Ausgabe 
18.7.1903 Zweites Blatt
 
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Nr. 166

Erscheint tSgttch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt.

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Univers.-Buch-u.Stetn- vruckerei (Pietsch Lrbens

Schnlstratze r.

Adresse für Depeschenr «nzetger Gieße«.

Kernsprechanschluß Nr. 5L

Erstes Blatt.

153. Jahrgang

Samstag 18.^111903

GiehenerAnzeiger

** General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt ftr den Ureis Giehen

BeAngSpreiSr monatlich 75 Ps^ viertel» jährlich WIL 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen »nonatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.viertel- sährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittag» 10 Uhr.

ZetlenpreiSr lokal 12 Pf^ auSwLrtt 20 Pfg.

Barantwortlich Mr den poltt. and altgem. Teil: P. Witiko: für .Stadt und LandE und .GerichtSfaal^r August Götz; für den An» zeigentett: Han» Beck.

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in Reinsaat oder Grünfutterüb'erfruchl; 3., 4., 5. Kleegras; 6. Hafer; 7. Kartoffeln: 8. Roggen gedüngt.

Bei dieser Fruchtfolge, die sich natürlich nur in bl­onderen Fällen durchführen läßt, spart man sehr an Mist, >enn es werden nach einer Htallmistdünaung sechs bis 1 ieben Ernten gemacht, allerdings unter Beihilfe von Kunst­dünger.

Die künstliche Säuerung des Rahms.

(Wochenblatt d. landw. Vereins in Bayern.)

Den feinsten Geruch und Geschmack, leider aber auch die geringste Haltbarkeit, besitzt die aus süßem Zentti- fuaenrahm sorgfältig gewonnene Tafelbutter.' Wer solche picht immer ganz frisch bekommen kann, zieht Butter aus schwach gesäuertem Rahm vor, in welcher absichtlich gezüchtete Milchsäurepilze die Weiterentwickelung von Stall-, Schmutze, Fäulnis-, Boden-, Futtern und Krankheits­pilzen hemmen und selbst einen erfrischenden Geschmack erzeugen, der durch gleichzeitig zugesehieAromapilze"' noch verbessert wird. Wie oas Saatgut gereinigt und in beliebige Samenmischungen zum Verkaufe zusammengestellt werden kann, erreichen unsere wissenschaftlichen Anstalten genau das gleiche mit den winzig kleinen Gährungs- und Säureerregern für die Gächrungsgewerbe, zu denen auch, das Mvlkereiwefen gehört. SolcheReinkulturen" oder Säurewecker/' rönnen beispielsweise bezogen werden von der kgl. Molkereischule Weihenstephan, Post Freising, und von der Lehrsennerei Boos bei Memmingen, mit Verpack­ung unfrankiert die Flasche w 1,10 Mk. vom Milchwirt- schaftlichen Institut in Kiel- Professor Dr. Weigwann, die Flasche zu 5 Mk. oder binnen 6 Monaten bezogene fünf Flaschen ä 2 Mk. und 60 Pfg für jede Veppaming, be­ziehungsweise jährlich 40 Mk. bei 14 tägigem Bezug oder jährlich 80 Mk. bei wöchentlichem Bezug von einer Flasche.

Diese flüssigen Säurewecker stellt man nach der An­kunft kühl und öffnet die Flaschen erst am nächsten oder einem der folgenoen 3 bis 4 Tage, wenn die zur Weiter- Pflanzung bestimmte Magermilch erhitzt und wieder ge­nügend erkaltet ist. Am ersten Tage kann man noch nicht den Rahm säuern, sondern erst die für den folgenden Tag zur Rahmsäuerung und zur Weiterpflanzung des Säureweckers benötigte Magermilchmenge. Diese wird so oroß gewählt, daß am nächsten Tage für je 100 Liter Rahm 6 Liter Säurewecker und darüber hinaus noch 3 biA 5 Liter zur Verfügung stehen.

