veranlaßt gesehen, vier weitere Nebenstellen vom 20. d. Mts. ab einzurichten und zwar in Ehringshausen, Krofdorf, Hohensolms und Hörnsheim, woselbst Spareinlagen bis zum Betrage von 500 Mk. eingezahlt werden können.
Frankfurt, 18. Jan. Blutige Szenen spielten sich am Samstag abend im Hinterhause Wingert st raße Nr. 8 ab. Dort lebten die im 3. Stocke wohnenden Eheleute Rothfuß und Gebhardt schon seit einiger Zeit auf gespanntem Fuße. Der 24jährige Glaser Rothsuß, dessen Schwager, Dachdecker Röder, Tags zuvor aus der Fremde zurückgekehrt war, schoß gegen 8 Uhr angeblich aus Freude darüber, im Zimmer dreimal einen Revolver los. Durch die Schüffe erschreckt, öffnete der Schreiner Gebhardt, der m der I. Abtschen Schreinerei in der Wingertstraße beschäftigt war, die Tür; er traf die Ehefrau des Rothfuß und stellte sie zur Rede. Dabei fiel ein Schimpfwort gegen die Rothfuß, während die Ehefrau Gebhardt ihren Mann ins Ziinmer zurückzog und die Tür abschloß. Nunmehr drangen aber der Glaser Rothfuß und der Dachdecker Röder in das Zimmer Gebhardts ein, indem sie die Tür einschlugen, und sielen über Gebhardt her. G. wurde über eine Nähmaschine geschleudert und erhielt vier Stiche in den Kopf und je einen Stich in Rücken und Unterleib. Ein siebenter Stich ging in den Oberschenkel und verletzte die Schlagader. Gebhardt, der sich wehrte, verwundete den Glaser Rothfuß durch Stiche an Kopf und Händen und den Dachdecker Röder an Kopf und Arm, wobei ihm die Messerspitze abbrach und im Schädelknochen des Röder stecken blieb. Alle drei Verletzten wurden ins Heiliggeisthospital verbracht, woGebhardt nach zweiStunden seinen Verletzungen erlag.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Butzbach wurde em 17jähnger Bursche verhaftet, weil er mit einem noch schulpflichtigen Mädchen im Spitale sich unsittlich vergangen haben soll. — In Ehringshausen feierten am 17. Januar Herr Johann Neuhaus und seine Ehefrau ihre goldene Hochzeit. — Tie große Festhalle, die für den Sängerwettstreit auf dem Platze der ehemaligen Rosenausstellung an der Forsthaus- straße in Frankfurt a. 9)1. errichtet wird, soll einige Zeit stehen bleiben und nach Beendigung des Festes, voraussichtlich vom Juni bis November, für kürzere oder längere Veranstaltungen vermietet werden. Die Halle hat 8100 Quadratmeter Flächeninhalt im Erdgeschoß und 6000 Quadratmeter im Obergeschoß.
Vermischtes.
• Krefeld, 18. Jan. Der flüchtige Stadttheater. Kassierer Wick wurde gestern mittag in Antwerpen ver- haftet.


