Ausgabe 
18.7.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. 166

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem VeMschen Landwirt die Gietzener Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt.

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Kernsprechanschluß Nr. 5L

Erstes Blatt.

153. Jahrgang

Samstag 18.Jirlilvv3

GietzenerAnzeiger

M General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

BezngSpretSr monatlich 75 Ps^vtertel- jährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.viertel- sährl. auSschl. Bestellg. Annabme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittag» 10 Uhr.

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Brrantwortlich für den polit and allgem. Teil: P. Witiko- für Stadt und &mb* und .GerichtSfaalE; August Götz; für den An­zeigenteil: Han- Deck.

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MonaK-Beilage zum

Zur Getreideernte.

Die Getreideernte liefert einer großen Anzahl von Land­wirten den Hauptertrag der ganzen Wirtschaft und trägt deren Ausführung sehr Vreles zur Erhöhung der Güte und des Wertes der Frucht bei, denn bei überreifer Frucht hat man nicht nur bedeutende Verluste, sondern auch geringere Ware, während die Güte derselben durch langes Liegen bei Regenwetter, durch feuchtes Einbringen und mangel­hafte Aufbewahrung ebenfalls bedeutend leidet.

Die'Reife des Getreides vollzieht sich allmählich und man beobachtet hier verschiedene Grade, nämlich: 1. Milch? reife, 2. Gelbreife, 3. Vollreife und 4. Dodreife. Die Halm­früchte sollen in der Gelbreife geschnitten werden; es läßt 'ich dieselbe daran erkennen, daß das Innere der Körner f chon eine festere wächsartige Beschaffenheit angenommen ')dt und nicht mehr Milchig ist. Es genügt nicht, den Eintritt der Gelbreife bloß nach dem Aussehen der Halme bestimmen jzu wollen, sondern dieselbe mvß durch Untersuchung der Körner festgestellt werden. Hierzu nehme man aus der Mifte mehrerer schöner Aehren, die auf verschiedenen Stellen des Feldes gewachsen sind, je ein vollkommen ausgebildetes Korn und schneide dasselbe mit einem scharfen Messer quer durch. Zeigt sich alsdann unter der Schale besonders an der Lösungsstelle der Körner nicht mehr ein grünlicher Streifen, so ist das ein sicheres Zeichen, daß die Gelbreife eingetreten ist. In der Vollreife läßt sich das Korn wohl noch biegen, aber nicht mehr brechen; es ist hart und der Halm gelb. Die Dodreife zeigt weiße, spröde Halme; der Samen ist vollständig erhärtet uno fällt bei Wind und anderer Bewegung besonders bei Roggen, Weizen usw. zum Teil aus. Die günstige Zeit der Ernte liegt zwischen Gelb­und Vollreife. Man erhalt da einen Samen, der hart wie Glasperlen wird, rauschend durch die Finger gleitet und prächtiges und reichliches Mehl liefert. Auch das Stroh ist aus dieser Periode am wertvollsten. Wartet man, wie aus Unkenntnis so oft geschieht, bis zur Vollreife oder gar tzur Todreife, so erhält man einenKern ohne Griff", lahm und weich, auch ist bis dorthin aller Unkrautsamen zum Nachteil oes Ackers reif ausgefallen.

So beobachtet nun der Landwirt das Voranschreiten der Reife seines Getreides sorgfältig und sucht dasselbe im richtigen Zeitpunkt zu ernten, was allerdings nicht immer leicht ist, wie bei ungleich reifender Frucht, bei doppelwüchsiger Gerste oder bei teilweise verhaaelteir Frucht oder bei sogenanntem Mischling, wo zwei Getreidearten! untereinander gesäet sind. Hier tut man jedoch am besten, nur dem Hauptertrage Beachtung zu schenken und nicht die Reife sämtlicher Körner abzuwarten.

Ist das Wetter günstrg und hat man größere Flächen abzuernten, so ist es geraten, möglichst frühzeitig mit der Ernte zu beginnen, namentlich ivenn es an Arbeitskräften fehlt, denndas Korn reift unter der Sichel", sagt das Sprichwort, und man wird dann wenigstens die Hauptmasse

im richtigen Zustande ernten. Die Arbeit des Mähens stndi Breitens setzen wir als bekannt voraus. Wenn das $ek treidekorn hart und das Stroh rein von Unkraut.oder. Klee ist, kann es bei yutdm Wetter alsbald aufgebunden und eingefahren werden. In Mittel- und Norddeutschland! hat man die Gewohnheit, das prikvautfreie Getreide, nament­lich Roggen und Gerste, sofort in kleine Garben Ku bindert und in sogenannte Puppen Ku stellen.

