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18.8.1903 Zweites Blatt
 
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isprechanschluß Nr. öl.

Zweites Blatt. 153. Jahrgang

Dienstag 18. Aagnft 1903

Metzener Anzeiger

" Seneral-Aiyeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

BezngSpretSi monatlich75Ps., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.viertel- tährl. ausschl. Beftellg. Annahme von Anzeigen ür dle Tagesnummer aus vormMagS 10 Uhr. ZeüenprrtS: lokal 12 Pf, auswärts 20 Psg. verantwortlich Mr den poltt. und allgem. Teil: P. Wtttto: für Stadt und LandE und .GerichtSfaal": August Götz; für den An» zeigentell: HanS Beck.

Are heutige Wummer umfaßt 8 Setten.

Auswärtige KolttiK.

Gießen, IS. August.

L ^or wenigen Tagen war, wie wir berichteten, eine leb- Debatte über unsere auswärtige Politik geführt worden, fyc.. ^gerufen durch Blätter, denen das feindliche und wie sie me. k en ^bloßstellende" Verhalten Deutschlands nach außen hm .ucht gefiel. Nun sind verschiedene Bewegungen im Gange, die der Oeffentlichkeit erneut Anlaß geben werden, diese oder jene diplomatische Tat oder Kundgebung zu beurteilen. Diese Bewegungen gelten sogar direkt der Erhaltung des europäischen Friedens und werden darum nicht wenig Momente der aus­wärtigen Politik in den Vordergrund rücken.

Englische und französische Parlamentarier wollen sich dem­nächst in Brüssel zu einer Friedenskundgebung zusammenfinden. In Wien gedenkt die internationale Friedenskonferenz zu tagen, um insbesondere für den Gedanken zu demonstrieren, daß in alle dazu geeigneten Verträge eine Schiedsgerichtsklausel aus­genommen und in Streitfällen vorzugsweise der permanente Schiedsgerichtshof im Haag angerufen werden solle. Daneben verlautet aber von Vorbereitungen für eine neue deutsche Armeevorlage, bei der der neue Kriegsminister gleich bei Beginn seiner Amtstätigkeit eine große Aufgabe hat, und auch im Ausland geht man verschiedentlich damit um, die Rüstungen zu Wasser und zu Land zu verstärken.

So war es immer. Durch die Jahrhunderte hallte der Waffen eherner Klang und dazwischen ertönen milde Mahn­rufe zur Versöhnung der Völker. Wer die Dinge nimmt, wie sie sind, wird deshalb gegenwärtig zwar alle Be­strebungen unterstützen, die auf Erhaltung des Friedens gehen, aber er wird seiner eigenen Nation nicht zumuten, sich ihrer Macht zu entäußern. Die Haltung unserer deutschen Regie­rung, die kürzlich, wie erwähnt, so scharf kritisiert worden ist, hat aber im Hinblick auf die Friedensbestrebungen dieser Tage gar keine Ursache, nach irgend einer Seite sich schroff zu verhalten. Gerade die jetzige Lage erfordert von einem Land, das von mancherlei Seiten und aus mancherlei Ur­sachen angefeindet wird man denke nur an das Verhalten Frankreichs bei der Papstwahl daß es sich vorsichtig und abwartend verhält. Und wenn man unsere Situation genauer untersucht, so ergeben sich für uns kaum die Verluste, die der Leitung unserer auswärtigen Politik in diesen Tagen zum Vorwurf gemacht worden sind.

Wir finden heute imRhein. Kurier" einen Aufsatz, der, auch wenn er positive Erfolge der deutschen Politik etwas kühn und in zu scharfem Umriß hinstellt, doch gut kenn­zeichnet, daß wir uns durchaus keines Drängens und Hastens zu befleißigen haben.