Die vorhergehende Erhitzung der Magermilch hat den Zweck, die Süurepilze, das Saatgut, auf einem unkraut- freien (flüssigen Nähr-) Boden feinten zu lassen. In den gedruckten Anweisungen wird meistens genau angegeben, wie hoch und wie lange erhitzt werden soll, daß keinKvch- geschmack" der Milch zu gewärtigen ist, der sich in Wirk­lichkeit aber kaum aus die Butter übertragen wurde. Man Nehme einfach Magermilch, die vom Re generativ erhitze r abfließt oder die man eine halbe Stunde lang auf 80 bis 90 Grad gehalten hat (in Käsereien ohüe Dampf hangt man lediglich eine Kanne mit Magermilch eine halbe Stunde lang in Wasser, welche im Käsekessel kocht). Die Abkühlung erfolgt ohne Umgießen im gleichen Gefäße im Sommer bis auf etwa 22 Grad, im Winter auf etwa 25 Grad. Dann setzt man in einem sorgfältig gereinigten Steingut- oder Emailletopf den ganzen gewonnenen Jn- balt der frisch bezogenen und eben erst geöffneten Flasche (oder auch nur die sauren Molken Hinter Zurücklassung des festen Gerinnsels), an den folgenden Tagen etwa 1 Liter des selbstgewonnenen Säureweckers hinzu, rührt mit einem Holzstab gut um und erhält den bebemten Ansatz in einem Raume mit guter Lust auf einer Wärme von 18 bis 20 20 Grad Celsius, bis er nach 16 bis 18 Stunden dicklich (sämig^ geworden ist und in kaltes Wasser gestellt wer­den muß. (Unter Umstanden kann es gut sein, den Topf zur Säuerung erst in warmes Wasser oder in eine mit Holzwolle ausgefüllte Kiste zu stellen.)

Zur Säuerung deö Rahms mißt man in die einzelnen Gefäße auf je 100 Liter Rahm 3 bis 8 Liter Säurewecker, rührt bisweilen um und erhält den Rahm (je nach der Jahreszeit) hei 16 bis 18 Grad, so daß er bis in 12 bis 18 Stunden den richtigen Geschmack und Geruch zeigt und auf Butterungswärme abgekühlt werden kann.

Die Oberfläche des geronnenen Säureweckers wird vor­erst nicht umgerührt, sondern abgelöffelt und unter die Buttermilch gegossen; dann nimmt man zuerst die für

die Fortpflanzung des Säureweckers, dann die für die Rahmsäuerung nötige Menge hinweg, und der Rest ge­langt lMtweder alsgekochte Sauermilch" direkt zum menschlichen Genüsse oder unter die Buttermilch.

Tie Säuerung des Rahms bietet in Molkereien mit Dampfbetrieb keine Schwierigkeiten; in anderen müssen heizbare Räume mit guter Lust geschaffen werden, und in Käsereien, welche in der Regel Nur in der Beizkammer die nötige Wärme bieten können, muß die schlechte Luft durch Wasserverschlüsse von den Kannen abgehnlten werden, wie solche in den Käserei-Einrichtungsgeschäften in Mün­chen und im Allgäu nach meinen Angaben überall erhält­lich sind.

Wo der Säurewecker sorgfältig behandelt und weiter gepflanzt wird, btzhält er Wochen, ja selbst Monate lang die gewünschte Wirkung, Schneidigkeit und Reinheit. Weisen Geruch und Geschmack aus eine Abnahme derselben hin, so muß ein neuer Säurewecker von einer benachbarten Molkerei oder von einer der oben genannten Anstalten bezogen werden.

Von Rostock, Hamburg und Dänemark aus gelangen aber auchSäureentwickler in Pulverform" oder Bakterien-

Drockenkulturen zum Preise von 3 Mark in den Handel; diese haben den Vorzug, daß man sie ein Jahr lang vor­rätig halten kann. Nach der jeder Flasche beigegebenen Gebrauchsanweisung können die auf Milchzucker eingetrock- neten Säurepilze erhitzte und wieder auf 30 Grad ab­gekühlte Magermilch bei Zimmerwärme binnen 2430 Stunden in brauchbare Säurewecker verwandeln; wo die Pilze aber auf diese Weise zunächst die erste und auä* dieser dann die zweiteMuttersüure", welche aber noch erdigen Geschmack besitzen und sorgfältig vom Bodensätze abgehoben werden müssen.

Erst aus dieser zweiten Muttersäure kann ein für die Rahmsäuerung und Weiterpflanzung geeigneter Säure­wecker gewonnen werden, der dem in flüssiger Form be­zogenen entspricht.

Sogenanntedirekte Säurewecker", welche dem Rahm direkt, ohne vorherigen Ansatz mit Magermilch, zugesetzt werden, sind 'entweder chemische Säuren ohne lebendige! Pilze, oder aber sehr konzentrierte Pilzkulturen. Erstere haben sich in der Praxis nicht bewährt, letztere sind noch nicht genügend erprobt, und der etwaige Vorteil direkter Säuerung wird durch den Nachteil wieder ausgewogen, daß man diese Pilze jeden Tag frisch beziehen muß.

