Ausgabe 
18.7.1903 Viertes Blatt
 
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Nr. 166

Erscheint tagHft außer Sonntags.

Dem Gießener Artzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck «. Der-

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Schnlstratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Kernsprechanschluß Nr. 5L

Zweites Blatt.

158. Jahrgang

Samstag 18. Juli 1903

GiehenerAnzeiger

" Gmeral-Aiyeiger

Amts- und Anzeigeblatt ftr den Kreis Sieben

Ve»«gspret-, monaMch7LPf^ viertel» jährlich Mk. 2L0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeUenpreiSriokallLPf. auswärts LOPfg.

Beraatwortlich für den poltt. und allgem. Teil: P. SSittko: für »Stadt und ßmtb4 und »GerichtSsaalEr August Götz; für den An­zeigenteil: HanS Beck.

Die Heutige Kummer umfaßt 14 Seiten.

Kußlands Meisterstück und Zukunft.

Metze«, 18. JE.

Es bleibt unterhaltend, die feinen Schachzüge der rusft- schen Mplomatie in Ostasien KU beobachten, auf der anderen Seite die Hilflosigkeit der englischen StaatAmamrer. Der Schüler hat den Meister längst überholt. Die bewährte Methode englischer Staatskunst, durch andere in diesem Falle durch die Union und Japan die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen, hat em Fiasko, wie selten, erlitten, Rußland brauchte nur den Amerikanern eine Begünstigung ihrer Handelsinteressen zu versprechen, die Freigabe von mehreren Häfen im Einvernehmen mit China in Aussicht zu stellen, um das Mißtrauen in Washington alsbald im Vertrauen und Freundschaft umKUwaudeln. Wenn auch! hier und da in Amerika dieses russische Versprechen als proble­matisch aufgefaßt wird, so ist doch der Stimmungsumschlag des offiziellen Amerika zu Gunsten Rußlands so voll­ständig, daß, wie dem Reuterschen Bureau zufolge ver­lautet, die russische Regierung der amerikanischen bereits die Antwort zugehen lassen konnte, sie werde die jüdische Petition betreffend die Vorgänge in Kischinewweder entgegennehmen, noch in Erwägung zieh en. Die Antwort ist dem amerikanischen Staatsdepartement durch den amerikanischen Botschafter in Petersburg tele­graphiert und sofort dem Präsidenten Roosevelt über­mittelt worden.Man hält hierdurch den Fall für abgeschlossen", fügt das genannte Bureau wörtlich hinzu! Also Amerika ist von Rußland bereits völlig zu­friedengestellt, und Japan wird von Rußland vor den bösen Engländern als dem leibhaftigen Satan gewarnt. Malt doch ein sehr einflußreiches russisches Blatt, dieNowoje Wremja", den Japanern England als den schlimmen Stören­fried an die Wand und behauptet, daß die Zuspitzung der russisch-japanischen Beziehungen nur den mit englischem Gelde in Japan herausgegebenen Zeitungen zuzuschreiben sei. Rußland stehe in Europa wie in Asien als Wacht des Friedens, Japan müsie sich daher nicht von Eng­land beeinflussen lassen, das ihm im Kriegsfälle keine Hilfe bringe. Der Uebergang zu einer friedlichen Politik ermög­liche Japan die Einschränkung der Staatsausgaben und die Möglichkeit eines freundlichen Abkommens mit Rußland. Das ist überaus schlau aüsgedacht, und das stolze Albion, das gänzlich leer ausgeht, jo sogar in so ostentativer Weise mit Kränkungen überschüttet wird um der schönen Augen Japans willen, muß voll argen Grimms züsehen, wie Amerika und Japan es sich gefallen lassen, daß Ruß­land sich in der Mandschurei häuslich nieder läßt.