Menn wir in dem bunten und reichgestaltigen Getriebe der hohen Politik, so heißt es in der Zuschrift desRh. Kur.", während der letzten zehn Jahre den einzelnen Schach­zügen der Mitspieler nachgehen und den sie leitenden Grund­gedanken zu ermitteln versuchen, so kommen wir zu dem Ergebnis, daß Bismarcks Leitsatz von den ,cheiden Eisen im Feuer" gleichsam das Erbstück der Epigonen-Epoche geworden ist und daß heute sich keine Macht mehr in Europa findet, die nicht zwei Sehnen an ihrem Bogen führte. Bismarcks genial^ Diplomatie hatte es zuwege gebracht, Deutschland

gegenüber den von West und Ost drohenden Angriffen rricU nur das Bollwerk des Dreibundes als sicherste Schutzwehr zur Verfügung zu stellen, sondern er hatte es auch ohne die Bundestreue gegenüber Oesterreich zu verletzen ver­standen, für Deutschland an und für sich jede Gefahr eines Angriffs von feiten Rußlands zu bannen. Caprivi schien dieses Spiel bekanntlich zu schwer; er zog sich aus den Mei- bund zurück nicht zum Vorteil der äußeren Machtstellung des Reiches, das unter seiner Aegide eher zurückgegangen, als vorwärtsgeschritten ish Dafür näherte sich aber Oester­reich-Ungarn dem russischen Nachbar und unter Ausschalt­ung solcher Gebiete, auf denen beide Mächte auch weiterhin konkurrieren, kam jenes Uebereinkomnren vom Frühjahr 1897 zustande, das aus dem Balkan jede Periode eines russisch- östreichischen Zusammenwirkens inaugurierte, dessen be­deutendste und wichtigste Kundgebung wir in der gegen­wärtigen Friedensaktion beider Kabinette gegen die Wirren in den türkischen Provinzen vor uns sehen. Auch Deutsch­land hat unter dem Grafen Bülow seine Politik wieder derart eingerichtet, daß es in freundschaftlichen Beziehungen zu Rußland, aber auch zu England steht, von denen erstere für die Kontinentalpolitik des Reiches in Frage kommen, während letztere bei der Ueberseepolitik nicht ohne Geschick und Vortell ausgenutzt worden sind. Daneben ist aber auch das Treibundverhältnis von deutscher Seite aufrichtig ge­pflegt worden, sodaß von einer diplomatischen Vereinsam­ung Deutschlands absolut keine Rede sein kann, wenn auch natürlich die Anforderungen, die man an die Freunde und Bundesgenossen stellen kann, verschieden bemessen sind und in Bezug aus ihre Belastung sorgfältig geprüft werden müssen.

Aus den Pfaden derZwei-Eisen-Politik" folgte dann Italien, das sein Verhältnis zu Frankreich revidierte und freundnachharliche Beziehungen wieder herstellte. Der End­zweck dieser Schenkung war: Italien, sein Anrecht auf Tri­polis zu sichern, ein Verlangen, dem England in selten kurzsichtiger Weise opponierte, welche Blöße dann sofort der tätige französische Botschafter in Rom, Canrllle Barröre, benützte, um Frankreichs Unterstützung anzubieten. Glück- lrchierweise entdeckte Lord Salisbury und sein Nachfolger noch zeitig genug diese ungünstige Wendung für Groß­britannien im MittelrneerbÄen. Man kam Italien in allen seinen Wünschen entgegen und so genießt jetzt die Well das gewiß, sellene Schauspiel, daß alle drei Haupt- konkurreuten im Mitteln:eer emttächtig Hand in Hand gehen: Italien von England und Frankreich umworben und auf den Dreibund sich stützend.

Just dasselbe Beispiel hat Frankreich befolgt. Trotz aller Bündnistteue gegenüber Rußland hat es willig Eng­land seine Hand entgegenstreckt und sein Verhältnis zu Italien haben wir ja oben schpn genügend zergliedert. England hat endlich durch seine Annäherung an Frankreich und Wiederannäherung an Italien seineIsolierung" in Europa aufgehoben, die es ja in Asien schon längst auf­gegeben hatte.

