Ausgabe 
18.7.1903 Drittes Blatt
 
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Universitäts-Nachrichten.

* Gießen, 18. Juli. In einem auswärtigen Blatte hatten wir gelesen, daß der ordentl. Professor der Rechte Dr. Heim- b u r g e r, dem zum 1. Oktober bekanntlich die erbetene Entlassung aus dem Staatsdienste von Sr. R. H. dem Großherzog in Gnaden erteilt worden ift, beabsichtige, eine Privatstellung in Rom zu über­nehmen, und daß die Besetzung des durch seinen Fortgang vakant werdenden ordentlichen Lehrstuhls an unserer Universität Schwierig- teiten machen dürfte. Jetzt teilt uns Herr Prof. Heimburger auf unsere Anfrage mit, daß diese auswärtige Zeitungsmeldung über seine Zukunstspläne vollständig aus d e r L u f 1 g e g r i f f e n ist und jeglicher Begründung entbehrt. Was die Wiederbesetzung der von ihm innegehabten Professur betrifft, die übrigens außer dem Völker- und Kirchenrecht in erster Linie das Staats- und Ver­waltungsrecht umfaßt, so erscheine dieselbe bereits für das kommende Wintersemester als durchaus gesichert.

Wie aus Heidelberg gemeldet wird, bat anläßlich des bevorstehenden Jubiläums der Rupeito Carola ein unbekannter eine Büste von Hermann Helmholtz, der von 1858 bis 1871 dem Lehr­körper angehörte, gestiftet. Aus Freiburg L Br. wird ge­schrieben : Eine Stiftung für deutsche Studenten und Studentinnen der Medizin ift soeben der hiesigen Universität zugefallen. Konsul a. D. L. L e u t h n e r in Darmstadt, dessen Sohn, sind, med., vor wenigen Wochen hier plötzlich starb, hat für erwähnten Zweck 30 OOO Mark gespendet. Wie ferner aus Freiburg i. Br. berichtet wird, geht der Privatdozent für Zoologie, Dr. Ä. P e t r u n ke­rn i t s ch zur Vornahme von wissenschaftlichen Arbeiten nach Nord­amerika. Er hat em Jahr Urlaub erhalten.

Kunst und Wissenschaft.

Hausschatz älterer Kunst. Von dem KunstwerkHaus­schatz älterer Kunst", das dieGesellschaft für vervielfältigende Kunst" in Wien herausgiebt, sind die Lieferungen 16 und 17 er­schienen, mit denen sich diese auf 20 Lieferungen berechnete Publi­kation ihrem Abschluß nähert. Die in den beiden neuen Liefer­ungen enthaltenen zehn Blätter schließen sich ihren Vorgängern würdig an. Die Reproduktion in Radierung und Kupferstich ist auch diesmal wieder ganz vortrefflich. Die Radierungen William Ungers nach RembrandtsSitzender Mann", nach RubensSieg und Tod" aus dem Decius-Mus-Zyklus der Lichtenstemschen Galerie m Wien und nach dein von einem Schüler Rembrandts, vielleicht von B. Fabritius herrührendenChristus vor Pilatus" gehören zu den allervorzüglicyften Leistungen der reproduzierenden Graphik. Fast auf der gleichen Höhe halten sich die übrigen Blätter: GarofalosHeilige Katharina", gestochen von G. Eilers, F. van Mieris'Männliches Bildnis", radiert von W. Hecht, Adrian a. OstadesUnterbrochenes Spiel", radiert von A. Juppe, S. RuysdaelsLandfchaft", radiert von G. Greux, P. van Slin- gelantsViolinspieler", radiert von L. Kühn, SteensHeiterkeit im Hamilierrkreife", radiert von C. Rauscher, und Wouwermans Düne", radiert von W. Krauskopf. Der Preis dieses wirklichen Kunstwerkes ist außergewöhnlich mäßig, da die Lieferung mit fünf Blatt Radierungen nur 3 Mk. kostet; es kann daher die Anschaffung jedem Kunstliebhaber wärmstens empfohlen werden.