Eine Puppe wird gebildet, indem man eine Garbe senk­recht stellt, 58 andere im Kreise daran anlehnt und die Spitze mit einem Seil aus Stroh usw. fest zusammen- bindet, um sie gegen Umwevfen durch Wind zu schützen. Mill man einen Schutz auch gegen Regen und infolge dessen gegen Auswachsen des GetveWs in den Aehrdtt geben, so bindet man um die 'Spitze herum eine Garbe, (Haube), mit den Aehren nach unten. Diese Deckgarbe mutz stärker gemacht und recht fest, möglichst nahe am Sturzende, gebunden werden. Das' in solche Puppen gesetzte Getreidq hält sich bei sorgfältiger Ausführung der Arbeit auch bei anhaltend nasser Witterung sehr gut, reift vollkommen nach^ bleibt auch nach dem Einoringen in die Scheune gut, läßt sich leicht ausdreschen und gibt auch gutes Stroh. Bei dem Sommergetreide ist das Puppen aber nur dann zu empfehlen, wenn jenes die gehörige Länge hat; doch ist es auch bei der Gerste und dem Hafer mit Nutzen anzu­wenden. Bei günstiger Witterung genügt das Zusammen­legen.

Nach diesen allgemeinen Gesichtspunkten übet die Ge­treideernte sei über die Getreidearten im speziellen noch folgendes für die Ernte Bemerkenswerte nachgetragen:

Gerste, welche stark mit Klee durchwachsen ist, muß nach eintägigem Liegen gewendet werden und kann am zweiten oder dritten Tage eingefahren werden. Wo es sich um Erzielung einer guten Braugerste handelt, empfiehlt sich ein Aufpuppen in der Weise, daß man die geschnittene! Gerste häufelt und die Häufchen unter den Aehren mit ein paar Halmen zusammenbindet, worauf man sie aus­stellt. In 'diesen Häufchen trocknet die Gerste nicht nur gut aus und reifen die Aehren schön nach, sondern siei leidet durch einen Regen auch viel weniger, als wenn sie am Boden liegt. Auch darf die Gerste nur in vollkommen trockenem Zustande eingesahren werden, indem sie sich sonst im Stocke erhitzt und eine rote Farbe erhält, welche ihren Wert bedeutend verringert.

Weizen fällt leicht aus und muß deshalb friihzeitig gemäht werden und auf dem Boden oder in Haufen nach­reisen. Ist derselbe schon vollreif, so ist beim Mähen und Binden alle Vorsicht erforderlich und soll derselbe bei trockenem Wetter ins Band geschnitten und sofort einge­fahren werden.

Beim D i n k e l ist dieselbe Vorsicht erforderlich, da dessen Aehren im reifen Zustande leicht abbrechen und durch Regen mürbe werden.

Der Früh Hafer ist dem Ausfallen ebenfalls, stärk

f-Nürnberg verfaßte Stück spielt in riege und gliedert sich in drei Bilder.

liegen in den Händen von Berufs^ > aue übrigen Mitwirkenden, etwa rger Turner und Turnerinnen sind, i Massenszenen ganz vorzüglich dem echt wurden. Das erste BÜd führt die rrnplatz in der Hasenheide in Berlin. c, Schüler und Studenten lagern auf im Schutze märkischer Kiefern oder t eben en Geräten und fechten mitein» 3er des Jahres 1812. Unter begeistere Turnvater Jahn mit Friesen, Dürre, oamaligen Freunden der vatterländi- Plane, um im Zwiegespräch mit den Mach und Not der Zeit zu erörtern npen Haß gegen den korsischen Bej- Sdürstenden Seelen zu gießen. Mit

Turngenossen, vereint zusammenzu- üies Not und Gefahr, endet das erste .'pielt im Biwcrck des Lützowschen Frei­em Gefecht bei Gadebusch, bezw. dem ters Theodor Körner. Ein reizendes m aus Wallensteins Lager entwickelt Stimmung, die durchs einen in den gehaltenen Disput zwischen Senhfen, Berlinern, Oesterreichern, Rhernlän- r den Wert ihrer verschiedenen Korps illmahlich auch in den dichtbesetzten Da erscheint Körner und bringt ans

sein neuestes Gedicht, das Schwert­gesang, zum Vortrag. Während die > leise verklingen, ertönt in der Ferne die Jäger eilen davon, dem Kampf Ls folgt das dritte und letzte Bild,' Leiche Körners nach der Schlacht bei esen, Jahn, Hellfritz und die Lützower ob des edlen Sängers, bis schließlich ächtnis an die dättsche Nation, ben mrende Reich, verkündet und damit ad auf das gemeinsame Ziel richtet, erscheint im Hintergründe der Bühner der Wald, und unter dem allgemeinen an Rhein" schließt das Festspiel. W, .rze und der edlen Sprache. Alle Dri­ns chen Wendungen, die derartige Fest­en Gemüte sonst ungenießbar mad^en* i, und so ist zu hoffen, daß es allen bleibende Erinnerung an die freie gehörte den Frauen- und Mädchen- rnberger Turnvereine, sowie der Vereine, die um 5 Uhr nachmittags! : Frei- nnb Ordnungsübjungen ein-