Bei den gegenwärtigen Bündnis- und Freundschjafts- verhältnissen in Europa ist kaum abzusehen, wo und wie ein Konflikt entstehen könnte. Ein Zusammenstoß zwischw Zweibund und Dreibund wird durch die Freundschaft zwischen Deutschland und Rußland, die Entente zwischen Rußland und Oesterreich und die Verständigung zwischen Frantteich und Italien beinahe unmöglich gemacht; einen Krieg zwischen England und Rußland dürfte aber die französischf-englische Freundschaft zu vermeiden wissen und der Kampf um das Mittelmeer und seine noch unbesetzten Küstenländer scheint durch die neue Mittelmeer-Trias für längere Zeit aufgefchoben. Man muß wirklich mehr als

aufmerksam umherspähen, wenn mau einen Punkt entdecken will, wo ein Feuer ausbrechten könnte.

Und doch birgt gerade diese künstliche Friedensbürg­schaft viele Gefahren in ihrem Schoße; denn gemeinsame Interessen und entgegengesetzte har es stets gegeben und wird es stets geben und die vielen Eisen, welche zur Zeit die europäischen Kabinette im Feuer haben, können leicht dazu führen, daß man sich einmal vergreift, oder das rechte Eisen zu lange im Feuer läßt. Diese ganze künstliche Pazifizierungsmethode dünkt uns nicht sonderliche glücklich; sie erinnert nur an die Systeme früherer Jahrhunderte, die schon durch chre Komplizierthell den Frieden stets be­drohten. Denn schließlich ist in der Polittk, wie im Leben, nur das Einsachie gesund und vernünftig.

Zur Iiesorm der Schwurgerichte.

Von unserem juristischen Mitarbeiter.

(Originalartikel desGieß Anz.") (Nachdruck verboten.)

Ein anderer Vorschlag zur Lösung der Frage der Schwurgerichte geht dahin, daß das Gericht wie bei den Schöffengerichten zusammengesetzt werde aus ständigen rechtsgelehrten Richtern und unständigen Laienrichtern, die gemeinsam mit gleichen Rechten über die Schuld- und Straf frage entscheiden. Der Entwurf der Straf- Prozeßordnung nach den Beschlüssen der vom Bundesrat eingesetzten Kommission von 1873 stand auf diesem Stand­punkt. Nach ihm sollten alle Strafurteile erster Instanz nicht mehr von rechtsgelehrten Richtern allein, sondern überall unter Mllwirtüng von Laien gefällt werden. Die erkennenden Gerichte erster Instanz sollten große, mittlere und kleine Schöffengerichte sein. Die Einrichtung des Schwurgerichts hatte der Entwurf nicht ausgenommen. Dieser Standpunkt hatte wenigstens den Vorzug konsequent zu sein, während der jetzige Zustand mit seiner Einteil­ung in Schöffengerichte, Strafkammern und Schwurgerichte der unkonsequenteste ist, den man sich denken kann.

Diese Lösung der Frage der Schwurgerichte würde den Wünschen derjenigen entgegenkommen, die an der Zu­ziehung des Laienelementes zur Rechtsprechung festhalten.

Gelehrte- und Laienrichter würden zu einem Kolle­gium verbunden. Mit Recht hat jedoch gerade unser hessi­sches Ministerium mit Schreiben vom November 1870 her- vorgehoben,' daß eine erfolgreiche, wirksame Kollcgialjustiz Gleichheit der Verhältnisse der Kollegialmitglieder erfor­dert, daß die Elemente, auf welchen der Einfluß der Staatsrichter besteht, wesentlich andere sind als die der Schöffen und daß als praktisches Resultat der Vereinigung zweier so heterogener Bestandteile nicht sowohl die er­wartete Einheit und Geschlossenheit der Beratung, als vielmehr entweder ein gesteigerter Dualismus zwischen den ungelehrten und gelehrten Mitgliedern des Kollegiums oder die gänzliche Bedeutungslosigkeit der Schöffen über­haupt zutage treten wird.