Vermischtes.

* H a-m m, 17. Juli. Auf dem SchachtKönigsborn" in Bönen-Bremeberg erfolgte ein Zusammensturz. Zwei Bergleute sind tot.

* Magdeburg, 17. Juli. Der 28jährige Rangierer Pansengramm geriet heute auf bem Neustädter Bahnhof Mischen die Puffer zweier Wagen, der Kopf wurde total zerguetscht und die Beine abgefahren.

* Danzig, 17. Juli. Liegen erheblicher, bei der Danziger Oelmuhle entdeckter U n t e r s ch l e i fe wurden der Inspektor und der Wiegemeister der Mühle verhaftet.

* Thorn, 17. Juli. Das Hochwasser der Weich- s eL erreichte die Höhe von sechs Meter. Der Schiffsverkehr stockt fast ganz.

* Chri.stia.nia, 17. Juli. In Tijermulen brach wäh­rend desBesuches des KönigsOskar eineLandungs- brücke z u s am men und etwa 100 Mensch en, die dar­auf standen, stürzten ins Wasser. Viele is^rsonen wurden mehr oder minder erheblich verletzt.

* Zürich, 17. Juli. Gestern ist im Valtuors im Engadin ein junger deutscher Tourist Namens Daniel Lang beim Edelweißpflüüen abgestürzt und war so­fort t o t.

* Salzburg, 17. Juli. Auf dem Krimmler Tauern gerieten 24 Touristen in einen Schneesturm und blieben stecken. Sie wurden nach längerer Zeit ge­rettet.

* Bud apest, 17. Juli. Aus der Kaserne in Temes- var sloaen drei Exerzier-Geschosse auf den Hof des benach­barten bischöflich en Wohnhauses und explodierten dort, ohne jedoch großen Schaden anzurichten. Man ver­mutet ein Attentat.

* Bu dapest, 17. Juli. Nach wochenlangem Regen- wetter ift plötzlich im ganzen Lande große Hitze ein- getreten. In Temesvar starben gestern zwei Menschen an

* Der im Prozeß Berlin den zu sechL Jahren Gefängnis verurteilte Prokurist Kosbadt hat Re­vision einglckegt.

* Eisenbahnunfalle. Am Donnerstag abend fuhr im Personenbahnhof Hagen ü W. einem nach Brügge ausfahrenden Güterzug eine aus einem Nebengleise kom­mende Lokomotive in die Flanke. Der Lokomotivführer der aus dem Mbengleise kommenden Lokomotive erlitt einen Llrmbruch. Der Zugverkehr zwischen Haspe und Hagen wurde eingleisig ausrecht erhalten. Ein am Freitag von Neapel nach Reggio in Calabrien abgegangener Eilzug entgleiste infolge falscher Weichenstellung 300 Meter vom Bahnhof. Drei Wagen stürmten um. Der Zugführer konnte den Zug sofort zum Stehen bringen. Etwa 15 Per­sonen sind leicht verletzt.

* Explosion. "Nach einer Meldung aus Elb erfeld fand bei dem Fabrikanten photographischer Bedarfsartikel Hugo Leuthe eine Explosion von Blttzlichtpulver statt, die große Zerstörungen verursachte. Ein Arbeiter wurde ge­tötet. .

* Wiedergefunden. Wie wir seinerzeit meldeten, verschwand der 23 Jahre alte Student Fritz Schnei­der, dessen Elterri in Soest wohnen, am 30. Mai d. I. aus C h a r l o t t e u b ur g, ohne daß man bisher ein Lebens­zeichen von dem Vermißten erhielt. Jetzt wurde dieser, wie aus Thale im Harz gemeldet wird, in einer Felsspalte im Bodetale, wo er seit sechs Wochen gehaust baue, durch zwei Bewohner des benachbarten Weilers Wendefurth ent­deckt und seinem später herbeigeholten Bruder und Schwager in ziemlich heruntergekommenem Zustande übergeben.