Doch auch mit Rußland hat's einen Haken. Die Frage, ob die derzeitige russische Finanzpolitik noch lange fortgeführt werden kann, wird in denPreuß. Jahrb" von Paul Rohrbach mit Ärtschiedenheit verneint. Er ish ber Meinung, daß das jetzt herrschende System einer weit ausschauenüen und kostspieligen auswärtigen Politik, der ungeheueren Eisenbahnbauten und des riesenhaft anwachsen­den Goldtributs ans Pas Ausland sehr bald aufhören müsse, wenn nicht eine Katastrophe eintreten solle. Rußland werde zwischen der Fortführung seiner großen Polittk und der Ernl^ung seiner finanziellen Verpflichtungen an das Aus- Iant> wählen müssen; man könne nicht eifein, daß die Entscheidung zu Ungunsten seiner Gläubiger werde ge­faßt werden.

Handelt Rußland nach dem Vorgänge der Türkei, Griechenlands, Portugals und anderer Staaten, die sich in ihrem auswärtigen Kredit übernommen hatten, d. h. reduziert es seine auswärtigen Zinsen aus die Hälfte oder ein Drittel des anfänglich festgesetzten Betrages, so hat es mit einem Schlage eine Hauptguelle seiner Finanznot verstopft, ja mehr als das: es ist in kurzem wieder kreditfähig. Moralische Bedenken gelten gegenüber politischen Notwendigkeiten nicht, und die Geschichte zeigt nicht nur das Beispiel kleiner, sondern auch das sehr großer Mächte, die vor dem Staatsbankerott nicht zurück­gescheut sind und schon kurze Zeit hinterher wieder ge­nügenden Kredit besaßen."

Als Zeichen dafür, daß die russische Finanzpolitik den Weg der Zinsreduktion betreten 'werde, meint Rohrbach das Erscheinen eines Romans betrachten zu dürfen, der von einem mit ihrem russischen Finanzminister neuerdings in enge Fühlung getretenen Herrn Scharagow herrührt. Dieser Autor schildert das russische Reich so, wie es sich nach 50 Jahren darstellen wird. Es besitzt dann nicht nur fast ganz Asien und auch Ostpreußen, sondern es hat auch keine Schulden mehr! Das ging so zu: Man kam eines Tages zu der Ueberzeugung, daß die Hauptgläubiger Rußlands ja doch die ausländischen Juden seien, und so strich man einfach die ganze Staatsschuld, soweit das Ausland an ihr beteiligt war.

Politische Tagesschau.

Erbe Bebel.

Bezüglich der Erbschaft, welche Koßmann an Debet vermacht hat, wird derAugsb. Abendztg." aus Augsburg berichtet:Bebel, welcher sich gegenwärtig noch in der Schweiz befindet, läßt über das Testament und den Erblasser Ermittelungen anstellen. Wir können jedoch auf Grund zuverlässiger Informationen jetzt schon mitteilen, daß dieser die. Erbschaft voraussichtlich ausschlagen wird. Mit Bebel ist aber eine Schwägerin Kollmanns als glerch- berechtigte Erbin eingesetzt, und von dieser Seite wird ent freiwilliger Verzicht aus die Erbschaft nicht erwartet. Die 115ergangenen Verwandten, drei Brüder, eine Schwester und

die Erben einer verstorbenen Schwester Kollmanns, haben den Rechtsanwatt F. Rvttenhöfer in Augsburg mit der Ver­tretung ihrer Interessen beauftragt."

Leber Versuche, mit BebeL zu teilen, ver­öffentlicht der ,^Vorwärts" folgende Erklärung: ,^Ob- gleiche die von uns mehrfach' erwähnte Ulmer Erdschafts-' angelegenheit sich noch im Stadium gerichtlicher Enp- scheidungen befindet, deren Ausgang dahinsteht und vor allem noch sehr geraume Zeit beanspruchen wird, ist Genosse Bebel schon jetzt in der wenig beneidenswerten Lage, mit einer solchen Füße brieflicher und persönlicher Bittgesuche bedacht zu werden, daß deren Erfüllung einen erhebttchen Teil der in Frage stehenden Summe bean­spruchen würde. Sogar auf unserem Parteibureau gehen Dutzende von Briefen ein, die Anteile von der Erbschaft, sei es als Darlehen, sei es als Ge­schenk erbitten. Natürlich ist weoer Genosse Bebel noch der Parteivorstand in der Lage, aßen diesen Antragstellern zu antworten, geschweige ihnen Versprechungen zu machen".