Knabengestalten, die hier vom 5. turnerische Ausbildung erhalten, rzüglich und auch bei den anschließen- Barren, Reck und Stangen) sah man gen. Dann traten die ins^samt 460

Frauen- und Mädchen-Abteilungen igen der Militärmusik, zunächst eben* dnungsübungen an. Mit einem all- Pserd, Barren, Reck, Rundlaus, der mgen schloß die interessante Uebung dieser Vorführungen trat der Nürn- n Radballspiel an, während gleich- r Turnverein Pyramiden an 16 Lu- vezen barstellte. Ein Liederabend der nosseu schäft beschloß den gestrigen

sammlung des Gesamtaus- -n. Nach einer Begrüßung der Deto-

Vorsitzende Dr. Götz den Jähves^ sgesamt sind der Deutschen Durner- nvereine Deutschlands und Deutsch- Auslandes mit 728044 Mitgliedern eilen sich auf 6104 Städte des Reichs 356 230 Mitglieder nehmen an den gen teil. Die Zahl der Zöglinge (von eträgt 109 873 und 'bie der Damen Teilungen turnen. Das Knaben- und >on 681 Vereinen gepflegt, in deren iben und 13 402 Mädchen Durnunter- is Vermögen des Verbandes beläuft Mk., die Gesamteinnahmen betrugen Esgoben 37 153 Mk.

itaöt und Land.

ltiMll.Lyu.UC li UVVoUM-vyt-u) W4l O Vrtju WUJJtU, ***-]*> |U|L (J Milliarden! Tas Aktivvermögen der Sparkassen (ohne Reservefonds) belief sich bis zum genannten Zeitraum eben­falls auf nahe 9 Milliarden, genau auf 8919 837 000 Mk., der Reservefonds auf 537144 000 Mk. Unter Aktivvermögen der Sparkassen ist sowohl das eigene Vermögen derselben (insbesondere Grundstücke und Inventar), als auch das werbende Vermögen, b. h. die Anlagen (ausgeliehene Kapi­talien), welche ben Gegenwert ber (Anlagen bilden, und der Zinsertrag der Anlagen bis 31. Dezember 1900, ferner ber Betrag ber Wertpapiere und ber Barbestand zu verstehen. Für die preußischen Kassen kommt noch ber Spar- und Re- Zrvefonbs im Betrage von 8122 399 Mk. hinzu. Also bem Guthaben ber Einleger von 8838583 000 Mk. steht als

un5 nur biefe allein die verdiente Strafe treffen wird, bars als zweifelhaft gelten. Vorbeugend für bie Zukunft wirken diese Strafexpeditionen erfahrungsgemäß nicht. Es werden noch Jahrzehnte dahin gehen, bis durch den Einfluß der Verwaltung und Atissionen Gesittung und Kultur feste Wurzel gefaßt haben.

10. Deutsches Turnfest.

L

91 ürnberg, 16. Juli.

Die Hauptprobe des Festspiels fand vor einem mehr als 5000köpfigen Publikmn statt, das der wirkungsvollen Dar­stellung begeisterten Beifall zollte. Das von bem Archtv-

Gießen, den 18. Juli 1903.

und kunstgewerbliche Aus- fx.^ l l ll ic y uu am Brand, welche morgen, Sonn­

tag, von 11 bis 3 Uhr iinunterbrocfjen geöffnet ist, bleibt von Montag an geschlossen. Die Eröffnung der Gemälde- Ausstellung findet wieder Ende September statt. Da bie gegenwärtige Ausstellung bei den Mitgliedern und Kunst- jreunben einen so großen Anklang gefunben hat, plant der Vorstand, alljährlich eine kunstgewerbliche Ausstellung zu veranstaltet:. Bemerkenswert ist noch, daß die sertherige Ausstellung in der Zeit vom 18. v. M. bis gegenwärtig von nahezu 2000 Personen besucht war.

** Nach bem Tobe I u st u s von L i e b i g s, dessen 100jährigen Geburtstag nur neulich in würdiger Weise ge­feiert haben, stritten bekanntlich drei Städte um die Ehre, dem großen Manne ein Denkmal zu setzen: München,