* AltPreußische Zecher. Wir lösen in der Königs­berger Hartungschen Zeitung: In der westpreußischen Gar­nisonstadt L. bildet folgendes Geschichtchen das Tages­gespräch, dessen Richtigkeit der Elbinger Zeitung ausdrücklich versichert worden ist. In dem Offizierkasino zu X. ver­kehren auch Zivilpersonen, Bekannte und Freunde der Offi­ziere. Zu diesen Zivilpersonen gehört Assessor Z. Eines Abends war der Herr Assessor wieder im Kasino; neben ihm saß Hauptmann I. Der Herr Assessor trank ein Gläs­chen nach dem anderen und verspürte schließlich den Wunsch nach einem Lokalwechsel, denn er hatte mit einigen Freunden eine Kneiperei verabredet. Der Assessor, ein Riese von Gestalt und Körperbau, erhob sich und rief:Herr Ser­geant (der Verwalter des Kasinos), was habe ich zu zahlen?" Ter Herr Sergeant begab sicy zum Schanktisch, wo die ver­schiedenen Vormerkungen gewissenhaft gemacht werden, kam zurück und sagte:Der Herr Assessor haben 46 Schnitte Lier getrunken". Der Assessor zahlte und verabschiedete sich, um in die andere Kneipe zu gehen. Kaum hatte er die Tür hinter sich zugemacht, da sprang der Hauptmann erregt aus. ,Lerr Sergeant, wie können Sie sich unterstehen, dem Herrn Assessor soviel Geld abzunehmen? Ich werde Sie dafür zur Rechenschaft ziehen/'Entschuldigen Herr Hauptmann, der Herr Assessor haben soviel Bier getrunken." ,/Das ist ganz unmöglich; ich werde die Sache untersuchen." Ter Herr Hauptmann erteilte den Befehl, ihn sofort rufen zu lassen, wenn der Herr Assessor wieder im Kasino er- fcheinen würde. Das geschah nach drei Tagen. Der Haupt­mann nahm seinen Platz neben dem Assessor. Jedesmal, wenn der Assessor ein neues Glas Bier bekam, machte der Hauptmann ui verstohlener Weise einen Strich auf seine Nlanjchette. Der Assesjor hatte das übliche Plauderstündchen abgesessen. Wieder rief er:Herr Sergeant, was habe ich zu zahlen?" Prompt erfolgt die Antwort:Der Herr Assesjor haben 53 Schnitt Bier getrunken." Als der Assessor das Feld geräumt hatte, nahm der Hauptmann die bemalte Manschette zur Hand und zählte. Er zählte zum zweitenmale, und darin setzte er sich den Kneifer aus die Nase und zählte zum drittenmale. Nun stand der Haupt­mann aus, ging auf den Sergeanten zu, reichte ihm die Hand und sagte:Herr Sergeant, ich habe Ihnen neulich unrecht getan; was ich damals gesagt habe, nehme ich hiermit zurück. Zu meiner Entschuldigung muß ich aller­dings bemerken, oaß urtr ein Mann, der soviel sausen kann, noch nicht vorgekommen ist."