Die Klagen über die lauge Dauer der Prozesse

hat dieVoss. Ztg," geprüft an der Hand der amtlichen Justizstatistik. Daraus ergibt sich, daß bei Anberaumung des ersten Termins in den letzten Jahren im allgemeinen eine Beschleunigung stattgefunden hat, die aber für die landgerichtlichen und oberlandesgerichtlichen Prozesse zum größten Teil darauf zurückzuführen ist, daß die sogenannte Einlassungsfrist, das ist der Zeitraum, der zwischen der Zustellung der Klage und dem ersten Verhandlungstermin liegen muß, durch oie am 1. Januar 1900 in Kraft getretene Novelle der Zivilprozeßordnung von einem Monat aus 14 Tage herabgesetzt ist. Die Dauer der kontradiktorisch ge­wordenen Prozesse ist entschieden gestiegen. Bei den Amts­gerichten ist der Anteil der Prozesse, die weniger als drei Monat gedauert haben, seit 1888 von 68,7 auf 58,4 PCL. zurückgegangen, der der Prozesse von mehr als einem Jahr Dauer von 2,1 aus 4,3 Prozent gestiegen. In den Bezirken Zweibrücken und Darmstadt dauerten sogar 10,4 und 11,0 Prozent der am ts gerich tliche n Prozesse länger als 1 Jähr, im Kammergerichts­bezirk dagegen nur 3,2 Prozent. Bei den erstinstanzlichen land gerichtlichen Prozessen sind im Jahre 1901 allerdings 28,2 Prozent (gegen 26,8 Prozent u I. 18 ') in weniger als 3 Monaten entschieden, dagegen ist der Anteil der 1 bis- 2 Jahre dauernden von 11,5 auf 13,1 und der langer als 2 Jahre dauernden seit 1890 von 2,9 auf 4,2 Prozent gestiegen. In der Berufungsinstanz hat sich die Dauer der Prozesse bei den Landgerichten infolge der Abkürzung der Einlassungsfrist etwas verkürzt, indem i. I. 1901 39,6 Prozent der Prozesse in weniger als 1 Monat entschieden sind gegen 35,1 Prozent i. I. 1899, dagegen ist bei den Ober­landesgerichten eher wieder eine Verschlechterung einge­treten, indem i. I. 1901 15,8 (1899 14,7) Prozent 1 bis 2 Jahre und 5,2 (5,1) über 2 Jahre dauerten. Beim Ober- landesgericht in Köln haben 60,4 (im Durchschnitt der Jahre 1896 bis 1900 53,5) Prozent aller Prozesse länger als 1 Jahr, darunter 21,5 (19,8) länger als 2 Jahre gedauert, während beim- Kammergericht nur 5,1 Prozent einen Zeitraum von über 2 Jahren in Anspruch nahmen, im Bezirk Breslau sogar nur 1,8 Prozent.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. Juli. Man meldet aus Molde: Der Kaiser stattete heute vormittag einen Besuch cm Bord des VergnügungsdampfersAuguste Viktoria" von der Ham- burg-Amerika-Linie ab, und gestattete spater den Passa­gieren, unter denen viele Amerikaner waren, die Besichtigung derHohenzollern". Mittags fand ein Wett- rudern der Boote der hohenzollern" undNymphe" statt. Die Sieger wurden vom Kaiser mit Geldgeschenken be­dacht. Am Frühstück nahmen einige hervorragende Passa­giere derAuguste Viktoria" teil, u. a. Prinz Leopold von Sachfen-Koburg-Gotha, General Drapa, der ftühere amerikanische Botschafter in Rom, und Generalleut­nant v. Bardeleben. Das Wetter ist feit gestern schön.

Die Kaiserin wird mit chren jüngsten Kindern am 2. August in Wilh elmshöhe eintteften, wohin sich auch der Kaiser nach der Beendigung der diordlandreise begeben wird.