OhneReinkulturen" kann man mit freiwillig an einem geruchfreien Orte geronnener aber zuvor nicht erhitzter Magermilch säuern/ wenn dieselbe aus einem sehr reicfy* lichen, gesunden Stalle mit geeigneter Fütterung stammt. Solche Milch muß durch die Zentrifuge gehen, ehe diese durch andere Milch verunreinigt worden ist.

Mit -Buttermilch kann der Rahm direkt gesäuert werden, so lange dieselbe gut ist, was aber nie lange dauern wird.

Noch unsicherer ist die sogenannteSelbstsäuerung", bei welcher man den Rahm emftlch sich selbst überläßt, wie bei Gewinnung der Bauernbutter.

Wo viele Rüben, Kohlraben, Schlempe und dergleichen gefüttert werden oder wo die Milch von unreinlichen Liefe­ranten mit verarbeitet werden muß, ist es notwendig, daß der Rahm vor der Säuerung erhitzt oder abgekühlt wird, falls nicht die Vollmilch vor dem Zentrifugieren schon! erhitzt wurde. Im Interesse eines gleichmäßigen Betriebes und der Abtötung von Krankheitspilzen empfehlen sich für größere Molkereien deshalb Erhitzungsanlagen.

Alle diese Einrichtungen sind nm* notwendig mit Rück­sicht auf die zeitweise sehr mangelhafte Beschaffenheit der Milch. Je besser diese geliefert und verarbeitet wird, desto feiner unb besser wird auch die daraus gewonnene Witter werden. / Dr. Herz.

Die Fruchtsaftbereitung.

.Reiche Ernten mt Beeren und Obst zu erzielen, ist der Wunsch und das Bestreben jeden Gartenfreundes und sucht er das durch zweckentsprechende Zucht und Pflege seiner Beerensträucher und Obstbäume zu erreichen. Damit ist aber noch nicht alles getan; die Zeit des Genusses der frischen Früchte ist zu kurz und der Ueberfluß verdirbt zu leicht, wenn nicht durch Verkauf für raschen Verbrauchs oder durch eine geeignete Konservierung für die längere- Verwendbarkeit und Haltbarkeit derselben gesorgt wird. Deshalb ist das Kapitel der Obstverwertung besonders wichtig, für jeden, der Obstbaum und -Strauch sein eigen

^f-Nürnberg verfaßte Stück spielt in kriege und gliedert sich in drei Bilder.

liegen in den Händen von Berufs- d aue übrigen Mitwirkenden, etwa <rger Turner und Turnerinnen sind, n Massenszenen ganz vorzüglich dem cecht wurden. Das erste Bild führt die urnplatz in der Hasenheide in Berlin, r, Schüler und Studenten lagern auf int Schutze märkischer Kiefern ober i eben en Geräten und fechten mitein- öer des Jahres 1812. Unter begeister- Durnvater Jahn mit Friesen, Dürre, damaligen Freunden der Vaterländi- Plane, um im Zwiegespräch mit den ymach und Not der Zeit zu erörtern mpen Haß gegen den korsischen- tsdürstenden Seelen zu gießen. Mit

Durngenossen, vereint zusammenzu- rdes Not und Gefahr, endet das erste spielt im Wwack des Lützowschen Frei­em Gefecht bei Gadebusch, bezw. dem iters Theodor Körner, (än reizendes' en aus Wallensteins Lager entwickelt Stimmung, die durch einen in den i gehaltenen Disput zwischen Sachsen, Berlinern, Oesterreichem, Rhernlän- r den Wert ihrer verschiedenen Korps allmähliche auch in den dichtbesetzten Da erscheint Körner und bringt auf i sein neuestes Gedicht, das Scwvert- cgesang, zum Vortrag. Während die s leise verklingen, ertönt in der Ferne die Jäger eilen davon, dem Kampf Es folgt das dritte und letzte Bild, Leiche Körners nach der Schlacht bei lesen, Jahn, Hellfritz und die Lützower Dd des edlen Sängers, bis schließlich rächtnis an die deutsche Nation, den Umende Reich, verkündet und damit nd aus das gemeinsame Ziel richtet, erscheint im Hintergründe der Bühner ederwald, unb unter dem allgemeinen nn Rhein" schließt das Festspiel. Es ttze und der eirfen Sprache. Alle Dri- nischen Wendungen, die derartige Fest­en Gemüte fonft ungenießbar machen» n, und so ist zu hoffen, daß es allen bleibende Erinnerung an die freie

gehörte den Frauen- und Mädchen- wnberger Turnvereine, sowie der Vereine, die um 5 Uhr nachmittagS t Frei- nnb Ordnungsübungen ein* < Knaben gestalten, die hier vom 5.