die Stadt seiner letzten Wirksamkeit, Gießen, die Universität, an der er den Gipfel seines Ruhmes erreichte, und Darm­stadt, seine Geburtsstadt. Dmtk dem Einflüsse derjenigen nnter den Spendern, die fia) aus der Zahl der zu jener Zeit noch zahlreich lebenden Schüler Liebigs rekrutierten, wurde damals in erster Linie München bedacht, dann kam Gießen und Metzt Darmstadt, sodaß die Gebnrtsftadt LiebigS und die Residenz des Fürsten, unter dessen Regierung und ver- stünduisvoller Förderung Liebig seine Laufbahn begann, erst au letzter Stelle berücksichtigt wurde und daher nur jene bescheidene Herme auszustellen vermochte, die an sich nicht sehr ansehnlich auf dem für ihre Verhältnisse ungünstigen Bahiihofsplatze schlechthin wirkt und außerdem durch die projektierte Baynl)ofsverlegung in ihrem Stande au Ort und Stelle gefährdet ist. 'Ihm sind dreißig Jahre feit Liebigs Tode, hundert Jahre seit seiner Geburt dahin­gegangen, mid mehr und mehr tritt, im Zusammenhänge mit seinem YLamen, ivenn man auf seinen M^degang im ganzen blickt, die Bedeutung Darmstadts als LiebigS ^tadt in den Vordergrund. Dor Gedanke, ihn hier an passender Stelle durch ein Denkmal von wirklich künst­lerischem Werte zu ehren, beginn^ mehr und mehr an Boden zu gewinnen, zumal auch Se. Königl. Hoheit der Großherzog dem Plane großes' Interesse entgegenbringt und seiner Ausführung huldvolle und tatkräftige Förderung tu Aussicht zu stellen geruht hat. Wie wir hören, sind bereits eine Reihe von Männern zu einem Denkmals- Ausschusse zusammengetrcten, der sich betreffs Beschass- 1777g der erforderlichen Geldmittel demnächst an die breitere Oe^entltchkeit wenden wird und auf allseitiges freundliches Entgegeuwmmen wohl im voraus sicher rechrien darf.

** Schn eidermeister Stumpf und Frau feiern am Sonntag das Fest der silbernen Hochzeit.

** S ch ü tz e n f e st. In der gestrigen Hauptversammlung oes Schützenvereins wurde die Besetzung des Festzuges wie folgt durch das Loos bestimmt: Radfahrerverein, Freiw. Gallsche Feuerwehr. Bürgergesellschaft, Männergesangverein, Liederkranz, Gernhardtscher Zither- und Maiidolinenchor, Harmonie, Eoucordia, GemütlichkeiL, Maschinenbauer-Ge- saNgverein, Lutscheroerein, Turnerschaft, Artillerieverein, Stemm- und Ruigklub, Schützenverein, Städt. Feuerwehr. Fast zwei Drittel der hiesigen Geselligkeits-. Turn-, Ge­sang-, Ruder- und Radsahrervereine haben chre Teilnahme an dem Festkommers heute abend zugesagt, während die Beteiligung am Festzug verschiedener Vereine wegen ander­weitigen Verpfliä)tungen nach außen nicht angeht. Die Mitglieder des Schützenvereins versammeln sich Sonntag mittags 2 Uhr im' Cafe Royal, Seltersweg, zur Abholung der Fahne. Am heutigen Festkommers wird Rechts- cmwall Kaufmann die Festrede halten. Das Pro­gramm für den Abend ist sehr reichhaltig sowohl für Musik wie für Gesang. Wünschen wollen wir, daß das 1899er Schützenfestwetter sich dieses Jahr nicht wiederholen möge.

* Nette Altertümer werden am römischen Psahl- graben ausgegraben, wie uns ein poetischer Leser aus der Gegend von Butzbach schreibt:

Ein glücklicher Bursch, der in Ferien zieht, Singt gerne vor Freude ein lustiges Lied, Und well die Geschichte was Spaßiges hat, So dacht' ich, du schickst sie ins Gießener Blatt Mein Freund ift em Forscher, mit dem ich oft geh' Und dabei erlebt' ich ei» kleines Essay:

Als wir so da schrecken bei Buchen und Quell Arn Wau, wo vor Zeiten das Rönrerkasrell: Mauch Seltnes an Krügen mein Freund hier schon hob, Auch heut voll Vergnügen forscht weiter Freund Bob. Er gräbt sorschungstüchng ins Mauerwerk rein Und wickeck denn richtig 6 Tonkruge ein.