DerReichKanzeiger" veröffentlicht die Genehnng- ungsurkunde, bett, die Ausgabe auf Inhaber lautender Hypothekenpfandbriefe, Kommunal- und Kleinbahnobliga- tionen des Frankfurter Hypotheken-Kredit-Dereins in Frank­furt a. M.

Flensburg!, 17. Juli. Kultusminister Studt ver- weigerte während seines Aufenthaltes in Christtans- seld einer Deputation von sechs dänisch gesinnteivLand­leuten die nachgesuchte Audienz. Sie wollten ihm die Bitte um Einführung von zwei dänischen Sprach­stunden in den Schulen vorttagen.

Osnabrück, 17. Juli. Hand elsnrinister Möller hielt mehrere Reden, in denen er ü. a. ausführte: Um dieHoyen- zvllern, deren Tätigkeit von denen verkannt werde, bte an allem mäkelten, beneide uns das Ausland. Wir seien mit die bestgehaßte Nation, weil wir aus unserm Krastgefühl heraus soviel geleistet hätte::. Die an die Industrie verloren gegangenen Gebiete könnten vom Hand­werk nicht wieder erobert werden.

Neisse, 17. Juli. Der Minister des Innern, Freiherr v. Hamm er stein, der Verweser des Oberpräsidiums, Oberpräjidialrat Michaelis und der Regierungspräsident Oppelns, Holtz, sind heute hier eingetroffen, um die Hoch­wasserschäden in den Kreisen Neisse und Neustadt zu besichtigen

Ausland.

London, 17. Juli. Die von Washington aus gegebene vorläufige Erklärung der Annexion einer Anzahl kleiner Inseln in der Nähe von Borneo befriedigt hier nicht, und oie Angelegenheit ist damit offenbar keineswegs erledigt. Anscheinend handelt es sich um Gebiete, auf die Amerrka und England gleichmäßig Ansprüche erheben. Nach einem Telegramm derMomingpost" handett es sich bei dem Vorgänge selbst um die Tatfäche, daß kürzlich Ft eine amerikanische Kanonenboote südlich von den Phi­lippinen auf eine Anzahl auf keiner Karte verzeichneter, aber offenbar zu der Amerika gehörenden Sulugruvpe zu rechnender Inseln stießen. Der Gouverneur verfügte varauf nach Verständigung mit dem Auswärtigen Amt in Washing­ton die formelle Annexion.

Par is, 17. Juli. Wie die Blätter melden, hat die französische Kolonie in Genf den PräsidentenLoubet gebeten, bei seiner Rückkehr aus Italien die Schweiz zu besuchen. Loubet soll sich bereit erllärt haben, diesem Wunsche zu entsprechen, falls die schweizerische Regierung ein diesbezügliches Ersuchen an ihn richte.

Nach einer offiziellen Note werden an einer Lorr» doner Reise der Schieds gerich ts gr uppe des französischen Parlamentes 65 Deputierte und Se­natoren teilnehmen und unter anderem auf Einladung des Königs auch Schloß Windsor besuchen. König Eduard ließ dem Präsidenten der Schiedsgerichts gruppe, Destbnr- nelles, und den Mitgliedern derselben durch seinen Privat­sekretär mitteilen, er wünsche ihnen angenehmen Aufent­halt in London und hoffe, die Erörterungen der wichtigen Frage, welche sie prüfen wolle, werde zu einem befriedigen­den Resultat führen können.

DerTemps" bespricht den englisch-persischen Han- delsverttag und sagt, sowohl Form wie Inhalt des Ster* ttrages zeigen, daß der englische Einfluß in Persien zurückgegangen ist.