Wesentlich mitsprechen würde bei Lösung der Frage des Schwurgerichts nach diesem Vorschlag die Beantwort­ung der ro eiter en Frage, in welchem Verhältnis das Rickster- kollegium aus Laien- und Berussrichtern zusammenzusetzen sei. Gefordert wird, daß die Zahl' der Laienrichter m in - bestens der der Berufsrichter gleich sei. Trotzdem aber würde wohl bei einer gleichen Besetzung des Gerichts mit Berufs- und Laienrichtern der Schwerpunkt in den ersteren zu suchen sein, insbesondere wenn sie unter sich einig sind, da die letzteren schon vermöge ihrer meist geringeren geistigen Ausbildung, ihrer Ungeübtheit im anhaltenden und folgerichtigen Denken und ihrer Unbe-

Feuilleton.

Alfred Bock: Kantor Schildköters Haus. Roman Verlag von Egon Fleischet & Co., Berlin. Preis Mk. 2.. Unser heimischer Dichter Alfted Bock hat uns einen neuen Roman beschert, der sicher gerade bei den Landsleuten und Freunden des Verfassers. lebhaftes Interesse erregen wird. Alfred Bock hat auch in seinem neuen Roman den Boden seines Heimatlandes nicht ver> lassen. Im Bannkreis eines hessischen Landckadtchens spielt sich ein ergreifendes Drama ab. Der Sohn des Kan- tvrs Schrldköter, ein musikalisch hochbegabter junger Mann, ist von seinem Vater soweit vorgebildet worden, dag er rmnmehr auf dem Konservatorium feine Studien vollenden tonnte Allem der Kantor kann die Mittel nicht ausbrmgen, ^ren der Sohn zu seinem musikalischen Bildungsgang bedarf Zwar besitzt er am Marktplatz des Städtchens ein Laus diesis ist jedoch mit Schulden belastet, und an Miet- erträgnissen nimmt er nur die kleine Summe ein die ihm fein bester Freund Hildebrand für den Laden und die Wohn- Lg im Ldgeschvß zahlt Der Kantor und Hildebrand sind seit frühesten Jugendtagen miteinander aufs engste befreundet Hildebrand, ein alter Junggeselle und leiden­schaftlicher Schmetterlingssammler, wird von feinem Ge- fchaftcüen das er meist etner alten Ladnerm überlaste Iblecku und recht ernährt. Immerhin sichert ihm die gute Lage des Ladens am Marktplatz einen gewissen Erfolg. Das! er jemals in seiner Miete gesteigert, oder daß ihm nar gekündigt werden könne, dünkt ihm schier unmöglich. Ter Kantor verzehrt sich in Sorgen, wie er das Geld für das Studium des Sohnes beschaffen solle. Der junge Mensch der von seinem Vater nichts mehr lernen kann, ungeduldig umher und ersehnt den Augenblick herbei, in den: Konservatorium seine Fähigkeiten zu entwickeln. Oa tritt über die Schwelle des Kautorhauses ein fremder j>err mit Namen Krakauer, der sich mit der Absicht trägt, o Städtchen ein Kvufhaus modernen Stils zu errichten.