Daraus hat nach Siegen wohl Cäsar gezecht!

Da aus wars Vergnügen, das Zeug war nicht echt!

Auf einem geschrieben die Inschrift sich hob: Cäsar s. lieben Herrn Antiquar Bob".

r. Bad-Nauheim, 17. Juli. Bis zum 16. Juli 1903 sind 14 894 Kurgäste angekommen, wovon an genann­tem Tage rwch 6469 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 16. Juli 172162 abgegeben.

g. Friedberg, 16. Juli. Der Voranschlag der Stadt zeigt eine Gesamteinnahme von 435 607 Mt., darunter Umlagen 176 500 Mt., aufzunehmende Kapitalien 114 240 Mark, Erträge aus dem Gas- rmd Wasserwerk 37 600 Mk. Bei den Auslagen betragen die Summen für Schulen 33 075 Mk., Erbauung von Straßen, Brücken rc. 50 530 Mk., Ankauf von Grundstücken 35 500 Mk., eine Baracke für die Gewerbeakademie 4000 Mk. und Beiträge zur Kreiskasie 33 700 Mk.

L Düdelsheim bei Büdingen, 17. Juli. Die Ge­meinde hat den Bau einer Wasserleitung beschlossen. Die Arbecken sollen demnächst in Angriff genommen werden. Man hofft noch vor Winter die Leitung zu beginnen. Die Länge beträgt ca. 6500 Meter.

Arbeiterbewegung.

Frankfurt a. M., 16. Juli. Die hiesigen Trambahn- anae ft eilten organisieren sich. Es wurde bte Gründung eines eigenen Vereins beschlossen, da der Anschluß an den TranSport- arbeiterverband für die städtischen Trambahnangestelllen nicht zweck­mäßig erschien. Infolge Arbeitsmangels wiirde etwa 60 Tram­bahnleuten gekündigt. Die sozialdemokratische Agitation macht sich natürlich bei den Trambahnern auch bemerkbar, bis jetzt aber noch ohne besondere Erfolge. __ ____

Sport.

Am 26. Juli findet, wie bereits mitgeteilt, auf der Radrenn­bahn Sportplatz a. d. Hardt ein internationales Rennen statt und es kommt an diesem Tag der große Preis von Gießen, offen für Berufsfahrer in drei Läufen mit Punktewertung, zum Austrag. Das Rennen wird sehr interessant werden, da wir diesesmal die Leistungen erster Beriifsfahrer und Dauerfahrer sehen können. Es haben bereits gemeldet: Gritzmann-Berlin-Friedenau, Lier-Köln- Ehrenseld, Gottron-Atainz, Werner-Magdeburg, Lutter-Magdeburg,. Käser-Berlin, Ebert-Leipzig, Schmidter-Köln, Möder-Berlin, Gräs- Franksurt, Lasalle-Paris rc.

Handel und Verkehr. Uolkswirrschast.