turnerische Ausbildung erhallen^ ^rzüglich und auch bei den anschließen- < Barren, Reck und Stangen) sah man gen. Dann traten die insgesamt 460

Frauen- und Mädchen-Abteilungen agen der Mllitärmusik, zunächst eben» ^dnungsübungen an. Mit einem all-

Pferd, Barren, Reck, Rundlaus, der ingen schloß die interessante Uebimg dieser Vorführungen trat der Nürn- m Radballspiel an, während gleich- r Turnverein Pyramiden an 16 ru- chezen darstellte. Ein Liederabend der enossenschäft beschloß den gestrigen sammlung des Gesamtaus- en. Nach einer Begrüßung der Dele-

Vorsitzende Dr. Götz den Jahres^ lsgesamt sind der Deutschen Turner- cnvereine Deutschlands und Deutsch-

Auslandes mit 728044 Mitgliedern teilen sich auf 6104 Städte des Reichs

356 230 Mitglieder nehmen an den gen teil. Die Zahl der Zöglinge (von ettägt 109 873 und ^die der Damen teilungen turnen. Das Knaben- und >on 681 Vereinen gepflegt, in deren iben und 13 402 Mädchen Dumunter- rs Vermögen des Verbandes beläuft

Mk., die Gesamteinnahmen betrugen taus^gaben 37 153 Mk.

stadt und Land.

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9 Milliarden! Tas Aktivvermögen der Sparkassen (ohne Reservefonds) belief sich bis zum genannten Zeitraum eben­falls auf nahe 9 Milliarden, genau auf 8919 837 000 Mk., der Reservefonds auf 537144 000 Mk. Unter Aktivvermögen der Sparkassen ist sowohl das eigene Vermögen derselben (insbesondere Grundstücke und Inventar), als auch das werbende Vermögen, d. h. die Anlagen (ausgeliehene Kapi­talien), welche den Gegenwert der Einlagen bilden, und der Zinserttag der Anlagen bis 31. Dezember 1900, ferner der Betrag der Wertpapiere und der Barbestand zu verstehen. Für die preußischen Kassen kommt noch der Spar- mrd Re- jervefonds im Betrage von 8122399 Mk. hinzu. Also dem Guthaben der Einleger von 8838583 000 Mk. steht als

und' mir diese allein die verdiente Sttase treffen wird, darf als zweifelhaft gelten. Vorbeugend für die Zukunft wirken diese Strafexpeditionen erfahrungsgemäß nicht. Es werden noch Jahrzehnte dahin gehen, bis durch den Einfluß der Verwalttlng und Missionen Gesittung und Kultur feste Wurzel gefaßt haben.

10. Deutsches Turnfest.

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Nürnberg, 16. Juli.

Die Hauptprobe des Festspiels sand vor einem mehr als 5000köpfigen Pubkitmn statt, das der wirkungsvollen Dar­stellung begeisterten Beifall zollle. Das von dem Archiv-

Greß en, den 18. Juli 1903.

e- und tun st gewerbliche Aus- pcuuuB u»u am Brand, welche morgen, Sonn­

tag, von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen geöffnet ist, bleibt von Montag an geschlossen. Die Eröffnung der Gemälde- Ausstellung findet wieder Ende September statt. Da die gegenwärttge Ausstelluirg bei den Mitgliedern und Kunst­freunden einen so großen Anklang gefunden hat, plant der Vorstand, alljährlich eine kunstgewerbliche Ausstellung zu veranstalten. Bemerkenswert ist noch, daß die seitherige Ausstellung in der Zeit vom 18. v. M. bis gegenwärtig von nahezu 2000 Personen besticht war.

** Nach dem Tode Justus von Liebig s, dessen 100jährigen Geburtstag wir neulich injüürbiger Weise ge­feiert haben, stritten bekanntlich drei Städte um die Ehre, dem großen Manne ein Denkmal zu setzen: München,