Lissabon, 17. Juli. Entgegen etwaigen offiziösen Dementis steht es fest, daß man einer umfangreichen Verschwörung gegen das Herrscherhaus auf die Spur gekommen ist, deren Ursprung von einigen entlasse­nen höheren Offiziexen ausgeht. Die ersten Ap?. zeichen machten sich kurz nach der Ermordung König Mexan- ders bemerkbar, wo einige Offiziere, welche mit einer AnzaP! Unteroffizieren des 5. Jnfänterieregimertts in Zivil des Abends in einem Restaurant eine Zusammenkunft hatten, von einigen Kriminalbeamten beobachtet wurden. In einer späteren Beratung mit anderen Unteroffizieren wurden diese und die früheren Unteroffiziere aber dem Kriegsgericht übermittelt. Auch in einigen anderen Regimentern macht sich eine augenfällige Gärung bemerkbar, deren Spitze gleichfalls gegen das Herrscherhaus gerichtet ist.

Konstantinopel, 17. Juli. Der Sultan ift er* krankt. Die Aerzte schieben chm absolute Ruhe vor und verordneten chm warme Bäder.

Port Arthur, 17. Juli. Nach einer Meldung aus Peking schloß China mit der russisch-chinesischen Bank eine Anleihe von 2 Millionen Daels ab. Statt der Verpfändung räumt China der Bank Vorrechte im chinesischen Turkestan ein.

Gabes (Tunis), 17. Juli. Durch eine Karawane hier­her gelangten Nachrichten zufolge wurde der Sultan von Wadai durch Aufständische abgesetzt und des Augenlichts beraubt. Den Thron nahm Mohamed Udmara ein, der die Ruhe wiederherstellte.

Sonst und jetzt in der deutschen sLandwirtschaft.

Gießen, 17. Juli.

Der akademische Vorttag von Prof. Dr. Alb e r t gestern abend in der Aula der Universität war ziemlich schwächt besucht. Der Redner hat im Rahmen kaum einer Stunde einen klaren, allgemein verständlichen Ueberblick über das^ Gebiet der Landwirffchast gegeben, wenige HauptgesichtK- punkte überzeugeTrd zu einem Ganzen gestaltend.Die Ge­schichte eines Volkes ist die Geschichte seiner Landwirtschaft". Mit diesem Satz eröffnete er einen Ausblick auf die früheste Zeit landwirtschaftlichen Betriebs, der sich in Raubbau be­tätigte im Vergleich zu der heutigen komplizierten land­wirtschaftlichen Wissenschaft. Zwar auch heute werden unsere Landwirte noch manchmal von jenen nomadisierenden Acker­bauern, die im Ausland noch über jnngftäuliche Boden­schichten verfügen, in ihrem Fortkommen gedrückt. Aber das geht auch vorüber. Gegenüber dem Raubbau in früher Zeit steht heute" der wissenschaftlich festzustellende rationette Betrieb und besonders auch rationelle Buchführung. Ver­suche zur besseren Betriebsweise hat man schon früh ge­macht. Schon Karl der Große empfahl die Dreifelderwirt­schaft. Aber bald reichten die einfachen Kenntnisse nicht aus, um der Teuerung, die das Anwachsen der Bevölkerung mit sich brachte, Einhalt zu tun. Eine neue Epoche kam, als der Kartoffelbau um 1560 in Europa eingeführt wurde. Nacheinander in Spanien, Italien und Belgien entstand das Pflanzen von Kartoffeln. In Reffen war schon um 1630 eine blühende Kartoffelindustrie. Aber der 3chährige Krieg zerstörte das /alles wieder. Erst ein Jahrhundert später raffte man sich wieder auf. Friedrich Wilhelm I. verschenkte Aetter, um den Ackerbau für die Armen zu pflegen. Friedrich der Große empfahl ebenfalls den feldmäßrgen Kartoffelbau. In Frankreich war es Parmentter, der sich bekanntermaßen große Verdienste um den Kartoffelbau erworben hat. Lud­wig XVI. schenkte ihm zu diesem Zwecke Landstücke. Ms die Bevölkerung seinen Bestrebungen nicht jo recht entgegen­kam, schlug Parmentier ein eigentümliches Verfahren ein. Er errichtete nämlich auf seinen Aeckern Tafeln mit der Auf­schrift:Hier dürfen teilte Kartoffeln gestohlen werden!" Da dachten die Leute nach, uno der Zweck wurde erreicht.