Frankfurter Börse. (Wochenbericht.) Die Erholung an der New-Porter Börse hielt nicht lange an, da rote es scheint, dte Verhättnisse briiben noch nicht als dermaßen geklärt gelten dürfen, daß sie zu einer dauernden Aufroärtsberoegung anspornen könnten. Immerhin muß konstatiert roerden, daß der Kontinent, die Lon­doner und die deutschen Börsen, Paris und Wien fortfahreii, sich möglichst zu emanzipieren. Wie weit dies gelingt, hängt von den amerikanischen Geldbedürfnissen ab, doch hofft man gegen den Herbst die gewünschte Selbständigkeit roiedererlangt zu haben. Im Vordergrund des allerdiiigs höchst anregimgslojen, hochsommer­lichen Verkehrs standen Montanwerte. Die anhaltcride Export' steigerung und neuerdings auch der Hinweis auf Arbeitermangel im Bergwerksbetrieb sich regelmäßig während der Aberntung ein­stellt, daher nicht gerade aus dem Mehrbedarf hervorzugehen braucht. . Die Spekulation wird wohl bei den dieswöchentlichen Kurserhöhungen von Harpener, Hibeniia, Gelsenkirchener, Kon­kordia hauptsächlich die Aussichten für die Neugestaltung des Kohlensyndikats haben gelten lassen. Eisenaktien behaupteten sich. Von Bankaktien profttierten Diskonto-Anteile wegen Beteiligung der Gesellschaft am rumänischen Petroleumgeschäft. Deutsche Bank, Dresdener und Ottomane fester. Einige Bahnen, rote Staats­bahnen und Lombarden auf Erntenachrichten in regerem Verkehr. Prima Henri-Aktien notierten höher. Pfälzische Bahnen behauptet. Mexikanische Silberanleihen gut beachtet und teurer. Das gleiche gilt von Bulgaren, welche auf politische Zusagen seitens der Türkei stiegen. Argentinier fest, Spanier, schwächer. Deutsche 3,5 und 3 pEt. Anlehen leicht erholt. Von Jndustriepapieren gewannen einzelne Elektrizitätsroerte, ebenso solche der chemischen rote der Maschinenbranche, z. B. Boese, Schuckert, Ehern. Griesheim, Scheideanstalt, Bielefelder Maschinen, Motorenfabrik Oberursel. Geld ziemlich gefragt. Privatdiskont 3/8 pEt.

Äraftfuttermittel. Die Stimmung im Futtermittelgeschäft blieb in der abgelaufenen Woche eine ruhige und zeigten Preise roenig Veränderung. Von Amerika lauten die Forderungen für Baumroollsaatmehle nach roie vor recht hoch, sodaß nur wenig In­teresse für den Artikel besteht. In Schlempe und Biertrebern fehlen Angebote vollständig. Erdnußkuchen werden von Marseille sowohl für" prompte, als mich für spätere Lieferung noch immer teurer offeriert, als sie hier aus zweiter Hand käuflich sind. Für Kokos­kuchen geringerer Qualität indessen ist eine kleine Abschwächung zu verzeichnen, wogegen Preise für erste Marken eher etwcts höher zu notieren sind. Inländische Artikel, roie Palm- und Leinkuchen, vollständig unverändert; Reisfuttermehl dagegen fester.

Tabak. Die inzroischen niedergegangenen Gewitterregen fördern das Wachstum der Pflanzen sehr, fast überall sieht man üppige und gut entwickelte Anpflanzungen. Die Hauptsache ist, darauf hinzuwirken,, daß die Pflanzer den Boden recht oft lockern und an die Pflanzen heranziehen, wodurch die Blätter aufrecht zu stehen kommen und sich besser entwickeln können. Wir haben schon wiederholt darauf hingewiesen, daß der vorzeitige Einkauf den Pflanzern nicht die geringste Veranlassung giebt, an der Veredelung des Gewächses zu arbeiten, den Schaden hiervon hat ja immer wieder doch nur der Handel selbst. Besieht man sich aber fertige, dachreife Ware und macht entsprechend der Qualität das Gebot, so wird der Pflanzer schon von selbst darauf sehen, seinen Tabak derarf zu pflegen, daß er auch in seinen Einnahmen nicht verkürzt wird. Das Geschäft in alten und neuen Tabaken ist kaum nennens­wert, einige kleinere Partien Zigarrentabakc wurden abgesetzt.

Bichmarkt. Die Frequenz an den Märkten war in der ver­flossenen Woche eine etwas lebhaftere, auch der Handel konnte sich besser entwickeln. Prima Großvieh schlank abaesetzt, an einigen kleineren Plätzen blieb geringer Ueberstand. Mittlere Qualitäten besser gehandelt, der Absatz ist als mittelmäßig zu bezeichnen. Kälber bei sehr begrenzter Zufuhr rasch ausverkauft. Die Preise erhielten sich auf bisheriger Höhe. Schweine etwas dringender an­geboten, daher im Preise eine Kleinigkeit nachgebend, etwas leb­hafter gefragt.