Der Agent Hupifekd, der in dem Roman eine große Rolle spielt, hat ihn an Schildköter verwiesen, und Krakauer richtet an den Kantor die Frage, ob er ihm seinen Laden vermieten wolle, und zwar bietet er ihm zweitausend Mark, während Hildebrand für Laden uno Wohnung nur fünfhundert Mark bezahlt. Der Kantor ist zunächst ganz perplex, aber in dem Gedanken an seinen besten Freund, der seit 22Jahren sein Hausgenosse ist, dem er nicht kündigen kann, lehnt er das Ansinnen Krakauers ab. In äußerst geschickt geführter Szene wird nun gezeigt, wie der Kantor den Ueberredungs- künsten Krakauers gegenüber allmählich in seinen Grundsätzen wankend wlld und im Hinblick aus feinen Sohn, für den Krakauer das Geld zum Studium vorschießen will, Laden und.Wohnung des Erdgeschosses um zweitausend Mark ver­mietet. Dies tat er, ohne vorher Hildebrand, seinen besten Freund, davon zu verständigen. Zwischen den Freunden kommt es zum Bruch, aber auch des Kantors Sohn weigert sich, mit dem Gelde zu studieren, auf dem, seinem Glauben nach, der Fluch entheiligter Freundschaft ruht. Von Kindes­beinen an ist ihm Hildebrand, der Hausgenosse, lieb und wert gewesen, und sein Herz drängt mehr zu ihm hin als zum Vater, dessen Liebe sich hinter Rauhell und Strenge verbirgt. Der Kantor, aufs äußerste erbittert, schneidet zwischen sich und seinem Sohne das Tischtuch entzwei. Aus Liebe zu seinem Kinde hat er den Treubruch an seinem Freunde begangen, nun wird ihm mit schnödem Undank gelohnt. Krakauer, der Kaufhausmann, zieht ein. Die Er­öffnung des Kaufhauses ist ein Ereignis im Städtchen, sofern die gesamte Kaufmannschaft bisher von der neuen Zeit nicht berührt worden ist und bei hohem Verdienste und geringer Leistung ein höchst behagliches Leben führt. In dies altväterische Treiben platzt das Kaufhaus wie eine Bombe hinein. Der vielgewandte Krakauer versteht es, das kaufende Publikum heranzuziehen und erzielt Tag für Tag eine volle Ladeukässe. Einer der ersten, der dem Kaufhaus zum Opfer fällt, ist der alte Hildebrand. Er ist mit feinem Kurzwarenkrämchen in ein Seitengäßchen ge­zogen und dort sehr bald in Konkurs geraten. Der Kantor

hat nun das Geld im Kasten, nach dem er sich so lange gesehnt hat, allein sein Sohn verschmäht es und geht bei Nacht und Nebel nach Leipzig, um sich dort auf eigene Faust die Mittel zum Studium zu erringen. Wie er in der Großstadt eine Enttäuschung nach der anderen erfährt und schließlich in seiner Verzweiflung den Tod sucht, wird in beweglichen Worten geschildert. In dem hessischen Land­städtchen wlld dfer Kantor von dem Haß seiner Mitbürger verfolgt, da man ihm, der den Laden an Krakauer ver­mietet hat, die Schuld an dem allgemeinen Niedergang der Geschäfte ausbürdet. Die Flucht seines Sohnes bringt ihn ganz und gar aus der Fassung, und als er aus Leipzig dessen Todesnachricht empfängt, kommt der Wahnsinn bei ihm zum Ausbruch. In der Nacht begibt er sich in das Magazin des Kaufhauses und zündet es an. Bald steht das Haus in hellen Flammen, er selber kommt darin um. Auch in diesem neuen Werk hat Alfred Bock gezeigt, daß ihm die Kunst der Charakteristik in hohem Maße zu eigen ist. Scharf umrissen, oft nur mit ein paar markigen Strichen gezeichnet, stehen seine Menschen da, wie sie das Leben würfelt. Aber Bock ist niemals nur Wirklich keits schiller er, sondern seine Gestalten sind auch vom Hauch echter Poesie umwittert. Wer dieses Buch einmal gelesen hat, wird es sobald nicht wieder vergessen. Ohne dem Geschmack des großen Publikums Konzessionen zu machen, geht Bock seinen eigenen Weg. Und daß in diesen Roman einebrennende Frage" hineinspielt, verleiht dem Buch ein besonderes Interesse.

Jules Verne ist jetzt fast vollständig blind ge­worden. Der Operation des grauen Stars, die dringend nötig wäre, will sich der berühmte Schriftsteller nicht unterziehen, da er glaubt, bei seinen 75 Jahren sich einem solchen chirurgischen Eingriff nicht ohne Gefahr unterwerfen zu können. Er hat soeben seinen 100. Roman vollendet. Er lebt völlig zurückgezogen in seinem kleinen Hause, das er seit 17 Jahren bewohnt.