Djarkte.

Gießen, 18. Juli. Marktbericht. Auf henttgemWochenmarkk kosteten: Butter pr. Pfd. 1,001,10 Mk., Hühnereier 1 St. 67 Pfg., 2 Stck. 1113 Pfg., Gänseeier 1112 Pfg., Enteneier?8 Pfg., Käse vr.Stck. 58 Pf., Käsematte2Stck. 56 Pfg., Erbsen pr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar 1,001,20 Mk., Hühner pr. St. 2,202,20 Mk., Hähne pr. Stück 0,701,60 Mk., Enten pr. Stück 2,002,40 fPif., Gänse pr. Pfd. 5460 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 6878 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6066 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 6676 Pfg., «Lchweinefleifch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6874 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5674 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 0,0010 Mk., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 9,0010,00 Ack., Milch per Liter 18 Pfg. Kirschen per Pfd. 2628 Pfg., Aepfel per Pfd. 000 Pfg., in Körben 0000 Pfg. Trauben 0000 Pfg.

Auszug aus dm LisuSrsMrsrcMklu ötr Ltsitt Glttzeu.

Aufgebote.

Juli. 15. Karl Link, Bäckermeister zu Gießen, und Elisabethe Johanna Haubach dahier. 16. Johann Heinrich Bremer, Taglöhner zu Gleiberg, und Marie Gertrude Bücking dahier.

Eheschließuugeu.

Juli. 11. Wilhelm Theodor Loh, Finanzaspirant dahier, mit Hedwig Helene Christiane Köhler, Tochter des Schreinermeisters Karl Köhler II. dahier. 11. Georg Rieß, Schneider und Turm- roart dahier, mit Marte Josepha Katharine Grämlich, Tochter des verstorbenen Schaffners Fridolin Grämlich dahier. 11. Friedrich Menz, Taglöhner dahier, mit Alwine Schneider, geb. Limber, Witwe des* Taglöhners Heinrich Schneider dahier. 17. Max Pelteson, Fabrikbesitzer zu Dresden, mit Hedwig Oppenheimer, Tochter deS Likörfabrikanten August Oppenheimer dahier.

Geborene.

Juli. 8. Dem Kaufmann August Wittich ein Sohn, August Karl Louis. 9. Dem Kürfchner Richard Frenzei eine Tochter, Marie. 10. Dem Schneidermeister Wilhelm Eich ein Sohn, Wil­helm Ernst Karl. 10. Dem Spengler Paul Noack eine Tochter, Charlotte. 11. Dem Fuhrmann August Kratz em Sohn, Karl August. 11. Dem Wirt Emil Freund ein Sohn, Hermann Robert. 12. Dem Maurer Ludwig Frey eine Tochter, Emma. 15. Dem Spediteur Wilhelm Lynker eiiie Tochter. 17. Dem Schreinermcister Karl Klingelmeyer eine Tochter.

Gestorbene.

Juli. 10. Ernst Adolf Theodor Deutscher, 31 Jahre 11 Monatd alt, Händler dahier. 11. Friedrich Klotz, 20 Jahre 11 Monate alt, Gemüsehändler dahier. 13. Heinrich Hof, 52 Jahre 4 Monate alt, Kohleti- und Holzhändler dahier. 14. Elise Panz, 14 Tage alt, Tochter der Taglöhnerin Kathariiie Panz, geb. Schomber, dahier. 15. Heinrich Karl Ludwig Staffel, 6 sDlonatc alt, Sohn des Zimmer­mannes Christian Staffel dahier. 15. Juliane Engel, 72 Jahre alt, dahier^